Shop now Shop now Shop now Shop now Shop now Hier klicken Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos Learn More Mehr dazu Hier klicken Mehr dazu Hier Klicken Shop Kindle AmazonMusicUnlimited AmazonMusicUnlimited BundesligaLive longss17

Kundenrezensionen

3,0 von 5 Sternen
76
3,0 von 5 Sternen
Warum es die Welt nicht gibt
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:18,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 3. Dezember 2016
Nach meinem Verständnis ist Gabriels Sicht eine die dem radikalen Konstruktivismus Glaserfelds entspricht, nur das Glaserfeld auf Ontologie verzichtet. Gabriel sagt Existenz ist Erscheinen in einem Sinnfeld., Sinnfelder gibt es aber doch nur sofern es bewusstseinsfähige denkende Wesen gibt, zumindest finde ich bei Gabriel keinerlei Begründung dafür warum es Sinnfelder unabhängig von denkenden Wesen gibt oder geben soll, denn Sinn und Bedeutung hängen eng zusammen mit Intention, sie sind intentionale Begriffe. Dagegen ist der radikale Konstruktivismus Glaserfelds durch seinen Begriff der Viabilität unmittelbar mit der Realität, den Dingen an sich verbunden, sie ist nur nicht erkennbar (wegen der grundsätzlichen Problematik der Funktionsweise der Sinnesorgane (in Verbindung mit dem Gehirn) ), dies ist unhintergehbar. Nur über negative Erfahrungen (Versagen unserer Erkenntnis) haben wir einen direkten Kontakt zur Wirklichkeit. Das ist m.E. überzeugend und die meisten der Ansichten Gabriels (seine Sinnfelder, seine Vielheit des Denkens, die Unmöglichkeit einer Welttheorie etc. also auch warum es die Welt nicht gibt) lassen sich auf der Basis Glaserfelds viel überzeugender begründen.
Zumal Gabriel eben die reale Existenz von Sinnfeldern in keiner Weise begründet (auch nicht in Sinn und Existenz).
Könnte man diesen neuen Realismus Gabriels - rückgreifend auf Piaget - vielleicht als eine Rückbesinnung auf die ersten Phasen kindlicher Weltsicht - in der das Ich sich seiner noch nicht wirklich bewusst ist und so völlig eins ist mit der Welt, weshalb auch die Dinge selbst denken können und Intentionen haben - ansehen?
Ja, sind die Argumente dafür, dass es die Welt nicht gibt auch nicht genau der Grund warum wir die Welt nicht erkennen können (weil es sie eben so nicht gibt) und wir wären so mit Gabriel beim Idealismus gelandet (wenn es die Welt nicht gibt, gibt es auch die Welt an sich nicht, sondern nur durch Sinnfelder die durch Bewusstsein gebildet werden) Also nur Glasersfeld ist ein echter Realist, denn er behält noch den Kontakt zur Realität)
---------------------
Hinweis für diejenigen die Glaserfelds radikaler Konstruktivismus nicht kennen (sehr grob in 2 Sätzen):
Konstruktivismus baut nicht eine beliebige Welt, sondern eine die durch die Viabilität sich an der Wirklichkeit ausrichtet.
Er heisst radikal weil er sich selbst in die Grundeinsicht mit einbezieht und so sich selbst nur als ein Erkenntnismittel betrachtet das sich selbst durch Viabilität immer wieder neu überprüfen muss. Er ist keine Weltsicht oder Ideologie. Er ist keine Ontologie, sondern reine Erkenntnistheorie (Viele Erkenntnisse Piagets fliessen hier mit ein).
--------------------------------------
Leider finde ich keinerlei Literatur die diese Sichten so diskutiert.
Hat jemand hinweise für mich oder will mit mir die Themen diskutieren?
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 20. September 2015
Das ist eine Kritik des Konstruktivismus mit allen Fehlern und Vorurteilen, die man von solchen Schriften kennt. Nicht einmal der Übergang von Bewusstsein und Sprache auf Kommunikation ist adäquat nachvollzogen. Ich rate ab.
11 Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Dezember 2015
Der Titel dieses Buches wirkt provokativ. Wie kann es etwas nicht geben, dem wir doch so offensichtlich angehören? Was mag der philosophische Gedanke dahinter sein? Ich biss an und freute mich auf ein paar Stunden mit wohldurchdachten Worten. Doch dann wurde ich größtenteils enttäuscht und diese Rezension ist der Versuch, dieser Enttäuschung nachzuspüren.

