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am 18. Juni 2012
Marias polarisiert, lieben oder hassen, dazwischen ist wenig. Dafür gibt es zwei Gründe: 1. Die hochkomplexe Sprache: Marias ist ein Gliedsatzfetischist, der auch dann noch einen Beistrich setzt, wenn andere Autoren gerade den zehnten Punkt verbrauchen. Dabei verzichtet Marias nie auf eine elegante Sprache und auf Momente der Poesie. Trotzdem: die Schreibweise ist extrem gewöhnungsbedürftig und weil sie genau das ist, was Marias zu Marias macht, auch der wichtigste Zugang zu ihm. Leser, die sich hin und wieder in die Literatur des Barock oder in die Literatur der Romantik verirren, haben eindeutig einen Startvorteil. Sie lassen sich vermutlich nicht so leicht irritieren, wenn sich mal ein Satz über mehr als eine halbe Seite erstreckt.
2. In den Geschichten von Marias passiert eigentlich nichts - zumindest in der äußeren Welt. Freilich, da gibt es Todesfälle in diversen Schattierungen, aber der Autor wird niemals plakativ. Diese dramatischen Ereignisse in der äußeren Welt werden nur indirekt wiedergegeben, verpackt in einer Erzählung, in einem abgelegenen Gliedsatz untergebracht, der Blick auf die Leiche nur über den Umweg eines Fotos in der Zeitung freigegeben. Dafür seziert Marias mit einer fast schon krankhaften Pedanterie Hirn und Seele seiner Protagonisten, ein detailverliebter Chronist der Spuren und Verheerungen, die die äußeren Ereignisse in den inneren Welten der Hauptpersonen hinterlassen.
Diese beiden Fakten, die hochkomplexe Sprache und die Absenz jeglicher Action (man verzeih mir dieses vulgäre Wort im Angesicht von Marias), werden viele Leser als todlangweilig empfinden - und das zu Recht! All jene aber, die dieses Buch kaum aus der Hand legen können, werden von der Sprache schwärmen und von den inneren Welten, in denen so viel passiert - auch das zu Recht! Das sollte nicht verwundern, denn es ist ein Merkmal polarisierender Menschen, das sich Gegner und Befürworter auf die gleichen Argumente berufen, um ihre Ablehnung bzw. Bewunderung zu untermauern.
Ist Marias also nur eine Frage des persönlichen Geschmacks? Nein, ich denke man kann auch objektiv an diesen Autor herangehen und Kritik formulieren. Zwei Beispiele:
1. Die vorliegende Geschichte ist sehr konstruiert. Sie eignet sich natürlich wunderbar für Marias, seine philosophischen Fragen daran aufzuhängen, aber es ist eben keine Geschichte, die aus dem Leben kommt, sondern eine, die im Labor eines Schriftstellers erschaffen wurde. Das schafft eine künstliche Distanz zu dem Buch.
2. Die komplexe Sprache von Marias ist ein Stilmerkmal, das viele Gedanken transportieren kann, aber auf keinen Fall geeignet ist, wörtliche Rede wiederzugeben - und davon gibt es viel bei Marias! Nur ein Beispiel:
''Heute kann sie nicht akzeptieren, dass M. nicht mehr ist, aber der Augenblick wird kommen, an dem gerade unbegreiflich wäre, dass es ihn wieder gibt, dass er wieder da ist; an dem allein die Phantasievorstellung vom wundersamen Wiedererscheinen, von der Auferstehung, der Rückkehr, unerträglich wäre, denn sie hätte ihm inzwischen einen endgültigen Platz zugewiesen, ein Gesicht, das sich in der Zeit zur Ruhe gesetzt hat, und würde nicht dulden, dass sein fertiges, fixes Bild sich abermals den Wandlungen dessen unterwirft, was lebendig bleibt und somit unberechenbar.''
Kein Mensch redet auch nur annähernd so wie Marias schreibt! Das ist meiner Meinung nach überhaupt der größte Kritikpunkt an seiner Literatur! Und es schafft wiederum eine sehr gekünstelte, abgehobene Atmosphäre.
Trotzdem vier Punkte? Ja, eine Verneigung vor Marias Sprachgewalt und vor seinem Erfindungsreichtum. Und wer seine 'Schwächen' akzeptieren kann (die im Moment der Akzeptanz ja gewissermaßen schon wieder seine Stärken sind - eben Marias!), bekommt dafür eine noch nie so gehörte Geschichte und tiefgründige Gedanken fast schon als Massenware!
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TOP 50 REZENSENTam 5. März 2012
'Nichts dauert lang genug, denn alles geht zu Ende, und wenn es zu Ende ist, stellt sich heraus, dass es nie lang genug gedauert hat, mögen es auch hundert Jahre gewesen sein.'

