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TOP 500 REZENSENTam 22. Januar 2012
"In jenem Passus der Enneaden, der das Wesen der Zeit untersuchen und definieren will, wird gesagt, es sei unumgänglich, vorher die Ewigkeit zu erkennen, die - wie jedermann bekannt - die Musterform und der Archetyp der Zeit sei. [...] Die Zeit ist für uns ein Problem, ein furchtbares und drängendes Problem, vielleicht das wichtigste Problem der Metaphysik; dagegen ist die Ewigkeit ein Spiel oder eine müde gewordenen Hoffnung. Wir lesen in Platons Timaios die Zeit sei ein beweglichen Bild der Ewigkeit; doch ist dies nur ein schöner Akkord, der keinen von der Überzeugung abbringen wird, dass die Ewigkeit ein aus der Substanz der Zeit hergestelltes Bild ist. Dieses Bild, dieses grobe, von menschlichen Meinungsverschiedenheiten angereicherte Wort möchte ich historisch untersuchen."
Anfang von "Geschichte der Ewigkeit".

Die "Universalgeschichte der Niedertracht" gehört zu denn Meilensteinen der südamerikanischen Literatur(-geschichte). Viele Schriftsteller und Gelehrte sehen in ihr sogar den Beginn des magischen Realismus.
In den 7 Teilen der Chronik gibt der Erzähler Einblicke in das Werk und Leben einiger realer Personen, meist Verbrecher, Verräter und Geächtete, unter ihnen z.B. "Billy the Kid"; eine jede Geschichte ist wie eine Legende aufgezogen, niemals präzise, immer unpersönlich, erzählt mit barocker, doch nüchterner Sprache. Borges selbst schrieb im Vorwort, es seien die Texte eines Mannes, der sich noch nicht getraut habe eigene Erzählungen zu schreiben und so sich einen Zeitvertreib daraus machte die Geschichten anderer umzuwandeln und umzukehren, in Texte zwischen Realität und Fantasie - zu Phantastik.
Außerdem enthält der Band einige später hinzugefügte kurze Prosatexte, Fabeln und Gleichnisse und die Erzählung der Mann von Esquina Rosa (dies einer von Borges berühmtesten Texten und in Südamerika bei erscheinen schon eine Art Nationalmythos). Letztere sind leider die einzigen Texte die wirklich Charme besitzen; die 7 Teile der Chronik erinnern zu oft an düstere Märchenvisionen und Legenden. Sie sind gewiss lesenswert, aber schwerlich zu genießen.

"Manchmal neige ich zu der Überzeugung, dass die guten Leser noch geheimnisvollere und seltenere Vögel sind als die guten Autoren. [...] Lesen ist jedenfalls eine Tätigkeit, die dem Schreiben den Vortritt lässt."

Den zweiten Teil des Bandes bildet "Die Geschichte der Ewigkeit", eine Essaysammlung. Sie kann mit vielen interessanten Themen aufwarten. Einmal mit einer Geschichte der Ewigkeit, angefangen bei den Griechen, über die christlichen Metaphysik bis zu literarischen Beispielen (siehe auch oben), einem wunderbaren Text über die Kenningar (eine altnordische Weise der Stabreimdichtung, mit einem besonderen Fokus auf außergewöhnliche Alliterationen und Metaphern; so z.B. "Schwertwasser" für Blut oder "Das Verderben der Zwerge" für Sonne), einer Betrachtung zu den verschiedenen Übersetzungen von Tausendundeine Nacht und einigen anderen kleineren Essays. Ich kann schon allein wegen dieses Teils den Kauf des Buches empfehlen. Wer gerne faszinierende und intellektuelle Essays liest, der muss diesen Band eigentlich besitzen (dem sei aber noch mehr der Band Inquisitionen nahe gelegt).

Borges hatte Recht, der Stil der Sehnsucht ist die Ewigkeit und die ewige Auseinandersetzung mit den großen Themen und dem Universum selbst. Wer Borges liest kann einige mannigfaltige Aspekte dieses großen Rätsels kennen lernen oder sieht sie gar erneut mit anderen Augen. Denn der Mensch ist Sehnsucht und Wissen.
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am 21. Februar 2012
Vorliegender Band enthält Borges' frühe Prosa: Erzählungen und Essays, die in den Jahren 1934 bis 1936 entstanden sind. Es handelt sich dabei um eine Kombination der Sammelbände "Universalgeschichte der Niedertracht" und "Geschichte der Ewigkeit". Während in ersterer teils fiktive, teils reale Schicksale in opulenter Weise - gedeckt wie ein barockes Festmahl - serviert werden, besteht der zweite Teil vorwiegend aus theosophischen und erkenntnistheoretischen sowie sprachwissenschaftlichen Essays, die das gewaltige geisteswissenschaftliche Universum des sprachmächtigen Argentiniers durchleuchten. Von besonderer Bedeutung erscheinen mir das titelgebende Essay "Geschichte der Ewigkeit" sowie die "Lehre von den Zyklen", welche die Erkenntnistheorie der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts wunderbar auf den Punkt bringen und - was heute leider immer mehr außer Mode kommt - in Relation zu den antiken Philosophen stellen.

Borges' Thesen, die in wundersamer Weise zur Prosa tendieren, sind durchsetzt von einer beeindruckend offenen toleranten Geisteshaltung und Feinfühligkeit, die den Intellekt des Autors maßgeblich apostrophieren. Wie immer halte ich seine Worte für äußerst tröstend, gerade in unserer vom Eigenwohl und Misstrauen unterlegten Zeit und Gesellschaft. Vielleicht erinnern wir uns einmal daran zurück, was uns im Leben und in der Zeit - jenem "zerstückten Abbild der Ewigkeit" - wirklich wichtig ist. Hinsichtlich der Ewigkeit halte ich es da mit Borges: "Ohne die Ewigkeit, ohne einen feinfühligen und geheimen Spiegel, der auffängt, was je durch unsere Seelen ging, ist die Weltgeschichte verlorene Zeit und in ihr unsere persönliche Geschichte - wodurch wir auf unbehagliche Art zu Gespenstern werden."

Irgendwann werde ich wohl wieder an diesem Platz sitzen und diese Rezension niederschreiben. Und Sie werden diese Zeilen wieder lesen. Und beide werden wir genauso frei und ungebunden sein, unser Leben nach unseren eigenen Maßstäben zu gestalten und zu genießen, wie es heute der Fall ist. Ein tröstender Gedanke.
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am 22. März 2001
Niedertracht und Ewigkeit ergreift den Leser und nimmt ihn auf eine unvergeßliche Reise durch die Irrungen der menschlichen Vernunft. Borges hat selten etwas emotionaleres und packenderes geschrieben. Sehr empfehlenswert.
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