1. Was das Buch leistet (zuerst das Positive)

Der Text ist locker und grammatikalisch einwandfrei geschrieben und folgt einem roten Faden, der dank sinnvoller Zwischenüberschriften stets zu erkennen ist. Dabei richtet er sich an ein breites, nicht unbedingt vorgebildetes (schwierige philosophische Fachbegriffe werden vermieden oder im Text und Glossar kurz erläutert) Publikum mit Spaß am Denken und lässt sein Ziel (mit nur wenigen Längen und Wiederholungen) nicht aus dem Auge. Am Ende steht eine kurze Abhandlung über die Meinung des Autors, die - wenn man mit ihm konform geht - keine großen Lücken erkennen lässt und eventuell Lust macht, sich ernsthaft mit der Thematik zu beschäftigen.

2. Was das Buch nicht leistet (nun das Negative)

Der Autor gebraucht nach eigener Aussage das Pronomen "wir" für sich und den Leser, nutzt dann jedoch "wir", um gewagte Thesen in den Raum zu stellen, denen ein allgemeiner Leser so nicht zustimmen würde (vor allem, da er sich teils auch selbst herabgesetzt fühlt). Eine Differenzierung von eigener Meinung und allgemeinem Konsens ist hier stark anzuraten, passt aber offenbar nicht zum welterklärerischen Anspruch. Wäre dies eine Fachpublikation, wäre das Buch hier durchgefallen, aber wir haben es eher mit Unterhaltungslektüre zu tun, womit man diesen Punkt leicht angesäuert ignorieren kann.

Kommen wir zum Inhalt. So wie ich es aufgefasst habe, möchte der Autor
a) einige seiner eigenen Thesen darlegen,
b) dabei andere Ansichten erläutern und
c) diese zugleich demontieren.
Nichts davon gelingt ihm meiner Ansicht nach gut (wobei es auch viele Stellen gibt, an denen ich ihm zustimme; diese sollen aber nicht als Gradmesser dienen, da wir beide auch nur zufällig das gleiche Falsche denken können). Gehen wir der Reihe nach, wobei ich naturgemäß nicht auf jedes Detail eingehen kann, ohne ein eigenes Buch zu verfassen.

a) Die steilste These ist schon im Titel enthalten, der mir als Kaufargument diente. Meine Überschrift verrät schon, wieso ich hier enttäuscht wurde. In guter philosophischer Manier wird definiert, über was gesprochen wird: die "Welt" ist hier (nachdem sich über dutzende Seiten an den Begriff herangetastet wird) das "Sinnfeld aller Sinnfelder" (also grob gesprochen der Ort, an dem alles erscheint) und wird als etwas angesehen, das nicht "von außen" gesehen werden kann; parallel wird definiert, dass etwas nur dann "existiert", wenn es (grob gesprochen) von außen gesehen werden kann (oder eben in einem "Sinnfeld" liegt). Die Auflösung dieses philosophischen Taschenspielertricks zeigt, dass die Welt nicht existiert, weil sowohl "Welt" als auch "Existenz" in diesem Sinne definiert wurden.

Diese Argumentationskette wird über viele Seiten aufgebaut und mit mindestens zwei Beweisen versehen (getreu dem Motto: "Du magst zwar ein Gegenbeispiel haben, aber ich habe zwei Beweise."), doch täuscht dies nicht darüber hinweg, dass selbst dabei gehöriger Schindluder mit den Begriffen getrieben wird. Die Verben "sein", "existieren", "geben" und "erscheinen" werden (trotzdem sie teils extra eingeführt wurden) durcheinander benutzt, und obwohl die "Welt" wohl nicht "existieren" soll, wird wohl von keinem anderen Gegenstand so häufig geredet. Zudem wird "Existenz", also letztlich das "Liegen in einem Sinnfeld", mittels Diagrammen der naiven Mengenlehre illustriert, wobei keineswegs klar ist, dass dies angemessen ist.

