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Kundenrezensionen

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VINE-PRODUKTTESTERam 28. Februar 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Eine Serie spektakulärer Selbstmorde, ein abgehalfterter Kommissar der Suretè, nekrophile Polizisten, ein amerikanischer Psychologe, der als Einsiedler in der französischen Provinz in einem Tipi lebt, ein drogenabhängiger Fakir, der für die CIA im Irakkrieg gefoltert hat und seinem Leben in einer spektakulären Show auf der Bühne selbst ein Ende gesetzt hat. Eigentlich eine interessante Ausgangsposition für einen Thriller. Doch, das sei hier vorweg genommen, gelingt es Antonin Varenne, weder einen Spannungsbogen aufzubauen, noch die verschiedenen Handlungsebenen miteinander zu verknüpfen.

Richard Guérin, Leutnant der Pariser Kriminalpolizei, leitet das Dezernat für Selbstmorde. Mit seinem unerfahrenen Kollegen Lambert, versucht er eine Serie spektakulärer Selbstmorde aufzuklären, bei denen es anscheinend gewisse Parallelen gibt. Immer wieder werden eine elegante Frau und zwei Männer an den Tatorten gesehen.

Zur gleichen Zeit kommt der amerikanische Psychologe John Nichols nach Paris um die Leiche seines Studiensubjekts und Freundes Alan Mustgrave zu identifizieren, der sich bei seiner letzten Fakir-Show angeblich umgebracht haben soll. Nichols findet heraus, dass der Irak-Veteran ein Verhältnis mit einem Diplomaten der amerikanischen Botschaft in Paris hatte und dabei seinem ehemaligen Vorgesetzten, der weiterhin für die CIA tätig ist, über den Weg gelaufen ist. Schnell kommen dem Amerikaner Zweifel an der Selbstmord-Theorie.

Über fast 200 Seiten versucht der Autor die beiden Handlungsstränge ohne große Fortschritte zusammenzuführen, um dann dem Leser innerhalb weniger Seiten den Hintergrund des Verhältnisses von Nichols und Mustgrave zu präsentieren. Da wird aus dem homosexuellen, drogenabhängigen Fakir ein Folterer der CIA, über den der Psychologe Nichols eine Dissertation verfasste, die auf Druck des Dienstes nie veröffentlicht wurde.

Der Zusammenhang zu der spektakulären Selbstmord-Serie bleibt dabei letztlich nicht nur auf der Strecke, sondern verliert sich vollends und wird gar nicht aufgeklärt. Nebenbei klärt Kommissar Guérin zwar zumindest einen polizeiinternen Skandal um einen Kollegen, der mit falschen Anschuldigungen über seine nekrophilen Neigungen in den Selbstmord getrieben haben soll und ihn selber auf das Abstellgleis des Selbstmord-Dezernates stellte.

Die Ansätze für einen guten Thriller sind sicher gegeben, halten aber in keiner Weise, was sie versprechen. Sprachlich beherrscht der Autor sein Handwerk zwar, aber alle Handlungsebenen werden zu langatmig aufgebaut, um dann in wenigen Seiten aufgeklärt zu werden oder eben gar nicht. Der Zusammenhang der beiden Hauptstränge bleibt am Ende unklar. Die Protagonisten bleiben oberflächlich, viele Details der Biographien nur angeschnitten. Insgesamt ein fader Thriller, der gerade einmal 3 Punkte verdient hat.
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TOP 1000 REZENSENTam 10. Februar 2011
Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Antonin Varennes Roman "Fakire", der in Frankreich schon im Jahre 2009 erschien und nun seinen Weg in die deutsche Übersetzung gefunden hat, könnte Freunden der straight story line eine enttäuschende Leseerfahrung bieten, denn ein gewöhnlicher Kriminalroman nach dem Muster "Verbrechen und Aufklärung" ist er keineswegs, auch wenn er dem Genre des Krimis wohl am nächsten kommen dürfte. Wer aber hofft, daß am Ende die bösen Buben bestraft werden und die Helden als Sieger aus der Geschichte hervorgehen oder daß sich auch nur alle Fragen, die den polizeilichen Ermittler Guérin umtreiben, aufklären, der sollte dieses Buch gar nicht erst in die Hand nehmen. Denn schlechte Kritiken, die auf einem Mißverständnis hinsichtlich der Erwartungen des Lesers beruhen, hat Varennes Roman ganz sicher nicht verdient.

