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Kundenrezensionen

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am 8. September 2016
Achtung: Rezension wird auch bei Thomas Mann - Der Tod in Venedig angezeigt (Fehler von Amazon). Diese Rezension bezieht sich auf Heinrich Mann - Der Untertan:

Der Untertan ist die Lebensgeschichte des obrigkeitshörigen und machthungrigen Opportunisten Diederich Hessling. Ehrlichkeit ist ihm ein Fremdwort, genauso Geradlinigkeit und Loyalität. Das einzige was zählt, ist der damals junge deutsche Kaiser Wilhelm II. Alle sozialen Beziehungen und alle Handlungen müssen sich seiner Kaiserverehrung unterordnen. Nur mit Lug und Trug schlägt er sich durch’s Leben. Und trotzdem geniesst er am Ende wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung.

Das Buch gibt einen Einblick in die deutsche Gesellschaft zwischen 1890 und ca. 1900. Für geschichtlich Interessierte und Literaturbegeisterte ist es ein Gewinn, das Buch zur Hand zu nehmen. Vor allem ist es verblüffend, wie Heinrich Mann schonungslos Militarismus und Nationalismus, Antisemitismus und die Ideologie von der deutschen Herrenrasse benennt, und dabei die Vorboten des 1. Weltkriegs erkennt. Aber es ist auch ein kompliziertes Buch. Deshalb ist es für Leute, die kurzweilige Unterhaltung suchen, weniger gut geeignet. Wie auch ein anderer Rezensent bereits geschrieben hat, ist es eher langatmig und über weite Phasen ohne Spannung und roten Faden. Viele auftretende Personen und die politischen Diskussionen verlangen höchste Konzentration. 100 Seiten weniger wäre sicher ein Gewinn gewesen.

Während der erste Teil des Buchs Jugend und Studienzeit von Diederich Hessling beschreibt, konzentriert sich der zweite Teil auf dessen aufstrebende politische und wirtschaftliche Karriere.

Diederich Hessling ist Erbe einer Papierfabrik in der fiktiven, deutschen (preussischen) Provinzstadt Netzig. Sein Vater regierte in der Familie und gegenüber den Kindern mit autoritärer Strenge, und Heinrich Mann sieht hier wohl bereits die erste Ursache für den starken Opportunismus: es dem Vater unbedingt und immer wieder recht zu machen, Prügel zu vermeiden und Anerkennung zu ernten. Den Vater ersetzt Diederich später in grotesk erhöhter Form durch die wahre Macht im neuen deutschen Staate, nämlich durch den Kaiser. Vor dem Militär drückt er sich mit gesundheitlichen Ausreden, in der Burschenschaft gefällt er sich am liebsten als dienender Unterfuchs und seine eigene Meinung wechselt er schneller als der Wind sich dreht. Gegenüber Frauen entpuppt er sich als unehrlicher Herzensbrecher ohne zu seiner Liebe zu stehen, wenn diese Verbindung aus finanzieller Sicht unattraktiv erscheint. Ins Bild passt auch, dass er am Ende seine Schwester um Ihr Erbe betrügt.

Politisch steht er für die Verteidigung der hierarchischen und patriarchalischen Ordnung im Staat, in der Gesellschaft, in der Fabrik und in der Familie. Nicht Argumente gelten, sondern die Herkunft und der Status der Person. Anstelle von Fakten zählt die Gesinnung und der Freundeskreis (besser: die richtige Partei).

Der zweite Teil liest sich leichter, wenn man die geschichtlichen Hintergründe kennt. Zum Beispiel die französische Revolution 1789, die darauf aufbauende, aber gescheiterte deutsche Revolution 1848, dann die Reichsgründung 1871, die zusammen mit der Industrialisierung einen gewissen Wohlstand brachte, aber vor allem die Monarchie und den Glauben an die göttliche Ordnung bestärkte. Wenn man dann noch den Lohengrin von Wagner kennt, kann man die auseinanderklaffenden Interessen der im Buch auftretenden politischen Parteien besser begreifen. Im Zentrum stehen vier Parteien, die das Spektrum von der Kaiserverehrung bis zur Kaiserverachtung abdecken: Nationalisten und Liberale, Demokraten und Sozialisten.

