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am 25. Dezember 2007
Bereits der Titel des historischen Romans "Die Kathedrale des Meeres" von Ildefonso Falcones weckt Erinnerungen an Ken Folletts Bestseller "Die Säulen der Erde". In der Tat haben beide Romane einiges gemeinsam: beide Romane handeln im Mittelalter, das Leben des Protagonisten ist eng mit dem Bau eines Gotteshauses verbunden und beide Romane haben Schmökerqualitäten, die den einen bereits zu einem Weltbestseller gemacht haben, den anderen zumindest zu einem Bestseller in seinem Ersterscheinungsland Spanien. Beide Romane erzählen uns aber eine völlig unterschiedliche Geschichte.

Katalonien im 14. Jahrhundert: Bernat Estanyol sieht sich gezwungen mit seinem kleinen Sohn Arnau vor seinem grausamen und ungerechten Lehnsherren in das mittelalterliche Barcelona zu fliegen. Im aufstrebenden Barcelona finden Vater und Sohn Unterschlupf in der Töpferei seines Schwagers. Der Vater hofft darauf sich ein Leben als freier Bürger erarbeiten zu können, während sein Sohn Arnau durch die Straßen und Gassen Barcelonas zieht. Durch eine Intrige seines Cousins und seiner Cousine wird Arnau in der Familie ausgegrenzt, lernt dadurch aber auch Joan kennen, der für ihn wie ein eigener Bruder wird. Die beiden Außenseiter erleben den Bau von Santa Maria del Mar, einer riesigen Kirche, die vom Volk für das Volk gebaut wird. Sie bewundern die Arbeit der Bastaixos, der Lastenträger, die den Bau mit Steinen versorgen und unterstützen diese durch Wassergaben. Als Arnau und Joan zu Waisen werden, sind die Bastaixos die einzigen stützen der Kinder und der vierzehnjährige Arnau schleppt erstmals einen der riesigen Felsblöcke des Montjuic zum Hafen. Während der Bau der Kathedrale voranschreitet und Arnau bis zum Seekonsul der Stadt Barcelona, einem der angesehensten Bürger der Stadt, aufsteigt, muss das Volk von Barcelona viel erleiden: die Willkür des Adels lässt die Menschen um das tägliche Überleben kämpfen und auch die Pest hält in Barcelona Einzug. Arnau macht sich auf seinem Weg vom Steinträger zum Geldwechsler und schließlich zum Seekonsul nicht nur Freunde und so droht schließlich eine bösartige Intrige seine Zukunft zu zerstören...

Mit Arnau Estanyol hat Ildefonso Falcones einen Protagonisten für seinen Roman geschaffen, der ein Sympathieträger ist, mit dem es sich lachen und leiden lässt. Zwar ist Arnau meines Erachtens in seiner Ausgestaltung zu modern geraten, dennoch versteht der Autor den Leser so zu faszinieren, dass dieser Makel schnell verschmerzt ist, weil das Interesse an Arnaus Schicksal deutlich höher ist. Auch einige der weiteren Schlüsselfiguren sind dem Autor teils zu modern teils zu klischeehaft geraten und die Figurenzeichnung hätte einer deutlich höheren Aufmerksamkeit bedurft. Dennoch merkt man dem Roman "Die Kathedrale des Meeres" an, dass dieser mit viel Herzblut und einer großen Leidenschaft für Barcelona, seine Geschichte und seine Einwohner geschrieben wurde. So wird auch Barcelona und sein Volk zum heimlichen Helden der Geschichte und zum eigentlichen Grund, warum ich diesen Roman für empfehlenswert halte. Ildefonso Falcones macht detailliert und ausführlich katalanische Geschichte lebendig und erläutert dem Leser auf angenehme Weise interessante Details katalanischer Rechtssprechung des Mittelalters.

Ildefonso Falcones versteht es die Geschichte von Arnau Estanyol bis zum Ende mit vielen Wendungen spannend zu gestalten, auch wenn diese nicht immer vollständig überzeugen können. Es empfiehlt sich, Personen, die in Arnaus Leben auftauchen immer volle Aufmerksamkeit zu schenken. So mancher der zunächst als unwichtige Nebenfigur erscheint, taucht im weiteren Geschehen mit tragender Rolle wieder auf. Sprachlich ist "Die Kathedrale des Meeres" zwar flüssig, aber schlicht und unpoetisch gehalten.

