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Kundenrezensionen

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am 15. Januar 2014
Dieses Werk hat auch 10 Jahre später seine Bedeutung erhalten und sogar bestätigt. Für junge Menschen erscheint es mir besonders gut geeignet. Und bei Medimops kann man es zu einem Preis ergattern, der das vielfache Verschenken leicht macht. Die klare, sachliche Sprache und genauesten Aussagen des Autors binden den Inhalt zu einem gewaltigen Argument der Wachsamkeit und Erstellung oder Kreation einer eigenen Meinung zum Thema Zukunft der Wirtschaft in Europa und in Deutschland. In allen Parteien sollte dieses Werk Pflichtlektüre sein.
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am 11. März 2012
Der 1939 geborene Leiter des Bonner Institutes für Wirtschaft und Gesellschaft, Meinhard Miegel, hat bereits 2002 mit seinem Bestseller Die deformierte Gesellschaft" für Diskussionen auf breiter Front gesorgt. Sein neues Buch ist noch offener und noch mutiger. Er schenkt seinen Lesern reinen Wein ein. Er sagt das, was sich Politiker aus wahltaktischen Gründen nicht zu sagen trauen. Er spricht vom Niedergang des Westens.

Dieser Niedergang hat vor allem einen Grund. Die Bewohner des Westens, also die der OECD-Staaten, sind vom vielen Wohlstand zu satt und zu matt geworden. Luxus motiviert weniger als Hunger. Den Westlern ist Freizeit und Spaß lieber als Schuften rund um die Uhr. Sie scheuen Mühen wie zum Beispiel eigene Kinder. Deshalb vergreist der Westen als Ganzes. Die Leute hier sind alles andere als bescheiden. Ein Facharbeiter verlangt 26 Euro in der Stunde. Er will jedes Jahr in den Urlaub. Er will ein Haus mit Garten und ein schnelles Auto oder zwei. Das wird er in Zukunft nicht mehr im gewohnten Ausmaß bekommen. Denn wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Das heißt, die Preise für menschliche Arbeit gleichen sich weltweit an. Ein indonesischer Facharbeiter verdient 3 Euro. Das Verhältnis ist dann 26 zu 3. Bei etwa 15 wird man sich treffen.

Für die arbeitende Bevölkerung des Westens bedeutet das Lohn- und Gehaltseinbußen, für die Sozialsysteme eine Rückführung auf bloße Existenzsicherung. Wir müssen die Ärmel einmal umschlagen und den Gürtel zwei Knöpfe enger schnallen", also mehr arbeiten bei weniger Lohn. Der Westen wird ärmer, aber nicht ganz arm. Er wird voraussichtlich einen Vorsprung wahren können. Auch wird er nicht verschwinden", Europa nicht von hungrigen Afrikanern überrannt werden, aber seine Bewohner müssen Federn lassen. Die anderen holen auf. Um dieses Buch in eine der beliebten Fußballmetaphern zu übersetzen: Globalisierung ist, wenn Griechenland Europameister wird.

Es wird also schlimm, aber nicht zu schlimm. Das Abendland geht nicht unter. Trotzdem wird die Bevölkerung leiden. Leiden auf hohem Niveau. Darauf gilt es sich einzustellen und es nutzt nichts auf den großen Aufschwung zu hoffen. Es ist unverantwortlich und schäbig den Bürgern mit immer höheren Schulden eine falsche Realität vorzugaukeln. Wir müssen bescheidener werden, solidarischer, menschlicher. Wir müssen wieder begreifen, dass es neben Geld auch noch ein paar andere Dinge gibt. Wir müssen Haltung und Würde bewahren, sozusagen stilvoll verarmen", wie es ein Zeitgenosse vorschlägt.

