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TOP 100 REZENSENTam 14. April 2016
In meiner Kindheit war es ein Traumjob, in einer Bank zu arbeiten. Es wurde auch gut bezahlt. Inzwischen sind Bankangestellte eine aussterbende Spezies und zugegeben - sie haben es nicht leicht.
Wenn man überhaupt noch eine Bank betritt, merkt man sofort, wo der Hase läuft. Man wird ins Hinterstübchen gebeten, wo ein gestylter Mensch einem einredet, was er verkaufen soll. Was der Kunde will, wen interessiert das schon...
Geld als Selbstzweck. Geld als Krise. Geld als Gefahr. Geld als Bereicherungschance für die Reichen. Tanz ums Geld. Helikopter-Geld. Geld als Karotte vor der Nase, die dann doch auf einer Off-Shore-Insel landet. Was soll der ganze entfesselte Wahnsinn?
Es ist höchste Zeit für Spielregeln, denn in Wirklichkeit gibt es noch keine.
Felbers Spielregeln gefallen mir am besten.

Die wichtigste (und das denke ich mir schon seit Jahren!): Da das Geld sowieso von den Zentralbanken kommt, sollten die es uns direkt zur Verfügung stellen und die Verwendung überprüfen. Dann könnten wir uns den ganzen Bereicherungswahnsinn dazwischen sparen.
Dr Rüdiger Opelt,
Autor (Tantalus Welt. Die Überwindung nationaler Traumata)
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am 18. Dezember 2015
Auch lang Studierte, ja erwiesenermaßen sogar Fachleute verstehen die Funktionsmechanismen der Finanzwelt nicht wirklich! Wir Normalsterblichen denken, das sei halt so... - "alternativlos"...
Christian Felber sagt uns, dass die Finanzwirtschaft nicht vom Himmel gefallen (oder von der Hölle aufgestiegen!) ist, sondern - oft aus gemeinwohlorientierten Genossenschaften entstanden - eine unkontrollierbare Machtposition im Staat entfaltet habt und wie ein Krebsgeschwür auch auf globaler Ebene Verheerungen anrichtet, weil Politik + Gesellschaft es zuließen! Tatsächlich ist nicht ein Wirtschaftskapitän/Banker daran Schuld, dass er gute Geschäfte macht. POLITIK + GESELLSCHAFT müssen die dafür nötigen sozialverträglichen (nicht: "SPIEL-"!!!) Regeln erstellen! Felber zeigt, wie die wechselvolle Geschichte des Finanz- und Geldwesens zu seiner aktuell wieder brisanten Gefährlichkeit für Gemeinwohl und Demokratie geführt hat. Sie wird uns auch in Zukunft regelmäßig unbeherrschbare Katastrophen bescheren, dafür sich selbst belohnen, wie auch Soziopathen und Reiche für Rücksichts-, Maßlosigkeit und Kurzsichtigkeit. - Bürgerliche Redlichkeit, Demokratie und Verantwortungsbewusstsein hingegen werden wirkungsvoll ausgehebelt - zum Schaden für ALLE - auch "die Reichen"!
In diesem Buch wird unaufgeregt und sachlich - oft mit Beispielen illustriert - erklärt, wie Geld- und Finanzwesen wieder auf gesunde Beine gestellt und Gemeinwohl und demokratische Kontrolle zurück geholt werden können - und warum das rasch geschehen sollte...
Das Buch ist trotz der schwierigen Materie überraschend verständlich geschrieben, der Inhalt übersichtlich gegliedert - so können die jeweils relevanten Kapitel leicht aufgesucht werden. Auch ganz konkrete Schritte zu einem nachhaltigen Bankenwesen werden aufgezeigt...
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am 5. Mai 2014
Ich schreibe sonst keine Bewertungen.... dringende Empfehlung für diese Buch, es macht so was von Freude wie konkret und gut erklärt die aktuellen Zusammenhänge und Mängel des Finanzsystems beschrieben sind! Und noch mehr Freude machen hier seine konkreten Ideen und Vorschläge für Verbesserung!

