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am 1. August 2007
Henning Mankell ist zum Vielschreiber geworden: Nach seinen Kurt Wallander-Krimis und einem ersten Linda Wallander-Roman, weiteren Kriminalgeschichten und diversen Afrika-Romanen waren die letzten Veröffentlichungen tatsächlich etwas blutleer und schnell wieder vergessen. Darum hatte ich eigentlich gar keine Lust "Die italienischen Schuhe" zu lesen. Dann jedoch wäre mir einer der besten Romane des schwedischen Autors entgangen.

Wer den Roman "Pferde stehlen" von Per Petterson mochte, kommt hier sicherlich voll und ganz auf seine Kosten:
Fredrik Welin ist ein Eigenbrötler.
Seit mehr als zwanzig Jahren lebt er auf einer einsamen Schäreninsel und ist im Laufe der Jahre ziemlich wunderlich geworden.
Der ehemalige Chirurg hat - außer zum Briefträger - keinerlei Aussenkontakte. Irgendwann muss er einen schrecklichen Kunstfehler begangen haben und infolgedessen hat er sich völlig zurück gezogen.
Eines kalten Morgens im Februar glaubt er seinen Augen nicht zu trauen, eine alte Frau an einem Rollator hat sich auf das Eis vor seinem Stückchen Land gewagt. Und es ist kein Zufall: Es ist die Frau, die er vor mehr als 35 Jahren Hals über Kopf verlassen hatte und die einzige, die er jemals richtig geliebt hat.

Harriet ist sehr krank. Und da gibt es noch ein Versprechen, das Fredrik ihr einst gegeben hat und das sie nun einfordert...

"Die italienischen Schuhe" ist ein stiller, sehr tiefer Roman. Es geht um verpasste Gelegenheiten, Lebenslügen, um das Altwerden und um die Gnade einer zweiten Chance. Henning Mankell wiederum beherrscht diesen Stoff. Er erzählt klar und mit großer sprachlicher Könnerschaft eine Geschichte, die tiefe Einblicke in das Innenleben der Protagonisten zulässt.
Und so wirkt dieses Buch auch auf den Leser und hinterlässt einen Nachhall, den Henning Mankell zuletzt sehr vermissen ließ!
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am 1. Juli 2008
Mit diesem neuen Buch zeigt sich Henning Mankell inhaltlich und sprachlich von einer völlig neuen Seite. Nachdem nun auch der letzte Fan wohl akzeptiert hat, daß er seine Wallander-Serie nicht fortsetzen wird, auch nicht mit dessen Tochter Linda und ihrem Freund, ist es wohl an der Zeit, die anderen Bände Mankells mehr zu würdigen und endlich von den Vergleichen mit den alten Bänden Abstand zu nehmen. Sein Anfang 2007 veröffentlichter letzter Afrika-Roman "Die flüsternden Seelen" war im Original schon 1999 in Schweden aufgelegt worden , sodaß es sinnvoll ist, sein neues Buch in der Abfolge der Romane "Tiefe" (2005) und "Kennedys Hirn" (2006) zu lesen. Hatten die beiden letzten Romane noch viel gezeigt vom zornigen Henning Mankell, der sich einfach nicht abfinden kann mit den zum Himmel schreienden Zuständen auf der Welt, schlägt er in "Die italienischen Schuhe" einen Ton an, der neu für ihn ist.
Sicher - auch hier sind fast alle Protagonisten eher Außenseiter und Gestrandete einer immer schneller und menschenverachtender werdenden Gesellschaft, aber sie sehen sich nicht als Opfer, sondern versuchen aus ihrer Situation etwas mal mehr oder auch mal weniger Kreatives zu machen.