Allerdings wird die Pauperisierung nicht alle treffen. Miegel spricht von der Schicht der Wohlhabenden bis sehr reichen, die sich, ähnlich dem Hochadel vergangener Zeiten, zunehmend international ausrichtet und gleichsam von der Restbevölkerung abkoppelt. Auch von dieser Gruppe fordert er Solidarität und Verantwortung. Sie soll einsehen, dass es nicht Leistung, sondern Glück ist, wenn ihr Jahreseinkommen 1500 mal höher ist als das von Hotelportiers beispielsweise. Die Reichen sollen freiwillig Philanthropie beweisen, indem sie noch mehr soziale und künstlerische Projekte sponsern, als sie es jetzt schon tun. Er findet, das gehört sich einfach, das erfordert der Anstand. Den sozialen Frieden sieht er, trotz der anstehenden Verwerfungen, nicht in Gefahr. Er geht davon aus, dass alternde Gesellschaften für Revolutionen zu gesetzt sind.

Die titelgebende Epochenwende" besteht in der Tatsache, dass die Expansionsphase der Menschheit mittlerweile an ein Ende gelangt ist und nun eine Kontraktionsphase einsetzt. Seine Metaphern dafür sind das Ein- und Ausatmen, sowie die Bäume, die nicht in den Himmel wachsen. Die Kontraktion bezieht sich primär auf Größen wie Bevölkerung und Bruttosozialprodukt, aber auch auf Artenvielfalt und kulturelle Differenzierung. Der Westen ist der Vorreiter der Weltgeschichte. Bei ihm beginnt die Kontraktion jetzt. Die übrige Welt wird nachfolgen und in naher Zukunft den selben Problemen ausgesetzt sein, die gegenwärtig den Westen quälen. Sie betrachtet seine Lösungen aufmerksam. Möglicherweise wird sie aus westlichen Fehlern lernen.

