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Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen
15
4,0 von 5 Sternen
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am 18. September 2009
Auch ich habe Vita Classica" vor einigen Tagen gelesen, und auch mir hat das Buch gut gefallen. Vor allem Möllers Teenagerjahre in Wuppertal kamen mir durchaus bekannt vor, Wuppertal ist eben überall. Auch wenn meine Hausgötter damals (und heute) nicht Bruckner und Mahler sondern Mozart und Verdi hießen, so sind die Erfahrungen jugendlicher Andershörer" wohl überall die gleichen: es ist uncool in die Philharmonie oder ins Opernhaus zu rennen. Unter anderem das ist ja das schöne daran. Neben Möllers Bekenntnissen" liegt ein besonderer Reiz des Buches darin, des Autors Meinung zu eigener Lieblingsmusik zu erfahren oder aber neugierig zu werden auf Werke und Komponisten die man selber bisher schändlich vernachlässigt hat. Das ist schlecht für den Geldbeutel und gut für den musikalischen Horizont.
Herrn Möller wünsche ich allerdings, daß er doch noch den Weg zur wunderbarsten aller Künste findet: der Oper.
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am 10. Dezember 2009
Wenn der "Polen-Möller" ein Buch über klassische Musik vorlegt, drängen sich gewisse Erwartungen auf. Eine Eloge auf Chopin und Krystian Zimmerman? Gelehrte Einführungen in die Werke Pendereckis und Goreckis? Nein, keineswegs. Dieses Buch ist eines der ehrlichsten, persönlichsten und konsequentesten Auseinandersetzungen mit klassischer Musik, die ich kenne. In diesem Buch wird weder von Klassik zum Träumen à la Klassikradio geschwärmt noch gibt es musikwissenschaftliche Analysen verminderter Subdominantakkorde mit tief alterierter Quinte. Es geht darum, wie klassische Musik das Leben des Autors geprägt und sogar tiefgreifend verändert hat. Wenn man liest, wie der dreizehnjährige Möller sich in Bruckner-Symphonien "hineinfräst" (O-Ton), spürt man eine Mischung aus Mitleid und Bewunderung.

Das Mitleid kommt nicht von ungefähr. Passionierte Klassikhörer sind in ihrer Umwelt, das ist sozusagen der rote Faden des Buches, Erniedrigte und Beleidigte, die aus jeder Clique verstoßen, von Diskobesuchen ausgeschlossen und zu komischen Käuzen degradiert werden. Und Möller bleibt nicht alleine: Über die mehr als 500 Seiten hinweg lernen wir zahlreiche seiner Leidensgenossen kennen, von denen jeder seinen eigenen, verschrobenen Zugang zur klassischen Musik hat. Herrlich ist die Anekdote mit Möllers Freund Ignaz Aßmayer, der wegen seiner Vorliebe zur Klassik zu später Stunde beinahe die Zähne mit einem Baseballschläger ausgeschlagen bekommt.

