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Kundenrezensionen

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am 6. November 2011
Mit diesem Buch ist Herrn Scholl-Latour mal wieder ein außergewöhnliches Werk zur Politik, Kultur und Geschichte des Orients gelungen. Durch den Arabischen Frühling ist diese hoch interessante Region wieder in den Fokus der Medien geraten. Viele Journalisten erhoffen sich von den aktuellen Umbrüchen eine Hinwendung zur Demokratie und westlichen Wertvorstellungen und vergleichen den Arabischen Frühling mit dem Fall der Mauer. Scholl-Latour bleibt hier viel nüchterner. Natürlich sieht er ebenfalls im Arabischen Frühling einen großen Umbruch, doch bleibt er sich seinen Analysen treu und sieht sie teilweise durch den Wahlsieg der Islamisten in Tunesien bestätigt. Diese Kontinuität hebt sich wohltuend von der Berichterstattung anderer Journalisten ab, die, wie sie selbst zugeben, den Umbrüchen eher ratlos gegenüber stehen. Ob er damit recht hat, wird natürlich die Geschichte zeigen. Denn es gilt: Es irrt der Mensch, so lang er strebt
Doch da Scholl-Latour nicht hauptsächlich die aktuellen Ereignisse unter die Lupe nimmt, sondern mit seinen Analysen, wie immer weit in der Zeit zurück geht, erscheinen seine Einschätzungen sehr fundiert. Somit erscheint der Aufruhr im Nahen Osten vielmehr als logische Konsequenz und weniger als Irritierende Zäsur der Geschichte.
Ebenfalls ist zu begrüßen, dass Herr Scholl-Latour zu seinem alten Stil, der Vermischung von Reisebericht und politisch kultureller Analyse zurückgefunden hat. Dies bietet dem Leser nicht nur neue Blickwinkel auf das Geschehen in aller Welt, sondern führt auch dazu, dass sich einige Passagen mehr auf die Landschaft oder andere Facetten der Reise beziehen und sich deshalb zur Entspannung und Informationsverarbeitung eignen. Ansonsten würde man angesichts der Informationsflut schnell ermüden.
Allerdings sollte darauf hingewiesen werden, dass das Buch nicht immer die alle Entwicklungen chronologisch erklärt. Das ist aber auch nicht die Intention des Autors. Vielmehr soll das Buch neue Perspektiven eröffnen und das Verständnis fördern. Dafür ist aber, wie bei fast all seinen Büchern, ein gewisses Vorwissen oder die ausgiebige Benutzung der Wikipedia von Nöten.
Allein das Kapitel über die Sahelzone mutet ein wenig kryptisch an, da wohl kaum ein Leser über ein ausreichendes Wissen über dieses Gebiet verfügt. Somit hätte Herr Scholl-Latour entweder noch etwas Basiswissen vermitteln, oder das ganze Kapitels streichen müssen. Denn so ist der Leser nach der Lektüre dieses Kapitels kaum schlauer als vorher.
Ebenfalls unverständlich bleibt mir, warum in dem Kapitel über Syrien kein Wort über die aktuellen Aufstände steht. Es ist natürlich möglich, dass Herr Scholl-Latour sich hier nur auf die Erfahrungen seiner eigenen Reisen und nicht auf die verwirrende Berichterstattung der internationalen Medien verlassen wollte. Ein kleines Statement wäre trotzdem zu begrüßen gewesen.
Trotz diesen beiden Negativpunkten bleibt das Buch eine spannende und erhellende Lektüre und bietet auch noch viele neue Informationen für jene, die sich auch schon ausgiebig mit dem Thema beschäftig haben.
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Der Mangel des Buches - wenn man denn von einem solchen sprechen will - ist die fehlende Aktualität. Denn seit dem Abschluss der Arbeiten am Buch im September 2011 ist schon wieder eine Menge passiert, in Syrien herrscht Bürgerkrieg, Gaddafi ist schon lange Geschichte, in Mali sind Franzosen gegen Islamisten und Touaregs in den Krieg gezogen und in Ägypten kamen die Muslimbrüder durch Wahlen an die Macht und wurden dann auch schon wieder nach Demonstrationen durch das Militär abgesetzt. Offenbar dreht sich das Rad derzeit so schnell im Nahen Osten, dass ein Buch mit tiefgreifender Analyse der politischen Strukturen einfach nicht mehr hinterher kommt.

