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Kundenrezensionen

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am 8. November 2008
Manchmal würde man gerne ein Buch im Original lesen können ' um festzustellen, wie viel Anteil die Übersetzung an einem Text hat. Ich war bisher weder mit Pamuk noch überhaupt mit der türkischen Literatur vertraut, doch was hier vorliegt, ist nicht zuletzt ein Werk sprachlicher Brillanz, das momentan seinesgleichen sucht.
Pamuk spielt mit Dichtung und Wahrheit, mit Illusion, Erinnerung und Beobachtung: '"Wenn wir uns ausgiebig küssten, stellten wir fest, dass sich neben unseren feuchten Mündern und unseren herausfordernden Zungen auch unsere Erinnerungen in die Sache einmischten. Ich küsste also zuerst Füsun, dann die Füsun in meinem Gedächtnis, dann öffnete ich die Augen, schloss sie wieder und küsste die gerade gesehene Füsun und die in meiner Erinnerung."
Auch in diese so seltsam zugleich modern wie fremd-archaisch geschilderte Kultur einzudringen, ist nichts weniger als gewinnbringend. Wenn Literatur in der Lage ist, die Sicht des Eimnzelnen und damit der Gesellschaft zu beeinflussen und Fremdes verstehbar zu machen, so ist dies nichts weniger als ein ganz wichtiger Roman. Ein schöner, ein grausamer, ein bemerkenswerter.
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am 24. September 2008
Orhan Pamuks neuer Roman »Das Museum der Unschuld« handelt von Füsun, einer jungen Frau und Kemal, einem kaum älteren Mann, der dabei ist, eine standesgemäße Verlobung einzugehen. Die unerwartete Begegnung gibt beider Leben eine andere Richtung, und das um so mehr, als Kemal seine Geleibte bald durch eine Lüge verliert und acht Jahre werben muß, ehe er sie zurückgewinnt.

»Das Museum der Unschuld« ist ein Liebesroman über eine unterbrochene Liebe von Füsun und Kemal in Istanbul vor 30 Jahren. Die unterbrochene Liebe ist die Kraft, die die Gegenstände in die Welt setzt und sie museal werden läßt. Der Roman, der Erinnerungen seiner Jugend enthält, handelt von lauter alltäglichen Dingen und läßt daraus ein Museum entstehen. So groß ist die unglückliche Liebe, daß sie alles beseelt, was Füsun besaß und berührte, und am Ende auch: was sie hätte besitzen und berühren können.

Kemal hat das Bedürfnis, die unterbrochene Liebe zu Füsun in lauter Gegenständen zu dokumentieren und wandelt sich zum Gründer einer Sammlung, in der nicht nur die Erinnerung an Füsun, sondern auch an ein verlorenes Istanbul erhalten ist.

In dem Roman geht es in hohem Maße um die Verwirrungen innerhalb der Liebe. Das Museum der täglichen Dinge entsteht aus Enttäuschung, aus unerwiderter Liebe und ist nicht zum Besichtigen da, sondern zum Erfühlen. Die musealen Gegenstände dokumentieren weniger die Liebe, als dass sie dazu dienen, die Frau zu symbolisieren. Kemal spürt an ihnen der vergangenen Wärme nach, riecht nach ihnen, befühlt sie. Er braucht das, um sich erinnern zu können. Die Kunst dieses Romans mit musealem Charakter besteht in der Hervorrufung von Sinnlichkeit und Wahrnehmungen.

In dem Roman geht es nicht nur um die Geschichte von Verliebten, sondern um die Geschichte von Istanbul. Doch vom Schauplatz des Romans, vom Istanbul der späten siebziger und frühen achtziger Jahre ist heute fast nichts mehr vorhanden.
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am 23. Juni 2015
Wow - diese Geschichte über eine absolut bedingungslose (einseitige) Liebe hat mich auch im nachhinein noch länger beschäftigt. M. E. Pamuks bestes Buch. Die Leser brauchen allerdings eine gewisse Durchhaltebereitschaft, denn die rund 600 Paperback-Seiten sind teilweise sehr akribisch mit Gefühlen, Sichtweisen und Tagesablaufsbeschreibungen gefüllt. Das Buch ist nicht als "Roman" geschrieben, sondern als eine Art Tatsachenbericht. Eine ungewöhnliche Herangehensweise, die aber den Eindruck der Authentizität verstärkt. Ich empfehle das Buch für lange Winterabende. Nichts für eher oberflächliche Leser.
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am 11. September 2008
»Nur sehr naive Menschen glauben, Armut sei bloß ein leichtes Vergehen, das einem verziehen werde, sobald man zu Geld komme.«
(Celal Salik)