Ich habe nun wieder die Hoffnung, das es zu einer sanften Veränderung unseres Finanzsystems kommen könnte, die Argumente und Ideen in diesem Buch sind einfach zu plausibel und schwerwiegend, wenige werden sich dem entziehen können.
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am 18. April 2014
die Materie des globalen Finanzsystems so erklärt, daß ich jetzt wenigstens ansatzweise verstehe. Nicht leicht zu lesen, aber das liegt an der Komplexität des Stoffes, der Autor hat sein bestes gegeben. Die Lösungsvorschläge lassen mich hoffen, wie schon die Ideeen zur Gemeinwohlökonomie zuvor! Danke, Christian Felber für dieses Buch.
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am 11. August 2014
Vorweg - Der Rezensent hegt große Sympathien für Christian Felber und seine Idee der Gemeinwohlökonomie. Sein so betiteltes Buch, dass seinerzeit auf dem Höhepunkt der Finanzkrise erschien, war in der Tat sehr inspirierend. Felber erwies sich als Vordenker im besten Sinne, als jemand der sich beherzt auf den Weg macht, konkrete Alternativen zum bisherigen zu entwerfen – auch auf die Gefahr hin, dass vieles dabei sich als längst nicht gründlich genug durchdacht erweisen würde. Er traf dabei auch den richtigen Tonfall – er griff niemanden an, sondern begeisterte. Er war nicht Oberlehrer, sondern lud zum Mitdenken ein. Dies bescherte ihm Zugang weit über die Szene der Globalisierungskritiker hinaus – in FAZ und NZZ, bei Unternehmern, Politikern und Finanzmarktakteuren.

Mit seinem jüngsten Buch widmet sich der Autor nun der nicht geringen Aufgabe, die Vision einer Gemeinwohlökonomie konkret theoretisch zu untermauern. Dabei wäre es sicher nicht von schaden gewesen, wenn er die von ihm ausgearbeiteten Positionen zunächst umfänglicher kritisch diskutiert hätte. Das Buch wirkt – vergleicht man es mit den Publikationen derzeit bejubelter Crash-Propheten – immer noch recht seriös, ist interessant zu lesen und enthält viel Sinnvolles. Es gibt jedoch kaum ein Thema, bei dem sich nicht auch erhebliche Fragen und Zweifel auftun.

Geldschöpfung

Die Giralgeldschöpfung der Banken wird vom Autor als geradezu rechtswidrig gebrandmarkt. Dabei teilt er den Denkfehler der Monetative-Bewegung: Sie ist eben keine Guthabens- oder Vermögenschöpfung. Weder bekommen Banken Geld geschenkt, noch verschenken sie Geld. Was sie an Krediten vergeben, muss auch wieder zurückgezahlt werden. Genau deshalb kommt es bei umfangreichen Kreditausfällen auch zu Bankenkrisen. In einem Vollgeldsystem, wie es ihm vorschwebt, würden die Zentralbanken das nötige Geld ausgeben. Das System würde zentralistischer und könnte weniger präzise an den tatsächlichen Liquiditätsbedarf adaptieren, bliebe aber nichts desto trotz von A-Z kreditbasiert. Geschäftsbanken könnten genauso ins Straucheln geraten, wie jetzt auch, denn sie müssen ja an die Notenbanken verzinst zurückzahlen. Kreditausfälle schlagen zu Buche – ob das Geld nun vor der Vergabe vorlag oder nicht. Von Bedeutung für die Stabilität einer Bank ist vielmehr die Eigenkapital-, insbesondere die Kernkapitalquote, d.h. der Anteil, der nicht durch ev. Fehlinvestitionen oder Kreditausfälle angreifbar ist. Mit Basel III gab es hier Veränderungen. Ob umfänglich genug steht freilich auf einem anderen Blatt.

