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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
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4,3 von 5 Sternen
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am 14. Oktober 2008
Die Mutter stirbt bei der Geburt, das Kind lebt. Am 13. Dezember 1912 wird Eva geboren, ein Mädchen, das über und über mit hellblondem Haar bedeckt ist. Ein irreparabler Gendefekt. Vater Arctander, der pflichtbewusste und harte Stationsvorsteher in einem kleinen norwegischen Dorf, lehnt das Kind ab. Er versteckt es, er schämt sich seiner, es würde seiner bürgerlichen Reputation schaden, es ist eine Schande.

Erik Fosnes Hansen hat vor einiger Zeit mit dem internationalen Bestseller "Choral am Ende der Reise" erfolgreich auf sich aufmerksam gemacht. Gleiches dürfte ihm mit dem neuen Roman "Das Löwenmädchen" gelingen. Denn die bewegenden Geschichte einer Außenseiterin ist ein brillanter Roman, der nicht nur durch die außergewöhnliche Geschichte besticht, sondern auch durch die hervorragende literarische Behandlung.

Es ist ein schonungsloser Roman, der dem Leser nichts erspart, der den Leser mitnimmt in eine fremde und sehr bedrückende Welt. In die (Seelen-)Welt einer Außenseiterin, die ausgegrenzt und verachtet ihren Weg machen muss - und macht. Am Anfang war die Einsamkeit, abgeschottet von der Dorfgesellschaft, vom Vater pflichtmäßig versorgt, aber liebevoll betreut von einer Amme. Lediglich die Apothekerin und der Dorfarzt wissen um dieses Kind. Und der Bahnhofsfunker eröffnet Eva erstmals die Tür nach "außen", in dem er das Kind morsen lehrt. Doch das Geheimnis um Eva, "dieses merkwürdige Mädchen mit dem ungewöhnlichen Äußeren", spricht sich herum. Und später wird die Wissenschaft auf "den Fall" aufmerksam und macht das Löwenmädchen zum Objekt ihrer Neugier.

Dann die Schule - gegen den Widerstand des Vaters setzt sich Eva durch. Sie will sich zeigen, "normal" sein wie alle Kinder. Sie ist es nicht. Es wird eine bittere Zeit. Die Kindern bezeichnen sie als Freak und keiner will etwas mit dem Mädchen zu tun haben. Doch alles dies macht Eva jedoch stark. Sie stellt sich später bewusst ihrem Erwachsenwerden und einer Liebe. Das Löwenmädchen ist klug "dank selbstbestimmter Lektüre und wissenschaftlicher Bildung", manchmal etwas altklug, und wird immer selbstbewusster. Sie sieht sich in einer Reihe berühmter Behaarter - wie Esau, wie Absalom, wie Samson, Hatschepsut und Jesus. Und am Ende stellt sie sich einem Entscheidungsprozess von existenzieller Bedeutung. Sie erlebt eine "Vorstellung von menschlicher Vielfalt" in einem Zirkus. Könnte Eva hier und unter anderen "Außenseitern" ihre Bestimmung finden?