Der Scherz Verlag hat den gebundenen Roman mit Schutzumschlag mit einem Nachwort des Autors, in dem er zwischen Fakten und Fiktion differenziert, und einer Stadtkarte Barcelonas im 14. Jhdt. mit ausführlicher Legende herausgegeben.

Mit seinem historischen Roman "Die Kathedrale des Meeres" ist Ildefonso Falcones ein Werk gelungen, das katalonische Geschichte äußerst unterhaltsam vermittelt, und seine Leser einlädt, für einige Stunden im mittelalterlichen Barcelona zu versinken. "Die Kathedrale des Meeres" wartet ebenso mit informativen Elementen wie auch mit echten Schmökerqualitäten auf und ist daher für eine breite Leserschaft empfehlenswert.
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am 6. November 2008
Ein schöner historischer Roman, auf den Inhalt möchte ich nicht weiter eingehen, dazu wurde schon viel gesagt. Trotz meiner 4 Sterne habe ich einige Kritikpunkte die ich gerne äußern möchte..Der Plot ist manchmal sehr sprunghaft,so kommt z.B.nach dem Krieg gleich die nächste Katastrophe, die Pest. Die schöne Ausarbeitung (und Länge) der Säulen der Erde fehlt. Auch die Entwicklung einiger Charaktere ist meiner Ansicht nach nicht immer nachzuvollziehen, so die Entwicklung des netten Mädchens Aledis zur sexbessessen Furie und später wieder zu einer fürsorglichen Person. Oder die Entwicklung Joans...
Trotzdem gebe ich dem Roman 4 Sterne, da er sehr liebe-und eindrucksvoll die Gefühle Arnaus und der Bastaix beschreibt,und mit Arnau, Bernat, Guillem und einigen anderen sehr erinnerungswürdige Charaktere geschaffen hat. Auch die Situation und die Probleme der Juden und des restlichen Volkes werden gut beschrieben. An vielen Stellen hat mich der Roman sehr berührt. Alles in allem vielleicht nicht mit Ken Follett zu vergleichen, aber ein sehr lesenswerter Roman (v.a.wenn man schonmal in Barcelona war..)
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am 17. Januar 2008
Die Kathedrale des Meeres" wurde in Spanien millionenfach verkauft und ist auch in anderen Ländern ein Erfolg. Natürlich musste sich der Autor Ildefonso Falcones häufige Vergleiche mit Ken Folletts Werk Die Säulen der Erde" gefallen lassen, schon allein weil es um den Bau einer Kathedrale geht. Dennoch geht es hier um etwas anderes.
Mit vielen historischen Details beschreibt Falcones das Leben der einfachen Leute im Katalonien des 14. Jahrhunderts, den andauernden Klassenkampf - und natürlich den Bau des Gotteshauses Santa María del Mar, das nach 55 Jahren Bauzeit im Jahr 1384 vollendet wurde. Die Kathedrale gilt heute als herausragendes Beispiel katalanischer Gotik; die Lastenträger von La Ribera, von denen der Autor im Buch berichtet, sind auf dem Hauptportal verewigt.
Der brutale Beginn des Romans ist aufwühlend, empörend und mitreißend, er zwingt den Leser, immer weiterzublättern. Dieser Teil des Romans, in dem von Bernats Freiheitskampf und Arnaus Kindheit erzählt wird, ist insgesamt der beste des Buches - spannend, traurig und realistisch. Die Geschichte des erwachsenen Arnau vermag nicht mehr so deutlich zu fesseln. War der junge Arnau mit seinem aufopferungsvollen Vater noch voller Farbe, lebendig und außergewöhnlich, so ist der erwachsene Arnau nicht mehr ganz so überzeugend - etwa, wenn er in den Krieg zieht, das wirkt merkwürdig leidenschaftslos.

Dem Autor ist die Verquickung von Fiktion und historischen Fakten nicht an jeder Stelle unterhaltsam gelungen; oft wirkt es, als würden einzelne Abschnitte, gerade wenn Falcones in Schwung ist, ziemlich abrupt unterbrochen, um langwierige Passagen mit historischen Erklärungen einzuflechten. Auch wirken manche Handlungsteile - vor allem für Viel-Leser historischer Romane - zu altbekannt und klischeehaft. Da sind natürlich die Schicksale der rechtlosen Frauen, die meistens irgendwo als Hure enden oder denen sonst wie Unrecht angetan wird - und die einem bei allem Mitgefühl und allem Realismus irgendwann zum Halse raushängen -, da ist die Begegnung mit einem Juden, die zum Abbau von Vorurteilen führt, da ist die Pestepidemie, die die Hälfte der Bürger dahinrafft. Dennoch ist Die Kathedrale des Meeres" ein gut geschriebener und gut recherchierter Historienroman, der die meisten seines Genres deutlich übertrifft. Der allerletzte geniale Funke, der das Buch einzigartig machen würde, fehlt bei allem Lob, das der Autor erhalten hat, dennoch.
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am 30. Januar 2008
Ein Männerbuch! Mittelalter live mit allen Grausamkeiten, die es zu bieten hatte. Leibeigenschaft unter widerlich arroganten Grundherren, das Recht der ersten Nacht für sie, Sklaverei, die totale Abhängigkeit der Lehrlinge von ihren Meistern, Pest, Hungersnot, Progrome gegen die Jugendviertel, Kriege ohne jede Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.