Aber auch mit diesem Wissen wird das Buch nicht zum Pageturner. Dafür ist es in der zweiten Hälfte zu langatmig. Grosse Teile handeln hier davon, wie sich die Protagonisten einerseits ihre edle Gesinnung bekräftigen und andererseits versuchen, ihre jeweiligen Gegner zu verunglimpfen. Gerüchte und falsche Behauptungen sind dabei beliebte Mittel, die oft genug (am besten unter Versicherung grösster Vertraulichkeit) wiederholt, ihre gewünschte Wirkung entfalten. Sehr detailliert werden die politischen Debatten über das geplante Denkmal für Kaiser Wilhelm I., ein Säuglingsheim, ein Gewerkschaftshaus, den Orden für Diederich und über die Kandidatenwahl für den Reichstag beschrieben. Dabei kommen dann Bestechungsversuche, oberflächliche Koalitionen und auch tatsächliche Korruption zum Vorschein, wobei sich die nationalistische Seite schliesslich durchsetzt und die alte eher liberale Garde (eine Art intellektuelle Elite) abtreten muss. Dieses Geplänkel und Getratsche ist mit der Zeit ermüdend und man ist versucht, darüber hinwegzublättern, weil man sich das Ende bald selbst ausmalen kann. Aber wenn man dabei bleibt, und sich fehlendes Geschichtswissen parallel dazu erarbeitet, verstärkt sich die erzieherische Wirkung des Romans.

Dem Opportunisten Hessling gelingt es schliesslich als Mitläufer von der zunehmenden patriotischen Stimmung zu profitieren. Er unterstützt einerseits den Aufstieg der Nationalisten und ihrer Exponenten (z.B. Jadassohn, Zillich, Fritzsche, Wulckow) als auch den Abstieg der bisherigen gesellschaftlichen Führungsfiguren aus dem liberalen und demokratischen (vor allem Buck, Lauer, Cohn, Klüsing) sowie aus dem sozialistischen Lager (Fischer). Er selbst geht gesellschaftlich und wirtschaftlich gestärkt aus den politischen Auseinandersetzungen hervor.

Das Buch wurde 1913 vollendet, also kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, und Heinrich Mann beschreibt bereits ein politisches Klima, in dem dieser Krieg als wahrscheinlich, für manche sogar wünschenswert erschien, um den Deutschen ihren anscheinend gebührenden Platz in der Welt zu verschaffen.

Fazit: wertvoll, aber bei fehlendem Geschichtswissen mit einigem Aufwand verbunden (zum Glück gibt es Wikipedia).
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am 14. Dezember 2001
Die armen Schüler, die sich an diesem Ort über die ihrer Meinung nach nicht mehr vorhandene Aktualität des Buches beklagen haben entweder zweifelhafte Lehrer oder schlichtweg eine unterentwickelte Fähigkeit zur Selbstreflektion. Es geht nicht um die Vergangenheit, es geht viel mehr um die Mechanismen und Automatismen in der Formung des Charakters eines Menschen unter immer wieder aktuellen Machtkonstellationen. Und es glaube bitte keiner, dass die dargestellten Verformungen eines Charakters nur in dieser Zeit geschehen sind, man schaue sich aufmerksam um und siehe da, die Heßlings von heute sehen anders aus, sind häufig seminargeschliffene Schönredner. Hinter der Fassade aber steckt leider oft genug der nahezu skrupellose Machtmensch. Das wird aktuell bleiben solange es Menschen gibt und schon deswegen ist es gut und wichtig, zu wissen was diese Menschen treibt und wie sie sich selbst gegenüber ihr Handeln, ihr Tun und Lassen zu rechtfertigen versuchen.
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am 1. August 2007
Wer behauptet, dass dieser Roman langweilig und schrecklich ist, hat ihn nicht gelesen sonder angeschaut. Auf den ersten Blick, bzw. während des Lesens kann dieses Stück sehrwohl an den Nerven zehren. Es ist keine leichte Unterhaltungslektüre, aber wer erwartet das von Heinrich Mann? Erst wenn man das bis zur letzten Seite durchgehalten hat und die Teile zusammenfügt eröffnet sich einem das Genie, des Autors. Dieses Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen. Wer sich mit dem Buch genauer befassen möchte werd an Freud nicht vorbeikommen.

