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Kundenrezensionen

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am 20. Oktober 2007
Bücher über "68" gibt es viele. Gerd Koenen nimmt gleich das Jahrzehnt 1967-1977 in den Blick und zeigt damit, daß es ihm um einen breiteren Horizont zu tun ist. Er will Zusammenhänge darstellen. Er schreibt als einer, der selbst "dabei" war, und zugleich als Wissenschaftler. Sein Stil ist gut lesbar, manchmal ironisch, immer sachlich und doch persönlich zugleich. Jedes Zitat wird per Fußnote belegt, Thesen und Wertungen werden begründet. Und seine Grundthese ist: Dieses "Rote Jahrzehnt" war die Sache einer bestimmten Generation. Die neomarxistische Theorie wie auch die verschiedenen Anliegen (Vietnam, Notstandsgesetze, NS-Vergangenheit...) wurden herangezogen, um das - teilweise widersprüchliche - Lebensgefühl dieser Generation ("die Generation mit der längsten Kindheit") auszudrücken. Aus dieser Perspektive heraus räumt Koenen mit manchen Legenden auf, ohne sich aber in Feindbildern oder gar Verschwörungstheorien zu ergehen. Auch die Pose des Renegaten und Konvertiten ist ihm - anders als etwa Klaus Rainer Röhl - fremd. Wenn er über den KBW schreibt, dem er angehörte, kann er sogar einen gewissen Stolz nicht verleugnen: "Wie gut wir organisiert waren! Damals haben wir schon mit Computern gearbeitet! Eine Parteizeitung mit 39 Lokalausgaben, wo gab's das schon!" Dieses Kapitel ist ihm denn auch etwas ausführlich geraten; ich hätte dafür gern mehr über die Reaktionen der Umwelt auf die "Neuen Linken" gelesen. Aber uninteressant ist es auch nicht.
Bei aller schonungslosen Kritik weigert sich Koenen, die "68er" einfach zu verdammen. Das "Rote Jahrzehnt" war eine historische Entwicklung, die ihre Ursachen hatte und ihre Folgen, positive und negative, und die sich auf jeden Fall nicht mehr aus der Welt schaffen läßt. Koenen ist in der Lage, abzuwägen, und er heult nicht mit den Wölfen, weder zur Rechten, noch zur Linken. Das macht sein Buch sympathisch und unbedingt lesenswert (zumal es auch noch gut lesbar ist).
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am 26. Oktober 2015
Es ist doch interessant : da betont eine Bewegung die Notwendigkeit, die Welt zu verändern; sie kann aber ihre eigene historische Eingebundenheit nicht erkennen und meint, für die Ewigkeit zu existieren. So kam es also, wie es kommen musste, die 68er wurden selbst Teil der Historie, mithin Objekt statt Subjekt. Koenen liefert uns - detailliert und interessant aufbereitet - eine interessante Übersicht der linken Bewegungen im "Roten Jahrzehnt", dessen äußere Begrenzung nicht dumm gewählt wurde : da gab es den 02.Juni 1967, den Beginn der Studentenrevolte und den "deutschen Herbst 1977", mit dem kollektiven Selbstmord der RAF-Führer. Dazwischen jede Menge Organisationen, Irrtümer, vermeintlich neue Lebensformen, Weltverbesserungsideen...
Es ist müßig festzustellen, dass vieles nicht funktionierte und dass die Asketen und Revolutionäre von damals heute in warmen Bürostuben sitzen. Koenen beschreibt auch seine eigene Karriere im KBW ziemlich selbstkritisch, erhebt sich niemals über seine Mitkämpfer. Trotzdem ist seine Bilanz etwas einseitig, vieles, was die 68er wollten, ist in abgewandelter Form in unsere Alltagskultur eingegangen und existierten (existieren) die Mißstände, gegen die man anging, nicht tatsächlich ? Hatte der Protest gegen die Ausbeutung der Dritten Welt tatsächlich groteske Züge (auch sprachlich), gab es diese Ausbeutung nicht wirklich ? War es wirklich immer nur operettenhaft, gegen Mißstände der westdeutschen Gesellschaft anzugehen ? Hätten sich etwa die Kaputtsanierer der Städte selbst irgendwann korrigiert ? Und wann ? Da scheint Koenen im Bestreben, die Fehler des "roten Jahrzehnts" aufzuzeigen, einige Ursachen völlig auszublenden. Zwar war die konkrete linke Bewegung sicherlich keine direkte Spiegelung gewisser Entwicklungen (z.B. wurde der Vietnam-Krieg durchaus benutzt, um eigene Ziele anzusprechen und moralisch zu "garnieren" !), doch ist sie nicht allein aus dem Kraftüberschuß einer jeunesse doree und deren gekränktem Selbstgefühl durch die Verbrechen des NS zu erklären.