Inhalt:
Seit Jahren sitzt María jeden Morgen in einem Madrider Café und beobachtet 'das perfekte Paar'. Nie hat sie ein Wort mit Miguel und Luisa gewechselt, aber sie ist fasziniert von den beiden. Doch eines Tages wird Miguel am helllichten Tag von einem Obdachlosen getötet, und Luisa bleibt allein mit den Kindern zurück. Auch Marías Leben verändert sich nach der Gewalttat, und bald weiß sie nicht mehr, was sie glauben darf und was sie anzweifeln sollte.

Mein Eindruck:
Auch in 'Die sterblich Verliebten' beweist Javier Marías, dass er ein großartiger Beobachter und ein begnadeter Erzähler ist. Den Einstieg ins Buch empfand ich zwar als schwächer als bei 'Mein Herz so weiß' oder 'Morgen in der Schlacht denk an mich', doch nach den ersten 100 Seiten hatte es der Autor endgültig geschafft, mich in seine Geschichte zu ziehen, mich zu fesseln, mich zu begeistern. Wie in seinen anderen Büchern findet der Leser lange, verschachtelte Sätze, eine anspruchsvolle Sprache, die für Marías typische Dehnung der Zeit, philosophische Diskussionen, eine mehrmalige, sich durch den gesamten Roman ziehende Wiederholung einzelner Gedanken und Shakespeare-Zitate.

Als (kleinen) Minuspunkt habe ich die Wiederholungen von Begebenheiten, Gedanken und Beschreibungen empfunden, die man aus Marías früheren Romanen kennt. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, das Gesagte bereits in anderen Romanen des Autors gelesen zu haben, und habe befürchtet, dass Javier Marías allmählich die Ideen ausgehen. Am Ende muss ich jedoch zugeben, dass es dem Autor trotz dieser 'alten Bekannten' gelungen ist, eine neue Geschichte zu erzählen.

Mein Resümee:
Ein sehr gelungener Roman, der es jedoch nicht ganz mit 'Mein Herz so weiß' und 'Morgen in der Schlacht denk an mich' aufnehmen kann.
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VINE-PRODUKTTESTERam 20. Juli 2013
Was ist wahr, was ist Lüge? Liebe und Tod, Freundschaft, Krankheit und Treue, Gewissen und Vorsicht ... Es sind Themen des Romans, er ist spannend geschrieben, aber teils anstrengend zu lesen.

Da kommen viel innere Monologe vor, viel Gedankenspiele, Ausflüge in die Philosophie, Ausflüge in die Literatur und teilweise macht der Autor wenig Absätze. Das erfordert Konzentration und fällt manchmal schwer, wenn das Buch zu oft weggelegt werden muss. Eigentlich steigt die Spannung und es fällt immer schwerer, Lesepausen einzulegen, obwohl es kein Krimi ist.

