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Kundenrezensionen

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am 9. November 2014
Seit einiger Zeit ist Nele Neuhaus ein deutsches Krimi-Schwergewicht, an dem man als Vielleser wie ich nicht vorbeikommt, jedenfalls wenn man gelegentlich auch die Spiegel-Bestsellerliste konsultiert, um sich Orientierung zu verschaffen. Obwohl ich eigentlich keine typische Krimileserin bin, weil ich eher selten (in letzter Zeit aber immer öfter) ins Krimiregal greife, fiel mir die Entscheidung diesmal leicht. „Böser Wolf“ war ein Geschenk von einer Kollegin, natürlich Krimi-Fan, die meinte, dass es nicht anginge, dass ich noch kein Buch von Neuhaus gelesen habe, weil deren Bücher speziell etwas für weibliche Leser dieses Genres seien.
Böser Wolf erzählt die Geschichte eines mysteriösen Mädchenmordes, bei dem die Frankfurter Ermittler Bodenstein und Kirchhoff einer Verschwörung von Kinderschändern auf die Spur kommen, die in höchste gesellschaftliche Kreise führt. Soviel zur Handlung. Das Buch hat mir gefallen, aber mich nicht gerade umgehauen. Gut war der Detailreichtum der Geschichte, der eine realistische Erzählatmosphäre erzeugt. Die Autorin hat einen Sinn für die vielen kleinen Nebengeräusche der Handlung, die oftmals besser erzählt werden, als die Geschichte selbst. Gestört haben mich die oft etwas hölzern wirkenden Dialoge und mehr noch, dass die Auflösung des Falls sehr früh vorhersehbar war – so etwas ist eigentlich Gift für einen Krimi, besonders dann, wenn man sich immer wieder darüber wundern muss, dass die Ermittler selbst naheliegende Spuren nicht sofort verfolgen, und man sich als Leser immer wieder dabei ertappt, den erfahrenen Kriminalisten durch einfaches Kombinieren meilenweit voraus zu sein. Gestört hat mich auch, dass immer wieder Markennamen genannt werden, beim Iphone so penetrant oft, dass man sich fragt, ob der Roman womöglich von Apple gesponsert ist – aber Spaß beiseite. Das Buch ist gut geschrieben, doch in Sachen Spannung und darum geht es beim Krimi ja eigentlich, eher enttäuschend. Wohlmöglich liegt das an der etwas hausbackenen Dramaturgie der Story, da habe ich - allerdings nicht von deutschen Autoren - schon sehr viel Besseres gelesen.
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am 26. Februar 2016
Mangels Alternative hab ich das Buch im Urlaub durchgelesen, zu Hause hätte ich es mir erspart. Die Figuren sind streng in gut und böse eingeteilt, kein Klischee wird ausgelassen (totes Mädchen stammt aus Osteuropa, der harte Chef der Rockergang mit dem butterweichen Herzen!!!!). Viel überflüssige Beschreibung von unwichtigen Dingen, gefühlt jedes Dorf im Main-Taunus-Kreis wurde namentlich erwähnt, um Lokalkolorit zu erzeugen. Und warum die Vergewaltigung und der Mord so brutal sein mussten, erschließt sich mir nicht. Musste hier noch schnell ein Psychopath in der Story untergebracht werden? Eine Portion extra Grusel für die geneigte Leserin? Für mich kommt es eher so rüber, dass Frau Neuhaus die dahinplätschernde Stoy, den provinziellen Handlungsort und ihre eher unspektakulären Figuren mit einem ordentlichen Schuss Brutalität aufpeppen wollte. Irgendwie klingt das ganze für mich so, als ob eine brave Hausfrau aus der Provinz in die Abgründe des organisierten Verbrechens beschreiben will, oder zumindest das, was man sich als Otto-Normal-Bürger so darunter vorstellt (Achtung, Klischees!!!)
Nachvollziehbar ist auch nicht, dass Emma nach dem Verdacht auf Missbrauch ihrer Tochter nichts unternimmt, keine professionelle Hilfe sucht und auch seitens der Behörden nichts passiert (müssen die Ärzte eine solche Diagnose nicht sofort melden?) Noch ein Beispiel: ist es logisch, ein konspiratives Treffen so auffällig zu gestalten, dass jeder die parkenden Autos der Teilnehmer fotografieren kann? Rechnet keiner damit, dass vielleicht auch die Polizei auf der Spur ist, oder bekommt diese über Jahre so gar nichts mit?
Über das Ende will ich gar nicht reden, hier ist Frau N. wohl die Fantasie durchgegangen. Oder gibt es Delphine im Main? ;-)

Alles in allem, man kann das Buch lesen, muss es aber nicht tun. " Schneewittchen" fand ich großartig, "Der böse Wolf" ist meiner Meinung nach nur Durchschnitt.
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am 20. November 2013
Nele Neuhaus schafft für mich einen unglaublichen Spagat. Sie erzählt immer an der Grenze zwischen harter, schmerzvoller Realität und behutsamer, sanfter Hoffnung.Meine persönliche Grenze zwischen Krimi und Thriller. In ihrer Schreibweise nie aufdringlich, aber entschlossen. Mit Spannung, die einen Druck auf der Brust verursacht, ohne dich dabei zu erdrücken. Ich denke, ihre Art zu schreiben, spricht auf jeden Fall beide Geschlechter an.
Sie hat für mich eine ganz besondere Art, ihre Charaktere leben zu lassen. Ich fühle mich sofort verbunden und fast schon bekannt. Die Serie um die beiden Hauptermittler Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein ist mittlerweile ein fester Bestandteil meiner Lieblingsermittler. Es sind alle Bände von Nele Neuhaus zu empfehlen, aber dieser hier besonders. Viel Spaß!
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TOP 500 REZENSENTam 13. September 2014
Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein stehen im sechsten Band der Taunus-Krimis vor vielen Rätseln.
Im Main wird die Leiche eines Mädchens gefunden. Sie wird nicht vermisst und keiner weiß, wer sie ist. Die Jugendlichen, die bei ihr waren und sie gefunden haben, waren stark alkoholisiert und wollen das Mädchen nicht gekannt haben und auch nichts mit dem Tod zu tun haben. Das Mädchen wurde vor ihrem Tod brutal vergewaltigt.
Die Fernsehmoderatorin Hannah bekommt eine brisante Story geliefert und will alle Hintergründe wissen. So gerät sie aber in Gefahr und wird kurz darauf selbst zum Opfer - man findet sie, lebend aber schwer verletzt, im Kofferraum ihres Wagens. Auch sie wurde auf brutalste Weise misshandelt. Die Art und Weise ist eine ähnliche wie bei dem toten Mädchen aus dem Main.
Auch Pia Kirchhoff wird nicht verschont. Sie hat sich durch ihre Ermittlungen in eine Sache eingemischt, die sie aus Sicht des Mörders nichts angeht. In ihrem familiären Umfeld kommt es zu einem tragischen Zwischenfall...
Auch ein kleines Mädchen, die Tochter einer Freundin von Pia, gibt ihrer Mutter Rätsel auf. Sie ist verändert, verschreckt, aggressiv und zieht sich immer mehr von ihrer Mutter zurück. Und dann fängt sie auch noch an, von einem "bösen Wolf" zu reden... Wer ist es? Wie hängen all diese Taten und Geschichten miteinander zusammen?
Die Geschichte um ihr Thema Kindesmissbrauch ist beängstigend, beklemmend, aber nicht "abgedroschen" - wirklich lesenswert!
Nele Neuhaus lässt uns zwischen Entsetzen, Wut und absolutem Unverständnis hin und herpendeln lassen. Die Autorin schafft es, die verschiedenen Sichtweisen bei diesem Thema sachlich und sensibel zu beschreiben: die der Opfer, die der Eltern, die der Peiniger, bei denen der Profit im Vordergrund steht und die ihre Moral über Bord geworfen haben. Und die, die ihre krankhaften Neigungen mit diesen Kindern befriedigen und weder Scham noch Schuldgefühle kennen.
Stringent, chronologisch und parallel entwickelt die auktoriale Erzählerin die einzelnen Handlungsstränge, die sie Schritt für Schritt zusammenführt und dann souverän verknüpft. Die Charaktere sind ausgefeilt bis ins kleinste Detail und sorgen dabei für überraschende Geschehnisse in der Geschichte.
Der Schreibstil der Autorin ist klar, flüssig und sehr gut lesbar. Die dialektgefärbten Dialoge und Alltagssituationen machen die Geschichte sehr authentisch. Sie geht mit dem Thema um.
Das war der bisher beste Nele Neuhaus Krimi. Dichter und spannend. Man ist als Leser mittendrin.
Der Spannungsbogen ist konstant hoch, der Schreibstil gewohnt flüssig. Die Handlung. schlüssig
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am 4. Januar 2014
Der Schreibstil der Autorin ist klar und flüssig, leicht konsumierbar. Es gibt viele interessante Nebenfiguren und eine Menge Handlungsstränge, die sich langsam zu einem Gesamtbild verflechten. Der Plot ist spannend und die Hauptprotagonisten sind sympathisch.
Mir hat das Lesen Spaß gemacht und ich habe das Buch zügig durchgelesen. Die Autorin versteht es sehr gut auch ein schwieriges Thema wie Pädophilie in einen Krimi einzubeziehen. Dabei bleibt aber immer die Krimihandlung im Vordergrund. Trotzdem ist die Umgehensweise mit dem Thema respektvoll, aber ohne den didaktisch erhobenen Zeigefinger.

