Jeans Store Hier klicken b2s Cloud Drive Photos Alles für die Schule Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle WalkingOnCars Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
26
4,3 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:12,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 13. August 2007
Die anderen Rezensenten haben es schon angedeutet, aber man sollte es betonen: es handelt sich hierbei nur um eine Biographie von Nietzsches Denken und nicht von seinem Leben!
Dies ist die Stärke, aber auch die Schwäche von Safranskis Nietzsche-Buch. Die Chronologie von Nietzsches Gedankenwelt wird tatsächlich überaus spannend nacherzählt und der Leser auf verständliche Weise in das Werk Nietzsches eingeführt. Gerade bei diesem Philosophen erweist sich eine solche Vorgehensweise als besonders fruchtbar, da man so die Widersprüche im Werk besser zu deuten versteht.
Leider geben die biographischen Informationen, die nur gelegentlich eingeschoben werden, ein unvollständiges Bild ab und lassen einige Fragen offen. Beispielsweise wird die problematische Beziehung zur Mutter und zur Schwester nur ansatzweise besprochen, so dass man keinen richtigen Überblick erhält und sich fragt, wieso das Thema überhaupt angerissen wurde. Wer die anderen Biographien Safranskis (Schiller, Schopenhauer, Heidegger) kennt, wird darüber enttäuscht sein, dass es ihm diesmal nicht gelungen ist, ein "ganzheitliches" Bild von der Person, ihrem Leben, dem Werk und der Zeit, in der sie lebte, abzugeben. Im Gegensatz zu seinen anderen Büchern scheint Safranski sich hier stärker auf das Vorwissen seiner Leser verlassen. Außerdem hat er einige Textpassagen aus der Schopenhauer- und der Heidegger-Biographie (z.B. über den Materialismus oder die Lebenphilosophie um 1900) wortwörtlich übernommen.
Nichtsdestotrotz ist das Buch absolut empfehlenswert! Auch wenn es nicht Safranskis beste "Biographie" ist, so ist sie dennoch eine perfekte Einführung in Nietzsches Philosophie. Wer nach einer fundierten Darstellung von Nietzsches Leben sucht, sollte jedoch die Biographie von Werner Ross lesen.
0Kommentar| 59 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Juni 2003
Um die Schönheit der Welt zu begreifen, empfiehlt es sich, zuvor an ihr zu Grunde zu gehen. Das kann man mit Nietzsche ganz gut. Den Mann, von dem es heißt, er sei ein Seismograph, habe ich immer für das Beben selbst gehalten. Nietzsche erschüttert mich noch immer. Durch ihn habe ich einiges Zutrauen in die Worte gewonnen. Er spricht mir nicht aus der Seele, er spricht mir in die Seele.
Es handelt sich hier um eine Biographie seines Denkens, nicht seiner Person. Aber da für Nietzsche Leben vor allem Denken ist, findet man ihn hier recht vollständig. Der rote Faden, der sich durch die Philosophie Nietzsches zieht, wird hier gewissermaßen zu einem roten Teppich geknüpft und vor dem Leser ausgebreitet. Man schleicht nicht auf ihm entlang, man schreitet.
Bei aller Gelehrsamkeit erscheinen doch viele Biographen historischer Persönlichkeiten als stünden sie vor einem Rätsel. Nietzsche ist ein Rätsel, aber Rüdiger Safranski beschreibt es meisterhaft. Er hat ihn sich einverleibt. Zudem verpflichtet dieses Buch zum langsamen Genuss. Es geht nicht allein um Aussagen, sondern auch um das Aussprechen, das Formulieren, das Gewicht der Worte. Auf die Gefahr hin, an dieser Stelle das Lob inflationär zu gebrauchen: Safranskis Nietzsche ist das bestgeschriebenste Sachbuch, das ich bislang gelesen habe.
Ich bin kein Nietzscheaner, ich halte den Mann mit dem Schnurrbart lediglich für ein Genie. Einem Genie aber sollte man immer lauschen, egal was es zu erzählen hat. So gesehen empfehle ich, sich dieses Buch direkt an die Ohrmuschel zu legen.
33 Kommentare| 55 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. März 2001
ISBN 3446199381
Dieses Buch ist nicht nur eines der besten Bücher von Safranski,nein es ist auch eines der Besten zum Thema Nietzsche.Nietzsches Leben,seine Auffassungen zu den Gedanken seiner Zeit,aber auch seine Beziehungen finden genügend Platz in diesem Buch.All die grossen Fragen,die Nietzsche sich im Laufe seines Lebens gestellt hat,und auch seine Antworten werden hier genaustens aufgelistet.Aber dieses Buch enthält noch viel mehr.Dem Leser wird die Geburtsstunde einer neuen Zeit und eines neuen Denkens vor Augen geführt.Es war die Geburtsstunde der Industrie und des Kommunismus,um nur zwei zu nennen.Nietzsches Gedanken zu diesen und vielen weiteren Themen werden in diesem Meisterwerk für jeden verständlich erläutert und auch seine Beziehung zu Wagner hat berechtigterweise hier einen Platz gefunden.Warum Nietzsche Wagner zunächst vergötterte und sich dann doch von ihm abwand.Die Antwort liefert ebenfalls dieses Buch.Jeder Anhänger Nietzsches sollte dieses Buch besitzen,aber auch für jeden anderen ist dieses Buch eine lohnende Investition,weil es einfach brilliant und spannend geschrieben ist.
0Kommentar| 36 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. Juni 2008
Safranski schafft es tatsächlich, das komplexe Gedankenbild Nietzsches transparent abzubilden. Nietzsches System ist nicht in sich geschlossen. Nietzsche war sich nie zu fein, Gedankengänge zu revidieren oder gar als "falsch" zu verwerfen. Dieser Prozess, der sich in übersichtliche Kapitel unterteilt, wird facettenreich und tiefsinnig begleitet. Safranski gelingt es ebenso den inneren Widerspruch Nietzsches zwischen Ist und Soll, zwischen Empire und Gedankenwelt darzustellen.