Ich denke, dass es eine gelungene Übersetzung ist, mit sehr anspruchsvollem Thema und guter Sprache.
Ich habe das Buch mit Spannung und großem Interesse gelesen und auch nach der Lektüre hallt es noch nach - was ist wahr, was ist Lüge ...
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am 27. September 2012
Da ich schon sechs Bücher von Marias besitze, mußte ich natürlich auch dieses haben. An Sätze, die über eine ganze Seite gehen, bin ich gewohnt, aber dieses Buch ist eine echte Quälerei.
Nicht wegen der langen Sätze (die man im übrigen teilweise auch statt mit einem Komma mit einem Punkt oder Semikolon hätte trennen können), nein, es sind die permanenten Wiederholungen und Aufzählungen.
Daß es um Liebe gehen soll ... naja ... darum geht es auch, aber zu 90 % geht es um Tod.
Und darum, was der andere gedacht haben könnte.
Oder getan haben könnte.
Oder was er gedacht haben könnte, während er das tat, was er vielleicht tat ... oder auch nicht ...
Oder was die Erzählerin denkt, was der andere denkt, was sie denkt.
Endloses Schwadronieren über Dinge, die man nicht wissen kann.
Fünfmalige Widerholungen, wen man alles umbringen kann (Eltern, Kinder, Ehemänner, Ehefrauen, Freunde, Kollegen, blablabla), Zitate, die man dreimal auf verschiedenen Seiten lesen muß und immer wieder die verschleierten Augen des Geliebten.
Ich habe seitenweise einige Sätze überflogen, passiert hier endlich mal was? Nein, sie seihert immer noch über das Vielleicht, was wäre wenn, sülz, sülz, ok, dann nächste Seite.
Ich habe mich zum Ende durchgekämpft, aber selbst da passiert dann nicht das, was ich mir gewünscht hätte.
Da bleibe ich dann lieber bei Marias' alten Büchern!
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am 15. Mai 2013
einem autor vorschreiben zu wollen, wo und wie oft er in seinen sätzen einen punkt machen soll, wie das einige rezensentinnen hier machen, halte ich schon für etwas jenseitig. die sprache marias' ist als die seine erkennbar wie die des thomas bernhard oder die des max frisch - höher kann ein autor nicht steigen, als dass man eine seite aus einem seiner bücher liest und weiss - das ist ein javier-marias-buch. ist es nicht so?

wenn die geschichten, die in dieser besonderen sprache erzählt werden, auch noch stimmig sind, dann hat man das glück, ein aussergewöhnliches buch vor sich zu haben. diese empfindung blieb mir bei den sterblich verliebten verwehrt. der plot selbst (achtung spoiler!) - die bitte an einen freund, dich zu töten, wenn du unheilbar erkrankt bist - ist in der heutigen zeit der um jeden (materiellen und persönlichen) preis lebensverlängernden medizin hochaktuell. jeder wünscht sich, das matyrium des langsamen hinsiechens bliebe ihm erspart, umso mehr, wenn es mit entstellung und schmerz einhergehen wird. dass man bald schon ahnt, dass javier (nicht marias, die männliche hauptfigur) kein ganz so böser ist, wie man zuerst impulsiv vielleicht glaubt, werfe ich marias dabei nicht vor. dass man die ganze wahrheit bis zum schluss nicht erfährt, schon gar nicht - schliesslich geht es in dem buch auch sehr stark um philiosophische themen - und da gibt es keine wahrheit. es ist nur manches gar zu langatmig, gar zu oft wiederholt, und darüber kann selbst die kunstvoll ziselierte sprache marias' nicht hinwegtrösten. das kapitel am ende des buches, in dem javiers helfer wieder auftaucht um maria (die weibliche hauptfigur; ja, der mann heisst javier, die frau maria - ein klein wenig verspielt ist das schon) avancen zu machen, ist völlig unnötig, womit das buch bei einem umfang von 250 seiten auch alles erzählt hätte, was zu erzählen war.