Dass Möllers steiniger Weg durch die klassische Jugend mit allerlei Anekdoten und Episoden gepflastert ist, die von unerreichbaren Mädchen, polnischen Fernsehshows und griechischen Mönchen erzählen, mit Musik aber recht wenig zu tun haben, nimmt man gerne in Kauf. Ein leidenschaftlich geschriebenes und witziges Buch, das über die gesamte Länge hinweg Spaß macht. Fünf Sterne!
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Ein Pfarrerssohn aus Wuppertal schreibt über die Mühe des Klassik-Liebhabers, seine Passion vor seinen Mitmenschen zu verbergen. Er "outet" sich als Klassik-Hörer.
Wer seiner Generation entstammt und selbst am liebsten Klassik hört, weiß, dass Möller recht hat: Mochte man seinerzeit als Teenager Klassik und ließ sich dabei auch noch ertappen, so war man ein- für allemal "uncool" und gehörte nicht dazu.
Auf unterhaltsame Weise, mit viel Humor und Eigenironie, erzählt der Pfarrerssohn seinen Werdegang, sinniert darüber, wie er zum Klassikhörer berufen wurde, und erläutert, wie sich seine Leidenschaft allmählich ausdifferenzierte, auch hin zu Stockhausen und anderen Komponisten zeitgenössischer E-Musik - mit gelegentlichen Exkursen in die so genannte U-Musik, etwa jener von Nirvana, auf die er durch den "Hype" um Kurt Cobains Tod stieß. Erlebnisse in den Klassikabteilungen von Kaufhäusern, allmählich entstehende zwischenmenschliche Beziehungen zu den dortigen Verkäufern, Zufallsbekanntschaften mit anderen Klassikfreunden, aus denen sich viel lernen ließ, aber auch völlig unvorhergesehene Entdeckungen von Interpreten über CDs zeigen auf, wie spannend es sein kann, der verfemten Gemeinschaft der Klassikfans anzugehören. Eine Reihe von Fotos, die zumeist Komponisten zeigen, ergänzt den Text, der in Kapitel nach Lebensstationen eingeteilt ist.
Insgesamt wirkt das Buch informativ, unterhaltsam und durchaus reizvoll, aber immer wieder stören unnötige Längen und vollmundige Ankündigungen von Einschnitten, die dann doch irgendwie banal ausfallen. Viele Details aus dieser Autobiografie eines zwar alles andere als gewöhnlichen, jedoch auch nicht herausragenden Mannes hätte man besser zugunsten eines griffigeren Buchs mit mehr Biss weggekürzt. Die durchaus vorhandene, spannungsgeladene Kombination aus Witz und Information leidet an einer Art Verdünnungseffekt.
Insgesamt also gerade für Klassik-Liebende eine attraktive Lektüre, die allerdings passagenweise Durchhaltevermögen erfordert. Das Buch belohnt durch interessante Einblicke und die Vermittlung eines Gefühls von Solidarität, von Zugehörigkeit zu einem Geheimbund von Eingeweihten in eine geheimnisvolle, fremde Welt.
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Entschuldigen Sie ich höre klassische Musik, schon seit meiner Jugend musste ich mich entschuldigen, wenn ich statt POP Musik oder ähnlichem angab das ich gerne klassische Musik hören würde, noch heute und ich bin mittlerweile 40 Jahre alt führt die Aussage: ich höre gerne klassische Musik zu Kopfschütteln und Unverständnis. Der Autor Steffen Möller hatte schon mit VIVA POLONIA in Deutschland und auch in Polen einen großen Erfolg gelandet, mit VITA CLASSICA wagt er sich nun an ein noch brenzligeres Thema heran: Klassische Musik und das er sie gerne höre. Da staunt man, es gibt sie noch oder schon wieder, die jungen Klassikhörer und sie sind sogar noch stolz darauf!

Die Selbstbezichtigung das man Klassikmusik höre gilt nun nicht nur für Steffen Möller in seinem Buch VITA CLASSICA sie gilt auch für mich, obwohl ich dann doch nicht in einem religiösem Elternhaus aufwuchs, doch die Probleme beim tätigen einer solchen Aussage waren wohl die Gleichen.

Wer sind den diese jungen Klassikhörer? Ja, Klassik zu hören gilt als total uncool, blöd und spinnert. Ist man ein Bürgersöhnchen, ein Sensibelchen, ein Konservativer, ein Pfarrerssöhnchen, ein Waldorfschüler oder schwuler Snob, Streber beziehungsweise Gymnasiast? Nun ja, das eine oder andere wird wohl passen ist aber an und für sich zu kurz gedacht.

Der Autor Steffen Möller plaudert lustig drauf los, wie ihn die Klassikkrankheit befiel, wie er sie versuchte zu verbergen oder sie teilte mit Leidensgenossen und wie er immer wieder Unverständnis aber auch Zustimmung erfuhr.

Seine Reisen nach Polen haben ihm natürlich sehr geholfen, denn Polen ist mit Chopin ein Land mit einem unbestrittenen Klassikstar und viele Polen sind sehr stolz auf ihren Chopin. Natürlich haben auch die Deutschen ihre Stars, doch hier verhält es sich dann doch ein wenig anders.

Das ausprobieren von musikalischen Instrumenten gehörte ebenso dazu im Leben des Autors, wie leidvolle Erfahrungen als Vinyl Platten auf CDs umgestellt wurden.