Hansen hat eine sehr klugen und brisanten Roman geschrieben, ein Buch, das fesselt und traurig macht und dem Leser einen Spiegel vorhält, in dem er die eigenen Vorurteile sieht.
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am 17. Januar 2009
"Momente der Geborgenheit" vom selben Autor war für mich ein herausragendes Buch. Doch so erhebend die Lektüre jenes Buches war, so bedrückend empfand ich die des Löwenmädchens. Man sollte also keine "Momente der Geborgenheit, Teil 2" erwarten. Geschrieben ist das Buch wieder in einer schönen Sprache, wobei ich auch die überdurchschnittlich gute Übersetzung hervorheben möchte. (Da verzeiht man es dann gerne, dass an einer Stelle der Schaffner eine Flöte im Mund hat, wo vermutlich eigentlich eine Trillerpfeife sein sollte.)
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am 1. April 2008
Hansen erzählt in Das Löwenmädchen" die ergreifende Geschichte einer Außenseiterin. Für mich DAS Highlight des Buchjahres! Ein genialer Text, der von einer wunderbaren Sprecherin interpretiert wird. Thalbach schafft es, den Hörer zu packen und an das Schicksal des Löwenmädchens zu binden. Ihre Stimme ist genau, wie man sich die kleine und später auch große Eva vorstellt: Verletzlich und doch eigensinnig. Eine geniale Besetzung und wirklich die literarische Sensation des Jahres!
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am 20. August 2011
Lange hat man auf den neuen Roman von Erik Fosnes Hansen warten müssen - über 10 Jahre... Doch schließlich hat es sich gelohnt! Auch, wenn der ein oder andere enttäuscht sein mag, dass es nicht der 2. Teil der grandiosen "Momente der Geborgenheit" geworden ist... Diesmal sind es nicht - wie in den beiden Büchern zuvor - mehrere brilliant ineinander verwobene Geschichten, sondern Hansen erzählt die Lebensgeschichte (zumindest deren Anfang) de "Löwenmädchens" Eva. Wie gewohnt in seiner unvergleichlichen Sprache (nebenbei bemerkt auch hervorragend übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel!), die den Leser unverzüglich in ihren Bann zieht. Dem Autor ist eine wunderbare, auch exzellent recherchierte, Fabel gelungen, die man weiß Gott nicht "einfach herunterliest", aber dennoch in einem Stück - mit größtem Genuss. Bleibt zu hoffen, dass nicht wieder zehn Jahre vergehen, bevor der neue Roman von Erik Fosnes Hansen ercheint!
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am 17. Februar 2010
Hansens Roman "Das Löwenmädchen" erzählt die Geschichte der kleinen Eva Arctander, die wegen eines Gen-Defekts am ganzen Körper behaart zur Welt kommt. Ihr Vater versucht, sie abgeschottet von der Welt aufzuziehen, um seinem kleinen Mädchen, aber auch sich selbst, die Grausamkeit mancher Menschen zu ersparen. Doch Eva erkämpft sich konsequent nach und nach mehr Freiheiten, die ihr Freude aber auch Leid bringen werden.
Hansen erzählt Evas Geschichte sanft und feinfühlig, spart aber auch nicht an Schrecken, die das Mädchen erleben muss auf ihrem Weg zu einem selbstbestimmten Leben - wenn auch dieser Selbstbestimmung ein fahler Beigeschmack anhaftet.
Hansens Sprache ist gewohnt poetisch, allein sie macht das Buch schon lesenswert.
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am 21. Mai 2009
Erik Fosnes Hansen ist es mit "Das Löwenmädchen" gelungen, eine hinreißende Geschichte einer Außenseiterin zu erzählen, mit der der Leser die gesamte Zeit mitleidet und -fühlt.
In einem kleinen Städtchen in Norwegen wird ein kleines Mädchen geboren, dessen Mutter bei der Geburt stirbt. Doch dieses Mädchen ist nicht wie jedes andere Baby, sondern es ist am ganzen Körper behaart: lange, feine, weiche, blonde Haare, überall am ganzen Körper. Da der Vater erst einmal nichts von seiner Tochter wissen will, kümmern sich gute Bekannte um das Kind, bis der Vater für Eva, so heißt das kleine Baby, ein Kindermädchen anstellt, welche das Kind großzieht. Wie Eva sich entwickelt, mit welchen Problemen sie klarkommen muss und wie die Gesellschaft auf sie reagiert, das weiß Erik Fosnes Hansen einfühlsam zu erzählen.
Schon ab der ersten Seite steckt der Leser mittendrin in der Geschichte, fühlt sich in das norwegische Städtchen versetzt und fühlt mir der kleinen Eva, deren Lebensgeschichte bis zu ihrer Teenagerzeit beschrieben wird. Hansen wechselt zwischen unterschiedlichen Erzählern hin und her. Je älter Eva wird, desto öfter liest der Leser aus Evas Sichtweise. Auch die Sprache passt sich dem Alter Evas an, liest sich aber das ganze Buch hinweg flüssig und verständlich, so dass der Spaß am Lesen bleibt. Die Geschichte über eine Außenseiterin, die unter einer starken Form von Hirsutismus leidet, bewegt und macht nachdenklich und ist vor allem absolut empfehlenswert!
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am 27. Februar 2008
Erik Fosnes Hansen Das Löwenmädchen

Kiepenheuer&Witsch ISBN 3462039733

Ruth Arctander bekommt in einer kalten Nacht nach einem Sturz auf einer winterlich glatten Strasse verfrüht ihre Tochter und stirbt dabei.