aber vielleicht ist dieses mein ansinnen genau so jenseitig wie das anderer rezensentinnen nach kürzeren sätzen.
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am 28. August 2013
nach Jahren hatte ich wieder mal Lust etwas von J.Marias zu lesen. Und wieder hat mich der Autor mit dieser spannend in eine Kriminalgeschichte eingebundene Liebesgeschichte fasziniert. Denn die Sprache ist lebensnah, einfach dahinplätschernd, ja so kann es gewesen sein.... sagt man sich nach jeder Seite. Der Tod kommt manchmal plötzlich, unvorbereitet für die verbleibenden Angehörigen, deren Gefühle der Autor sehr einfühlsam nachempfindet. Der Tod eines geliebten Menschen schockiert aber das Schrecklichste sind die Reaktionen der Menschen danach. Deren Rat - überflüssig da die Floskeln die Trauer nur verschlimmern. Das Warum (des Todes) wird man nie verstehen, auch die Zeit heilt keine Trauer , keinen Schmerz aber die tägliche Qual wird etwas erträglicher. Das ist wohl die Hauptmessage .
Ich freue ich schon auf das nächste Buch von Javier Marias. Und bis das kommt kann man sich mit folgenden Büchern ebenso begeistern lassen: Schertenleib : Der Glückliche, Genazino: Die Liebesblödigkeit, R. Rothmann: Feuer brennt nicht.Viel Spass.
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am 9. April 2012
Die "große Liebe" begegnete María jeden Morgen in einem Café gegenüber dem Verlage in dem sie arbeitet. Luisa und Miguel kamen jeden Tag zur selben Zeit hierher zum Frühstück; meist waren sie allein, meist verabschiedete Miguel sich zuerst und Luisa blieb; nie jedoch bemerkten sie ihre stille Beobachterin am Nebentisch;

Bis zu jenem Tag - sein Geburtstag - an dem alles Glück zerbrach und Miguel von einem Wahnsinnigen auf offener Straße attackiert und getötet wurde. Luisa blieb allein zurück. Doch ein wahrer Freund stand ihr zur Seite, so wie Miguel ihn einst gebeten hatte.

Einmal mehr zerpflückt Javier Marías die menschliche Seele in ihre einzelnen Bestandteile, verirrt sich in Grundsatzfragen der Menschheit "Wo gehe ich hin", "Was kommt danach" und "Was bleibt zurück".
Zu Hilfe nimmt er sich Balzacs "Leutnant Chabert", Shakespeares "Macbeth" oder Dumas "Die drei Musketiere" - sehr gut in die Gedankenspiele eingeflochten!

Auch in seinem neuen Roman holt Marías sehr weit aus, taucht tief in die tügerische Gedankenwelt seiner Protagonisten ein und lässt natürlich eine unausweichliche Wende von Schein zum Sein nicht vermissen.
Das eine oder andere Mal verzettelt er sich dabei jedoch und entkommt mit seinem Schluss dem Verwurf der Selbstgerechtigkeit nicht ganz. Mir hat der Roman dennoch gut gefallen und ich habe mich auch immer wieder beim "Mitdenken" der unzähligen Möglichkeiten erwischt.
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"Ich bin nicht mehr die, die ich war.
Der Haken ist nur, auch wenn ich es nicht mehr bin, kann ich oft nicht vergessen, was ich war, und dann ist mir schlichtweg mein Name zuwider, und ich wünschte, ich wäre nicht ich."
So hätte der neue Roman von Javier Marías beginnen können. Aber der wohl bekannteste zeitgenössische Autor Spaniens lässt seine in der Ich-Form erzählende Protagonistin María, eine Verlagsangestellte Mitte dreißig, diesen beklemmenden Satz erst gegen Ende seiner Erzählung äußern, nachdem sie in einen Strudel von diffusen Erlebnissen gerät, die ihr weiteres Leben stark beeinflussen sollen.