Negativ fällt ins Gewicht, dass die Zitierungen seiner wichtigsten Werke ein relativ knapper Raum eingeräumt wird. Es macht also kaum Sinn diese Biographie zu lesen - ohne nicht zuvor seine Werke wie "Also sprach Zarathustra", "Jenseits von Gut und Böse", "Der Antichrist", "Der Fall Wagner" usw. gelesen zu haben. Dieses Wissen wird durchgehend vorausgesetzt. Auch fällt auf, dass Safranski bei Punkten wie dem Versuch der Instrumentalisierung Nietzsches durch die nationalsozialistische Ideologie sehr objektiv und "auskunftsfreudig" zu Werke geht - die Grundsatzkritik Nietzsches an der "Sklavenmoral" des Christentums jedoch nur marginal und oberflächlich dargestellt wird. Man erhält so den Eindruck, dass Safranski das Christentum "etwas besser wegkommen lassen möchte" - als in Nietzsches Fundamentalkritik ursprünglich beabsichtigt.

Das Schreibniveau ist hoch - jedoch nicht künstlich verklausuliert - sprich: Wer die Philosophie Nietzsches in den Grundzügen verstanden hat - sollte mit dieser Schrift keinerlei Verständnisprobleme haben.

Wunderbar praktisch und informativ sind die Anhänge gestaffelt: Sauber getrennt in Primär- und Sekundärquellen sowie einer aufschlussreichen chronologischen Kurzbiographie seiner einzelnen Lebensstationen.

Was meiner Meinung jedoch fehlt - wenngleich nicht direkter Gegenstand der Biographie seines Denkens - ist das gute Jahrzehnt zwischen seinem psychischen Zusammenbrauch und seinem Tode. Wenigstens ein paar Seiten hätte man diesen letzen Lebensjahren widmen können...

Fazit: Um Nietzsches geistigen Werdegang zu verstehen - gibt es meiner Meinung nach derzeit keine bessere Schrift auf dem Markt. Nicht was die Plastizität betrifft - nicht was die Straffheit betrifft - nicht was den Objektivitätsgrad betrifft.
0Kommentar| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Dezember 2015
Da es sich bei diesem Werk um eine "Biographie seines [Friedrich Nietzsches] Denken" handelt, ist der perfekte Überblick gewährleistet, denn Rüdiger Safranski verbindet die Philosophie Nietzsches eindringlich mit dessen Biographie, sodass es besonders leicht fällt, die Umschwünge in seiner Philosophie nachzuvollziehen.
Perfekt für Einsteiger und alle, die sich einen umfangreichen Überblick über das Leben und Denken Friedrich Nietzsches verschaffen wollen.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Dezember 2015
Mit Friedrich Nietzsche trat ein Philosoph auf die Bühne der Welt, der die Bühne in das Licht der reflexiven Erkenntnis tauchte, um mit alten Vorstellungen und Gewohnheiten gründlich aufzuräumen und dabei neue Wege der Erkenntnis zu beschreiten.