Varenne verknüpft hier zwei Handlungsfäden - einmal die Geschichte des hochintelligenten Ermittlers Guérin, der bei seinen Vorgesetzten aufgrund unbequemer Fragen, die er gestellt hat, als Nestbeschmutzer gilt und nun - mit seinem scheinbar schwachsinnigen Assistenten Lambert - in die Selbstmordabteilung der Pariser Sûreté verbannt wurde. Dort glaubt er, ein bislang unbeachtetes Verbindungsglied zwischen verschiedenen Fällen scheinbar willkürlich begangenen Selbstmordes gefunden zu haben, bis er schließlich wieder in den alten Fall um seinen Kollegen Kowalski stolpert, mit dem seine Verfemung bei der Behörde begonnen hat. Der andere Handlungsstrang konzentriert sich auf den amerikanischen Psychologen John Nichols, dessen Freund Alan, ein drogenabhängiger Fakir, sich auf offener Bühne das Leben nahm. Quälten ihn die Schuldgefühle seiner Vergangenheit - immerhin hatte er im Auftrag der amerikanischen Regierung im Golfkrieg gefoltert -, oder ist er gar Opfer eines perfiden Mordes durch ehemalige Mitwisser oder einen von ihm erpreßten Unbekannten geworden?

Im Laufe des Romans versucht Varenne, diese beiden Handlungsstränge miteinander zu verflechten, doch der geneigte Leser handwerklich sauberer Krimikost wird zu dem Schluß kommen, daß ihm dies nicht wirklich gelungen ist, denn zwischen den beiden Rätseln gibt es nicht wirklich logische Zusammenhänge, und wären sie auch noch so weit hergeholt.

Nach diesem Caveat kann ich aber sagen, warum mir der Roman gefallen hat. Zum einen ist Varenne, anders als viele zeitgenössische Autoren von Krimis oder - ganz besonders - historischen Romanen, in der Lage, interessant zu schreiben. So läßt er bewußt Leerstellen, die der Leser zu füllen hat, wo andere Autoren, denen das Denken anscheinend selbst ein wenig beschwerlich ist, ihrem Publikum diese Mühe zu ersparen versuchen. Mit minimalistischen Pinselstrichen gelingen ihm plastische Momentaufnahmen, die seine Leser wirklich zu fesseln vermögen - wie etwa in der Beschreibung der letzten Reise einer Nebenfigur des Buches, für die Varenne eigens einen Perspektivwechsel vornimmt. Wenn auch der Klappentext mit dem reißerischen Versprechen "Jeder Satz ist ein Faustschlag, jedes Wort ein Schnitt mit dem Skalpell" ziemlich übertreibt, so versteht es der Verfasser doch, ungewöhnliche Metaphern zu finden und damit an seinen Lesern zu rütteln, wobei er mitunter allerdings - deshalb ein Stern Abzug - auch ein wenig ins gezwungen Originelle und Manierierte abgleitet.

