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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
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am 26. Januar 2016
...voller interessanter Informationen aus ganz unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen und sehr unterhaltsam geschrieben! Obendrein verbreitet es ein gutes "Gegengift" gegen den grassierenden Kulturpessimismus.
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am 27. März 2016
Aus einer gewaltigen Datenfülle fertigte Steven Pinker eine Metastudie zur Entwicklung der Gewalt in der menschlichen Geschichte an. Der Rückgang der Gewalt in allen gesellschaftlichen Bereichen und weltweit ist ein Erfolg vor allem des Liberalismus, der Demokratie und der Aufklärung.
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am 5. Juli 2017
Im ersten Teil des Buches wird aufgezeigt, wie in verschiedenen Bereichen (Kriege, Morde, Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen Minderheiten, Bestrafungsmethoden, Gewalt gegen Tiere, ...) es im Lauf der Menschheitsgeschichte tendenziell zu einer Abnahme der Gewalt gekommen ist. Im zweiten Teil des Buches geht Pinker darauf ein, was überhaupt den Menschen zum Gewalttäter werden lässt und was die möglichen Ursachen für die relativ steigende Friedlichkeit der Menschen sein könnten. Was das Buch besonders spannend macht, sind die immer wieder hochinteressanten Beispiele aus Geschichte und Forschung, die der Autor beschreibt.
Das Buch hat seine Kritiker, nicht nur hier in den Rezensionen. Ich habe den Eindruck, dass diejenigen, die das Buch nicht mögen, einfach sehr davon überzeugt sind, dass "alles immer schlimmer wird". Vieles davon nimmt Pinker jedoch im Buch selber vorweg. Er weist explizit darauf hin, dass einige Entwicklungen noch nicht sehr sicher sind, aber dass man zumindest hoffen darf. Eine Replik auf seine Kritiker gibt Pinker übrigens auf seine Webseite in dem Artikel "Response to the Book Review Symposium". Wer sich von den 1-Sterne-Rezensionen verunsichert fühlt, sollte das Buch trotzdem lesen und entscheiden, wie überzeugend dort argumentiert wird. Auch wer Pinker am Ende nicht in allem zustimmen möchte, wird dennoch das Buch mit großem intellektuellem Gewinn gelesen haben.
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am 1. September 2017
„Gewalt“ von Steven Pinker
Ein phantastisches Buch, das „Hoffnung und Mut“ macht, und erklärt, warum die Gewalt abnimmt in der Menschheitsgeschichte.„Why violence has declined“ (Originaltitel). Aber der Gebrauch wird dem Leser schwer gemacht. Ich rede nicht von der digitalen Kindle-Auflage, wo die Kapitel-Angaben ohnehin immer nutzlos und absurd sind. Ich habe sofort das über-1000-seitige Taschenbuch gekauft, in der Hoffnung, dort ausführliche Inhaltsangaben zum Nachschlagen zu finden, aber auch da sind die Kapitel-Angaben spärlichst und mißverständlich, wenn von Dämonen und Engeln die Rede ist.
Warum vernachlässigt der Fischer-Verlag (wie auch andere Verlage) diese wichtige Aufgabe, auf einen Blick Klarheit und Überblick über ein wesentliches Buch zu verschaffen, das nicht sofort ausgelesen wird, sondern als ständiges Nachschlagewerk für Fakten, Statistiken und Zitate dienen kann und soll und wird. Man sollte das in den nächsten Auflagen und Ausgaben besser lektorieren.
Horst Dieter Sihler
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TOP 100 REZENSENTam 22. August 2017
Was brachte den Menschen dazu, immer wieder ganze Länder mit Krieg und Gewalt zu überziehen? Warum brachte die Ermordung eines Thronfolgers die Europäer im Jahre 1914 dazu, kollektiven Selbstmord zu begehen und ihre damals führende Position in der Welt für alle Zeiten zu zerstören?
Eine erstaunliche Antwort liefert eine völlig unverdächtige Wissenschaft, die Klimatologie. Klimaforscher haben anhand von Eisbohrkernen in Grönland ein genaues Archiv des Wetters der letzten Jahrtausende entdeckt. Sie verglichen dieses mit der Häufigkeit kriegerischer Ereignisse und machten eine erstaunliche Entdeckung. Kriege sind immer dann besonders heftig, wenn das Klima schlecht und die Nahrung knapp ist. Schlechte Ernten auf Grund knappen Regens gab es 2000 v. Chr. als das Alte Reich in Ägypten und die Sumerische Kultur in Mesopotamien zerfielen. Ebenso 1200 v. Chr. als das Neue Reich in Ägypten und das hethitische Großreich im Ansturm der Seevölker untergingen. 500 n. Chr. gab es eine kleine Eiszeit mit kühlem Wetter und geringen Ernten und die Germanen zerstörten Rom. 1500 n. Chr. kam die nächste kleine Eiszeit und Europa versank in den Wirren der Reformationskriege. Der Schluss daraus: Krieg ist eine Folge ungünstigen Klimas.
Das ist vielleicht vereinfachend, bestätigt aber, dass die Menschen dann besonders aggressiv sind, wenn sie wenig zu beißen haben.