Zum Entsetzen aller Anwesenden, die sich um die Gebärende kümmern, ist das Kind über und über mit Haaren bedeckt.
Denkt man zunächst noch an eine vorübergehende Erscheinung, die sich geben wird, stellt sich allmählich heraus, dass das Kind an einem sehr seltenen Gendefekt leidet, der unabänderlich ist.
Kann man sich vorstellen wie es dem armen Vater nach der Geburt und dem Verlust seiner Frau geht? Gleich zwei schwere Schicksalsschläge muß er hinnehmen.
Er war ein alter Hagestolz. Niemand rechnete damit, dass er noch eine junge Frau finden und heiraten würde. Nun hat er sein kurzes Glück verloren und sieht sich mit einem seltsamen Kind konfrontiert.

Mit einer Vorstellung wie in einem Circus beginnt die sonderbare Geschichte von dem Mädchen, das den Namen Eva erhält. Wie in einem Circus fühlt sie sich, wenn sie unter Menschen kommt. Von Fremden wird sie angestarrt, von Kindern bei Gelegenheit verhöhnt; die Presse bringt ihre Geschichte und die Wissenschaft ist ob der Seltenheit der Erscheinung aufs höchste interessiert.
Zu der Geschichte gehört die Welt um 1912 in einem Dorf in Norwegen. Arctander ist Stationsmeister, korrekt und streng.
Zu seinen Mitarbeitern gehört ein Funker, der Nachrichten auffängt und bei Bedarf in die Welt schickt. Bei ihm, der ohne Vorurteile ist, lernt Eva das Morsen und beginnt, ein wenig von der Weite der Welt zu ahnen.

Erik Fosnes Hansen hat sich eines ungewöhnlichen Themas angenommen. Dabei ist die Geburtsanomalie die Folie, auf der uns der Autor ein Leben als Außenseiter spiegelt.
Wie mag sich ein Mensch fühlen, der verurteilt ist, abgeschottet von Gleichaltrigen zu leben? Ein Kind noch, das seine eigene Innenwelt entwickelt, aus der es die Außenwelt betrachtet. Exemplarisch läßt der Autor die Einsamkeit fühlbar werden und spiegelt den Zorn, wenn das Alleinsein zur Qual wird! Uns macht befangen und nachdenklich, die eigene Unzulänglichkeit zu spüren, mit der wir Außenseitern begegnen.
Hansen fängt die Atmosphäre eines Dorfes mit Arzt, Apotheker und der Kirche ein. Jeder kennt jeden, und eine freundliche kleine Welt wird uns beschrieben. Der Mirkokosmos ist perfekt. Dass die Frau des Apothekers und der Arzt sich des Witwers und seiner Tochter helfend annehmen, zeugt von dem wohlwollenden Klima der Menschen. Eva jedoch muß sich den Weg in die Freiheit erst noch bahnen! Wie eine Frau sich in der Welt zurechtfindet, in der sie von allen Seiten alleine gelassen bleibt, das schildert dieser Roman vorbildlich.
Ohne eine gewisse Beklemmung liest man das Buch nicht.
Gleichnisse aus der Bibel werden eingeschoben, und die Icherzählerin spricht einmal in der Ichform, um dann wieder einem Erzähler zu weichen, der sich über die Protagonistin auslässt. Vom Circus, der außergewöhnliche Menschen zur Schau stellt, bis zum Zoo werden Beispiele zitiert, in denen Lebewesen, welcher Art auch immer, ihrer Würde beraubt in herabsetzender Weise behandelt werden.
Verlogenheit der Wissenschaften, Verführung und Eigennutz sind allenthalben spürbar. Die Hilflosigkeit eines Vaters mit einer Situation, die ihn überfordert, wird feinfühlig abgebildet.

Hansen ist mit vorbildlichem Einfühlungsvermögen an ein schwieriges Thema herangegangen. Er nimmt sich Themen von außergewöhnlicher Brisanz an.
In Zeiten der Globalisierung und der im Wandel befindlichen Annäherung von verschiedenen Arten der Spezies Mensch ist das Löwenmädchen als exemplarisches Beispiel abgehandelt worden. Der aufmerksame Leser wird anhand dieser Lektüre über Toleranz nachdenken.

