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Am 12. Februar 2009 wird der 200. Geburtstag eines Mannes gefeiert, der mit seinen Erkenntnissen und der Veröffentlichung seines Hauptwerkes "Über die Entstehung der Arten" (1859) das Verständnis über unsere Herkunft revolutionierte: sein Name Charles Darwin. Der Brite Richard Dawkins - einer der führenden Evolutionsforscher der Gegenwart und ein großer Verehrer des 1809 geborenen Naturwissenschaftlers - veröffentlichte bereits im Jahr 2004 in Zusammenarbeit mit seinem Forschungsassistenten Yan Wong ein sensationelles Buch ("The Ancestor's Tale"), das an die Lehre Darwins anknüpft und die Entwicklung unserer Spezies - des Menschen - auf beeindruckende Art und Weise und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aufrollt.
Nun endlich liegt die von Sebastian Vogel verständlich und flüssig aus dem Englischen übertragene Version auch im Deutschen vor.

Dawkins hat trotz der Kompaktheit des Buches (über 900 eng bedruckte Seiten) und der beinahe erschlagenden Fülle an vermittelnden Informationen ein überaus lesenswertes Werk geschaffen. "Geschichten vom Ursprung des Lebens" - wie es der Titel bereits vermuten lässt - erzählt Geschichten über die Evolution. Aber keineswegs "eine blöde Geschichte nach der anderen" wie der Autor schmunzelnd einwirft und auch nicht in der Art, als welche man den Ablauf der Evolution mit etwas Humor durchaus beschreiben könnte, nämlich als "eine blöde Spezies nach der anderen", sondern der britische Evolutionsbiologe hat ein unglaublich spannendes, unterhaltsames, hochinformatives und wissenschaftlich fundiertes Sachbuch geschrieben, das sich beinahe wie ein Roman liest. Fasziniert verfolgt der Leser wie sich beginnend vor ca. 3,5 Milliarden Jahren das Leben nahezu aus dem Nichts mit einfachen Einzellern und Bakterien zu entwickeln begann und letztendlich zu "Produkten" führte, "die nicht nur ihren Ablauf begreifen sondern auch den Prozess, mit dem sie ihn begreifen" - den Menschen.

Eines raffinierten Weges bzw. einer durchdachten Vorgehensweise hat sich Richard Dawkins dabei bedient. Er verfolgt auf einer Pilgerreise die Entwicklung des Lebens rückwärts - von der Gegenwart in die ferne Vergangenheit, zum Ursprung. Der Leser wird ihm bereitwillig und vor allem interessiert folgen. "Aber da wir Menschen sind, werden wir von all diesen Wegen den unserer Vorfahren einschlagen. Es wird eine Pilgerreise von Menschen zu den Vorfahren der Menschen."

Die ersten Mitpilger - die Schimpansen - begrüßen wir vor fünf Millionen Jahren. Und nach jedem erneuten Zusammentreffen von Vorfahren, mit denen wir einen gemeinsamen Vorfahren haben, wird die Pilgerschar - unsere "Verwandtschaft" - immer größer und weitläufiger. Doch erstaunlicherweise hält sich, trotz der unermesslichen Zeitspanne, die Zahl der "Meetingpoints" oder Sammelplätze sehr stark in Grenzen. "Als menschliche Pilger kommen wir insgesamt nur an vierzig Treffpunkten vorüber, dann sind wir beim Ursprung des Lebens angekommen.", erklärt Dawkins.

Den Ursprung nennt der Autor "unser Canterbury", eine literarische Anspielung auf Geoffrey Chaucers "Canterbury Tales" (dt. "Die Canterbury-Erzählungen") aus dem 14. Jahrhundert. "Auch meine Pilger", so Dawkins, "die verschiedenen Arten der Lebewesen, werden nach dem Vorbild Chaucers die Gelegenheit erhalten, auf dem Weg nach ihrem Canterbury [...] Geschichten zu erzählen. Diese Geschichten bilden den Hauptteil des vorliegenden Buches." Da kommen zum Beispiel der Neandertaler zu Wort, der Gibbon, der Biber oder die Maus, der Beutelmaulwurf, der Dodo, die Heuschrecke, der Schwamm oder ein Blumenkohl, um nur einige zu nennen, bis wir letztendlich bei den letzten Pilgern, den Eubakterien und dessen ausgewählten Vertretern wie dem Rhizobium oder dem Taq ankommen.