Grandios! Aber man muss einfach durchhalten und sich zum lesen zwingen, man wird dafür belohnt. Nur schon alleine die unendlichen Parallelen zwischen der willhelminischen und der heutigen Gesellschaft sind erschreckend. Der Untertan, ist der Mensch wie er leibt und lebt.
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Wer kann heute beim Lesen dieser kleinen Erzählung ausblenden, dass Thomas Mann viel von sich in die Hauptfigur des Dr. Aschenbach hinein gelegt hat? Um nur zwei Punkte zu nennen: da ist zum einen die Sehnsucht sich von den Fesseln des Alltags zu befreien, das durstige Verlangen nach der Ferne, dem Neuen und Fremdartigen. Und zugleich die Angst, sich auf dies unbekannte Land einzulassen. Zum anderen lebt Thomas Mann in dieser Hauptfigur literarisch seine homoerotische Neigung aus, die er im Leben hinter seiner elegant-selbstbeherrschten, bürgerlich-würdigen Mauer verborgen hatte. Hier in dieser Geschichte darf er sich ungehemmt und exzessiv der rauschhaften, aber sehnsüchtig bleibenden Liebe zu einem wie es heißt „gottähnlich“-schönen 14 jährigen Knaben hingeben. Ein Zustand der blinden Raserei der selbstzerstörerisch sein kann und es in diesem Fall auch ist.

Aber interessant ist die Geschichte nicht wegen diesen autobiografischen Bezügen, sondern weil sie uns etwas über uns selbst erzählt. An der Hauptfigur spielt der Autor den Gegensatz von Ungebundenheit, Leidenschaft und rauschhaftem Zustand und unserer Rationalität und Gebundenheit in unseren Alltag durch. Es ist der Gegensatz zwischen einem Leben „mit geschlossener Faust“, also angestrengt-zielorientiert oder einem Leben, das entspannt nimmt, was begegnet. Ein Leben freien Genießens und gelassenen Hinnehmens unseres Schicksals.
Als Dr. Aschenbach Venedig erreicht, macht er mit dieser Macht des Schicksals in Gestalt des venezianischen Gondelführers Bekanntschaft: „es war das Klügste, den Dingen ihren Lauf zu lassen.“