Wäre es aber nicht einfacher, dem anderen einfach seine Vorräte zu stehlen? Warum gleich einen Krieg riskieren, den man wahrscheinlich nicht überlebt?
Wieder ist die Antwort erstaunlich: es gibt Kriege, seit es Vorräte gibt. (siehe Fry 2013)
Holen wir nochmals aus, um das zu erklären: Vor 20.000 Jahren war Homo sapiens die einzige Menschenart, ohne Konkurrenz, das erfolgreichste Raubtier, dem auch Löwen und Tiger besser aus dem Weg gingen. Die Menschen teilten also die Welt unter sich auf – was nicht besonders schwierig war, da es noch nicht besonders viele Menschen gab (4 Millionen hatten denselben Platz wie heute 7 Milliarden). Es war genug Platz für alle da. Die Menschen waren in kleinen Gruppen oder Clans organisiert und gingen sich einfach aus dem Weg. Wenn sich zwei Gruppen begegneten, kam es wohl zu kurzen Revierkämpfen mit einigen Todesopfern und Verletzten, aber die Kämpfe dauerten nur kurz. Es war viel einfacher, sich aus dem Weg zu gehen und bei Bedarf neue Reviere zu suchen, als weitere Verletzte zu riskieren. Schließlich waren die Clans klein und jeder Tote ein nahezu unersetzlicher Verlust. Andererseits war die Zahl der möglichen Reviere unendlich groß, da der Mensch sich an jedes Klima anpassen konnte. Statt Kriege zu führen, eroberte die Menschheit lieber die ganze Welt. Es entstand eine globale Jägerkultur, die man sich so vorstellen kann wie das Leben der heutigen Stämme im Amazonasbecken. Man weiß ungefähr, wo die anderen sind, aber man trifft sich kaum. Wenn jeder genug zu jagen hat, ist keiner neugierig darauf, dem anderen Stamm über den Weg zu laufen und einen Konflikt zu riskieren. An der Reviergrenze setzt man ein paar Zeichen der eigenen Anwesenheit und die werden von den Nachbarstämmen respektiert. Ähnlich wie bei Wolfsrudeln, die zwar notfalls kämpfen, im Normalfall aber dem Kampf aus dem Weg gehen und sich damit begnügen, das eigene Revier durch Pinkeln zu markieren. (Übrigens ein Grund, warum Wettpinkeln bei Männern immer noch sehr beliebt ist).
Das änderte sich mit der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht. Getreide, Milch und Fleisch ermöglichten es, sehr viel mehr Menschen zu ernähren als je zuvor. Im Nahen Osten stieg die Bevölkerungsdichte rapide. Die Menschen lebten eng beieinander in Dörfern und Städten. Man konnte sich nicht mehr aus dem Weg gehen, denn man musste bei den bebauten Feldern bleiben. Vor allem mussten Vorräte angelegt werden, um die Zeit bis zur nächsten Ernte zu überstehen und genug Saatgut zu haben. In Zeiten von Hungersnöten lockten daher die Vorräte des Nachbarn. Die konnte man rauben und wenn dafür ein paar Nachbarn dran glauben mussten – na ja, damit konnte man leben, denn das waren ja Feinde.
Nach den ersten erfolgreichen Raubzügen entdeckten Krieger und Clanchefs sehr rasch, dass sich durch Anhäufung von immer größeren Vorräten Ansehen und Macht steigern ließen. Je mehr Nahrungsvorräte man besaß, desto mehr Menschen konnten ernährt werden, desto größer wurde der Clan und desto mächtiger der Chef. Bei Viehherden war das Rezept noch einfacher, denn die musste man nur nach Hause treiben und nicht einmal selber schleppen. Das funktionierte sogar noch vor 130 Jahren im Wilden Westen der USA ganz passabel.
Wenn ein Raubzug erfolgreich war, müssten viele Raubzüge noch erfolgreicher sein. Wer die größte Räubertruppe ernähren konnte, war bald der mächtigste Mann weit und breit. Und durch die dichte Besiedelung der bebauten Flusslandschaften am Nil, Euphrat und Tigris gab es dort mehr als genug lohnende Ziele.
Pinker erklärt nicht nur unser evolutionäres Erbe der Gewalt, er macht auch Hoffnung, dass es der Gesellschaft gelingen kann, unsere Gewaltgeschichte zu beenden. Wie das geht, müssen sie selbst im Buch nachlesen.
Siehe auch: Tantalus Welt: Die Überwindung nationaler Traumata
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am 23. März 2016
Die Welt wird immer gewalttätiger? Kriege nehmen zu? Steven Pinker widerlegt die öffentliche Meinung und zeigt auf, dass unsere Welt immer freundlicher wird. Die Bedeutung der Humanitären Revolution, des Zivilisationsprozesses sind wegweisend für die Menschheitsgeschichte. Schön, wie er Hypothesen äußert, und anschießend widerlegt oder belegt.
Ein Muss für alle Menschenrechts-Aktivisten, damit sie positiv und motiviert in ihre Projekte gehen: viel wurde schon erreicht, eine Weiterentwicklung zum Frieden ist möglich.
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am 16. April 2016
War sich über historische Gewalt informieren möchte, der ist hier richtig. Vieles ist hier sehr, sehr gut beschrieben: der Unterschied von Bonobos und Schimpansen, der Flynn Effekt, Gewalt in der Bibel, Hexenverbrennungen, Gehirnfunktionen bei Gewalt und Kooperation.