Das Buch ist sehr klug und verständlich geschrieben. Herr Miegel erörtert nüchtern das Kommende und wirkt beruhigend. Ihm geht der sonst übliche panisch-hysterische Alarmismus ab und das tut gut. So schlimm die Diagnose auch sein mag, hört man sie von einem fähigen und vertrauenserweckenden Arzt, wird man innerlich ganz klar. Diesen Seelenzustand brauchen diejenigen, die die gewaltigen Aufgaben bewältigen müssen. Die Epochenwende" gehört auf den Tisch jedes westlichen Entscheiders.
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am 14. November 2011
Ich hoffe nicht, dass "der Westen die Zukunft gewinnt". Wir haben Gutes, aber auch viel Unheil exportiert. Gerade die hemmungslose Globalisierung unseres verheerenden Wirtschaftsmodells hat viel Zerstörung von Naturpotential und kultureller Vielfalt mit sich gebracht.
Miegel differenziert hier nicht genug. Er versucht es, aber er bleibt ein Konservativer, der die ganze Dimension unseres Versagens und der nötigen Veränderungen nicht erkennt.
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am 25. April 2010
Dieses Sachbuch sollte jeder lesen, vor allem aber Politiker und Meinungsmacher!
Darüber müsste eigentlich täglich gesprochen werden!Sehr unterhaltsam geschrieben, macht aber sicher nachdenklich, auch wenn nichts Neues berichtet wird, die Wahrheit ist erschreckend genug!
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am 13. März 2008
Wieder etwas aus dem Hause Miegel, wer seine Zeit und sein Geld mit Pseudowissenschaft aus dem Hause des bekannten Lobbyisten verschwenden möchte dem sei diesen Buch ans Herz gelegt. Miegel der wohl der Erich von Däniken der Wirtschaftswissenschaften sein möchte analysiert hier messerscharf mit einem Haufen von Zahlen das was seine Auftraggeber hören wollen. Ein Buch das am besten im Papierkorb aufgehoben ist.
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am 2. August 2007
auch ich habe das buch in 3 tagen gelesen und meine gefühle schwankten zwischen angst, hoffnungslosigkeit und wut. als manager mit burn-out-syndrom war ich angehöriger der wachstumsgläubigen und habe sicherlich viel von dem umsetzen müssen, was der autor auf allgemeinplätzen fordert. trotzdem: die seiten sind voll von immer wieder gleichen horrorbeschreibungen. sie erzeugen schuldgefühle. manchmal war mir der standpunkt des autors nicht mehr klar. soll die wirtschaft jetzt wachsen oder nicht? und wie? sollen wir uns jetzt mehr plagen oder die erwerbsarbeit "ent-idolisieren"? (s252) die "endlose" aneinanderreihung der aspekte läßt die meinung des autors schwierig erfassen. jeder mensch der nicht weltfremd ist und über den europäischen tellerrand hinausblickt, wird kaum die analysen des autors bestreiten können. aber wo bleibt die aufmunterung, das mutmachen ? selbst auf den letzten seiten werden die themen gebetsmühlenartig wiederholt. der nikotinabhängige soll doch bitte selbst aufhören zu rauchen, ehe er erkrankt. ein dummes beispiel - weil der autor damit die gesellschaft pauschal pathologisiert und: weiß doch jeder, das abhängige nicht alleine von ihrer sucht loskommen, sondern hilfe brauchen. die hilfe des autors äußert sich aber nur in aufrufen: jeder solle individuell verzicht üben. für mich eine schwaches argument, weil zu pauschal. mit allgemeinen aussagen wie, das sich die völker des westens wie neureiche benehmen würden, rutscht der autor genau in das millieu der gesellschaft, deren fehlverhalten er anprangert. oder steckt nur blosse provokation hinter solchen bemerkungen? von einen wissentschaftler, welcher sonst überwiegend zahlen anführt, um seine thesen zu untermauern, eine schwache stelle. der autor läßt kein themengebiet aus: falsche ernährung, sozialverhalten, verkehr, politik usw. ein rundumschlag. auf den letzten seiten werden dann nocheinmal schnell die zu erledigenden pioniertaten aufgezählt.
schade nur, das - wenn lösungen aufgezeigt werden könnten - es nur bei rhetorischen fragen bleibt: (beispiel mobilität, s. 280) "oder müssen nicht dringlichst andere wege gegangen werden? ein zukunftsfähiges verkehrskonzept wäre eine zivilisatorische und kulturelle großtat, durch die der westen die menschheit ein gutes stück voranbringen könnte." richtig herr miegel! aber welches? da sind andere schon weiter in ihren lösungsansätzen. buchtip: frederic vester - ausfahrt zukunft.
abschließend: flüssig und eingängig geschrieben - also leicht lesbar, aber der nutzwert für jemanden, der etwas in seinem umfeld ändern will ist gering, da keine mutmachenden perspektiven aufgezeigt werden.
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am 29. August 2006
Der Untergang des Abendlandes steht bevor, nicht Geringeres prophezeit der Leiter des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, Meinhard Miegel, in seinem neusten Buch „Epochenwende“. Eiskalt analysiert er das nahende Ende der Überlegenheit der westlichen Kultur und Wirtschaftskraft und verweist auf die aufstrebenden Nationen Asiens. Dabei formuliert er griffig und meist sehr anschaulich und schafft es so seine Leser in den Strudel des Niedergangs mitzureißen.

Die westliche, europäische Gesellschaft sei alt, satt, überheblich und im materiellen Überfluss träge geworden. Um sich dem Untergang der Zivilisation entgegenzustemmen, fordert Miegel eine radikale Neuausrichtung der Wirtschafts- und Sozialpolitik und die kreative Ausschöpfung aller vorhandener Reserven. Wohlstand dürfe künftig nicht mehr rein materiell definiert werden. Wohlstand sei auch mitmenschlicher Zusammenhalt.

Die demografische Entwicklung lässt Gesellschaften altern und verschärft die strukturellen Probleme in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt. Hier müsse das alte Europa Vorbild sein und zeigen wie sich diese Schwierigkeiten lösen lassen. Auch durch die Globalisierung ist das lang andauernde Privileg scheinbar grenzenlosen Wohlstands für die westliche Gesellschaft ernsthaft bedroht. Miegel bezweifelt, dass sich der Wohlstand auf Dauer etwa mit militärischer Abschreckung verteidigen lässt.

