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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
5
Des Reichtums fette Beute: Wie die Ungleichheit unser Land ruiniert
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:7,99 €+ Versandkostenfrei

am 9. November 2011
Während der rheinische Kapitalismus (Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Gewerkschaften) anderswo Vorbild war, wollte Schröders Rot-Grün eine "moderne" Wirtschaftspolitik, die Entfesselung der Marktwirtschaft. Diese neoliberale Wirtschaftspolitik wurde von einer Opposition angefeuert, die einen noch radikaleren neoliberalen Kurs einforderte, von Wissenschaft und Medien gestützt. Mit angebotsorientierter Wirtschaftspolitik (das Angebot an Gütern und Dienstleistungen soll verbilligt werden) sollte die Stagnation überwunden werden. Als das nicht funktionierte, wurden die Anstrengungen in diese Richtung nicht hinterfragt, sondern verstärkt.
Durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer wurden besonders die Haushalte mit niedrigem Einkommen betroffen, ihre Kaufkraft vermindert. Es kam zu Wirtschaftwachstum ohne Einkommenszuwachs, ja die realen verfügbaren Einkommen verminderten sich. Bleiben die Reallöhne hinter dem Produktionszuwachs zurück, werden die erzielten Einkommen zugunsten der Gewinne umverteilt.
Bei Vergleichen der letzten beiden Aufschwünge (98-01 und 04-07) kommt Horn zu dem Ergebnis, dass Arbeitsmarktreformen wenig bewirkt haben. Wenn aber selbst in einem Aufschwung breite Bevölkerungskreise nicht an Wohlstand gewinnen sondern verlieren, läuft etwas schief.

In gängigen Modellen des ökonomischen Mainstreams wird das Risiko weitgehend ausgeblendet. Ohne diesen Faktor (die Unsicherheit) verkommen die Modelle zur ökonomischen Mechanik, sind nutzlos. Bei den Finanzmärkten ist alles Zufall: rationale Erwartungen sind kaum noch denkbar, Panik nicht kalkulierbar.
Durch die sich steigernde Wettbewerbsfähigkeit (eine Folge des Lohndrucks) exportierte Deutschland mehr als die anderen Euroländer, erzielte Überschüsse, es entstand immer mehr Kapital, während die Defizitländer Kapital zur Refinanzierung ihrer Schulden benötigten.
Ausgehend von der Immobilienkrise in den USA wurde die Weltwirtschaft fast zum Einsturz gebracht. In Deutschland gab es viel Kapital, das nach Anlagemöglichkeiten suchte. Viele Subprime-Kredite, verpackt als strukturierte Wertpapiere, landeten in den Büchern deutscher Banken - so kam die Finanzmarktkrise nach Deutschland. Hohe Kreditkosten brachten die Krise in die Realwirtschaft. Werden Kredite zu teuer, kommt die Wirtschaft zum Stillstand wie in der zweiten Jahreshälfte 2008 geschehen. Den Exportweltmeister Deutschland traf die Krise besonders stark.

Da die vorherrschenden Theorien des Marktsystems keine Krisen kennen, musste man zurück zu Keynes, eine mühsame und quälende Anpassung für Ökonomen und Wirtschaftspolitiker.
Gustav A. Horn diskutiert die beiden deutschen Konjunkturprogramme und bewertet sie positiv - es fehlte nur ein gemeinsames europäisches Vorgehen. Ohne den aktiven Eingriff der Staaten in das Wirtschaftsgeschehen wäre es zu einer weltweiten Depression gekommen.
Griechenland wurde halbwegs stabilisiert durch Rettungsschirm, Garantien und Zentralbankskäufe von Staatspapieren (ebenso Irland und Spanien). Es zeigte sich: die Bewältigung der Krise ist eine Angelegenheit aller Mitgliederländer des Euroraums.

Für die Zukunft: Der Finanzmarkt muss strikt reguliert werden. Die Eigenkapitalrücklage der Banken muss erhöht werden, unbegrenztes Hebeln verboten oder begrenzt werden, das Gros der finanziellen Schäden sind vom Finanzsektor zu zahlen - auch durch eine zu schaffende Finanztransaktionssteuer.
Ungleichheit vermindern muss sich vor allem gegen Einkommen und Vermögen richten, die nichts mit Leistung zu tun haben. Erbschaftssteuer und Vermögenssteuer zeigen symbolisch, dass das Auseinanderklaffen der Einkommensverteilung nicht länger hingenommen wird. Die Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns kann die Verteilung am unteren Ende nach oben stauchen.
Bei Leistungsbilanzungleichgewichten der EU, die wieder zu einer Krise führen könnten, sollte ein geregeltes Insolvenzverfahren vorhanden sein.

Es scheint so, dass insbesondere die Überschussländer (China, Deutschland, Japan) ihre Vorkrisenstrategien fortzusetzen gedenken.

Wer die aktuelle Wirtschaftslage besser verstehen will, sollte zu diesem Buch greifen!
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am 25. Februar 2011
Gustav Horn analysiert die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und sieht die Ursache des Problems in der Ungleichheit in unserem Land. Dies stellt er nachvollziehbar und wohl begründet dar, um zum Schluss Empfehlungen zur Bekämpfung der Ungleichheit abzugeben.
Unabhängig wie man zu den Thesen von Gustav Horn steht, gibt es mindestens einen Grund ihn immer wieder zu lesen. Er ist einer der wenigen keynesianischorientierten Wirtschaftswissenschaftler in der Masse der Neoklassiker, die wie Sinn den Sinn der Wirtschaftswissenschaft in der Anbetung des freien Marktes sehen.
Das Buch ist leicht lesbar geschrieben und adressiert alle Interessierten ohne große wirtschaftwissenschaftliche Vorkenntnisse.
Ein Manko hat das Buch doch. Die Abbildungen sind in der Mitte des Buches gesammelt wiedergegeben. Dies macht das Lesen teilweise sehr umständlich, da die Beschreibungen und die Bezugnahmen auf die Abbildungen über das ganze Buch verstreut sind und damit der Leser ständig am Blättern ist. Dies ist auch der Grund, warum ich nur 4 Sterne für dieses Buch vergebe.
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am 29. März 2011
Gustav Horn analysiert die wirtschaftspolitische Großwetterlage der vergangenen dreißig Jahre, ihr beherrschendes Ideologem, ihre Wirkungen und ihre massiven Fehlleistungen. Die Grundposition seiner Darstellung fußt auf einer intellektuellen Empörung über eine simplifizierende einzelwirtschaftliche Perspektive. U.a. die Übersteigerung der Basisannahmen der rationalen Handlungs- und Entscheidungstheorie sowie die Mythologisierung der All-Wirksamkeit von Konkurrenz einerseits, andererseits ein politischer Kniefall vor der scheinbar '"optimalen'" Selbstorganisation des Marktgeschehens, tragen bittere Früchte, die nun keiner ernten will. Und doch müssen sie geerntet werden - nicht ohne Erkenntnisgewinn: der Gewinn jeder Krise.

Das fundamentale Problem der Unsicherheit des Marktgeschehens wurde unterschätzt ebenso wie die Rationalität von Marktakteuren und -prozessen überschätzt wurde. Die Möglichkeiten staatlicher Ordnungspolitik und Eingreifens wurde sogar systematisch nicht bedacht. Die (strukturelle wie politische) Aushöhlung der Verhandlungsposition von Arbeitnehmern sowie die Entfesselung des deregulierten Marktgeschehens sind die Grundlage für ein instabiles und explosives Gemisch von Ungleichheiten (Einkommen und Vermögen) und Ungleichgewichten (Leistungsbilanzen). Horn zeigt, dass eine Politik für den Reichtum, letztlich seine eigenen Ineffizienzen erzeugt und sich selbst unterminiert. "'Wohlstand für Alle" (Ludwig Erhard)' basiert nicht auf einem selbstgefälligen Regime des Geldadels. "Wohlstand für Alle" verlangt, 1. eine Gesellschaft, die sich materiell über ihre Mitte integriert und dabei den Höhenflug der Mächtigen ebenso unterbindet wie den Ausschluss der Marginalisierten und 2. eine Gesellschaft, die Bedingungen bereit hält, über welche individuelle Leistungsbereitschaft mit tatsächlich möglicher sozialer Mobilität belohnt wird. Eine nationale wie internationale Wirtschaftspolitik für Alle ist, folgt man Gustav Horn, das vielversprechendste, wenn nicht das einzige, Konzept für stabiles und damit nachhaltiges Wirtschaften. Er erteilt damit ebenso eine Absage an den herrschenden Elitismus und Ökonomismus wie er die Hoffnung auf ein prosperierendes Marktgeschehen aufrecht erhält. Gerechtigkeit, Begrenzung der Ungleichheit und Stabilität sind dabei - entgegen der jahrzehntelangen Verlautbarungen des marktorthodoxen Mainstreams - Gelingensbedingungen und nicht Hindernisse vernüftiger Wirtschaftspolitik.

In der Tat erscheint ein Silberstreif am Horizont: der Beutezugs des Reichtums neigt sich seinem Ende oder seinem eigenen Untergang - mit dem Ende des dunklen (ideologischen) Zeitalters beginnt nun eine reflexive Aufklärung, die sich ihrer eigenen Fehlbarkeit permanent stellen muss.

Horn stiftet damit einen kleinen aber feinen, marktwirtschaftlich durchdachten Beitrag, der dabei hilft mit gesamtwirtschaftlichem Verstehen des komplexen relationalen Gefüges von Markt, Staat und Staatengemeinschaften, die Ökonomie gegen den einseitigen und einfachen Ökonomismus zu verteidigen.
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TOP 500 REZENSENTam 25. Juni 2011
2007 verfügten rund 27 Prozent der Deutschen über gar kein Vermögen, bzw. hatten Schulden. Demgegenüber besaß ein Zehntel der Bevölkerung rund 60 Prozent des Gesamtvermögens. Das sind knapp drei Prozent mehr als im Jahr 2002. Die Vererbung grosser Vermögen war ein zentraler Mechanismus des Feudalismus. Der Reichtum in Deutschland, aber auch in der Schweiz oder Österreich, erhält so zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehr und mehr eine feudale Struktur. Alles nach oben, die Möglichkeiten der Habenichtse unten liegen noch darin, einigermaßen erträgliche Kredite zu ergattern, um wenigstens geringe Konsumwünsche erfüllen zu können.

Prof. Dr. Horn zeichnet in diesem Buch in verständlich klarer Sprache die Spur des neoliberalen Explosionsgemisches, das inbesondere durch die Rot-Grüne Regierung einen ungeahnten Aufschwung nahm. Der international frei floatende Reichtum konnte sich danach auch Spielwiesen leisten, deren vollkommene Entfesselung zu den uns bekannten Feuerwerken führte, das Banken abbrannte und Vermögen vernichtete. Um Märkte zu beruhigen, ist es wichtig, auch an die Verteilungsgerechtigkeit zu denken bzw. diese zu lenken. Disproportionaler Reichtum ist für Volkswirtschaften ungesund, sie müssen insbesondere die Realeinkommen der unteren Schichten ebenso steigen lassen, um Konsumnachfrage zu schaffen bzw. damit letzten Endes auch den Anbietern Abnahmemärkte zu schaffen.

"Für Menschen mit hohen Einkommen ist der letzte verdiente Euro weitaus weniger wert als für Menschen mit niedrigeren Einkommen. Folglich sind sie auch eher bereit, diesen Euro durch riskante Finanzoperationen aufs Spiel zu setzen. Eine gleichmäßigere Streung der Einkommen würde daher zu weniger riskanten finanziellen Abenteuern führen." (S 187) Gleichmäßige Verteilung des Einkommens führt zu mehr Wachstum insgesamt, weil Risiken wegfallen und alle Akteure motivierter arbeiten. "Orientieren sich Unternehmen verstärkt am Finanzmarkt und vermindern sie entsprechend ihre realwirtschaftlichen Investitionen, vermindert sich gleichzeitig das Wachstum und folglich der zur Verfügung stehend Kuchen." (S 189)

Der Gegensatz zwischen aufgeblähtem Finanzsektor mit seinen Irrsinnsrenditen und der Realwirtschaft muss nach Horn rückgeführt werden, durch strenge Kontrollen riskanter Finanzoperationen, durch staatliche Vorgaben. Diese Restriktionen wurden nach der Finanzkrise überall diskutiert, allerdings nur, um umso dreister weiterzumachen, der Tanz auf dem Goldenen Kalb 2011 muss uns alle daran erinnern, hier nicht nachzulassen. Die in diesem Buch vorgeschlagenen Maßnahmen sind nachvollziehbar und richtig. Es geht darum, Parallelgesellschaften zu verhindern und die Wirtschaftspolitik dafür einzusetzen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt wieder zu forcieren, die Einkommens- und Vermögensabstände zu minimieren. Diese Verteilgerechtigkeit wird nicht durch einen frei floatenden Marktliberalismus erzielt, sondern durch Zielvorgaben und Einschränkungen von extremer Hybris, wie wir sie in den vergangenen Jahren erlebt haben.

Prof. Dr. Horn benennt konkrete Maßnahmen zur Umkehr, sowohl für Deutschland als auch für den Euroraum. "Der Staat hat viele Jahre wirtschaftspolitischer Demutshaltung gegenüber dem Markt hinter sich, in denen seine hauptsächlichen wirtschaftspolitischen Aktivitäten aus Steuersenkungen, Um- und Abbau des Sozialstaates, Deregulierung und konjunkturpolitischer Enthaltsamkeit bestanden. Er muss nun eine neue, aktivere Rolle finden. Der Markt ist in sich instabil und braucht ständig einen festen Rahmen, an dem sich die Akteure orientieren können." Dazu gehört für Prof. Horn auch, dass die Verursacher der Finanzkrise (die Banken also) zum Ausgleich ihrer verfehlten Aktivitäten herangezogen werden und nicht nur jene, die durch das Ungleichgewicht schon vorher benachteiligt waren.

Wachstumschancen morgen resultieren aus Verteilungsgerechtigkeit heute, diesen Schluss zu sehen, daran hat sich die Garde marktliberaler Fetischisten noch nicht gewöhnt. Genau hier setzt dieses Buch ein und mahnt zur Vorsicht vor allen Heilslehrern, die heute (mit dem BILD Wachstum im Rücken) schon wieder vergessen wollen, wo die Ursachen der vergangenen Krise lagen. Es nicht zu sehen, könnte teuer für uns alle werden. "Ich weiß schon, was die Mainstream Ökonomen zu meinen Vorschlägen sagen werden. Sie werden sagen, diese Regulierungen behindern die Flexibilität. In Wirklichkeit aber dienen sie dazu, Erwartungen zu stabilisieren und auf einer sicheren Basis allen eine Chance zu geben in halbwegs gesicherten Verhältnissen zu leben; vielleicht sogar einen zumindest bescheidenen Wohlstand zu erreichen." (S 257).

Was mir in diesem Buch fehlte, war die Frage nach Moral und Ethik des Wirtschaftens, dessen Grenzen heute eklatant sichtbar sind und deren Übersäuerung jedem von uns heute aufstößt. Es geht eben nicht mehr um unendliches Wachstum, sondern darum, natürliche Kreisläufe jenseits von Protz-Reichtum und sinnloser Verschleuderung von Ressourcen zu erkennen. Ich empfehle in diesem Zusammenhang dieses Buch: Menschenzeit: Zerstören oder gestalten? Die entscheidende Epoche unseres Planeten
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am 14. August 2011
Zuerst war ich etwas enttäuscht, denn ich hatte eigentlich nicht mit einer weiteren Aufarbeitung der Krise 08/09 gerechnet. Horn betrachtet die Ereignisse allerdings aus einer etwas anderen, als der üblichen, Perspektive, welche durchaus als Grundlage zu weiteren Überlegungen und Diskussionen taugt, auch, oder vor allem, wenn man nicht mit allen seinen Ansichten übereinstimmt.

Der Inhalt ist sehr umfangreich. Mir persönlich wäre etwas Weniger bei mehr Tiefgang lieber gewesen. Aus meiner Sicht empfiehlt sich das Buch für Studenten der Wirtschaftswissenschaften und andere Personen, welche über volkswirtschaftliche Zusammenhänge nachdenken wollen oder müssen. Vor allem seine klaren Standpunkte machen das Buch zu einer ständigen Quelle von Impulsen zu allen möglichen Theorien. Nicht geeignet ist das Buch für diejenigen, die angelockt vom Titel, leicht verdauliche Gemeinplätze auf Talkshow Niveau erwarten.

Besonders amüsant ist, dass mittlerweile einige Prognosen und aufgestellte Theorien anhand realer Ereignisse auf ihre Richtigkeit geprüft werden können (z.B. seine Ansicht über die Verschuldung von Staaten).

Etwas kurz kommt der versuchsweise konstruktive Abschluss, hier hätte es etwas mehr und konkreter sein dürfen.
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