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Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
20
Warum es ums Ganze geht: Neues Denken für eine Welt im Umbruch
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:10,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 6. Juni 2015
Eine Bemerkung vorweg: Man kann mit den Zielen und der Lebenshaltung, die Dürr formuliert, durchaus einverstanden sein, und trotzdem dieses Buch kritisieren. Das ist wohl für einige Leser nicht ganz einfach zu verstehen. Ich meine für jene, die hier gerne kritische Rezensenten mit der Frage attackieren: "Warum lesen Sie überhaupt dieses Buch, wenn Sie nicht…." usw. Als ob man verpflichtet wäre, allem beizustimmen, was man liest.

Zunächst einmal zum Anspruch, hier werde ein Neues Denken propagiert. Dieses Denken ist nicht neu. Es hat doch schon immer, seit es denkende Menschen gibt, unterschiedliche Haltungen gegeben:
Grob aufgeteilt sind dies einerseits die Vorstellung, die Welt bestehe aus Materie, und der Mensch, als die Krone der Schöpfung, könne und solle sie zu seinem Nutzen verstehen und beherrschen, ja ausbeuten. Wobei mehr oder weniger eng definiert wurde, wer in diesem Sinne als Mensch gelten soll (Europäer? Männer? Christen?). Und dem gegenüber eine Haltung, die den Menschen in einen grösseren, geistigen Zusammenhang stellt, in dem alles Leben seinen Sinn und seine Würde hat. Das kann man ja schon bei Buddha finden oder bei Laotse.

Nun gibt es verschiedenste Wege, wie jemand zur Haltung gelangen kann, ein rein materialistisches Denken sei realitätsfremd und letztlich zerstörerisch. Diese Wege sind ganz individuell. Dürr kommt dazu auf sehr eigene Weise, auf dem Umweg über die Physik. Seine Haltung verdient Respekt, aber seine Herleitungen und Schlussfolgerungen sind keineswegs zwingend. Seine Darstellung ist teilweise sehr genau, besonders wenn es um die Physik geht, und dann macht sein Denken wieder die merkwürdigsten Sprünge. Man muss seinem Text schon sehr genau folgen, um sich nicht einfach von seinen fachtechnischen Kenntnissen blenden zu lassen.

Immerhin ist es interessant, zu lesen, wie er zur Quantenphysik kam und womit sich diese beschäftigt. Auch wenn ich als Laie nicht sagen kann, das ich dies nun genau verstanden hätte, so gewinnt man doch zumindest eine vage Vorstellung. Wesentlich ist dabei die Einsicht, dass das klassische Denken der Physik hier an eine Grenze stösst. Auch ich habe als Schüler die Lehre von den kleinsten Teilchen aufgenommen, von den Molekülen zu den Atomen und so weiter. Und wenn im Unterricht jeweils das eben gelernte Modell durch ein komplizierteres ersetzt wurde, dachte ich, nun habe ich es geschafft – nur um zu erfahren, dass auch dieses kompliziertere Modell nur eine Gleichnis sei, um es den Kindern zu erklären. Aber ich dachte, in der Wissenschaft geht das dann immer so weiter.

Nun versucht Dürr auch für den Laien verständlich zu zeigen, dass es eben nicht immer so weiter geht. Die Erforschung der kleinsten Teilchen führt nicht zu noch kleineren Teilchen. Sondern, in der neuen Physik, in einen Bereich, in dem es gar keine stabilen Teilchen mehr gibt. Daher sein lakonisches Postulat: Materie ist nicht aus Materie zusammengesetzt. Dürr spricht hier von Formen und Bewegungen, aber Materie im klassischen Sinne gibt es da eigentlich gar nicht mehr.

Und weil die Welt aus dieser Sicht letztlich nicht aus Materie aufgebaut ist, so muss sie statt einer materiellen eine geistige Grundlage haben, folgert Dürr. "Glaube und Wissen, Religion und Wissen-schaft sind wesentliche und in gewisser Weise komplementäre Elemente einer umfassenden Sichtweise. … Das Wissbare erfährt in der neuen Weltsicht eine prinzipielle Einschränkung. Dadurch erhält der Glaube wieder seine volle Bedeutung und eigenständige Wertigkeit zurück."