In der Analyse des Zustands beziehungsweise der zukünftigen Entwicklung, befindet sich Miegel in bester Gesellschaft. Er ist nicht der erste Mahner, der lautstark den Zusammenbruch der westlichen Zivilisation heraufbeschwört. Auch die Ansicht, dass Arbeiten für sich kein Lebenszweck ist, sondern diese Auffassung dem derzeitigen Zeitgeist entspringt, mag richtig sein. Doch kann Miegels pessimistische Sicht der Lage nicht immer überzeugen und seine Lösungsansätze sind geprägt von einem Konservativismus, der selbst dem abgelaufenen 20. Jahrhundert entspringt.

So etwa die Anprangerung der Erwerbstätigkeit von Frauen, welche sich nach Meinung Miegels besser dem Kinderkriegen und ihren Familien widmen müssten. Auch die Aufforderung an deutsche Arbeitnehmer Löhne auf indischem Niveau zu akzeptieren, lässt sich leicht vom gut dotieren Posten eines Institutsleiters aus verbreiten. Die Existenzängste vieler Menschen beruhigt eine solch herablassende Sichtweise aus dem Elfenbeinturm nicht.
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am 25. Mai 2006
Das Buch erinnert mich ein bißchen an den DaVinci Code. Es ist sehr gut lesbar geschrieben, in griffigen Formulierungen usw. Es regt auch zum Nachdenken an, aber wenn man das tut, stellt man schnell Schwächen fest. Ich denke, daß sich Passagen mit vielen Quellen und Fakten abwechseln mit rein polemischem Text ohne jede Grundlage. Zum Beispiel wird behauptet, daß Epochen unterschiedliche Prägungen haben und wir im Moment in einer wirtschaftlich geprägten Epoche leben. Das halte ich für Unsinn, denn ich meine daß es eher so ist, daß wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Blüte einhergehen. Als Beleg führt der Autor an, daß die Leute heute noch lieber die Kultur des 19. und vorheriger Jahrhunderte konsumieren (klassische Musik, Malerei) und neuere Kultur vergleichweise dünnbrüstig ist. Ich halte das für sehr gewagt und behaupte, daß manche heutige populäre und meistverkaufte Musik (Beatles, Led Zeppelin...) durchaus auch noch in 100-200 Jahren gehört werden wird.
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am 8. April 2006
Mitunter spürt man in dieser faktenreichen Mahnschrift die Ungeduld dessen, der in immer neuer Dringlichkeit auf Entwicklungszusammenhänge hinzuweisen hat, mit denen er bereits seit vielen Jahren seine Mitbürger und das politische Führungspersonal konfrontiert, und der erleben musste, in wie kleinen Schritten und Rückschritten seine frühen vorausschauenden Erkenntnisse z.B. bezüglich des demographischen Wandels, der sozialen Sicherungssysteme und der sozioökonomischen Entwicklung der neuen Bundesländer das öffentliche Bewusstsein erreicht haben - von Konsequenzen in der Praxis ganz abgesehen.
Es ist daher wenig verwunderlich, dass die Kernthesen dieser jüngsten Publikation Miegels nicht eben zur Überraschung geraten: Der ökonomische Vorsprung der frühindustrialisierten Länder westlicher Prägung ist weitgehend aufgezehrt; immer besser qualifizierte, motivierte und vergleichsweise genügsame Arbeitsuchende der aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsräume werden massenhaft zu Konkurrenten in einem globalen Wettbewerb, in dem manche frühindustrialisierte Gesellschaften, nicht zuletzt die deutsche, über ihre Verhältnisse leben und in verkrusteten Strukturen verharren, statt ihre für viele ärmere Länder immer noch wirksame Leitbildfunktion dafür zu nutzen, ein weniger konsumfixiertes Wohlstandsmodell zu entwickeln, das allein global zukunftsfähig sein kann. Miegel ein Konservativer, wie er im Buche steht? Wer so etikettiert, hantiert entweder mit einer außerordentlich elastischen Schablone oder verweigert eine die eigenen Vorurteile korrigierende Lektüre.