Auslöser ist der gewaltsame Tod eines Mannes, von dem der Leser im nun wirklich ersten Satz erfährt: "Das letzte Mal sah ich Miguel Desvern oder Deverne, als ihn auch seine Frau Luisa zum letzten Mal sah, was eigentlich seltsam, ja ungerecht ist, denn sie war seine Frau und ich nur eine Unbekannte, die nie ein Wort mit ihm gewechselt hatte." Gänzlich unbekannt ist María der Tote allerdings nicht. Jeden Morgen beobachtet sie heimlich Miguel und Luisa in einem kleinen Café beim Frühstück. Das Pärchen, welches dort in liebevoller Harmonie den Tag beginnt, ist in seiner Verbundenheit beinahe so etwas wie ein Tagesglücksgarant für María. Aus dem stillen Betrachten schöpft sie Kraft für den Tag. Als die Beiden plötzlich ausbleiben und María aus der Zeitung erfährt, dass Miguel auf offener Straße von einem Verrückten erstochen wurde, nimmt ihr Leben eine nahezu dramatische Wendung.

Javier María, der 1996 mit seinem Bestseller "Mein Herz so weiß" bereits ein bedeutungsvolles Achtungszeichen setzte und Marcel Reich-Ranicki zu Begeisterungsstürmen animierte ("Dies ist ein Meisterwerk, es ist ein ganz großes Meisterwerk."), gelingt erneut ein großer Wurf. Abermals ist der Tod eines Menschen Reflexionsthema und Sujet. Der Spanier setzt Menschen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen, "die nichts als schemenhafte Statisten sind, Randfiguren, die einen Winkel, den dunklen Hintergrund des Bildes bewohnen und die wir nicht vermissen, wenn sie verschwinden", die aber dennoch unser Leben durcheinander wirbeln und in völlig andere Bahnen lenken können.

Liebe, Neid, Verlangen, Verrat und Glück sind die Themen, mit denen sich Javier Marías auseinandersetzt. Indes über allem steht das beherrschende Thema: der Tod. "Wenn man an den Tod denkt und sich vor Augen führt, welche Wirkung er auf die Lebenden hat, dann muss man sich ab und an fragen, was nach dem unseren geschehen wird, in welcher Lage die Menschen zurückbleiben, für die wir wichtig sind, wie sehr es sie mitnehmen wird. (...) Was dauert, verdirbt und verrottet am Ende, langweilt, wendet sich gegen uns, macht überdrüssig, müde." Sein Interesse gilt den Eventualitäten und imaginären Möglichkeiten. Dabei betritt er immer wieder Zwischen- und Grenzräume und versucht diese auszuloten. Denn nie "können wir sicher sein, was sich für uns als lebensnotwendig, wer sich für uns als wichtig erweisen wird. Unsere Überzeugungen sind schwankend und schwach, für so stark wir sie auch halten mögen. Ebenso unsere Gefühle." Blinde Flecken und Widersprüche, Schatten oder Lücken gehören zum Leben eines jeden Menschen. Javier Marías taucht in diese ein.
Honore de Balzacs Erzählung "Oberst Chabert" und Alexandre Dumas "Die vier Musketiere" geben dem Roman sein Rahmengerüst und werden immer wieder eingeflochten.

"Die sterblich Verliebten" ist eine subtile, mehrdeutige und kluge Erzählung, die sich ständig gabelt, in latenten Abschweifungen multipliziert und spiegelgleich reflektiert.
Javier Marías Sprache ist poetisch und schön, seine Überlegungen beinahe philosophisch. Man wiegt sich schier in seinen Worten, die von Susanne Lange kongenial und gefühlvoll ins Deutsche übertragen wurden. Gleichzeitig erzählt der spanische Autor mit einer Detailverliebtheit, die kaum zu übertreffen ist. Eine Szene, die sich in wenigen Sekunden abspielt, dehnt er mühelos auf mehrere Buchseiten aus. Seine Schilderungen konzentrieren sich nicht nur auf Handlungen, sondern sie erfassen jedes Minenspiel, jede Assoziation, die dadurch ausgelöst wird. Ausschweifend und trotzdem pointiert, entwickeln sich diese mitunter zu anschwellenden Gedankenkaskaden. Ein Satz über ein, zwei Seiten stellt dabei keine Seltenheit dar. Ein bisschen ähnelt sein Stil dem großartigen österreichischen Autor Thomas Bernhard, der gleichfalls ein Meister dieser Schreibweise war.