Reicher Mann liebt arme, schöne Frau, Frau verschwindet, Mann verzweifelt. Was sich wie der Plot eines mittleren Hollywood-Schinkens liest, ist der Kurzinhalt eines Gesellschaftsromans, den Orhan Pamuk unter dem Titel »Das Museum der Unschuld« in diesen Tagen der deutschen Öffentlichkeit präsentiert. Pamuks Sittengemälde der alten Reichen, der Istanbuler Bourgeoisie der Siebziger Jahre, sieht im Zentrum ein Liebespaar, ein Paar, das Abbild eines drohenden Untergangs ist, der sich erst in den letzten zehn Jahren deutlich zeigt: Auch wenn die alten Reichen Kultur um sich sammeln, akkumulieren die Neureichen doch das Geld.

Kemal gehört zu einer der weit verzweigten, alten und mächtigen Istanbuler Familien: Dort kennt man keine Kopftücher, die sind den unteren Schichten und denen vom Land vorbehalten, auch richtige Sorgen sind unbekannt. Geld steht immer zur Verfügung, man führt ein Haus in einem der besseren Stadtteile und besitzt eine weiteres, prächtiges auf den Prinzeninseln im Marmarameer. Vor allem aber ist man westlich kultiviert: Die Töchter gehen auf die Sorbonne, die Söhne kopieren die Werbekampagnen aus den USA für den eigenen Betrieb. Doch bei aller zur Schau gestellten Westlichkeit bleiben überkommene, feste Regeln, nach denen gehandelt wird: Man heiratet unter sich, vor der Ehe darf die Zärtlichkeit nicht zu weit gehen und die Hochzeit wird im Hilton sein.

Füsün hat die falschen Eltern: Die Mutter ist Schneiderin, der Vater war Lehrer, sie wohnen, aus der Obersicht der Oberschicht, im falschen Viertel. Und Füsün hat einen weiteren Makel. Noch als Schülerin nahm sie an einem Schönheitswettbewerb teil, das macht man nicht als anständiges Mädchen, sagt die Mutter von Kemal, die weitläufig mit Füsüns Mutter verwandt ist und sie hie und da als Schneiderin beschäftigt hat, allerdings nicht mehr, nachdem die ihrer Tochter diesen unsittlichen Wettbewerb gestattet hatte. Man stelle sich vor: Im schwarzen Badeanzug sind die Mädchen über Laufstege gegangen, fast alles war zu sehen. Aber was soll es Kemal kümmern, der wird sich bald verloben und Verlobung ist so gut wie Heirat.

Das ist das Dilemma der modernen Türkei und ihrer bis jüngst führenden Schicht: Man bewundert den Westen, kopiert ihn, manchmal bis zur Lächerlichkeit und steckt doch bis zu den Knien im alten Osmanischen Reich. Dieser Zwiespalt macht unsicher und vielleicht haben dieser Unsicherheit wegen die neuen Modernisierer, die gläubigen Provinzler aus Kapadokien, aus der Zentraltürkei, die Kommandohöhen in Ankara und anderswo besetzen können. Ihre Frauen tragen Kopftuch, sie sind selbstbewusste Türken, ihr Reichtum ist neu und ungehobelt, der Westen interessiert sie eher als Markt denn als kulturelles Vorbild. Aber beide Fraktionen der türkischen Bourgeoisie fahren, wie beruhigend, Mercedes.

Als Kemal auf Füsün trifft, als er seine besinnungslose Liebe entdeckt, fährt die Istambuler jeunesse dorée noch schwere amerikanische Autos, der Raki fließt in Strömen, die Luxuskneipen der Stadt sind die Bühnen des Reichtums. Begonnen hatte es mit ihm und Füsün mit dem Reiz des ehelosen Beischlafs, man gibt sich modern, wohl wissend, dass die Jungfräulichkeit auf dem Heiratsmarkt nach wie vor ein wesentliches Gut ist. Doch seine Verlobung wartet auf ihn, mit jener anderen, schönen und gescheite Frau, die aus der richtigen Schicht kommt und sich ihm versprochen hat und von der alle guten Familien wissen, dass sie seine Frau werden soll. Immer heftiger taumeln Füsün und Kemal umeinander, doch weil ihre Liebe besinnungs- aber nicht bedingungslos ist, löst Kemal sein Verlobungsversprechen ein. Gedacht hatte er, danach ging es so weiter, so wie es schon sein Vater und die anderen Väter gehalten hatten: Im Hinterzimmer die Liebe und im Salon die Ehe. Doch Füsün verschwindet, wird unerreichbar für ihn.