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am 10. Oktober 2015
Ein mit Verve und Empathie geschriebenes Buch über die heissen Jahre des Linksradikalismus in Deutschland von 1967 bis zum Herbst 1977.
Ein Buch, das mit vielen Vorurteilen über die 68er aufräumt und den Verdacht des später Geborenen und Außenstehenden erhärtet, dass viel Gruseliges unter dem Pflaster lauert:
- der latente Antisemitismus dieser Generation - umso unverständlicher, da angeblich den Verbrechen der Eltern kritisch begegnet worden sei - alles Schall und Rauch. Wie kann es sein, dass die RZler in Entebbe zusammen mit palästinensischen Mördern Juden und Nicht-Juden selektierten? Dass Margrit Schiller im Knast sich intensiv mit der Shoah befasste und dann unverzüglich mit der Planung der Entführung eines israelischen Fugzeuges begann? Der spätere Weg von Mahler und Rabehl zur NPD ist hier schon vorgezeichnet.
- die Verschrobenheit und Realitätsferne: Wer heute eine x-beliebige Publikation einer K-Gruppe oder ein Bekennerschreiben der RAF liest, muss davon ausgehen, dass die Verfassser entweder Außerirdische oder Opfer einer Gehirnmanipulation waren.
- das Muffige: Um wieviel muffiger waren die linken Buchläden in der 80er Jahren als der bekämpfte Muff unter den Talaren?

Dieses Buch ist lehrreich, spannend zu lesen.

Zudem liefert Koenen auf seiner Homepage eine umfangreiche Bibliographie der 68er Jahre. (warum eigentlich nicht im Buch?)

Aber:
Einen Stern Abzug weil auch Koenen meint, im Stern der RAF sei eine Kalaschnikow (s.S. 368) .. VERDAMMT NOCH MAL, DAS IST EINE HK MP5!!!
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am 7. November 2001
Ein Buch über das "rote Jahrzehnt", das keine Denunziation oder Selbstdenunziation (und ebenso: keine Selbstfeier) darstellt, das ist selten. Dies ist eins. Es lohnt sich, das Buch zu studieren: manchmal wird wirklich ein Fleck berührt, an den man gar nicht mehr gedacht hat. Wie war es mit den befreiten Zonen bei den Hausbesetzungen, Idee und Wirklichkeit? Ist da noch mal neu drüber nachgedacht worden? Usw.
Und auf der anderen Seite ist der Autor blind geblieben. Im Vorwort schreibt er: "Denn aus den objektiven (politischen, ökonomischen, sozialen) Zeitumständen heraus ist weder die internationale Jugendbewegung um 1968 schlüssig erklärbar, noch für die Bundesrepublik der gesamte Krisenzyklus dieses ðroten JahrzehntsÐ." Aber aus den objektiven Umständen konnte man noch niemals eine politische Bewegung "schlüssig erklären". Das ist Unfug gewesen, als es in den Siebzigern vertreten wurde, und es ist heute noch immer Unfug. Die Vorstellung, anderswo habe es "objektive Gründe" für die Revolte gegeben und hier aber nicht oder kaum, ist naiv, und darunter leidet die "Psychohistorie" des Autors immer wieder massiv.
Dazu kommt eine gewisse, sich unangenehm vordrängende Altersweisheit. Nach dem Motto: Endlich habe ich die Vorstellung aufgegeben, von meiner politischen Aktivität hänge irgend etwas ab und an ihr sei irgend etwas gelegen. In der Kritik des "Größenwahns" der Linken hat das Buch seine stärksten und schwächsten Momente zugleich: es zeigt ihn und denunziert ihn in einem, als ob ohne Narzißmus auch nur irgend etwas Gescheites in der Welt entstehen könnte.
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am 20. Juli 2001
[Die 68er sind in aller Munde: Außenminister Joschka Fischer und Umweltminister Jürgen Trittin stehen wegen ihrer politischen Vergangenheit 25 Jahre später plötzlich am öffentlichen Pranger. Die CDU und die FDP benutzen die Auseinandersetzung, um parteipolitisch wieder in die Offensive zu kommen und verfallen in die ideologischen Raster der Vergangenheit. Der positive Effekt dieser Kontroversen jedoch ist, dass zum ersten Mal in einer größeren Öffentlichkeit über den historischen Umbruch diskutiert wird, den die Ereignisse vor 32 Jahren ausgelöst haben. Die politisierten 70er Jahre, die Jahre der Straßenschlachten und Häuserbesetzungen, der politischen Utopien, marxistischen Schulungen, linken Parteigründungen und des RAF-Terrors waren bisher allzu oft nur noch Gegenstand nostalgischer Veteranenerinnerungen oder schlechten Gewissens. Gerd Koenen, damals selbst Mitglied des KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschlands) hat die Geschichte dieses Jahrzehnts geschrieben, das mit dem Aufbruch der Studentenbewegung 1967 begann und mit dem "deutschen Herbst" 1977 endete. Er hat damit die Grundlage für eine seriöse und sachgerechte Debatte über die Bedeutung dieses Jahrzehnts für die bundesdeutsche Nachkriegsgeschichte geschaffen und auch für jüngere Leser ein ebenso informatives wie unterhaltsames Standardwerk über diese abenteuerliche Periode der deutschen Geschichte geliefert.] Ich finde dieses Buch sehr interessant, weil ich viele politische und gesellschaftliche Eindrücke aus dieser Zeit gewonnen habe. Dieses Buch kann einen tagelang fesseln, deshalb hat es die 5 Sterne meiner Meinung nach verdient.
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am 23. Januar 2016
Selbstverliebte Nostalgie und wohlgefällige Nabelschau, die heute keinen mehr vom Hocker reissen. Das ist leider nicht das Buch, das es vorgibt zu sein. Es gibt spannenden Literatur über die Linke, aber dieses Buch gehört nicht dazu. Ich kann nur abraten.
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am 22. Januar 2016
... das passiert, wenn Journalisten Geschichte machen wollen.
Leider kein empfehlenswertes Buch, tendenziös, oberflächlich und einseitig - für einen kleinen Kreis von "Insidern" geschrieben.
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am 5. Oktober 2003
als wir, die "nachgeborene generation", uns 1980 zur anti-startbahn-west-demo am frankfurter flughafen versammelten, begrüßten uns begeistert ältere langhaarige mit erhobener faust. zu ihrer enttäuschung schüttelten wir wütend unsere erhobene faust zurück: schon wenige jahre nach der "kulturrevolution" waren die zeichen der 68er nicht mehr lesbar.
diese semantische isolation der studentenbewegung ist nur ein thema gerd koenens, der mit analytischer scharfsicht die folgenreichste bewegung nach '45 strukturalistisch und vor allem psychologisch reflektiert aufarbeitet.
aus der innensicht des mitkombattanten wird dabei nicht nur das spezifische wesen der auf- und umbruchsgeneration nachgezeichnet, sondern auch der historische kontext zur klärung der heute schwierig nachvollziehbaren haltung der 68er deutlich gemacht. Dennoch hätte gerade dieser teil mit mehr nachhaltigkeit verarbeitet werden müssen, damit der uneingeweihte leser eine historisch ausgewogene bewertung der ereignisse erhält.
so aber entpuppt sich die analyse zu sehr als eine scharfe abrechnung und selbstkritik, die zuweilen über das ziel hinausschießt und zur narzisstischen selbstkasteiung gerät.
für kenner der epoche und für träger der studentenbewegung ist koenens werk unentbehrlich, für alle anderen empfiehlt sich eine vorausgehende beschäftigung mit der geschichte der brd nach '45.
den besonderen wert des buches machen aber kapitel aus, die sich mit der deutschen vergangenheitsbewältigung beschäftigen, da sie einen wichtigen beitrag zur psychologischen genese der deutschen nachkriegsgesellschaft liefern.
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am 15. Oktober 2003
Gerd Coenen wagt als erster den Versuch, alle wichtigen ideologischen Strömungen der 68er Bewegung in einer Gesamtdarstellung zusammenzufassen - ob APO, KBW, RAF, Trotzkisten oder Stalinisten, hier fehlt keiner. Vor allem gelingt es Coenen, dies alles mit einem für einen Historiker fast schon sagenhaften Humor darzustellen. Der Höhepunkt ist für mich immer noch die KBW-Studienreise nach Albanien. Das ist aber auch mit ein Grund, warum dieses Buch der einen oder anderen Gruppe misfallen wird.
Hardcore-Geschichtswissenschaftlern und Fußnoten-Fanatikern dürfte Coenen etwas zu schlampig arbeiten: zum einen wechselt er häufig die Perspektive und switcht mal von einer allgemeinen Darstellungen zum persönlichen Tatsachenbericht. Zum anderen scheint er seine persönliche KBW-Vergangenheit noch nicht ganz bewältig zu haben. Die Namen einiger alter Mitstreiter werden diskret abgekürzt (z.B. heißt es da Genosse J.S.), und auch seine Kritik am "eigenen Verein" wirkt etwas narzistisch; einen gewissen Stolz auf die Leistungen zu Hochzeiten des KBW kann er m. E. nicht völlig ausblenden. Das stört die Objektivität des ansonsten hervorragenden Buches.
Noch jemand dürfte sich auch am "Roten Jahrzehnt" stören. Coenen macht keinen Hehl daraus, dass er heute mit den Vertretern der rot-grünen Regierung sympathisiert, die den "langen Marsch durch die Institutionen" erfolgreich bewältigt haben wie etwa Joschka Fischer; zum einen betrachtet er die zahlreichen kleinen Gruppen, Parteien etc. insgesamt als erfolglos. Diese Haltung missfällt natürliche extremeren Linken, deren Legitimation sich ja häufig auf den vorausgegangenen "Widerstand" der 68er,der Spontis, RAF oder wasweiß ich gründet.
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am 16. August 2001
Ich bin nun endlich durch das rote Jahrzehnt gewandert mit dem Autor und wundere mich mit welcher Ausdauer er durch alle möglichen Wendungen der Ideen mit gewandert ist, obwohl die Absurdität schon damals immer wieder erkennbar wurde.Als Student in Wien in den Jahren 81-83 hatte ich nur noch die Nachwehen dieser Jugend-und Studentenbewegung erfahren können,die unterschiedlichsten begrifflichen Fixierungen waren aber auch zu jener,meiner Zeit durchaus noch präsent.Die Bindung an revolutionär scheinende Ideen mag durchaus mit dem Bewusstwerden der Historie des III Reiches zu tun haben, wo man sich als junger Mensch radikal antithetisch postionieren wollte ,und dafür schienen "kommunistische" Ideen die beste Gewähr zu bieten.Was die Umwälzung der Verhältnisse angeht ,erwidere ich mir selber schon seit Jahren,in den Verhältnissen die sich mir entgegen stellen, kommen die Rechte anderer Menschen zur Geltung,insofern ist die Revolutionsromantik durchaus eine Mördergrube in der es von Missachtung gegenüber dem ,den Nächsten nur so wimmelt.Was allerdings beachtenswert erscheint in diesem roten Jahrzehnt, ist die hohe Bereitschaft sich für Ideen, die einem erstrebenswert erscheinen, kompromisslos zu engagieren und sich eben nicht mit Brot und Spielen abfüttern zu lassen.In dieser Hinsicht war die Generation des roten Jahrzehnts ein leuchtendes Vorbild was die Fähigkeit zur Hingabe für visionäre Perspektiven angeht,wobei man froh sein muss, dass jene, damals angedachten, Perspektiven sich historisch nicht verwirklicht haben.Das rote Jahrzehnt hat des weiteren bewiesen, dass die bürgerliche Gesellschaft durchaus in der Lage zu sein scheint, auch Kontestation radikalster Art und Weise schadlos zu überstehen und ideologisch zu integrieren.Ein Indiz könnte man sagen, dass die Verhältnisse dieser,nämlich bürgerlichen, Gesellschaft den Menschen einen beachtlichen Entfaltungsspielraum gewährt, auch wenn es einem Marxisten oder Linken verboten ist dies auszusprechen.
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