Laut Peter Scholl-Latour muss es das vielleicht aber auch nicht. Von seinen Reisen berichtet er hier - und diese reichen in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Und selbst da macht der Autor nicht halt. Plausibel wird erklärt, wie selbst Ereignisse vor über tausend Jahren heute noch eine Bedeutung in aktuellen Konflikten haben. So ist eine der vielen, spannenden Erkenntnisse des Buches, dass innerhalb der islamischen Gemeinschaft Konflikte zwischen (zum Beispiel) Sunniten und Schiiten viel blutiger und viel dauerhafter ausgetragen wurden als der entsprechende Konflikt zwischen Juden und Muslimen, der heute unsere Wahrnehmung der Region so dominiert. Und auch über das Vorurteil, dass man mit überzeugten muslimischen Klerikern und Politikern nicht reden könnte, darüber hat Scholl-Latour viel zu sagen. Er trifft bei seinen Reisen in die Länder des Islams eben nicht nur eine Sorte von Menschen, sondern beschreibt sehr gut, wie sich - wie auch bei uns - unterschiedliche Persönlichkeiten in unterschiedlichen Ansichten, Handlungen, Auswirkungen materialisieren. Laut dem Autor lohnt es sich, auf Details zu achten und vor allem lohnt es sich, auch mit den vermeintlich Bösen Gespräche zu führen. Leider ist das unserer politischen Kultur inzwischen fremd.

So verwundert es auch nicht, dass Scholl-Latour sich inzwischen völlig jenseits jeder Form von Tagespolitik sieht und dabei dann auch in der Regel zur Opposition typischer europäischer und amerikanischer Wertungen steht. Omar el-Bashir, von der Weltgemeinschaft geächteter Präsident des Sudan, hat immerhin ohne einen mit Syrien vergleichbaren Bürgerkrieg der Sezession des Südens seines Landes zugestimmt. Und der vermeintliche Völkermord in Dafur soll vielmehr als eine neue Spielart der seit Jahrtausenden üblichen Konflikte zwischen Viehzüchter und Ackerbauern am Rande der Wüsten der Sahelzone sein. Das Buch bietet hier also wirklich Konfliktstoff, und man muss die Meinung des Autors nicht immer teilen. Und auch die Kritik an der deutschen Außenpolitk kann man von zwei Seiten sehen. Immerhin spricht aber für den Autor, dass er durchaus mehr aus persönlicher Anschauung kennt als viele andere Kommentatoren der Ereignisse und wohl auch mehr als viele der Akteure.

Und vor diesem Hintergrund mag man dem Autor dann auch verzeihen, dass er sich kleine Eitelkeiten im Text nicht immer verkneifen kann.
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am 3. Mai 2013
Westeuropa hat von ca. 300 bis 1600 unter grausamer religiöset Diktatur gelitten. Viele Millionen Menschen sind von christlichen Diktatoren grausam getötet worden. Erst durch die von Helden der Naturwissenschaften und geistliche Reformer bezähmten Mörder konnte der Weg zu bürgerlicher Freiheit geebnet werden. 1400 Jahre nach seiner Entstehung finden die islamischen Länder ihren Weg in die Freiheit des Geistes. Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, Bücher von Peter Scholl-Latour zu lesen. Er gehört zu den ganz wenigen Menschen überhaupt, die mit Achtung, lebenslanger Neugier und daher mit unfaßbarem Detailwissen und unzähligen Bekanntschaften über die Menschen und Länder schreiben, die jedtz so viel Not und Unsicherheit in ihren Ländern erleben müssen. Gelegentlich blitzt in seinem Buch "The Light from the East" auf. Mathematik, Physik, Chemie, Astronomie, Medizin, Pharmazie haben ihre Wurzeln im Osten.
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am 22. Februar 2012
Inhaltlich handelt es sich um einen Scholl-Latour, wie man ihn kennt: Viel profundes Hintergrundwissen, viele Rückblenden in vergangene Zeiten und bereits veröffentlichte Bücher. Je älter er wird, desto mehr Wiederholungen finden sich jedoch in seinen Büchern. Arabiens Stunde der Wahrheit bietet daher nur relativ wenig Neues. Inhaltlich: Drei Sterne.

Mit der Form der Kindle-Edition hat sich der Propyläen/Ullstein-Verlag jedoch eine regelrechte Frechheit geleistet. Für happige 19,99 Euro könnte man ein ordentlich durchredigiertes Ebook erwarten. Man hat aber anscheinend nicht viel mehr Aufwand als Copy-Paste aus den Druckvorlagen investieren wollen. Denn jeder einzelne Trennstrich aus der Druckversion ist im Text geblieben und taucht im veränderbaren Textfluss auf dem Kindle überall in der Zeile auf. Sonderzeichen sind zerstückelt wie etwa c, statt ç. Kaum eine "Seite" im gesamten Buch kommt ohne Fehler daher.

