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Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
9
4,2 von 5 Sternen
Kapitän Nemos Bibliothek: Roman
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:9,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


TOP 1000 REZENSENTam 30. Juli 2011
"Kapitän Nemos Bibliothek" ist die Geschichte zweier Jungen, die nach der Geburt vertauscht wurden und Jahre später aus ihren Familien herausgerissen wurden, damit das Versehen rückgängig gemacht wurde.
Aus Erinnerungsfetzen aneinandergereiht, so setzt sich, je weiter man sich durch dieses Buch liest, Puzzleteil mit Puzzleteil zusammen und erst am Ende des Romans ergibt sich ein (fast) vollständiges Bild. Zu Beginn haderte ich etwas mit dieser Erzählweise, weil ich zu schnell viel mehr erfahren wollte. Man musste sich bewusst auf diesen Stil einlassen und seinen Gedanken Zeit geben. Im Nachhinein betrachtet finde ich diese fragmentarische Erzählweise genial, spiegelt sie doch nicht zuletzt die innere Zerrissenheit des Erzählers auch Jahre nach dem Rücktausch wider.
Immer wieder flüchtet sich der Ich-Erzähler in seine Suche nach Gott und in seine Fantasiewelt, die Bibliothek von Jules Vernes Kapitän Nemo, weil er sonst das Leben nicht aushalten würde.
Der gesamte Roman war durch eine äußerst bedrückende Atmosphäre gekennzeichnet. Es war kein bisschen Frohsinn oder Hoffnung darin zu finden. Das machte es mir auch schwer eine gewisse Lesefreude zu entwickeln, zumal dieses unendlich traurige, auf mich sehr intensiv und verstörend wirkende Buch seine geballte Wirkung auch erst nach der Lektüre entfaltet. Es hat mich lange, nachdem ich es zurück ins Regal gestellt habe, noch sehr bewegt und wird keineswegs das letzte Buch des Autors gewesen sein, dem ich meine Aufmerksamkeit schenken werde.
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am 11. Juni 2007
"Kapitän Nemos Bibliothek" ist nach "Gestürzter Engel" erst das zweite Werk Enquists, das ich gelesen habe - und erneut wurde ich nicht enttäuscht. Der Schwede schafft es dank einer herrlichen, mal poetischen, mal dialektal angehauchten Sprache, einer bittersüßen Stimmung und einer dunkel-melancholischen Atmosphäre gekonnt, den Leser von Anfang an in den Bann zu schlagen und bis zuletzt zu fesseln. Die Geschichte zweier schwedischer Jungen, die bei der Geburt vertauscht und erst sechs Jahre später wieder zurückgetauscht wurden, berührt zutiefst und wirkt noch lange nach. Statt auf sentimentalen Betroffenheitskitsch, den so mancher andere Autor vermutlich aus diesem Thema gemacht hätte, setzt Enquist auf beinharten, direkt aus dem Leben gegriffenen Realismus, der zwar oft unangenehm wirkt, dem Geschehen aber dennoch die nötige Glaubwürdigkeit und Tiefe verleiht.

Doch "Kapitän Nemos Bibliothek" ist mehr als nur die Suche zweier Jungen nach ihrer eigenen Identität. Es ist zugleich auch eine Reflexion über die Einsamkeit, die Unergründlichkeit der Liebe, die Frage nach Schuld, Verlangen, Vertrauen, die Suche nach (der Erlösung und Unterstützung durch) Gott und letzlich auch über die Fantasie und dem Verfallen des Wahnsinns als letzte Zuflucht vor der grausamen Realität.

