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am 24. August 2008
Das Buch "Die 4-Stunden Woche" von Tim Ferriss ist eine interessante Mischung aus

* (teils fernöstlichen) philosophischen Erkenntnissen über Leben und Glück
* Extrakten modernen Zeitmanagements mit angewandter Prozessoptimierung und Indien-Integration
* Anleitung für ein Internet-Start-Up mit geringstem Aufwand und
* eine gute Portion augenzwinkernder "Smartheit" vermengt mit gesundem Menschenverstand.

Klingt etwas verrückt? Ist es zunächst auch, aber nichts anderes suggeriert ja auch der Titel. Von einer 4-Stunden-Woche dürften die meisten durchschnittlichen Arbeitnehmer und auch Unternehmer so weit entfernt sein wie Tim Ferris von einem 9-to-5-worker.

Ferriss ist 1977 geboren, Self-made-Unternehmer, Weltenbummler und Bestseller-Autor. Der Klappentext sagt zu Ferris Initiation: "Während er fünfzehn Monate durch die Welt reiste merkte er, dass er seine Firma nebenbei in 4 Wochenstunden führen kann. Die gewonnene Zeit nutzte er u.a., um in Berlin Deutsch zu lernen und in Argentinien bis zur Guinness-Buch-Reife Tango zu trainieren." Außerdem erfährt man im Buch, dass Ferriss diverse Kampfsportarten beherrscht, boxt, Motorradrennen fährt und in Mini-Auszeiten die Welt bereist und dabei Sprachen und alles mögliche andere lernt. Eins wird recht schnell klar: Ein Durchschnittstyp, der gern auf dem Sofa liegt und ein Buch liest, ist das bestimmt nicht. Eher jemand, der sein Leben schon immer aktiv selbst in die Hand genommen und dabei einige wichtige Erfahrungen gesammelt hat.

Im Buch wird erklärt, wie man sich in den Schritten
D efinition
E liminieren
A utomation
L Liberation
aus dem Joch eines in einem Job festgezurrten, unbeweglichen und langweiligen Leben befreit. Wer will schon jahrelang unzufrieden und unglücklich buckeln, um dann in der Rente festzustellen, dass er entweder zu wenig Geld oder gar keine Lust mehr hat, sein Leben zu genießen? Und wer unternimmt WIRKLICH etwas dagegen, anstatt nur darüber zu jammern oder es schweigend hinzunehmen, dass es ja nun mal irgendwie so sein muss?

Darum geht es Ferriss - es gibt nur dieses eine Leben, und es ist einfach zu schade, es für etwas zu opfern, das man eigentlich gar nicht machen will. Es gibt so viele andere schöne Dinge im Leben, man muss sich nur trauen, seine Träume überhaupt wieder zuzulassen und aus dem Traum mit einer konkreten Vorgehensweise Realität zu machen. Und das ist die zweite wichtige Botschaft des Buches: Yes you can. Dafür hat Ferriss sich wirklich bemüht, nicht nur auf einer abstrakt philosophischen Ebene eines Standard-Motivationsbuches zu predigen, sondern konkrete Vorgehens-Ideen (natürlich anhand seiner eigenen noch gar nicht so langen Lebensgeschichte) zu liefern.

Es steht viel Richtiges in diesem Buch: Sein Leben muss man selbst in die Hand nehmen, und der richtige Zeitpunkt dafür ist jetzt. Es gibt nichts Gutes außer man tut es. E-Mails, Meetings, Telefonate sind häufig überflüssige Zeitfresser. Produktivität lässt sich mit einem konsequent eingesetzen Pareto-Prinzip um Größenordnungen erhöhen (z. B. konzentriere dich auf die 20% Kunden die 80% deines Umsatzes machen). Nach dem Parkinson-Gesetz dauert das Projekt immer exakt so lange wie Zeit dafür ist. Die wirklich wichtigen Dinge sind selten bequem, also raus aus der Komfortzone. Was ist das Schlimmste was Ihnen passieren könnte. Wenden Sie Sandwich-Kritik an. Und so weiter. Das ist alles nichts bahnbrechend Neues - Tim Ferris hat es nach 15-Stunden-Tagen als Unternehmer und einem Nervenzusammenbruch aber für sich in der Praxis entdeckt.