Es ist ein Buch geworden der eher kleinen Töne, das sprachlich auf sanften Füßen daher kommt und den Leser mitnimmt auf eine Reise, bei der er es nicht verhindern kann, daß er sich betreffen lässt von der Thematik. Es geht um das Altwerden, um das Alleinsein im Alter. Es wird erzählt vom verpassten und verlorenen Leben, es handelt von der Frage, ob es so etwas wie Vergebung geben kann, die einem auch kurz vor dem Lebensende noch einmal neues Leben schenken kann. Es geht um die gewährte Gnade einer zweiten Chance nach großen und unwiderruflichen Lebensfehlern. Das Buch erinnert an den ebenfalls in der Hanser/Zsolnay Gruppe 2006 erschienenen Roman "Pferde stehlen" von Per Petterson. Ähnlich wie Petterson entführt auch Mankell seine Leser in äußere und innere Landschaften, die ihn, wenn er es zulässt, verändert zurückkehren lassen. Beide Bücher klingen lange nach, stoßen im Leser Biographisches an und fordern seine existentielle Aufmerksamkeit und Präsenz. Beides übrigens Kennzeichen wirklich guter Literatur.

Fredrik Welin, mittlerweile 66 Jahre alt, war lange Jahrzehnte ein erfolgreicher Chirurg, bevor etwas, was er zunächst nur die Katastrophe" nennt, seiner beruflichen Karriere ein selbstgewähltes Ende setzt. Er hat bei der Amputation des Armes einer jungen und sehr erfolgreichen Schwimmerin den falschen entfernt. Voller Schuldgefühle zieht er sich auf eine Insel in den Schären zurück, wo er mit seinen Großeltern schon Teile seiner Kindheit verbrachte. Er lebt dort einfach, hat nur Kontakt mit dem Postzusteller Jansson, den er auch immer wieder einmal als Arzt behandelt. Er erwartet nichts mehr, dennoch quält ihn die Schuld von damals, als eines Tages um die Wintersonnenwende eine alte Frau mit einem Rollator vor seinem Haus steht. Es ist Harriet, die einzige große Liebe seines Lebens, die er vor fast 40 Jahren unter ziemlich schändlichen Umständen verlassen at. Harriet ist todkrank, ein unheilbarer Krebs zerfrißt sie von innen.

Neben einer Antwort auf ihre nach wie vor wütende Frage, warum er sie damals verlassen hat, verlangt sie von ihm die Einlösung eines damals gegebenen Versprechens: er soll mit ihr an einen einsamen Waldsee in Nordschweden fahren, wo er selbst in seiner Kindheit mit seinem Vater war. Sie brechen mitten im Winter dorthin auf und erleben unterwegs eine Menge von Begegnungen. Unter anderen lernt er den über 90-jährigen italienischen Schuhmacher Giancionelli kennen, der jedes Jahr nur zwei Paar Schuhe herstellt und Fredrik ein Paar verspricht, die er ganz Ende auch erhält. Fredrik erfährt, daß er eine Tochter hat, die in einem Wohnwagen wohnt und seit Jahren Briefe an die Staats- und Regierungschefs der Welt schreibt und sie auf Missstände hinweist.

Fredrik Welin begreift das Geschenk und die Gnade dieser zweiten Chance in seinem Leben, und bleibt nach seiner Rückkehr auf seine Insel sowohl mit Harriet als auch mit seiner Tochter Louise in Kontakt. Und er nimmt Kontakt auf zu Agnes, der Frau, an deren Arm er vor Jahren den verhängnisvollen Fehler beging, der seiner beruflichen Tätigkeit ein Ende setzte.
Er trifft sie und lernt eine Frau kennen, die ihr Lebensschicksal auf bewundernswerte Weise gemeistert hat, und die sich Mädchen angenommen hat, die jeder andere schon abgeschrieben hat.

Fredrik Welin, der die ganze, sich von einer Wintersonnenwende zur nächsten über ein Jahr hinziehende Geschichte selbst erzählt, stellt sich seinerf Schuld und seiner Lebenslüge und am Ende kann er, eine Notiz seiner mittlerweile verstorbenen Harriet aufgreifend, in sein Logbuch notieren:
"Bis hierher sind wir gekommen. Nicht weiter. Aber bis hierher."