"Das Gerüst der Erzählungen [wiederum] bilden die nummerierten Meilensteine an den Treffpunkten und zwischendurch einige Orientierungsmarken, die unbedingt notwendig sind, damit wir die Chronologie festklopfen können.", erläutert Dawkins. Dabei kann der Leser in beinahe jeder der Begegnungen eine evolutionäre Botschaft entdecken, in der wir Menschen leider nicht immer die beste Rolle spielen.

Von Zeit zu Zeit integriert der Autor anschaulichen wissenschaftlichen Nachhilfeunterricht. Dawkins erläutert verständlich und kompetent den DNA-Aufbau und Gensequenzanalysen, erklärt die Modellierung von Stammbäumen mit Hilfe von Computerprogrammen oder aber das Periodensystem der chemischen Elemente und die Bildung von Isotopen. Sogar einen Abstecher in die Astrophysik und die Quantenmechanik unternimmt er.

Ergänzt wird das Buch durch viele grafische Erläuterungen, über fünfzig zum Teil spektakuläre Farbaufnahmen und einen ausführlichen Anhang, der unter anderem Anmerkungen zu Stammbäumen und Rekonstruktion sowie ein umfassendes Quellenverzeichnis und Register enthält.

"Wenn ich als heimkehrender Wirt die ganze Pilgerreise Revue passieren lasse, an der ich teilnehmen durfte", sinniert Richard Dawkins in seinem Schlussplädoyer, "überfällt mich vor allem ein Gefühl des Staunens. Ich staune nicht nur über die Fülle ungewöhnlicher Einzelheiten, die uns begegnet sind, sondern auch darüber, dass solche Einzelheiten überhaupt auf einem x-beliebigen Planeten vorhanden sind. Das Universum hätte ohne weiteres leblos und einfach bleiben können - nur mit Physik und Chemie, nur mit dem fein verteilten Staub der kosmischen Explosion, die Raum und Zeit hervorbrachte. Die Tatsache, dass das nicht geschah [...], ist so atemberaubend, das jeder Versuch, ihr mit Worten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, töricht wäre."

Fazit:
Richard Dawkins ist es gelungen, mit seinem wundervollen Buch eben jenes von ihm angesprochene Staunen beim Leser neu zu aktivieren und auf unnachahmliche Weise das populäre Verständnis der Evolution von einigen hartnäckigen Vorurteilen zu befreien. Ein äußerst lesens- und nachdenkenswertes Buch.
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am 26. August 2010
Das im Jahr 2004 geschriebene Buch legt den aktuellen Wissensstand hinsichtlich der Entwicklung und auch Entstehung des Lebens auf der Erde in recht allgemeinverständlicher Form dar. Wer den Mut findet, dieses 900-Seiten-Buch in Angriff zu nehmen, wird mit einer grandiosen Übersicht über die Evolution (einschließlich ihrer prä-biotischen Phase), zahlreichen faszinierenden Erkenntnissen und unterhaltsamen Anekdoten belohnt. Dawkins präsentiert nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern legt auch anschaulich dar, nach welchen überprüfbaren und nachvollziebaren Methoden diese Erkenntnisse erhalten wurden. Dem Autor ist sehr daran gelegen, zu vermitteln, dass die im Buch präsentierten Erkenntnisse nicht einfach geglaubt werden müssen, sondern prinzipiell jederzeit von jedermann überprüft und nachvollzogen werden können. Nach Dawkins sollten wir uns viel häufiger mit der Frage auseinandersetzten,woher wir wissen, was wir wissen. Und wenn wir etwas nicht wissen, sollten wir uns nach meiner Meinung auch fragen, warum wir glauben, was wir glauben, aber nun zurück zum Buch.
Aus meiner Sicht handelt es sich um ein sehr wichtiges Buch, denn scheinbar bestehen im Hinblick auf die Buch-Thematik in breiten Teilen der Bevölkerung massive Wissensdefizite. So hört man immer wieder Aussagen, wie: "Die Wissenschaft liefert zwar eine plausible Erklärung für die Entwicklung des Lebens, kann aber die Entstehung des Lebens nicht erklären." Dies war die Situation zur Darwins Zeiten vor etwa 150 Jahren. Schon seit vielen Jahrzehnten gibt es plausible und immer weiter verfeinerte Theorien und Modelle zur sogenannten prä-biotischen Phase der Evolution, die eine allmähliche Entstehung des Lebens ohne jeden überirdischen Eingriff sehr wahrscheinlich erscheinen lassen. Wesentliche Beiträge hat hier u.a. der berühmte deutsche Nobelpreisträger Manfred Eigen geleistet.
All dies kann im hier rezensierten Buch nachgelesen werden und ist auch aus zahlreichen anderen Quellen verfügbares Wissen, für Leute, die es wissen möchten...
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am 19. August 2009
Ich hätte nicht gedacht, daß Richard Dawkins nach "Das egoistische Gen" und seiner ausgezeichneten Verteidigung des Darwinismus gegen zeitgenössische Angriffe in "Der blinde Uhrmacher" noch zu einer Steigerung fähig sein könnte. Aber dieses Buch schafft dies! Es ist eine wundervoll leicht geschriebene, rückwärtige Reise durch die Evolution, und an jeder Verzweigungsstelle (im Buch ein Treffpunkt verschiedener Evolutions"pilger", in Anlehnung an Chaucer's "Canterbury Tales") behandelt Dawkins einen oder mehrere interessante Aspekte aus der Evolutionsforschung. Das Buch wurde dadurch auch für mich als Biologen zur Zeitreise. Denn Fragen wie z. B. die nach den ersten Lungen, der ungewöhnlichen Verbreitung der Beuteltiere, der Entstehung flugunfähiger Vögel, oder des Fluges überhaupt, waren Fragen, die mich während des Studiums faszinierten und beschäftigten, dann jedoch leider viel zu früh einer notwendigen Spezialisierung zum Opfer fielen. Dawkins greift diese (und viele andere) Fragen in seinem Buch auf, diskutiert sie ungemein kenntnisreich, und dennoch mit viel Phantasie und Humor.

Neben dieser persönlichen Reminiszenz verdanke ich dem Buch jedoch auch noch etwas anderes, und Wichtigeres. Denn Dawkins scheut sich auch nicht, einige bei Evolutionsgegnern sehr beliebte, angebliche "Erklärungslücken" der Evolution aufzugreifen. Dawkins zeigt beispielsweise überzeugend und mit Leichtigkeit auf, daß hinter der bemerkenswerten Artenvielfalt der Buntbarsche im Viktoriasee überhaupt nichts Mysteriöses steckt, sondern daß sie ganz verständlich wird, wenn man die besonderen geographischen Gegebenheiten des Victoriasees (z. B. viele Riffe, die für Fischpopulationen wie Inseln wirken) berücksichtigt. Er bringt auch Arbeiten in Erinnerung, wie die der Grants auf Galapagos und anderer Forscher (beschrieben z.B. in Jonathan Weiners "Der Schnabel des Finken"), die nahelegen, daß Artbildung unter den Bedingungen der natürlichen Selektion beileibe kein langwieriger Prozeß ist, sondern sehr schnell - innerhalb weniger Generationen - vonstatten gehen kann. Und in Dawkins' Buch habe ich nun auch zum ersten Mal eine Entgegnung auf das Lieblingsargument der "Intelligent Design"-Leute (z.B. Michael Behe) gelesen, der Flagellenmotor der Bakterien sei eine Struktur mit "nichtreduzierbarer Komplexität" (d.h. nicht über nützliche Zwischenstufen entsteh- und damit erklärbar). Diese Zwischenstufen gibt es eben doch! Das weiß ich nun dank Dawkins, und dafür bin ich ihm dankbar. Ohne ihn hätten die "Verwirrer" (heute ja oft in modernem Kleide erscheinend) zumindest bei mir wesentlich leichteres Spiel.

Alles in allem also ein ungemein lohnenswertes Buch, das ich nur empfehlen kann.
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in diesem buch macht sich dawkins auf die suche nach unseren vorfahren, d.h. er verfolgt die entwicklung des homo sapiens bis zu den ursprüngen zurück, eine zeitreise sozusagen. so treffen wir etwa vor 8 millionen jahren auf den ersten gemeinsamen vorfahren, aus dem sich der schimpanse (der sich kurz danach noch in den nebenzweig der bonobos geteilt hat) und eben der mensch entwickelt hat. interessant, dass der genetische unterschied zwischen mensch und schimpanse kleiner ist, als der des schimpansen zu den anderen menschenaffen, auch der orangutan steht uns näher als dem schimpansen.

so geht die reise immer weiter in die vergangenheit und wird auch zwangsläufig immer spekulativer, auch wenn der wissenschaft heute das instrument der genanalyse zur verfügung steht.

durch fossilien und funde entsteht das verzerrte bild, dass es sprungartig verschiedene arten gibt. dawkins erläutert aber anschaulich, dass die entwicklung jeder spezies (und auch innerhalb derselben) ein ununterbrochener analoger prozess ist, bei dem selbst die ganz seltenen sprunghaften mutationen mehrere generationen brauchen um sich etablieren zu können oder eben nicht.

mehr als 95% aller arten sind ja auch schon längst wieder ausgestorben.

insgesamt treffen wir auf der reise zu den ursprüngen des lebens auf über 40 vorfahren (nach den schimpansen kommen andere affen, dann die lemuren...) und dabei wird klar, wie lächerlich die argumente der kreationisten in wahrheit sind, alleine augen haben sich über 40 mal unter verschiedenen ausgangssituationen auf verschiedenste art entwickelt, die gliedertiere weisen die vorstufen aller organe auf...

das kapitel der saurier und deren aussterben wird nur am rande gestreift, da diese nicht zu unseren vorfahren zählen. ihr aussterben hat erst die weitere evolution der säugetiere (die damals zahlreich aber sehr klein und mausartig waren) und somit unsere existenz ermöglicht.

auch wird klar, dass die evolution eigentlich erstaunlich langsam ist, wenn man sieht, wie der evolutionsdruck oft millionen jahre benötigt um eine neue art entstehen zu lassen, man bedenke nur, dass der wolf erst vor rd 10.000 jahren domestiziert wurde und wieviele hunderassen in dieser vergleichsweisen ultrakurzen zeit entstanden sind.

dawkins vergleicht die evolution sehr schön mit einem korken, den man in den atlantik wirft (der beginn) und der irgendwann in amerika landet (jetziger entwicklungsstand) und dafür viele jahre braucht, weil er immer hin- und her schaukelt, mal vor, mal zurück, mal links, mal rechts aber doch irgendwo anlangt. der hundekorken ist hingegen vom homo sapiens sapiens in wenigen stunden dorthin mitgenommen worden...

ein hochinteressantes buch, das sich angenehm und leicht lesen läßt, ja oft sogar richtig spannend ist.

den sterneabzug gibt's für mitunter zu ausschweifende abschweifungen und für die vielen hinweise auf andere werke des autors, mitunter an stellen, wo man sich im gegensatz zu den vorher erwähnten eine ausführlichere befassung wünschen würde.

trotzdem: hochinteressante lektüre, die uns vor augen führt, wie sich das leben auf diesem planeten entwickelt hat/haben könnte, wie wir entstanden sind, unterhaltsam und spannend erzählt.
empfehlung!
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TOP 1000 REZENSENTam 25. Dezember 2013
Richard Dawkins war bis 2008 Professor für Zoologie und Evolutionsbiologe an der Universität Oxford und ist ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Wahrheit der Evolutionstheorie. Auch in diesem umfassenden 900-Seiten-Wälzer, dessen Original 2004 erschien, weist er auf jeder Seite nach, wie über das Genom letztlich alles Lebendige miteinander verwandt bzw. auseinander hervorgegangen ist.

Er tut dies äußerst gründlich und dennoch über einzelne sehr lehrreiche Geschichten bestimmter Weggefährten, die bei einer in 39 Begegnungen eingeteilten Reise des Jetzt-Menschen in die weite Vergangenheit der Evolution des Lebens angetroffen werden können. Auf der Zeitskala kann der Leser sich dabei orientieren, wie weit zurück der Weg bis zur jeweiligen Begegnung bereits gegangen ist. Farbabbildungen helfen bei der Vorstellung bestimmter Lebewesen oder Sachverhalte.

Auf diese Weise gelingt es ihm sehr unterhaltsam, stets mit den Geschichten auch kleine weitere Mosaiksteine in der Evolutionsforschung zu erklären, wenn es z.B. um Datierungsmethoden geht oder um Genom-Analyse zur Aufdeckung des Verwandtschaft von Arten. Eindrücklich wird dem Leser am Ende der Reise auch klar, wie alle Zellen "höherer" Lebewesen letztlich ihren Stoffwechsel haupsächlich Prokaryonten verdanken, die irgendwann mal Eingang in unsere Zellen und unser Genom gefunden haben, und sozusagen mit uns symbiotisch leben: Mitochondrien, die Kraftwerke unserer Zellen, waren mal eigenständige Bakterien.

Fazit: ein sehr opulentes Werk, dessen Lektüre zwar langen Atem benötigt, aber mit reichlich interessanten Einblicken in die Evolution des Lebens auf unserem Planeten entschädigt. (25.12.13)
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am 20. Februar 2009
Ist doch cool. Neugierig schauen wir auf unseren eigenen Familienstammbaum zurück. An jeder Abzweigung begegnen wir neuen Verwandten. Sie werden uns immer wieder andere und interessante Geschichten erzählen können. Was ist aus diesem Zweig der Verwandtschaft geworden, was aus jenem? Wer von Ihnen lebt noch? Haben wir uns weiter entwickelt als unsere Vorfahren, oder gab es da nicht schon einen Urgroßvater, eine Urgroßmutter, auf die wir ganz besonders stolz sind?

Fühlen wir uns gar als Höhepunkt dieser Abstammung? War unsere Verwandtschaft dazu da, gerade uns hervorzubringen? Ich glaube, dass kaum jemand so denkt. Aber innerhalb der Evolution der Lebewesen dieser Erde heben wir den Stellenwert des Menschen schon gerne hervor. Zu recht? Richard Dawkins wählte das Stilmittel der Zeitreise in die Vergangenheit ganz bewusst. Er konnte damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ich meine, im übertragenen Sinn natürlich (ein Biologe würde höchstens zwei Fliegen im selben Formalingläschen bestatten). Aber zurück zu Dawkins. Er umgeht auf diese Weise eine Gefahr. Er möchte nämlich vermeiden, dass allein durch die Form der Erzählung - vom Anfang bis zum Heute - ungewollt der Eindruck erweckt würde, die Evolution sei zielgerichtet und entwickle sich hin zum Höheren. Man spürt die Erfahrung und das außerordentliche Hintergrundwissen des (nicht unumstrittenen) Evolutionsbiologen. Ein opulentes, in bekannter Manier locker geschriebenes Werk, das er da vorgelegt hat.

* Geschichten, die die Evolution geschrieben hat *
Richard Dawkins erklärt Grundzüge der Evolution an Hand von Geschichten. Es treten Brüllaffen auf, Biber, Pfauen, Flunder Ringelwürmer, Parasiten, Blumenkohl, Bakterien und viele andere. Er deutet evolutionäre Phänomene wie Egoismus und Kooperation. Oder, dass Unvollkommenheiten im Körperbau und im Aufbau von Organen verständlich werden, wenn man ihre evolutionäre Entstehung kennt. Methodiken kommen zur Sprache, wie die verschiedenen Möglichkeiten von Datierungen; und der Blumenkohl erzählt, warum die Stoffwechselrate in seinen Zellen höher sein muss als in einer Zelle eines Mammutbaums.

Beispiel Schnabeltiere. Jene eierlegenden australischen Säugetiere, die zuerst für einen Zoologenwitz gehalten wurden und als urtümliche 'lebende Fossilien' gelten, sind alles andere als primitiv. Ihr Schnabel ist ein mit hunderttausend elektrischen Sensoren bestücktes Aufklärungsinstrument, vergleichbar mit militärischen AWACS Systemen. Schnabeltiere bilden mit diesem Instrument die Wirklichkeit ab, so wie wir die Wirklichkeit mit unseren Augen aufnehmen. Richard Dawkins legt großen Wert darauf, dass wir uns bemühen die Natur zu verstehen. Nur auf diese Weise, so sagt er, können wir sie angemessen schätzen und bewundern.

Was würde passieren, wenn die Evolution noch einmal mit der ersten eukaryotischen Zelle beginnen würde? Kann man Vorhersagen treffen, in welche Richtung die Evolution geht? Ähnliche Probleme erfordern ähnliche Lösungen, beispielsweise die Notwendigkeit der Entwicklung von Augen zur Orientierung im Licht. Die Evolution schreitet nicht immer mit gleichem Tempo voran. Sie verläuft auch nicht rein zufällig; allein Embyonalentwicklung und Körperbau lassen nur ein beschränktes Spektrum von Lösungen zu. Und selbst die Evolution entwickelt ihre Mechanismen weiter: "Die Evolution der Evolutionsfähigkeit" (in diesem Zusammenhang werden von Molekularbiologen übrigens Genduplikationen, Gentransfers, mobile genetische Elemente diskutiert; Dawkins deutet hier lediglich Arbeiten anderer Autoren an).

* Ein opulentes Werk zur Evolution *
Ein ausführliches Werk, über 900 Seiten. Es ist kein Lehrbuch, sondern ein lebendig geschriebenes Lesebuch, eine Fundgrube immer wieder überraschender Geschichten und Querverweise. Es zeigt auch den nachdenklichen Dawkins, der im Gegensatz zu seinem Image als der Leibhaftige ("Der Gotteswahn") verschiedene Interpretationen gegenüberstellt, abwägt, sich von Argumentationen beeindrucken lässt und schon auch mal vorsichtig von der ein oder anderen früher vertretenen Position abrückt. Dies zeichnet einen selbstbewussten und aufrichtigen Wissenschaftler aus.
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am 12. Februar 2015
... von der ersten bis zur letzten Seite total spannend - die Evolution detailliert rückwärts berichtet - man lernt so vieles Grundlegendes über Biologie, Evolution und die Erdgeschichte. Ich war richtig süchtig danach und total vertieft. Hat mich sehr beschäftigt. Dadurch, dass es so interessant beschrieben ist, hab ich mir sehr vieles gemerkt. Und es bleibt so ein wunderschönes Gefühl von totaler Verbundenheit mit allen lebenden Wesen!
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TOP 1000 REZENSENTam 29. Dezember 2009
Endlich ist dieses hervorragende Buch, dessen englische Erstausgabe bereits 2004 erschien, auch als deutschsprachiges Taschenbuch erhältlich. (Hoffentlich müssen wir auf die Übersetzung von Dawkins neustem Werk nicht ebenso lange warten.)

Auf unterhaltsame und mitreißende Art und Weise, fast schon im Plauderton, führt Richard Dawkins in die Evolution ein. Selbst komplizierte Themen werden für Laien verständlich erklärt.

Er nimmt den Leser mit auf eine Pilgerreise zum Beginn des Lebens. Dass ein bekannter Atheist wie Dawkins gerade eine Pilgerreise als Leitfaden seines Buches wählt, mag zwar überraschend sein und für deutschsprachige Leser sind die Anspielungen auf Chaucers "Canterbury Tales" nicht immer verständlich. Schon bald bemerkt man aber, dass diese Art der Präsentation den Leser von Beginn an in ihren Bann zieht und es ihm ermöglicht, tief in die Materie einzutauchen und ein wirkliches Verständnis der Zusammenhänge zu entwickeln.
Auf den verschiedenen Etappen der Pilgerfahrt begegnet der Leser jeweils dem letzten gemeinsamen Vorfahren, der uns Menschen mit einer bestimmten Gruppe von Lebewesen verbindet. So bekommt man ein gutes Gefühl für die Verwandtschaftsverhältnisse und für die Stellung des Menschen in der Welt des Lebendigen.
Dazwischen werden immer "Geschichten" eingeschoben, in denen an Hand eines bestimmten Lebewesens Grundlagen, interessante Aspekte oder auch kontroverse Diskussionen der Evolutionslehre dargestellt werden.

Die Erklärungen sind dabei immer spannend, unterhaltsam und lebensnah, sodass das Buch trotz seiner fast 900 Seiten nie langweilig wird.

Alles in allem also ein wirklich großartiges Buch, für das 5 Sterne eigentlich viel zu wenig sind.
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am 19. Juli 2016
Als ich die Seitenanzahl laß habe ich mir eigentlich gedacht: Das wird es sein. DAS "Evolutions-Buch" was ich schon immer wollte.
Und ich wurde nicht enttäuscht!

Das dicke (im Verhältnis zu dickseitigen Büchern dünne und damit gut in der Hand liegende) Buch enthält so viel Kost, wie man ihn mündlich gar nicht wiedergeben und somit gerecht rezensieren kann.
Im Grunde gibt es einen Handlungsstrang: Die Phylogenese.
Richtig gelesen: Die gesamte Phylogenese - Quasi "vom Einzeller zum Menschen"
Nur andersherum! Vom Menschen zum Einzeller. Dies hat viele Gründe, aber ich denke es ist naheliegend, dass sich Menschen am meisten für nähere Verwandte interessieren und nicht erst 500 Seiten auf diese warten wollen. Die Geschichte fängt also bei den ersten dokumentierten Kulturen und der Erfindung der Landwirtschaft an.
Diese wird in einem intellektuellen aber nicht trockenen Narrativ erzählt, genau wie der Rest.

Das Muster und die "Kapitel"-Gestaltung ist folgendermaßen:
Die großen genetischen Zweige/Stämme der Lebewesen, die sich seit ca. 3,5 Milliarden Jahren abgespalten haben bilden ein Kapitel.
Das erste Kapitel ist wie gesagt die Geschichte unserer menschlichen Vorfahren (Ergasten, Habilinen, Affenmenschen). Der erste phylogenetische Zwischenstopp sind unsere Vor- bzw. wie sie hier genannt werden Mitfahren: Schimpansen.
Darauf folgend:
2 Gorillas
3 Orang-Utans
4 Gibbons
5 Altweltaffen
6 Neuweltaffen
7 Koboldmakis
8 Lemuren, Buschbabys und ihre Verwandten
9 Spitzhörnchen und Riesengleiter
10 Nagetiere und Kaninchenartige
11 Laurasiatheren
12 Nebengelenktiere
13 Afrotheren
14 Beuteltiere
15 Kloakentiere
usw.
Jedes Kapitel beginnt mit einer phylogenetischen Karte anhand eines Zeitstrahles. Eine schöne Grafik, geeicht anhand seriöser genetischer und paläoanthrologischer Methoden, oder im Kapitel besprochen, falls genauere Angaben (noch) nicht bekannt oder gesichert sind.
Es werden fairerweise auch Schwierigkeiten bei der Datierung etc. benannt, sodass es keine "so war das und nicht anders"-Geschichte erzählt wird. Gerade am Anfang, also den (chronologisch) letzten phylogenetischen Abzweigungen wird ausführlich besprochen, welche der Hypothesen, aus welcher Perspektive Sinn haben oder weniger sinnvoll seien. R. Dawkins gibt seine (meiner Meinung nach) berechtigten Bedenken an einigen Hypothesen aber immer respektvoll und ohne Seitenhiebe preis. Das ist eine Eigenschaft, die nicht jeder biologische Autor von sich behaupten kann. Mit R. Dawkins haben wir einen reflektierten naturphilosophischen Rationalisten, der sein Weltbild zwar nicht versteckt, aber auch nicht jeder biologischen These die ihr gelegen kommt sofort abnickt. Die (selbst-)kritischen Aussagen sind dann augenscheinlich gefundenes Fressen für Kreationisten - mag man denken wenn man Dawkins nicht kennt. Dieser stellt am Ende die kritischen Äußerungen in ein rechtes Licht, womit das Argument eines Kreationisten nicht mehr standhalten kann. Alles mit Kalkül, denn wie Dawkins früher selbst erlebt hat, nimmt der Kreationist jede gutgläubige selbstkritische Anmerkung eines Biologen und rezitiert sie kontextlos.

Die Zeitreise in die vergänglichsten Tode wird natürlich immer wieder belebt durch Geschichten und Anekdoten der Tiere der Gegenwart. Das hält nicht nur bei Laune, es gibt auch viel wertvolles ökologisches Zusatzwissen, welches man von vielen anderen Evolutionsbiologen nicht erwarten kann.

Das letzte Kapitel ist ziemlich lang, da es um die Frage der Abiogenese, also dem Ursprung/ der Entstehung des Lebens. Hier ist das einzige Manko, meiner Meinung nach, des Buches. Sollte man also heißt auf die Abiogenesefrage sein, empfehle ich andere Bücher wie bspw. "Chemische Evolution und der Ursprung des Lebens" von Rauchfuß.

Ich vergebe dennoch 5 Sterne, weil das Buch sich hauptsächlich um Evolution dreht und nicht um die Entstehung des Lebens.
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TOP 1000 REZENSENTam 27. August 2009
Aus Anlass des Darwin-Jahres 2009 ist ja eine Vielzahl von Büchern zur Evolution erschienen. Dieses ist aber sicherlich das mit Abstand beste!!!

Auf unterhaltsame und mitreißende Art und Weise, fast schon im Plauderton, führt Richard Dawkins in die Evolution ein. Selbst komplizierte Themen werden für Laien verständlich erklärt.

Er nimmt den Leser mit auf eine Pilgerreise zum Beginn des Lebens. Dass ein bekannter Atheist wie Dawkins gerade eine Pilgerreise als Leitfaden seines Buches wählt, mag zwar überraschend sein und für deutschsprachige Leser sind die Anspielungen auf Chaucers "Canterbury Tales" nicht immer verständlich. Schon bald bemerkt man aber, dass diese Art der Präsentation den Leser von Beginn an in ihren Bann zieht und es ihm ermöglicht, tief in die Materie einzutauchen und ein wirkliches Verständnis der Zusammenhänge zu entwickeln.

Auf den verschiedenen Etappen der Pilgerfahrt begegnet der Leser jeweils dem letzten gemeinsamen Vorfahren, der uns Menschen mit einer bestimmten Gruppe von Lebewesen verbindet. So bekommt man ein gutes Gefühl für die Verwandtschaftsverhältnisse und für die Stellung des Menschen in der Welt des Lebendigen.
Dazwischen werden immer "Geschichten" eingeschoben, in denen an Hand eines bestimmten Lebewesens Grundlagen, interessante Aspekte oder auch kontroverse Diskussionen der Evolutionslehre dargestellt werden.
Die Erklärungen sind dabei immer spannend, unterhaltsam und lebensnah, sodass das Buch trotz seiner fast 900 Seiten nie langweilig wird.

Alles in allem also ein wirklich großartiges Buch, für das 5 Sterne eigentlich viel zu wenig sind.
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