Aber es ist auch in vielen Teilen furchtbar langatmig. Das Buch (ich habe es auf Englisch gelesen) hat ungefähr 30.000 (!) Wörter pro Kapitel.
Bestimmte Argumente ( z.B die Ausweitung des Flynn Effekts auf Gewalt und die Schätzung der Intelligenz von Amerikanischen Politikern) halte ich für sehr weit hergeholt.

Zur These des Buches: Gewalt ist unzweifelhaft zurückgegangen. Das bedeutet aber nicht, dass dies auch immer so bleiben muss. In sofern teile ich die Auffassung des Autors so nicht. Aber geteilter Meinung kann man ja sein, dass macht das Buch noch nicht schlecht.
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am 11. Januar 2016
Der Autor zeigt verständlich und nachvollziehbar, wie die körperliche Gewalt in den letzten Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte abnahm. Auch begründet er, so weit möglich, einleuchtend.
Das hier dargebotene Wissen ist aus meiner Sicht für eine friedliche, bewusste Weiterentwicklung unserer Welt absolut notwendig, im wahrsten Sinne des Wortes.

Politiker, Juristen, Polizisten und Lehrer, bitte lest dieses Buch!
Nehmt Euch die Zeit, die hier dargelegten Zusammenhänge zu begreifen! Es lohnt sich für uns alle.

Das Buch beschreibt auch wie gewalttätig selbst unsere Gesellschaft noch vor rund dreihundert Jahren war. Und was dazu führte, dass sich die Mordquote beispielsweise um den Faktor 30! reduziert hat. Und es zeigt, dass in den gewalttätigen Regionen dieser Erde, die sich augenblicklich auch auf unsere, relativ friedliche Region ausdehnen, die erforderlichen Entwicklungsschritte nicht gegangen werden.