Wenn Dürr zeigt, wo die Wissenschaft an Grenzen stösst, so ist dies für uns Leser wertvoll. Wenn er daneben einen Glauben, den er nicht genauer definiert, aufwerten will, so ist das seine Sache. Dass sich aus dem einen das andere ergeben müsse, ist nach meinem Verständnis weder logisch noch zwingend. Und ebenso wenig zwingend ist die Haltung zur Gesellschaft und zur Umwelt, die sich nach Dürr aus diesen Einsichten ergeben soll. Wie gesagt, mit der Haltung selber bin ich weitgehend einverstanden. Aber die Herleitung beruht zum Teil auf sehr eigenen, willkürlichen Gedankensprüngen. Dabei ist sein Text nicht frei von Banalitäten. "Die Zukunft ist nicht etwas, das einfach hereinbricht, sondern die Zukunft wird gestaltet durch das, was jetzt passiert." Aha.

Und schliesslich nervt sein häufiges "wir". Dürr gebraucht es auch, wenn er Haltungen darstellt, die er selber ablehnt: "Wir erleben uns praktisch als vom lieben Gott beauftragt (…)." Wer ist gemeint, mit diesem "wir"? Vielleicht nur eine Stilfrage, - aber der häufige Gebrauch im Sinne von 'wir alle' ist eine unpassende Verallgemeinerung. Auch im Alltag. Wenn mir zum Beispiel einer sagt "Wir machen alle immer die gleichen Fehler", dann meine ich: "Sprich für dich selber".

Hans-Peter Dürr hat keine Neigung, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Er schreibt: "Aus dem Studium von 3,000 Jahren Wissenschafts- und Kulturgeschichte habe ich gelernt…" Wow! unterbricht sich der Leser: 3,000 Jahre? Dafür muss man früh aufstehen. Aber weiter: "habe ich gelernt, dass zu jeder Zeit die Gefahr besteht, die Wahrheiten, die wir gefunden zu haben glauben, in ihrer konkreten Ausdeutung und Bedeutung zu überschätzen." Ist das nun eine umwerfende Einsicht, genährt aus dem Studium von 3,000 Jahren Geschichte, oder nur eine salbungsvoll-autoritativ formulierte Banalität, so recht nach der Art des zünftigen deutschen Gelehrten, mit Bart und Lockenkopf?

Und wo sieht Dürr die Heilmittel für eine Welt des Krieges, die er schon als Kind erlebt hat? Er will das Bewusstsein der Menschen für das neue Denken öffnen, durch Publikationen und Vorträge, in Kongressen und Symposien. Und man fragt sich, ob dies wohl gleich viel oder eher gleich wenig bringt wie all die Diskussionsrunden über den Weltfrieden.

Doch bei aller Kritik: Die Art, wie Hans-Peter Dürr Einsichten aus der neuen Physik in einer neuen Sicht auf unsere Welt anwendet, ist oft reizvoll und regt zum Nachdenken an.

Manches erinnert an Laotse: >Das Wesen, das begriffen werden kann, ist nicht das Wesen des Unbegreiflichen.< (Wiedergabe von Walter Jerven, im Barth Verlag). Dürr: "In der Quantenwelt herrscht die mehrwertige Logik, ein Dazwischen, das Unentschiedene. Daran müssen wir uns gewöhnen. Solange wir uns etwas vorstellen können, liegen wir falsch. Wenn mir etwas schwammig vorkommt, komme ich der Wirklichkeit an nächsten."

"Die Quantenphysik sagt uns also, dass die Wirklichkeit ein grosser geistiger Zusammenhang und unsere Welt voller Möglichkeiten ist. Darin steckt ungeheuer viel Ermutigung und Optimismus."
Schwammig, aber faszinierend.
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am 30. April 2012
Dieses Buch ist eine Mischung aus Autobiographie und Erkenntnissen.