"Es ist riskant, sich in einen anderen hineinzuversetzen, manchmal findet man nur mit Mühe wieder hinaus." Nicht nur der Protagonistin María ergeht es derart. Auch der Leser wird in diesen intensiven, auf hohem Niveau geschriebenen Plot hineingezogen und kann sich nur schwer aus dem Text lösen. "Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über", steht irgendwo in der Bibel. Javier Marías' Herz - so scheint es - ist übervoll. "Die sterblich Verliebten" erweisen sich als fesselnde und brillante Lektüre. Ein reflexiver Roman, der wie in allen guten Bücher, nicht versucht, Antworten zu finden, sondern Fragen aufzuwerfen.
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am 16. März 2012
Den neuen Roman von Javier Marías "Die sterblich Verliebten" habe ich in einem Rutsch weggelesen, schon damals hat mich "Mein Herz so weiß" unendlich begeistert. Mit seinem neuen Buch zeigt Marías einmal mehr, was für ein großer Meister der Spannung, der klugen und überraschenden Gedanken ist, und vor allem, wie genau er den Menschen mit all seinen dunklen Seiten kennt, das ist genial. Die Geschichte ist so gut aufgebaut, dass man gar nicht anders kann, als immer weiter zu lesen, man will wissen, was als Nächstes passiert, und es passiert immer wieder etwas völlig Unerwartetes, die Figuren sind so klar gezeichnet, dass man meint, sie gut zu kennen, aber wie sie handeln, ist doch immer wieder überraschend. Wieso lässt sich Luisa, nachdem sie den Tod von Miguel, ihrer großen Liebe, akzeptiert hat, auf Javier ein, wieso hegt sie keinen Verdacht, dass Javier vielleicht etwas mit Miguels Tod zu tun haben könnte, wieso schaltet sich María, die über die Umstände so viel weiß, nicht ein? Und was ist die Wahrheit? Vielleicht erzählt jeder nur seine eigene Geschichte? Was man alles so tut oder auch nicht tut, wenn man verliebt ist, das weiß nun jeder, aber trotzdem ist das Verliebtsein immer wieder neu, und man weiß nie, wie man handelt. Es ist großartig, wie tief und genau Marías in die menschliche Seele schaut. Die "Sterblich Verliebten" kann ich absolut empfehlen. Großartig.
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am 8. März 2012
Grandios. Schon »Mein Herz so weiß« habe ich verschlungen, aber »Die sterblich Verliebten« ist nochmal eine Steigerung des Großmeisters Marías. Seine Sprache ist klar und genau, Marías führt einen leichtfüßig durch all seine Gedankengänge. Und dann ist dieses Buch von einer unvergleichlichen Spannung, nie weiß man, wozu sich Luisa, Javier und María als nächstens entscheiden, immer unerwartet und überraschend geht die Handlung weiter, so kann man nicht anders als immer weiter, fast atemlos, zu lesen. Was aber vor allem Marías' Kunst ausmacht, ist sein Blick in die menschliche Seele, ungeheuerlich, wie tief er schaut, aber vor allem wie genau er die dunklen Seiten kennt, die Widersprüche des Menschen, seine Wünsche und Begierden. Würde man aus Liebe töten? Das vielleicht nicht, aber hat nicht jeder mal denjenigen begehrt, der in festen Händen war? Wir wollen doch gerade aus Liebe immer das Gute tun, aber tun wir es auch? Eine irrsinnig spannende Geschichte, die die Menschen von einer ganz anderen Seite beleuchtet. Unbedingt empfehlenswert!!!
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