Fosnes Hansen wurde berühmt mit seinem Buch < Choral am Ende der Reise>, einer Hommage an die Musiker der Titanic, mit der sie 1914 untergingen.
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am 11. April 2009
"Das Löwenmädchen" ist die Geschichte einer Außenseiterin, die versucht, ihren Platz im Leben zu finden.

Die Protagonistin Eva wird 1912 in der norwegischen Provinz geboren und hat einen gewaltigen Makel: Sie leidet an einem sehr seltenen genetischen Defekt, aufgrund dessen sie am ganzen Körper, auch im Gesicht, dicht behaart ist und äußerlich mehr einem Tier als einem Menschen gleicht. Ihre Mutter stirbt bei der Geburt, ihr Vater will zunächst nichts von ihr wissen, sie wächst größtenteils isoliert mit einem Kindermädchen auf.

Dennoch ist Eva sehr intelligent und wissensdurstig. Sie bringt sich selber das Lesen und das Morsen bei, wird aber bewusst von anderen Kindern ferngehalten. Schließlich darf sie doch noch in die Schule - hier wird sie aber von den anderen Kindern gehänselt und geärgert, so dass sie dem Unterricht oft fernbleibt und sich im Wald versteckt.

In der Pubertät entwickelt sie sich zur "Femme Fatale" mit Fell, hat ihre ersten sexuellen Erlebnisse mit einem Klassenkameraden und verführt schließlich den Katecheten, der sie auf die Konfirmation vorbereiten soll.

Letztlich findet sie tatsächlich ihren Platz, nämlich in einem umherziehenden "Kuriositätenkabinett", in dem verschiedene Menschen ihre körperlichen Deformationen gegen gutes Geld zur Schau stellen und wo sie nur noch ein Freak unter vielen ist.

Auch wenn die Thematik nicht sonderlich originell und die Handlung vorhersehbar ist, so ist "Das Löwenmädchen" streckenweise doch recht liebevoll und anrührend geschrieben - so z.B. wenn es um das Verhältnis Evas zu den Bahnhofsmitarbeitern, die ihrem Vater, dem Bahnhofsvorsteher unterstehen, geht. Hier trifft sie auf Erwachsene, die sie so nehmen, wie sie ist und sich nicht von ihrem ungewöhnlichen Äußeren beeindrucken lassen.

Die ersten zwei Drittel des Romans habe ich als "nett" empfunden, mit einem leichten Hang zum Kitschigen. Die Beschreibung, wie Eva in die Pubertät kommt, ihre Sexualität entdeckt und diese bereits im Alter von 13 Jahren voll auslebt, empfinde ich als Bruch in dieser Geschichte. Dieser Bruch ist zwar sicherlich so gewollt - mir kommt er aber zu plötzlich und zu heftig. Schade finde ich es auch, dass letztlich nicht mehr beschrieben wird, wie und wann Eva sich dafür entschieden hat, Teil der umherreisenden "Freak-Show" zu werden.

"Das Löwenmädchen" ist routiniert geschrieben, durchaus lesbar, aber insgesamt doch recht mittelmäßig.

Das Löwenmädchen
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am 6. Juli 2009
Ich liebte Choral am Ende der Reise und ich verehre die Sprache und den Ideenreichtum von Momente der Geborgenheit. Die Erzählung "Das Löwenmädchen" besteht aus einem geradlinigeren, in drei große Akte geteilten Handlungsstrang, den Hansen in bestechender Weise mit Leben und Emotion füllt. Der Autor erreicht sein Ziel auf erstauntlich subtile Art und Weise: Mir fiel es generell schwer, vorzustellen, dass die Protagonistin trotz ihrer mentalen Überlegenheit und ihrer geistigen "Normalität" vollständig behaart ist. In den vielen Szenen, in denen sie ihre "Krankheit" dann anhand der Reaktionen anderer Menschen zu spüren bekommt, fühlt man sich daher selbst so betroffen, dass man sehr schnell begreift, dass unter einer vermeintlich hässlichen Schale ein glänzender, schöner Kern steckt.

Stichworte als Fazit: Absolut bewegend, großartig erzählt, toller Rahmen, exzellente Charaktere und eine rührende Protagonistin, in die man sich sofort verlieben wird. Ganz klare Empfehlung!
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am 29. Februar 2008
Der norwegische Schriftsteller Erik Fosnes Hansen wurde 1965 in New York geboren. Aufgewachsen ist er in Oslo, wo er heute auch lebt und arbeitet. Schon sein erster, mit 18 Jahren geschriebener und in Deutschland noch wenig beachteter Roman "Falkenturm" wurde von der norwegischen Kritik und auch von der in den anderen Ländern , in denen er erschien als ein literarisches Ereignis ganz besonderer Klasse gewürdigt.

Der große Durchbruch gelang Erik Fosnes Hansen mit dem 1990 erschienenen Roman "Choral am Ende der Reise", in dem er die letzten Stunden auf der 1914 untergegangenen Titanic beschrieb. Schon damals beeindruckten neben genauester Recherche die außerordentliche Komposition und die sprachliche Qualität des Buches. Ich habe es seit dieser Zeit mehrmals gelesen, und war jedes Mal aufs Neue begeistert von den bewegenden Lebensgeschichten der dort vorgestellten Musiker.

In seinem neuen Buch "Das Löwenmädchen" erzählt Hansen vom Schicksal einer Außenseiterin. Es ist eine Geschichte aus weiter Vergangenheit, ungefähr zur selben Zeit angesiedelt wie seine Titanic-Geschichte und doch ist seine traurige Botschaft aktuell wie nie zuvor: Wer vom gesellschaftlichen Ideal abweicht , wird ausgeschlossen, auf die eine oder andere Art und Weise.

"Das Löwenmädchen" ist die Geschichte eines Mädchens, das auf eine ganze besondere Weise ins Leben kommt. In einer kalten Winternacht des Jahres 1912 bekommt Ruth Arctander, die schwangere Frau des Stationsmeisters Arctander nach einem Sturz auf der glatten Straße zu früh ihre Tochter und verliert dabei ihr eigenes Leben.
Die Menschen die sich bei der Geburt um die Frau kümmern, stellen mit Entsetzen fest, dass das neugeborene Mädchen auf ihrem ganzen Körper mit Haaren bedeckt ist. Nach einiger Zeit der bangen Hoffnung, dass sich das geben würde, müssen der Vater des Mädchens und die Verwandten feststellen, dass die Behaarung nicht verschwindet und offenbar angeboren ist. Gendefekt - würde man heute sagen.

Der Vater, als alter Hagestolz hatte er erst sehr spät geheiratet und war mit seiner Frau Ruth sehr glücklich, muss nun zwei Schicksalsschläge verkraften. Den Tod seiner Frau und die Missgestalt seiner Tochter, die den Namen Eva erhält.

Hansen schildert eindrucksvoll, wie die Dorfbevölkerung auf das Mädchen reagiert, und löst beim Leser ganz unterschiedliche Gedanken und tiefes Mitgefühl aus. Er fängt dabei die Atmosphäre des Dorfes ein, in dem wie selbstverständlich der Arzt, der Apotheker und der Pfarrer wenig rühmliche Hauptrollen spielen.

Eva freundet sich mit einem Mitarbeiter ihres Vaters an, der als Funker auf der Station arbeitet. Bei ihm lernt die das Morsealphabet und gelangt so ein wenig in die Welt hinein, von der sie ihr Vater und die Gesellschaft von Geburt an so weit wie möglich abgeschottet halten.

Durch seine Komposition des Buches, mit Einschüben von Szenen aus dem Circus zum Beispiel, wo solche Menschen wie das Löwenmädchen zur Schau gestellt werden, gelingt es Erik Fosnes Hansen beispielhaft, bei seinem Leser eine tiefe Betroffenheit und ein großes Mitgefühl mit all diesen Menschen damals und heute herzustellen, die durch ihr Anderssein auffallen und deswegen auf die eine oder andere, subtile oder mehr offensichtliche Art ausgesondert und kaltgestellt werden.

Ein leidenschaftliches und literarisch hochwertiges Plädoyer für die Toleranz.
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