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VINE-PRODUKTTESTERam 31. Mai 2016
Story:
Der junge Adelige William Beckwith genieß sein Leben in vollen Zügen: Partys, erotische Exzesse und ohne finanzielle Sorgen lebt
der schwule Mann im London der 80er Jahre in den Tag hinein. Erst als er dem alten Lord Nantwich auf einer Toilette das Leben rettet, ändert sich sein Leben Stück um Stück. Der ehemalige Kolonialbeamte bittet den jungen Mann nämlich darum, seine Memoiren zu schreiben und übergibt Will einige seiner Tagebücher und Aufzeichnungen. Obwohl Will weniger daran interessiert ist, liest er sich doch in Nantwichs Leben ein und taucht in die damalige Zeit ein, in der Homosexualität noch strafbar war. Gleichzeitig lernt er den jungen Bodybuilder Phil kennen und lieben, und beginnt eine lose Beziehung mit ihm.

Eigene Meinung:
Der Roman „Die Schwimmbad-Bibliothek“ von Alan Hollinghurst erschien bereit 1988 und zählt zu den Klassikern der schwulen Literatur. Mit seinem Debüt gewann der Autor unter anderem den „Somerset Maugham Award“ und „E. M. Forster Award of the American Academy of Arts and Letters“. Auch Hollinghursts spätere Werke brachten ihm weitere Preise ein und fast durchweg positive Kritiken, weswegen er zu den bedeutendsten modernen, englischsprachigen Schriftstellern gehört.

Inhaltlich legt der Autor einen kritischen Gesellschaftsroman vor, bei dem eher die Charaktere und deren Vergangenheit und die schwule Subkultur der 80er Jahre im Zentrum stehen. Er spielt zu einer Zeit, in der Aids noch keine große Rolle spielte und konzentriert sich fast vollständig auf die schwule Szene Londons. Das fällt ganz besonders an dem Punkt auf, dass es keinerlei weibliche Figuren gibt. Außer Williams Schwester, die nur am Rand erwähnt wird, kommt keine Frau vor. Man hat fast das Gefühl, als würde der Hauptcharakter das weibliche Geschlecht überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen, sondern sich rein auf die Männer der Schöpfung konzentrieren. An seiner Seite lernt der Leser das schwule London der 80er Jahre kennen und taucht ein in eine recht schamlose, zügellose Welt ein, denn William lässt wahrlich nichts anbrennen. Finanziell abgesichert, treibt er ohne Ziel durchs Leben und macht sich mit seiner Einstellung nicht nur Freunde. Erst als Nantwich in sein Leben tritt und ihn bittet seine Memoiren zu schreiben, ändert sich Maxwell ein wenig.

Nantwichs Tagebucheinträge lassen nicht nur Will einen Blick in die Vergangenheit werfen – in eine Zeit, in der Homosexualität strafbar war und mit Zuchthaus geahndet wurde. Man erfährt mehr über Nantwichs Schulzeit und seine Arbeit in Afrika, die Gefahren, die mit seinen Vorlieben einhergingen und ihn schließlich sogar ins Gefängnis bringen. Dass der alternde Beamte Will aus gutem Grund ausgewählt hat, wird erst am Ende deutlich und offenbaren eines der Grundthemen des Romans: Homophobie. Diese kommt sowohl in der Vergangenheit (Nantwichs Inhaftierung und der gesellschaftliche Skandal), als auch in Williams Gegenwart (z. B. der Angriff der Rechten auf Will) zum Tragen.

Die Charaktere wirken sehr authentisch – William ist nicht unbedingt der sympathische Held, mit dem man mitfiebert, da er mitunter recht arrogant und überheblich daher kommt. Dennoch machen ihn diese Ecken und Kanten menschlich, zumal er Potenzial bietet, sich im Laufe der Geschichte weiterzuentwickeln. Nantwich bleibt die meiste Zeit ein Buch mit sieben Siegeln, da seine Beweggründe recht schleierhaft bleiben und man seine Tagebuchauszüge eher bruchstückhaft serviert bekommt. Die übrigen Figuren bilden den passenden Rahmen für Wills Entwicklung und machen mitunter die schwule Szene erst lebendig: Wills bester Freund James, der schüchterne Phil, die Herren des Clubs – ganz gleich ob sie homosexuell sind oder nicht. Es ist spannend diese Charaktere durch Wills Augen zu sehen, ihre Aktionen und Reaktionen.