In einem anderen Kontext erscheint auch der Vergleich, dass es genauso wenig keine "Welt" gebe, wie es keine größte Zahl gebe. Allerdings wird verschwiegen, dass es sehr wohl ein Objekt gibt, dass größer ist als alle Zahlen, nämlich "unendlich" (und die Unendlichkeit wird nun wirklich oft genug im Buch an verschiedensten Stellen angesprochen), und dass es auch ein Objekt gibt, dass alle natürlichen Zahlen umfasst, nämlich die Menge der natürlichen Zahlen. Folgt man diesem Vergleich, so ist es nicht nachvollziehbar, wieso die "Welt" ebenfalls als "Sinnfeld" definiert werden muss. (Und interessanterweise meint der Autor an einer Stelle, dass es die "Welt" gebe, wenn es zwischen allen "Sinnfeldern" einen Zusammenhang gäbe, und dass die "Welt" dann eben dieser Zusammenhang wäre. Recht inkonsistent.)

(Dem Mathematiker ist klar, dass die Probleme der naiven Mengenlehre, wie etwa Mengen, die sich selbst enthalten, durch ein rigoroses System einer Handvoll Axiome beseitigt werden. Dabei wird auch definiert, dass zwei Mengen genau dann gleich sind, wenn sie dieselben Elemente enthalten, womit letztlich die bekannten Paradoxien vermieden werden können. Eine Betrachtung der Welt kann allerdings auch von innen erfolgen (wie dies an einer Stelle des Buches auch zugegeben wird), ohne dass dadurch das Betrachtende außerhalb liegt, genau, wie auch ein Text das gesamte Buch beschreiben kann, in dem er steht. Als mathematische Entsprechung sei ein nicht-trivialer Kreis genannt, der entgegen der naiven Mengenlehre mit einem echt in ihm liegenden Kreis identifiert wird.)

Die These, dass die Welt nicht existiere, ist daher inhaltsleer, aber ein besonderes Lieblingskind des Autors. Sie wird oftmals als Argument für verschiedene Thesen genutzt (ohne dass manchmal klar ist, wie dies als Argument gelten soll), so etwa dafür, dass es etwas wie ein "Weltbild" nicht geben kann, da es schon keine "Welt" gibt. Hier wird versucht, mit Wortglaubereien etwas auszusagen, das sich nur aus dem jeweiligen Kontext, nicht aber aus einer reinen Bezeichnung ergeben kann.

b) Für mich als philosophischen Laien war es interessant zu sehen, welche Gedanken es in der Philosophie schon gegeben hat, um sie mit meinen eigenen abzugleichen. Dabei fiel jedoch auf, dass ganze philosophische Richtungen in der Regel auf ein oder zwei zentrale Thesen zusammengestutzt wurden. Nun mag die Philosophie weit weniger hervorgebracht haben, als man gemein denkt, doch denke ich nicht, dass es wirklich so wenig ist. Hier wäre es wohl besser gewesen, wirklich nur einzelne Thesen vorzustellen und nicht zu behaupten, diese wären die Essenz dutzender Gelehrter. Gleichwohl kann ich mich täuschen, daher möchte ich diesen Punkt den Fachleuten überlassen.

Im Gedächtnis geblieben sind mir auch einige Stellen, an denen sogar mir klar war, dass die Darstellung nicht ganz korrekt ist. Den Physikern wird oftmals unterstellt, sie wollten mit der "Weltformel" einfach alles erklären, wobei wohl kein Physiker abstreitet, dass in physikalischen System Emergenzen auftreten, die nicht mit Wellengleichungen zu erklären sind. Die Definition von "Gott" wird soweit dem gängigen Sprachgebrauch enthoben, dass nur noch von einer "Idee, dass das Ganze sinnvoll ist" gesprochen wird, und die "Religion" ist nur noch eine "Rückkehr zu uns selbst aus dem Unendlichen" (oder, wie wohl auch große Teile der Naturwissenschaft, ein ungesunder Fetischismus). Einmal schlittert der Autor sogar knapp daran vorbei, die Evolution lediglich als einen Haufen von rein zufälligen Ereignissen zu diffamieren (obgleich er den Kreationismus ablehnt).