Daß der Leser, zum anderen, am Ende um eine Auflösung im klassischen Sinne und ein "Alles wird gut" gebracht wird, ist bei Varennes Schreibweise und den dunklen Verstrickungen, in die er die Bewohner seiner Welt der Hoffnungslosigkeit - nur draußen auf dem Lande scheint die Welt noch in Ordnung zu sein - verwickelt, nur konsequent und verleiht dem Verfasser und seinem Roman Glaubwürdigkeit. Unerfüllten Freundschaften, unangepaßten Idealisten, zaghaften Vorstadtkarrieren und federlosen Papageien ist eben selten ein Happy End vergönnt.
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am 8. Februar 2011
Ich kann es mir nur so vorstellen: Antonin Varenne muss mit seinen Freunden während einer durchzechten Nacht gewettet haben. Danach hat er sich an die Arbeit gemacht, um den Beweis anzutreten, dass man einem Leser jeden Schwachsinn glaubhaft machen kann, wenn man ihn nur gut genug verpackt. Und so erzählt uns Varenne frei nach dem Motto, das Gegenteil eines Stereotyps müsse auf jeden Fall glaubhaft sein, Alans Geschichte. Ein Amerikaner in Paris. Homosexuell. Fakir. Drogensüchtig. Traumatisiert durch den Irakkrieg. Nur dort tätowiert, wo man es auch sehen kann - im Gesicht, an Armen und Händen. Liiert mit einem Diplomaten der amerikanischen Botschaft. Irgendwie verwickelt in Machenschaften des CIA. Befreundet mit einem anderen Amerikaner, John Nichols, ein Kind der 68-er Generation, Psychologe und Experte für das Sebastian-Syndrom. Der heilige Sebastian wurde von den Pfeilen nur an Stellen getroffen, an denen keine lebensbedrohlichen Verwundungen entstehen konnten. Das sagt Nichols. Wikipedia informiert mich darüber, dass es sich beim Sebastian-Syndrom um einen Thrombozytenmangel handelt. Die Betroffenen leiden verstärkt unter Nasen- und Zahnfleischbluten. Passt ja irgendwie. Denn Alan, der homosexuelle, drogensüchtige, aus dem Irak zurückgekehrte Fakir ist auch noch Bluter. Irgendwie eine schlechte Berufswahl. Und weil Alan durch seine Schlitzereien und Nadelstiche nicht gestorben ist, passiert es schließlich doch spektakulär auf der Bühne. Ein Selbstmord? Ein Mord?
Diese Frage will Kommissar Guérin beantworten, Sohn einer Prostituierten, verbannt in die Abteilung für Selbstmorde. In seinen eigenen vier Wänden beschimpft ihn ein depressiver, zerrupfter Papagei mit den Obszönitäten seiner Mutter. Im Büro starrt er auf den so genannten Amethyst, einen sich stetig ausbreitenden Blutfleck unter der Decke. Denn auf dem Dachboden wird die blutdurchtränkte Kleidung der Selbstmörder gelagert. In den eigenen Reihen geht es nicht weniger unspektakulär zu. Kowalskie trieb es gern mit Leichen. Und irgendwie muss da ein Zusammenhang zwischen den Selbstmorden in Paris, Alans missglückter Fakirnummer und den Foltermethoden in Abu Ghuraib geben. Darf natürlich nicht auffallen. Deshalb mischt die CIA Alan ein Blutgerinnungsmittel in die Drogen. Macht ja Sinn, wenn man einen Bluter zum Bluten bringen will. Vielleicht lief es auch anders. Am Ende wusste ich es nicht so genau. Da blieben nämlich mehr Fragen, als Antworten zurück. Denn Varenne spielt virtuos mit den Erwartungen seiner Leser und erfüllt viele davon nicht.

Trotzdem war ich fasziniert. Von der Wortgewalt kurzer, stakkatoartig abgefeuerter Halbsätze, manchmal so treffsicher, dass sie mit wenigen Worten die Handlung in einem Tempo vorantreiben, wofür andere Autoren mehrere Seiten gebraucht hätten. Das erfordert konzentriertes Lesen. Manchmal stolpert man über seltsame Vergleiche ("Der Himmel war schwer wie eine umgekippte Kloschüssel." "Lambert, eine Stehlampe ohne Glühbirne, blieb wie angewurzelt zurück.") oder liest sperrige Sätze zweimal ("Unter seinem bronzenen Helm belastete ein auf sein Gewehr gestützter Soldat von 1940 mit metallenem Blick die Zukunft der Fassaden mit einer müden Hypothek."
Stilistisch bietet der Roman viele Leckerbissen. Die Charaktere sind originell und trotz ihrer oftmals schrägen Lebensumstände überaus glaubwürdig geraten. Die Handlung hingegen hat mich ein wenig an Thomas Harris Killerschweine in Hannibal erinnert. Das Absurde wird nicht allein dadurch glaubwürdig, dass es weit hergeholt ist. Und so frage ich mich noch immer, wie das jetzt mit dem Blutgerinnungsmittel funktioniert haben soll und was da nun im Irak wirklich passiert ist. War der masochistische Alan auch noch ein sadistischer Folterer? War er nur Zeuge von Grausamkeiten? Vielleicht hat das ja jemand verstanden und kann mir die Antwort geben.
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VINE-PRODUKTTESTERam 26. Februar 2011
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Ich kann die durchweg positiven Kritiken meiner Mit-Rezensenten nicht teilen. Auch wenn ich mir wie ein Kostverächter vorkomme, weil ich diesen ungewöhnlichen Krimi nicht mit Lobeshymnen überschütte - ich fand das Buch einfach nur schlecht.

Vielleicht liegt es an der Übersetzung, veilleicht ist die Schreibweise einfach nicht mein Stil. Ich glaube auch nicht, mich nur für leicht geschriebene Romane begeistern zu können, eher im Gegenteil, aber was Varenne dem Leser zumutet ist vor allem ein völlig abstruser Plot.