In der Leseprobe sind mir schon einige dieser Fehler aufgefallen. Ärgerlicherweise habe ich mich als Scholl-Latour-Fan dennoch für den Kauf entschieden. Das Lesen hat dann aber wegen der vielen Formfehler gar keinen Spaß mehr gemacht.

Die Fotos und Karten, die man aus den Büchern des Autors gewohnt ist, kommen in einem Stoß am Ende des Buchs ohne jeden Bezug zum Text. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Flexibilität des neuen Mediums ausgenutzt worden wäre, um den Text an Ort und Stelle zu bereichern.

Für den Preis rate ich stark vom Ebook ab!
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am 16. August 2014
Das Buch sollte Pflichtlektüre für alle politischen Entscheidungsträger sein, wie alle seine Bücher. Sicherlich hat es den nun leider verstorbenen Journalisten geschmerzt, dass seine langjährigen Erfahrungen und Vorschläge nicht berücksichtigt worden sein. Dann hätte vieles vermieden werden können!!
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TOP 1000 REZENSENTam 26. November 2011
In seinem neuen Buch beleuchtet der Journalisten-Methusalem den nordafrikanischen und orientalischen Raum. Er zeigt die jeweilige Entwicklung dieser Länder, wobei er Vergleiche mit früheren Aufenthalten zieht. Dabei warnt er vor einer zu grossen Begeisterung des Arabischen Frühlings, da zumeist keine wegweisenden Ideen existieren. So besteht die Gefahr dass Länder wie Ägypten, Syrien, Jemen und andere in politische Sackgassen manövriert werden, welche zur Zeit im Irak, Sudan, in Algerien oder Jemen bestehen. Bei vielen Ländern ist die Entwicklung ähnlich verlaufen. Nach dem kolonialen Ende scheiterten politische Experimente zumeist mit der Machtübernahme eines Militär- oder diktatorischen Regimes. Erschwert wird die Lage dann durch religiöse Einflüsse sowie ethnische Divergenzen.

Gekonnt berichtet Scholl-Latour aus seinen unerschöpflichen, jahzehntelang gesammelten Erfahrungen, und gibt dem Leser einen neutralen Überblick über die Geschehnisse. Etwas erschwerend ist bei der Lektüre das häufige Wechseln von Schauplätzen und Zeiträumen. Ansonsten ein sehr interessantes und aktuelles Buch. Ein Muss für jeden Scholl-Latour-Fan.
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am 2. November 2011
Es ist noch gar nicht lange her, da träumten die Menschen und die Medien der westlichen Welt davon, dass der bald so genannte "arabische Frühling" (später wurde daraus die "Arabellion") einen Wandel auslösen würde, der mit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa in den Jahren 1989 ff. zu vergleichen wäre.
Doch die Hoffnungen erwiesen sich als übereilt. In Ägypten, wo auf dem Tahrir-Paltz eine fortschrittliche Jugend die Revolution machte und den Diktator Mubarak zum Rücktritt brachte, herrscht nun das Militär, das nicht nur gegen den Sturm auf die israelische Botschaft nichts unternahm, sondern von dem vermutet werden kann, dass es auch hinter den blutigen Zusammenstößen zwischen Muslimen, Kopten und sogenannten "Sicherheitskräften" steckte, bei denen 26 Menschen den Tod fanden. Den Blogger Maikel Nabil hat das Militär in eine Irrenanstalt gesteckt, weil er die Folterpraxis des Militärs gegenüber Aktivisten der Demokratiebewegung angeprangert hatte.
"Human Rights Watch" hat nachgewiesen, dass seit dem Sturz Mubaraks 12 000 Ägypter von Militärgerichten verurteilt wurden. Von demokratischen Ansätzen, etwa der Vorbereitung von Wahlen und Plänen für eine neue Verfassung ist nichts zu sehen.

Wahlen gab es hingegen in Tunesien, die ersten seit 1956. Doch die große Mehrheit für die islamistische Partei Ennahda macht skeptisch, Zwar hat deren Führer Ghannouchi versichert, seine Partei sei tolerant und würde sich für Demokratie und Pluralismus stark machen, doch nicht nur westlich orientierte Tunesier glauben ihm nicht und fürchten das Schlimmste. In Libyen ist das Land nach dem Tod Gaddafis zerrissen und gespalten und es ist sehr ungewiss, was aus den vielen bewaffneten Milizen wird, und welche Rolle der Islam spielen wird. Auf jeden Fall hat man schon einmal die Scharia als gültiges Rechtsystem etabliert.

Ich persönlich war schon im Frühling bei aller Freude über den arabischen Frühling sehr skeptisch, ob nach einer Befreiung von den Diktatoren in diesen Ländern wirklich eine neue Zeit anbrechen würde.
Auch der Autor des hier vorliegenden Buches, ein Kenner der arabischen und orientalischen Welt, wie es kaum sonst einen zu finden gibt, Peter Scholl-Latour, ist bei aller Freude über das, was sich im "Aufruhr an der Schwelle Europas" getan hat, skeptisch und zurückhaltend. Und er ist es, weil er die arabischen und orientalischen Ländern kennt, ihre Geschichte und ihre Widersprüche, ihre Kultur und ihre Religion, den Islam. Er hat seiner Sammlung von Berichten aus den Ländern Arabiens aus den letzten Jahren den Titel gegeben "Arabiens Stunde der Wahrheit". Mit all seiner Erfahrung und seinem kritischen Blick, erklärt er das Geschehen der "Arabellion" in den verschiedenen Ländern aus seinem jeweiligen historischen und kulturellen Zusammenhang. In den aktuellen, für dieses Buch noch im September 2011 geschriebenen Texten wird deutlich, dass er die allgemeine Euphorie über den arabischen Frühling nicht teilen kann und auch warum.
"Meine Absicht ist es nicht, die jüngsten Ereignisse in ihren Einzelheiten darzustellen. Da ich den arabischen Raum seit nunmehr sechzig Jahren regelmäßig in all seiner Vielfalt bereist habe, lege ich Wert auf eine historische, kulturelle und religiöse Einordnung, die oft ins ferne Mittelalter zurückreicht. Dennoch wollen wir eine Momentaufnahme skizzieren vom jetzigen Stand der 'Arabellion'. Bei näherem Zusehen wird sich die ursprüngliche Begeisterung des Westens schnell eintrüben." Und auch Scholl-Latour verweist auf die Ennahda-Partei und auf die Zustände in Ägypten.

Wenn man die aufschlussreichen Berichte aus den Jahren seit etwa 2007 liest, die er aus verschiedenen Ländern Arabiens geschrieben hat, wird dem skeptischen Zeitgenossen auch klar, warum Scholl-Latour so unsicher ist. Das, was Dan Diner 2007 in seinem Buch "Versiegelte Zeit" geschrieben hat, hat meiner Meinung nach für all die Staaten, in denen es in diesem Frühling und Sommer zu Veränderungen kam nach wie vor Gültigkeit.
Dan Diners Kernthese ist, dass die islamischen Staaten nicht richtig oder erst zu spät säkularisiert worden sind. Diese Säkularisierung, so Diner, habe die westliche Hemisphäre vom Mittelalter über die Renaissance bis hin zu Moderne der Aufklärung geführt und den Grundstein für die gegenwärtige Trennung von Religion und irdischem Dasein gelegt.
Diese Trennung habe in den arabischen Staaten nicht stattgefunden, die Zeit sei ab einem bestimmten Zeitpunkt 'versiegelt' worden, die arabische Welt in einen Stillstand eingetreten. Die Durchdringung des öffentlichen und privaten Lebens durch den Islam und seinen Riten, habe die Gesellschaft 'sakralisiert' und ihren Umgang mit der Moderne verschleppt. Wie stark diese Versiegelung ist, welche Rolle der Islam und vor allem der politische Islam in der Zukunft spielen wird, das wird sich herausstellen in "Arabiens Stunde der Wahrheit", die möglicherweise viele Jahre und Jahrzehnte dauern wird.
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am 30. Dezember 2015
kann man nur TOP bewerten.
Leute wie er fehlen in unserem aktuellen politischen Entscheidungs-System. Warum ? Weil er geschichtliche Gegebenheiten und der sich daraus ergebenden Ratio über zeitgeistliche, realitätsfremde Emotionen und Weltverbesserungsattitüden stellt. Und das nicht, weil er es im Spiegel gelesen hat, sondern weil er vor Ort war. Eine Ausnahme-Persönlichkeit !!! Diese Rezension werde ich auf alle meine PSL-Bücher anwenden, weil einfach wahr !!!
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am 9. Februar 2015
Wie immer zeigt hier Peter Scholl-Latour die komplizierten Zusammenhänge und Beziehungen der arabischen Staaten untereinander wie auch zu der übrigen Welt mit eindringlicher Deutlichkeit. Ausserdem ist er wohl einer der wenigen, der die Mentalität dieser Menschen wirklich kennt und versteht. Ach hätten doch unsere Politiker etwas von der Menschenkenntnis dieses Mannes, ich glaube, die Welt würde anders aussehen.
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am 15. Oktober 2012
Peter Scholl-Latour schreibt fantastische Bücher. Keine Frage. Als Person ist er ambivalent. Als ich ihn auf einem Symposium einmal persönlich traf, war er durchaus geneigt, ein von mir mitgebrachtes Buch zu signieren und mir freundlich auf die Schulter zu klopfen. Als ich mich später mehrmals postalisch und per Mail an ihn wandte, bekam ich keine Antwort, weder von ihm noch aus seinem Büro. Ich wählte verschiedene Wege, so schrieb ich an sein Büro und die Deutsch-Arabische-Gesellschaft. Er gehört damit nicht zu den Autoren, die sich für ihre Leser auch dann noch interessieren, wenn das Buch schon bezahlt ist.

Scholl-Latour nimmt in seinen Büchern interessante politische Analysen vor. Das von ihm verwendete Instrumentarium indes legt er nicht offen. (Anders beispielsweise Zbigniew Brzezinski, Samuel Huntington oder Gottfried-Karl Kindermann, die allerdings Wissenschaftler und nicht nur Journalisten oder Chronisten mit Professorentitel sind.)

Es ist deshalb nicht möglich, sich mit Scholl-Latours Gedankenwelt angemessen auseinander zu setzen. Wie viele seiner Kritiker muss auch er sich mittlerweile den Vorwurf gefallen lassen, sich von vielen Seiten (Interessenverbänden) vereinnahmen zu lassen. Gerade deshalb wäre es schön, wenn er die Methode seiner politischen Analyse öffentlich machen würde.

Den Arabischen Frühling hat er nicht kommen sehen. Das ist seltsam, da er doch den Orient – wie er selbst sagt – so oft bereist hat und sich ständig über die aktuellen Entwicklungen auf dem laufenden hält.

Im Nachgang erzählt er nun, was alles seit Beginn des Arabischen Frühlings passiert ist. Das bei solchen Umwälzungen sich die Machtverhältnisse mitunter drastisch verschieben und zahlreiche geopolitische Akteure nun ihren Vorteil aus der vorliegenden Situation ziehen wollen ist evident. Das Beispiel Syrien zeigt es. Sowohl die Türkei, Russland, Iran, Israel und die USA gehören zu den interessierten Dritten. Es geht um Hegemonialansprüche (Vorherrschaft) im gesamten Nahen Osten. Allzu oft schon haben sich die islamischen Staaten dabei gegeneinander ausspielen lassen. Es geht den raumfremden geopolitischen Akteuren nicht um die Menschen in der arabischen Welt.

Der von Huntigton in seinem Buch „Kampf der Kulturen“ prophezeite Konflikt zwischen der westlichen und der islamischen Welt liegt greifbar nahe. Schon die Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern, Israelis und Iranern und die Rolle von AIPAC als „Vermittler“ und den USA als „Schutzpatron“ Israels legen das nahe.
Über Amerikas Strategie der Vorherrschaft – und diese schließt den Nahen Osten ein – hat Brzenzinski die Welt unterrichtet.
An AIPAC hat sich das Autorenteam Mearsheimer und Walt abgearbeitet.
Über Amerikas politisches und moralisches Versagen findet sich einiges bei Noam Chomsky. Über das Triangelkonzept und die verzerrte Berichterstattung in den US-amerikanischen Medien ebenso.
Über die Entwicklungen – nicht nur in der islamischen Welt – finden sich zahlreiche interessante Studien auf der Webseite der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Dennoch hat Scholl-Latours Buch einen hohen Unterhaltungswert. Vor allem, da er immer wieder den deutschen Regierungen mangelnde Sachkenntnis, Unfähigkeit und naive Amerikatreue vorwirft. Neu ist das freilich nicht. Was aber sollten die deutsche Regierungen auch sonst tun? Sich an ein – gemessen an den USA – noch hilfloseres Frankreich klammern?
Seine Schilderungen aus den von ihm bereisten Ländern sind und bleiben aber einzigartig und sind der ureigenste Grund auch dieses Buch wieder mal zu lesen.

Tom Zehnpfennig
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