c) Nun kommen wir zu dem Punkt, der wohl nach der Buchbeschreibung als "Mut zur Provokation" gewertet werden soll, allerdings eher einer klein-gemeinen Geltungssucht entspricht. Jedwede These, die dem Autor nicht genehm ist, wird leichtfertig als falsch hingestellt - und dies mit schwachen Argumenten.
- So wird etwa der Dualismus damit abgekanzelt, dass man nicht entscheiden könne, ob es nun zwei oder doch mehr verschiedene Substanzen geben könnte. Würde dies mit einem Hinweis auf die Falsifizierbarkeit von Argumenten geschehen, wäre dies gängig, aber dies geschieht zu keiner Zeit. Hier wird so getan, als würde es in der Philosophie verifizierbare Antworten geben und nicht nur Theorien, um die Welt zu ordnen.
- Der "sinnesphysiologische Konstruktivismus", also die These, dass alles nur in unserem Kopf illustriert wird, wird links liegen gelassen, weil nach ihm selbst alles nur Illusion wäre und damit auch die These selbst. Noch solch ein Taschenspielertrick, der verschiedene Kategorien vermischt.
- An einem anderen Punkt wird der Konstruktivismus angegriffen, weil er zu unendlichen verschachtelten Strukturen führen würde, die man sich "normalerweise nun wirklich nicht" ansehen möchte. Bei der eigenen These von Sinnfeldern wird allerdings sogar mit einigem Stolz darauf hingewiesen, dass Sinnfelder stets unendlich oft verschachtelte Strukturen sind.

Auch gibt es angeblich "Tatsachen an sich", weil Personen in einen Zug einsteigen, ganz gleich, ob diese beobachtet werden oder nicht. Dabei ist allerdings, gerade im Bezug auf den letzten Punkt, wichtig, wer dann entscheiden soll, was "eine Person" überhaupt ist. Wenn diese Einteilung nicht von Beobachtern vorgenommen wird und auch nicht von einem allgemeinen Beobachter, so bleibt nur ein grobes Muster von Atomen, das nie jemand bestimmt hat. Es bleibt Zeit des Buches unklar, wie genau "wahre Aussagen" begründet werden. Sie sind einfach da. Vielleicht ist dies an sich die größte Schwäche des Buches, das es sich nicht vom logischen Dualismus von wahr und falsch lösen kann.

Zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass der Autor gerne anderen Personen (S. Hawking) oder ganzen Berufsgruppen (gerne Physiker, Logiker oder alte Philosophen) vorhält, dass sie nichts verstanden hätten. Dabei begründet er dies nicht etwa differenziert, sondern durch bloße Behauptungen (die Logiker sollen angeblich alles nur zählen) oder, indem er es nicht verträgt, wenn diese nicht seiner Begriffsbildung folgen. So reden die Physiker naturgemäß davon, die Welt (im umgangssprachlichen Sinn) zu erklären, wobei dies dem Autor sauer aufstößt, da doch wohl klar sein sollte (aber es natürlich nicht ist), dass die Welt, also die "Welt", nicht existiert, wohingegen die Physiker nur über das "Universum" reden, was nach ihm eine ontologische Provinz darstellt. Wenn er es nicht verträgt, dass Hawking die Philosophie als "tot" betitelt, sollte er sich daran machen, vergleichbar mächtige Resultate wie die Physik aufzustellen und nicht bei grammatikalischen Betrachtungen zu verharren.