Am Anfang der Biografie Friedrich Nietzsches steht der Versuch, dem eigenen Leben auf die Schliche zu kommen. Zwischen 1858 und 1868 entstanden neun autobiografische Skizzen, mit denen der "Abenteurer und Weltumsegler der inneren Welt" die eigene Existenz ergründen wollte. Ein unglückliches Unterfangen, schreibt Rüdiger Safranski in seinem neuen Buch, da "er sich dennoch ein Geheimnis" und terra incognita geblieben sei.

Bei Nietzsche ist das Denken ein Akt von höchster emotionaler Intensität. Wie andere empfinden, so hat er gedacht.
Eine Leidenschaft und Erregung sind darin, die das Gedankentheater niemals zum bloßen Reflex des Lebens oder zur professionellen Routine werden lassen. (S. 183)

Safaranksi wählt eine andere Herangehensweise an des Denken Nietzsches. Er nähert sich dem Philososphen und Freidenker durch eine Biograife seines Denkens. Safranksi liefert in seinem Werk eine biografische Erklärung seiner Werke und seiner Gedankengänge. Darin enthalten sind auch die Marksteine der philosophischen Entwicklung des Philosophen und der Philosophie seines Denkens.

Die intellektuelle Biographie eines Philosophen, der wie kaum ein zweiter weit über die akademischen Grenzen hinaus wirksam war und ist - als feinhöriger Interpret der Tradition, Seismograph der Moderne in all Ihren Facetten, entschiedener Rhetoriker und veritabler »Psycholog«.

Rüdiger Safranski verfolgt den Denk- und Lebensweg dieses Autors und zieht die Bilanz seiner Wirkungen. Bildlegende: »Wer überhaupt das Denken für eine Angelegenheit des Lebens hält - was heutzutage nicht selbstverständlich ist -, wird um Nietzsche nicht herumkommen und nicht mit ihm fertig werden können.«

Die Chronologie von Nietzsches Gedankenwelt wird tatsächlich überaus spannend nacherzählt und der Leser auf verständliche Weise in das Werk Nietzsches eingeführt. Gerade bei diesem Philosophen erweist sich eine solche Vorgehensweise als besonders fruchtbar, da man so die Widersprüche im Werk besser zu deuten versteht.

In Nietzsche. Biographie seines Denkens hat der 55-jährige Essayist, der bereits durch Bücher zu E. T. A. Hoffmann (1984), Schopenhauer (1987) und Heidegger (1994) glänzte, das sprachliche Abenteuer gewagt, dem Lebensweg von Nietzsches Philosophie nachzuspüren und dabei sein Denken zu erklären und seine Werke miteinfliessen zu lassen.

Safranski zeigt in dem chronologischen Werk mit reflexiven Abhandlungen und Querverbindungen zu Geistesgrössen Sokrates, Platon, Descartes, Schopenhauer und Heidegger die allmähliche Werdung von seiner Philosophie auf und welche Denker Nietzsche zu welchen Werken in welchen Phasen seines Lebens beeinflusst und inspiriert haben.

Mit Exkursen etwa auf Wagner, Hegel, Stirner oder Eduard von Hartmann entdeckt er den denkerischen Entwicklungsgang des "Luft-Schifffahrer des Geistes" und erschließt dem Leser so einen Panoramablick auf Nietzsches philosophische Welt. Abgerundet wird die gut lesbare Einführung durch ein Kapitel zur Rezeption des Philosophen,

Safranski versteht es dabei immer wieder, philosophisches Denken einfach zu erklären und dabei für den Leser erständlich zu schreiben. So ist auch diese Biographie ein begnadeter Führer durch die Labyrinthe des philosophischen Denkens, ein Verführer zu diesem Denken, das bei Safranski nie als Monopol der Fachgelehrsamkeit erscheint, sondern als Aufgabe der praktischen Lebensführung.

Das Werk ist ein erhellende Mischung aus Gedanken, Aphorismen, Skizzen und gedanklichen Querverbindungen, welche die geistige und gedankliche Werdung Nietzsches, seine Gedankengänge und zentralen Denkfigurenin ihme Zusammenhang ausführlich erläutern.

Wer das Werk Nietzsches und seine Philosophie verstehen will oder sich nähern möchte, der sollte sich zunächt der Lektüre dieses Werkes widmen, bevor er sich die Lektüre seiner Werke im einzelnen vornimmt.