Für das und vieles mehr verwendet der Autor gut tausend Seiten. Dabei war die gesamte Lektüre, bis auf einige Betrachtungen die sich für mich in die Länge zogen, interessant, bildhaft und spannend.
Besonders gefällt mir, dass der Autor das von mit entwickelte Modell vom Urmenschen im Zirkuszelt, das eine Entwicklung des Intellekts als Voraussetzung für ein umfassendes Mitgefühl als Lösung vieler Probleme aufzeigt, mit gut recherchierten Fakten unterstützt. Die Abnahme der Gewalt, so zeigt er, geht nämlich unter anderem mit der Entwicklung von Zivilisation, konsequenter Rechtsstaatlichkeit und Empathie einher.

Ein Punkt wird allerdings, er ist jedoch auch nicht Thema dieses Buches, da es hier um körperliche Gewalt geht, nicht berücksichtigt: Dass sich in den friedlichen Regionen der Welt die Gewalt von der physikalisch/biologischen Ebene auf die geistige verlagert hat. Das nimmt aber in kleinster Weise die große Bedeutung dieses Werkes. Vielen Dank Steven Linker!

Der Urmensch im Zirkuszelt - Sich selbst und andere sinnvoll führen (Sachbuch)
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am 31. Oktober 2016
Sehr sorgfältig recherchiert, absolut verständlich und unterhaltsam geschrieben. Das Buch hat mir viele neue Einsichten und einen anderen Blick auf die Entwicklung der Menschheit gegeben.
Achtung: Das Ding ist mit weit über tausend Seiten ein echter Klotz. Hab es mir erst als Printausgabe und dann, aus eben diesem Grunde, als Ebook geholt.
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am 7. Juni 2013
Dr. Steven Pinker sieht auf der welthistorischen Bühne Gewalt und Krieg auf dem Rückzug und hat evolutionspsychologische Begründungen dafür anzubieten!

Die Zeiten, in denen apokalyptische Kriegsszenarien die Zukunftsvorstellungen der Europäer beherrschten, sind so lange noch nicht her. Sie haben die Menschen mobilisiert und zu Hunderttausenden gegen die Aufstellung neuer Mittelstreckenraketen protestieren lassen. Für Dr. Steven Pinker, einen gebürtigen Kanadier, der in Harvard und am MIT Psychologie lehrt, waren diese Proteste zugleich Missverständnis und Symptom eines Trends, wonach Krieg und Gewalt in Politik und Gesellschaft auf dem Rückzug sind und noch nie in der Geschichte eine so marginale Rolle gespielt haben wie in unserer Gegenwart: Symptom, weil der Krieg als Mittel der Politik vehement abgelehnt wurde. Missverständnis, weil ein Gewaltszenario entworfen wurde, das eigentlich schon gar nicht mehr existierte!

