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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen
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am 6. Dezember 2001
Die wirkliche unerträglichkeit des Seins, so schreibt Kundera selbst, sollte das letzte Kapitel seines Buches heißen. Nun, dies sei dahin gestellt. Es ist müßig sehr gute Bücher miteiander zu vergleichen.... . Mit diesem Werk schafft es Kundere in seiner unvergleichlichen Art, das Verhalten der Menschen darzustellen. Es ist keine Geschichte die für die Geschichte selbst erzählt wird. Es besteht viel mehr aus einer Episoden Sammlung, die sich am Ende alle zusammenfügen - selbst die des "Ich Erzählers"( Kundera als Autor), die dazu dienen Modelle über das Leben / Zusammenleben, von Menschen darzustellen. Kunderas Modelle sind derart durchdacht, daß es eine wirkliche Freude ist daran teilzuhaben.
Im Gegensatz zu der Unerträglichkeit des Seins, tritt hier allerdings die Handlung derart in den Hintergrund, auch gefördert duch starke Brüche der einzelnen Episoden zueinander, daß man derartige Lektüre mögen muß, um dieses Buch gern zu lesen. Das "Lesen" der Unerträglichkeit besteht mehr aus Nachdenken über das Leben, die Menschen, als das Lesen an sich.
Und gerade deswegen : 100 % Lesenswert
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am 18. Juli 2001
Das Wesen der menschlichen Sinnsuche - allen 'Künstlern' und Stammhalter-Zeugern empfohlen ;-) Mein Lieblingsbuch! Noch nie ist es so unterhaltsam und schonungslos gelungen, das aufzuzeigen, was im Zentrum des menschlichen Antriebs steht: das Erreichen der Unsterblichkeit. Natürlich kann man anderer Meinung sein und viele werden jetzt den Kopf schütteln, aber nach der Lektüre dieses Buches wird so mancher sein eigenes Handeln in einem neuen Licht sehen. Unsterblichkeit ist für den Menschen nicht zu erreichen - das ist einfach zu verstehen. Trotzdem versuchen wir Menschen es immer wieder auf dem Umweg über die Kunst, die Liebe oder allgemeiner formuliert über unser Lebenswerk, daß ewigen Fortbestand haben soll. Dies ist ein Menschheitstraum der tiefer angesiedelt ist, als der vom Fliegen, der jedoch nicht so offen zugegeben wird, weil er logisch betrachtet Unsinn ist. Tod ist tot - könnte man sagen, wenn wir uns alle daran halten würden, wäre dieser Roman nicht entstanden. Kundera enttarnt nicht nur dieses unsinnige Streben in den verschiedensten Personen, er geht auch darauf ein, was passieren würde, wenn es uns gelänge 'unsterblich' zu sein. 'Goethe & Hemmingway' leiden nicht unerheblich in dem Buch - und es fällt nicht schwer nachzuvollziehen warum: ihre Vermächtnisse werden verraten... und sie müssen hilflos 'von oben' zusehen. Gegenwart und Vergangenheit werden vermengt um aufzuzeigen, daß sich daran auch in Zukunft nichts ändern wird. Vielleicht ist das der Beweis, daß wir uns hier im Zentrum des menschlichen Seins befinden. Das entscheidende an diesem Buch ist jedoch, daß es nicht das Niveau leicht verdaulicher 'carpe diem'-ähnlicher Weisheiten hat, sondern voller Sätze von einer Intensität ist, die das mehrmalige Nachlesen erfordern - und rechtfertigen. Es ist keine Suche nach dem Sinn des Seins, sondern geht noch einen Schritt weiter: es hinterfragt unsere einseitig ausgerichtete menschliche Sinnsuche. 'Verratene Vermächtnisse' ergänzt 'Die Unsterblichkeit' perfekt. Gegen diese beiden Bücher ist 'die unerträgliche Leichtigkeit' nur ein amuse-gueule
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"Wer heute noch so verrückt ist, Romane zu schreiben, sollte wenigstens darauf achten, dass der Inhalt nicht nacherzählbar ist. Ein Roman ist schließlich kein Fahrradrennen mit Start und Ziel, er gleicht vielmehr einem Menü aus mehreren Gängen.", erklärt Milan Kundera seinem Freund Prof. Avenarius, um ihm die ungewöhnliche Struktur seines entstehenden Romans zu verdeutlichen.

