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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
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am 21. Oktober 2009
Peter Scholl-Latour lässt sich nicht festlegen. Vollkommen passend betitelt er daher seine Rückschau "Zwischen den Fronten. Erlebte Weltgeschichte". Vermutlich verleitet ihn seine sagenhafte Kenntnis der Weltpolitik und der Krisenregionen auf dieser Welt dazu zwischen allen Stühlen Platz zu nehmen, denn er kennt niemals nur die Perspektive der einen Seite, sondern immer auch den Blick von der anderen aus persönlicher Erfahrung. Seit sechs Jahrzehnten nunmehr ist dieser Mann pausenlos im Einsatz wo immer es auf diesem Planeten brennt. Dabei sammelt sich ein Erfahrungsschatz an, der seines Gleichen sucht. Freilich wären die Politiker gut beraten, auf eine so kenntnisreiche Stimme zu hören, was aber leider in den meisten Fällen unmöglich erscheint, weil die Meinungen, die Peter Scholl-Latour vertritt in kein Parteiprogramm und in kein politisches Schema hineinpassen wollen. Bei Peter Scholl-Latour findet sich sowohl Anerkennung für den Diktator Mao wie Kritik an Bush junior, sowohl Kritik am Einsatz in Afghanistan wie auch die Forderung nach größeren Souveränität Europas gegenüber Amerika. Scholl-Latour betrachtet die Dinge von einer anderen Warte aus. Die Wahrnehmung seines Blickes beruht auf jahrzehntelanger empirischer Arbeit vor Ort. Welche kurzlebige Politikermeinung könnte da schon mithalten. Nur eine Autorität wie Scholl-Latour kann es wagen, mit Amerika derartig hart ins Gericht zu gehen und zugleich die chinesische Niederwerfung auf dem Platz des Himmlischen Friedens anzuerkennen, da bei einer Ausweitung der Proteste der Fall dieses Riesenreiches ins Chaos zu befürchten gewesen wäre, was noch zu ganz anderen Verlusten geführt hätte. In ebendieser Weise desavouiert er Gorbatschow als Auflöser des Sowjet-Imperiums. Allerdings wird in diesem Zug auch in keinster Weise anerkannt, dass dies die Voraussetzung für die deutsche Wiedervereinigung darstellte.
Im vorliegenden Band vollführt Scholl-Latour einen Rundumschlag in vier großen Kapiteln von der Ranch des ehemaligen Präsidenten im texanischen Amerika über die muslimische Welt hin nach China und schließlich zurück nach Europa. Stets verbindet er dabei die Erfahrungen aus seinem Leben in diesen Teilen der Welt mit der heutigen Entwicklung. Besonders interessant erscheint mir dabei auch die Auseinandersetzung mit Europa, dem Algerienkonflikt Frankreichs (der eingebettet ist in einen allgemeinen Abgesang auf die imperialen Bestrebungen) und die Sonderrolle Frankreichs und Deutschlands innerhalb Europas, insbesondere die Rolle de Gaulles, dem Scholl-Latour mit seiner Abkehr von der Nato in den 60er Jahren hohe Achtung zollt. Scholl-Latours Gedanken zur Ausweitung Europas, vor allem zum EU-Beitritt der Türkei würde man allerdings von Seiten der Politik größere Beachtung wünschen, denn die kulturelle, historische, ökonomische und geo-politische Absurdität dieses Beitritts wird doch hier in aller Schärfe vorgeführt.
Die Lektüre Scholl-Latours schützt auch vor falschem Patriotismus. Deutsch-Sein ist für diesen Kosmopoliten, der selber eine Wohnung in Paris und Süd-Frankreich hat, nichts Besonderes. Mit gewissem Stolz verkündet der Autor, dass er sich "von deutscher Innen- und Koalitionspolitik ein ganzes Leben lang fernzuhalten gesucht habe" und er beklagt das Niveau, auf welchem dort debatiert würde. Das Ende des Berichtes ist einer gewissen melancholischen Betrachtung der Zeitgeschichte gewidmet, die sich ein 85-jähriger Mann, der viel gesehen hat, sich durchaus leisten kann.