Mit Gegenwart meint Dr. Pinker freilich nicht nur die letzten Jahrzehnte, sondern das ganze zwanzigste Jahrhundert. Was im kollektiven Gedächtnis der Europäer und Ostasiaten ein ungeheurer Ausbruch der Gewalt war, der alles bis dahin Dagewesene übertroffen habe, ist für Pinker nur ein weiterer Schritt in einem sich beschleunigenden Rückgang von Krieg und Gewalt... bedingt durch den extremen Wertewandel und der erstaunlichen Einsichtsfähigkeit der Europäer der 2. Jahrhunderthälfte. Es muss eben schlimm kommen, soll es gut werden! Steven Pinker sieht das Europa der letzten 60 Jahre als die Instanz des Besseren! Um diese These zu belegen, hat Pinker komplizierte Statistiken erstellt, historische Zeugnisse zusammengetragen, Zivilisationstheorien referiert und diskutiert, zuhauf psychologische Experimente dargestellt und sie mit hirnphysiologischen und neurologischen Untersuchungen in Verbindung gesetzt. Daraus ist ein Buch entstanden, das man als den "Anti-Spengler des 21. Jahrhunderts" bezeichnen könnte: Hatte Oswald Spengler bekanntlich den Untergang des Abendlandes vorausgesagt, so ist bei Steven Pinker weder von Untergang noch von Niedergang, sondern von Fortschritt die Rede.
Und wenn bei Spengler der infolge von Überzivilisiertheit und Verweichlichung schwindende Selbstbehauptungswille Europas für dessen Niedergang verantwortlich gemacht wird, während die „Barbaren“ vordringen, sieht Dr. Steven Pinker in der schwindenden Bedeutung von Gewalt und Gewaltandrohung ein Zeichen dafür, dass sich das Menschengeschlecht „in einem beständigen Fortschritt zum Besseren“ befinde, bei dem Europa eine Führungsrolle übernommen habe. Kant, der als einer der ersten von einem beständigen Fortschritt des Menschengeschlechts gesprochen hat, machte für ihn allenfalls historische Indizien geltend; Pinker will ihn mit wissenschaftlichen Methoden beweisen. Ganz ohne Mathematik kommt man dabei nicht aus.
Was sonst ein mit interdisziplinär arbeitenden Wissenschaftlern besetzter "Thinktank" leisten soll, hat sich Steven Pinker ganz allein vorgenommen. Zwangsläufig hat er sich dabei auf Gebiete vorgewagt, auf denen er kein ausgewiesener Fachmann ist. Umso mehr muss er hier darauf vertrauen, dass die mathematischen Modelle und statistischen Berechnungen, mit denen er bevorzugt arbeitet, das ausgleichen, was ihm an quellenkritischer Sensibilität abgeht. So nimmt er etwa die Zahlenangaben von Chronisten über die Gewaltopfer bei den Eroberungszügen Dschingis Khans oder Timur Lenks und multipliziert sie mit dem Faktor, um den die Weltbevölkerung heute größer ist als damals. Auf diese Weise sollen die Auswirkungen der Gewalt und die Todesraten quer durch die Geschichte miteinander vergleichbar gemacht werden. So kommt Pinker zu dem Ergebnis, dass der Zweite Weltkrieg mit 55 Millionen Toten auf einer ewigen Rangliste der Gewaltkatastrophen erst auf den neunten Platz kommt, während die mongolischen Eroberungen den zweiten und der Sklavenhandel im Nahen Osten den dritten Platz einnehmen. Die Ermordung der Juden Europas ist bei solchen Berechnungen dann kein besonders einzigartiges Ereignis mehr, ja sie taucht in Steven Pinkers Liste der zwanzig größten Gewaltkatastrophen in der Geschichte der Menschheit nicht einmal auf. In der Nacht der Statistik sind nun einmal alle Katzen grau; das ist der Preis, den eine Methode zahlen muss, die mit den historischen Umständen auch alle Besonderheiten und Einmaligkeiten in quantitativen Größen verschwinden lässt. Pinker weiß das und weist darauf hin, zieht aber nicht die Konsequenz eine entsprechende "qualitative" Gewichtung in seine Berechnungen einfließen zu lassen, vielleicht auch um einer kühlen, nicht näher erläuterten Objektivität willen; denn so sehr uns der Holocaust auch an die Nieren geht, so klar muss es sein, dass eine solche qualitative Gewichtung bei der Bewertung hauptsächlich dem Umstand zuzuschreiben wäre, dass die größte menschliche Katastrophe des 20. Jahrhunderts eben doch erst ein paar Jahre zurück liegt und alleine deshalb in unserem kollektiven Gedächtnis noch viel schlimmere Narben verursacht als die zahlreichen fürchterlichen und brutalen Genozide, die im Laufe der Jahrhunderte oder gar Jahrtausende stattfanden.

Aber sind die Zahlen, die Pinker teilweise übernimmt, teilweise selbst errechnet hat, wirklich zuverlässig? Hier sind erhebliche Zweifel angebracht, haben doch die Chronisten früherer Zeiten mit den von ihnen gemachten Angaben oft nur die Größe und Ungeheuerlichkeit eines Ereignisses emotional zum Ausdruck bringen wollen. Selbst wenn sie ihre Angaben hätten empirisch verifizieren wollen, sie hätten es nicht gekonnt. Die Zahlenkolonnen, die Steven Pinker aufbietet und die an- und absteigenden Linien seiner Grafiken erwecken den Eindruck, er wüsste es ganz genau... und das ist in einigen Fällen auch so, etwa bei den dramatisch rückläufigen Raten der Tötungsdelikte in Europa und Amerika oder der Anzahl der zum Tode Verurteilten und Hingerichteten in aller Welt. Pinker fragt: Warum? Zurecht! Andere Grafiken dagegen beruhen eher auf vagen Schätzungen, kommen aber, zumindest formell, mit demselben wissenschaftlichen Dignitätsanspruch daher.

Es mangelt auch hier an Konsequenzen, denn natürlich weiß Pinker um die Unzuverlässigkeit mancher seiner Zahlen, notiert dies auch mehrfach, lässt es dann dabei aber bewenden und behandelt die Zahlen, trotz aller Zweifel, als seien sie in der Epoche der amtlichen Statistik erhoben worden. Diese wundersame Verwandlung des Unzuverlässigen ins Zuverlässige durch das Eingeständnis der Unzuverlässigkeit ereignet sich in Pinker's Buch aber keineswegs nur bei den Statistiken, sondern auch im Umgang mit den Quellentexten selbst.

Sowohl Homers „Ilias“ als auch die Bücher der hebräischen Bibel werden von Pinker oft als historische Quellen gelesen, mit denen sich die exzessive Gewalt früherer Zeiten belegen ließe - nachdem er zuvor durchaus zugestanden hat, dass es sich um Literatur, Rachephantasien und ähnliches handle. Wie sind solche Inkonsistenzen der Argumentation bei einem wissenschaftlich versierten Autor zu erklären? Erstens durch die Realität: Wer wollte ernsthaft bestreiten, dass in der Antike Menschen, auch schon wegen verhältnismäßig geringfügiger Delikte, gefoltert und ans Kreuz genagelt wurden? Wer wollte bestreiten, dass es im Mittelalter zur Freizeitbeschäftigung der Menschen gehörte, als Auftakt zu einem gelungenen Fest, ein paar lebendige Katzen langsam zu verbrennen und sich über deren "Äußerungen" zu amüsieren, die sie taten, um ihren fürchterlichen Qualen Ausdruck zu verleihen? Zweitens: Vermutlich haben wir es hier mit verschiedenen Schichten aus dem Entstehungsprozess des Buches zu tun: Pinker hatte den Text geschrieben, Kolleginnen und Kollegen, die die Rohfassung lasen, machten ihn auf methodische Probleme aufmerksam, er hat die Hinweise übernommen und in den Text eingebracht - aber die Konsequenzen daraus hat er nicht gezogen.

Pinker's These lautet, dass vor der Entstehung von Staaten die Tötungsrate unter den Menschen sehr viel höher gelegen habe. Während die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit eines gewaltsamen Todes in Jäger- und Gärtnergesellschaften bei durchschnittlich fünfzehn Prozent gelegen habe, sei sie in den Kriegen des siebzehnten Jahrhunderts auf zwei Prozent und im zwanzigsten Jahrhundert auf einen Wert zwischen drei und 0,7 Prozent gesunken. Glaubwürdig! Es ist das Argument des Thomas Hobbes, dass die Monopolisierung der Gewalt beim Staat nicht nur den durch Ehrvorstellungen gesteuerten Mechanismus von Rache und Widerrache durchbricht, sondern auch dafür sorgt, dass der in einer anarchischen Gesellschaft herrschende Zwang zur präventiven Gewaltanwendung außer Kraft gesetzt wird. In Pinker's Buch wunderbar erklärt!

Für die vor- und frühgeschichtliche Gewaltrate will sich Pinker aber nicht nur auf Hobbes verlassen, sondern bemüht auch Darwin: Eine hohe Gewaltbereitschaft der Männer habe hier Evolutionsvorteile gehabt, denn mit jedem Mann, den man tötete, eignete man sich dessen Frauen an und sorgte so für mehr Nachkommenschaft mit den eigenen Erbinformationen. Später kommt Pinker dann auf die gewaltlimitierenden Effekte zu sprechen, die mit der Durchsetzung der Monogamie verbunden waren: Monogamie begrenzt die Evolutionsvorteile von Töten und Rauben und zivilisiert so die Männer. Es ist aber nicht nur der Staat, der durch seinen Anspruch auf das Monopol legitimer physischer Gewalt die Tötungsrate gesenkt hat, sondern es kommt auch eine Form gesellschaftlicher Selbstzivilisierung ins Spiel, wie sie von Norbert Elias vor Jahrzehnten bereits untersucht worden ist. Es schließt sich als weitere Geschichtsetappe die von Pinker so bezeichnete „humanitäre Revolution“ an, die im Wesentlichen mit der Aufklärung identisch ist und in deren Verlauf Gewalt und Grausamkeit delegitimiert wurden. Pinker beschreibt eindrucksvoll die Wandlung der reaktionären "Gesellschaften der Ehre" zu den fortschrittlichen "Gesellschaften der Würde". Darauf folgt bei ihm der „Lange Frieden“, der sonst Kalter Krieg heißt, und dann der „Neue Frieden“ nach dem Ende des Ost-West-Konflikts. Dr. Pinker gesteht zu, dass in diesen auch neue Kriege eingelagert seien, bezweifelt aber, dass sie höhere Tötungsraten aufwiesen als die klassischen Staatenkriege, und verweist dazu auf die waffentechnischen Defizite der Gewaltakteure. Wie dieses Argument mit der von ihm angenommenen hohen Tötungsrate in primitiven Gesellschaften zusammenpasst, muss sein Geheimnis bleiben...

Im Prinzip sind diese historischen Kapitel, die mehr als die Hälfte des Buches ausmachen, nur Beobachtungen mit dem Anspruch auf eine wissenschaftliche Fundierung, die erst nachgereicht wird. Dann nämlich, wenn Pinker die Antriebe und Verhaltensweisen von Menschen im Hinblick auf Habgier, Wollust, Ehrgeiz, Dominanzstreben, Rachebedürfnisse und Sadismus untersucht, die Effekte von Ideologie, aber auch Empathie, Vernunft und Selbstbeherrschung als Blockaden der Gewalt ins Auge fasst. Die Grundlage dafür sind zahlreiche psychologische Experimente aus den letzten Jahrzehnten, in denen die Reaktionen von Menschen beobachtet und gemessen wurden. Seit dem Aufstieg der Neurowissenschaften können diese Beobachtungen mit Aktivitäten des Gehirns verknüpft werden. In diesen Passagen wird eigentlich erst klar, warum sich Pinker auf den riskanten Ritt durch die Geschichte eingelassen hat, denn nun verbindet er historische Etappen und psychologische Reaktionsbeobachtung miteinander, um Erklärungen dafür zu offerieren, warum der Prozess der schwindenden Gewalt sich keinen Zufällen verdankt, sondern zwangsläufig vonstatten geht.

Wer vieles weiß, hat es schwer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Steven Pinkers Buch lässt sich weder in einem Zug noch ohne große Mühe lesen! Wer's wirklich ganz lesen und verstehen will, sollte sich auf eine Lesezeit von mehreren Monaten einstellen. Es ist nämlich ein wirklich dickes Ding (ca. 1033 zu lesende Seiten) und es enthält zahllose Abschweifungen und methodische Erläuterungen. So mutet es manchmal an wie eine Vorlesung, in der die Studierenden anhand einer Überfülle von Beispielen in die Methodologie eines Fachs eingeführt werden. Das ist mitunter nicht uninteressant. Jungen Leuten, die ihren "Bachelor" oder "Master" machen und ein Vorbild für's grundsätzliche wissenschaftliche Arbeiten suchen, sei dieses Werk besonders empfohlen. In „einer neuen Geschichte der Menschheit“ ist es aber doch zumeist störend oder zumindest partiell ziemlich langatmig Pinker's Beweisführung zu folgen. Sinnvoller wäre es gewesen, wenn Pinker mehr Aufmerksamkeit auf Probleme seiner Argumentation verwandt hätte, etwa darauf, wie zusammenpasst, dass er die Gewaltgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts letztlich in der Macht dreier Männer - Hitler, Stalin und Mao - kulminieren lässt, deren politischer Aufstieg keineswegs zwangsläufig war, wo doch seine Argumentation auf der Aussagekraft großer Zahlenmengen beruht. Dennoch: Trotz der beschriebenen Schwächen in der grundlegenden Beweisführung, kann Pinker den eindrucksvollen Beweis dafür antreten, dass ein verhaltener Optimismus, was die Entwicklung der Menschheit hin zu immer mehr Humanität und Zivilisation absolut gerechtfertigt ist.

Steven Pinker's Credo gipfelt in der Aussage, dass mit zunehmender, vielschichtiger Bildung, das "Barbarentum" zwangsläufig abnimmt!
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