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Kundenrezensionen

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am 19. Januar 2003
Nein, ein historischer Roman ist dieses mittlerweile klassische Buch natürlich nicht. Das Leben des (echten) letzten Herren de Coucy in der zweiten Hälfte des bewegten 14.Jahrhunderts dient mehr als gliederndes Element und steht nicht im Mittelpunkt. Stattdessen wird die Zeit der großen spätmittelalterlichen Krisen - Krieg, Pest, Schisma - in einem fesselnden, eher journalistischen als wissenschaftlichen Stil dargestellt. Dabei arbeitet die Autorin auch ausführlich mit zeitgenössischen Quellen - und genau da liegt mitunter das Problem, denn mittelalterliche Texte bedürfen einer besonderen Methode der Interpretation: Hier aber werden manchmal offenkundig falsche Angaben unreflektiert als Tatsachen wiedergegeben. Beispielsweise sind manche Quellenpassagen in für die Zeit typischer Weise eher an (zumeist biblischen) Vorbildern als an den Fakten orientiert, doch Tuchman nimmt sie für bare Münze.
Den interessierten Laien wird diese kleine Einschränkung aber gewiß nicht stören, denn alles in allem wird hier Geschichte in bewundernswerter Weise für eine breite Leserschaft interessant gemacht. Wer das Buch am Ende zuschlägt, hat viel gelernt, ohne sich durch ein Fachbuch gekämpft zu haben - auch über den Menschen allgemein, denn so ist der Titel zu verstehen: Wir erkennen uns in den Zeitgenossen einer anderen Epoche wie in einem Spiegel wieder.
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am 15. Mai 2007
jedenfalls für den, der sich in diesen Schmöker vertiefen kann. Der Autorin gelingt es, die Zeit der Pestkatastrophen und des hundertjährigen Krieges so lebendig werden zu lassen, dass man für einige Stunden der Herrschaft der Gegenwart entfliehen kann. Dabei dient die Lebensgeschichte des Hauptprotagonisten Enguerrand de Coucy VII lediglich als geeigneter Aufhänger, um diese Epoche mit vielen Nuancen und Details - nicht nur das Leben des Adelsstandes und die hohe weltliche und kirchliche Politik - vorführen zu können. Dabei bedient die Autorin sich regelmäßig der Methode der Abschweifung. Da Tuchman eine profunde Kennerin der Materie ist und eher journalistisch denn akademisch schreibt sind es gerade diese "Nebensächlichkeiten", die ihr Werk so lesenswert machen. Gleichzeitig wird wissenschaftlicher Genauigkeitsanspruch erfüllt: der Text ist durchgängig mit Quellen belegt, wobei ich nicht beurteilen kann, ob die Sichtweise der Autorin den aktuellen Erkenntnisstand historischer Forschung wiedergibt - das Buch stammt aus dem Jahr 1978 - oder möglicherweise heute das eine oder andere Detail, die eine oder andere überlieferte Anekdote anders bewertet wird. Dies ist aber auch durchaus von untergeordneter Bedeutung für ein im besten Sinne populärwissenschaftliches Werk.
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am 28. März 2007
Ich muss zweien meiner Vor-Reszenten widersprechen:

1. Nein, das Buch ist nicht zu ausführlich!

2. Nein, es enthält keine Fehler der beanstandeten Art!

"Der ferne Spiegel" erzählt im wahrsten Sinne des Wortes die Geschichte des 100jährigen Krieges zwischen England und Frankreich und versucht, wie es Barbara Tuchmanns Stärke war, das Geschehen aus seiner Zeit heraus verständlich zu machen. Das bedingt meiner Meinung nach, dass man als Autor gelegentlich weit ausholt oder sich mit Details befasst - unangemessene Ausführlichkeit kann ich hier nicht sehen. Den Vorwurf, es wird mit kritiklos aus Quellen übernommenen, übertriebenen Zahlenangaben gearbeitet, kann ich nicht nachvollziehen. In ihrem Vorwort geht Tuchmann ausführlich auf diese Schwäche zeitgenössischer Quellen ein.