Das Buch, hier als Softcover mit einer leider mittelmäßigen Rückenbindung, ist eine Hommage an die Klassik an das zuhören und sich freuen über klassische Musik und eine Lobeshymne auf die grandiosen Gefühle, welche klassische Musik auch schon bei jüngeren Zuhörern auszulösen vermag. Gerade hier liegt dann auch das Problem, jungen Menschen traut man es entweder nicht zu oder reagiert mit Unverständnis, insbesondere von Gleichaltrigen, wenn diese sagen das sie Klassik hören und das auch noch gut finden.

Für Klassikfans von 15 bis 40 Jahren und darüber hinaus ist das Buch eine schöne Lektüre mit dem Hinweis: ihr seit nicht allein!

Empfehlenswert!
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am 22. Oktober 2009
Steffen Möllers Buch wurde mir von einem Musikerfreund empfohlen - ich hatte schon sein "Viva Polonia" aufmerksam studiert und war nun sehr neugierig auf das neue Buch. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht (insofern kann ich die Amazon.de-Redaktion nicht verstehen): Mich hat das Buch begeistert, da es sich eben nicht nur um eine "normale" Autobiographie handelt (und Möllers Biographie ist schon spannend genug), sondern weil ich viele interessante Anregungen bekommen habe - super CD-Empfehlungen (z.B. seltene Sachen wie Bach-Adaptionen von Naoumouff oder Aufnahmen unter Jascha Horenstein). Also, für alle Klassikinteressierte ist das Buch eine wunderbare Geschenkidee, und für alle Fans von Steffen sowieso!
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am 16. September 2009
Steffen Möller schreibt eine Liebeserklärung an die sogenannte klassische Musik. Er macht das nicht missionarisch-arrogant, sondern autobiografisch-amüsant, macht Mut zum subjektiven, lustvollen Zugang zu einer Musik, die fatalerweise oft als elitär und schwierig diskreditiert wird. Da kommt das ansonsten allzu Ernste bisweilen heiter-kabarettistisch daher und erschließt sich doch in seiner ganzen Tiefe. Existentielle Fragen werden scheinbar spielend an- und ausgesprochen. Möller zeigt, dass Musik ein Lebensmittel ist, ein Begleiter in allen Lebenssituationen, der Trost und Sinn spenden kann. Sein fließender Schreibstil macht das Ernste leicht und das Leichte manchmal sperrig und schwer. Was ist nur noch besser als die Lektüre dieses Buches? Anton Bruckner hören!
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Steffen Möller werden die ein oder anderen sicher von seinem Vorgängerbuch "Viva Polonia" kennen. Heute möchte ich euch sein neues Buch vorstellen, es handelt von seiner Leidenschaft zur klassischen Musik.
Möller bearbeitet diesen extremen Hang zur Klassik und handelt dieses in einer Art lustigem, ironischem Bekenntnis eines Andershörenden ab, wie es auch der Untertitel sagt.

Inhalt und Gliederung:
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Wenn man "anders" ist als die Mehrheit outet man sich heutzutage. So beginn auch Steffen Möllers Buch mit dem ersten Kapitel Outing. Es folgen weitere 43 Kapitel, die mi tjeweils einer spritzigen passenden Überschrift versehen sind. Einige Kapitel sind mit Zitaten von berühmten Persönlichkeiten begonnen.
Das Buch handelt von der Findung eines Menschen namens Möller, der sich zur Liebe zur Klassik bekennt.

Er beschreibt seine Jugend in Wuppertal, wie er es erlebt hat, anders zu sein, keinen Pop, Rock oder Jazz zu mögen, sondern halt Klavierunterricht und klassische Musik. Dies ist, wie er sagt "für seine Sozialisierung" nicht gerade leicht und förderlich gewesen. So oder ähnlich ging oder geht es sicher immer wieder tagtäglich vielen jungen Menschen, ob es der Hang zur Klassik ist, oder andere "Absonderlichkeiten", ist man nicht wie die breite Masse, dann wird man ausgestoßen. Dies finde ich immer wieder erschreckend, gerade in den Schulen. Und ich finde es daher super, dass jemand ein Buch darüber schreibt. Positiv zu werten ist, dass es Menschen gibt, die ihre Vorlieben nicht verstecken und nur hinter denen eigenen vier Wänden ausleben, sondern, die sich dazu bekennen und mit ihrer eigene Meinung nicht hinterm Berg halten. Soviel und nicht weniger kann man aus diesem spritzigen, teilweise ironischen aber auch sehr nachdenklichen Buch mitnehmen.
Zuerst verstellt man sich natürlich, bevor man mit seiner "unnormalen Vorliebe" an die Öffentlichkeit gehen kann.