Es sind auch interessante Ideen dabei, die sich nach mehrmaligem Nachdenken durchaus als nützlich erweisen können. Die Idee, einen persönlichen Assistenten in Indien anzuheuern, an den man für 10 Dollar die Stunde unangenehme Arbeiten delegiert, könnte eine davon sein. Die recht radikalen Ansichten zur "Informationsdiät" könnten eine Rettung für alle sein, die in E-Mails, Telefonaten und Meetings ertrinken und dabei eigentlich gar nichts mehr schaffen.

Für alle, die das Gefühl haben, in ihrem Bürojob langfristig absterben zu müssen und eigentlich viel lieber in den Alpen Fallschirm springen, einen Weltrekord im Bäumesägen in der Schweiz erringen oder in China ein gemeinnütziges Unternehmen gegen Umweltverschmutzung gründen wollen, ist dieses Buch eine Bereicherung und vielleicht auch der Anstoß, endlich den Sprung zu wagen.

Der für mich größte Kritikpunkt an dem Buch sind die Annahmen, die im stillschweigend getroffen werden:

* Jeder sollte Unternehmer werden und sein Unternehmen so gestalten, dass es automatisch mit geringstem Aufwand Geld abwirft, mit dem man sich dann seine Lebensträume finanziert.
* Die meisten hassen ihre Bürojobs, eigentlich wollen sie viel lieber Weltreisen machen, Skifahren in den Anden, in Japan Bus fahren etc., aber trauen sich.

Beide Annahmen passen sehr gut auf Menschen "seines Schlages", aber die Welt besteht nicht nur aus abenteuerlustigen Unternehmern à la Ferriss. Meine Befürchtung wäre, dass keiner mein Buch "Wie ich unbedingt Neureicher Weltenbummler werden wollte aber irgendwie nicht so cool wie Tim Ferris war" lesen möchte, von dem ich dann meinen Lebensunterhalt finanzieren müsste ;-)

Im Ernst: Ferris ist meiner Ansicht nach ein ESTP (MBTI Kenner wissen was ich meine, die anderen verweise ich auf das Buch "Please understand me"). Im Kern also ein SP, ein Jäger, einer der ständig neue Herausforderungen sucht, der nicht Ruhe gibt und mit seiner enormen Energie und Umsetzungsdrang die für ihn wichtigen Dinge umsetzt.

Ich bin eher skeptisch, wenn jemand mit einer "Glücksformel" daher kommt. In den USA sind Bücher der Art "In 100 Tagen Millionär" der Renner, vermutlich kommt jeden Monat ein solches Buch auf den Markt. Das zeigt zumindest, dass die Menschen nach Konzepten zur Verwirklichung ihrer Träume suchen, wenn auch die wenigsten die Ratschläge wirklich umsetzen werden (können). Dass das Buch "4-Stunden-Woche" heißt, verdeutlicht aber, dass Ferriss einen etwas anderen Weg geht: Du brauchst keine Million, du brauchst nur soviel Geld um deine Träume zu leben - und die erstaunlicherweise manchmal deutlich billiger als eine Mietwohnung.

Trotz aller Kritik hat das Buch daher auch seine Berechtigung: Wer nicht nur für eine empfundene Tretmühle leben möchte (als Arbeitnehmer oder Unternehmer) und sich vorstellen kann, dafür mit seinen gewohnten Denkweisen zu brechen, findet im Buch konkrete Ansätze für eine "Flucht". Ferriss ist den Weg gegangen und hat dabei etwas über Bord geworfen, was die meisten seiner Leser davon abhalten wird, sein Leben einfach nachzuleben: Die Angst zu scheitern.
1616 Kommentare| 699 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. März 2008
Tim Ferriss' Buch ist schwer verdaulich: weil die meisten Menschen nicht hoffen können, als Arbeitnehmer den größten Teil ihrer Arbeitszeit auf wirklich erfüllende Aufgaben zu verwenden, sollte man die Zeit fürs reine Geldverdienen auf das nötigste beschränken - daher der Buchtitel. De gewonnenen Freiheiten kann man dann in etwas investieren, was einen wirklich begeistert.

