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am 8. Oktober 2008
John Savage's Buch beginnt 1875, nämlich mit Tagebüchern von Jugendlichen aus jener Zeit, etwa von Mary Bashkirtseff (eine verhätschelte Tochter reicher Russen) aus Frankreich oder von Jesse Pomeroy (ein bestialischer Kindermörder) aus den USA. Bashkirtseff verkörpert den guten Teenager, Pomeroy einen bösen. "Das ist eine Aufteilung, die bis heute funktioniert:", sagt Savage in einem Interview in der WOZ, "Teenager als Traum oder als Albtraum".
"Teenage" geht chronologisch vor - von 1875 bis 1945 - und entfaltet vor allem anhand zeitgeschichtlicher Zeugnisse eine Typologie des jugendlichen Selbstverständnisses. Savage zeigt auf, dass bereits Goethe mit seinem 'Werther' und Rousseau mit seiner 'Emelie' vorwegnehmen, was etwa ein Jahrhundert später bis in die Tiefen der Gesellschaft durchsickerte, nämlich das Bewusstsein um die Jugend - gewissermaßen ein dritter menschlicher "Aggregatzustand" neben der Kindheit und dem Erwachsenenalter.
Das Buch ist wegen seiner knappen Kapitel, seiner historischen Fotos und der "flotten Schreibe", die Savage pflegt, ausgesprochen kurzweilig zu lesen. Aber es bietet noch weit mehr als das, gelingt es dem Autor doch, ein neues Schlaglicht auf unsere Kulturgeschichte zu werfen. Mit enormen Sachkenntnissen und großem Hintergrundwissen führt Savage meisterhaft vor Augen, wie wir heutzutage gewissermaßen alle zu Teenagern wurden.
Wer wissen möchte, welche Gegenreaktionen die Industrialisierung evozierte, wie die Demokratie den Konsum bedingt und warum der Konsum eine Antwort auf den Faschismus ist, und wer verstehen möchte, worin der Zusammenhang zwischen Atombombe und Kurt Cobain besteht, dem kann ich das Buch nur ans Herz legen. Ich habe es im Zuge meines Studiums gelesen und dabei viel gelernt. Aber "Teenage" würde sich gewiss auch ebenso gut als Feierabendlektüre eignen!
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am 18. Mai 2009
"Ich habe es satt, unbedeutend zu sein. Ich modere im Schatten dahin. Die Sonne, die Sonne, die Sonne! Los geht's - lasst uns mutig sein. Die Zeit ist eine Reise, die mich dorthin führt, wo es mir gut geht. Bin ich wahnsinnig? Oder vom Schicksal auserwählt? So oder so, ich bin gelangweilt!" Dies schrieb im Jahr 1875 die 17-jährige Maria Bashkirtseff in ihr Tagebuch. Mit 25 starb sie an Tuberkulose. Ihr Tagebuch wurde veröffentlicht und die Welt war begeistert. Kaum vorstellbar im Blog-Zeitalter, daß die seelischen Offenbarungen eines Teenagers einen weltweiten Bestseller hervorbrachten.
Bedeutend wurde Maria Bashkirtseff, sogar so bedeutend, daß Jon Savage in ihr den Ausgangspunkt der Erfindung der Jugend markiert.
Jugend gab es nicht, vorher. Es gab Kinder und Erwachsene. Junge und alte Menschen. Als Maria lebte, dämmerte es im gesellschaftlichen Bewußtsein, daß die Zeit der Adoleszenz den Rahmen sprengt, den Kindheit und Erwachsensein vorgeben. Zwei Weltkriege später und nachdem die Jugendlichen einerseits die Kriminalität und andererseits das Kino und die Musik für sich entdeckt hatten, war der Begriff "Teenager" etabliert.
Der Jugendkriminalität widmet der Autor viele Zeilen. Ebenso der Musik. Im Jahr 1917 hatte eine weiße Band mit dem namen "Original Dixieland Jass Band" die schwarze Musik die sich Jass nannte in die Herzen der Weißen hineingetragen. Jass ist ein Lehnwort aus dem afrikanischen und heißt Geschlechtsverkehr. Diese Musik war damals Rebellion pur und die jungen Menschen waren außer Rand und Band (es ist schon merkwürdig, daß der Dixieland Jazz heute vorwiegend von alten Männern gehört und gespielt wird).