3. Für wen ist das Buch geeignet? (Fazit)

Trotz aller Mängel kann ich sagen, dass das Buch belebend auf mich gewirkt hat - allerdings nur, weil es Spaß bereitet, die Argumente des Autors nachzuvollziehen und bei Bedarf zu zerpflücken. Als kurzer Überblick über einen Teil der Philosophie und als kleine Gedankenübung ist das Büchlein geeignet, allerdings nur, wenn man nicht zu sehr in der Thematik steckt und frustrationsresistent ist. Als Grundlage der eigenen Weltanschauung (die es ja nicht geben kann) eigenen sich höchstens Teile des Werkes (die allerdings oft auf gute Grammatik und Sprachbeherrschung zurückzuführen sind).
22 Kommentare| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. April 2014
Zu Anfang fragte ich mich noch, ob der Autor die von ihm kritisierten Ansätze nur banalisert, um Themen fürs sein Buch zu kreiren. Leider setzte sich die Erkenntnis durch, dass er diese tatsächlich in keinster Weise verstanden hat.
Hatte ich zu Anfang der Lektüre noch die Hoffnung, dem Buch wenigstens einige interessante Gedanken(gänge) entnehmen zu können, brach ich nach der Hälfte fassungslos ab. Fassungslos darüber, dass der Verfasser dieses überflüssigen Machwerks Professor einer deutschen Hochschule ist.
0Kommentar| 25 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 1. August 2013
Gabriel rechnet sich selbst dem „neuen Realismus“ in der Philosophie zu und es geht ihm nach eigenem Bekunden darum, in seinem Buch eine neue, realistische Ontologie (Lehre vom Sein) zu präsentieren. Seine neue Philosophie entwickelt er voraussetzungsfrei, d. h. sie soll verständlich bleiben, auch wenn man z. B. vorher noch kein Werk über Erkenntnistheorie gelesen hat. Die Welt definiert der Autor weder als Gesamtheit der Dinge noch der Tatsachen, sondern als den Bereich, in dem alle anderen Bereiche vorkommen, als Bereich aller Bereiche. Die ontologischen Grundeinheiten seines Systems sind die Sinnfelder. Das sind für ihn die Orte, an denen etwas erscheint. Der Umstand, dass etwas in einem Sinnfeld erscheint, ist für ihn die Existenz. Die Welt als „Supergegenstand“, als Bereich aller Bereiche existiert für Gabriel nicht, weil sie sich durch nichts von allem anderen unterscheidet und nur mit sich selbst identisch ist. Sie sticht sozusagen durch nichts mehr hervor. Anstelle der einen Welt tritt dann bei ihm die Vorstellung von unendlich vielen Welten, die sich zum Teil überlappen, zum Teil aber völlig unabhängig voneinander sind. Dabei kann nur existieren, was in einem Sinnfeld vorkommt, außerhalb davon gibt es keine Gegenstände oder Tatsachen. Gabriel spricht von einer unendlichen Verschachtelung, die mitten im Nirgendwo, mitten im Nichts stattfindet. Ein „Außerhalb“ gibt es nicht. Gäbe es die Welt, müsste sie seiner Meinung nach in einem Sinnfeld erscheinen, was nicht möglich ist. Könnten wir einen Gegenstand völlig isolieren, so hörte er dieser Theorie zu folge sofort auf zu existieren, denn er wäre nun von jedem Sinnfeld isoliert, in dem er aber erscheinen muss, um zu existieren. So ergibt sich das Bild einer Welt, die sozusagen unendlich häufig in sich selbst hineinkopiert ist; sie besteht aus unendlich vielen kleinen Welten, die wiederum aus unendlich vielen kleinen Welten bestehen. So erkennen wir immer nur Ausschnitte aus dem Unendlichen, während uns der Blick auf das Ganze verwehrt bleibt, weil es noch nicht einmal existiert. Gabriel spricht in diesem Zusammenhang von einer Sinnexplosion mitten im Nichts. Dabei geht der neue Realismus davon aus, dass wahre Erkenntnis eine Erscheinung der Sache selbst ist. Die Aufgabe des Forschers, eigentlich die Aufgabe von uns allen, besteht nun nach Meinung des Autors darin, die Suche nach der (unmöglichen) allumfassenden Gesamtstruktur aufzugeben und die unendlich vielen bestehenden Strukturen besser und kreativer, vorurteilsfreier zu verstehen. So können wir beurteilen, was bestehen bleiben soll und was verändert werden muss. Wir sind auf einer gigantischen Reise, auf der wir sozusagen von nirgendwo herkommend ins Unendliche schreiten. In seinem Buch geht der Autor in separaten Kapiteln auch noch unter anderem auf den Sinn von Religion und von Kunst ein.

Das Buch ist recht flott geschrieben und alles andere als ein unverständlicher, sprachlich verkorkster Wälzer. Trotzdem ist aber der Inhalt hoch anspruchs – und gehaltsvoll. So halte ich es denn sowohl als für den Fachphilosophen interessant als auch für ein populärwissenschaftliches Werk, eine schöne Mischung also, die man nicht allzu häufig vorfindet. Tatsächlich hat der Autor mein Interesse an ontologischen Fragestellungen wecken können, allerdings vertritt er seine Thesen mit so viel Überzeugung und Elan, dass mögliche Einwände gegen seine Theorie für meinen Geschmack ein bisschen zu knapp und manchmal auch etwas zu oberflächlich vorkommen. Das hat meinen Blick manchmal weniger geweitet, als vielmehr verengt. Trotzdem ist es natürlich aber immer noch ein lesenswertes und auch unterhaltsames Buch.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Juni 2015
wundervoll und leicht verständlich geschrieben. Sogar andere interessante Positionen wurden mit einbezogen und die Gesellschaftskritik ist der Wahnsinn! Alles was kritisiert wird, gehört kritisiert. Und besonders gut ist, dass alles an Fallbeispielen beschrieben wird, so dass man sich in jede beschriebene Situation besser hineinversetzen kann. Ich bin unendlich begeistert von diesem philosophischen, gesellschaftsbezogenen Buch!
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Mai 2015
Treibt die Szientisten mühelos in die Defensive, wie man anhand der vielen extrem negativen Reszessionen bescheinigt sieht. Einem Hawking vergöttert man dafür das er ein populistisches Buch nach dem anderem schreibt, und sieht ihm auch nach das er in ihm fachfremden Fächeren (wie z.B. Philosophie) im Trüben fisht. Aber Logik bewahre das dies ein Philosoph sich erdreiste! LOL.