Anders als viele denken geht es also nicht darum, 4 Stunden / Woche zu arbeiten und dann am Stand zu liegen. Im Gegenteil: was man mit seiner Freiheit/Freizeit anfangen will, das herauszufinden und umzusetzen kann wesentlich anstrengender werden als ein Routinejob.

Tim Ferriss schlägt 4 Phasen vor, mit dem Merkwort DEAL:

*D*efinition: finde heraus, was Du (nicht) willst, was Du befürchtest und mit welchen Ängsten Du notfalls leben kannst

*E*limination: eliminiere beim reinen Geldverdienen alle Zeit- und Produktivitätsfresser, sonst kannst Du Deine reine Arbeitszeit nie vernünftig minimieren

*A*utomatisierung: konzentriere Dich auf Deine Stärken und lasse andere das machen, was Zeit kostet und worin Du selbst nicht gut bist und auch nicht gut sein willst; koordiniere alles so, dass Du es möglichst unabhängig von zeit und Ort managen kannst (Outsourcing ist nicht nur für Unternehmen gedacht)

*L*iberation: Nutze Deine neuen Freiheiten, finde preiswerte Möglichkeiten, neue Orte auf der Welt kennen zu lernen und investiere Zeit in die Dinge, die Dich wirklich begeistern; tu Gutes.

Das Buch ist nicht wirklich als Konsumgut oder Zwischendurch-Lektüre gedacht, denn Ferriss fordert seine Leser. Wer gute Geschäftsideen (Goldesel) oder ein Lobpreis des reinen Nichtstuns erwartet, wird sicher enttäuscht. Alle anderen werden anfangen, über das Arbeitnehmerdasein nachzudenken. Nicht nur über oft sinn-lose Arbeit, sondern auch über scheinbare Sicherheiten, die sich mehr und mehr in Luft auflösen.

Schönes Plus der deutschen Ausgabe, verglichen mit der englischen (habe beide gelesen): alle Online-Links (und es gibt viele!) wurden durchgesehen und wo immer möglich mit deutschen Äquivalenten ersetzt.
33 Kommentare| 606 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. Dezember 2009
Ein Buch, aus dem sich großer Nutzen ziehen läßt, wenn man folgendes beachtet:

1. Den "Amerikaner" einfach reden lassen. Soll heißen: Ferriss in eben den Punkten nicht allzu ernst nehmen, in denen die amerikanische Mentalität die Oberhand gewinnt. Das sind Textstellen, an denen ein Bewohner Old Europe's sich gezwungen sieht, alle Hühneraugen zuzudrücken, um nicht aufzuschreien. Es sind nicht viele, aber ein paar. Die muß man tapfer ignorieren können, die tun dem Buch an sich jedoch keinen Abbruch.

2. Ferriss hält Fernreisen für eine allein seligmachende Freizeitaktivität. Man sollte da ganz einfach eigene Ziele einsetzen und Ferriss'' Fernreisen-Wahn ignorieren.

3. Das Buch ist ganz klar ein Gewinn für Selbständige; der konkrete Nutzen für Angestellte wirkt etwas konstruiert.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, daß die deutsche Version des Buches eine tatsächliche deutsche Version ist. Alle Hinweise (Links, Adressen und und und) sind entsprechend "eingedeutscht".

Ich habe das Buch inzwischen mehrfach verschenkt - die Beschenkten waren durchwegs begeistert. Ich habe das Buch allerdings noch nie ohne die oben gemachten Anmerkungen weitergegeben. Und würde das auch nicht tun.
44 Kommentare| 400 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Dezember 2016
"Wenn etwas zu schön ist um wahr zu sein, dann ist es das wahrscheinlich auch nicht."

Dieser Grundsatz gilt auch für dieses Bestseller-Buch. Im Vorwort verspricht Ferriss, dass es jedem egal wie alt, welcher Herkunft, welchem Beruf, etc. möglich ist 4 Stunden pro Woche zu arbeiten und damit 40.000$ pro Monat und er liefert auch eine komplette Anleitung in dem Buch, wie man dazu kommt.