Viele starke Seiten entfaltet das Buch durch die aktuellen Faktenbelege, mit denen Miegel seine Argumentation unterfüttert, einige nicht ganz so überzeugende, wo dies unterbleibt. Die Gesundheitsrisiken der „Generation XXL", bedingt durch Übergewicht, Alkohol und Drogenkonsum, werden ebenso erfasst wie Vandalismus-Schäden an öffentlichen Einrichtungen und das Ausufern neuer Medien mit z.T. aberwitzigen Nutzungsformen und erheblichem Schädigungspotential, vor allem für Minderjährige. In einem besonders eindrucksvollen Abschnitt rechnet Miegel vor, was es die deutsche Gesellschaft schon allein ökonomisch gesehen kostet, nur zwei Drittel statt wie in Frankreich wenigstens 90% des zur Erhaltung des Bevölkerungsbestands nötigen Nachwuchses aufzuziehen: Investitionsausfälle im dreistelligen Milliardenbereich und eine um etwa die Hälfte halbierte Arbeitslosigkeit (S.180-182).
Miegels Bestandsaufnahme zum Wechselspiel von politischem Personal und Massenmedien ist ebenso ernüchternd wie treffend und im Grunde perspektivlos. Denn die Bürger begünstigen das oft würdelose Treiben beider Seiten durch die Art der eigenen Nachfrage und Nichtbeteiligung. Neben einer Reihe von anderen markanten Einträgen ins Stammbuch der Zivilgesellschaft findet sich auch dieser: „Wenn die Vermögenden in einer Gesellschaft - die Reichen, Mächtigen, Klugen, Starken, Talentierten und gelegentlich auch Skrupel- und Rücksichtslosen - sich nicht vorbehaltlos dieser Gesellschaft öffnen und sie als ihre ureigenste Aufgabe annehmen, dann helfen weder fromme Sprüche noch strenge Gesetze. Dann steigt die Gesellschaft ab. Dieser Abstieg droht dem Westen. Denn seine Vermögenden sind dabei, sich gegenüber der übrigen Bevölkerung abzuschotten." (S.274)
Angesichts des umfassenden Charakters von Miegels Tour d'horizon sollte man ihm einfach zugestehen, dass er sie gelegentlich als etwas meinungslastige Tour de force gestaltet: im Tenor gut nachvollziehbar, in der Sache aber nicht überall solide ausgeführt. Doch man möchte ja ohnehin nicht, dass dieser bestechende Analytiker nun hiermit seine letzte größere Publikation vorgelegt hätte.
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am 25. März 2006
Kein halbwegs intelligenter Mensch kann Miegels Schilderungen und Folgerungen grundsätzlich leugnen. Schon deshalb stellt dieses Buch nichts Aussergewöhnliches dar und liest sich in weiten Teilen eigentlich nur als Bestätigung der alltäglichen Beobachtungen.
So gesehen ist das Buch nicht ganz seinen "Preis" wert. Allerdings liefert der Autor eine Menge an Zahlen und Zusammenhängen, die den "gefühlten" Zustand unserer westlichen Gesellschaft mit den entsprechenden Quellen belegen und die Inkompetenz der ewig "Wachstum" und "Produktivität" schreienden Politiker entlarven.
Miegel versucht nicht, sich als allwissender Wissenschaftler zu geben. Dementsprechend leicht liest sich das Buch in ein paar Stunden. Ausführliche Lösungen unserer Probleme darf man hier allerdings nicht suchen. Es wäre auch vermessen, für ein paar Euro eine Lebensanleitung zu erwarten. Miegel ist kein Politiker - er wirkt eben durch seine Medienpräsenz.