Vor und während dem 2.Weltkrieg war der Swing die Musik der Jugend (und der Jitterbug war ihr Tanz). In Deutschland wurde der Swing von den Nazis verfemt, was aber nur wenige abschreckte. Ausführlich beschreibt Jon Savage die Geschichte der Hamburger Swings.
Das ist überhaupt das schöne an diesem Buch. Eine Geschichte folgt auf die andere. Menschen kommen, Menschen gehen. Und bei aller konkreten Wucht, geht die Abstraktion, durch die der historische Kontext deutlich wird, nicht verloren. Ganz große Klasse!
Das Monster in diesem Kontext waren die beiden Weltkriege. Schon im ersten Weltkrieg starben jeden Kriegstag über 5000 Menschen (ein Drittel davon Jugendliche) und das über vier Jahre hinweg. Im zweiten Weltkrieg waren es noch weit mehr. Der Krieg ist der Vater aller Dinge, schrieb der griechische Philosoph Heraklit. In diesem Fall stimmt es: aus den unsäglich brutalen Folgen der Weltkriege heraus wurde die Jugend geboren. In dem Moment als die Erwachsenenwelt ihre ekligste Maske aufsetzte strampelte sie sich aus dem Käfig frei. Und hörte Musik.
Wandervögel, Sheiks, Flappers, Kindred of the Kibbo Kift, Bright Young People, Zazous, Biff Boys, Edelweißpiraten - durch viele Jugendbewegungen hat sich die Jugend hindurch bewegt. Durch viele Filme hat sie sich hindurch gefiebert (das Kino war neben der Musik derTreibsatz beim Anfeuern des jugendlichen Selbstverständnisses). Und endlich, im Jahr 1945, war die Jugend im Rampenlicht.
Und heute singen Tocotronic: "Ich höre dich sagen, mehr leise als laut, das haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut".
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So wie Jon Savage ergeht es vielen Autoren. Irgendein Projekt verstellt den Fokus der Aufmerksamkeit, und schon ist man in einer Geschichte gefangen, die einem erst wieder frei lässt, wenn man ein dickes Buch geschrieben hat. Etwas merkwürdig ist es allerdings schon, wenn uns ein Bericht in die Hand gedrückt wird, der dort aufhört, wo er nach unserer Erwartung beginnen sollte. Daher fühlt sich der Autor auch dazu genötigt, gleich zu Beginn eine Erklärung abzugeben. So einleuchtend es ist, sich auf die Vor- oder Urgeschichte der Teenager zu beschränken, so rätselhaft bleibt die Änderung des englischen Originaltitel The Prehistory of Youth Culture: 1875 - 1945 zu The Creation of Youth Culture. Fest steht jedenfalls, dass wir über die Zeit von Elvis Presley & Co nur sehr wenig erfahren, sondern mit Wahrnehmungen und Biografien von Jugendlichen Bekanntschaft machen, die früher lebten und nach Ansicht des Autors die Wegbereiter der Nachkriegsgenerationen waren. Das muss einfach wissen und annehmen, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Jon Savage ist Schriftsteller, Rundfunkautor, Musikjournalist. Und mit seinem Buch England's Dreaming wurde er international bekannt. Ob allerdings alle seiner Fans auch vom neuen Werk begeistert sind, bezweifle ich. Denn wer sich für die Darstellung des Punk Rock begeisterte, bringt eventuell nicht das Durchhaltevermögen und das Interesse mit, das es für die Lektüre dieser umfassenden geschichtlichen Darstellung braucht. Auch wenn die vielen Storys und Lebenszeugnisse den Unterhaltungswert steigern. Faktum bleibt: Jon Savage bringt so viele Personen und Ereignisse auf die Bühne, dass man als Publikum immer wieder eine längere Pause einlegen muss, um den Saal nicht vor dem Ende zu verlassen. Zumindest mir erging es so.