Dies und viel mehr offenbart Möller in seinem Buch.

meine Meinung:
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Man lernt nebenbei auch sehr viel über klassische Musik. Man erfährt, wie jemand zu dieser Musik kommt, wie er darüber denkt und empfindet. Im Buch sind immer wieder schwarz/weiß-Fotografien zu finden, die das Geschriebene noch besser erklären.
Möller schreibt das Buch in der Ich-Schreibweise. Alles, was mit klassischer Musik zutun hat bzw. alle Werke, die er erwähnt, sind fett gedruckt.

Ich finde die teilweise ironische Schreibweise sehr angenehm, lustig und locker flockig. Das Buch liest sich nicht nur für Klassik und die, die es werden wollen, sehr interessant, sondern es ist einfach amüsant und spannend zu lesen.
Man sollte nicht meinen, was man aus einem solchen Stoff machen kann. Ich finde es genial in Szene gesetzt und auf467 Seiten gebannt.

Zum Schluss kann der Leser die Top Ten des Autors lesen.
Steffen Möller schreibt sehr ehrlich und realistisch, gibt seine innersten Gefühle in Bezug auf Klassik preis und der Leser kann nachvollziehen, wie sein Leben mit dieser Musik verlaufen ist.

Er reflektiert über so vieles im Zusammenhang zwischen seinem Leben vor und hinter der klassischen Musik und lässt den Leser daran teilhaben. Schnell gewinnt man diesen Menschen lieb, wie er dem Leser beschreibt, wie seine Jugendverlief, ihn an seinen zahlreichen amüsanten Anekdoten teilhaben lässt ....
Ein alles in allem witziges, spritziges, ironisches und auch ernstes nachdenkliches und zudem lehrreiches Buch, welches ich der breiten Masse auf jeden Fall zum Lesen empfehlen möchte.

Der Schreibstil ist eingänglich und ausschmückend bildhaft. Das Buch liest sich sehr flüssiig und der Stoff und die Umsetzung sind beste Unterhaltung. Auch als Geschenkbuch sicher sehr gut geeignet.