Damit hat er gleichfalls den Duktus des Buches umrissen. Dessen Inhalt ist wahrhaftig schwer nacherzählbar und zum Verständnis der wunderbaren Zeilen aus der Feder des tschechischen Schriftstellers, der seit 1975 in Frankreich lebt, auch gar nicht wichtig. Kundera selbst legt die Begründung in seinen zweiten Satz. Denn wer muss und will schon die exakte Zubereitung, die detaillierten Zutaten einer genussvollen Speisenfolge kennen. Als solche zumindest kann man Milan Kunderas Werk ohne Zweifel bezeichnen. "Die Unsterblichkeit" ist ein vorzüglich "konfektioniertes", mit feinsten Ingredienzien veredeltes und perfekt angerichtetes Menü in sieben Gängen (Kapiteln).

Schon die "Vorspeise" (1. Kapitel) zeichnet sich als kleine Delikatesse aus. Kundera platziert sich selbst in einen mondänen Pariser Fitness-Club, wo er eine etwa sechzigjährige Dame beim Schwimmunterricht beobachtet. Beim Abschied von ihrem jungen Lehrer fasziniert ihn eine graziöse Handbewegung der reifen Frau, die beinahe losgelöst von ihrem nicht mehr jugendlichen Körper im Raum stehen bleibt ("Mit einem bestimmten Teil unseres Wesens leben wir außerhalb der Zeit. Vielleicht wird uns unser Alter überhaupt nur in außergewöhnlichen Momenten bewusst, und wir leben die meiste Zeit alterslos."). Diese mit einer bezaubernden Leichtigkeit ausgeführte Geste - ein Winken - offenbart solch eine Anmut, dass der Autor das Bedürfnis verspürt, einen Roman daraus zu machen ("eine von der Zeit unabhängige Essenz ihrer Anmut hatte sich für einen Augenblick in einer Geste offenbart und mich geblendet").

Seine Protagonistin nennt er Agnes - eine Mittvierzigerin. In den folgenden zwei Jahren kreiert er häppchenweise seine "delikate Speisenfolge" - ihr familiäres Umfeld - um sie herum. Das sind zum einen ihr Mann Paul, ihre Tochter Brigitte, die so ungleiche Schwester Laura und deren Lebensgefährte sowie ihren bereits verstorbenen Vater.

Dabei scheinen einige Zwischengänge "geschmacklich" aus der Menüfolge auszubrechen. Neue Episoden werden scheinbar losgelöst eingeflochten So begegnet der Leser in einem Kapitel Goethe und Hemingway im Jenseits, die sich u. a. über Bettina von Arnim unterhalten oder er wird mit den scheinbar völlig losgelösten erotischen Abenteuern eines Mannes mit Namen Rubens konfrontiert.
Doch der Schein trügt. Alles ist wohlüberlegt, die Grundkomposition bleibt stets bewahrt. Der sogenannte rote Faden - Gibt es eine Unsterblichkeit der Seele? Falls nicht, wenigstens die Erinnerung an eine Seele in der Nachwelt? - durchzieht latent metaphorisch die gesamte Romanstruktur.

Kundera verwebt die Rahmenhandlung (der Ich-Erzähler Milan Kundera erfindet, konzipiert und vollendet seinen Roman "Die Unsterblichkeit") virtuos mit einer Binnenhandlung (Agnes und ihr direktes Umfeld). Von Zeit zu Zeit interagieren beide und beeinflussen sich gegenseitig. Fiktion und Realität interferieren kontrapunktisch, "wie wenn zwei Melodien in einer Komposition verbunden werden". Diese raffiniert verknüpften Handlungsstränge variiert er zusätzlich mit kunstvoll eingestreuten Rückblenden, Vergleichen und "poetische Zufällen" und setzt damit eine delikate, in sich absolut stimmige "Speisenfolge" zusammen, der ein lang anhaltender "Abgang" - um einen Begriff aus der Degustation zu verwenden - beschienen ist.

Mit dem "Dessert" erhalten letztendlich alle Personen ihre wohldosierte Bestimmung oder besser: tragen zur vollendeten Würze bei. Kunderas wunderbares Kaleidoskop findet seine genussvolle Gesamtvollendung.