Aber wie ist Ferriss selber zu diesem beneidenswerten Lifestyle gekommen? Er hat eine art "Gehirndoping"-Medikament entwickelt, dass er über eine eigene Website vermarktet hat. Laut vieler Berichte zweifeln an der Wirkung des Präparats. Einen wissenschaftlichen Beweis zur Wirkung gibt es auch nicht. Im Massenmarkt ist das Produkt nicht zu finden.
Es handelt sich also wahrscheinlich um einen Scam, wie es so viele im Internet gibt (z.B. Diätpillen, Penisvergrößerung, Muselaufbau, etc.)
Was für ein tolles Vorbild!

Doch welche Tipps gibt er, um sich erstmal die Zeit zu schaffen, ein so tolles Produkt selbst zu entwickeln?
Man soll u.a.
- einen Teil seiner Arbeit nach Indien outsourcen, weil die unglaubliche Qualität zu Dumpingpreisen bieten
- 80% seiner Arbeit ganz sein lassen, weil das eh unnötig ist (Paretoprinzip)
- als Angestellter die meisten Emails und Telefonanrufe ignorieren, dauerhaft eine Abwesenheitsnotiz in Outlook haben und dann 100% Homeoffice einfordern - wenn das nicht klappt soll man am besten kündigen

Seine finanzielle Unabhängigkeit erreicht man auch ganz leicht:
man entwickelt einfach ein Produkt, für das es einen Bedarf gibt und verkauft dieses mit 800%-900% Gewinn (!!!) durch clevere Marketing-Tricks. Durch das oben genannte Outsorucing braucht man dann gar nichts mehr tun und das Geld kommt dauerhaft von alleine. Zwei Beispiele nennt er auch:
Vertrieb von französischen Segelhemden in den USA
Eine Yoga DVD für Bergsteiger

Übrigens kann man Experte in einem beliebigen Gebiet innerhalb von 4 Wochen werden, indem man drei Fachbücher darüber liest.

Das ganze wird so einfach und lapidar auf ein paar Seiten beschrieben, dass manche einfache Gemüter, das tatsächlich glauben können und schwere, existenzielle Fehler begehen (kündigen, investieren etc.) in dem Glauben, in kürzester Zeit finanziell unabhängig zu sein. In diesem Punkt ist das Buch durchaus gefährlich.

Ferriss ist ein einfacher Staubsaugervertreter, der das Glück hatte, seine Placebos zum richtigen Zeitpunkt online zu vermarken. Dennoch enthält das Buch einige interessante Tipps und Vorschläge, die man auch als Angestellter beherzigen kann, um seine Lebensqualität zu verbessern ohne gleich seine Existenz zu riskieren (z.B. seine Traumreisen einfach machen, einen Sportwagen leasen, etc.)

Man muss für sich selbst eben die interessanten Aspekte herauspicken, aber dem Titel wird dieses Buch keinesfalls gerecht. Ferriss hat es trotzdem mal wieder geschafft mit einfachen Marketing-Tricks sich ein beachtliches passives Einkommen durch den Verkauf dieses Buches zu generieren. Also eigentlich müsste der Titel heißen: "Meine 4-Stunden Woche durch Ihren Buchkauf."
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am 23. Januar 2010
Gerade habe ich das Buch "Die 4-Stunden-Woche" zuende gelesen und bin zwiegespalten. Einerseits finde ich einige seiner Ansätze für mich brauchbar und werde einiges davon mitnehmen - diese Ansätze sind aber nicht neu, es gab und gibt sie in einem Haufen Bücher. Nichts desto trotz bleiben sie natürlich wahr:
Wieviel brauchst Du wirklich, um glücklich zu sein?
Mehr Geld heißt noch nicht mehr Glück.
Wahre Freiheit heißt auch, sich aus seinen selbstgestrickten oder sogar nur erdachten Abhängigkeiten zu befreien. Welche Deiner Abhängigkeiten sind selbstgemacht und von welchen kannst Du Dich ohne größere Einbußen befreien?

