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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
6


am 21. Mai 2014
In diesem Erstlingswerk von Leo Perutz aus dem Jahre 1915 deutete sich bereits sein Stil an, der ihn zu einem der kreativsten Literaten des 20. Jahrhunderts machte. "Die dritte Kugel" ist wohl durchdacht konstruiert und lässt bewusst Fragen offen.

Es handelt sich um einen Roman mit historischem Hintergrund. Figuren und Handlungen sind teilweise erfunden. Die Geschichte steckt, wie auch "Der schwedische Reiter", voller Abenteuer, Tragik, Liebe und Schicksal. In beiden Romanen geht es um Identitäten, die in "Der schwedische Reiter" aber raffinierter aufbereitet wurden.

Auch die Mystik kommt nicht zu kurz. Hierzu gehören der Pakt mit dem Teufel und das Geheimnis der drei Kugeln. Auch sind Traum, Vision und Realität nicht immer scharf zu trennen. Dies gilt insbesondere für die Querverbindungen der Metaebene in den Kapiteln "Der Wein des Doktor Cremonius" und "Die dritte Kugel" mit der Handlungsebene bei den Indios, die den größten Teil des Buches ausmacht.

Nicht alle Geheimnisse können gelüftet werden, was der Autor unnachahmlich in der Szene mit dem Alchimisten zum Ausdruck bringt. "Was lag auf des Bechers Grund?" (18) ist eine Metapher für das Rätselhafte im Leben des Hauptmanns Glasäpflein. Hat die dritte Kugel ihren Weg gefunden? So wie der Mensch sich nicht selbst widerspruchsfrei entschlüsseln kann, bleibt auch in dem Roman ein Widerspruch enthalten, der nicht aufgelöst werden kann.

Der Roman bewegt sich auf mehreren Ebenen, wie es Perutz später in "Der Meister des jüngsten Tages" und "St. Petri-Schnee" perfektioniert hat. Autoren der Neuzeit, z.B. Daniel Kehlmann ("Ruhm"), orientieren sich hinsichtlich der Art der Konstruktion an Perutz, ohne ihn jedoch literarisch zu erreichen. Als Leser darf man sich nicht daran stören, dass der Einstieg in die Geschichte etwas beschwerlich ist (gilt auch für andere Romane von Perutz). Belohnt wird der Leser durch erstklassige Literatur, die in der heutigen Zeit ihresgleichen sucht.
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TOP 500 REZENSENTam 25. Januar 2012
Wie jeder Roman von Leo Perutz ist auch dies Buch gleichsam komprimiert erzählt und doch voller Leben; es ist ein Roman, der niemals von der Handlung abschwenkt, der niemals Komplexität zu beschwören sucht und trotzdem (oder: gerade deswegen) ist er ein unglaublich intensives Literaturerlebnis.

Der Niedergang des Aztekenreiches, herbeigeführt durch Cortez, ist in groben Umrissen bekannt; doch wie bei vielen lange zurückliegenden historischen Ereignissen, kann man in das große, bekannte Räderwerk der Geschichte kleine phantastische Rädchen einsetzen, ohne das etwas kaputt geht. In diesem Fall besteht das Rädchen aus einer handvoll deutscher Auswanderer, die vor den Glaubenskriegen in ihrem Land in die neue Welt geflohen sind und sich dort sofort mit den spanischen Inquisitoren anlegen, ja sich sogar bald auf die Seite des Aztekenherrschers Montezuma II schlagen, der sie freundlich aufnimmt. Ihr Anführer ist ein entstellter ehemaliger deutscher Adeliger, der mit einem aus dem Heere des Cortez einst üble Händel hatte und eher den Teufel zur Hilfe nähme, als das Gold der Azteken dem römisch-katholischen Kaiser von Spanien und Österreich zu überlassen...

Wenn man Realität, also Historie, und Phantastisches mixt muss man sehr auf Kohärenz bedacht sein. Alles muss stimmig wirken. Nun ist Perutz ein Meister der Kohärenz; Sprache, Mythologie, Redensarten - es gibt kaum etwas, das er nicht in seinen Roman integriert hätte. So entsteht das Gefühl einer wahrhaften Geschichte beizuwohnen, die nicht allzu fern ist, weil sie historische Teilwurzeln hat, aber ganz fern ist, weil sie phantastische Elemente wie den Teufel als Person und ähnliches beinhaltet.

Ich kann nur jedem raten dieses köstliche Romänchen zu lesen. Es hat Spannung, es hat eine ganz eigene Art von Dramatik, es hat Kolorit und Geist, es weiß also bestens zu unterhalten. Sehr empfehlen kann ich auch Perutz Roman Der schwedische Reiter und Zwischen neun und neun.
Verpassen sie Perutz nicht - sie würden es bereu'n.
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am 17. November 2014
Der deutsche Adelige Grumbach, ehemals "Wildgraf am Rhein", ist vor den europäischen Konfessionskriegen in die neue Welt geflüchtet. Dort unterstützt er mit einigen Getreuen den Aztekenkönig Montezuma gegen den Konquistador Hernán Cortés und die spanische Kolonialarmee.

"Die dritte Kugel" ist ein farbenprächtiger Genremix aus historischem Roman, Phantastik und Abenteuerroman. Er vermischt realistische Darstellungen von der Eroberung des Aztekenreichs und dessen prachtvoller Hauptstadt Tenochtitlán mit einer Dreiecksbeziehung, humorvollen Passagen, detailgetreuen Analysen menschlichen Strebens und metaphysischen, transzendenten Elementen.

Der, dem Ich-Erzähler (einem spanischen Soldaten) angepasste, antiquierte Schreibstil und die verwirrende Struktur des Romans in Rahmen- und Haupthandlung, deren Verbindung sich nicht offenbart, macht den Roman nicht unbedingt leicht lesbar und vieldiskutiert.
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am 28. Juni 2013
Dieser erste (1915 erschienene) Roman von Perutz handelt von der Eroberung des Aztekenreiches durch die Spanier. In einer altertümlich-kunstreichen Sprache wird die Zerstörung einer grausamen Welt durch eine noch grausamere geschildert. Um diese historisch von verschiedenen Personen (u. a. vom Eroberer Cortez selbst) erzählte Geschichte herum rankt sich aber eine von Perutz erfundene Saga von Deutschen, die verhindern möchten, dass das von den Spaniern den Azteken geraubte Gold in die Hände des Kaisers und des mit ihm verbündeten Papsttums gelangt. Deren Führer ist Grumbach, der ehemalige Wildgraf am Rhein, der im von ihm erzählten Präludium seine Erinnerung verloren hat und sie nur bruchstückweise wiedergewinnt. Rund um den Marsch Cortez' auf Tenochtitlan, dessen folgende Eroberung und den späteren Tod Moctezumas lässt Grumbach dann im Haupteil seine Geschichte von einem spanischen Reiter erzählen. Als er einen Bund mit dem Teufel eingeht, um zu der Waffe eines anderen Spaniers zu kommen, liefert er diesen - für den auf den Verlust seiner Arkebuse der Tod steht - dem Henker aus. Daraufhin verflucht ihn der Sterbende und prophezeit ihm, wen die drei restlichen noch vorhandenen Kugeln treffen werden. Nachdem zwei Kugeln ihre Opfer wie prophezeit (und nicht wie beabsichtigt) gefunden haben, will der spanische Reiter uns vom Schicksal der dritten Kugel berichten - und wird selber von der Kugel getroffen - der "dritten Kugel"??? Erst im Finale spricht der (angeblich tote) Grumbach selbst wieder zu uns - davon, dass die dritte Kugel ihn selbst getroffen habe ...
Dieses sehr dichte Werk spielt um 1520 am Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Protestantismus und Papsttum und spiegelt schon etwas von diesem Konflikt, der ein Jahrhundert später auch den dreißigjährigen Krieg mitprägen wird (im Roman ist es auch eine Auseinandersetzung zwischen Grumbach und seinem Halbbruder Mendoza, die sich beide von der Kindfrau Dalila angezogen fühlen). Außer diesen nicht sehr sympathisch geschilderten zwei Welten wird aber dem Leser in diesem schillernd-intensiven und spannenden Roman auch das untergehende und ebenso gewalttätige Aztekenreich präsentiert ("Völker sah ich sterben und Reiche in Trümmer gehen, des Goldes wegen"). In der Neuen Welt herrscht eine giftige Atmosphäre, "daß die Menschen einander grundlos hassen und keiner des anderen Wesen recht versteht. In einem Rausch von Blut taumeln wir alle dahin". Es wimmelt von falschen Prophezeiungen, Schwüren und Versprechungen in diesem sehr düsteren Roman; auch von Teufelsbünden - selbst der Teufel wird geprellt; und die Hauptfigur findet, "es geschah mir recht, daß ich von allen meinen Welthändeln nichts heimbrachte als müde Knochen, Narben und ein gläsernes Aug'" - passend zur Erscheinungszeit des Werkes, denn die deutschen Soldaten werden 1918 auch nicht mehr von ihren Welthändeln mit nach Hause bringen als das.
Einer der frühesten Rezensenten fand als als einzigen Kritikpunkt ein "gewisses Überschäumen der gedrängten Einfälle". Der Leser wird von Perutz diesmal gleich mit zwei unzuverlässigen Erzählern konfontiert - der eine (Grumbach) hat Erinnerungslücken und träumt dauernd vor sich hin, der andere (der spanische Reiter) erzählt von Dingen, die er als Außenstehender eigentlich gar nicht wissen kann. Dabei verkündet der letztere schon in seiner Binnenerzählung, erzählen zu wollen, was es mit der mysteriösen "dritten Kugel" auf sich hat - eigentlich aber bleibt das Rätsel offen. Und man kann dieses Buch häufig lesen - ohne allerdings das Rätsel endgültig lösen zu können. Jedoch kommt uns bei den neueren Zsolnay-Ausgaben das kenntnisreiche Nachwort von Hans-Harald Müller (24 S., bei dtv möglicherweise deutlich weniger - jedenfalls so bei "Zwischen 9 und 9"!) sehr zu Hilfe, um die sehr vielschichtigen Aspekte dieses Buches - gerade rund um diese Kugel - würdigen zu können.