Erzählt werden zwei Handlungstränge: um den Amerikaner John Nichols, Psychologe und Einsiedler, dessen schwuler Freund als Fakir auftritt, unglücklicherweise auch noch Bluter ist und bei einem Auftritt angeblich mit Absicht verblutet - also Selbstmord begeht.

Der andere Strang wird um den Polizisten Guérin und seinen Assistenten Lambert gewebt, die sich nur mit Selbstmorden beschäftigen. Alle Selbstmorde sind eindeutig und nichts deutet auch nur im entferntesten auf Mord hin. Dennoch will Guérin hier Zusammenhänge finden. Bei seiner Suche stößt er auf eine Truppe edel angezogener Leute, die immer wieder an den Tatorten anwesend sind. Offen bleibt bis zum Schluss, ob es sich immer um dieselben Personen handelt.

Außerdem hat Guérin auch noch mit ehemaligen Kollegen zu tun, die krumme Dinger drehen und mit denen er in Konflikt geraten ist und deshalb in die Selbstmordabteilung versetzt wurde.

Beide Stränge führen natürlich irgendwann zusammen und ergeben ein sehr seltsames Bild, welches mit dem Irak-Krieg, Folter und was diese mit Menschen macht, die sie ausgeführt haben, zu tun hat.

Alles in allem hat Varenne hier viel zu viel gewollt, um den Leser am Ende allein zu lassen. Ich habe gar nichts dagegen, auch zwischen den Zeilen zu lesen und den Leser so in die Handlung mit einzubeziehen, aber hier klaffen einfach zuviele Lücken. Auch gibt es keine wirkliche Auflösung, auch mit viel Phantasie nicht.

Wer das als Gewinn in der Literaturlandschaft begreift - bitte schön. Für meinen Geschmack wird hier eine gute Grundidee komplett in den Sand gesetzt. Einzig positiv habe ich den Spannungsbogen empfunden, der mich dann doch das Buch hat zuende lesen lassen, aber nur, um dort erst recht enttäuscht zu werden.
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VINE-PRODUKTTESTERam 7. Februar 2011
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Ein Buch, das einfach zu viel will. Es gibt zu viele Personen, die zu viele seltsame Eigenschaften haben, nicht einmal unter den polizeilichen Ermittlern findet sich ein einziger Normalo. Es scheint unter Autoren immer noch gross in Mode zu sein, jede einzelne Figur möglichst massenhaft mit schrägen Macken auszustatten, um atmosphärische Dichte oder gar Tiefe zu schaffen - das funktioniert jedoch nicht, sondern mindert, ebenso wie in diesem Buch häufige Perspektivwechsel, bloß die durchaus mögliche Spannung.
Als störend habe ich auch die Bewertung der Protagonisten empfunden. Wenn eine Person ein schlechter Mensch ist, will ich das in einem Roman nicht von oben herab berichtet bekommen, sondern erleben, selber sehen.
Gut gefallen haben mir nur Antonin Varennes Grundidee zum blutreichen Krimi selbst und die Tatsache, dass ihm zwischendurch immer wieder Sätze gelingen, die wirklich die Qualität literarischer Perlen haben. Ein "Meisterwerk", wie dick auf dem Klappentext versprochen, hält der Leser jedoch nicht in Händen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 9. Februar 2011
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der aber in einem tollen Stil geschrieben ist, in einer recht anspruchsvollen Sprache.

Zunächst gibt es zwei Handlungs-Stränge, die dem Anschein nach nichts miteinander zu tun haben.
Es dauert ziemlich lange bis sich eine Verbindung ergibt, von diesem Zeiptunkt an wird die
Handlung auch spannender. Schritt für Schritt stellt sich dann heraus, wer im Hintergrund die Fäden zieht.
Am Ende, als dann alle Fäden zusammengelaufen sind, kommt der grosse Showdown, ein Happy End
gibt es jedenfalls nicht.
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VINE-PRODUKTTESTERam 13. März 2011
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Der Pariser Kommissar Guérin und sein Assistent, sein "kleiner Lambert", haben einige spektakuläre Selbstmorde aufzuklären. Einige Merkwürdigkeiten legen den Verdacht nahe, dass es sich dabei um von Dritten iniziierte Selbstmorde, also Morde handeln könnte. Eines der Opfer ist der Fakir Alan Mustgrave, der sich während einer Vorstellung auf der Bühne vor Publikum umgebracht hat. Hier kommt ein weiterer Protagonist ins Spiel, nämlich John Nichols, ein amerikanischer Psychologe, der seit einigen Jahren in Südfrankreich lebt, und dessen Patient und Freund Mustgrave war. Von der Polizei zum Zwecke der Identifizierung des Toten nach Paris geholt, kommen ihm Zweifel am Selbstmord seines Freundes.

Guérin, Lambert, Nichols und auch Mustgrave, den man durch gedankliche Rückblenden Nichols kennen lernt, sind gebrochene, zum Teil tragische, zum Teil skurile Typen, in deren Leben bereits einiges schief ging. Das macht sie glaubwürdig, sympathisch, liebens- und auch bemittleidenswert. Keiner von ihnen nimmt eine Vorbildfunktion ein, der man nacheifern würde. Die polizeilichen Ermittlungsaktivitäten wirken teilweise linkisch. Und auch ihre Stellung und ihr Ansehen innerhalb des Kollegiums bzw. der Gesellschaft sagt einiges über diese Charaktere aus.

Mir hat gut gefallen, dass der Autor viele Leerstellen lässt. Auch haben sich mir nicht alle Wendungen erschlossen und alle Fragen hinsichtlich der Selbst-Morde und deren Verknüpfungen miteinander beantwortet. Ich weiß noch nicht mal, ob das an meinem mangelndem Scharfblick in Sachen Krimis liegt, oder ob diese Fragen tatsächlich ungelöst bleiben. Wahrscheinlich sollte ich das Buch einfach noch einmal lesen, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Vielleicht ist das Buch nicht, wie in vorangegangenen Rezensionen angemerkt, der typische Kriminalroman. Aber was ist typisch? Im modernen Roman ist heute alles erlaubt.

Der Roman ist flüssig geschrieben und nutzt Sprache, Satzbau und Stilelemente optimal, um Spannung zu erzeugen und Charaktere zu zeichnen. Hier gebührt auch dem Übersetzerteam Lob und Anerkennung.

Wie bei jedem Krimi ist es auch bei diesem Buch für das bessere Verständnis unbedingt von Vorteil, wenn man der Lektüre Zeit am Stück widmen kann und nicht häppchenweise liest.
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VINE-PRODUKTTESTERam 9. März 2011
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Gleich mal vorneweg: Wer einen geradlinigen Krimi mit Happy End erwartet, an dessen Schluss alle offenen Fragen beantwortet werden, der ist beim französischen Roman Fakire" an der falschen Adresse.

Das zeigt schon ein Blick auf die Handlung: Darin geht den Irakkriegsheimkehrer Alan, einen homosexuellen Fakir, der an der Bluterkrankheit leidet. Als er einen spektakulären Bühnentod stirbt, kommt Kommissar Guérin ins Spiel. Der Sohn einer Prostituierten wurde in die Abteilung für Selbstmorde zwangsversetzt, weil er in den eigenen Reihen zuviel herumschnüffelte und versucht nun den Zusammenhang zu finden zwischen Alans Ableben, den Selbstmorden in Paris und Foltermethoden des Irakkriegs.

Viele Themen also, die nicht so richtig zusammenzupassen scheinen und tatsächlich gelingt es dem Buch nur bedingt, die einzelnen Handlungsstränge zu verknüpfen. Dass es trotzdem lesenswert ist, liegt am originelle Schreibstil. Die wortgewaltigen, rasant montierten Sätze treiben die Handlung im Höchsttempo voran, appellieren aber gleichzeitig an den Verstand und die Vorstellungskraft des Lesers. So bleibt festzuhalten, dass Fakire" sicherlich kein Buch für jedermann ist, wer ein unverbrauchtes und originelles Schreibtalent entdecken will, ist hier aber durchaus an der richtigen Stelle.
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VINE-PRODUKTTESTERam 3. März 2011
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Es gibt Romane, bei denen ich mich frage:
finde ich das Buch nun einfach genial oder total daneben!
Diese Frage stellte ich mir mehrfach bei Fakire".
Wo läßt sich der Roman des Franzosen Antonin Varenne einordnen?
Kriminalroman oder surrealistische Erzählung?

Andererseits ist es doch ein sehr positives Element, dass man sich als Leser
diese Gedanken bei einem Buch macht.
Fakire" ist kein einfaches Buch, es braucht seine Zeit, bis man sich eingelesen
hat in eine doch recht wirre Geschichte, dann aber wird man von der Geschichte in den
Bann gezogen.
Paris. Bei der Polizei leitet Kommisar Guerin die Abteilung für Selbstmorde in der französischen Metropole. Sie ermitteln bei eindeutigen Selbsttötungen und unklaren Unfällen, die auf Selbstmord hinweisen. So muß Guerin und sein Team auch im Todesfall eines amerikanischen Artisten Alan ermitteln, der als Fakir in einem heruntergekommenen Sado-Maso Varieté auftrat und während einer Aufführung öffentlich verblutete. Es stellt sich die Frage, ob es Mord oder Selbstmord war.
Die gleiche Frage stellt sich der Amerikaner John Nichols, ein Freund Alans, der aus der französischen Provinz anreist. Er möchte alle Formalitäten rund um Alans Bestattung klären.
In Paris gerät Alan mehr und mehr in einen Sumpf aus surrealistischen Persönlichkeiten, gebrochenen Charakteren und der Pariser Halbwelt. Als sich Guerins und Nichols Wege treffen, treten sie gemeinsam in eine ihnen unbekannte Welt ein.

Antonin Varennes Roman ist ein absolut lesenswerter Roman, der durch seine ganz eigene Sprache gewinnt. Dem Autoren gelingt es schnell den Leser atmosphärisch zu fesseln.
Das täuscht nicht hinweg über die Tatsache, dass der Roman sehr konstruiert wird, die Handlung ist nicht nachvollziehbar und um was es am Ende ging, bleibt dem Leser überlassen.
Wer einen klassischen Kriminalroman oder Thriller wird maßlos enttäuscht, wer sich auf eine literarisches Experiment einlässt, wird belohnt.
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Format: Gebundene Ausgabe|Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Von französischen Thriller-Autoren ist man ja skurrile Kommissartypen gewohnt: Fred Vargas' schrulliger Jean Baptiste Adamsberg ist vielleicht der bekannteste Vertreter dieser Spezies. Jean Christophe Grangés Protagonisten sind auch nicht von schlechten Eltern: Siehe Pierre Niémas und Karim Abdoui in "Die Purpurnen Flüsse", Mathieu Durey und Luc Soubeyras in "Das Herz der Hölle" oder Lionel Kasdan und Cedric Volokine in "Choral des Todes". Schriller geht's nimmer, denkt man als Leser. Pustekuchen. Antonin Varennes Kommissar Guérin schlägt all diese schrägen Nummern um Längen. Von der Mord- zur Selbstmordabteilung der Brigade Criminelle versetzt, haust er mit seinem Assistenten in den kryptischen Kavernen der Pariser Polizeipräfektur, von seinen Kollegen gehasst und gefürchtet. Mit Grund, wie der Leser bald feststellt, denn die Ursache für Guérins Strafversetzung zum Selbstmord ist eine äußerst heikle, interne Angelegenheit, die sich aber nur Stück um Stück im fortlaufenden Kontext entrollt.

Bevor es mit dem mutmaßlichen Selbstmord eines drogensüchtigen Fakirkünstlers so richtig zur Sache geht, wird man Zeuge einiger Suizide, die so scheußlich realistisch inszeniert sind, dass man das Buch manchmal für einige Minuten aus der Hand legen muss. Aber nicht für länger, denn der Thrill dieser Story ist so ungeheuer, dass man sie in einem Rutsch lesen MUSS. Besonders, nachdem auch noch der scheinbar verschrobene Naturbursche und Psychologe Nichols ins Spiel kommt, ein alter Freund und Beschützer des Fakirs, der ebenso wenig an Selbstmord glauben mag wie Guérin. Außerdem spielt auch der ehemalige Knastbruder und jetzige Parkwächter Bunker eine Rolle in der zeitweilig immer verwirrender werdenden Handlung.

Die Auflösung ist dann fast ärgerlich, denn nichts gehört so zusammen, wie man das von Krimis gewohnt ist, wo scheinbar zusammenhanglose Ereignisse letztlich immer doch zusammenhängen, und es nur auf die Kombinationsgabe des Helden ankommt, ums die Stränge zusammen zu führen. In "Fakire" ist es eher wie im richtigen Leben. Der rote Faden lässt die Protagonisten im Stich. Und doch gibt es einen Knalleffekt am Schluss, der ebenso atemberaubend wie bedrückend wirkt.

Le Canard enchainé, das bekannte französische Satireblatt, rühmt: Ein Meisterwerk! Stimmt genau!
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