Es geht eben n i c h t darum sich weiter in die sogenannten "Große Fragen" zu verbeißen, die ohnehin in längst vergangenen Epochen formuliert wurden, sondern darum diese Antinomalien endlich loszulassen und sich bessere Fragen zu überlegen. Konkret: Anstatt weltfremd nach "einem Ding an sich" zu suchen, ist es doch naheliegender zwischen Dingen die man physisch fassen kann und allgemein Gegenständen mit denen man sich auf jede erdenkliche Art beassen kann. Das ist mal eine anregende Idee die Leben ins Spiel bringt!
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. August 2013
Ich mag es, wenn Philosophen locker, unakademisch und allgemein verständlich für die Allgemeinheit schreiben. Das hat mir auch bei Markus Gabriel gefallen. Inhaltlich allerdings war ich nach der Lektüre ziemlich enttäuscht. Was verspricht er nicht alles auf S. 25, Antworten auf die großen Fragen: Woher kommen wir? Worin befinden wir uns? Und was soll das Ganze? Nun, Frage eins bleibt völlig unbeantwortet. Die Antwort auf Frage 2 lautet: Wir befinden uns in unendlich vielen Sinnfeldern, weshalb es "die" Welt nicht gibt. Das ist nun wirklich keine neue Erkenntnis. Gabriels Antwort auf die dritte Frage schließlich lautet: "Wir leben gemeinsam in unendlich vielen Sinnfeldern, die wir uns auf immer neue Weise verständlich machen. Was wollen wir mehr?" (Gabriels Schlussatz S. 240). Das kann nur ein wirklich kopfgesteuerter Professor für Philosophie schreiben. Was wir mehr wollen? Oh, so einiges, denke ich. Ich möchte nicht nur anderen Sinnfelder verständlich machen, sondern im Leben eine ganze Menge mehr.

Noch eine Bemerkung zu Gabriels Wettern gegen den Konstruktivismus, den er wie übrigens auch den Materialismus und Theismus sehr unphilosophisch extrem verkürzt. Kein Konstruktivist behauptet, dass die Laterne, gegen die er läuft, eine gedankliche Konstruktion ist. Begriffe wie "die Bundesrepublik" (die Gabriel immer wieder gerne als Beispiel benutzt) allerdings sehr wohl! Gabriels etwas großspurig im ersten Kapitel angekündigter "Neuer Realismus" erweist sich als reine Behauptung. Dass wir die Dinge an sich erkennen und beschreiben, wie sie wirklich sind, dass wir sie in ihrem Kern erfassen und nicht interpretieren, dass wir die Welt entschlüsseln können, dafür spricht meiner Meinung nach - gerade auch rückblickend auf die Irrtümer der Menschheit - nur sehr wenig. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir uns in vielen Dingen heute irren, jedenfalls wird man dies in Tausend Jahren über unsere Zeit sagen, so ähnlich wie wir heute über die Irrtümer des Mittelalters urteilen. Je mehr wir wissen, desto größer wird der Bereich unseres Unwissens. Wie die Welt wirklich ist, wird der Mensch nicht erfassen, dazu müsste er Gott sein.
1212 Kommentare| 149 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. November 2014
Als Naturwissenschaftler und Hobbyphilosoph fand ich das Buch sehr anregend. Es enthält in aller Kürze und flapsigen Vergleichen, wenn auch vereinfachend, und dabei vielleicht manches mal recht unpräzise die wichtigsten Denkrichtungen der Philosophie. Für mich ist es schon mal ein kleines Nachschlagewerk. Was wahr und richtig ist, wird sich dann bei Lektüre weiterer Bücher erschließen. Die These, dass es die Welt nicht gibt, erschließt sich mir nicht ganz und ich habe den Eindruck, dass hier Begriffe durcheinander gewürfelt werden. Das erscheint mir so, als würde ein Milchfetttröpfchen behaupten, dass es die Milch nicht gibt. Sie sei nur Wasser mit allerlei, was es beinhaltet. Aber es kann sich ja nicht selbst beinhalten. ...