Jede Zeile dieses Romans, den ich nahezu atemlos und regelrecht süchtig verschlungen habe, habe ich genossen und mir auch noch Tage danach den Kopf zerbrochen über die vielen Fragen, die noch unbeantwortet bzw. für die eigenständige Reflexion des Lesers offen blieben. "Kapitän Nemos Bibliothek" ist ein hochliterarischer Lesegenuß, der zwar einiges vom Leser fordert und abverlangt, aber nichtsdestotrotz ein echter Gewinn ist. Sehr empfehlenswert.
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TOP 1000 REZENSENTam 23. Juli 2012
"Kapitän Nemos Bibliothek" ist ziemlich schwere Kost, sowohl was den Inhalt angeht als auch den Stil. Gerade am Anfang hatte ich Probleme, überhaupt etwas zu verstehen. Nach 15 Seiten habe ich daher wieder von vorn angefangen. Wenn man aber erst einmal drin ist, Figuren und Handlung einordnen kann, ist der Stil kein Hindernis mehr. Schließlich ist er am Denken eines Kindes angelehnt und dreht sich daher ziemlich viel im Kreis. Der Inhalt hingegen bleibt bis zum Schluss schwer. Der namenlose Erzähler wächst in den 30er und 40er Jahren in einem kleinen Dorf in Schweden auf. Als er 4,5 ist, stellt sich heraus, dass er kurz nach der Geburt mit dem am selben Tag geborenen Jungen Johannes vertauscht wurde. Seine "Mutter" will ihn austauschen, seine richtige Mutter will ihn nicht haben, sondern Johannes behalten. Nach einem Gerichtsverfahren findet der Austausch statt. Der Erzähler kann diese Tatsache sein Leben lang nicht verarbeiten. Er wurde nicht gewollt, er hat alles verloren. Nach diesem Austausch sollte alles sein, wie es von Anfang an hätte sein sollen: in Ordnung gebracht. Doch einer nach dem anderen geht zugrunde. Der Erzähler flüchtet sich in eine Phantasiewelt. Weil er von seiner christlichen Gemeinde nur hört, dass Gott der Strafende ist, sucht er Beistand beim Wohltäter Christus. Doch der scheint anderweitig beschäftigt und hilft ihm auch nicht. Also wendet er sich an Kapitän Nemo, der ihm von da an immer Ratschläge gibt. Es tut fast weh, diese ausweglose Geschichte zu lesen: Der Kontrast zwischen der harten Außenwelt, besonders dieser religiösen Härte des Dorfes, und der Versuch des Erzählers, in seiner Phantasiewelt zu überleben. Bereichernd ist die Geschichte aber auf jeden Fall. Leider werden nicht alle Rätsel gelöst und der Leser steht am Ende da, ohne alles verstanden zu haben. Dieses Buch sollte man irgendwann ein zweites Mal lesen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 17. August 2015
Nemo, das war der, der in der Darstellung Jules Vernes für eine gerechte Sache – die Befreiung der Inder von der englischen Vorherrschaft - kämpfte. Als er besiegt war, baute er das Unterseeboot Nautilus, um damit die Schiffe seiner Feinde zu zerstören, und zog sich auf eine geheime Insel zurück. Diesen Nemo fantasiert sich der kleine Junge in einem winzigen Nest in Nordschweden herbei, als er in eine große Notlage gerät: Man stellt fest, dass er und sein bester Freund Johannes bei ihrer Geburt vertauscht wurden und jetzt ihren angestammten Familien zurückgegeben werden müssen. Dieser Freund bekommt noch eine Adoptivschwester, Eeva-Lisa, in die sich beide verlieben. Als Eeva-Lisa von einem Fremden schwanger wird und ihre Frühgeburt geheim halten will, nimmt das Unglück seinen Lauf…

Wir befinden uns heute in der Lage, diese faszinierende Geschichte, die zwischen Realität, Fantasie und Traum hin- und herwabert, einigermaßen an Enquists wirklicher Lebensgeschichte festzumachen, die er 2008 in seiner Autobiografie "Ein anderes Leben" vorlegte: Enquists Vater war jung gestorben, als Per Olov erst 6 Monate alt war. Seine Mutter Maja, die eine strikte, asketische Pfingstlerin war, hatte bereits einen Jungen zur Welt gebracht, der bei der Geburt aber gestorben war. Enquist beschreibt, wie er in ihrem "grünen Haus" allein mit seiner Mutter lebte und auf Grund ihrer rigiden, religiösen Erziehung als phantasiebegabter Junge einem heftigen Schuldbewusstsein und Gewissensqualen ausgesetzt war und qualvolle Einsamkeiten durchlebte. Die waren so stark, dass er sich den verstorbenen Bruder und Vater herbeiimaginierte und heimlich mit ihnen sprach. Erwies sich Christus als Tröster als unzuverlässig, so erschien ihm der Vater, der auch die Gestalt des Kapitän Nemo annahm, als ein zuverlässiger Freund und Tröster. Gewissensqualen war der heranwachsende Enquist auch wegen seiner sich bemerkbar machenden Sexualität ausgeliefert, was sich in der Geschichte um Eeva-Lisa erkennen lässt. Noch ein Detail zum Schluss, das aber zum Verständnis einiger wesentlicher Passagen im Buch wichtig ist: Als Junge wünschte sich Enquist sehnlichst eine Katze. Die Mutter ließ dies aber nicht zu, nachdem eine Katze im Haus einmal auf die Ofenplatte "ges*******" hatte… Schon diese Hinweise genügen, um einiges Licht in das abenteuerliche Konstrukt der Geschichte zu bringen und deutlich zu machen, dass es sich dabei um eine phantastische, literarische Projektion von Enquists eigenen Lebenserfahrungen handelt.