Schließlich lesen wir in diesem Buch auch über den Umgang mit dem Schönen. Genießen wir das Schöne einfach nur um seiner selbst willen oder werden wir hingeführt zu etwas anderem? Bedient sich Gott nicht der Schönheit, um uns das Geistige schmackhaft zu machen. Ist Schönheit nur ein Weg oder Werkzeug in eine unbegreifliche Sphäre des Geistigen? Ist sie vielleicht ein Schimmer einer ganz anderen, transzendenten Sphäre?
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am 30. April 2005
Über die Haupterzählung dieses Bandes, "Der Tod in Venedig", ist von meinen Vorrezensenten schon viel geschrieben worden; ausreichend, um sich ein gutes Bild dieses Meisterwerks der Jahrhundertwende zu machen.
Allerdings beinhaltet dieses Buch auch andere Erzählungen, auf die ich kurz eingehen möchte, da sie in den vorigen Rezensionen zu kurz gekommen sind.
"Tristan" ist ein Frühwerk von Thomas Mann. Seine Leser werden den Schauplatz wiedererkennen, ein Sanatorium in den Schweizer Alpen. Der Protagonist: Ein Möchtegern-Schriftsteller, ein Einzelgänger und schwieriger Mensch. Die Frau eines Großkaufmanns taucht auf und die Szene für ein sehr problematisches, platonisches Liebesverhältnis ist gesetzt. Sehr gut zu lesen und mit der für Mann typische klare Psychologie ausgestattet.
Danach kommt meine Lieblingsgeschichte, "Die vertauschten Köpfe". Diese Erzählung ist in der indischen Märchenwelt angesiedelt, voller Wunder und farbenprächtig erzählt. Man könnte meinen, dass ein Inder diese Geschichte erzählt hätte. Eine ergreifende Handlung, wunderschön geschrieben und sehr weise. Eines der Spätwerke von Mann.
Dann geht es weiter mit einer sehr kurzen Erzählung, "Gladius Dei", in der es um die Unantastbarkeit der Heiligen Jungfrau Maria geht und um die Entfremdung von Religion und Heiligtum in der modernen Welt. Das Thema ist auch heute noch (mehr denn je) aktuell, allerdings habe ich mich mit dieser kleinen Geschichte nicht so richtig anfreunden können, da Mann hier zu sehr moralisierend den Finger hebt.
Anders sieht es wieder mit der kurzen Erzählung "Schwere Stunde" aus, eigentlich nichts mehr als eine Momentaufnahme im Schaffensprozess von Schiller. Eine kleine, aber feine Studie über Schiller, seine Ängste und Zweifel in einer schweren Stunde des Schaffens (oder eher Nicht-Schaffens).
"Das Gesetz" ist dann der Abschluss dieser Sammlung und wieder spielt Mann, wie zuvor schon in der indischen Erzählung "Die vertauschten Köpfe" mit der Sprache, lässt sie altertümlich und bibelhaft erscheinen. Allein durch dieses Sprachexperiment ist die Geschichte es wert, gelesen zu werden. Auch wird Moses entzaubert, seine Weltlichkeit und Menschlichkeit mit all seinen Fehlern in den Vordergrund gerückt - ein sehr interessanter Zugang zu dem Thema. Allerdings zieht sich die Lektüre ein wenig, sie hätte durchaus kürzer gefasst werden können.
Mein Fazit: Ein weiterer Beweis, welch ein großer Erzähler Thomas Mann war, allerdings schuf auch er nicht uneingeschränkt große Meisterwerke (wenngleich diese bei ihm in der Überzahl sind). Manchmal (wie in "Gladius Dei") brachte er auch nur Mittelmäßiges bis halbwegs Gutes zu Stande, deshalb die 4 Sterne. Dennoch eine echte Empfehlung - nicht nur wegen der berühmten Erzählung "Der Tod in Venedig" - denn dieses Buch hat noch viel mehr als diese zu bieten.
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Einfach nur wunderbar! Die Kirche lief Sturm gegen dieses 1951 erschienene Spätwerk Thomas Manns. Wie könne man sich nur so an der Schöpfung vergehen. Wie auch immer, für alle Nichtdogmatiker ist dieser Roman ein köstlicher Spaß.
Erzähler ist der Mönch Clemens, der uns diese Geschichte "zur Unterhaltung" berichtet. Protagonist ist Gregorius, das Kind von Wiligis und Sibylla, einem Geschwisterpaar. Als diese das unerhörte Ausmaß ihres Aktes begreifen, legen sie das Baby in ein kleines Schiffchen und setzen dieses auf dem Meer aus, beigelegt ein Bericht über die schändliche Herkunft des Kindes. Ein Abt auf einer kleinen Insel findet das Schiffchen, nimmt den kleinen Gregorius auf, verheimlicht aber vor aller Welt die Geschichte seiner Herkunft und lässt dem Jungen eine theologische Erziehung angedeihen. Als junger Mann erfährt Gregorius jedoch von seinem Makel und beschließt auf Ritterfahrt zu gehen, um seine Sünden zu büßen. Dabei befreit er eine Stadt und heiratet dessen Herrin. Diese Herrin ist, man hält es nicht für möglich, seine Mutter. Nach mehreren Jahren erfahren die beiden durch Zufall von dieser Misslichleit und der gute Gregorius beschließt, den Rest seines erbärmlichen Lebens auf einem kahlen Felsen in Meer zu verbringen. 17 Jahre später, die Kirche ist durch ein Schisma gespalten, haben zwei Kirchenmänner eine Vision, dass der neue Papst seit 17 Jahren sein Dasein auf einem Felsen fristen soll. Sie begeben sich sofort auf die Suche und finden auch tatsächlich Gregorius, der auf wundersame Weise überlebt hat und zum neuen Papst ernannt wird. Als Sibylla von diesem neuen, wundersamen Papst erfährt, begibt sie sich zu ihm, um Absolution von ihren Sünden zu erlangen. Sie erkennen sich gegenseitig, fallen sich in die Arme und dem Happy End steht nichts mehr im Wege.
Das Unterhaltsame an diesem Roman ist die durchweg vorhandene Ironie in der Erzählung Clemens. Er erwähnt zwar ständig, wie schlimm das doch alles sei und wie schwer es ihm doch falle, alles wahrheitsgemäß zu berichten, doch tut er es doch mit einer unverhohlenen Freude am Detail. Zusätzlich dazu macht Manns einmaliges Sprachniveau die Lektüre dieses Romans zu einem großen Vergnügen.
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am 23. März 2001
Dem aufmerksamen Hörer fällt natürlich auf, daß die Inszenierung des WDR inzwischen dreißig Jahre alt ist. Besonders bemerkt man dies beim "Klangteppich". Ludwig Kremer, der Regisseur, setzt die Hintergrundgeräusche sehr behutsam und feinfühlig ein, so daß es sich manchmal fast wie eine Lesung mit verteilten Rollen anhört. Dies ist in diesem Fall aber kein Nachteil, denn der Hörer kann sich voll auf die Dialoge konzentrieren und wird nicht durch den sogenannten "Dolby-Sourround-Effekt" von der anspruchsvollen Handlung abgelenkt. Hier wird deutlich, daß weniger oftmals mehr ist.
Als Erzähler führen Walter A. Schwarz und Heiner Schmidt durch die Handlung; die Rolle von Diederich Heßling spricht Heinz Drache, der allen durch die "Edgar-Wallace-Filme" bekannt ist, großartig. Auch die weiteren über 50 Sprecher (u.a. Walter Jokisch, Gisela Zoch, Gerd Baltus, Ernst Fritz Fürbringer, Horst-Michael Neutze, Karl Lieffen, Hans Caninenberg, Matthias Ponnier und Irmgard Först) sind hervorragend.
Die Figuren - allen voran Diederich Heßling - werden so lebendig, daß man glaubt seine Lehrer und Vorgesetzen - und manchmal, leider, auch seine Freunde und sich selbst - zu erkennen. Dadurch wird deutlich, daß der Roman von Heinrich Mann immer noch zeitgemäß und keineswegs "verstaubt" ist.
Dem Hör Verlag kann man zu dieser Produktion gratulieren. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und die CD-Version ist nicht mehr teuerer als die auf Kassette.
Es wäre wünschenswert, wenn der Hör Verlag weitere ältere Hörspiele aus dem Fundus der Rundfunkanstalten veröffentlichen würde - aber bitte als CD. Ich denke dabei z.B. an "Des Teufels General".
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am 3. Dezember 2001