Aaaber - die Lösung, die Ferriss vorschlägt entspricht in keinster Weise meinen Werten oder Zielen.

Zunächst einmal soll man sein Arbeitsleben wirklich kondensieren - was brauche ich, um meine Arbeit wirklich gut zu machen: Konzentration. Also: kein Fernsehen, keine Zeitungen, so wenig emails, Meetings und Telefonate wie möglich. So weit so gut. Würde mir keinen Spaß machen, aber seine Arbeitsweise auf den Prüfstand zu stellen, finde ich soweit erstmal in Ordnung.

Als zweiten Schritt soll man sein Leben durchforsten und alles an persönliche Assistenten und Dienstleister abgeben, was diese schneller und günstiger als man selbst lösen können. In Ferriss' Fall bedeutet das Outsourcen zu Assistenten in Callcentern nach Indien - da nun leider weder deutsche Ämter noch Websites noch Zeitungsartikel noch irgendwas in Englisch funktionieren, ist diese Idee für deutsche Leser schlicht unbrauchbr. Nimmt man nun aber (wie im Buch geraten) deutsche Assistenten reduziert sich die Anzahl der outsourcebaren Tätigkeiten extrem, da man dann schlicht auch deutsche Löhne zahlen muss. Obwohl ich so schlecht nicht verdiene, würde sich eine Büroassistenz oder ein privater Assistent, der mir Tische reserviert und Tickets bucht in keinester Weise lohnen.

Seinen Hauptpunkt finde ich hingegen weder nachahmenswert noch sozial in irgendeiner Art verantwortungsvoll - deswegen gibt es von mir auch nur einen einzigen Punkt: Suche Dir ein Produkt, dass man möglichst billig in Asien produzieren lassen kann und vertreibe es hochautomatisiert möglichst pe Yahoo-Online-Shop in deinem eigenen Land. Da ich von der Verlagerung möglichst vieler Wertschöpfungsschritte nach Asien und damit einer selbstkreierten Abhängigkeit ganzer Volkswirtschaften Europas und Amerikas sehr wenig halte, werde ich das mit Sicherheit nicht unterstützen. Natürlich appeliert Ferriss' an das Verantwortungsbewußtsein der Menschen für ihr eigenes Leben - nimm Dein Schicksal in die Hand, ruft er uns zu. Soweit ginge ich mit, schlicht unreflektiert und unzufrieden die Zeit bis zur Rente in der Arbeit absitzen, kann keine Lösung sein.
Ferriss' Modell aber leider auch nicht - scheffele Geld, indem Du Produkte mit extrem hoher Marge vertickst und lebe dabei gleichzeitig möglichst in Ländern, die Du schon immer kennenlernen wolltest und in denen Dein Lebensstandard deutlich günstiger zu haben ist.

Sollten auch nur 50% der Leser seine Ratschläge komplett befolgen, haben wir bald eine noch größere Schwemme an unnützen Online-Shops mit asiatischen Produkten, deren Idee, Unternehmensgründung und Verwaltung durch indische Assistenten abgewickelt wird. Die Menschen, an die die Marge letztlich fließt, sitzen währenddessen in (möglichst Entwicklungs-) Ländern und lassen die Beine baumeln. Eine Vision der Welt wie diese jagt mir einen Schauer über den Rücken.
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am 31. Juli 2008
Manche Leser werden dies Buch nicht verstehen, denn sie sind der festen Überzeugung, daß der Mensch dazu geschaffen ist, zwecks Vermehrung des Profits Dritter (einschließlich eines ineffizienten Staates) seine Lebenszeit in einer mit netten Accessoires dekorierten Tretmühle aufzubrauchen. Das Leben wird auf zwei oder drei Wochen Urlaub reduziert und ansonsten auf den Ruhestand verschoben, den viele dann gar nicht erst erleben.

Wie ein jeder sich sein Leben gestaltet, muß er selbst entscheiden. Aber damit sind viele bereits überfordert.