Weltwährung und feste Wechselkurse

Ein System freier Wechselkurse hat den Vorteil, dass es ein hohes Maß an Flexibilität mit sich bringt, Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen austariert, den einzelnen Staaten viel Spielraum hinsichtlich einer autonomen Geldpolitik lässt. Es birgt jedoch auch Nachteile, bspw. Votalität der Kosten im Außenhandel, was wiederum den Derivatehandel ankurbelt. Ebenso ermöglicht es spekulative Angriffe auf Währungen. Der Dollar als Leitwährung verführt die USA dazu, dauerhaft horrende Handelsbilanzdefizite zu verursachen und sich hemmungslos zu verschulden. In Anlehnung an J.M. Keynes oder auch einen jüngsten unter Leitung von J. Stiglitz erarbeiteten, durch die UN beauftragten Plan zur Umgestaltung des globalen Finanzsystems schlägt Felber deshalb vor, als Alternative zum Dollar eine neue Weltreservewährung („Terra“) zu kreieren, sowie ein System fester Wechselkurse zu installieren, die entweder auf Basis der Handelsbilanzen oder Kaufkraftparitäten (seine Präferenz) regelmäßig angepasst werden. Dies wäre für die USA freilich verhängnisvoll und da es ohne deren Zustimmung nicht geht, ist die Umsetzung einer solchen Idee in absehbarer Zeit illusorisch.

Staatsanleihen

Felber ist nicht gegen Staatsverschuldung, doch sollte diese zinsfrei und bis zu demokratisch ermittelten und gesetzlich fixierten Obergrenzen allein von der Zentralbank finanziert werden. I.d.T. - wenn Unternehmen expandieren tun sie dies i.d.R. mithilfe von Krediten (in erweitertem Sinne). Aus ökonomischer Sicht macht das Sinn, ist dies profitabel, solange damit zukünftige Gewinne generiert werden, die laufende Kreditforderungen inkl. Zinsen übersteigen. Beides kann so – in vernünftigen Relationen - eine permanente Einheit bilden – ein wachsendes Kreditvolumen einerseits und wachsende Profite andererseits. Für Staaten gilt dies analog – ihr expandierendes Unternehmen ist die gesamte Volkswirtschaft, ihr Gewinn die Steuereinnahmen. Natürlich werden Unternehmen wie Staaten darauf achten, dass Zinsen nicht exponentiell ansteigen und sich ggf. rechtzeitig refinanzieren. Die staatliche Zinslastquote bewegt sich in D, US und Japan seit Jahren um die 3%, im Vgl. zum Stand 2000 ist sie in allen drei Staaten sogar leicht gesunken. Die These, dass Zinsen einen Wachstumszwang verursachen würden, ergibt mithin keinen Sinn. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wachstum ist kreditbasiert und Zinsen beteiligen den Kreditgeber daran.

Handelsbilanzen

Der Autor dringt auf ausgeglichene Handelsbilanzen. Das entspricht dem Vorwurf der europäischen Partner gegenüber Deutschland, das mit seinem Exportüberschuss auf Kosten anderer Länder leben würde. Schuld sei u.a. die aggressive Lohnpolitik. Die Deutschen sollten ihre Löhne aufstocken, was den Inlandskonsum ankurbeln und den Export verteuern würde. Das Argument der Bundesregierung, dass man sich im internationalen Wettbewerb nicht an europäischen Nachzüglern orientieren könne, ist an dieser Stelle allerdings nachvollziehbar. Dass – wie der Autor schreibt - ein dauerhafter Handelsbilanzüberschuss eines Landes gegenüber einem anderen Land dieses notwendigerweise in die Insolvenz treibt, ist zudem natürlich Unsinn. Viele Entwicklungsländer exportieren mehr in die reichen Industrienationen als umgekehrt.