Nein - wer, wie ich vor der Lektüre, das "finstere" Mittelalter als eine durchaus vernachlässigenswerte Eproch der Geschichtschreibung betrachtet, wird durch B. Tuchmann durchaus vom Gegenteil überzeugt. Ein Meisterwerk angelsächsischer Geschichtsschreibung, kurzweilig trotz seiner "Länge". Wer den hundertjährigen Krieg und die, daraus resultierende, englisch-französische Feindschaft verstehen will, ist mit diesem Buch ausgezeichnet bedient!
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am 26. Oktober 2003
Da Werk der ferne Speiegel der bekannten Historikerin Barbara Tuchman stellt wohl neben August 1914 einen der Höhepunkte ihres historigrahischen Werkes dar.
Anhand der Lebensgeschichte eines französichen Adeligen wird im wesentlichen die Geschichte des "dunklen Zeitalters" des 13 Jahrhunderts dargestellt. Dieses reicht vom 100 jährigen Krieg zwische England und Frankreich über die Geschichte des schwarzen todes der Pest, den Anfängen der Frührenessance in Italien und eines der letzten Kreuzüge.
Das besondere an dem Werk ist, das man sich direkt in die Zeit hinein versetzt fühlt. Ursache hierfür ist im wesentlichen der Sprachstil der Tuchman, die das Werk unglaublich lesbar machen!
Anzumerken ist noch wegen der vorhergehenden Rezensionen, dass hier ein historisches Sachbuch vorliegt! Eines der besten seiner Art jedoch!
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am 26. März 2013
Nachdem das Werk von Tuchman 1978 in englischer und 1980 in deutscher Sprache erschien, dominierte es in den kommenden Jahren die ohnehin spärlich ausgestatteten populären Mittelalterabteilungen der großen Buchläden. Auf dieser Basis hat es mittlerweile die 11. Auflage erreicht - ein Erfolg, der Respekt abverlangt und zugleich die Frage nach dem "warum" aufwirft.
Zur Rezeptur des Verkaufserfolgs gehörte sicherlich ein furioser Sprachstil, der in deutlichem Gegensatz zur damaligen deutschsprachigen Studienliteratur (Beumann, Boshof und Co.) stand. Zudem beweist die Autorin stupende Kenntnisse einer transnationalen europäischen Geschichte. Schließlich mag ihr Gegenstand anziehender wirken, als die vermeintlich geordnete Welt der "deutschen" Ottonen und Salier: Tuchman lässt den Leser tief in die dynamische Epoche des Hundertjährigen Krieges mit seinen Schlachten, Intrigen, Krisen und Aufständen eintauchen. Sie scheut sich nicht, aus Ihren Quellen pikante Details ins helle Licht der modernen Leseöffentlichkeit zu rücken. Das Mittelalter erstrahlt damit in mindestens ebenso leuchtenden Farben wie das bunte Umschlagsmotiv.
Vor dem Hintergrund eines aktuellen Forschungsstandes besitzt das Werk indes allenfalls noch historischen Wert. Vieles ist mittlerweile revidiert, modifiziert und präzisiert worden. Wo Tuchman in ihrer eigenen Zeit begrifflich und inhaltlich nicht immer ganz sattelfest wirkte, ist die Forschung längst über ihre Ergebnisse hinweggeschritten. Dem heutigen Leser muss zudem der übermäßig zeitverhaftete, ja ideologische Duktus der Autorin auffallen. Sie schreibt eine Geschichte des Klassenkampfes, den sie im 14. Jh. einen Höhepunkt erleben lässt. Die herrschenden Eliten der Epoche handeln meist planlos, aber stets grausam, geldgierig und von einem grundlegenden Unterdrückungswillen durchdrungen. Das geknechtete Volk steht ein ums andere Mal vergebens gegen die Willkürherrschaft auf. Das späte Mittelalter wird zudem als einzige Krisenzeit geschildert: Kaskadenartig reihen sich Krisen und Katasrophen aneinander, kaum quellenkritisch werden Details von Grausamkeit, Mordlust und Massensterben vor dem Leser ausgebreitet. Die Autorin nimmt dabei den Impetus des Aufklärers an, die aus vermeintlich moderner Überlegenheit abschätzig auf die Zeiten der Vergangenheit blickt und ihre Leser klassenkämpferisch zur Überwindung der letzten "feudalen" Relikte unserer Gegenwart aufruft. Auch über diese Perspektive ist die Zeit hinweggeschritten.

Fazit: Es lohnt sich nach wie vor, Tuchman zu lesen. Allerdings nur als Phänomen der Rezeptionsgeschichte. Ein aktuelles Mittelalterbild ist eben nur von aktuellen Werken zu erwarten.
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am 26. Dezember 1999
„Barbara Tuchmans umfassende Schilderung dieses dramatischen Jahrhunderts rankt sich um die Lebensgeschichte eines französischen Adligen Enguerrand de Coucy VII., Ratgeber des französischen Königs, Heerführer, Mittelsmann und zeitweiliger Auftraggeber des Chronisten Jean Froissanrt. In ihrem Buch wird das Lebensbild Enguerrands zu einem lebensnahen Bild dieses Jahrhunderts europäischer Geschichte, das in jenem fernen Spiegel aufschlußreiche Parallelen zu unserer Zeit sichtbar macht." (Klappentext)
Wer hier einen Roman über einen franz. Adligen erwartet, wird eher enttäuscht sein. Vielmehr erzählt das Buch in chronologischer Reihenfolge die europäische Geschichte des 14. Jahrhunderts. Tuchman beschreibt Ablauf und Auswirkung der Pest, des 100-jährige Krieges zwischen Frankreich und England, des Schisma der katholischen Kirche, des Streites der italienischen Handelsstädte und weiterer bekehrender Kreuzzüge. Diese geschichtlichen Ereignisse werden vornehmlich aus der Sicht der Franzosen beschrieben, die sich damals als den Mittelpunkt der ritterlichen Weltanschauung sahen. Eine interessante Rolle indes spielt Herr de Coucy, der so seinen Platz in diesem Buch findet.
Das Buch ist die lebhafte Erzählung der Chronik des 14. Jahrhunderts. Mit seinen 527 Seiten (leider unangenehmer Kleindruck) weist das Buch seine Längen auf, da, so möchte man meinen, jedes kleinste Detail aufgezählt werden muß; das gilt besonders für die Fülle an Personen. Es wäre dem Leser eine ungemeine Erleichterung, wenn der Herausgeber im Anhang eine Ahnentafel anfügen könnte. Der Leser kann sich schnell in den komplexen Beziehungen der damaligen Adelswelt verlieren. Schön sind dagegen die Landkarten Europas, die es einem ermöglichen die Ereignisse geographisch einzuordnen. Abschließend darf man von einem fesselnden Buch der „historischen Gattung" sprechen.
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TOP 50 REZENSENTam 13. Februar 2013
Merkwürdige Verbindungen zum heute, dieses Buch lässt sich vergleichend lesen. Bauern werden so umschrieben: Mein Gott, was soll aus mir werden? Ich habe nie auch nur einen Ruhetag. Erholung und und Ruhe werden mir auf ewig fremd bleiben. Die Kinder der Bauern hungern und strecken ihm die bittenden Hände entgegen, während sein Weib ihn als schlechten Ernährer beschimpft. Alle anderen, über ihm stehenden Klassen schauten verächtlich auf den Bauern herab. Die Balladen der damaligen Zeit beschrieben ihn als aggressiv, unverschämt, gierig, mürrisch, misstrauisch, hässlich, dumm, und immer unzufrieden. So wird die Anekdote überliefert, dass die Seele eines Bauern selbst im Himmel keinen Platz fand, weil die Engel sie wegen ihres Gestanks nicht begleiten mochten. Also alle, die für die Ernährung der anderen zuständig waren, wurden als Wesen mit unedlen Instinkten verschmäht. Die Überlieferung berichtet von Bauern, die gekreuzigt, geröstet, hinter Pferden hergeschleift wurden.

Im Jahr 1358 erreichte die Bauernerpressung in Frankreich einen Höhepunkt. Saatgut, Wagen, Werkzeuge und Pflüge wurden gestohlen, zu Waffen umgearbeitet, trotzdem musste der Bauer weiterhin schuften und nach oben hin fast alles abgeben. Einfache Menschen stöhnten und wunderten sich, wie ihre Leistungen in Luxus und Blendwerk umgesetzt wurden. Ehrenwerte Ritter wechselten einfach die Seite und waren morgen Raubritter, also im Grunde dasselbe. Kein Revolutionsplan, sondern der reine Hass entzündete den Bauernaufstand am 28. Mai 1358. Nach der Vesper im Dorf St. Leu nahe Senlins hielten die Bauern eine Protestversammlung ab. Mit einfachstem Werkzeug wurde das nächste Herrenhaus, daraufhin die Burg gestürmt. Sie kamen mit Sicheln, Heugabeln, Hackmessern und allem, woraus man eine Waffe bauen konnte. Tausende, nach und nach Hundertausende wüteten, und am Ende waren im Tal der Oise, der Ile de France, in Teilen der Picardie und der Champagne mehr als hundert Burgen zerstört. Der Adel floh in die Städte und überließ den Bauern das Feld. Ein Hin- und Her abscheulicher Massakrierungen entwickelte sich, wenig Menschliches blieb, der Adel behielt die Oberhand - Strategie: verwüstete Landstriche. Nichts war gewonnen, nichts hatte sich verändert, viele waren gestorben. Die Gier nach Rache der Besitzenden ließ sie auf leeren Fluren zurück.

Heute strecken Ehefrau und Kinder keine hungrigen Finger mehr entgegen, sondern die gierigen Hände der Konsumwahnsinnigen. Alle arbeiten dafür, um das schnell einkaufen zu können, was noch schneller auf dem Müll landen sollte, um weiter einkaufen zu können. Der Hunger nach diesem Durchsatz ist so groß, dass alle anderen Hunger dagegen verblassen. Dabei wird die Geld- und Konsumgier derart angeheizt, dass es schwer fällt, die eigentlichen Profiteure so wie damals die Ritter auf ihren Burgen auszuhungern oder sie zu vertreiben. Siehe: Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden.
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am 7. Januar 2009
Eines der besten Bücher, die ich je las. Barbara Tuchman zeichnet, verknüpft mit einer Adeligen-Biographie, ein erhellendes Bild der Zeit und über die eingestreuten Zeitzeugen und -dokumentzitate der in dieser Periode lebenden Menschen. Das dabei das Leben der "einfachen Menschen" etwas zu kurz zu kommen scheint, dürfte sich so erklären, dass bereits im 14 Jahrhundert mehr die Megatrends und Hofnachrichten berichtenswert schienen, was zur heutigen Zeit wohl kaum einen Unterschied macht.
Das Buch informiert, ohne zu verklären oder bestimmte Botschaften verkaufen zu wollen.
Prof. Jörg Mildenberger
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am 3. Dezember 2004
Das beste mir bekannte Buch über das Mitelalter. Mitreißend und spannend geschrieben. Vermittelt einen hautnahen Eindruck dieser geschichtlichen Epoche, dabei niemals langweilig oder anstrengend zu lesen.
Unbedingte Kaufempfehlung.
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am 27. November 2012
Barbara Tuchmann zeigt am Beispiel eines französischen Adeligen, des Sieur de Enguerrand de Coucy die Verflechtungen der englischen und der französischen Geschichte. Ausgehend von der Verlegung des Sitzes der Päpste nach Avignon werden auch das große Schisma, die Kämpfe zwischen den beiden verfeindeten Päpsten beschieben. Damit greift das Buch auch auf die Kämpfe in Nord- und Süditalien zu. Deutschland wird nur am Rande behandelt.

Das Buch trägt viel zum Verständnis des Spätmittelalters bei, einer Zeit, in dem das Rittertum schon im Niedergang begriffen war.
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