Stilistisch legt Alan Hollinghurst ein beeindruckendes Werk vor. Wer eher leichte Unterhaltung gewohnt ist, wird am Anfang Schwierigkeiten haben, sich auf den belletristischen und gehobenen Stil einzulassen. Der Autor hat eine sehr feine, direkte Sprache, die sich besonders in den Dialogen und Beschreibungen zeigt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, ist direkt und bringt die Geschichte mit einer gewissen sprachlichen Eleganz zu Papier. Explizite Szenen werden direkt umschrieben, ohne platt und aufgesetzt zu wirken. Hin und wieder wirken einzelne Passagen allerdings zu ausufernd, so dass der Leser schnell den Bezug zur Geschichte verliert.

Fazit:
„Die Schwimmbad-Bibliothek“ von Alan Hollinghurst ist ein interessanter, gesellschaftskritischer Roman, der durch die Figuren, die sprachliche Finesse und den gelungenen Einblick in die schwule Subkultur der 80er Jahre lebt. Der Autor gewann zurecht Preise für dieses bemerkenswerte Debüt, da es verschiedene Probleme (auch innerhalb der schwulen Szene) anspricht und damit zum Nachdenken anregt. Wer gehobene Literatur bevorzugt und sich nicht vor einigen ausufernden Szenen scheut, sollte einen Blick riskieren. Zu empfehlen.
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am 30. November 2007
"Die Schwimmbad-Bibliothek" ist der Debüt-Roman von Alan Hollingshurst aus dem Jahr 1988. Sein grosses Thema ist das homosexuelle Leben in England. Ein schwuler Roman also, der aber nicht nur für schwule Leser lesenswert ist.
Hollingshurst beschreibt in epischer, etwas weitschweifiger Breite aus dem Leben des Ich-Erzählers William Beckwith, einem jungen und sehr privilegierten Adligen. Dieser geniesst 1983, als AIDS noch kein grosses Thema war, dass schwule Leben in vollen Zügen, was teilweise sehr deftig geschildert wird. Ein müssiggängerischer Dandy der Upperclass. In einer öffentlichen Toilette trifft er auf den 80-jährigen Lord Nantwich, der gerade einen Herzanfall hatte. Sie freunden sich an, doch haben sie mehr ein Meister-Diener-Verhältnis. Nantwich möchte später, dass Beckwith seine Biographie verfasst, weshalb er ihm seine Tagebücher zu lesen gibt. Diese sind immer wieder im Text eingestreut und beschreiben sein schwules Leben in den zwanziger Jahren, insbesondere als Kolonialbeamter in Afrika. Die beiden Biographien stehen sich dialektisch gegenüber, jedoch zeigen sich auch Schnittpunkte. Schliesslich geht es um die grosse Suche nach dem persönlichen Glück.
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am 20. September 2007
William Beckwith rettet Lord Nantwich, als dieser auf einer "öffentlichen Toilette" einen Herzinfarkt bekommt. Sie treffen sich im Club und der Lord fragt Will, der vom Erbe seines Großvaters lebt und nicht zu arbeiten braucht, ob er seine Memoiren schreiben möchte. Die Tagebuchaufzeichnungen und Erzählungen Lord Natwichs vermitteln ein Bild von schwulem Leben in England zu Anfang des 20. Jahrhunderts und auch Wills Leben Anfang der 80er Jahre im Club, in der Disco und imd Pornokino wird beschrieben inkl. seiner Affären. Das englische Original ist in einer schönen bildreichen Sprache geschrieben. Ich finde in der Übersetzung gehen einige Wortspiele und Anspielungen verloren. Es ist hauptsächlich eine Beschreibung schwulen Lebens, es "passiert" nicht viel in diesem Buch, obwohl Will am Ende eine überaschende Entdeckung macht.
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