Daß sie eine Entscheidungsfreiheit haben, ist vielen Menschen nicht mehr bewußt. Sie sind ihren eigenen Wünschen entfremdet, ihre Vitalität erstickt. Freiheit bedeutet, das zu tun, was für einen wesentlich ist. Das Leben selbst, das Entdecken der Welt und der eigenen Möglichkeiten und Grenzen: Weg und Ziel zugleich.

Geld ist eine Resource, die zur Freiheit verhelfen kann - oder die Sklaverei mit anderen Mitteln fortzusetzen. Für kluge Menschen ist Geld wie Benzin: ohne Treibstoff bleibt das Auto stehen. Ist es ein gutes Gefühl, im Auto zu sitzen und sich von anderen abschleppen zu lassen? - Ich finde nicht. Es muß nicht viel Geld sein, aber immer ein wenig mehr als genug.

Wenn man seine Bedürfnisse so weit reduziert, daß man überhaupt kein Geld braucht, kann man ins Kloster gehen als Mönch oder Nonne. Warum nicht, wenn man das will?

Wer auf das Materielle nicht verzichten kann, geht arbeiten, weil das die meisten anderen auch tun; hinterfragt wird das von der überwiegenden Mehrheit nicht. Und man arbeitet meist für andere, vor allem aber gegen sich selbst. Diese anderen arbeiten selbst genauso viel oder noch mehr, benutzen das verdiente Geld aber nicht zur Vermehrung ihrer Freiheit, sondern für ein erhöhtes Konsumniveau - bei den sogenannten Reichen sind die Gimmicks bloß teurer, nicht nützlicher. Der Drang gesunder Menschen nach Freiheit und Selbstverwirklichung wird kanalisiert und auf die Mühlen des verdummenden Konsums umgelenkt.

Es mag paradox klingen, aber ich bin zutiefst davon überzeugt, daß diese Welt ein besserer Ort für alle wäre, wenn möglichst viele Menschen einfach nur das tun würden, was sie WIRKLICH wollen, nicht, was ihnen eingeredet wird. Die eigentliche Schwierigkeit besteht darin, das herauszufinden, und daher ist selbstbestimmtes Leben die seltene Ausnahme, denn selbständiges Denken wird in unserem System (mit institutionalisierter Bildung und Medien, die nur dem Profit und der Ablenkung vom Wesentlichen dienen) nicht gefördert, sondern gezielt verhindert.