Hier gibt es keine früh emanzipierten Frauen, die fürs ihre Zeit viel zu klug sind, keine Ärztinnen, Heilerinnen, Hebammen, Juristinen, Astronominnen. Sie waren damals die absolute Ausnahme und werden trotzdem in so vielen History-Fictions zu "Heldinnen" hochgejubelt. Deshalb gibt es hier auch keinen Kitsch mit lang ausgewälzten Liebesleiden. Ildefonaso Falcones, Kenner der mittelalterlichen Rechtsgeschichte, berichtet, wie es wirklich war. Das Erstaunliche an diesem zu Recht zum internationalen Bestseller aufgestiegenen Roman:

Falcones kennt sich nicht nur im Balcelona des 14. Jahrhunderts, in der Juristerei und in der Historie des alten Katalaniens perfekt aus. Er ist auch ein Meister der Literatur, schreibt lakonisch, mitfühlend, ist genau in der Charakteranalyse, brillant in den Dialogen, ungeheuer spannend, mitreißend. Obwohl "Die Kathedrale des Meeres" sein erster Roman ist.

Notwendig ist allerdings eine Warnung an sensible Leserinnen: Das Wort "brutal", das ich zur Beschreibung des Inhalts gewählt habe, trifft zu. Wer also nichts über Vergewaltigungen, Auspeitschungen, die Folter der Inquisition, die Gräuel eines Krieges Mann gegen Mann und gegen wehr- und rechtlose Bauern lesen will, sollte dieses Buch meiden. Damit entgeht des Sensiblen zwar ein wirklich großartiger Roman, aber sie ersparen sich neue Alpträume.
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am 14. Februar 2008
Ildefonso Falcones Die Kathedrale des Meeres
Scherz Verlag ISBN 3502100977

Dramatisch beginnt die Geschichte, in der das Leben des Arnau Estanyiol seinen Anfang nimmt.
Wir schreiben das Jahr 1320.
Brutale Lehnsherren machen den Bauern, die den Status von Leibeigenen haben, das Leben zur Hölle. Bernat, der Vater von Arnau, muß erleben, dass bei seiner Hochzeit mit Francesca der Lehnsherr auf dem Recht der ersten Nacht, dem Ius primae noctis, besteht. Mit seinen gröhlenden Soldaten plant er weitere Schandtaten. Francesca ist dem Überfall nicht gewachsen und bleibt innerlich erstarrt zurück. Als Arnau geboren wird, kann sie keine Liebe für den Sohn empfinden. Nachdem der Lehnsherr sie auch noch als Amme abkommandiert hat, und ihr Sohn in einem Schuppen zu verhungern droht, wird er von seinem Vater entführt. Er flieht mit ihm nach Barcelona.

Hier beginnt ein Leben in Armut und Abhängigkeit, mit Demütigungen und Schwerstarbeit. Die Schwester von Berat, die mit einem hoch gekommenen Handelsherren verheiratet ist, kann zuerst helfen. Nach ihrem Tod heiratet ihr Mann erneut, dieses Mal eine Adlige. Sie lässt ihren Hass und Spott an den armen Hilfsleuten aus.
Hass gebiert Hass und zieht immer neue Schikanen nach sich.

Arnau findet einen Freund und Bruder im Geiste, Joan. Dank der Protektion eines Priesters kann dieser eine Domschule besuchen. Berat sieht beide Jungs nun als seine Söhne an.
1334 kam es in einem Hungerjahr zum Aufstand der Barcelonesen. Dabei kommt Berat zu Tode.
Arnau wird mit erst 14 Jahren in die ehrenwerte Zunft der Bastaixos, der Lastenträger, aufgenommen. Es sind die Basteixos, die im Hafen die Schiffe beladen und entladen.