Henning Mankell hat ein stilles, aber nicht minder
engagiertes und bewegendes Buch geschrieben über Erfahrungen und Auseinandersetzungen des letzten Lebensabschnittes. Ob junge Menschen, die von seinen Wallanderromanen begeistert waren, die neue Stimme Mankells hören wollen, oder überhaupt können, sei dahin gestellt.
Aber wer bereit ist, sich ernst Fragen nach Schuld und Vergebung, Alter und Einsamkeit zu stellen, wird von diesem Roman außerordentlich für sich selbst profitieren.
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am 24. März 2008
Henning Mankell beweist mit diesem Roman einmal mehr die Vielfalt seines Könnens. Neben den wohl den meisten bekannten Krimis und seinen völlig anders angelegten Afrika-Romanen nun die Geschichte eines nicht mehr jungen und scheinbar an sich selbst gescheiterten Mannes. An einem Punkt extremer Zurückgezogenheit und Antriebslosigkeit braucht er den Anstoß von außen, um wieder an ein normales Leben zu denken und die eigenen Fehler der Vergangenheit zu verarbeiten. Für mich eins von Mankells besten Büchern, ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen - auch wenn es nichts mit einem Krimi zu tun hat.
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am 8. August 2007
Mit diesem neuen Buch zeigt sich Henning Mankell inhaltlich und sprachlich von einer völlig neuen Seite. Nachdem nun auch der letzte Fan wohl akzeptiert hat, daß er seine Wallander-Serie nicht fortsetzen wird, auch nicht mit dessen Tochter Linda und ihrem Freund, ist es wohl an der Zeit, die anderen Bände Mankells mehr zu würdigen und endlich von den Vergleichen mit den alten Bänden Abstand zu nehmen. Sein Anfang 2007 veröffentlichter letzter Afrika-Roman "Die flüsternden Seelen" war im Original schon 1999 in Schweden aufgelegt worden , sodaß es sinnvoll ist, sein neues Buch in der Abfolge der Romane "Tiefe" (2005) und "Kennedys Hirn" (2006) zu lesen. Hatten die beiden letzten Romane noch viel gezeigt vom zornigen Henning Mankell, der sich einfach nicht abfinden kann mit den zum Himmel schreienden Zuständen auf der Welt, schlägt er in "Die italienischen Schuhe" einen Ton an, der neu für ihn ist.
Sicher - auch hier sind fast alle Protagonisten eher Außenseiter und Gestrandete einer immer schneller und menschenverachtender werdenden Gesellschaft, aber sie sehen sich nicht als Opfer, sondern versuchen aus ihrer Situation etwas mal mehr oder auch mal weniger Kreatives zu machen.

Es ist ein Buch geworden der eher kleinen Töne, das sprachlich auf sanften Füßen daher kommt und den Leser mitnimmt auf eine Reise, bei der er es nicht verhindern kann, daß er sich betreffen lässt von der Thematik. Es geht um das Altwerden, um das Alleinsein im Alter. Es wird erzählt vom verpassten und verlorenen Leben, es handelt von der Frage, ob es so etwas wie Vergebung geben kann, die einem auch kurz vor dem Lebensende noch einmal neues Leben schenken kann. Es geht um die gewährte Gnade einer zweiten Chance nach großen und unwiderruflichen Lebensfehlern. Das Buch erinnert an den ebenfalls in der Hanser/Zsolnay Gruppe 2006 erschienenen Roman "Pferde stehlen" von Per Petterson. Ähnlich wie Petterson entführt auch Mankell seine Leser in äußere und innere Landschaften, die ihn, wenn er es zulässt, verändert zurückkehren lassen. Beide Bücher klingen lange nach, stoßen im Leser Biographisches an und fordern seine existentielle Aufmerksamkeit und Präsenz. Beides übrigens Kennzeichen wirklich guter Literatur.