Leseprobe:
==========

Und damit zum überragenden Verdienst Dieter Burgmüllers,
seiner bleibenden Bedeutung für meine Vita Classica.
Gleich zu Beginn des zehnten Schuljahres trat er vor
seine verbleibenden sechzehn Musikschüler - vier waren
bereits zur »Kunst« entlaufen - und fragte: »Wer möchte
auf Anhieb der beste Kontrabassist der Schule werden?«
Wir lachten. Die Pointe bestand nämlich darin: Es gab keinen
anderen mehr. Der langjährige Bassist des Schulorchesters,
eine Zweimeter-Bohnenstange, hatte Abitur
gemacht und den Schulbass verwaist hinterlassen. Keiner
meldete sich, auch ich nicht - doch wurde ich auf wochenlangen
Schulhofgängen von Uwe dazu überredet, zumindest
einen Versuch zu wagen. Er, der sich still und
heimlich zum glänzenden Cellisten gemausert hatte, versprach
mir, dass er mich zur Belohnung später in das elitäre
Jugendorchester der Bergischen Musikschule schmuggeln
wollte, wo er seit neuestem Mitglied war.
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am 6. März 2010
Der aus Wuppertal stammende Autor, den es nach einem Philosophiestudium und einem Polnisch-Sprachkurs als Deutschlehrer nach Polen verschlug, wo er es bis zum Serienschauspieler und Moderator der polnischen Variante von "Wetten dass?" gebracht hat, schrieb im Alter von 40 Jahren sein zweites Buch, dessen Titel offenbar an seinen ersten Bucherfolg "Viva Polonia" erinnern soll. Es handelt sich um eine sehr unterhaltsam geschriebene Autobiographie, mit der Liebe des Autors zur klassischen Musik als rotem Faden.
Dabei ist Möller keineswegs ein reiner Klassikhörer. Obwohl er bereits an seinem 13. Geburtstag seine Liebe zur klassischen Musik entdeckte (dank Händels Feuerwerksmusik und Beethovens 5. Symphonie, die er auf Musikkassetten geschenkt bekam), spielt er als Jugendlicher Kontrabass in einer Jazzgruppe und wird mit 26 Jahren in Polen gar für zwei Jahre zum fast reinen U-Musik-Hörer (natürlich verwendet er diesen Begriff nicht), ehe er wieder zurück zur Klassik findet - allerdings ohne die U-Musik ganz aufzugeben. Reine Klassikhörer werden sich also durch Möller nicht repräsentiert sehen; auch nicht unbedingt darin, dass er sich teilweise bis zu 16 Stunden am Tag beschallen ließ. Wie es sich allerdings für einen überwiegenden Klassikhörer ziemt, gibt es keinerlei Skandalgeschichten; intime Frauenbekanntschaften werden nur dezent angedeutet und beginnen schicklicherweise erst nach Erreichen der Volljährigkeit. Vielleicht entspricht es Möllers gelegentlicher Schwäche für U-Musik, dass seine Biographie auch fragwürdige Seiten hat; etwa der (dann aber doch nicht ausgeführte Plan) des Abiturienten, sich in die Mönchsrepublik Athos einzuschleichen, obgleich man dort erst ab 21 Jahren Zutritt hat; oder seine Mitgliedschaft in einer linksradikalen, mit der RAF sympathisierenden Theatergruppe, die sich nach dem Fall der Mauer auflöste.
Abgesehen von vier schwachen und überflüssigen Seiten (351 - 354) mit weder ernsten noch witzigen noch irgendwie relevanten oder erhellenden Spekulationen über Geisteskranke, die sich für Komponisten halten, ist das Buch sprachlich gekonnt geschrieben und außerordentlich unterhaltsam. Tiefgreifende Gedanken sind nicht der Zweck; trotzdem gibt uns Möller auch etwas zum Nachdenken: Er kritisiert die zur Mode gewordene oberflächliche Klassikvermittlung, die "populistische Verdrängung des Pathos". Dieses Pathos gebe es auch in der U-Musik, und wer es für die Klassik leugne, könne allenfalls jene U-Musik-Hörer gewinnen, "die im Grunde immer und überall nur leichte Popmusik hören wollten" (S. 372). Das Pathos der U-Musik sei jedoch ein diesseitiges, kollektives, heroisches, mit "Sex-Appeal", jenes der E-Musik ein melancholisches, individuelles (vgl. S. 460f). In der Tat fühlen sich viele jugendliche U-Musik-Hörer einer bestimmten "Jugendkultur", also Gemeinschaft, zugehörig, einschließlich des Gruppendrucks was Kleidung und Verhalten betrifft, während man so etwas von Klassikhörern nicht sagen kann.
Bereits in den ersten Kapiteln geht Möller der Frage nach, weshalb er wohl zum Klassikhörer geworden sei, ohne eine Antwort zu finden. Erst im letzten Kapitel kommt er zu der These, je länger und stärker die Phase der "Altklugheit" bei einem Kind sei, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Klassikhörer wird; wobei er Altklugheit als das Bedürfnis definiert, schon in jungen Jahren allgemeine Aussagen über die Welt zu machen. Eine Kausalität ist hier freilich kaum gegeben - vielleicht waren es ja doch die Klassik-Kassetten mit der richtigen Musik zum richtigen Zeitpunkt; der allerdings heute, angesichts der aggressiven Vermarktungsstrategien der U-Musik-Branche und der medialen U-Musik-Flut, um einiges vor dem 13. Geburtstag liegen dürfte.
Auf [...] meint der Autor: "Die wahren Gründe für die Vorliebe für einen bestimmten Musik-Stil sind nämlich vielschichtiger als allgemein vermutet. Sie liegen nicht in Genen und Erziehung, sondern in Mode, emotionaler Intelligenz und vor allem Charakter." Letzterer freilich ist zu einem guten Teil durch die Gene angelegt und durch die Erziehung beeinflusst, was die Aussage widersprüchlich macht. Es wäre schön, wenn der Autor diesen Fragen weiter nachginge und uns nach einigen Jahren ein drittes, ähnlich unterhaltsames Buch beschert, das dann nicht mehr die Biographie, sondern die Musik in den Vordergrund stellt.
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am 11. September 2009
Endlich mal wieder ein Buch, in dem man mit Lust nach 'Stellen' sucht: Wo erwähnt der Autor 'mein' Lieblingsstück aus dem Kanon der Klassiker? Und in welchen Zusammenhang? Macht er sich lustig? Denn das kann Steffen Möller gut: Ironisch und selbstironisch beschreibt der gerade 40-Jährige, wie er schon mit 13 seine Liebe zur E-Musik entdeckte ' und was das für einen Schüler bedeutet, der umgeben ist von der Seichtigkeit des Seins, vom Mainstream-Pop und -Rock.

Es beginnt ein bisschen zäh. Gottchen, wie banal diese Beschreibung einer Jugend in Wuppertal. Denkt man sich. Um dann hängenzubleiben: Na ja, eine Seite noch. Und das nächste Kapitel...

Es muss ja am Thema liegen, wenn man diese Biografie liest. Denn der Autor ist weder prominent, was für viele Leser reicht, noch blickt er auf Jahrzehnte politisch bedeutsamer Wegmarken zurück. Bleibt als Motiv die Neugier und die Lust am Sujet: klassische Musik. Da nimmt man in Kauf, dass viele Details aus Möllers Leben wirklich wohl nur für ihn interessant sind. Aber gut, mag er es schreiben. Was uns interessiert, ist seine Entdeckung der Klassik in all ihren Facetten, seine Irrungen und Verwirrungen, reichlich belegt mit Anekdoten aus Schule, Studium und Beruf (exotisch genug: als Deutschlehrer und -lektor in Polen). Seine Reflexionen darüber, wie es ist, anders zu sein. Und sein zu wollen.

Das ist stellenweise witzig und urkomisch. Und dann wieder hätte man gewünscht, dass diesem deutsch-polnischen Lektor doch auch ein deutsch-deutscher Lektor ein paar Anregungen gegeben hätte. Denn sehr oft ist Möllers Umgang mit der Sprache ärgerlich. Trotz gewollter Ironie: Wenn er 'protestweise' etwas tut, drängt sich der Verdacht auf, dass dies nicht ironisch sondern einfach nur schlampige Wortwahl ist. Und wenn er an einer anderen Stelle von einem Ausflug berichtet, der zum 'Alptraum' wurde, dessen schlimmste Folge aber bleibt, dass der Autor 'irritiert' ist ' also Alpträume sehen anders aus. Da hätte man sich ein korrigierendes Überlesen des Textes gewünscht.

Trotzdem: Auf diese Weise die eigene Meinung bestätigt zu bekommen, dass Richard Wagner der Pionier des Heavy Metal ist, macht Spaß. Und jemandem, dessen Lieblingsstück die '3. Symphonie Anton Bruckners ist, dem kann man doch nicht böse sein.
Jürgen Nakott ([...]
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TOP 1000 REZENSENTam 2. März 2010
So etwas! Da ordnet sich also ein gewisser Steffen Möller aus dem ebenso verregneten wie hochbahnbewehrten Wuppertal ein in die Geschichte der reichen und tief greifenden Bekenntnisliteratur des Abendlandes, einstmals genial initiiert durch den hochheiligen Augustin aus religiösem Eigeninteresse (Bekenntnisse), und dann geht es nur um entbehrliche, überflüssige Belanglosigkeiten und Harmlosigkeiten. Ist diese hochambitionierte Literaturform dermaßen herunter gekommen? Und das auch noch 477 Seiten lang? In kleiner Schrift? Ohne viel Bilder und Schnick-Schnack?

Ja, sie ist es!
Und Gott sei Dank! Nennen wir es einmal hochsoziologisch die Demokratisierung der Bekenntnisliteratur. Und da hat Steffen Möller durchaus einiges zu bieten an treffenden Beobachtungen, an bedenkenswerten philosophischen Alltagserkenntnissen, an Gegenwartserfahrungen in verschiedenen Zeiten und Milieus dieser unserer Welt in Deutschland, Polen und anderswo. Und der Perspektivwechsel zur Perspektive des Andershörenden wirft auf diese unsere Welt in Deutschland, Polen und anderswo plötzlich ein neues Licht, anders als wir es sonst gewohnt sind.