Inzwischen ist Arnau gläubig geworden. In Ermangelung einer Mutter hat er die Jungrau Maria für sich entdeckt.
In Barcelona sucht er die Kirche Santa Maria auf, die einen Überbau bekommen soll: dort entsteht die Kathedrale Santa Maria del Mar, die Kirche des Volkes. Sie gilt als eine der schönsten gotischen Kirchen der Welt und ist in nur 55 Jahren erbaut worden. Den Bastaixos gereicht es zur Ehre, in ihrer Freizeit kostenlos die Steine für die Kathedrale herbeizuschleppen!
Arnaus weiteres Schicksal bestimmt den Fortgang der Geschichte.

Falcones hat in seinem opulenten Roman die Geschichte Spaniens im Mittelalter verarbeitet. In einem Nachwort kann man lesen, wo er sich an historische Tatsachen gehalten hat, und wo sein Roman fiktiv bleibt.
Gelungen ist der Einblick in eine Zeit, in der schroffe Verhältnisse herrschten. Die Reichen und Adligen hatten das Sagen. Bauern und Leibeigene sind den Gräueltaten der Herrschenden ausgesetzt. Recht und Ordnung wurden mit martialischen Maßnahmen durchgesetzt.
Was einfach beginnt und als Geschichte sofort gefangen nimmt, weitet sich zu einem gewaltigen Gesellschaftsepos.
Da fehlt nichts: von der Pest und dem Judentum, vom Geldwechsler zum Angeklagten, von der Liebe und dem Sumpf der Verkommenheit, Intrige, Glanz und Gloria ist jedes Genre der Geschichte vertreten.
Der Focus richtet sich auf die Hauptpersonen, die dem Erzählstrang den roten Faden liefern. In erster Linie sind das Arnau, sein Vater Berat, Joan und der Pater Albert. Später finden noch weitere wichtige Personen Eingang in das Handlungsgemenge. Für sie interessiert man sich, möchte jede Einzelheit ihres Lebens mit ihnen teilen, und man empfindet Sympathie, Anteilnahme oder je nach Lage der Dinge auch Hass.
Aus den Anfängen einer ländlichen Gemeinschaft, der Hochzeit von Berat mit Francesca, in der es zuerst noch heiter und fröhlich zuging, erblüht ein Roman, der die Zeit in ausufernder und mit Detailkenntnissen versehener Manier ausmalt. Die Architektur, Kriege, Inquisition, Marterungen und Fehden zwischen Adelshäusern bieten ausreichend Stoff, um einen spannenden Schmöker daraus zu erdichten.
Von gelegentlichen Längen einmal abgesehen kann man sich dem Sog der Lektüre nicht entziehen.
Die Personifizierung von Geschichte ist lehrreich, weil trockene Daten ein Gesicht bekommen.

Der erste Roman von Ildefonso Falcones, eines Anwalts aus Barcelona, steht schon lange auf Bestsellerlisten und wird sicher seinen Erfolg fortsetzen!
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am 6. Juli 2012
Historische Romane müssen immer mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: sie müssen historisch korrekt sein (zumindest sollten sie einer Wikipedia-Prüfung standhalten können), sie müssen logisch sein und zudem noch gut unterhalten. Was Ken Follet und Rebecca Gablè fast durchgehend mit Bravour gelingt wenn sie sich mit der Geschichte befassen hat auch Ildefonso Falcones geschafft.

Katalonien, 14. Jahrhundert: Bernat Estanyol ist ein leibeigener Bauer der mit seinem neugeborenen Sohn vor der Willkür seines Lehnsherrn nach Barcelona flüchtet, seine Frau Francesca muss er zurücklassen. Arnau, sein Sohn, wächst in Barcelona zu einem geachteten Mann heran. Das Leben des Arnau wird immer begleitet vom Bau der Kirche Santa Maria del Mar, der Kathedrale des Meeres. Arnaus Leben wird begleitet vom Erfolg, von unerfüllter Liebe, von Verrat, Hass und Missgunst, von Intrigen und letztendlich von immerwährender Freundschaft.

So ensteht ein prächtiges, farbenfrohes Historiendrama aus dem 14. Jahrhundert Kataloniens, aus dem sonst nicht viel bekannt ist. Die Geschichte ist spannend und flüssig erzählt, lediglich Arnaus Werdegang ist ziemlich traumhaft und nicht immer glaubwürdig. Falcones geschicktester Winkelzug ist es, sich nicht nur auf den Bau der Kirche zu beschränken, vielmehr läuft der Bau nebenher ohne jemals zur Hauptsache zu werden, der eigentliche Hauptdarsteller dieses Romans ist Barcelona selbst.