Bei der Auswahl der Edition der Perutz'schen Werke empfiehlt sich äußerste Vorsicht. Ausgaben bis zu den 80'er- (oder bei Taschenbüchern bis zu den 90'er-) Jahren entsprechen oft nicht den Erstausgaben! Spätere dtv-Ausgaben dagegen können ein stark gekürztes Nachwort haben (im Vergleich zu den neuen Zsolnay-Editionen der 80'er und 90'er)!
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am 15. November 2010
Die dritte Kugel - erneut ein Meisterwerk von Leo Perutz! Die Spannung ist nicht zu überbieten, man muss sich dazu zwingen, das Buch nicht in einem Zuge zu verschlingen. Es ist einfach fantastisch, wie dieser frühe Meister des magischen Realismus' Historie und Fiktion zusammenbringt. Die Figuren wie Cortes, aber auch Alvarado, Aguilar, Montezuma und dessen Nachfolger Cuauhtemoc als Aztekenkönige hat es ja wirklich gegeben, ebenso wie die Kämpfe um Tenochtitlan mit der "noche triste", der "Nacht der Trübsal" am 30. Juni 1520. Auch der zwielichtige Herzog von Mendoza hat ein historisches Vorbild: Antonio de Mendoza, von 1534 bis 1550 Vizekönig von Mexico, nach dem der Codex Mendoza benannt wurde, eine Sammlung aztekischer Bilddokumente der damaligen Zeit. Perutz gibt diesen historischen Gestalten ein Gesicht und einen Charakter, setzt dagegen fiktive Personen, die es so gegeben haben könnte wie Grumbach und Jäcklein, wobei auch das Indiomädchen Dalila ein historisches Vorbild hat: Marina, zeitweise Geliebte des Cortes und Mutter eines gemeinsamen Sohnes. Man sieht: Wenn ein genialer Erzähler wie Perutz, der ja leider nach 1945 für lange Zeit von den deutschen Verlagen schmählich vernachlässigt wurde, einen spannenden historischen Befund wie die Ereignisse in Mexico im 16. Jahrhundert mit seiner Erzählkunst und Fantasie verbindet, dann entsteht ein Roman, der nicht nur überaus lehrreich sondern auch äußerst spannend ist. Man sieht: Meine Begeisterung ist grenzenlos!
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am 12. Februar 2007
In diesem historischen Roman über die Niederlage der Azteken gegen die spanischen Eroberer unter Cortez (16. Jhd.) richtet Perutz sein allmächtiges Augenmerk auf einen kleinen Trupp Deutscher, die vor Cortez und seinen Mannen in Mexiko eintreffen, sich dort mit den Einheimischen zusammentun und nichts weiter wollen, als in dem neuen Land zu überleben. Der Einbruch der Spanier macht diese Pläne jedoch zunichte. Bald stehen Deutsche und Azteken gemeinsam den Spaniern im Kampf gegenüber - und der Mensch des 21. Jhd. weiß ja, wie die Sache ausgegangen ist. An sich würde diese Handlung allein vielleicht noch keine bemerkenswerte Geschichte machen, aber Perutz wäre nicht Perutz, wenn er es bei den trockenen Tatsachen bewenden lassen würde. Er streut a) seine Version düsterer Phantastik ein, indem er den Teufel, ein Gewehr mit verhexten Kugeln und einen rätselhaften, sinnverwirrenden "indianischen Nebel" auftreten läßt - alles so gut vorbereitet und beschrieben, daß man als Leser gar nicht die Chance erhält, aufzubegehren, sondern es gern für bare Münze nimmt -, und widmet b) allen Figuren die gleiche freundliche Sorgfalt. Der als Indio-Schlächter verschriene Cortez kommt menschlich nicht schlechter weg als sein Gegner Montezuma, die Deutschen sind weder heldenhafter, noch schurkischer als die Spanier und sogar die Motive des Teufels kann man irgendwie nachvollziehen. Dabei ging es Perutz, der diese Geschichte 1915 veröffentlichte, sicher nicht um Political Correctness. Er hat lediglich begriffen, daß jeder Mensch (und sogar übernatürliche Wesen) seine Licht- und Schattenseiten hat - und daraus formt er komplexe Persönlichkeiten, die fesseln und mitreißen. Man ist an ihrem Schicksal interessiert, weil sie nicht eindimensional-gut oder -schlecht sind. Für mich ein ganz großes Buch, das offensichtlich noch bis in die moderne Fantasy nachwirkt; ich kenne jedenfalls mindestens ein Buch, das versucht, "Die dritte Kugel" zu kopieren... Unbedingt lesen!
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