Es schadet nicht, diese Parallelen zum Leben des Autors anzudeuten, um das kunstvoll konstruierte Buch und seine Sprache, die ihre poetischen Effekte aus der kindlichen Mentalität und Sichtweise des Jungen holt, in seinem ganzen Reichtum zu bewundern.
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am 19. Juli 2006
dieses buch hat einen so wunderbaren tonfall, dass man ihn gar nicht mit dem stil von jubel-rezensionen übertönen will. was musil die "genauigkeit der seele" nannte - jede einzelne der 200 seiten von "kapitän nemos bibliothek" ist davon geprägt. die geschichte ist so traurig und berührend, der autor bringt einem den ich-erzähler so nahe, wie ich es kaum je in einem anderen buch gefunden habe. höchstens noch bei cechov. ich wünsche dem buch möglichst viele leser. und möglichst vielen lesern dieses wunderbare buch.
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am 11. Oktober 2014
Ein Buch, das die Kraft besitzt, nicht nur das Leben des Autors auf wundersame Weise zu retten, sondern auch das manchen Lesers. Enquist ist einer der schonungslosesten und doch bestrickendsten Schrifsteller!
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am 2. November 2016
Hält was es verspricht.
Eben ein Buch das fast wie neu ist, nur sehr wenige Gebrauchsspuren aufweist.
deshalb alle 5 Sterne
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am 13. Januar 2011
Beim Stöbern im Buchladen fiel mir dieses Buch mit dem interessanten Titel in die Hände. Der Klappentext klang ebenfalls sehr interessant. Vielleicht hatte ich dadurch eine etwas weniger psychologische Vorstellung vom Inhalt, so dass ich beim Einstieg in das Buch doch etwas irritiert war. Der Autor erzählt in fragmentarischen Stückchen das traumatisierende Erlebnis der beiden Jungen, die durch das Zurücktauschen in ihre leiblichen Familien nach Jahren, in unterschiedlich starker Ausprägung ihren emotionalen Halt verlieren. Aus der Sicht eines der beiden ist das Buch erzählt, immer wieder fließen Phantasieelemente ein, die seiner kindlichen Traumwelt entspringen. Die Geschichte ist daher auch absichtlich lückenhaft gehalten. Ohne den zusammenfasseneden Klappentext, hätte ich tatsächlich Schwierigkeiten gehabt die Grundelemente der Geschichte zu verstehen.
Nichts desto trotz ist das Buch irgendwie interessant, da nach und nach klar wird, wie dramatisch die Ereignisse hinter den Erzählfragmenten sind und der ungewöhnliche Erzählstil, aus Sicht eines traumatisierten Jungen, einen irgendwie seltsam berührt.
Dennoch gebe ich nur drei Sterne, denn für mich persönlich war es zu abstrakt, zu schwierig einen Zugang zur Geschichte zu finden und dadurch insgesamt leider etwas unbefriedigend.
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am 24. Juni 2001
Der Inhalt der Geschichte klingt vielversprechend: Zwei Jungen werden nach der Geburt vertauscht und leben ca. 4 Jahre lang 5oom voneinander entfernt. Dann wird der Irrtum bemerkt, und sie werden ihren "richtigen" Eltern zurückgegeben. Diese "Rückgabe" ist ein einschneidendes Erlebnis und hat massive Auswirkungen auf die beiden. Die Geschichte wird in Rückblenden von einem der beiden Jungen erzählt. Die traumatische Situation für die Kinder wird zwar beim Lesen deutlich, vieles bleibt aber unausgesprochen, wird nur angerissen... Wie es dem zweiten Jungen, Johannes, geht, kann man nur ahnen. Besonders seltsam war für mich der Prolog: Offensichtlich soll damit die Traumwelt der Kinder, in die sie geflüchtet sind, gezeigt werden...
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