Ein insgesamt mehr als gelungenes Buch welches zurecht in seinem Heimatland Spanien zum Bestseller geworden ist. Darf auf keinem Bücherregal mit historischen Romanen fehlen.
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am 1. Oktober 2010
Fast 24 Stunden Hörvergnügen sind vorüber - Wolfgang Condrus verleiht der Geschichte ein Leben, das sie nach meinem Gefühl in der gedruckten Version garnicht hat. Dort wäre sie mir wohl stellenweise zu langatmig und zu eintönig geraten ...

Zur Geschichte selbst ist zu sagen, dass diese permanente schwarz-weiß-Darstellung der Personen und Geschehnisse dem Buch leider viele Möglichkeiten verbaut mehr in die Tiefe zu gehen. Vieles ist zu simpel, zu sehr auf den Plot hingetrimmt. Die junge Francesca wird gleich beim ersten Mal schwanger (muss sie ja, weil ein zweites Mal gibt es nicht), das Kind hat genau das Muttermal, das es braucht, um keine Zweifel aufkommen zu lassen ...

Mit Arnau Estanyol hat Ildefonso Falcones einen Protagonisten für seinen Roman geschaffen, der grundsätzlich langweilt, da er keine Ecken und Kanten, keine Schwächen besitzt. Er ist immer lauter, edel, anständig, arglos, aufrecht, ehrlich, grundanständig, rechtschaffen, redlich und unverdorben. Nie flucht oder rülpst er und wegen eines Ehegelübdes für ein dürres und aufgezwungenes Eheweib verzichtet er selbstverständlich Jahrzehnte auf Sex. O sancta simplicitas !

Gut recherchiert und mitreissend realistisch dargestellt sind die unbestrittenen, aber bis heute nie entschuldigten Verbrechen der ach so katholischen Kirche, der katholisch - antisemitischen, katholisch - ausrottenden Inquisition, welche über Jahrhunderte im Namen von Christus nach Blut und Mammon lechzt.

Der immmer wiederkehrende Vergeich mit Follet's "Säulen der Erde" ist unverständlich, denn abgesehen davon, dass beide Bücher im Mittelalter spielen, haben sie nicht viel gemeinsam. Steht bei "Säulen der Erde" der Kathedralenbau im Mittelpunkt, ist er hier ein Rahmen für die Geschichte der Stadt Barcelonas und Katalaniens. Wir erfahren wenig darüber, wie sich der Bau selbst und seine Planung gestaltet haben.