Die Prioritäten des Lebens für sich selbst zurechtzurücken, seinen eigenen Weg zu finden, dazu ermutigt dies Buch. Wer zu feige oder fantasielos dazu ist, soll und wird es lassen und weitermalochen. Den anderen kann dies unkonventionelle Buch manche Anregung geben, auch wenn die vorgestellten Konzepte nicht für jeden und von jedem umsetzbar sind.
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am 17. August 2015
Also das Buch ist schon ein besonderes Stück. 1. Es macht Spaß zu lesen. Einfach nur so. 2. Ständig hält man im Buch inne und denkt nach. Eigentlich will man es verschlingen, aber was nützt das, wenn man nicht in den richtigen Augenblicken parallelen und Lösungen sieht. 3. Es ist keine Anleitung arme Faulenzer, wie man mit wenig Arbeit viel Verdient. Es ist eher eine Anleitung für reiche Manager oder Unternehmer, die immer alles selber machen wollen, statt zu delegieren und das leben zu geniesser. Jeder Unternehmer kennt das im Prinzip: Wenn man voll motiviert startet, dann ist das Unternehmen der Lebensinhalt. Irgendwann ist es aber vielleicht "nur" noch zum Broterwerb da. Aber dann hat man sich selbst schon so abkömmlich gemacht, dass man gar nicht mehr weg kann... oder das Geld mit niemanden teilen will. Das Buch wird einige Menschen verändern, mir hat es geholfen. Allerdings: Wer hier eine Anleitung sucht OHNE selbst nachzudenken, der kann es vergessen. Das Thema Online-Shop ist mittlerweile längst durch, er ist Amerikaner und hat natürlich auf manche Dinge eine andere Sicht als wir, und nicht jeder liebt Weltreisen. Aber dennoch findet man Dinge im Leben, die man ändern kann, ändern sollte. Wo man sich locker machen und geniessen darf.
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am 21. Dezember 2016
Der "Autor" hat sich übernommen und verliert sich. Es ist schwer, bis zum Ende durchzuhalten, da sich der Verfasser im Kreise dreht. Darüberhinaus ist seine Theorie ziemlicher Humbug und eigentlich nur auf ein schlecht geführtes Unternehmen anzuwenden. Die Konzentration auf ausschließlich Key Accounts und die Deligierung der Arbeit bedeuted jedoch nicht automatisch, dass man auf einmal Millionär wird.
Ich glaube das wahre Geld verdient der Schreiberling mit dem Verkauf seines Buches und ich ärgere mich, darauf hineingefallen zu sein. Möchte es mir jemand abkaufen? ;)
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am 21. Dezember 2014
Vorneweg - die Original Ausgabe von Ferris verdient 6 Sterne. :D
Ich habe die Audio Version der englischen Ausgabe und habe mir die deutsche Version gekauft, um etwas anstreichen oder nachschauen zu können.
Ich wollte gerne die Buchempfehlungen und Recherchequellen von Tim Ferris nach und nach bestellen.
Viele Buchempfehlungen von Ferris fehlen komplett im Anhang bzw. nur der Autor wird erwähnt, wenn überhaupt und es werden einfach irgendwelche deutschen Bücher empfohlen.
Einige Sätze, die ich in der englischen Ausgabe bemerkenswert fand, sind in der deutschen unklar übersetzt oder sagen schwerpunktmäßig etwas anderes aus.
Ich bin enttäuscht von der Übersetzung und finde es eine Frechheit, im Anhang einfach andere Bücher zu empfehlen.
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am 14. Januar 2012
Das einzige was an diesem Buch genial ist, wie der Autor es geschafft hat mir dafür das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nun zum Inhalt:
Im groben geht es darum, wie man mit wenig Arbeit reich wird und möglichst viel in der Welt herumreist.

Die Tipps sind allerdings deart unrealistisch, dass ich mich über weite Stellen des Buchs gefragt habe ob der Autor das tatsächlich ernst meint. Beispiel:
- Ferriss gibt den Tipp sich zum Experten für ein Thema zu machen, in dem man 3 Fachbücher liest, und dann eins dazu selber schreibt ("nun hat man mehr Fachwissen als 95% aller anderen zu diesem Thema"). Offensichtlich hat er diesen Tipp auch bei seinem eigenen Buch angewandt.
- Oder er stellt die These auf, mit sehr wenig Geld ausgedehnte Luxusurlaube machen zu können. Und gibt als Beispiel an "Ein Apartment von enormen Außmaßen im trendigen Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg... 300 Dollar pro Monat". Oder "Unterwegs in den heißesten Clubs Westberlins, für Eintritt und Getränke: 20 Dollar pro Person und pro Nacht...". Da kann ich nur sagen: Völlig übertrieben.
- auch sonst wirkt sein Buch, als hätte er bei irgendwelchen Reiseführern abgekupfert.

Ferriss beherrscht offensichtlich die Kunst Illusionen zu verkaufen und die Mücke zum Elefanten aufzublasen. Inhaltlich ist seinem Buch so gut wie gar nichts zu entnehmen. Lohnt sich also nicht.
Einzige Ausnahme: Die Herangehensweise beim Verkauf von neuen Produkten. Hier sieht man den guten Verkäufer durchblitzen.

Bezeichnend ist, das Ferriss sein Geld mit Nahrungsergänzungsmitteln gemacht hat. Ein nutzloses Pülverchen zu einem Preis von 80 Euro zu verkaufen, das kann er.
Allerdings fällt das Buch auch unter diese Kategorie.

Ich habe beim Lesen nur darauf gewartet, das gleich der Tipp kommt, im Internet Geld mit Abo-Fallen zu machen. Oder mit gegenstandslosen Abmahnungs-Schreiben.

Fazit: Inhaltsloses Buch, in dem der Autor nutzlose Tipps maßlos aufbauscht und Allgemeinwissen als "Super-Ideen" verkauft.
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