Fredrik Welin, mittlerweile 66 Jahre alt, war lange Jahrzehnte ein erfolgreicher Chirurg, bevor etwas, was er zunächst nur die Katastrophe" nennt, seiner beruflichen Karriere ein selbstgewähltes Ende setzt. Er hat bei der Amputation des Armes einer jungen und sehr erfolgreichen Schwimmerin den falschen entfernt. Voller Schuldgefühle zieht er sich auf eine Insel in den Schären zurück, wo er mit seinen Großeltern schon Teile seiner Kindheit verbrachte. Er lebt dort einfach, hat nur Kontakt mit dem Postzusteller Jansson, den er auch immer wieder einmal als Arzt behandelt. Er erwartet nichts mehr, dennoch quält ihn die Schuld von damals, als eines Tages um die Wintersonnenwende eine alte Frau mit einem Rollator vor seinem Haus steht. Es ist Harriet, die einzige große Liebe seines Lebens, die er vor fast 40 Jahren unter ziemlich schändlichen Umständen verlassen at. Harriet ist todkrank, ein unheilbarer Krebs zerfrißt sie von innen.

Neben einer Antwort auf ihre nach wie vor wütende Frage, warum er sie damals verlassen hat, verlangt sie von ihm die Einlösung eines damals gegebenen Versprechens: er soll mit ihr an einen einsamen Waldsee in Nordschweden fahren, wo er selbst in seiner Kindheit mit seinem Vater war. Sie brechen mitten im Winter dorthin auf und erleben unterwegs eine Menge von Begegnungen. Unter anderen lernt er den über 90-jährigen italienischen Schuhmacher Giancionelli kennen, der jedes Jahr nur zwei Paar Schuhe herstellt und Fredrik ein Paar verspricht, die er ganz Ende auch erhält. Fredrik erfährt, daß er eine Tochter hat, die in einem Wohnwagen wohnt und seit Jahren Briefe an die Staats- und Regierungschefs der Welt schreibt und sie auf Missstände hinweist.

Fredrik Welin begreift das Geschenk und die Gnade dieser zweiten Chance in seinem Leben, und bleibt nach seiner Rückkehr auf seine Insel sowohl mit Harriet als auch mit seiner Tochter Louise in Kontakt. Und er nimmt Kontakt auf zu Agnes, der Frau, an deren Arm er vor Jahren den verhängnisvollen Fehler beging, der seiner beruflichen Tätigkeit ein Ende setzte.
Er trifft sie und lernt eine Frau kennen, die ihr Lebensschicksal auf bewundernswerte Weise gemeistert hat, und die sich Mädchen angenommen hat, die jeder andere schon abgeschrieben hat.

Fredrik Welin, der die ganze, sich von einer Wintersonnenwende zur nächsten über ein Jahr hinziehende Geschichte selbst erzählt, stellt sich seinerf Schuld und seiner Lebenslüge und am Ende kann er, eine Notiz seiner mittlerweile verstorbenen Harriet aufgreifend, in sein Logbuch notieren:
"Bis hierher sind wir gekommen. Nicht weiter. Aber bis hierher."

Henning Mankell hat ein stilles, aber nicht minder
engagiertes und bewegendes Buch geschrieben über Erfahrungen und Auseinandersetzungen des letzten Lebensabschnittes. Ob junge Menschen, die von seinen Wallanderromanen begeistert waren, die neue Stimme Mankells hören wollen, oder überhaupt können, sei dahin gestellt.
Aber wer bereit ist, sich ernst Fragen nach Schuld und Vergebung, Alter und Einsamkeit zu stellen, wird von diesem Roman außerordentlich für sich selbst profitieren.
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am 24. September 2007
Natürlich könnte es in dem Roman logischer zugehen. Es müsste sich niemand grausam umbringen und vielleicht gibt es in ganz Schweden keinen italienischen Schuhmacher, schon garnicht in den Wäldern.
Aber die Landschaft und deren Gegebenheiten sind Sinnbilder für das Altern: Sie sind einsam, grausam und sentimental. Ein Schuhmacher, der nur ein einziges Paar Schuhe im Jahr fertigt, dieses aber in einmaliger Qualität, hat immerhin mehr geschafft, als die meisten von uns. Noch dazu Nützliches. Auch hier kommt es auf Masse überhaupt nicht an.
Die späten Reueattacken des Helden, der überhaupt nicht positiv ist, sondern etwas von uns allen hat, versteht vielleicht nur der, welcher selbst Fehler machte und auch in der Lage ist, diese zu erkennen.
Die Umumkehrbarkeit der Ereignisse steht so fest, wie der schwedische Granit, aus dem die Schären sind. Der kalte Wind der Winter, das einsame Haus, die langen Wegstrecken zu Menschen, dies alles zeigt unser verworrenes Suchen ohne je zu finden. Und die Gleichgültigkeit der Natur uns gegenüber.
Der Roman hat schwache Stellen, die hat aber jeder Roman. Die Willkürlichkeit der Geschehnisse ähnelt unserem Schicksal: Wer kann schon sagen: das hatte ich so geplant?
Die Atmosphäre empfand ich dicht und sensibel. Ich mochte das Buch.
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am 8. September 2007
Da ist dem Autor ein bißchen viel in die Zutatenliste gerutscht, als daß es noch verdaulich gewesen wäre. Dabei fing es solide und gut an: eine einsame Insel, ein einsamer, alternder Mann, spröde Landschaft, karge Gefühlswelt, ebensolche Sprache. Daß seine von ihm verlassene Jugendliebe schwerkrank und nach fast 40 Jahren auf einmal auf dem Eis auftaucht und ihn durch ihr Sterben zur Vergangenheitsbewältigung zwingt, hätte mir persönlich genügt. Es hätte ruhig Welin selbst sein können, der ihre Windeln wechselt und sie beim Sterben begleitet.

Schon der pathetische Ausflug zum Waldsee war für mich beim Lesen eine überflüssige Quälerei, natürlich mußte es auch noch eine gemeinsame Tochter geben und alles was dann noch an Personen und Handlungen folgte (man ahnte es mit der Zeit ja schon) wurde jedesmal mit einem innerlichen: oh, das jetzt nicht auch noch, bitte lass es nicht soweit kommen... - aber es kam jedesmal soweit. Nur bei der nichtzustande gekommenen (und befürchteten) Liebesaffaire mit Agnes, hatte der Autor ein Einsehen mit mir.

Wer kennt sie nicht, die in Schweden in verlassenen Dörfern lebenden 90-jährigen Italiener, die ihre Rente (?) mit dem Anfertigen von Maßschuhen aufbessern, Frauen die in Wäldern einsam im Wohnwagen leben, hochhackige Schuhe tragen und Geld genug haben um die Tage mit Boxen und Briefeschreiben zu verbringen, einarmige Frauen, die Kinder aus allen Erdteilen mit Samurai-Schwertern betreuen... Nicht gehaltene Balance zwischen Kitsch und krampfhaft originellen und unglaubwürdigen Charakteren.
Was soll ich sagen: nach kurzer Zeit sehnte ich mich nach dem Anfang des Romans, wo die Einsamkeit noch ihren Gang ging und es nur Welin, Hund, Katze, das aufgehackte Loch im Eis und den Postboten gab...
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am 5. Februar 2008
Ich habe alle Mankell Bücher gelesen und für mich ist es der beste "Nicht-Kriminal-Roman". Sensibel und lebensnah schreibt Mankell über das Älterwerden, die Einsamkeit, die Liebe, den Tod, über Freude und die Lebenslust. Dieses Buch ist einfach wunderbar zu lesen und hat mich sehr berührt.

Ich denke, man muss eine Geschichte nicht immer ins Detail zerlegen und alles hinterfragen, so wie manche Rezensenten schreiben; es ist nicht relevant, ob der Protagonist nun ein Auto am Festland hat, obwohl er die Insel seit Jahren nicht verlassen hat, es ist auch nicht von Bedeutung, warum der Postbote täglich kommt, obwohl er nie einen Brief dabei hat, es ist auch nicht von Wichtigkeit ob ein Hund und eine Katze auftauchen und verschwinden,....es geht einfach um menschliche Bedürfnisse, um Emotionen und um die späte Reue und eben auch um Menschen, die den Hauptdarsteller ein Leben lang begleiten, ohne dass es um eine offensichtliche Freundschaft geht; gerade das ist das faszinierende an diesem Buch, es wird eben nicht alles ausgesprochen, so bleibt Platz für die Gedanken und Gefühle des Lesers!
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am 18. Januar 2009
Der Roman 'Die italienischen Schuhe' von Henning Mankell ,erschienen im Paul Zsolnay Verlag erzählt die Geschichte eines Chirurgen namens Fredrik Welin.
Nachdem Frederik einen gravierenden beruflichen Fehler begangen hat, den er selbst 'die Katastrophe' nennt, zieht er sich auf eine kleine Insel in den Schären zurück. Dort lebt er völlig abgeschottet mit seinem Hund und seiner Katze. Doch als plötzlich seine alte Liebe Harriet auf dem Eis steht, und um die Einlösung ein altes Versprechens bittet beginnt eine Reise in die Vergangenheit seines Lebens und neue Perspektiven eröffnen sich ihm. Er lernt seine Tochter kennen, Harriet stirbt an Krebs, ein junges Mädchen begeht in seiner Küche Selbstmord und Fredrik findet nach all den Jahren den Mut sich seinem beruflichen Fehler zu stellen. Es ist ein langer Weg aus der Einsamkeit ,mit vielen guten wie schlechten Erinnerungen und Ängsten, zurück ins Leben.
Das Buch stimmt schon während des Lesens sehr nachdenklich. Es ist wie ein Puzzle, das man Stück für Stück zusammensetzen muss um den Gesamtzusammenhang zu verstehen. Genau aus diesem Grund ist das Buch sehr spannend und lesenswert. Es beschreibt, dass das Leben oft ungeahnte Bahnen nimmt und setzt sich mit Ängsten und Verlusten aber auch Leidenschaft auseinander. Der Schreibstil ist flüssig und man kann das Buch nicht aus der Hand legen um auch die letzten Zusammenhänge zu erkennen. Jeder Leser, der spannende und nachdenklich Romane mag, wird dieses Buch verschlingen.
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am 14. Juni 2015
Ich habe "Die italienischen Schuhe" im "Sprache/Medien"-Kurs lesen müssen. Gekauft/Gelesen hätte ich es sonst sicher nicht. Gut, dass mein Dozent so ein Spitzenmensch ist und mir diesen wirklich wunderbaren Mankell aufgedrängt hat, sonst wäre ich um ein Lieblingsbuch ärmer.

Melancholie und Schwere weht durch den Roman. Düsterer schwedischer Winter und der regnerische Sommer, aber auch Menschen, die in dieser Umgebung fröhlich sein können und das Leben geniessen. Es ist ein Roman, der nicht durch die Handlung fesselt, sondern durch die Schicksale der Akteure, durch ihre Charaktere und durch die Gedankenwelten, durch die uns Mankell führt und die einem vielleicht an der einen oder anderen Stelle sogar bekannt vorkommen…..

Fazit: ja, das Buch kann ich nur empfehlen!
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am 23. September 2015
Der Protagonist des Romans wird auf eine unfreiwillige Reise zu sich selbst geschickt und erlebt in einem Jahr mehr als in vielen zuvor.
Unvergleichlich und unvergesslich ist das große Eingangsbild: Wie an jedem Tag badet er in einem Loch, das er sich ins vereiste Meer gehackt hat, als plötzlich auf dem Eis eine alte Frau vor ihm steht, seine ehemalige Geliebte.
Sie fordert von ihm ein Versprechen ein, das er ihr gegeben hat, kurz bevor er sie unangekündigt für immer verließ.

Der Roman berührt gleichermaßen durch Inhalt und Sprache, wie fast alle von Mankell geschriebenen...
Sehr lesenswert.
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