Insgesamt gilt: "Die Kathedrale des Meeres" ist Freunden historischer Literatur zu empfehlen.
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am 31. März 2015
Allerdings habe ich etwas getan, das ich schon lange nicht mehr machen musste: nach dem halben Buch habe ich den Schluss gelesen und das hat mir genügt. Dafür, dass dieses Buch so hochgelobt wurde, war ich ziemlich enttäuscht. Ich hatte es als Hintergrundlektüre zu meinem Studium bestellt. Allerdings hatte ich schon nach ca. 100 Seiten einige Male genau das vorgefunden, wovor mein Studium warnt: dem Information-Dump!
Es gibt Autoren, die es schaffen, viele interessante Infos gut zu verpacken, ohne den Leser zu erschlagen oder zu belehren. Schätzing ist so ein Beispiel. Falcones gelingt das immer nur ansatzweise. Oft habe ich halbe Seiten "überlesen" und fand die Infos, obwohl ich ziemlicher Schreibanfänger bin, nicht gut untergebracht in der Handlung. Entweder reißt es mich aus dem Lesefluss oder es stellt sich ziemlich dilettantisch dar.
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am 7. März 2014
Ildefonso hat in seinem ungemein spannenden Historienroman diesen Konflikt quasi körperlich spürbar herausgearbeitet. Mich hat das Buch ab der Hälfte nicht mehr losgelassen und beschäftigt mich nach Ende der Lektüre immer noch. Selbst als freier Bürger in Barcelona war man im 14. Jhdt., ein Spielball von Herzögen, Grafen, Infanten und natürlich von Königen. Blieb man von dieser Adelschicht einigermaßen unbehelligt, gab es dann immer noch die Kirche mit ihrer heiligen Inquisition. Häresie oder bereits der Verdacht, haben genügt, um in Angst und Schrecken leben zu müssen. Die Juden finanzierten zwar die Kriegs- und Raubzüge der Könige , waren also willkommen Geldgeber, wurden aber regelmäßig vom christlichen Bürgertum - von der Kirche angestachelt - angezeigt und verfolgt. Eine vermeintliche Hostienschändung bringt auch in Barcelona dann das Fass zum überlaufen. Hier sei aber weiter nichts verraten. - Unglaublich erschütternd! Doch es gibt auch mutige Menschen und wahre Helden zu bewundern. Lesen Sie dieses Buch - auch wenn es ihnen wertvolle Nachtstunden raubt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 24. April 2008
Ausgelassen und fröhlich sind die Hochzeitsgäste des Bräutigams Bernat Estanyol. Er späht ab und zu nach seiner hübschen Braut Francesca, während er sich um seine Gäste kümmert. Die jungen Leute kennen sich noch nicht. Werden sie je eine Chance bekommen, sich zu lieben und kennen zu lernen? Denn 'ius primae noctis' das Recht auf die erste Nacht - lauert im Mittelalter allzuoft auf junge Bräute. Stellen Sie sich vor, es wäre Ihre Hochzeitsnacht und jemand anderer hätte das Recht auf die erste Nacht beansprucht! Stellen Sie sich vor, in dieser Nacht würde ein Kind gezeugt! Was meinen Sie, hat das Kind die Elternliebe und Wärme genossen? Wurde das Kind Arnau Estanyol behütet oder vernachlässigt? Um dieses Kind habe ich gezittert, als es noch kleiner Junge war. Als Arnau erwachsen wurde, habe ich mir insgeheim gewünscht, nach alledem was ihm widerfahren ist, er würde sein Glück, das er bei seinen Zunftbrüdern Bastaixos, gefunden hat, nicht herauszufordern. Es lag in seiner schwachen Männernatur, nicht immer der starke Held zu sein, den ich mir erhofft habe. Und die Zeiten waren unruhig. Als sich sein König Pedro III dem Jaime III dem König von Mallorca widersetzte, marschiert Arnau mit in den Krieg, um der Gefahr der Versuchung, die Adelis heisst, zu entfliehen. Ausgerechnet in einem Feldlager zwischen Barcelona und Roussillon, auf dem Eroberungszug, macht er die nächste schicksalhafte Begegnung.

Höhen und Tiefen begleiteten Arnaus Leben. Und als er glaubte, es geschafft zu haben, wird er Opfer einer Intrige.

Das Buch ist umfangreich und eröffnet uns zahlreiche Einblicke in eine Epche des Mittelalters. Man lernt einiges über die Menschen, welche die Grausamkeiten, die uns heute unvorstellbar erscheinen, erlebt und mit viel Glück überlebt haben. Nicht selten kämpfte ich mit den Tränen.

Mit dem Buch muss man keinen Unterricht im Bauen einer Kathedrale nehmen. Aber es ist interessant zu wissen, wie und wo der Schlussstein (vom Gewicht ca. sechs Tonnen) einer Kirche gesetzt wird. Oder zu erfahren was es ein Gewölbe ist. Santa Maria del Mar ist ohne Zweifel eine der schönsten Kirchen, die es gibt. Sie ist eine Kirche des Volkes, vom Volk für das Volk erbaut.
Man lernt unheimlich viel aus dem Nachwort des Autors bezüglich Judenviertel in Barcelona oder auch über Inquisition, die in Katalonien bereits ab 1249 wirkte und sogar eigenen Inquisitontribunal besass. Die Figur des Generalunquisitor Nicolau Eimeric ist echt, so wie sein Grundsatz: das man mehr als einmal foltern könne, indem man jede weitere Folterung als Fortsetzung betrachte. Wie grausam.

Das Buch ist ein grossartiges, literarisches Werk.

Ein Lesegenuss. Sehr zu empfehlen.

Ach ja, warum so ein Buch wieder mit mal mit dem Buch Die Säulen der Erde von Ken Follett zu vergleichen? Die Bücher sind so verschieden, ausser der Gemeinsamkeit einer Kathedrale, die wieder gebaut wird. Ich finde, dass beide Bücher geniale, gleichwertige Werke mit Wiederekennungswert beider Schriftsteller sind.

Wenn man schon ähnliche Bücher erwähnen muss. Warum nicht das Buch Die Kreuzblume von Andrea Schacht erwähnen? Die Kreuzblume ist nicht irgendeine "Blume", sondern die Kreuzblume vom Kölner Dom.
Sehr bewegend und meisterhaft erzählt.
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