Was dem Kemal jetzt geschieht, kann wie eine Parabel auf den langsamen Untergang des alten Reichtums gelesen werden: Er löst seine Verlobung, macht sich zum Gespött seiner Umgebung und beginnt jene Dinge zu sammeln, die Füsün berührte oder auch nur gesehen hatte, Dinge die er einmal in das Museum der Unschuld verbringen wird, jenes Denkmal seiner Liebe. Auf der Bahn seiner Besessenheit verliert er Freunde, vernachlässigt seine Geschäfte und als seine Suche nach Füsün Erfolg hat, ist sie bereits mit einem anderen verheiratet. Kemal erniedrigt sich, acht lange Jahre, an 1593 Abenden, wie Kemal ausrechet, besucht er Füsün und ihre Familie , ohne dass Füsün ihn erhört, die Scheidung einreicht, um ihn zu heiraten. Ein quälendes Spiel beginnt: Die Regeln gibt die Konvention vor, der Schein wird aufrecht gehalten und als Füsün seinem Drängen nachgibt, besteht sie darauf, dass sie noch Jungfrau ist, nie habe sie mit ihrem Mann geschlafen, sie habe also in gewissem Sinne noch ihre Unschuld.

»Nur sehr naive Menschen glauben, Armut sei bloß ein leichtes Vergehen, das einem verziehen werde, sobald man zu Geld komme», so zitiert Pamuk einen seiner Figuren aus einem anderen Roman, den Kolumnisten Celal Salik. Natürlich ist Füsüns Vergehen arm zu sein auch nicht durch Kemals Geld auszugleichen. Und die Ansammlung toter Dinge würde, wenn Kemals Museum jemals Wirklichkeit werden könnte, nichts anderes sein, als das Denkmal einer falschen Unschuld: Einer gesellschaftlichen Lüge zur Aufrechterhaltung der Illusion, dass es ein richtiges Leben im falschen geben könne.
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am 18. Januar 2009
Eine Liebe und ihre Bewahrung jenseits ihrer gelebten Gemeinsamkeit ist Thema dieses außergewöhnlichen Romans des türkischen Nobelpreisträgers.
Der Protagonist Kemal zeigt uns in der detaillierten Beschreibung seines Lebens ein eindrucksvolles Bild seiner Heimatstadt Istanbul im letzten Drittes des 20. Jahrhunderts, lässt uns teilhaben am Gesellschaftsleben der Vermögenden, an ihren Werten und Zielen und gibt damit auch Einblick in Tradition und Evolution der Türkei jener Jahre.
Kemal findet keine Erfüllung in dem Leben, was ihm als Mitglied der zumindest finanziell gehobenen Gesellschaft vorgegeben ist. In diese ' ihm zunächst nicht bewusste ' defizitäre Gefühlslage fällt der Beginn seiner Liebe zu Füsun, einer entfernten Verwandten aus der weniger begüterten Linie.
Durch Einsicht in die Welt des Kinos und die damalige türkische Produktion sentimentaler Liebesfilme werden Sehnsüchte und emotionelle Mängel der saturierten Bevölkerungsschicht transparent, deren Realität geprägt von Äußerlichkeiten und gestrigen Maximen eine authentische Emotionalität nicht zulässt, was sich jedoch in der Resonanz beim Leser als durchaus nicht allein türkisches Phänomen erweist.

Es hat eine Zeit gebraucht, bis ich meine zeitgenössisch-pragmatische Sicht von Liebesbeziehungen überschreiten konnte und mich vom Autor in Menschheitsanliegen entführen ließ, um dort auch selbst nicht mehr unangenehm berührt zu werden. Im wahren Sinne der Worte werden peinlich genau die Erfüllung und das Leid der zentralen Figur des Kemal dargestellt, so dass der Leser manches Mal als unwilliger Voyeur in die Intimsphäre des Liebenden gezwungen wird, und diese Form der Leidenschaft als krankhaft oder zumindest lebensfremd empfunden wird, vielleicht auch zunächst Langeweile aufkommen mag.
Ich denke jedoch, dass hier eine gewisse Abwehr im Leser berührt wird, da diese Form von obsessiver Hingebung zwar aus großen weltgeschichtlichen Liebestragödien hinreichend bekannt ist, aber dieser Liebe keinerlei Realitätsanbindung zuzukommen scheint.
Folgen wir jedoch dem Autor in das bedeutendste Menschheitsthema, so müssen wir feststellen, dass wir wahrscheinlich alle zu derartiger Leidenschaft fähig wären, uns wohl auch nach ihrer Erfüllung sehnen, aber unsere Realität lässt keinen Raum, der durch seine kulturellen Gestaltungen und Begrenzungen für dieses Erleben frei gesetzt werden kann: Dass diese Liebe sich nicht erfüllen kann liegt in ihrer Ontologie ' diese Liebe hat keine Chance in der unwirklichen Wirklichkeit.

Orhan Parmuk überzeugt uns weiterhin durch Geschehnisse, Dialoge und Gedanken der Personen dieses Romans von der Wahrheit und Bedeutung menschlicher Alltagswelt, die offensichtlich immer wieder hinter dem Glamour sentimentaler Darstellungen unserer Wünsche und Sehnsüchte als unbedeutend in Vergessenheit gerät. So füllt der Protagonist ein Museum mit Alltäglichkeiten scheinbaren Sinnlosigkeiten, die für ihn in prägnantem Bezug zu seiner Geliebten stehen und weist damit auch auf den Mangel an Wahrnehmung in Bezug auf unsere gelebte Gewohnheit hin, die wir hinter fiktivem Lebensanspruch vergessen.

Besonders berührend lässt uns der Autor nachvollziehen, wie die geliebte junge Frau Füsun in ihren Wünschen, Sehnsüchten und ihrer authentischen Liebe scheitert, vergeblich versucht sie ihre Träume vom Leben zu realisieren. Als sie letztendlich das Rad der Zeit zurückdrehen möchte, ihre Unschuld und Freiheit nach vielen Jahren zurück zu gewinnen strebt, verliert sie an dieser Unmöglichkeit ihren Lebensmut.

Orhan Parmuk hat mit diesem Werk zeitlose Weltliteratur geschaffen, die uns alle angeht.
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am 17. Juni 2016
...habe ich dieses Buch von einem Freund empfohlen bekommen. Einem Freund, der scheinbar mehr für mich empfand...;)
Das Buch war auch sehr toll zu Beginn, es fesselte mich regelrecht und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Ich liebe die Art, wie Pamuk schreibt, wie intensiv er Gefühle beschreibt. Ich finde es auch immer toll, Orte, die man kennt in Büchern wieder zu finden (wie etwa den Taksim-Platz). Irgendwann hat mich die ganze Liebesschnülze aber genervt, sodass ich das Buch beinahe nicht mehr zu ende lesen wollte. Dennoch habe ich mich zusammengerissen. Insgesamt ist es eine sehr schöne Abendlektüre und als solche unbedingt zu empfehlen.
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am 20. August 2013
Da ich kein Marcel Reich Ranicki bin, werde ich auch nicht so tun, als ob!
Kommen wir nun zum Sachlichen bzw. zu diesem sinnlichen und wundervollen Roman:

Seit vielen Jahren lese ich, dieses Buch gehört zu meinen Lieblingen.
Es nimmt einen in seinen Bann, von der ersten bis zur letzten Seite.
Alles fängt an an Bedeutung zu gewinnen und auch zu verlieren, es enstehen Muster und Verstrickungen.
Man wünscht beinahe: sie mögen sich niemals lösen.
Manchmal ist mir beim lesen, als ob jeder Atemzug eine endlose Sehnsucht berührt.

Es lebe die Literatur, die Kunst und die Freiheit der Liebe...

Für alle Literatur-Liebhaber eine Einladung zum lesen...
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am 14. September 2008
Nicht über das Dilemma der modernen Türkei sondern eine bittersüße Liebesgeschichte die einem einerseits die Tränen der Freude und gleichfalls der Traurigkeit in die gespannt lesenden Augen treibt.
Das Mädchen Füsun das ihrem Verwandten eine gefälschte Handtasche umtauschen muß wird zum Objekt der Begierde für einen aus reichem Hause stammenden Sohn der jedoch kurz vor der Verlobung mit der seitherigen Dame des Herzens steht.
Diesen Lebensweg verfolgt er auch weiter, er kann sich jedoch der verführerischen Füsun die seine Gedanken einnimmt nicht erwehren.
Doch Füsun heiratet anderweitig.
Er besucht sie jahrelang und beginnt kleine Andenken an sie zu sammeln und in einer von seiner Mutter nicht mehr benutzten Wohnung ein Museum zu errichten.
Das positive an diesem Buch ist sicherlich die leichte und flüssige Lesbarkeit der Geschichte die durchweg in dreiseitige Kapitel aufgeteilt ist.
Auch ist der rote Faden für Pamuk ungewöhnlich dick und trägt den Leser über die teilweise humorigen Seiten.
Es ist ein leichter,sich ständig in Handlung windender Roman der nicht die Themen Orient und Okzident ausbreitet sondern ein Liebesroman der einzig zwischen den Protagonisten angesiedelt ist.
Es ist einfach ein gutes Buch das sicherlich die Protagonisten in ihren von den Eltern mitbekommenen Kulturebenen schildert die teilweise auch ihr Handeln Nachhaltig beeinflußt aber dies bleibt stehts im Hintergrund.
Es ist eine Wunderschöne Ode an das Verlangen das Liebe heisst und die Gefühle die es in uns freisetzt
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am 8. Juli 2014
Ich war letztes Jahr in Istanbul und wollte keinen normalen Städteführer kaufen und bin dann bei der Suche auf dieses Buch gestoßen.

Es hat mir sehr gut gefallen, das die Spaziergänge, die Restaurants, die Häuser so genau beschrieben wurden. Natürlich hat sich in der Zwischenzeit viel verändert, aber bei meinen Streifzügen sind mir viele Gebäude und Szenen auf dem Buch begegnet.

Natürlich durfte der Besuch im Museum auch nicht fehlen, damit ich den Stempel bekomme. Ich hatte Begleitung von jemandem der das Buch nicht gelesen hatte. Für uns beide war der Rundgang schön. Ich konnte die kleinen Geschichte und Details erzählen und meine Gedanken zu dem Buch und meine Begleitung hat auch ohne das Buch gelesen zu haben, alles verstanden und sich mit an den Details erfreut.

Die Leidensfähigkeit des Protagonisten hat mir gleichzeitig fasziniert und genervt, aber es lohnt sich bis zur letztes Seite zu lesen. Der letzte Satz ist nur verständlich wenn man die ganze Geschichte kennt, gleichzeitig hat er mich aber auch absolut versöhnt mit der Geschichte.
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Für den Erfolg der Audiobücher gibt es verschiedene Gründe. Sie machen die zunehmende Verweildauer in Autos und auf Strassen erträglicher, sind aber auch eine Möglichkeit für ungeduldige Leser, sich mit Werken wie diesem zu befassen. Denn 600seitige Bücher, in denen es nicht um Mord- und Totschlag, Geheimbünde, Verschwörungen, menschliche Kopulationen oder Vampire geht, entsprechen dem Durchhaltevermögen eines gehetzten Publikums nur noch bedingt. Daher finde ich es großartig, dass man sich auch "Auf der Suche nach einer verlorenen Zeit" von Marcel Proust oder eben die Romane von Orhan Pamuk vorlesen kann. Vor allem wenn Sprecher wie Ulrich Noethen sich dieser Aufgabe annehmen.

Wie gekonnt der bekannte Schauspieler die wunderbaren Sätze von Orhan Pamuk intonieren und sich in seine Figuren einfühlen kann, bewies Ulrich Noethen bereits beim Roman "Istanbul". Nun gibt er Kemal eine Stimme, einem modernen Türken, der in Paris studierte und durch ein zufälliges Treffen dazu veranlasst wird, auf die 1970er und 1980er Jahre Istanbuls zurückzublicken. Wie Orhan Pamuk Vergangenes wieder neu auferstehen lässt und beschreibt, rechtfertigt einmal mehr, dass ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. Aber eben, solche Museumsbesuche brauchen Zeit und die Fähigkeit, längere Zeit vor einem (Sprach)bild verweilen zu können.

Die Sprachkunst von Orhan Pamuk hätte allerdings nicht gereicht, um Leser in aller Welt zu begeistern. Er schafft es selbstverständlich auch, Spannungsbögen aufzuziehen und Identifikationsfiguren zu entwerfen. Und letztlich ist jede seiner Beschreibungen eine kleine Liebesgeschichte, egal ob eine Stadt, ein Gegenstand oder ein Mensch im Mittelpunkt steht. Orhan Pamuk gehört aber auch deshalb zu meinen Lieblingsschriftstellern, weil er wunderbar altmodisch ist, indem er nicht erklärt, sondern erzählt. Er belehrt uns nicht seitenlang, warum sich Menschen so und nicht anders verhalten, sondern macht Persönlichkeitsmuster durch Beobachtungen deutlich.

Mein Fazit: Ein großartiger Roman von Orhan Pamuk, der uns gerade in seiner Detailbessenheit zeigt, dass wir noch immer Sammler sind, aber allzu oft den falschen Träumen nachjagen und dabei die Schönheit des Gegenwärtigen vergessen. Und so wie Ulrich Noethen diese Geschichte einer unglücklichen Liebe und der Suche nach der eigenen Identität liest, ist sogar der von Kleinstminiaturen besetzte Mittelteil spannend.
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