Was steht drin? Diese Frage befriedigend zu beantworten, fällt mir ebenso schwer wie dem Klappentexter. Jon Savage schreibt eine Kulturgeschichte der Jahre 1875 ' 1945, in deren Zentrum Jugendlich stehen. Er macht uns mit deren Wünschen, Träumen, Hoffungen und Ängsten bekannt, zeigt anhand von aussergewöhnlichen Biografien das Eingegossensein in patriarchalische, religiöse und politische Regelwerke, macht uns auf die befreienden Kräfte der Musik und aufmerksam, erinnert an die existentiellen Nöte während Krisen- und Kriegsjahren, entführt uns selbstverständlich nach Amerika und kommt immer wieder nach Europa zurück. Wir erhalten Einblicke in Medien, die wir nur noch vom Hörensagen her kennen. Und wir spüren im Verlauf der Ausführungen immer mehr, dass Teenagers zwar als Marketingbegriff geboren wurden, sich aber wie Zauberlehrlinge unaufhaltsam von ihren Meistern lossagten.

Mein Fazit: Jon Savage entwirft ein Panorama, das in seinen Einzelteilen schon gezeichnet wurde, aber vor diesem Buch noch nie als Ganzes zu sehen war. So locker, wie das Cover vermuten lässt, lesen sich die 500 Seiten nicht. Bringt der Leser allerdings ein historisches Interesse mit, so wird er dem Autor dankbar sein, trockene Quellen und lebendige Lebenszeugnisse vereint zu haben. Noch mehr Bilder und leicht lesbare Zusammenfassungen hätten wohl auch historisch Interessierte begrüsst.
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am 12. November 2013
Es handelt sich bei dem Buch von Jon Savage um ein flüssig geschriebenes, recht sauber recherchiertes Werk, dass dementsprechend auch Anmerkungen, Literaturliste und Personenregister enthält. Zwei wesentliche Kritikpunkte muss man aber erwähnen:

1). Der Autor wechselt kapitelweise zwischen der Jugend in den USA, in Großbritannien, Frankreich und dem Deutschen Reich hin und her. Er versucht damit, eine "Weltgeschichte" über die Entstehung der Jugend zu schreiben. Im Vorwort räumt er ein, weitere Länder in Betracht gezogen zu haben, diese aber zwecks Begrenzung des Stoffes dann doch ausgelassen zu haben. Doch auch so ist der Umfang des Materials recht groß und man hat oft das Gefühl, den roten Faden zu verlieren, da ständig der Ort des Betrachtungsgegenstandes wechselt. Es wäre wohl besser gewesen, sich auf eine Nation zu konzentrieren, oder aber wenigstens auf den europäischen Kontinent.

2). Gezwungenermaßen muss Savage bei seiner "Kulturgeschichte der Jugend" auch immer wieder auf die politische Geschichte der Jahre zwischen 1875 und 1945 eingehen. Dabei agiert der Brite bisweilen sehr tendenziös, indem er eindeutig überholte, deutschfeindliche Interpretationen vornimmt:

So bezeichnet er etwa das 1871 gegründete Deutsche Reich als "aggressiven neuen Nationalstaat, der (...) einen vierzig Jahre währenden Rüstungswettlauf auslöste" (S. 32).

Auch behauptet er, der "Endsieg" sei ein "deutsches Ideal", welches sich bereits durch Frankreichs Niederschlagung im Dt.-Franz. Krieg von 1870/71 gezeigt habe (S. 33).

Zudem habe das Deutsche Reich (im Buch übrigens konsequent als "Deutschland" bezeichnet) sein "nationales Schicksal durch militärische Expansion" definiert (S. 37).

Den Ersten Weltkrieg betrachteten die Deutschen angeblich "als Gelegenheit, auf internationaler Bühne die Muskeln spielen zu lassen", nach dem Motto "Weltmacht oder Untergang". (S. 159)

Das alles kann man nicht ernsthaft behaupten, wenn man sich vor Augen ruft, wie Napoleons Truppen in ganz Europa und halb Russlands gewütet haben, wie britische Kolonialtruppen ganze Völker unterjocht und versklavt haben, alles zum Ruhme der "Grande Nation" und des "British Empires". Man muss dann schon so fair sein - was ja angeblich eine britische Eigenschaft ist - und die damalige Zeit und das Handeln der anderen Staaten berücksichtigen. Denn sonst schreibt man eben einseitig und tendenziös.
Herrn Savage - womöglich Opfer eines veralteten Geschichtsunterrichts - seien die Bücher seíner Landsmänner Christopher Clark ("Die Schlafwandler")Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog und Niall Ferguson ("Der falsche Krieg")Der falsche Krieg: Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert sehr empfohlen.

Angesichts dieser eklatanten Fehldeutungen stellt sich mir schon die Frage, wie objektiv der Autor an die eigentlichen Fragestellungen seines Themas herangegangen ist, wenn er schon bei Randthemen so tendenziös agiert.
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am 5. Mai 2014
die prähistorie der modernen jugendkulturen, die erst seit 1945 "teenager" hießen. (inzwischen dauert das entsprechende alter ja bis weit in 40er hinein.)
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