Hans-Peter-Dürr ist einer der wenigen Physiker, welche sich auch gesellschaftlich engagieren.
Das Denken der neuesten physikalischen Erkenntnisse hat noch nicht ganz Einzug in unser alltägliches Leben gefunden. Letztendlich gibt es Materie nicht mehr, wenn man sie immer weiter zerlegt, es gibt nur noch Engergie und alles ist letztendlich mit allem verbunden. Wir sind von unserer Umwelt abhängig, genauso wie die Umwelt von uns. Aus diesem Grunde sollten wir nicht versuchen die Natur mit aller Gewalt für uns zurechtzubiegen, da dies verheerende Folgen für uns selbst haben kann. Wenn ein Kernkraftwerk eine geringe Unfallchance hat, so heißt dies letztendlich nicht, dass nichts passiert, sondern dass eines Tages einmal etwas passieren kann. Dies trifft dann letztendlich vielleicht nicht uns, sondern unsere Kinder oder Enkel. Wir müssen lernen verantwortungsvoller mit unseren Rohstoffen umzugehen, weniger Energie zu verbrauchen, nachhaltig zu denken und uns von der Wirtschaft nichts diktieren zu lassen.

Der autobiographische Teil beginnt mit der Kriegszeit, in welcher Hans-Peter Dürr aufgewachsen ist, seine Arbeit in Amerika, die Zusammenarbeit mit Teller und später Heisenberg sowie Gespräche mit Hannah Arendt.

Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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am 8. Dezember 2017
Habe es nur bis zu Hälfte bisher gelesen, weil ich im Grunde alles bereits aus seinen Interviews kenne. Ab der Mitte wird es mir zu wissenschaftlich. Habe mich mehr für das spirituelle interessiert. Trotzdem ein wunderbarer Mensch, Denker und Mystiker.
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am 3. April 2015
Ich bewundere den Menschen Dürr! Seine Art die Welt zu beschreiben, die großen Zusammenhänge holistisch darzustellen, weit zu blicken und trotzdem die menschlichkeit vorne an zu stellen. Leben Sie wohl Prof. Dürr und danke für Ihren Nachlass in Buchform
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am 25. September 2014
Schön, dass es Menschen wie Hans-Peter Dürr gibt, die ihre Geschichte nutzen, um vielen Menschen zu helfen und zu teilen! Spannend, informativ und lehrreich zugleich - und vor allem auch berührend!

Ein absoluter Anrater
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am 20. Mai 2013
Herr Hans-Peter Dürr versteht es uns die grundsätzlichen Fragen unserer Zeit nahe zu bringen, wie:

- Muß der Mensch wirklich alles machen was zu machen ist?
- Wo beginnt die Verantwortung des Wissenschaftlers und kann diese jemals enden?
- Passt der eingeschlagene Weg der Globalisierung in unser Weltbild und was ist die dritte globale Kraft?
- Gelingt es Wissenschaft und Religion wirklich die Wahrheit zu finden?

Quintessenz für mich: Warum gibt es solche Menschen nicht unter unseren Politikern???
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 7. September 2012
H. P. Dürr macht über mehrere Kategoriem seine Gedanken. Er rüttelt auf und macht aufmerksam, dass wir nicht weiterhin mit den Finanzen, der Umwelt und dem Menschsein schlechthin so weiter machen dürfen. Des Weiteren, was mich interessiert hat, erklärt er, wie alles mit allem zusammen hängt. Der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings, der einen Hurrikane entfesseln kann!
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am 18. September 2014
Ein hoch faszinierendes Buch, das weit über den Rahmen der Quantenphysik hinausweist und geht und viel größere Zusammenhänge aufweist und erschließt.
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am 24. Oktober 2009
Ein Muss für Menschen die sich mit dem althergebrachten nicht mehr in allen Details einverstanden fühlen.
Der Autor bringt ein neues Bewusstsein und Denken auf verständliche Art und Weise aufs Papier.
Dieses Buch sollte in jedes Schulzimmer, denn die Jugend ist die Zukunft von Morgen.
Die Veränderungen in der Menschheitsgeschichte dürfen nicht mehr länger verschwiegen werden.
25 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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TOP 500 REZENSENTam 18. Mai 2013
Glaube und Wissen sind für Hans-Peter Dürr komplementäre Elemente einer umfassenden Sichtweise. Der Glaube wird von seiner Lückenbüßerrolle befreit und das Wissbare erfährt in der neuen Weltsicht eine prinzipielle Einschränkung.