Es gab für mich lediglich im Verhalten von Emma, der Mutter von Louisa, etwas unlogisches. Emma wird als selbstbewusste, im Leben stehende, intelligente Frau beschrieben, die aber beim Verdachtsvorwurf auf Kindesmißbrauch nichts unternimmt.... Das finde ich äußerst unlogisch.

Ich gebe den vollen Sternenhimmel, da das Buch für mich im Vergleich im Genre "Regionalkrimi" heraussticht und das Preis-Leistungsverhältnis mit knapp 10 Euro auf alle Fälle stimmt. 100% lesenwert. 100% Kaufempfehlung.
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am 8. September 2013
... wenn dieses Szenario real wäre ??? Das möchte man nicht glauben...

In meinen Augen ist 'Böser Wolf' nach Tiefe Wunden: Der dritte Fall für Bodenstein und Kirchhoff (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi) der spannendste Krimi aus der Feder der Autorin.
War ich nach dem letzten Band Wer Wind sät: Der fünfte Fall für Bodenstein und Kirchhoff (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi) ein wenig betrübt, weil er mich nicht so gefesselt hat, bin ich mit dem vorliegenden Buch sehr zufrieden.

Ich muss gestehen, ich bin kein versierter Krimileser, daher kann ich die Stimmen der Rezensenten, die beklagen, dass der Roman 'flach' oder 'konstruiert' wirkt, nicht wirklich nachvollziehen.
Denn - wie bringt man dieses wirklich schwierige Thema denn zum Leser, ohne zu konstruieren?? Die Pädophilenringe, die mit Sicherheit existieren, werden Frau Neuhaus nicht die Tür geöffnet haben, um zu sagen "Schauen Sie sich bei uns um, damit es authentisch wird, was Sie schreiben".

Oliver v. Bodenstein und Pia Kirchhoff sind mir vom ersten Buch an sympathisch gewesen. Vielleicht lag es daran, das man auch den Alltag der Ermttler immer ein Stück mitbekommt.
Im vorliegenden Roman war es mir einen Tick zu wenig Privatleben und ich würde schon gerne wissen, wie es bei Bodenstein weitergeht.
Die Nebencharakter sind klasse gezeichnet, das Team wird von Buch zu Buch besser und die Szenen, in denen alle zusammen sind, gehören auch hier wieder zu den besten.

Résumé:
Wieder ein guter Krimi aus der Feder der Autorin. Für Liebhaber der Serie ein leckerer Happen!
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am 21. Februar 2014
War Schneewittchen bisher das Maß aller Dinge von Frau Neuhaus, ist dies für mich jetzt Böser Wolf. Eine unheimlich dichte Geschichte die einen emotional dermaßen fesselt daß man nach Beendigung immer noch bei den Charakteren ist. Bitte mehr solcher Geschichten!
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am 13. Oktober 2012
Zuerst einmal: Ich bin ein Fan der Kirchhoff/Bodenstein-Reihe, habe bisher alle Bände gelesen und mich sehnsüchtig auf den sechsten Fall gefreut. Vor der Kritik, fasse ich den Inhalt nochmal für alle kurz zusammen:
Inhaltlich nimmt sich die Autorin dem Thema "sexueller Missbrauch und Pädophilie" an. Als die Leiche eines 16jährigen Mädchens am Main geborgen wird, geraten die Ermittlungen schnell ins Stocken: Niemand vermisst die Jugendliche, die offenkundig vor dem Tod misshandelt worden war. Erst ein sexueller Übergriff auf eine TV-Moderatorin, lenkt die eigentliche Ermittlung in die richtige Richtung. Nach und nach werden Kirchhoff und Bodenstein gewahr, welch bösen Kräfte hinter dem Mord an dem Mädchen wirken...

Um jedweden Missverständnissen vorzubeugen: "Böser Wolf" ist kein schlechter Krimi, im Gegenteil, der Roman ist ordentlich und unterhaltsam. Gemessen an dem, was der deutsche Krimimarkt hergibt, leicht überdurchschnittlich. Der Plot ist handwerklich gekonnt kontruiert, sprachlich gut und alles in allem logisch und schlüssig.

Wieso vergebe ich also nur 3 Sterne?
Auch wenn man dem Roman keinen prinzipiellen Vorwurf machen kann, und alles in allem gut unterhalten wurde, bin ich dennoch enttäuscht. Enttäuscht deswegen, weil "Böser Wolf" nicht an "Tiefe Wunden" und vorallem nicht an den stärksten Band der Reihe,"Schneewittchen muss sterben", herankommen kann. Die Handlung beginnt schleppend, und als endlich eine Leiche präsentiert wird, rückt sie schnell in den Hintergrund. Die Handlung ist allgemein durchaus komplex, aber die einzelnen Stränge schwer mit dem Kernereignis in Verbindung zu bringen, wenngleich die Autorin alles am Ende geschickt auflöst, sodass keine Fragezeichen bleiben.
Die größten Kritikpunkte sind meiner Ansicht nach, das alles recht unspektakulär, uninspiriert abläuft. Als gelte es einem bestimmeten Schema zu folgen. Es fehlt dieses besondere Element, das andere Romane der Reihe haben. Zweitens ist die Atmosphäre, die im Plot herrscht, nicht mit dem äußerst ernsten Thema des Buches, demjenigen des Kindesmissbrauches, in Einklang zu bringen. Die Atmosphäre, das ganze "Drumherum" des Romans wurde meiner Ansicht nach, der Gegenstaft des Buches nicht angepasst. Es gibt nicht diesen düsteren, finsteren Himmel unter dem das Geschehen abläuft. Auch was die Charaktäre angeht, wurde nicht das gesamte Potential ausgeschöpft. Dass in diesem Genre keine Heldentaten erwartet werden dürfen, versteht sich von selbst, aber die Figuren sind doch recht flach und eindimensional, womit wieder eine Gelegenheit verschenkt wird, etwas tiefer zu graben. Gerade wenn es um psychologisch so schwer erklärbare Dinge wie sexuellen Missbrauch oder Pädophilie geht, würde man als Leser doch gerne tiefer blicken...

Fazit:
Ein solider Krimi, den man als Nele-Neuhaus-Fan lesen muss, als Krimileser lesen kann.
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am 27. April 2014
Meines Erachtens ist der Drahtseilakt, einen Krimi zu schreiben, der einerseits Leselust und Spannung schaffen soll und der anderseits das ernste, komplexe Thema des Kindesmissbrauchs durch Pädophilenringe glaubwürdig thematisieren will, nicht geglückt. Eigentlich ist beides auf der Strecke geblieben: Die Spannung als auch die glaubwürdige Darstellung des Themas und der Figuren rund um das Thema Kindesmissbrauch/Pädophilenringe.

Die Finten, die Frau Neuhaus versucht zu legen (mögliche Verdächtige zu konstruieren), sind offensichtlich und die Täter schälen sich rasch heraus. Es bleibt beim Lesen irgendwann nur die Frage, wie die Täter überführt werden. In groben Zügen sind Teile der Geschichte vorhersehbar.

Die Figuren haben sich mir oft nicht erschlossen, ich fand sie nicht konsistent entwickelt. Deshalb wirkte die Geschichte auf mich recht konstruiert.

Dennoch habe ich mich animiert gefühlt, das Buch bis zum Ende zu lesen - dank dem kurzweiligen Schreibstil. Das Buch ist durch die parallelen Handlungsstränge quasi in kleine Häppchen aufgeteilt und das macht das Lesen und den Wiedereinstieg nach einer Lesepause leicht.

Wirklich empfehlen mag ich das Buch nicht. Da es flüssig zu lesen ist, ist es ein guter Zeitvertreib, aber dies klingt angesichts des Themas ziemlich zynisch.
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TOP 500 REZENSENTam 1. November 2012
Meine volle Hochachtung gilt Frau Neuhaus für dieses Buch, in dem sie nicht scheut ein Thema aufzugreifen, das dadurch, das es fast schon zur Alltäglichkeit geworden ist, vielleicht schon zu einem Abstumpfungsprozess bei manchem geführt hat.Um so wichtiger ist es, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, was vielleicht alltäglich in diesem unserem Lande und auch anderswo denjenigen geschieht, die sich am wenigsten wehren können, die noch vertrauensvoll und unverdorben sind und an das Gute im Menschen glauben. Unsere Kinder !!!

Der nunmehr 6. Fall des Ermittlerpaares Bodenstein und Kirchhoff konfrontiert den Leser mit einem Thema, das eigentlich keinen unberührt lassen kann.
Am Ufer des Mains wird die Wasserleiche eines jungen Mädchens gefunden. Was zu Anfang wie ein aus dem Ruder gelaufenes "Komasaufen " aussieht, entpuppt sich nach der Obduktion des Mädchens als Missbrauchsfall. Das Mädchen zeigt deutliche Zeichen einer Misshandlung und hat nichts mit den Jugendlichen zu tun, die sich am Fundort der Leiche " die Kante " gegeben haben.Trotz akribischer Recherche kommen die Ermittler mit dem Fall nicht weiter. Als dann eine bekannte Fernsehreporterin , die sich mit einem brisanten Thema beschäftigte, schwer misshandelt und mehr tot als lebendig im Kofferraum ihres Wagens gefunden wird, ahnen Kirchhoff und Bodenstein noch nicht, dass es Verbindungen zwischen den Fällen gibt und sie bei der Aufklärung der Fälle, die noch einen weiteren Mord nach sich zieht, in einen Wespenhaufen stechen, der nicht nur schmerzhafte Stiche zurücklässt. Diese geballte Macht , die sich ihnen dort entgegenstellt, gleicht einer Krake, die ihre Tentakel in alle Bereiche der Oberschicht ausgefahren hat und denen die Demontage oder das Auslöschen eines Menschenlebens nicht mal ein Wimpernzucken entlockt.

Nele Neuhaus hat mich mit ihrem neuen Buch nicht nur voll überzeugt, nein ,sie hat auch meine Gefühlssklala zwischen Entsetzen,Wut und absolutem Unverständnis hin und herpendeln lassen.Dieser Roman ist zwar fiktiv,Nele Neuhaus schafft es aber ihn so realistisch darzustellen, dass ich überzeugt bin, das man die Wahrheit nicht weit suchen muss.Auch die Gestaltung ihrer Figuren ist ihr wieder gut gelungen.Pia, die die Enkelin ihres Partners zu Hause hat, wirkt sehr überzeugend bei der Aufklärung des Falles und die oft frustrierende Puzzelarbeit, die solch einen Fall oft begleitet, wird gut rübergebracht. Vor allem schafft es die Autorin aber, die verschiedenen Sichtweisen bei diesem Thema zu beschreiben. Die Opfer, die ein Leben lang mit diesem Trauma leben müssen und daran häufig scheitern , weil ihre Seele nicht mehr heilen kann. So gleiten sie häufig in die Kriminalität ab,oder werden zu Psychopathen, die das Erlebte an andere weitergeben.Die Eltern, die sich immer wieder Vorwürfe machen, dass sie nichts gemerkt haben oder etwas falsch gemacht haben und die Peiniger,bei denen der Profit im Vordergrund steht und die ihre Moral über Bord geworfen haben.Als letztes dann die, die ihre krankhaften Neigungen mit diesen Kindern befriedigen und weder Scham noch Schuldgefühle kennen.

Für mich war dieses Buch wieder ein Beweis dafür, dass Nele Neuhaus brisante Themen in eine gute Verpackung stecken kann, so dass eine gut konstruierte Geschichte entsteht, die den Leser aufschreckt, zum Nachdenken anregt und vielleicht sogar zu Tränen rührt, wie es bei mir der Fall war. Die letzten hundert Seiten musste ich häppchenweise zu mir nehmen, da ich zu betroffen war um weiterzulesen.

Ein mehr als empfehlenswerter Krimi, dem hoffentlich noch viele folgen werden.
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