Regionalisierung

Felber schlägt vor, dass Finanzierung von Unternehmen in erster Linie über regionale Banken erfolgen soll, die Kreditnehmer genau kennen. Auch die Versorgung solle in erster Linie durch ortsansässige Unternehmen erfolgen. Hier wird wie generell im Buch jedoch deutlich, dass der Autor Belange von Entwicklungs- und Schwellenländern ein wenig unterbelichtet lässt. Natürlich sind auch deren Probleme oft sehr viel effektiver vor Ort lösbar – Stärkung der kleinen einheimischen Farmer als Prophylaxe gegen Hungersnöte. Aber das muss nicht zu Lasten von Großbetrieben, des Außenhandels, ausländischer Investitionen usw. gehen, die eben auch – so in vernünftige Bahnen gelenkt - ganz erhebliche Beiträge zur Entwicklung eines Landes leisten können.

Die generelle Skepsis gegenüber dem Freihandel, die sich erwartungsgemäß auch in der Ablehnung von TTIP äußert, wirkt überzogen. Es trifft zu, dass eine zu rigorose Liberalisierung und Privatisierung viel zerstören kann. Es gibt Aufgaben, die in öffentlicher Hand besser aufgehoben sind. Die ideologische Verfestigung des Washington-Consensus, die viel zu lange die Politik von Weltbank und IWF bestimmte, hat zweifellos viel Schaden angerichtet. Der Druck zu bedingungsloser Öffnung der Wirtschaft für die ausländische Konkurrenz hat die kleinen Pflänzchen einheimischer Ökonomisierung in Entwicklungsländern nicht selten gnadenlos ersticken lassen. Doch auch hier gilt es eben, mit Augenmaß und unter Berücksichtigung der jeweils spezifischen Bedingungen vorzugehen (bspw. anfänglicher Schutz einheimischer Unternehmungen durch Einfuhrzölle bis diese stabil und konkurrenzfähig sind).

Derivate

So unglaublich es klingen mag: auch der Derivatehandel ist im Kern sinnhaltig und lässt sich nicht auf den Kasinobetrieb, in den er unbestritten an vielen Stellen ausartet, reduzieren. CDSs oder Long/Short-Kombinationen der Hedgefonds, Termingeschäfte können gute Absicherungen darstellen. Kreditausfälle und Kurseinbrüche könnten ohne diese Instrumente weniger gut abgepuffert werden. Als bspw. 2001/2002 eine Reihe von Mega-Pleiten (u.a. Firmenpleiten Enron, Swissair; Staatsbankrott Argentinien) das Finanzsystem bedrohte, wurden Verluste durch CDS kompensiert.- Das regelmäßig in Bausch und Boden verdammte Private Equity kann Unternehmen i.d.T. ausweiden und zerstören. Es kann diese aber auch retten. - CDOs können Risiken auf mehrere Schultern verteilen und so Investitionsbereitschaften erhöhen usw. Auf diese Art und Weise fließt bspw. Kapital in relativ unsichere Unternehmungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, um die es sonst einen Bogen machen würde.

Einschränkungen gibt es mittlerweile bereits im Bereich der Leerverkäufe und ungedeckter CDS. Das Augenmerk der Aufsichtsbehörden im Bereich der Derivate gilt insbesondere der Frage, ob eine Verbindung zu einem konkreten Risiko besteht, sodass die Transaktion als Besicherung Sinn ergibt, also mehr als reine Zockerei ist. Generell behält man sich Eingriffsmöglichkeiten bei kritischen Entwicklungen auf dem Finanzmarkt vor (siehe z.B. vorübergehendes vollständiges Verbot ungedeckter Leerverkäufe). Im Detail sind die Regelungen die getroffen wurden, kompliziert und uneinheitlich. Es stimmt jedoch nicht, dass Probleme überhaupt nicht erkannt worden wären und man einfach so weiter macht, wie bisher.