»Es gibt nichts, was durchgängig bewiesen werden kann, nichts Greifbares, sondern alles mündet am Ende in unmittelbares Erleben, das ich durch Identifizierung als Bewegung meines Selbst als wahr erlebe.« Mutige Worte eines Trägers des Alternativen Nobelpreises, der Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik in München und lange Jahre Mitarbeiter des Physikers und Nobelpreisträgers Werner Heisenberg war, einem der Urväter der Quantenmechanik. Dieses ungewöhnliche philosophisch-physikalische Buch, das so etwas wie die Quintessenz eines langen und vollen Lebens enthält, rüttelt an den Grundfesten des materialistisch-wissenschaftlichen Weltbilds.

Auf knapp 200 Seiten versucht der renommierte Physiker, der sich über seine Fachgrenzen hinweg für den Umweltschutz in der internationalen Friedensbewegung engagiert, die komplexen Probleme unserer Zeit zu analysieren. Im letzten Kapitel versucht er, die revolutionären quantenmechanischen Ideen auf den Kontext der Gesellschaft zu übertragen. So wie es in der Quantenphysik letztlich keine Materie mehr gibt, sondern nur Wahrscheinlichkeiten, Möglichkeiten und Beziehungsstrukturen, in denen sich Teilchen zueinander verhalten können, so gibt es auch in der Gesellschaft nur noch eine Möglichkeit, mit den globalen Problemen umzugehen: Es müssen Lebensstile entwickelt werden, die die Tragfähigkeit des Biosystems nicht überfordern. Gefragt sind moderates Verhalten und Entschleunigung: »Es braucht Intelligenz und Zeit. Wenn ich mir nicht genügend Zeit nehme, dann fördere ich am Ende nur noch die beliebig schnellen, stupiden Zerstörungsprozesse und nicht die langsamen, intelligenten Aufbauprozesse, die die eigentliche Wertschöpfung ausmachen«, erklärt Hans-Peter Dürr.

Er zitiert eine alte tibetische Weisheit, die besagt: »Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach, als ein Wald, der wächst,« und zieht daraus den Schluss, dass wir uns vom Schnellen, Spektakulären, Zerstörerischen wieder dem Langsamen, Langweiligen und Aufbauenden zuwenden müssen, so wie es die Frauen seit Jahrtausenden schon im Hintergrund getan hätten.

Am Schluss seines Buchs stellt der philosophische Physiker auch die Sinnfrage, die aber nicht im »Rahmen unseres begrifflichen Denkens gestellt werden kann.« Da Schöpfung für Hans-Peter Dürr in »jedem Augenblick stattfindende Realisierung von Potentialität ist«, kann man sich der Sinnfrage nur aus der Zusammenschau von Glauben und Wissen nähern. Das aufregende Erlebnis, das wir Leben nennen, sei ein ewiger Griff in den vollen Topf des Potenziellen. »Ich versenke mich in Ahnungen und versuche, darauf neue Ideen zu entwickeln, die ich dann sprachlich zu fassen und handelnd umzusetzen versuche.«

Schön, das ein spirituelles Buch auch mal ohne die Begriffe »Bewusstseinsevolution« und »Transformation« auskommt. Für das, was Hans-Peter Dürr will, braucht es keinen neuen Menschen, sondern kreativitätsfördernde Bildungseinrichtungen: »Wir müssen nur für das, was im Menschen an gesellschaftsfähigen Eigenschaften steckt, Raum schaffen. Es ist alles da. Dafür brauchen wir eine neue Erziehung, die Zusammenarbeit, Partizipation und Kreativität fördert und ermöglicht. Denn es sind doch die kreativen Begabungen, welche Abweichungen von der Norm zulassen.«
15 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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