Wie notwendig das ist konnte ich neulich in einem ausgestrahlten Interview mit ihm mitbekommen:
Der fragende Journalist beharrte in seinen Fragestellungen schon beinah mitleidenswert naiv darauf, dass "wir Deutschen" doch irgendwie besser sind als andere. Bauen wir nicht diese tollen Autos? Haben wir nicht technische Errungenschaften, um die andere uns beneiden usw. etc. etc. Mit anderen Worten: Es gibt noch viel zu tun bis auch der Letzte begriffen hat, dass es ökonomisch mit uns bergab geht . Miegel lässt sich aber nicht in die Ecke der Schwarzseher oder gar Globalisierungsgegner stellen, denn er sieht in dieser Entwicklung nicht Negatives, sondern den normalen Lauf der Dinge, dem man sich einfach zu stellen hat. Die Aufgabe besteht darin, den Sinn des Lebens in anderen Dingen zu suchen als im Anhäufen materiellen Wohlstands. Wer das als Schwarzseherei brandmarkt, den kann man nur bemitleiden. Denn er wird es in der Tat in Zukunft schwer haben. Unsere vornehmliche Aufgabe der folgenden "Epoche" ist laut Miegel deshalb auch nicht in Lamentieren und Hysterie zu verfallen, sondern endlich zu lernen wie man mit sich erschöpfenden Ressourcen haushaltet und schrumpfende, alternde Gesellschaften organisiert. Denn die jetzt wirtschaftlich aufstrebenden Nationen werden unserer Entwicklung in kurzer Zeit folgen und dann unseren neu entwickelten Werten folgen müssen und wollen - genauso wie sie auch heute unseren weiträumig zur Schau gestellten Lebensstil kopieren möchten.
Miegel ist kein Neider, er beklagt sich nicht allzu intensiv über Heuschrecken und Großverdiener. Sie sind Teil des Systems und sie werden von uns allen durch unser eigenes Konsum- und Sozialverhalten hervorgebracht. Er fordert lediglich deren Bekenntnis und Beitrag zur Gesellschaft. Überhaupt habe ich es als angenehm empfunden, dass Miegels Ausführungen überwiegend nichts Anklagendes haben. Hier ist er dann eben doch der nüchterne Wissenschaftler, der sich nicht zu albernen Sentimentalitäten hinreissen lässt .
Alles in allem ist dieses Buch eine Motivationshilfe. Davon gibt es in der Tat viele. Bücher, bei deren Lektüre sich der Kopf im ständig zustimmenden und nickenden Auf und Ab befindet. Es hilft einem eher werteorientierten Leser, auf die rein materiell ausgerichteten "herabzusehen" und sie ein wenig für ihren bevorstehenden Sturz zu bemitleiden anstatt ständig - wie in unseren Medien präsentiert - zu Ihnen hin- oder aufzuschauen. Wer sich eine gewisse Bescheidenheit bewahrt hat und nicht jedem Konsumreiz hinterherrennt, wer einen Top-Manager nicht um sein Gehalt beneidet oder ihn deswegen verteufelt, sondern ihn einfach genauso wie den Lottomillionär in der Nachbarschaft ignorieren kann, der braucht vor der Zukunft keine Furcht zu haben. Das ist jedenfalls die unausgesprochene positive Botschaft Miegels - allerdings nur, wenn wir noch rechtzeitig die Kurve hinbekommen und die richtigen Weichen stellen, also z.B. die zunehmende Staatsverschuldung zu Gunsten kurzfristiger Wachtumsraten und zu Lasten nachfolgender Generationen stoppen.
Bewertung: 3 Sterne: flüssig geschrieben, viele Fakten, Zahlen und Quellen, überwiegend nüchternerm Stil. 1,5 Sterne Abzug für den hohen Preis und 0,5 Sterne Abzug für die manchmal doch zu weiten Sprünge in den Begründungen.
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