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Kundenrezensionen

3,3 von 5 Sternen
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am 27. Februar 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Auf der Rückseite dieses aus dem französischen übersetzten Kriminalromans steht: 'Jeder Satz ist ein Faustschlag, jedes Wort ein Schnitt mit dem Skalpell'. Ich finde, dass Marie France hier eine sehr passende Bewertung abgegeben hat.
Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, ins Geschehen zu kommen:
Kommissar Guérin und sein 'kleiner Lambert' kümmern sich um Selbstmorde. Die gibt es in Paris zur Genüge. Allerdings reicht es Guérin nicht, nur die Umstände, unter denen sie stattfinden, zu untersuchen. Statt dessen stellt er Vergleiche an, sucht nach Augenzeugen, um Zusammenhänge herzustellen.
In einem weiteren Erzählstrang lernt der Leser John Nichols kennen. Der ist Amerikaner, lebt aber in Frankreich in einem Tipi mitten im Wald. Seine Diplomarbeit als Psychologe hat er über einen Freund geschrieben, der sich nach der Teilnahme am Irakkrieg selbst zerstört. Nichols weiß nicht, ob er an den Selbstmord seines Freundes glauben soll. Bei Nachforschungen trifft er auf Kommissar Guérin...
Trotz des teilweisen in meinen Augen konfusen Schreibstils, wurde ich mehr und mehr ins Buch gezogen. Nach der Hälfte wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Sicher kein Buch, das sich leicht lesen lässt. Auch kein Buch, das auf meiner persönlichen Bestsellerliste eine Notierung erhält. Aber ein interessantes Buch mit ausgefallenen Ideen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 17. Februar 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Schon in der Filmkunst war es ja so, in der Belletristik ist es wohl ähnlich - die schrägsten, morbidesten Krimis kommen von unseren französischen Nachbarn. Die angelsächsischen und deutschen Krimis leben ja fast ausschließlich von Serienkommisaren mit mehr oder minder starken Schrullen, schön zum Identifizieren und gemütlichen Abendlesen.
Nichts davon hier: Ein Sammelsurium schräger und schrägster Typen, kein Platz für irgendwelche Identifikation, schon garnicht mit dem Poilzeipersonal. Ein Kommisar mit Vorliebe für Selbstmorde, dem daheim ein alter Papagei den kahlen Schädel behackt, ein Psychologe, der mit Indianerhaaren und -köcher im Tipi in Zentralfrankreich nächtigt - das sind schon seltsame Figuren. Nimmt man diesen surrealen Touch in Kauf, steckt man schnell in einer Alptraumwelt, einer Schattenwelt fest und legt das Buch eigentlich nicht mehr beiseite. Wie bei Grange ist das raffiniert konstruiert, auf jede der aufgeworfenen Fragen gibt es auch Antworten, ich kann mir alles auch als schnell geschnittenen Film vorstellen. Da ist kein Wort zuviel, schnell treibt das ganze auf die düstere Lösung zu. Ich will da garnichts verraten, spannende Unterhaltung.

Hat man sich aus dem Bann gelöst, kommen dann doch wieder kritische Fragen. Da sind in die 300 Seiten vielleicht doch zuviel schreiende Themen verpackt worden: amerikanische Kriegstraumata von Korea bis Irak, massenweise Selbstmörder, sich selbst massakrierende Fakire, durchgeknallte Polizisten, Leichenschändung - eigentlich zuviel, schneller, härter, mysteriöser ist wohl die Devise.
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VINE-PRODUKTTESTERam 3. März 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Es gibt Romane, bei denen ich mich frage:
finde ich das Buch nun einfach genial oder total daneben!
Diese Frage stellte ich mir mehrfach bei Fakire".
Wo läßt sich der Roman des Franzosen Antonin Varenne einordnen?
Kriminalroman oder surrealistische Erzählung?

Andererseits ist es doch ein sehr positives Element, dass man sich als Leser
diese Gedanken bei einem Buch macht.
Fakire" ist kein einfaches Buch, es braucht seine Zeit, bis man sich eingelesen
hat in eine doch recht wirre Geschichte, dann aber wird man von der Geschichte in den
Bann gezogen.
Paris. Bei der Polizei leitet Kommisar Guerin die Abteilung für Selbstmorde in der französischen Metropole. Sie ermitteln bei eindeutigen Selbsttötungen und unklaren Unfällen, die auf Selbstmord hinweisen. So muß Guerin und sein Team auch im Todesfall eines amerikanischen Artisten Alan ermitteln, der als Fakir in einem heruntergekommenen Sado-Maso Varieté auftrat und während einer Aufführung öffentlich verblutete. Es stellt sich die Frage, ob es Mord oder Selbstmord war.
Die gleiche Frage stellt sich der Amerikaner John Nichols, ein Freund Alans, der aus der französischen Provinz anreist. Er möchte alle Formalitäten rund um Alans Bestattung klären.
In Paris gerät Alan mehr und mehr in einen Sumpf aus surrealistischen Persönlichkeiten, gebrochenen Charakteren und der Pariser Halbwelt. Als sich Guerins und Nichols Wege treffen, treten sie gemeinsam in eine ihnen unbekannte Welt ein.

Antonin Varennes Roman ist ein absolut lesenswerter Roman, der durch seine ganz eigene Sprache gewinnt. Dem Autoren gelingt es schnell den Leser atmosphärisch zu fesseln.
Das täuscht nicht hinweg über die Tatsache, dass der Roman sehr konstruiert wird, die Handlung ist nicht nachvollziehbar und um was es am Ende ging, bleibt dem Leser überlassen.
Wer einen klassischen Kriminalroman oder Thriller wird maßlos enttäuscht, wer sich auf eine literarisches Experiment einlässt, wird belohnt.
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Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Auf Seite 207 wird es endlich spannend und dann ist es auch schon wieder vorbei. Zwar gibt es ein Sebastian-Syndrom, nämlich eine genetisch bedingte Blutungsstörung, doch davon handelt dieser Krimi nicht. Es geht um die Frage, wie ein Opfer sich zum Täter seiner selbst macht und die Zuschauer quasi unbewusst oder bewusst die Selbsttötung verhindern oder fördern können. Diese Idee einer Abhandlung von Ernst Eschersheim setzt Antonin Varenne dem Roman voran. Von Eschersheim nimmt ein von ihm als Sankt-Sebastian-Syndrom bezeichnetes Phänomen an. Neu ist das nicht. Die Identität des Opfers mit dem Täter ist psychoanalytisch Belesenen nichts Neues. In diesem Krimi geht es noch um mehr, nämlich um die Traumatisierung durch Folter und die politisch-diplomatischen Verstrickungen. Das ist ein hervorragender Stoff für einen spannenden Krimi. Selbstmorde sind dabei der Ausgangspunkt, ein Psychologe, der sich in seiner Doktorarbeit mit den Traumatisierungen beschäftigt hat und ein seltsamer Kriminalist machen sich zunächst getrennt auf den Weg, weil sie nicht glauben wollen, was sie sehen (sollen). Sie ermitteln, finden immer mehr heraus, treffen aufeinander und lösen natürlich den Fall, obwohl sie dann doch verstört zurückbleiben. Sprachlich ist der Krimi genau, die Inhalte sind spannend, doch erzählt wird es zu langatmig. Die einzelnen "Aufspürungen" gehen nicht in die Tiefe, es wird zu wenig aufgedeckt. Schade eigentlich! Denn irgendwie spannend ist es doch.
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VINE-PRODUKTTESTERam 14. Februar 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Fakire - was sind das eigentlich für Leute? Eine der Fragen, auf die das so betitelte Buch von Antonin Varenne eine mögliche Antwort parat hat. Doch: worum geht's eigentlich?

Zunächst einmal ist da Alan Mustgrave, Amerikanischer Staatsbürger, ein Fakir in Paris, homosexuell, Irak-Veteran, ein Junkie, der offenbar auf der Bühne Selbstmord begangen hat. Und dann ist da sein Freund, John Nichols, ein amerikanischer Aussteiger / Hippie und beinahe-Doktor der Psychologie, der seinen Freund mangels in Frankreich vorhandener Angehöriger identifizeren darf, und dem -von ein paar zwielichtigen Gestalten- nahegelegt wird, wieder zu verschwinden, und das möglichst schnell. Klar, dass da etwas nicht ganz koscher ist... Nach dieser Begegnung hilft ihm dann ein Parkwächter (und Ex-Knacki) wieder auf die Beine.
In einem zweiten Handlungsstrang erleben wir Komissar Guérin, hochintelligent, bis zu deren Tod bei seiner Mutter lebend, daher gar nicht erst verheiratet-und-wieder-geschieden. Dieser wurde nach einem Polizei-internen Skandal (der Kowalski-Affäre) zum "Selbstmord" versetzt und bekam einen Assistenten ("mein kleiner Lambert"), der im Gegensatz zu ihm nicht ganz so helle ist. Guérin leidet. Unter seiner privaten Situation und unter der beruflichen, denn ihm fehlt der letzte Beweis für seine Anschuldigungen in der Kowalski-Affäre. Und so langsam verliert Guérin die geistige Bodenhaftung, denn er versucht zwischen allen möglichen (scheinbar) unzusammenhängenden Dingen Zusammenhänge zu erkennen - sein Steckenpferd sind da (natürlich) die Selbstmorde. Hier scheint es bei einigen Fällen Verbindungen zu einer ominösen Personengruppe (2 Männer, 1 Frau) zu geben. Waren das vielleicht gar keine Selbstmorde?
Der vermeintliche Selbstmord von Alan Mustgrave jedenfalls ist das Bindeglied, das diese beiden Handlungsstränge aufeinander zuführt, das jedoch nicht wirklich geradlinig und im Verlauf der Geschichte eher spät. Bis dahin ergibt man sich der Schilderung scheinbar zusammenhangloser Handlungsfetzen, insbesondere, wenn es um Kommissar Guérin geht.

Die Figuren der Story sind jetzt wirklich keine "Normalos"; im Gegenteil, das Ensemble besteht eher aus ziemlich kaputten Gestalten. Fast ausnahmslos. Auch der Kommissar fällt in diese Kategorie, was es durchaus erschwert, sich mit ihm zu identifizieren. Am ehesten gelingt das noch mit John Nichols, der zwar als Aussteiger lebt, aber ansonsten noch als "verhältnismäßig normal" durchgehen würde. Im Verlauf des Romans werden die Biographien der beteiligten Personen - allen voran die von Alan Mustgrave - in den wesentlichen Details ausgebreitet, und nach und nach erschließt sich, wie die Figuren so wurden, wie sie jetzt sind, und auch die Beweggründe, Motive und Hintergründe für die jüngsten Vorfälle.
Warum ist John Nichols nur FAST ein Doktor der Psychologie? Was für ein Mensch war Alan Mustgrave? Warum sollte der sich umbringen wollen, noch dazu unter diesen Umständen? Oder wurde er ermordet? Gibt es ein Mordmotiv? Für wen?
Auf der anderen Seite: Was geschah bei der Kowalksi-Affäre? Warum / wie wurde Guérins Karriere "beendet" und er "zum Selbstmord abgeschoben"? Hängen die Selbstmorde wirklich zusammen? All das wird im Laufe des Buches erhellt. Wirklich offen bleibt eigentlich nichts - auch wenn das eine oder andere nur angedeutet wird oder verwirrend zu sein scheint (ich wüsste nicht, das Alan Mustgrave in dem Buch als "Bluter" dargestellt worden wäre; verblutet ist er letztlich wegen gepanschter Drogen...). Wie heißt es noch: "Eine beruhigende Anzahl an Zufällen", es muss eben nicht alles erklärbar sein.

Was meiner Meinung nach hervorragend zu der Story passt ist der Schreibstil. Mitunter sehr einfach, mitunter aber auch recht anspruchsvoll, manchmal auch verwirrend, so dass man den einen oder anderen (Ab-)Satz schon mehrmals lesen muss. Dazu muss man sich aber auch auf das Buch einlassen; wer das nicht kann, dem wird das Buch wohl nicht gefallen...
Handlung und Schreibstil - beide zusammen haben mich förmlich in das Buch hineingezogen. Die erzeugten Stimmungen passen hervorragend zur Geschichte. Schade nur, dass ein sehr hoffnungsloses Bild der Polizeiarbeit gezeichnet wird: Die Standardkarriere beginnt mit Idealismus, der Gründung einer Familie und endet mit Scheidung und Resignation. Ausnahmen gibt es nur selten bis nie. Die Verweigerung eines "all-inclusive-Happy-Ends" gibt der Geschichte zudem etwas Realistisches. Man könnte auch sagen, am Ende tritt das Buch nach.

Fazit: Für mich war's ein spannender, faszinierender Thriller von einer ganz anderen Sorte. Am ehesten noch vergleichbar mit Krimis aus Skandinavien, jedoch nicht so durchstrukturiert und deutlich weniger fröhlich, vor allem am Ende. Ernste, bisweilen düstere und nicht-lustige Unterhaltung. Freunde kriminalistischer Hausmannskost wird das unter Umständen nicht so gefallen.
Ich zumindest kann mir jedoch gut eine Verfilmung des Buchs vorstellen, ein absoluter "film noir" - bei vernünftiger handwerklicher Umsetzung entsprechende Filmpreise wahrscheinlich inklusive.
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Fakire hat mich überrascht und fasziniert. Varenne verbindet in diesem Buch zwei komplett verschiedene Erzählstränge:

Einerseits lernt der Leser den verstörten Kommissar Guérin kennen, der gemeinsam mit seinem treuen Handlanger Lambert die Abteilung "Selbstmord" der Pariser Sureté ausmacht. Ihre Aufgabe ist es, Selbsttötungen zu erkennen bzw. als solche getarnte Morde aufzudecken. Die Arbeit bringt Guérin an seine Grenzen - um diesen für Aussenstehende oft so sinnlos scheinenden Todesfällen Sinn zu geben, verstrickt er sich immer mehr in Verschwörungs- und Mordttheorien und sucht in den Polizeiarchiven nach Gemeinsamkeiten und Querverweisen. Als er den spektakulären Tod des auf der Bühne verbluteten Fakirs Alan Mustgrave untersucht, nimmt er den Leser mit auf seine morbide Ermittlungstour.

Alan Mustgrave - Ex-Soldat im Golfkrieg, drogenabhängig und psychisch am Ende - hat er sich auf extravagante Art das Leben genommen oder wurde er getötet? Die Frage interessiert nicht nur Guérin, sondern auch Mustgraves alten Freund John Nichols. Der Aussteiger ist Verhaltenspsychologe und findet die gewählte Todesart selbst für seinen exzentrischen Freund zu exaltiert. Also macht er sich auf nach Paris, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Hier muss sich sein Weg zwangsläufig mit Guérin kreuzen, und die beiden ermitteln, der eine privat, der andere beruflich, am gleichen Fall.

So in etwa ließe sich die Story stark vereinfacht zusammenfassen. Fakire lebt zum Glück nicht nur von seiner sich zunehmend ins Abstruse entwickelnden Story (Mustgrave entpuppt sich posthum als Folterknecht im Golfkrieg, hatte eine Affäre mit einem Mitarbeiter der Amerikanischen Botschaft in Paris, Verwicklungen mit dem CIA kommen ins Spiel.) Man begleitet Guérin auf seiner manischen Suche nach immer versponnenere (Mord)-Theorien, um dem Wahnsinn seiner täglichen Arbeit Sinn zu geben und der Leser rollt Mustgraves Leben gleichermaßen aus NicholsŽ Warte auf, der seine eigenen Motive für die ungleiche Freundschaft mit dem toten Fakir hinterfragen muss.

Meiner Meinung nach ging es Varenne in seinem Buch nicht vorderrangig um die Aufdeckung des Verbrechens, sondern darum, treffende und eindringliche Charakterportraits der Protagonisten zu schaffen und die morbide, trostlose Atmosphäre, in der sich die Story zum großen Teil abspielt, einzufangen - und das ist ihm großartig gelungen. Auf eine komplette Auflösung des Falles und seiner vielschichtigen Verstrickungen darf der Leser nicht hoffen. Die Protagonisten verlieren ihr Leben, verlieren den Verstand. Was zurückbleibt, sind Trostlosigkeit - und Guérins zunehmend verzweifelte Versuche, dem Tod doch noch einen Sinn zu geben.
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Von französischen Thriller-Autoren ist man ja skurrile Kommissartypen gewohnt: Fred Vargas' schrulliger Jean Baptiste Adamsberg ist vielleicht der bekannteste Vertreter dieser Spezies. Jean Christophe Grangés Protagonisten sind auch nicht von schlechten Eltern: Siehe Pierre Niémas und Karim Abdoui in "Die Purpurnen Flüsse", Mathieu Durey und Luc Soubeyras in "Das Herz der Hölle" oder Lionel Kasdan und Cedric Volokine in "Choral des Todes". Schriller geht's nimmer, denkt man als Leser. Pustekuchen. Antonin Varennes Kommissar Guérin schlägt all diese schrägen Nummern um Längen. Von der Mord- zur Selbstmordabteilung der Brigade Criminelle versetzt, haust er mit seinem Assistenten in den kryptischen Kavernen der Pariser Polizeipräfektur, von seinen Kollegen gehasst und gefürchtet. Mit Grund, wie der Leser bald feststellt, denn die Ursache für Guérins Strafversetzung zum Selbstmord ist eine äußerst heikle, interne Angelegenheit, die sich aber nur Stück um Stück im fortlaufenden Kontext entrollt.

Bevor es mit dem mutmaßlichen Selbstmord eines drogensüchtigen Fakirkünstlers so richtig zur Sache geht, wird man Zeuge einiger Suizide, die so scheußlich realistisch inszeniert sind, dass man das Buch manchmal für einige Minuten aus der Hand legen muss. Aber nicht für länger, denn der Thrill dieser Story ist so ungeheuer, dass man sie in einem Rutsch lesen MUSS. Besonders, nachdem auch noch der scheinbar verschrobene Naturbursche und Psychologe Nichols ins Spiel kommt, ein alter Freund und Beschützer des Fakirs, der ebenso wenig an Selbstmord glauben mag wie Guérin. Außerdem spielt auch der ehemalige Knastbruder und jetzige Parkwächter Bunker eine Rolle in der zeitweilig immer verwirrender werdenden Handlung.

Die Auflösung ist dann fast ärgerlich, denn nichts gehört so zusammen, wie man das von Krimis gewohnt ist, wo scheinbar zusammenhanglose Ereignisse letztlich immer doch zusammenhängen, und es nur auf die Kombinationsgabe des Helden ankommt, ums die Stränge zusammen zu führen. In "Fakire" ist es eher wie im richtigen Leben. Der rote Faden lässt die Protagonisten im Stich. Und doch gibt es einen Knalleffekt am Schluss, der ebenso atemberaubend wie bedrückend wirkt.

Le Canard enchainé, das bekannte französische Satireblatt, rühmt: Ein Meisterwerk! Stimmt genau!
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am 25. Februar 2011
Eine fast surreale Welt in der französischen Hauptstadt ist es, in der Antonin Varenne seine fast ebenso surreal anmutende Geschichte ansiedelt.
Zumindest aber die dunklen Ecken von Paris sind es, die häufig in den Blick gerückt werden von den Protagonisten der Geschichte, die ebenfalls dunkle, dem Wahnsinn nahe Seiten nicht nur in sich, sondern ganz offenkundig nach außen hin tragen.

Surreale Selbstmorde verbinden im Lauf des Buches zwei Erzählstränge miteinander. Der eine Strang wird getragen von Kommissar Guérin, nach einem Zusammenbruch abgeschoben mit einem eher tumb wirkenden Mitarbeiter in die Sparte "Selbstmorde" der Pariser Polizei. Einer, der immer auf der Kante zum Wahnsinn zu jonglieren scheint, der alles mit allem in Verbindung seiht und mehr Opfer denn Akteur seiner inneren Bilder ist. Auch wenn er einen der Selbstmorde verhindern kann, eine solche Häufung merkwürdiger Selbstmorde kann für ihn kein Zufall sein. Als dann noch ein Teil der Mordkommission in einem anderen Fall die Nerven verliert und vom Dienst suspendiert wird, übernimmt er die Ermittlungen der aufsehenerregenden Todesfälle.

Einer dieser Todesfälle ist jener von Alan, der als Fakir im düstersten, erotisch-pornographischen Umfeld auftritt und sich bei einem dieser Auftritte vor aller Augen verbluten lässt, hängend an zwei Fleischerhaken an der Decke. Sein Freund und Therapeut John Nichols reist aus der französischen Provinz nach Paris, um die letzten Angelegenheiten Alans, des heroinsüchtigen Piercingfanatikers, zu ordnen. Und sieht sich umgehend persönlichen Bedrohungen ausgesetzt. Beileibe ist John Nichols trotz seines Berufes nicht der 'normale' Mensch, der nun den zweiten Erzählstrang schultert. Er selbst lebt auf einem verwilderten Grundstück in der Provinz in einem Tipi, trägt indianisch anmutende Kleidung und reist tatsächlich mit Pfeil und bogen nach Paris.

Surreale Figuren, gebrochene Persönlichkeiten, die dennoch eines vereint: Dass, was sie als Aufgabe empfinden und annehmen nehmen sie ganz auf sich. Mit jeder Faser seines Seins verfolgt Guérin die Aufklärung der Selbstmorde und setzt sich Nichols auf die Spuren seines toten Freundes. Beide treffen als Gegner und Verbündete auf teils ebenso sonderliche Personen, niemand im Buch legt seinen Lebensweg ungebrochen zurück.

Erst ab der Mitte des Buches deutet Varenne eine Verbindung aller Vorfälle an, erst zum Ende der sich im Tempo steigernden Ermittlungen versucht er vor den Augen der Leser offen zu legen, wie sehr Guérin der Wahrheit nahe wahr, das alles mit allem verbunden ist. Ein Versuch, der allerdings nur mäßig gelingt und äußerst konstruiert wirkt.

Sprachlich setzt Varenne seine surreale Geschichte bilderreich, düster und emotionsgeladen um. Knappe Sätze, präzise Dialoge und Protagonisten mit genauso viel Innen- wie Außenleben irren, suchen, taumeln teilweise durch die Strassen und Parks von Paris, mehr von der Intuition geleitet denn von logischen und deduktiven Ermittlungsergebnissen.