Auch wenn es manchmal mühsam ist zu lesen, was ja die Eigenart philosophischer Pamphlete ist, habe ich es ganz gelesen und so manche meiner heimlichen Thesen, die ich gewiss nirgends abgekupfert habe, wiedergefunden. Wenn er sich geirrt hat, haben wir uns gemeinsam geirrt. Das macht es dann auch so amüsant, dass auch Irrtümer Realitäten, Wirklichkeiten, Gegenstände sind, über die man trefflich diskutieren kann. Und die endgültige Wahrheit wird sich uns sowieso niemals in Gänze erschließen, wie es ja seit Kant bekannt ist.
Bei der Lektüre der Rezensionen zu diesem Buch stößt mir die Unsachlichkeit auf, mit der manche unversöhnliche Besserwisser vorgehen, mit dem gleichzeitigen Bekenntnis, das Buch gar nicht ganz gelesen zu haben. Das ist kein guter Stil. Die Rezensionen alleine aber machen das Buch schon lesenswert. Über etwas wirklich Schlechtes kann man gar nicht so unterschiedlicher Meinung sein. :-)
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Dezember 2013
Dieses Buch ist ein einziges Ärgernis!
Mit dem Mega-Selbstbewusstsein eines Ignoranten rennt Gabriel offene Scheunentore ein. Er illustriert die von ihm nur karikierten Konzepte der Naturwissenschaft mit kindischen Bildern.
Nicht einmal Ockham's Razor und die damit verknüpfte, fundamentale Selbstbeschränkung der Naturwissenschaft oder die Problematik des externen Beobachters, wie sie in der Quantenmechanik längst und sauber abgehandelt worden sind, sind ihm bekannt. Wenn doch, dann verschweigt er sie, offenbar um seine populistischen Thesen zu vermarkten. So unterstellt er der Naturwissenschaft, sie würde die Deutungshoheit sozusagen über alles an sich reissen. Seriöse Naturwissenschaftler sagten implizit schon vor Wittgensteins „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“. Also, dass Gott neben so vielen anderen Abstrakte der Wirklichkeit grundsätzlich kein Gegenstand der Naturwissenschaftlichen Methode sein kann: Gott ist KEIN Gegenstand der Naturwissenschaft - Ende der Durchsage. Auch wenn die Presse vom „Gottesteilchen“ gequatscht hat. Vulgärjournalismus als Munition eines Philosophen. Armselig.
Auch die Tatsache, dass es keine wirklich „isolierte Systeme“ und daher keine wirklich kontrollierte Experimente geben kann, ist Schnee von gestern.
Auf diesem Gemeinplatz beruht dann auch sein reisserisches Titelthema: Wir können die Welt niemals von aussen betrachten. Wir sind drin, also ein Teil von ihr. Die Antwort läge in der naturwissenschaftliche Systemtheorie und den Folgen für unsere Wahrnehmung der so genannten Wirklichkeit. Das ist aber kein Thema; zu schwierig und sowieso von den dummen und gar böhzen Physikern gemacht.

Keine Frage, dass er mit dieser Position nicht allein ist. Nicht nur die Philosophie, auch die Politik und Wirtschaft verkennen die Methode, die Konzepte und Erfolge der Naturwissenschaft überhaupt und würdigen gerade mal den Return on Invest...

Der Herr Professor beschränkt sich damit auf das Abknallen von ein paar Schlagzeilen, die von Journalisten am Laufmeter produziert werden: Zeitgeist-Phrasen.
Gegen seine verbissene Absicht unterstützt er genau die Postmoderne, deren Grundthesen in der Tat differenziert zu betrachten sind.

Von einem Universitätsprofessor der Philosophie muss man leider(?) VIEL mehr verlangen.
11 Kommentar| 36 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden