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am 1. Juli 2010
Ich hatte zuerst den gleichnamigen Film gesehen und als relativ gleichaltriger Zeitgenosse von Precht kamen viele Erinnerungen an die eigene Vergangenheit dabei zu Tage. Das Buch ist stark autobiographisch, Precht beschreibt sein Erwachsenwerden in einer Familie, die im bürgerlichen Solingen der 60er Jahre lebend, den Versuch untenahm, im Westen eine kleine Enklave des Sozialismus zu etablieren. Aus heutiger Sicht wirkt dieser Versuch bizarr, wir haben das sozialistische Experiment Osteuropas nach dem 2. Weltkrieg als endgültig gescheitert zu den Akten gelegt.

Precht gelingt es hervorragend, die Position seiner Eltern darzustellen, die einen Gegenpol zur öffentlichen Einheitsmeinung im Westen über gute Amerikaner und böse Russen schaffen wollten. Diese Denkposition führt zu einer unkonventionellen, sehr liberalen Erziehung, die dann aber doch ihre starren Regeln hat (amerikanisch geprägte Unterhaltungssendungen wie Flipper oder Fury waren verboten!).

Herrlich sind Sarkasmus und Ironie des Autors: auf seine Frage hin, warum man als Sozialist nicht in die DDR gehen würde, meinte Mutter Precht, dass der Vater dort als Designer keine Arbeit finden würde, da drüben schon alles so schön und richtig gestaltet sei! Genauso witzig sind Anekdoten aus der Schule, wo der kleine David den in Deutschland hochverehrten John F. Kennedy als "Mörder" heftig kritisiert wegen des Vietnam-Krieges.

Am meisten haben mich die Zitate über Christa Hunscha amüsiert. Diese streitbare Dame schrieb ein Buch über die Darstellung der Wirklichkeit in Kinderbüchern. Dort übte Fr. Hunscha erstaunliche Kritik an Kinderbüchern. Der bei uns als harmlos geltende Räuber Hotzenplotz etwa sei gefährlich, weil er zu ein "dummdreistes Einschwören des Kinderkosmos auf die kapitalistische Warengesellschaft." bewirken würde! Sie kritisierte insbesondere, dass Kinder ihr Leben riskierten für Omas Kaffeemühle.

Diese Anekdoten gepaart mit einem flüssigen Erzählstil und auch der Fähigkeit, über sich selbst zu schmunzeln, machen das Buch zu einem kleinen Juwel. Ich glaube nicht, dass es jedem gefällt, aber für Menschen, die auch gern etwas Gesellschaftskritik üben und ein wenig politisches Interesse haben, ist es wirklich zu empfehlen.
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am 11. Juli 2012
Neugierig gemacht hatte mich der interessante Titel und ich bin selten so schnell nach dem Erscheinen eines Films im Kino gewesen. Der Film hat mir sehr gut gefallen und schon damals fand ich es beeindruckend, dass die kleinen und größeren Erlebnisse hauptsächlich der Kinder auch bei Zweifeln im Nachhinein nie wie Belege für die Borniertheit der Eltern dargestellt wurden. Das war eben so, fertig. Die Kinder haben das so oder so empfunden, die Eltern damals so oder so entschieden, basta.
Beim Lesen des Buches war ich wieder genauso begeistert. Und auch dankbar für die vielen Informationen, die dieses private Geschichtsbuch sehr anschaulich machen. Das Buch ist also auch in diesem Fall bedeutend tiefgründiger als der Film. Es stimmt schon, dass die Anekdoten über die Erlebnisse der Familienmitgleider unterhaltsamer sind als beispielsweise die grausamen Tatsachen über den Vietnamkrieg, aber ich finde sie notwendig. Für das Verständnis der Zeit und beispielsweise des Verhaltens der Eltern, vor denen ich übrigens den Hut ziehe, bei allen "Fehlern", die sie vielleicht später ähnlich sahen. Sie haben es sich nicht leicht gemacht, ihre Haltungen immer wieder hinterfragt und waren immer sie selbst.
Dass die Gründe für das Scheitern ihrer Ehe ebensowenig dargelegt werden wie die für den Selbstmord der Oma, wie hier öfter mal bemängelt wird, ist für mich kein Fehler dieses Buches. Sie würden nicht mehr dem Verständnis von Charakteren und Verhaltensweisen dienen und dürfen somit als etwas angesehen werden, das niemanden etwas angeht.
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am 14. Mai 2010
Der Anfang ist absolut großartig. Eine Darstellung, die es einem unmöglich macht, nicht sofort Bilder der Geschichte vor sich zu sehen. Man steckt direkt im Geschehen und es ist wunderbar, diese Zeit durch Kinderaugen und mit Kindergedanken zu erleben - erfrischend. Ich war derart begeistert, dass das Ende dann leider fast langweilig wurde und ich es nur noch aus Prinzip zu Ende gelesen habe.
Weil ich aber (bis aufs Ende) absolut begeistert war, ist es eines meiner Lieblingsbücher.
Viel Freude beim Lesen.
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am 24. September 2008
ich teile die Meinung meiner Vorschreiber in beinahe allen Punkten. Und doch möchte ich zwei Ergänzungen beitragen.

Für mich kommt der Punkt Pubertät ein wenig zu kurz. Precht schreibt hierzu lapidar: ...fand einfach nicht statt. Gerade diese Umstände schreien doch geradezu nach Widerstand gegen die Eltern. Wenn ich mir vorstelle: Alle fahren in das Phantasialand, Brühl und Prechts dürfen nicht mit; gehen stattdessen zum Unterricht in die Paralellklasse. Ich hätte getobt. Er nimmt es einfach hin. Schwer, wirklich sehr schwer nachvollziehbar.

Im Übrigen hat mich das Buch ein wenig traurig zurückgelassen. Es kommt für mich so rüber als wären Prechts Eltern von der Realität schließlich rechts und links überholt worden. Schade für Menschen, die derart engagiert für Ihre Ideale, was immer man davon halten mag, eingetreten sind.

Ich bin zur selben Zeit aufgewachsen und dieses Buch hat mich sehr aufgewühlt. Es wird mich noch eine Weile beschäftigen. Danke!
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am 2. Juni 2011
Ich bin zwar erts Mitte der 70er geboren, bin aber, meiner Mutter sei Dank, in der "linken Szene" aufgewachsen.

Das Buch lässt viele Erinnerungen wach werden und zeigt den Weg den die alternative Szene gegangen ist sehr schön auf.
Ein Buch für alle, die die Wurzel des heutigen "Alternativ-Seins" ergründen wollen.

Absolute Kaufempfehlung.
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am 8. Mai 2011
Ein MUSS für alle, die die 60er und 70er Jahre schon bewusst erlebt haben.Lenin kam nur bis Lüdenscheid: Meine kleine deutsche Revolution

Dieses Buch erinnert wieder an vieles, was wir schon leider vergessen hatten.
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am 8. Dezember 2008
Precht erinnert sich in diesem interessanten und offen geschriebenen Buch an seine Kindheit und Jugend, an seine Eltern, Geschwister , seine Lehrer und wie man in linken Kreisen so lebte in den siebziger Jahren in der alten BRD. Dieses Jahrzehnt begann hoffnungsvoll und war zunächst geprägt von Aufbruchstimmung, Zukunftsglauben und Zuversicht sowie dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit, Versöhnung und Humanität.
Zum Ende des Jahrzehnts war die "vorrevolutionäre Zeit" vorbei, es herrschte Katerstimmung und ein neuer kalter Krieg kündigte sich an. Die Grünen formierten sich und politisch ging es nun um Ökologie und die Friedensfrage.
Später kündigt sich die Globalisierung an und ein gewisser Niedergang ist zu verzeichnen. Anfangs des neuen Jahrhunderts stellt der Autor fest, dass die Straßen seiner Heimatstadt schlechter werden, kein Geld im kommunalen Beutel ist und die Kanalisation an einen US-Konzern verpachtet wird, für die nächsten hundert Jahre.
Heute sind diese "hundert Jahre" quasi schon vorbei, der US-Konzern wird "Heuschrecke" genannt und ist selbst pleite.
Als Erwachsener resümiert Precht, dass die Hoffnungen auf eine fortschrittliche, blühende und sozialistische Republik begraben worden sind. Und "links" zu sein, sei heute das Gefühl, definitiv nicht rechts zu sein. Er würdigt die Bewegung von 68 und stellt fest, dass die Probleme , denen sich diese Bewegung stellte, immer noch präsent sind. So leiden 840 000 000 Menschen in der Welt an Hunger, etwa 6 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben Jahr für Jahr an Unterernährung.
Macht sich darüber heute noch jemand in Deutschland Gedanken ?

Vieleicht, so schreibt der Autor, ist es von Vorteil, dass in Deutschland heute mehr gefragt als vorschnell geantwortet wird.
Andererseits, wer gibt denn die Antworten? Ist noch jemand verantwortlich für die schnelle Abfolge der Krisen?

In diesem Buch werden keine Antworten gegeben. Es ist keine Anleitung zum handeln.
Es regt zum nachdenken an über die Vergänglichkeit oder auch Beständigkeit politischer Bewegungen und Systeme, persönlicher Einstellungen und wie Zeitgeist und Familie uns alle prägen.
Nicht besonders verwundert stelle ich also fest, dass heute wieder ein anderer Wind weht, als vor drei Jahren, als dieses Buch erschien.
Man kann sich also auf eines verlassen: alles ändert sich unaufhörlich.
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am 10. Oktober 2012
Das sollte man lieber gleich voranstellen: Repräsentativ ist Richard David Prechts Kinder- und Jugendzeit in der Bundesrepublik der 60er bis 80er Jahre nicht, denn er wächst im Umfeld einer anti-kapitalistischen Linken auf. Die lehnt zwar die herrschenden Machtverhältnisse ab, möchte sie aber auch nicht unkritisch durch den real existierenden Sozialismus a la DDR ersetzt sehen. Wenn dann auch noch ein bildungsbürgerlicher Anspruch mit den Ideen der antiautoritären Erziehung vereint werden soll, entsteht ein diffuses Konzept der Unbestimmtheit. Was sich in Prechts Elternhaus abspielte ist wohl in Abgrenzung zum bundesdeutschen Durchschnittshaushalt dieser Jahre noch am ehesten als "anders" und manchmal auch als "sehr viel anders" zu bezeichnen.

Auf sehr unterhaltsame Weise breitet Precht ein buntes Panorama von Kindheits- und Jugenderinnerungen aus: Provopoli und Dynamo Kiew, Kursbuch und Emma, DKP und RAF, Degenhardt und Grzimek, Gorleben und Ostberlin. Nie aber wird er dabei oberflächlich. Besonders wertvoll sind seine zeitgeschichtlichen Einordnungen, die die Zusammenhänge von Privatem und gesellschaftlichem Geschehen verständlich machen. Die Adoptionskampagne von terre de homme ist im Kontext des Vietnamkriegs zu beurteilen, das Entstehen der Grünen ist als Reaktion auf Rüstungswahn, aber auch als Abgrenzung zur Kommunistischen Partei zu verstehen. Prechts Einordnung ist erhellend, ohne im Rückblick besserwisserisch zu sein.

Precht stellt seine Erinnerungen ohne Scheu und Verklärung dar, aber auch ohne Ironie, was seinem sachlichen Anliegen nur im Wege wäre. Die Schilderung mancher Beispiele unorthodoxer Erziehung lässt einen doch etwas zusammenfahren, etwa die mütterliche Verweigerung zur Anschaffung eines Taschenrechners für den höheren Mathematikunterricht. Und wenn Precht an dieser Stelle einräumt, dieser Streit habe ihm zugesetzt, ahnt man, dass es nicht immer einfach war, aus diesem Elternhaus zu stammen. Und so hat er sich wohl mit diesem Buch auch einigen Frust der Vergangenheit von der Seele geschrieben.

In "Lenin kam nur bis Lüdenscheid" zeigt Precht wie das aufgeklärte Bürgertum der Nach-Auschwitz-Ära im Bemühen, die folgenschweren Fehler der Väter-Generation zu vermeiden, in Anti-Amerikanismus und Sowjetverherrlichung verfällt. Als Kind des Kalten Kriegs und Sohn der 68er wächst er mit Eltern auf, die selbst noch auf der Suche nach einem neuen Wertekatalog sind. Dass diese Reise in die jüngere Vergangenheit lehrreich und unterhaltsam zugleich verläuft, ist Prechts talentierter Sprache und rigoroser Ehrlichkeit zu verdanken.
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am 7. März 2016
Richard David Precht beschreibt in diesem Buch seine Kinder- und frühen Jugendjahre. Er bettet seine persönliche Geschichte in weltpolitische Entwicklungen (Vietnamkrieg, 68-er-Bewegung) und die gesellschaftliche Situation in Deutschland ein. Angenehm ist, dass es sich nicht um einen nostalgisch-kitschigen oder klagenden Rückblick handelt sondern die Situationen und die Empfindungen objektiv dargestellt werden, dennoch schwingt viel Wärme mit wenn er über seine Eltern und Geschwister redet. Prechts Eltern waren von der Sache überzeugte Linke, die nicht nur theoretisch Links waren sondern ihre Überzeugung auch real umsetzten (Adoption zweier Kriegswaisen aus Vietnam, stellen sich gegen Konsumterror, konsumieren keine US-Waren, …). Der Hintergrund des Buches liegt möglicherweise darin dass Precht versuchen möchte, das Denken und Handeln seiner Eltern zu verstehen welches ihm in seiner Schulzeit gelegentlich doch seltsam vorgekommen sein muss.
Das Buch ist sehr gut und flüssig zu lesen, ab und zu hat es Längen, da dauern einzelne Momente recht lang während anders in wenigen Worten abgehandelt ist. Schade ist, dass die Biografie ungefähr in der 8 Klasse des Gymnasiums abbricht. Es wäre interessant gewesen zu erfahren, warum Herr Precht Philosophie studiert hat, ist dies ein weiteres Auseinandersetzen mit der elterlichen Sichtweise? Wie konnte er sich nach dem Studium als freier Autor etablieren? Insgesamt hilft das Buch aber sehr Herrn Prechts andere Werke und z.B. seine Ideen von der Schule der Zukunft besser zu verstehen.
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am 29. Mai 2009
Precht schildert seine Kindheit und Jugend im kleinbürgerlichen Solingen in seiner linken Familie. Trotz aller Kritik an seinen Eltern und den Nöten, in die er durch deren politischen Überzeugungen gerät, werden Eltern und Geschwister liebevoll gezeichnet und die marxistische Entwicklung der engagierten Eltern anhand der jeweiligen politischen Ereignisse in der BRD nachvollziehbar geschildert. Die Konflikte, die Precht mit seinen Eltern durchmacht, aber auch mit einer Umwelt, die konservative Wertanschauungen vertritt, haben mich sehr bewegt, auch wenn manche Konflikte grotesk und komisch erscheinen. Immer wieder musste ich an Erich Frieds Gedicht "Kinder und Linke" denken: "Wer Kindern sagt, Ihr habt rechts zu denken, der ist ein Rechter. Wer Kindern sagt, ihr habt links zu denken, der ist ein Rechter...". Mich hinterließ das Ende des Buches etwas traurig und desillusioniert: Der Autor wirkt in seiner aktuellen Selbstdarstellung wie jemand, der an nichts mehr glaubt und keine politischen Utopien mehr hat, vielleicht weil er gesehen hat, wie seine Eltern daran gescheitert sind...
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