Antonin Varrenne ist ein anderes Buch gelungen, mit einer ganz eigenen Sprache und einer ganz eigenen Atmosphäre, die noch am ehesten mit der harten und düsteren Welt eines James Ellroy vergleichbar wäre, aber einen ganz eigenen Akzent setzt, der einen nicht loslässt, wenn man sich auf diese besondere Art und die besonderen Personen im Buch einlässt. Eine Atmosphäre, die Ungereimtheiten in der Konstruktion der Geschichte aufwiegt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 17. Februar 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Französische Krimis sind im Allgemeinen nicht mein Fall - von Grangé und Vargas abgesehen. Da "Fakire" wie eine mögliche Kreuzung aus diesen beiden klang, habe ich es neugierig versucht.
Und wurde enttäuscht.
Auf der einen Seite ist der bogenschießende, tipibewohnende, seit Uni-Zeiten mit dem Toten befreundete Psychiater, der den anscheinenden Selbstmord seines irak-traumatisierten, homosexuellen, masochistischen, drogensüchtigen Freundes aufklären will.
Auf der anderen Seite steht der leicht gestörte, hochintelligente Colombo-Klon mit seinem grenzdebilen Assistenten, den keiner der anderen Polizisten ernst nimmt, der mit Vorliebe Zusammenhänge zwischen zusammenhanglosen Alltagsdingen sucht (Osterinseln und Forellenfischen in den USA). Natürlich wohnt er alleine, hat aber als Mutterersatz den Papagei seiner Mutter, der ihn statt ihr beschimpft.
Zwischen diesen unausgegorenen Klischees pendelt der Roman hin und her, ohne irgendeine Art von Sympathie, geschweige denn Interesse an einer der Figuren zu erzeugen. Alle drei (ich zähle den Toten mal mit zu den Hauptcharakteren) sind so offensichtlich aus Versatzstücken anderer Bücher und Filme zusammengeschustert, das es mir absolut nicht möglich war sie zu mögen.
Fred Vargs beweist mit Adamsberg regelmäßig, daß auch französische Kommisare beinahe auf Rebus-Niveau ermitteln können, während Varennes Kommisar Guérin einfach nur ein Ärgernis ist, aber immerhin ist er bei der Poliei nicht so fehlplaziert wie sein Assistent, dessen einziger Sinn es ist, dackelgleich seinem Herrchen hinterher zu trotten.
Über die Sprache kann ich nur eingeschränkt urteilen, da ich nicht weiss, ob sie der Autor oder der Übersetzer verschuldet hat, aber die immer wieder zu deutlich merkbare Absicht, einen neuen, eigenen Stil zu finden, kombiniert mit den verkrampft innovativen Beschreibungen regte einfach nur auf.
Aber dafür hat es nur 315 Seiten und ist relativ groß gedruckt.
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am 23. Februar 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
"Fakire" von Antonin Varenne handelt im Groben und Ganzen von zwei Hauptpersonen- John Nichols, dem Halb-Amerikaner/Halb Franzosen, der als Aussteiger auf dem verlassenen, ehemaligen Hippie-Gelände seiner Mutter lebt, und Inspektor Guérin, den man in die Abteilung Selbstmorde abgeschoben hat, nachdem er nicht mehr richtig zu ticken scheint, und vielen seiner ehemaligen Kollegen unbequem geworden ist. Scheinbar verbindet sie überhaupt nichts, bis eines Tages eine Serie von merkwürdigen Selbstmorden dazu führt, dass sich ihre Wege kreuzen. Nichols, der nach dem Selbstmord eines Freundes unter dessen Vermächtnis leiden muss, und Guérin, der versucht, immer eine Verbindung zwischen jedem noch so kleinen Details zu finden. Am Ende wird sich allerdings nur ein Fall wirklich lösen, und den Rest der Charaktere gebrochen zurück lassen.

Zugegeben, es erschien mir zu Beginn etwas schwierig, mich in die Story einzulesen, was eventuell auch an der schwierigen Übersetzung Französisch-Deutsch liegen könnte, was oftmals fremd anmutet und kompliziert zu verstehen ist. Wenn man sich erstmal an den Stil gewöhnt hat, und die eigenwillige, aber ausdrucksstarke Weise, mit der Varenne hier erzählt, akzeptiert, liest man einen Krimi, der ganz reell im Hier und Jetzt genau so passieren könnte. Echte Menschen, echte Charaktere, die authentisch bleiben, machen den Reiz in diesem Buch aus. Keine Helden oder schön geschriebene Superdetektive handeln hier. Teilweise sogar richtig deprimierend für den Leser.

Kritikpunkte bleiben für mich die etwas wirre Entwicklung der Geschichte, es ist schwierig, den roten Faden zu finden, außerdem ist Nichols, obwohl als Hauptfigur agierend, blass und flach, Guérin stiehlt ihm eindeutig die Show, und was man als Erwartungen an ihn gesetzt hatte(vielleicht zu Unrecht, Schande über mich als Leser, dass ich das Klischée erwartet habe!), wird nicht erfüllt. Kann auch so beabsichtigt sein, ich weiß es nicht. Die Logik hinter dem Verbrechen entzog sich mir auch etwas(das war dann eine Sache, die weit hergeholt schien, aber immer noch im Rahmen des Glaubhaften bleibt), das Ende war dann etwas abrupt und man bleibt mit einem schalen Geschmack im Mund zurück, sehr rührselige(wie ich)werde vielleicht sogar eine Träne vergießen können(für wen auch immer). Hartgesottene Leser werden ihre Freude an den zerbrochenen Leben und der bizarren Welt des Romans haben- oder auch nicht.

4 Sterne, da mich das Buch trotz anfänglicher Schwierigkeiten in den Bann gezogen hat und man sich während des Lesens mit einzelnen Personen identifizieren konnte, der Autor hat es zumindest in diesem Buch verstanden, den Leser in die Personen schauen zu lassen.
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