Aber auch nach dem Zusammenschluss der einzelnen Episoden war es nie so unwichtig, über die Handlung eines Romans zu diskutieren. Jedes Kapitel ist ein Amüsement seiner selbst. Der Autor philosophiert auf genussvolle Art und Weise über die Grundstruktur des Menschseins: mal melancholisch, dann wieder durchzogen von einer schwebenden Leichtigkeit, mal ironisch oder von Zeit zu Zeit mit einer Spur Bitterkeit. Kundera spricht Themen wie Liebe, Ehe, die Bedeutung von Gesten, Körper, Geist, das Sein und die Originalität des Ichs eines Menschen, Schicksal, Tod, Trauer und Glück, Hässlichkeit und Schönheit, gemeinsames Erleben und Alleinsein, ja, die Grenzen der Welt an sich an.

Fazit:
Milan Kunderas Roman offenbart sich als "eine wahre Brandung von Musik": ein Buch, das philosophisch über die Grundessenzen des menschlichen Lebens nachdenkt, in die Ferne jenseits von Raum und Zeit lockt und eine unbestimmte, grenzenlose Sehnsucht verspüren lässt und alle Sinne des Lesers gefangen nimmt.

Ganz große Literatur!
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am 29. August 2003
Von allen Büchern, die ich von Kundera kenne, ist mir dieses eins der liebsten, wenn nicht sogar das Liebste. Kundera bringt darin dem Leser auf unterschiedlichste Weise miteinander in Beziehung stehende Protagonisten der verschiedensten Charaktere näher. Das erinnert ein wenig an einen Episodenfilm, die Erzählebenen sind jedoch - von Kundera gewolltermaßen ;o) - zu komplex, als dass ein Verfilmen des Buches je möglich sein sollte. Das behindert den Lesegenuss jedoch überhaupt nicht, im Gegenteil. Man kann der "freilaufenden" Fantasie Kunderas wunderbar folgen.
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am 12. September 2015
Wer sich einen Anfang und ein Ende erdacht hat wird eines anderen belehrt. Es sind einfach Geschichten, die so dichterisch daher kommen und mehr oder weniger zu sagen haben. Die Spannung ist schnell dahin, so sie gar nicht aufkommt. Die Plänkeleien mit Bettina und dem Herrn Geheimrat sind entbehrlich und interessieren nicht wirklich wo einer raten kann, was könnte wahr sein. Er weiss es nicht der Leser, er bleibt im Regen stehen. Der zahnlose Goethe hat da noch gefehlt in dem Durcheinander.
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am 3. September 2011
Der Inhalt des Buche ließe sich durchaus zusammenfassen: Es handelt sich um Reflexionen über die Unsterblickeit, deren Einzelideen sich in Form von Figuren zeigen. Laut Kundera äußert sich das Unsterbliche in Form von Gesten, die jede einzigartig in jedem einzelnen Moment erscheinen, sich jedoch erstaunlicherweise beim Näheren Hinsehen in unterschiedlichen Personen manifestieren. Seine Charaktere übernehmen ihre Gesten voneinander, ihr Sinn besteht nur darin, sie in ein anderes Licht zu tauchen, an einen anderen Ort zu versetzen. Durch diese Reproduktion werden Wahrheiten oft auch erst a posteriori produziert. Es gibt keine Wahrheiten, nur Gesten, und diese sind unsterblich, jedoch auch unpersönlich. Der Fluss des Lebens scheint schwer, und ist doch so leicht, weil er sich von selbst erhält.

Konkret wird aus einer Geste, die der Autor sieht, eine Figur, die später die mittlerweile verstorbene Frau eines Freundes des Autors, der sich selbst in die Geschichte einschließt. Auch die Korrespondenz seiner Tochter mit Goethe wird geschildert, ebenso wie das Zusammenwirken unterschiedlicher Figuren, jede wird jedoch vor allem in dem Teilaspekt entwickelt, innerhalb dessen sie sich selbst zu verwirklichen sucht.

Das ist die einzige Wirklichkeit dieses Werkes; eigentlich ist die Handlung nur ein verschränktes Beziehungsgeflecht, das lediglich dazu dient, seine philosophischen Gedanken allegorisch zu verdeutlichen.

Insgesamt ist das Buch flüssig lesbar und die angebotenen Reflexionen sehr interessant zu verfolgen. Wer jedoch nach einer Erleuchtung sucht, wird mit größter anzunehmender Wahrscheinlichkeit auch hier nicht unbedingt fündig. Falls man etwas Tiefgreifenderes begehrt, ist man mit anderen Werken unter Umständen besser bedient.
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am 22. Oktober 2011
"Platon, glaube ich, war krank." - schrieb Platon über den letzten Tag des Sokrates (vor seiner Hinrichtung durch den Schierlingsbecher)
und schuf, wie Max Brod hervorhob, einen unsterblichen Satz literarischer Schönheit, an dem er über einen Abend berichtet an dem er vielleicht, vielleicht auch nicht teilnahm.

Ich krame das aus dem Gedächtnis als Einführung in das Werk Milan Kunderas (die Unsterblichkeit), dessen Urahn eben jener unsterbliche Satz sein könnte. Das Buch beginnt mit Kundera selbst, der auf einen Freund wartet, einen vermutlich fiktiven Freund (der vielleicht fiktiv, vielleicht auch nicht fiktiv ist) und im warten einer alten Dame zusieht, die, von einer Geste/einem Mem (wie Richard Dawkins es vielleicht nennen würde) bemächtigt, einem Schwimmlehrer zuwinkt.
Aus dieser Geste wird eine Romanfigur geboren, die wie ein Kanal dieser Geste wirkt: Agnes.
Agnes ist die Verbindung dieser grazilen Geste zur Gegenwart/zur realen Welt/zur Welt der Menschheit.
Auch andere Charaktere werden aus dem, vielleicht fiktiven, vielleicht nicht fiktiven, Alltag der Figur Milan Kunderas entworfen
und auch sie sind Funktionäre von Gesten und Gefühlen, die der Autor hegt/beobachtet
sie bekommen ein Leben und einen Platz zugewiesen
und dieses rätselhafte Element um das sie geschaffen wurden, bestimmt ihr Leben, ihren Charakter.
Natürlich begegnen sie sich, sie beeinflussen sich gegenseitig und am Ende werden sie sich auflösen, sie werden die Unsterblichkeit.

In diesem Roman über die Unsterblichkeit des Werks, die Unsterblichkeit der Gesten eines Menschen, die er hinterlässt,
und für die er als Mensch erinnert werden wird (nicht als die Person, die man war, sondern als ein Kanal/ein Medium für das Unsterbliche Moment), werden Realität, Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart geschickt miteinander verstrickt,
erfahren mitunter eine Gleichsetzung miteinander und können nur zu einem Verständnis führen indem sie sich zu einem Bild vermengen.

Ich habe das Buch sehr genossen - (und als Kundera selber sagt, in seinem Buch, dass er den Titel "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" zu früh einem anderen Buch gewidmet hat, jubiliere ich beim Lesen, denn ich denke er hat recht.
Die Unsterblichkeit ist kein Nachtrag seines wohl berühmtesten Werks - es hätte diesen wundervollen Titel unter all seinen Büchern wohl am ehesten verdient.)
Die Unsterblichkeit ist mit Sicherheit ein mächtiges Werk, das über sich hinaus zu wachsen Vermag, im Wachsamen Auge des Betrachters.
Die Bemächtigung durch Gesten, die ein großes Thema in Kunderas Buch darstellt, findet sich insbesondere in der Politik und deren Propaganda wieder und ich glaube, dass das Buch helfen kann, eben diese in neuem Licht zu betrachten.
Der Text wird zum Werkzeug, wenn man ihn lässt, verändert das Sehen und weckt Erinnerung an das eigen erlebte - dauert in mir als leser fort, wird Unsterblich und erfüllt sich in mir.
In meinen Augen ein Meisterwerk, an dem man nicht leichtfertig vorbeigehen sollte, das man nicht leichtfertig beiseite legen sollte.

Ich will es Ihnen allen wärmstens empfehlen!

Zur Ausgabe:
Susanna Roth hat, wie immer finde ich, eine wundervolle Übersetzung vorgelegt.
Das Design, der Bund und die Typo des Buches sind vom Fischerverlag gut umgesetzt worden.
Auch die Wahl des Papiers halte ich für gelungen (leichter Braunstich, das Papier ist dünn aber fest, hat eine schöne Haptik und der Druck kommt wundervoll.)
Keine Werbung am Ende vom Buch, was u.A. für den Respekt vom Verlag vor dem Autor spricht.
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am 13. November 2013
Ich kann persönlich diese Kurzzusammenfassung von Amazon gar nicht nachvollziehen. Der Roman lässt sich nicht erzählen und schon gar nicht in zwei Absätzen. Man liest es einfach und ist von der Handlung absolut fassungslos. Die Handlung erinnert auf einen Treffpunkt, zu dem sich mehrere Personen aus verschiedenen Richtungen nähern. Es wird von einer Person erzählt, dann plötzlich von einer anderen. Der Leser kann sich fragen, was die einzelnen Ansichten mit der tatsächlichen Handlung zu tun haben - mit jedem weiteren Kapiel wird es aber klarer und die Geschichte taucht vor den Augen wie ein Netz auf, betrachtet aus allen Blickwinkeln. Jeder Satz hat in diesem Roman seine feste Stelle, keine Passage ist überflüssig oder zu wenig. Wenn man sich dazu Kunderas typische "intelligent erotische" Geschichten und eine Vielzahl von präzisen philosophischen Überlegungen dazudenkt, entsteht eines der besten Büchern, die je aufgeschrieben worden sind.
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am 30. August 2002
Zugegeben, es ist etwas schwierig, den Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Handlungsebenen zu folgen. Doch wer sich die Mühe macht, mal zurück zu blättern, um nachzusehen, wer denn noch gleich wer war, wird belohnt und erkennt, dass Kundera im Grunde nichts erfindet... die Verworrenheit der zwischenmenschlichen Beziehungen ist doch genau das, womit wir im Alltag so oft zu kämpfen haben!
Für mich steht außer Frage, dass Kundera es versteht wie kein anderer, die kleinen Eigenheiten und großen Macken der Menschen stets mit einem Augenzwinkern zu betrachten.
Dass dabei Platz bleibt für philosophische Fragestellungen, erhöht den Lesegenuss noch um ein vielfaches!
Beides wird dann auf einer fiktionalen Ebene verbunden: Hemingway und Goethe (in Badeschlappen) unterhalten sich im Jenseits über die Ereignisse auf der Erde...
Wem das kein Vergnügen bereitet, ist selbst schuld...
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am 30. April 2001
Endlich kehrt Milan Kundera zu seiner alten Stärke zurück Auf der Such nach dem Sinn allen Strebens im Leben blickt der tschechische Autor tief in die Abgründe der menschlichen Seele und reißt seinen Figuren schonungslos die Masken vom Gesicht, um ihr wahres Ich freizulegen. Detailliert zeichnet er seine Charaktere mit psychologischen und sprachlichen Scharfsinn. Obwohl dieser Roman keineswegs leichte Unterhaltung ist, läßt er sich mit einer Hängematte vergleichen: Eine alte Dame im Schwimmbad bildet mit ihrer spontanen Geste den Aufhänger und philosophischen "Strick" der Geschichte, den Kundera erst aufdröselt, dann vernetzt und am Ende auf raffinierteste Weise zusammenlaufen läßt. Zunächst erscheinen die ersten Kapitel eher zusammenhangslos, weil Kundera bewußt von der klassischen Romanform abweicht. So entwirft er zunächst eine Handlung mit seiner Protagonistin Agnes und plaudert dann aus dem Nähkästchen des alten Goethe, und auch Bettina von Arnim kriegt gehörig ihr Fett ab. Mal ist Kundera Erzähler, mal selbst Romanfigur, mal gibt er sich als Historiker, ein anderes mal als Oberlehrer. Schade, dass Kundera immer so viel erklären muss, obwohl der Leser seine Anspielungen auch ohne große Erläuterungen verstehen würde. Zuviele Worte reden am Ende den schönsten Gedanken breit. Wie dem auch sei, der Schluß des Buches versöhnt den Leser voll und ganz- Somit kann "Die Unsterblichkeit" durchaus an die literarische Größe von Kunderas Erfolgsroman "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" anknüpfen.
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