Felber vertritt die Ansicht, dass es für alle Derivate, die einen positiven ökonomischen Effekt haben, auch Alternativen gäbe. Statt CDS zu handeln, könnte man bspw. ganz normale Versicherungen einrichten. Das mag so sein und ist an vielen Stellen sicherlich eine Überlegung wert. Doch ob der zu erwartende Nutzen so große Einschnitte und Umwälzungen rechtfertigen würde? Wie hoch würden bspw. Versicherungsprämien für riskantere Unternehmungen - bspw. in politisch instabilen Drittwelt-Staaten - oder für Anleihen, die Staaten gerade dann tätigen, wenn sie sie am dringendsten benötigen, ausfallen?

Aktien, Anlagen, Renditen- und Verzinsungswettstreit

Wenn es keinen Renditen- und Verzinsungswettstreit mehr gibt, bliebe als Kriterium für Anleger nur die Frage, wie sinnvoll, ethisch und ökologisch nachhaltig eine Investition ist, meint der Autor. Doch wer jetzt bewusst keine ethischen Kriterien berücksichtigt, würde dann wohl eher gar nichts mehr in fremde Projekte investieren. Es ist aber auch ethisch-moralisch nicht wirklich nachvollziehbar, warum Eigentümer eines Unternehmens nicht fair und maßvoll am Gewinn beteiligt werden sollten, zumal sie von Verlusten oder gar einem Scheitern ja auch – eventuell sogar existenziell – betroffen sind. Oder warum sie Aktien und Wertpapiere – ihr ureigenster Besitz - nicht an Dritte verkaufen können sollten.

Man kann Zinsen verbieten, im islamischen Raum ist das ja z.T. Realität. Doch muss man dann eben anderweitig Gebühren erheben oder aber genug ehrenamtliche Bankmitarbeiter finden. Die vom Autor geforderten intensiveren Erhebungen vor Ausgabe von Krediten, die Doppelung des Verfahrens (jede Kreditvergabe setzt Kreditantrag der Geschäftsbank bei der Zentralbank voraus) würde den Bankensektor möglicherweise sogar noch aufblähen. Auch das heutige Investmentbanking ist ja kein reiner Zockerbetrieb. Einige Bereiche würden gem. Felberts Konzept wegfallen – etwa der Hochfrequenz-Handel – andere würden transformiert oder auch intensiviert werden.

Feste Preise für Nahrungsmittel und Rohstoffe

Der Autor plädiert für gesetzliche festgelegte Preise für Nahrungsmittel und Rohstoffe. Auch dies hört sich zunächst gut an. Doch wie sollte man bspw. gegen Anbieter vorgehen, die Ware billiger auf den Markt bringen? Wie würde es sich auf die Existenzbedingungen von Farmern auswirken, wenn sie schlechte Ernten genauso billig verkaufen müssten, wie gute, reichhaltige?
Warum sollten ärmere Länder nicht mehr am Export bestimmter Rohstoffe verdienen, wenn diese bspw. aufgrund des Bedarfs, der durch neue Technologien entsteht, in Industrieländern stärker nachgefragt werden? Und spornen proportional zur Verknappung ansteigende Ressourcen-Preise nicht dazu an, über Alternativen nachzudenken? Es würde den CO2-Ausstoß sicher nicht gerade verringern und die Forschung am Elektro-Auto nicht beflügeln, wenn der Erdölpreis noch immer bei 20 USD pro Barrel liegen würde.

Natürlich ist es in einer Welt, in der eine Mrd. Menschen an Unterernährung leiden nicht hinnehmbar, wenn Wetten auf steigende Nahrungsmittelpreise abgeschlossen werden. Spekulation in diesem Bereich muss unterbunden werden. Mit der Festschreibung von Positionslimits bei Lebensmittel- und anderen Warenderivaten ist man hier bereits auf dem richtigen Weg. Doch die Problematik ist zu brisant, als dass man ihr nicht noch weit mehr Augenmerk widmen sollte.

Einkommensdeckelung und Vermögensbesteuerung

Felber möchte den gesellschaftlichen Einkommensspread reduzieren, nicht nur den der Managergehälter gegenüber Belegschaftsverdienst, sondern auch zwischen unteren und oberen Einkommensklassen generell. Kapitaleinkommen soll dabei genauso besteuert werden wie Einkommen aus Arbeit. Zusätzlich soll aber auch Vermögen besteuert werden (was steuertechnisch natürlich keinen Sinn ergibt) und zwar nicht zu knapp: ab 750.000 Euro mit 0,5%, dann progressiv ansteigend auf 100% bei „zehn, zwanzig, dreißig oder hundert Millionen Euro“. Doch wer würde überhaupt ein Vermögen aufbauen, das dann zunächst bis zu einem bestimmten Betrag ganz eingezogen, dann bis zur jeweils nächst niedrigeren Stufe um 80, 70, 60% gekürzt, halbiert, gedrittelt und geviertelt wird (oder wie immer der Autor sich das in der konkreten Umsetzung vorstellt)? Kapitalakkumulation – eine Grundvoraussetzung für die Finanzierung größerer Unternehmungen – wäre so jedenfalls nicht möglich.

Einen weitaus bodenständigeren Vorschlag macht hier Thomas Piketty („Capital in the Twenty-first Century“): Vermögen unter 200.000 Euro bleiben steuerfrei, bei 500.000 - eine Million Euro wird ein Prozent erhoben, darüber zwei Prozent. Eine zu hohe Vermögensumverteilung käme einem ökonomischen Selbstmord gleich, mahnt der linke Star-Ökonom sicher nicht zu Unrecht.

Renten

Sarkastisch ergeht sich Christian Felber über die vermeintliche Idiotie bzw. Bauernfängerei hinter der Werbung für Eigenvorsorge bei der Rente. Was in Eigenverantwortung in eine Kapitalrente investiert würde, könne genauso gut zusätzlich ins Umlageverfahren eingezahlt werden. Dabei spare man zu dem die Verluste, die sich ergeben, weil die Finanzbranche, deren übermächtigen Einfluss er wiederum hinter all dem wittert, ja nicht zu knapp dabei verdienen will. Es werde zudem demografischer Alarmismus betrieben, wenn es heißt, dass immer weniger Berufstätige für immer mehr Rentner aufkommen müssten. Denn mit der Zahl der Nachwachsenden verringere sich ja auch die der Erwerbslosen sowie der Kinder, deren Unterstützung, Schul- und Ausbildung ja auch zu Buche schlägt. Was ist von dieser Argumentation zu halten?

Zunächst: Die Kosten, die wir im Alter verursachen, überragen die der Kinderzeit ganz erheblich. Einen enormen Posten bildet die med. Versorgung. Bei 60-jährigen fallen im Schnitt 2,5 mal höhere Behandlungskosten an als bei 15-jährigen. Bei 80-jährigen haben sich die Ausgaben dann noch einmal verdoppelt. Für Renten wird schon heute das 2,5fache dessen ausgegeben, was in Bildung, Forschung und Wissenschaft (Schul- und Berufsbildung ist hier nur ein Unterposten) investiert wird. Der Anteil der U20 liegt heute bei nur etwa 18%. Bis 2050 wird er sich – bei optimistischem Szenario - um etwa ein Sechstel verringern. Der Anteil der 20-60-jährigen ein wenig mehr. Der Anteil der Ü60 wird hingegen um satte 50% steigen auf knapp 40% der Bevölkerung.

Bei der Rente im Umlageverfahren wird Geld von jüngerer zur älteren Generation umgeleitet. Durch private Vorsorge wird über den Kapitalmarkt über Jahre hinweg Wirtschaftswachstum finanziert, woran der Rentner dann partizipiert. Lässt man einmal Anpassungen an Inflation und Lohnerhöhungen außer Acht hat man es bei einer mit 5% verzinsten Anlage von 500,-Euro monatl. über 45 Jahre fast zum Millionär gebracht. Wird direkt umgelegt fließen hingegen nur 270.000,-Euro in den Rententopf.

Fazit

Wirklich überzeugend sind die Vorschläge des Autors also an vielen Stellen nicht. An anderen wären zunächst umfangreiche Analysen und Untersuchungen nötig, um die Effekte abschätzen zu können. Grundsätzlich gilt es immer zu bedenken: das Wünschenswerte ist das eine und das Machbare das andere. Wenn Menschen in solcher Breite zu sinnorientiertem und selbstlosem Handeln zu bewegen wären, wie es ihm vorschwebt, hätten auch sozialistische Ansätze funktionieren sollen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass all die Hasardeure, Spieler und Goldsucher, die im jetzigen System zumindest einigermaßen integriert und kontrolliert sind, in einem wie im Buch strukturierten Gemeinwohl-Utopia einen riesigen Schatten-Kapitalmarkt und eine gigantische Parallel-Ökonomie bilden würden.

An vielen Stellen würden Felbers Vorschläge zudem an den Grundfesten einer liberalen Gesellschaftsordnung rütteln, Eigentumsrechte und ökonomische Gestaltungsspielräume über Gebühr einschränken. Ob dafür außerhalb von Europa demokratische Mehrheiten zu gewinnen wären, ist ohnehin fraglich. Grundsätzlich kann man leider das eine nicht ohne das andere haben: keine freie, offene Gesellschaft ohne das Risiko, dass Freiheiten bis zu einem gewissen Grad missbraucht werden.

Statt auf zu rigide Gesetzgebungen sollte man besser auf einen allmählichen kulturellen Wandel setzen. Auch für einen solchen, sanfteren Weg enthält Felbers Buch allerdings durchaus gute Anregungen. Das Gute an der Marktwirtschaft ist, dass eine kritische Konsumentenmasse bereits viel bewirken kann. Käuferboykotte bewegten Nike dazu, den Zuständen in seinen Zulieferbetrieben ein weit größeres Augenmerk zu widmen. Ein Atomkonzern wie Areva produziert mittlerweile auch Windkraftanlagen. Coca-Cola wirbt damit, Flusswasser in Ghana und Liberia zu säubern. Die Discounter haben längst auch Fairtrade-Produkte im Sortiment. Hätte man dgl. politisch erwirken, mit Gesetzen erzwingen können?

Der Münchner Soziologe Ulrich Beck sagte bereits vor Jahren, es müsse darum gehen, "den schlafenden Riesen" - den bewussten Verbraucher - zu wecken. Colin Crouch ("Postdemokratie") meint, dass dem Entscheid am Warenregal oder im Anlegerberatungsgespräch längst größere Bedeutung zukommt, wie dem an der Wahlurne: "Der Konsument“, so der renommierte britische Politologe, „hat über den Staatsbürger gesiegt."

Überall wo der Einzelne mit dem System in Berührung kommt, hat er die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen: Wo und wie legt meine Lebens- oder Rentenzusatzversicherung an? Welche Unternehmen unterstütze ich mit meinem Aktien- oder Wertpapierkauf? Bei welcher Bank eröffne ich ein Konto? Welche Politik befördere ich mit meinem Kauf von Staatsanleihen? - Um hier vernünftig und wie selbstverständlich Entscheidungen treffen zu können, bedarf es der Offenheit in Bezug auf die geschäftlichen Engagements eines Unternehmens. Auch dies gilt es als Kriterium in den Wettbewerb zu implementieren und Christian Felbers Idee der Gemeinwohlbilanz (über 500 Unternehmen erstellen diese bereits freiwillig) ist hierfür ein großartiger Beitrag.

Tatsächlich - mit ethischem Investment, Transparenz, sozialverantwortlichem Unternehmertum, Nachhaltigkeit lassen sich schon heute gute Geschäfte machen, eben weil eine ständig wachsende Gruppe von Anlegern bzw. Konsumenten dies nachfragt. Hier sollte man anknüpfen, dies sollte - auch mit staatlichen Mitteln – gefördert werden – sei es durch Steuerbegünstigungen oder -aufschläge, sei es durch ein anspruchsvolles Zertifizierungssystem oder durch Aufklärungskampagnen in der Bevölkerung, sei es durch Anleihen oder Anlagen, die Bund, Länder und Kommunen tätigen oder durch Aufträge, die diese zu vergeben haben. Hieraus ergeben sich konkrete Ziele für ein politisches Engagement, wie es Attac, Occupy, Grünen, NGOs, Kirchen, Gemeinwohlökonomie-Bewegung uva. bereits betreiben. Diese Ziele sind realistisch und selbst in Unternehmerkreisen, ja selbst in der Finanzwelt kann man hierfür viele Unterstützer finden. Man sollte die Kraftanstrengungen bündeln und darauf richten, statt Energien an unrealistische und in ihrer Wirkung zweifelhafte Visionen zu verschwenden. So wäre eine organische Umgestaltung der gesamten Wirtschaft ohne größere Verwerfungen – quasi von unten her - tatsächlich denkbar.
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am 3. Februar 2015
Hallo alle zusammen,
wenn man schon ein paar Interviews von Herrn Felber im Internet gesehen hatte, und man sich für die Gemeinwohl-Ökonomie interessiert, wir dieses Buch sehr mögen.
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am 10. Oktober 2014
Ich hatte eine Sendung im Radio gehört und darufhin das Buch bestellt. Sehr interessante Idee, aber auch sehr trocken zu lesen. Also: Nicht im Bett, sondern im Arbeitzimmer lesen und : Bleistift zum Notizen 'reinschreiben dabei haben. Dann wird es interessant. Es gibt auch noch mehr interessanten "Stoff" in diese Richtung, das hätte ih vorher gar nicht gedacht. Ohne Geld scheint eine interessante Herausforderung zu sein. Und es wird auch schon praktiziert... In München gibt es einen Menschen, der diese Idee (zum Teil) in einer Firma umgesetzt hat.
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am 6. Mai 2015
Wenn auch an manchen Stellen manchmal droht, dass der Autor zu sehr in die linke Ecke abdriftet, bietet das Buch doch gute Ansätze, wie man künftig diei Geldschöpfung und die Investitionsströme für die Allgemeinheit besser regeln könnte. Auch das Aufzeigen, dass der oft geforderte Wettbewerb auch gleiche Chancen voraussetzt ist ein wichtiger Aspekt, auch wenn dies manchem nicht schmecken dürfte.
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am 12. November 2015
Ich bin schon seit Jahren ein Fan von Christian Felber.
Er deckt schonungslos die Schwächen des etablierten kapitalistischen Systems auf.
Aber er belässt es nicht nur bei der Kritik. Er zeigt auch Alternativen auf. Wege, die zu einer besseren Gesellschaft führen.
Nicht jeder Vorschlag erscheint tatsächlich umsetzbar. Aber es sind Ansätze, die man weiterentwickeln kann und sollte.
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am 8. Mai 2014
Herr Felber beschreibt in seinem neuesten Buch mit dem Titel "Geld" ein schlüssiges Gesamtkonzept, bestehend aus vielen sinnvollen Teilkonzepten, wie z.B. Vollgeld/Monetative, zinsfreies Geld, Einkommens-/Vermögensgrenzen, Bodennutzungsrechte statt Eigentum, Demokratische Bank, Gemeinwohlbilanz, und vieles mehr.
Ich komme eben von einem Vortrag von Christian Felber, und bin nun restlos überzeugt, dass ich heute das Wirtschaftssystem der Zukunft kennengelernt habe, nach dem ich schon seit Jahren suche. Ich werde definitiv Mitglied in der GWÖ-Bewegung!

Dies ist das wertvollste Buch, das ich besitze (und seit heute sogar mit Original-Signatur von Christian Felber :-)
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