Safranskis Werk ist eine faszinierende Annäherung an das Denken und Werk Nietzsches und dabei selbst eine Anleitung zum eigenen reflexivem Denken. Es ist ein - um in der Terminologie Nietzsches zu sprechen - apollinisches Buch der erhellenden Erkenntnis mit vielen philosophischen Entzückungsspitzen. .
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Dezember 2013
Wer diese Biographie über Friedrich Nietzsches Denken zu lesen beginnt, den erwartet eine Reise in die Vergangenheit, zu jener Zeit, als sich die Natur in Nietzsche ein Bewusstsein aufschlug und damit die Entfaltung eines Lebewesens einleitete, welches von sich später sagen würde, er sei Dynamit. Safranski beschreibt nun diese Explosivität eines sich zerberstenden Bewusstseins und lässt den Leser in diese Welt eintauchen, um ihn Schritt für Schritt Nietzsches gedankliche Entfaltung nachvollziehen zu lassen. Eine Entfaltung, welche sich ständig zwischen dem dionysischen und dem apollinischen Lebensprozess bewegt, wobei das erste Prinzip für ihn einen essentiellen Bereich des Lebens darstellt, den er durch das wissenschaftliche Zeitalter bedeckt sieht. Beeinflusst durch Schopenhauer, der eine Art Urwille in allen Lebewesen walten sieht, baut auch Nietzsche sein Fundament auf einer allem zugrundeliegenden Macht auf. Das Dionysische sieht er als die Quelle allen Lebens, ein Wechselspiel von Werden und Vergehen.

Dieses tragische Wechselspiel, wie es Nietzsche in " Die Geburt der Tragödie " darstellte, findet im Apollinischen seinen Gegenpart, welches dem Individuum wieder Gestalt und Form verleiht. Mit Sokrates sieht Nietzsche diese Formverleihung am stärksten ausgeprägt, wodurch sich das Leben von seinem Urgrund immer weiter entfernte und den Beginn der Wissenschaften einleitete.
Doch gerade diese Gier nach Wissen lässt das eigentliche Leben verkümmern. Speziell Nietzsches Zeitalter war von einer Expansion des Wissens geprägt, die den Menschen unter dieser Flut an neuen Erkenntnissen regelrecht versinken ließ. Halt suchte Nietzsche daher in der Musik, bei der er das wahre Sein glaubt gefunden zu haben, speziell die Wagnerische, die es vermag den Prozess der Selbstreflexion aufzuheben, um in einem Rauschzustand der kollektiven Entgrenzung das wahre Leben wieder zu spüren.

Doch wie lässt sich das Leben vor der Überflutung des Wissens retten, fragt sich Nietztsche. Gerade er, der schon viel zu tief in die Welt des Wissens eingedrungen ist, sieht sich vor der unmöglichen Aufgabe " den Stachel des Wissens gegen sich selbst zu kehren" . Dabei stellt für Nietzsche jede Art von Wissen eine Täuschung des Menschen gegen sich selbst dar. Religion, Gesellschaft, Wissenschaft und Moral stellen für Nietzsche lediglich Versuche dar, mithilfe der Selbsttäuschung den dunklen triebhaften Willen zu sublimieren. Nietzsche will sie nicht beseitigen, aber er will dem Menschen seine Trugbilder aufzeigen und ihm einen Perspektivwechsel seines Denkes aufzeigen.
Es geht Nietzsche um das Ja zur Täuschung. Wir sollen Dichter unseres eigenen Lebens werden und die Welt als ein Kunstwerk betrachten, zu welchem wir unseren Beitrag leisten. Lebe so, als würdest du jeden Augenblick noch einmal genauso leben wollen. Doch dieser pathetische Ton wird sich ändern, er wird von Wille zur Macht, vom Recht des Starken über den Schwachen reden. Viele Theorien, die später vom Nationalsozialismus wieder aufgenommen werden.
Rüdiger Safranski führt uns Schritt für Schritt durch das abenteuerliche Denken Nietzsches, beschreibt aber auch seine fürchterliche Leidensgeschichte. Eine Biographie, für die man sich Zeit nehmen sollte, um Safranski bei der Analysierung Nietzsches auch zu verstehen. Es geht ihm in erster Linie nicht um eine Lebensbeschreibung, sondern um das Denken, wobei denken für Nietzsche leben war. Hervorragend geschrieben.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. November 2004
nietzsche im original zu lesen kann ganz schön entmutigend sein, vor allem wenn man keinen überblick über die entwicklung seiner philosophie hat.
safranski hat mit dieser biographie eine umfassende darstellung nietzsche's philosophie geschafft, und diese am rande mit details zu nietzsche als person verfeinert. der schwerpunkt liegt hier auf der philosophie, im denken, im gegensatz zu safranski's "schopenhauer und die wilden jahre der p.". der schwierigkeitsgrad hält sich in grenzen, wenn man vorwissen zu schopenhauer u.a. hat kann man nietzsche im kontext besser verstehen. ansonsten wird hier für alle, die etwas phantasie haben, und abstrakt denken können, gut verständlich geschrieben. ein lob.
zum inhalt: wie sollte ich den hier zusammenfassen? gar nicht. besser erwähne ich einige umstrittene themen (leider kursieren vorurteilige meinungen zu nietzsche oder er wird auf etwas beschränkt, ohne dass er gelesen wird, ...genauso wie schopenhauer) die im buch diskutiert werden:
war nietzsche ein antisemit?
war nietzsche ein nihilist?
war nietzsche ein dezidierter frauenhasser?
was bedeutet gott ist tot?
wer ist zarathustra und was will er?
was bedeutet ewige wiederkehr?
was bedeutet wille zur macht?
was ist der übermensch?
usw.
FAZIT: auf diese spannenden fragen, gibt safranski in seiner biographie spannende und fundierte antworten. es ist nicht leicht den schwierigen nietzsche zu "fassen" aber hier ist es tatsächlich gut gelungen. von hier aus macht es sinn mehr von nietzsche zu lesen, oder auch nicht, je nachdem...
0Kommentar| 22 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. August 2008
Ich bin wahrlich keine Nietzsche-Verehrerin, und sämtliche meiner Versuche ihn im Original zu lesen sind bislang daran gescheitert, dass mir seine schwulstige Sprache stets körperliche Übelkeit bereitete, bevor ich zum Kern seiner inhaltlichen Aussagen vordringen konnte. Mir war daher sein Denken nur in den Fetzen bekannt, die man hier und da immer mal wieder aufschnappt.

Rüdiger Safranski hat mir nun dabei geholfen, Ordnung in diese Bildungsfetzen zu bringen, sie zu erweitern und zusammenzufügen. Die von ihm vorgelegte Biographie ist gut strukturiert, detailreich und rund, wie aus einem Guss. Dabei beschreibt er Nietzsches Denken so anschaulich und plastisch, dass man den Philosophen beinahe leibhaftig vor sich sieht: seine Liebe für und Sorge um die Künste, seine Verachtung für den behaglichen Mief der Bildungsphilister, seine verzweifelte Suche nach Wahrhaftigkeit und nach einer besseren Welt, aber auch seinen Zynismus und seine narzisstischen Größenphantasien, deren unheilvolle Wirkungen wir alle kennen.

Safranski versteht es ganz ausgezeichnet, spannend, lebendig und dabei sowohl inhaltlich kenntnisreich als auch kritisch zu schreiben. Er stellt nicht nur die Entwicklung von Nietzsches Denk- und Lebensweg anschaulich dar, sondern zeigt auch auf, wo sich Nietzsche in Widersprüche und in Antinomien verstrickt hat, wo er die Ansätze von Philosophen, die sein Denken beeinflusst haben, weiterentwickelt hat und wo er hinter ihnen zurückgeblieben ist, sowie Einflüsse, die er selbst auf Denker nach ihm ausgeübt hat.

Ich werde mich durch das Buch nicht zur glühenden Nietzsche-Liebhaberin entwickeln, aber ich habe enorm viel Neues erfahren, bruchstückhaft Bekanntes ist mir verständlicher und teilweise auch sympathischer geworden, und ich habe festgestellt, dass Nietzsches Denken sehr kluge Ansätze und Facetten aufweist, die ich durchaus teile, auch wenn ich viele seiner Ansichten nach wie vor überhaupt nicht gutheißen kann. Mehr kann man von der Lektüre einer Biographie kaum erwarten.

Wer einen verständlichen, mit Genuss lesbaren und trotzdem fundierten Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt sowie die Wirkungsgeschichte Nietzsches erhalten möchte, wird von diesem Buch nicht enttäuscht werden.
0Kommentar| 9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. Oktober 2015
"Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.", schrieb Nietzsche in „Jenseits von Gut und Böse“.
Das allerdings hat Rüdiger Safranski nicht daran gehindert, sich intensiv mit der Philosophie Nietzsches zu befassen. Die daraus entstandene Biografie ist eine kleine Sensation, denn: Safranski schafft es hier, eine gründliche Einsicht in Nietzsches Leben zu geben, die die Entwicklung seines Denkens in allen Facetten beleuchtet. Wer Nietzsches komplexe Gedankenwelt verstehen will, der sollte dieses Buch unbedingt lesen.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden