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am 22. November 2009
In den Augen George Friedmans unterscheidet sich Weltpolitik im 21. Jahrhundert nicht grundsätzlich vom 19. Jahrhundert oder von der Römerzeit: immer noch ist sie ein gigantisches Strategiespiel alle gegen alle, in dem Nationen Vorteile für sich auf Kosten anderer suchen und die Armeen der Staaten sich zähnefletschend gegenüberstehen, immer auf einen möglichen Zugewinn an Territorium bedacht. Gemeinsame Lösungen und internationale Zusammenarbeit gibt es nicht, des einen Gewinn ist des andern Verlust. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union sind im Weltbild des Autors dermassen nebensächlich, dass sie im Buch schlicht nicht vorkommen.

Selbst wenn man dieses Weltbild teilt, stellen sich die Thesen des Buchs bei fundierter Betrachtung als ignorant und inkompetent heraus. Die Macht und Grösse der USA ist gemäss Friedman so überwältigend, dass die Vereinigten Staaten in den nächsten 100 Jahren die Weltpolitik noch überlegener dominieren werden als Michael Schumacher vor einigen Jahren die Formel 1. Sie begründe sich schlicht auf militärischen Realitäten, so der Autor, oder genauer: auf der Beherrschung der Ozeane durch die US Navy. Die Navy könne jederzeit jedes beliebige Handelsschiff in jedem Winkel der Welt versenken. Darum könnten die USA die Regeln des internationalen Handels nach ihren Vorstellungen festlegen. Was würde wohl geschehen, wenn Amerika plötzlich damit beginnen würde, nach Belieben deutsche und chinesische Handelsschiffe zu versenken?

Die Überschätzung amerikanischer Macht zieht sich durch das ganze Buch. So sieht Friedman zwar eine massive ökonomische Abhängigkeit Chinas und Japans von den USA, aber nicht umgekehrt. Die Tatsache, dass die asiatischen Mächte durch ihre Weigerung, weiterhin die amerikanischen Auslandsschulden zu finanzieren, den Koloss USA theoretisch jederzeit zum Einsturz bringen könnten, ist nicht bei ihm angekommen.

Von Friedmans ökonomischer Inkompetenz zeugt seine hanebüchene Erklärung, warum bereits in 10 Jahren in sämtlichen westlichen Staaten ein akuter Mangel an Arbeitskräften herrschen würde - und das bei einer Arbeitslosenquote von gegenwärtig rund 10 Prozent: Durch die Verschiebung der demographischen Struktur würden immer mehr Pensionäre immer weniger Erwerbstätigen gegenüberstehen. Es brauche also zusätzliche Arbeitskräfte, um die Konsumbedürfnisse der Pensionäre zu befriedigen. Das werde dazu führen, dass sich die westlichen Staaten gegenseitig die Immigranten streitig machen. Auf die Idee, dass die Arbeitsplätze nicht notwendigerweise im gleichen Land wie die zusätzlichen Konsumbedürfnisse geschaffen werden, sondern vielleicht in China oder Vietnam, kommt der Autor nicht.

Friedmans These vom Zerfall Chinas um 2020 mag ja noch einige Bezugspunkte zur Realität haben. Aber der prognostizierte Zusammenbruch Russlands nur wenig später nimmt sich endgültig wie der feuchter Traum eines amerikanischen Militärkopfs aus. Unverhohlen drückt Friedman sein Bedauern darüber aus, dass die USA in den 90er Jahren, als Russland schwach war, nicht kurzen Prozess mit dem Erzfeind gemacht und das Riesenreich in seine Einzelteile aufgetrennt haben. Nun aber sieht er den Moment gekommen, da Russland endgültig von der Landkarte verschwindet. Von Westen her wird Polen, das zur stärksten Macht Europas aufgestiegen und ein enger Verbündeter der USA ist, nach Russland einmarschieren und Weissrussland und die Ukraine besetzen. Vom Kaukasus her drängt die Türkei nach Norden und vereinnahmt die muslimischen Gebiete Russlands. Die Ostküste schliesslich fällt an Japan.

Es folgen Kapitel über die Dominanz der USA im Weltall, die so weit geht, dass die US Space Army über sogenannte Todessterne jederzeit jeden Punkt der Erde treffen kann, sowie einen dritten Weltkrieg, der selbstredend mit einem totalen Triumph Amerikas endet.

Das Buch ist interessant für jene, die einen Eindruck von einem Weltbild gewinnen wollen, das in den USA wahrscheinlich verbreiteter ist, als uns in Europa lieb ist. Wer allerdings auf der Suche nach einer fundierten Prognose der Konflikte des 21. Jahrhunderts ist, sollte sich anderswo umsehen.
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am 20. Juli 2012
George Friedman versucht hier das 21. Jahrhundert aus US-amerikanischer Sicht zu prognostizieren. Dass er diesen Blickwinkel wählt, ist zunächst einmal nicht zu beanstanden. Auch seine Prämisse, die USA stünden erst am Anfang ihres Aufstiegs, kann man durchaus aufstellen. Wenn er dann allerdings Europa aufgrund der schwachen Geburtenzahlen an Bedeutung verlieren, Russland aufgrund innerer Konflikte zerfallen und China aus ähnlichen Gründen von der Landkarte verschwinden lässt, dann sollte zumindest besser herausgearbeitet werden, warum diese Faktoren für die USA keine Rolle spielen. Die Einwanderung von Mexikanern wird Friedman zufolge erst in den 2080ern zu einer Sezession der ehemals mexikanischen Gebiete im Süden und Südwesten der USA führen. Wenn man aber die bereits heute vorhandene Segregation innerhalb US-amerikanischen Gesellschaft betrachtet, wird nicht klar, warum die in Russland zum Zerfall führen sollte und in den USA dagegen zum weiteren militärisch-technischen Aufschwung.

Amüsant zu lesen fand ich dagegen den konstruierten Konflikt zwischen Polen als neuer europäischer Großmacht und der Koalition aus der Türkei und Japan. Große Mühe hat Friedman auf die Darstellung der weltraumgestützten Kriegsführung verwendet. Klar, dass die USA dabei uneinholbar vorne liegen. Auch ein Pearl-Harbor-artiger Überraschungsangriff der Japaner von der Rückseite des Mondes aus ändert daran nichts. Zwar werden die sogenannten US-Battlestars erst einmal zerstört. Aber mit der nötigen Technologie und Anstrengung gelingt es den USA kurz darauf, neue derartige Systeme im All zu installieren. Im Theater würde man das als Deus ex machina bezeichnen. Warum dies mitten in einem größeren Krieg ohne Störmaßnahmen des Gegners gelingen soll, bleibt Geheimnis des Autors. Es ist halt so.

Aber eigentlich brauchen wir uns mit solchen Details auch gar nicht abgeben. Schließlich dreht sich eh alles um Machtpolitik im Stile des 19. Jahrhunderts. Es genügt zu wissen, wer wo steht, welche geographischen Gegebenheiten es gibt (Meereszugang, trennende Gebirge, gemeinsame Grenzen) und wer über welche militärischen Kapazitäten verfügt. Gewinner und Verlierer stehen dann automatisch fest.

Dabei übersieht Friedman alle anderen Faktoren. Dass er die Klimaveränderung nicht berücksichtigt, erklärt er damit, dass die weltweit sinkenden Geburtenzahlen den menschlichen Einfluss schon begrenzen werden. Warum allerdings in einigen der ärmsten Länder Afrikas die Geburtenraten sinken sollen, verrät er uns nicht. Überhaupt geht er auf Afrika mit keinem Wort ein. Auch Krankheiten, globale Epidemien oder Biowaffenterrorismus bringen seinen globalen Taktik-Sandkasten nicht durcheinander. Zwar hat er erkannt, dass das Internet eine ziemliche interessante Neuerung darstellt, die daraus resultierenden Kommunikationsmöglichkeiten (vgl. arabischer Frühling) sieht er aber offenbar genausowenig wie das militärische Potential. Gerade letzteres ist auch aus amerikanischer Sicht ärgerlich. Stellt sie doch die von Friedman postulierte Unangreifbarkeit der USA aus geographischen Gründen massiv in Frage.

Man könnte über das stilistisch eher mäßige Buch schmunzeln. Man könnte es als das fiktive Soldaten-Spiel eines kleinen Jungen betrachten, der es seiner Lieblingsfraktion nicht allzu schwer machen will. Da der Autor als Gründer von STRATFOR aber durchaus auch von Entscheidungsträgern gehört wird, ist es leider nicht ganz so lustig, wenn seine Prognosen so einseitig und unter Auslassung wichtiger Fakten entstehen. Ob seine Enkel dieses Buch dereinst so bewundern werden, wie der Autor sich dies wünscht, darf bezweifelt werden.
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am 17. September 2015
eines verblendeten US Strategen.
Mit einer sachlichen Analyse und darauf aufbauenden Prognosen hat dieses Werk wohl kaum etwas gemein.

Es wird sich zeigen wohin die globale Militärmacht USA geht, und das schon recht bald. Mann könnte auch meinen das die USA sich seit 10 Jahren in einem Todeskampf befinden, und das wird den Untergang eines Imperiums beobachten.
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am 29. September 2011
George Friedman ist sicher ein gut vernetzter, intelligenter Mensch mit einem offenen Geist, was Veränderungen in der Geopolitik angeht.

Leider hat er aber von Wirtschaft keine Ahnung und ignoriert völkerrechtliche Grundsätze vollständig. Ja, die USA könnten jedes Schiff in jeder Bucht der Weltmeere versenken, aber ist das deshalb eine realistische Aussage? Russland wird zusammenbrechen und ein estnisches Sankt Petersburg ist für ihn durchaus vorstellbar. Hallo? Schon mal von Atomwaffen gehört? Russland wird sich auch im Falle eines Zusammenbrechens doch nicht damit Abfinden Sankt Petersburg an Estland zu verlieren ? Alle internationalen Organisationen, die geschaffen wurden, um gerade solche Aktionen zu verhindern, sind völlig inexistent. Deutschland wird aufgrund seiner "verknöcherten Volkswirtschaft" in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Das sollte man derzeit eher von den USA vermuten, die aber nach Friedman immer wieder wie der Phönix aus der Asche ersteht und nur mächtiger wird.

Schon in der Einleitung schreibt Friedman, dass alle Spekulationen über die Zukunft unmöglich seien. Aber ausgerechnet sein amerikazentristisches Weltbild und Zukunftsfantasie ist richtig, klar...

Mein Fazit: dies Buch ist eine teils amüsante, teils nervende Spielerei über mögliche Entwicklungen in der Zukunft. Aber das auch nicht mal besonders gut und stichhaltig.
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am 21. Oktober 2009
Der Autor ist Gründer und Herausgeber des Informationsdienstes STRATFOR. Er verfolgt einen geopolitischen Ansatz, d.h. Ereignisse werden anhand der geographischen Gegebenheiten und gesellschaftlicher und massenpsychologischer Zusammenhänge beurteilt und vorhergesagt.

Die Hauptthese ist, dass die Welt erst am Beginn des amerikanischen Zeitalters steht. Das europäische Zeitalter währte 500 Jahre, von der Entdeckung Amerikas bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Periode amerikanischer Vorherrschaft wesentlich kürzer dauern wird - meint der Autor. Jedenfalls werde sie die nächsten 100 Jahre bestimmen.

China und Russland würden in den nächsten zehn Jahren an Bedeutung verlieren, China weil es geographisch isoliert ist und mit gesellschaftlichen Spannungen zu kämpfen haben wird (reiche Küstenregion versus ärmere Bevölkerung im Landesinneren), Russland weil es u.a. aufgrund ungünstiger infrastruktureller Voraussetzungen keine Möglichkeit hat, seine Macht nach außen zu projizieren. Und beide Länder haben keine Seemacht - und die Herrschaft über die Meere sieht der Autor als wichtigste Voraussetzung für eine Weltmacht des 21. Jahrhunderts, da hiermit nicht militärische Macht projiziert werden kann, sondern auch Handelsströme beeinflußt werden können und damit die Weltwirtschaft zu kontrollieren ist.

Es folgen noch Betrachtungen über u.a. die innere Entwicklung der Vereinigten Staaten (wirtschaftlich und gesellschaftlich), insbesondere die an Bedeutung zunehmende Rolle der Einwanderung, welche Länder bzw. Allianzen an Bedeutung gewinnen werden (immer nach geopolitischen Kriterien beurteilt), und warum es Mexiko sein könnte, das den USA die Vorherrschaft gegen Ende des Jahrhunderts streitig machen könnte.

In manchen Fällen wird Friedman (bewusst provozierend) zu detailliert, z.B. bei der Schilderung des globalen Konflikts Mitte des Jahrhunderts. Dies ist natürlich cum grano salis" zu nehmen, wie er auch selbst betont, und stellt lediglich ein mögliches Szenario der grundsätzlich vorhergesagten Entwicklungen dar.

Insgesamt gibt das Buch einen langfristigen großen Rahmen, in den man Ereignisse einordnen kann. Ob man im Detail derselben Meinung ist, finde ich letztendlich nicht entscheidend - wichtiger sind neue Gedanken und Erklärungen, deren Relevanz ohnehin zu prüfen ist. Selbstverständlich eignen sich die gemachten Vorhersagen NICHT unmittelbar dazu, um persönliche Positionierungen für die Zukunft vorzunehmen!
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am 25. Juli 2010
Ich kann mich den beiden anderen 1-Stern-Bewertungen nur anschließen. Das Buch ließt sich eher wie ein Plan für ein Strategiespiel als eine Prognose für die Zukunft. Und der Spieler ist natürlich Amerikaner. Wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren den Autor nur dann, wenn es für die USA ein Vorteil ist. Ansonsten werden sie einfach unter den Tisch fallen gelassen, wie zB die aktuelle Wirtschaftskrise.
Alle Staaten sind nur darauf aus ihr Territorium zu vergrößern und versuchen deshalb ihre Nachbarn zu schwächen. Das gilt für besonders für die osteuropäischen Staaten.
Als wäre das nicht schlimm genug, so wiederspricht sich der Autor auch noch gerne selbst. So betitelt er Japan als pazifistische Nation, übrigens die einzige Nation, der er ein pazifistisches Verhalten zutraut, und schon auf der nächsten Seite baut Japan seine Seestreitkräfte aus, neben Streitkräften im Weltraum die Lieblingsstreitkräfte des Autors, und versucht sich Teile von China unter den Nagel zu reißen.
Aufgrund der beschränkten Sichtweise des Autor hat dieses Buch mit einem Blick in die Zukunft leider sehr wenig zu tun.
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am 15. Juni 2009
Ich bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen und ich muss sagen es ist für mich jetzt schon die positive Bücherüberraschung des Jahres. Obwohl wir erst Juni habe, denke ich, dass mir diese Jahr kein zweites Buch dieser Kategorie über den Weg laufen wird.

Gut geschrieben liest es sich sehr flüssig und man will nicht aufhören zu lesen, denn seine Theorien, wie die geopolitische Zukunft aussehen wird, sind packend und spannend. Viele Bücher werden gelesen und bewundert, aber nur wenige verschlingt und verdaut man ganz. Das ist so ein Buch.

Friedman versucht aus den Lehren der Vergangenheit in die Zukunft zu blicken und er vergißt dabei nicht, dass manchmal das erwartete genau das ist, dass nicht passieren wird. So bezeichnet er zB China als Papiertiger und denkt das China schon in 10 Jahren keinen wichtigen Platz mehr in der Weltpolitik einnehmen wird. Auch wenn es heute auf der Welt so aussieht, als wenn für die USA die letzte Stunde geschlage hat, so darf man nicht vergessen, dass neben dem Finanzkirsendebakel die USA auch die wichtigste Militär- und Wirtschaftsmacht der Welt ist und auch bleibt. Und das die nächsten 100 Jahre keine Nation die Weltpolitk so beeinflussen wird wie die USA. Der Zugang zu Pazik und Atlantik und die größe ihrer Flotte alleine, sind Garant dafür, dass keiner die USA von ihrem Stöckchen stoßen kann. Aber es wird einige Nationen geben, welche die Vereinigten Staaten herausforder werden. Und genau darum geht es in diesem Buch. Mehr will ich nicht verraten. Ich will nur erwähnen, dass seine Logik briliant ist und das seine Argumentation keinesfalls auf töneren Füssen steht.

Auch wenn er sich sicher ist, nicht 100%ig Recht zu haben, so kann ich mir schon vorstellen, dass viele seiner Prognosen zutreffen werden.
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am 22. Juli 2009
Zunächst las ich das Buch mit großem Interesse - wer will nicht aus berufener Feder wissen, was in den nächsten 100 Jahren passieren könnte?

Spätestens seit dem Kapitel, in welchem in einem Weltraumkriegsszenario der Autor á la Science Fiction Japan die USA ausgerechnet an Thanksgiving 2050 angreifen lässt, habe ich jedoch meine Erwartungen, die der Titel des Buches geweckt hatte, abgeschrieben. Ich war neugierig auf einen hypothetischen Überblick über die Entwicklung des ganzen Globus, bedeutende Nationen wie z.B. Brasilien und Indien werden aber nur ganz am Rande abgehakt. Über Schwarzafrika und Australien/Neuseeland wird kein Wort verloren.

Auf eventuelle soziokulturelle Veränderungen, z.B. die Stellung der Frau in muslimischen Gesellschaften oder die Zukunft von Religion und Wissenschaft geht der Autor nicht ein.

Relativ ausführlich fällt dagegen die Schilderung eines möglichen Konfliktes zwischen den USA und Mexiko aus.

Zum Klimawandel äußert sich Friedman erst gegen Ende des Buches in zwei Absätzen mit folgendem lapidaren Fazit: Aufgrund der demografischen und technologischen Veränderungen der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts wird sich das Thema Erderwärmung erledigen."

Für mich ist das Buch somit erledigt!

PS: Im Buch zumindest der deutschen Ausgabe fehlt ein Register sowie Literaturhinweise.
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am 7. November 2009
Alles in allem bin ich recht zufrieden mit diesem Buch, denn Friedman gelingt es ein -zumindest zum großen Teil- nachvollziehbares Szenario für die Entwicklung von Geopolitik, Wirtschaft und Technologie der nächsten 100 Jahren zu zeichnen. Wie er in seinem Prolog richtig feststellt, hilft einem der gesunde Menschenverstand, der von der Gegenwart gerade in die Zukunft extrapoliert, bei der Vorhersage zukünftiger Ereignisse nicht weiter. Stattdessen versucht er einerseits tieferliegende Faktoren zu finden, die sich auch mittelfristig vermutlich nicht ändern werden (demographische Entwicklung, geographische Gegebenheiten z.B), um dann aufzuzeigen, welche Möglichkeiten Staaten haben, ihre Interessen unter gegebenen Umständen zu befriedigen; andererseits zieht er aber auch historische Zyklen und Präzedensfälle heran, um das wahrscheinliche Verhalten von Staaten mit der Hinzugabe von etwas Phantasie zu beschreiben.

Die resultierenden Ergebnisse sind oftmals kontraintuitiv: Die USA befinden sich nicht am Ende, sondern vielmehr erst am Anfang ihrer Weltmachtphase; Russland wird ebenso in Kürze kollabieren wie China; Polen wird Deutschland und Frankreich als die europäische Führungsmacht verdrängen; Japan und die Türkei entwickeln sich zu den vorherrschenden Mächten ihrer Region, die militärisch nur noch den USA nachstehen. Dabei schwankt die Begründungstiefe jedoch deutlich. Wird etwa der chinesische Niedergang noch anschaulich beschrieben, wird der Aufschwung von Polen und anderen osteuropäischen Staaten einfach mit einer dynamischen Wirtschaft abgehandelt, die wiederum so dynamisch ist, weil ... sie voller Energie sei (warum auch immer). Wie dem auch sei, es werden eine ganze Reihe Konflikte beleuchtet, die sich bereits heute im Ansatz abzeichnen- von der Entfremdung von West- und Osteuropa, zu dem Status Japans als Zivilmacht, zu der strategischen Bedeutung des Weltraums, zu der Hispanisierung ganzes US-Bundestaaten.

Eine Sonderstellung nimmt der späte Mittelteil des Buches ein, in dem Friedman von der Beschreibung großer Entwicklungslinien abrückt und ganz konkret einen Krieg zwischen einer japanischen Koalition und den USA beschreibt. Diese kurze Ausflug ins Military SciFi stellt eine recht nette Abwechslung dar.

Interessant ist auch, was Fridman kaum bis gar nicht erwähnt. So sind für ihn in den nächsten 100 Jahren allein Nordamerika und Eurasien von Gewicht, weswegen Staaten anderer Kontinente bestenfalls in Nebenbemerkungen vorkommen. Und apropos Staaten, diese sind auch praktisch die einzigen Akteure denen Beachtung geschenkt wird. Wirtschaftsunternehmen, NGOS, internationale Organisationen- das alles scheinen Marotten des 20.Jahrhunderts gewesen zu sein. Der Klimawandel wird im Epilog in zwei Sätzen abgehandelt, wobei die Begründung teilweise den Ausführungen in früheren Kapiteln widerspricht.

Fazit: Das Werk liest sich gut und bietet viele interessante Gedankengänge, daher kann man es empfehlen. Allerdings ist es auch weit davon entfernt, eine Offenbarung zu sein. Dafür werden einfach zu viele Dinge unbegründet in den Raum geworfen und es schwingt zudem ein eigenartiger, weil ebenfalls nicht trifftig begründeter Determinismus mit (so müsse Mexiko etwa danach streben, die dominierende Macht auf dem nordamerikanischen Kontinent zu werden, weil dies ein obskures geopolitisches Prinzip von ihnen verlange). Mit Sicherheit wird Friedman mit deutlich mehr Voraussagen daneben liegen als nur mit den Jahreszahlen für den "Ersten Weltraumkrieg", aber das liegt beim Blick in die Zukunft in der Natur der Sache.
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am 4. Januar 2015
Zwar können wir alle nicht in die Zukunft sehen, aber dieses Buch gibt relativ fundiert Einsichten und Überlegungen wie sich die wirtschaftlichen und politischen Schwerpunkte zukünftig verschieben könnten.
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