Kurz: Das Buch ist ein interessanter Außenseiter-Blick auf die Generation des Steffen Möller, zu der auch ich gehöre. Und von daher teile ich so manche Erinnerung mit ihm. Gerade in den Banalitäten, sei es der kultige Modelleisenbahn-Bahnhof Neuffen (9510 - Vollmer Z - Bahnhof Neuffen - der ist wirklich gut!), sei es die enge Hose des Wuppertaler Schulrockstars (abartig!), sei es der Autoput nach Griechenland (das waren noch Abenteuer, bevor die Billigflieger kamen!), sei es der Gitarre spielende Sakropop-Pfarrer (ich sehe mindestens vier vor mir, inklusive Religionslehrer!) usw. Solches zu lesen hat mir einfach Spaß gemacht. Ja, das ist die Geschichte meiner nachrevolutionären Generation!

Manchmal habe ich mich gar persönlich ertappt gefühlt. Da ich ebenfalls klassisch anders hörend bin, fiel mir auf, dass ich das Radio schnell von SWR2 (Klassiksender) auf SWR3 (Popsender) umgestellt habe, wenn ich meine halbwüchsigen Kinder mit Freunden ins Auto geladen habe. Das habe ich nach der Möller-Lektüre voll trotzigen Bekennermuts nicht mehr getan. Seitdem schwingt sich meine Tochter schnell zuerst ins Auto und schaltet hastig auf SWR3, bevor ihre Freundinnen Platz nehmen. So ist es dann auch wieder.

Fazit: Wiewohl ich dem Vater Möller zustimmen muss (S.454), dass einiges wirklich zu langatmig geraten ist, oder mir letztlich doch nun wirklich überflüssig erscheint, die Möllersche Vita Classica macht insgesamt viel Spaß und ist überraschend anregend. Bravheit hat ja auch was. Und Möller sagt zurecht: "Dafür, dass meine Vita Classica nur so strotzt vor Harmlosigkeit, schäme ich mich gar nicht" (S. 457).

Aber! Halt!
Was kommt da noch auf uns zu!
Außer Fans klassischer Musik gibt es ja viel mehr Freaks und Fans randständiger Absurditäten. Ich zähle mich zum Beispiel zu MÄNNERN, die zu ihrem reinen VERGNÜGEN, also nicht aus BERUFLICHEN Gründen, POESIE mögen, auch ganz moderne. Ach Gott! Sollte sich nicht endlich auch einer von uns outen? Sollten nicht endlich auch wir zur selbstentblößenden Bekenntnisliteratur unsere "Vita Poetica. Bekenntnisse eines Anderslesenden" beisteuern? Sollten wir nicht öffentlich unsere aberwitzige Liebe zu Versen von Hilde Domin (Sämtliche Gedichte), Gertrud Kolmar (Gedichte), Mascha Kaleko (Mein Lied geht weiter: Hundert Gedichte), Paul Celan (Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe), Rose Ausländer (Gedichte), Wislawa Szymborska (Die Gedichte. Brigitte-Edition Band 12) oder Marica Bodrozic (Lichtorgeln: Gedichte) oder Erika Burkart (Langsamer Satz) eingestehen? Und sollten wir nicht damit eine potentiell anhebende poetische Bekenntnisbewegung beflügeln?

Nun denn, wenn diese Vita so amüsant daher käme wie bei Steffen Möller: von mir aus gern! Vielleicht bekäme dann die in gemeinschaftsunfähige Einzelinteressen zersplitterte Generation der (Post-)Postmodernen die sympathisch-individuellen, demokratisierten Gesichtszüge jenseits bloßer hochsoziologischer Analysen. Und so freue ich mich schon auf eine Vita Philatelica mit dem Untertitel Bekenntnisse eines Andersklebenden oder eine Vita Ornithologica mit dem Untertitel Bekenntnisse eines Andersvögelnden oder eine Vita Waldorfica mit dem Untertitel Bekenntnisse eines Anderstanzenden oder oder oder. Anderstickende gibt es genug.

In diesem Sinne: Initium Confessionum!
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