Der Roman von Heinrich Mann beschreibt die gesellschaftlichen Verhältnisse während der Jahrhundertwende des 19. Jahrhundert. Mann verdeutlicht diese Zustände anhand der Lebensgeschichte des Bürgers Heßlings, einem zweigeteilten Menschen, der zugleich Mächtiger und Untertan ist. Dieses Buch wurde 1918 veröffentlicht, hätte aber, abgesehen von einigen inhaltlich, typisch zeitgemäßen Gebundenheiten, zu jeder Zeit erscheinen können, denn es offenbart größtenteils die Biederkeit, die gesellschaftlichen Zwänge, die Obrigkeitstreue und die Befolgung moralischer ungerechter Strenge vieler Menschen unserer Tage. Kurt Tucholsky bezeichnete dieses Werk einmal als "Herbarium des deutschen Mannes", obwohl dergleichen Menschentypen m.A. nach allerorts zu finden sind. Ein erschreckendes Bild eines gehorsamen Menschentyps, der seine eigene, wertvolle Identität unbewusst für eine höhere, nicht fassbare, völlig fremde Idee (Kaisertreue) preisgibt und darüberhinaus glaubt für das Gute im Leben einzutreten. Ein Roman, der aufzeigt, wie die Individualität an ein abstraktes politische Ideologie, zu dem der Mensch niemals direkten Bezug aufbauen kann (wie z.B. zu einem Mitmenschen), verloren geht.
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am 30. Dezember 1999
"Der Tod in Venedig" von 1911 ist wohl die berühmteste Novelle des Nobelpreisträgers Thomas Mann. In eigentümlichen, zuweilen etwas zäh zu lesendem Stil beschreibt er die Geschichte des Schriftstelleres Gustav Aschenbach, der zur Erholung nach Venedig fährt. Dort sieht er in einem Hotel den Knaben Tadzio, von dessen Schönheit er fasziniert ist, woraus später Verlangen, so etwas wie Liebe wird. Obwohl später das Gerücht umgeht, Venedig sei von einer Seuche befallen, der man schnellstens entfliehen sollte, bleibt Aschenbach in der "sterbenden Stadt", stellt Tadzio nach, um dessen volle Aufmerksamkeit zu erringen. So karg die Handlung, so sehr versteht Mann es dennoch, sie für den Aufbau einer irrealen, bedrohlichen Atmosphäre zu verwenden: Das eigentliche Geschehen findet in Aschenbachs Seele statt, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Verlangen nach Tadzio und seiner Haßliebe zu Venedig; der Stadt, die ihm gleichzeitig widerwärtig und Verlockung ist. Allein dies lohnt schon die Lektüre, doch bietet die Novelle dem kundigen Leser noch mehr: Eingeschobene Erwägungen über Kunst, Form und Tod; dazu einen umfangreichen Subtext, der die Geschichte gar ins Mythische hebt. Allerdings: Wer bei den antiken Mythen auf unsicheren Füßen steht, wird mit den entsprechenden Stellen nichts anfangen können (so erging es zumindest mir!), die z.T. recht lang sind und dann schon mal etwas nerven können. Dennoch ein Stück Literatur, das zum ordentlichen Bildungskanon gehört! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 23. August 1999
Hier handelt es sich um ein Buch ,das trotz seines Alters immer noch sehr aktuell ist. Die Geschichte des Diederich Heßling führt den Leser in die Tiefen der menschlichen Schwächen. Diser Diederich ist ein zweigeteilter Mensch, auf der einen Seite weich wie Butter gegenüber Vorgesetzten und Mächtigeren, auf der anderen Seite hart wie Stahl all denen gegenüber, denen er sich überlegen fühlt. Man ist angewidert von seinem Auftreten nach beiden Seiten und hofft, nie auf dieses Handeln abzugleiten. Die leichten bis schweren Übertreibungen in dem Auftreten des Helden, die Gemeinheitet seiner Handlungen sensibilisiert den Leser für die gezeigten menschlichen Schwächen. Gleichzeitig erfährt man viel über die Zwänge und die strengen moralischen Regeln dieser Zeit, der man aufgrund der Beschreibungen kaum nachtrauern wird. Hier wird eine gern glorifizierter Zeitraum so entzaubert, daß man einen wahrscheinlich realistischeren Eindruck bekommt als aus diversen anderen Heldenromanen. Dieses Buch kann man auf jeden Fall als Standardliteratur weiterempfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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