Thomas Reuter
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am 18. März 2011
Fast neunzig Jahre Lebenserfahrung und sechzig Jahre erlebte Weltgeschichte zeichnen den Autor und Publizisten Peter Scholl-Latour als einen der wohl besten Kenner der internationalen Krisenherde aus.
In dem vorliegenden Buch schildert er die Eindrücke seiner jüngsten Reisen in die Machtzentren der alten und neuen Welt und schlägt dabei eine Brücke in die Vergangenheit. Er nimmt den Leser unter anderem mit auf eine Reise zu den zahlreichen Kriegsschauplätzen der westlichen Kolonial- und Imperialkriege in Afrika, im Nahen Osten und Indochina. Er berichtet von den vielen persönlichen Gesprächen mit internationalen Staatslenkern, Mudschaheddin- Kriegern der ersten Stunde und Kollegen aus aller Welt. Genau diese persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen verleihen seinen Schilderungen und Einschätzungen die nötige Authenzität, an der es in unserer heutigen Mediewelt so oft mangelt.
Dabei geht es ihm, nach eigenen Aussagen, nicht um eine Erhebung des moralischen Zeigefingers, sondern um Vermittlung von Geschichtsverständnis, Völkerverständigung und gesellschaftlicher Toleranz.
Er verknüpft Geschehnisse aus der Vergangenheit mit dem Zustand unserer Welt heute und zeigt dabei eine mögliche Aussicht in die Zukunft.
Blickt man auf die jüngsten Entwicklungen in Nordafrika und im Nahen Osten, erweisen sich viele, seiner 2007 getroffenen, Einschätzungen und Voraussagen als äusserst präzise Beobachtungen des Weltgeschehens.

Ein nicht unwesentlicher Kritikpunkt ist meiner Ansicht nach, die häufige Verwendung fränzösicher Zitate, die teilweise nicht übersetzt werden vom Autor.
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am 8. März 2009
Wenn einer von sich behaupten kann, dass er Weltgeschichte erlebt hätte, so ist es Peter Scholl-Latour. Wie kaum ein anderer Journalist hat er in den letzten fast sechzig Jahren die Konfliktherde dieser Welt aufgesucht und von ihnen berichtet.
Mit seinem Buch "Zwischen den Fronten" zeigt der Autor auf, wo es heute auf unserem Planeten brennt. In mehr oder weniger zusammenhängenden Essays beleuchtet er Hintergründe und kann dabei immer wieder auf Beispiele aus seinem reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Dabei mag man sicherlich nicht allen Ansichten Scholl-Latours teilen, aber es ist erstaunlich, mit welch bestechender Logik er künftige Entwicklungen vorzeichnet.
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am 13. Dezember 2007
"Zwischen den Fronten" liefert einen gleichsam umfassenden als auch kompakten Überblick über die die Weltgeschichte entscheidenden Brennpunkte der Erde. Wer Scholl-Latour kennt, dem bietet sich mit diesem Werk eine einmalige Chance, sich auf eine spannende (Lese-)Reise zu all den in seinen bisher erschienenen Druckwerken behandelten Krisenherden zu begeben. Neulinge jedoch werden sich etwas schwer tun, weil sie unmittelbar nicht auf die Informationen der vergangenen Bücher zurückgreifen können.

Von Werk zu Werk artikuliert Scholl-Latour auch dem ihm eigenen pragmatischen Zugang zu den Dingen stärker. Dies offbart sich etwa, wenn er den Tod von 1000 Menschen im Zuge der Niederschlagung der Revolte am Platz des Himmlischen Friedens mit dem Hinweis relativiert, dass andernfalls China ein Bürgerkrieg mit Opferzahlen in Millionenhöhe gedroht hätte. Gutmenschen werden nicht nur an dieser Stelle des Buches verzweifeln. Und wenn Scholl-Latour das Schicksal von Eisbären am Nordpol dem Kampf um die Energie-Ressourcen der Erde gegenüberstellt, wird jeder Klimaschützer protestieren.

Mit "Zwischen den Fronten" mahnt der Autor eine realistische Betrachtung der Weltgeschehnisse ein, um letztendlich unsere Wertvorstellungen vor dem Niedergang zu bewahren. Dies wird nicht von allen so verstanden. Scholl-Latour nimmt dabei jedoch wie gewohnt keine Rücksicht auf political correctness.

Das Werk ist ein Muss für Scholl-Latour-Kenner. Neulinge sollten zunächst auf eines seiner bisherigen Bücher zurückgreifen.
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am 21. Juli 2008
Herr Scholl-Latour beweist einmal mehr seine Fähigkeit die Komplexität des momentanen Weltgeschehens in einem Buch zusammen fassen. Man muss sagen, dass er in der Qualität nicht mehr an frühere Werke wie Lügen im Heiligen Land oder Koloss auf tönernen Füßen herankommt. Dennoch versteht er es die Welt zu erklären, wie kein Anderer.
Trotz seines mittlerweile hohen Alters ist Scholl-Latour aktiv gewesen und hat den Nahen-Osten, die USA und Fernost selbst besucht und interpretiert seine Erkenntnisse in gewohnten Stil.
Als Einziges ist ihm vorzuhalten, dass viele Zitate aus alten Werken auftauchen und als treuer Leser erkennt man das sofort. Doch dem alten Weltenbummler sei das vergeben.
Wer Scholl-Latours Zukunftsvorhersage mit einem Schuß Selbstbiografie kennenlernen will, der kann hier getrost zugreifen.
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am 14. August 2008
... seine ganz eigene Sicht auf die Dinge dieser Welt. Diese stützt sich nicht nur auf seine vielen Reisen in jede Ecke der Erde und auf seine immense Belesenheit und profunden Kenntnisse der verschiedensten Kulturen, sondern vor allem auch auf ein tiefes Verständnis historisch verwurzelter Zusammenhänge. Darüber hinaus lehrt er uns aber auch das Fürchten: vor der Inkompetenz unserer Politiker, der mangelnden Flexibilität, sich auf die Bedingungen religiös motivierter Untaten und den sog. "asymmetrischen Krieg" einzustellen, vor kurzfristigen ausbeuterischen wirtschaftlichen Interessen und vor einer völlig verfehlten Verteidigungspolitik, für die auch das absurde, verlogene Unternehmen in Afghanistan steht. Das Ganze vermittelt Scholl-Latour in einer exquisiten Sprache. Er nimmt uns mit auf seine Reise 2007 - schafft dabei aber zahlreiche Ausflüge auch in frühere Zeiten seines langen Lebens. Er lässt die Historie der aufgesuchten geschichtsträchtigen Stätten wieder auferstehen und setzt sie in Beziehung zu den menschlichen, politischen Erfahrungen der Gegenwart. - Das ist wirklich überzeugend gemacht!
Bei der Lektüre des Buches wird dann mehr als deutlich: hier spricht nicht nur ein Chronist mit scharfem, analytischem Verstand, sondern auch ein Stratege und Soldat. Es geht um die Frage von Krieg und Frieden, die in Bezug zu religiösen, soziokulturellen Voraussetzungen und zu militärischen Lösungen und Schwierigkeiten gesetzt wird. Die zunehmende Ressourcenverknappung auf der Welt durch Bevölkerungsexplosion und Klimaveränderung bezieht Scholl-Latour als zusätzliche Stressfaktoren auf die sensible weltpolitische Lage jedoch überhaupt nicht ein. Insgesamt äußert er sich zu Fragen von Ökologie und Menschenrechten eher verächtlich ' dies sind für ihn hoch gespielte Randerscheinungen, ein emotionales Gegreine und Gedusel. Bei ihm dominiert auch das Bedürfnis nach Abgrenzung und Abschottung der EU-"Kernstaaten", um Prinzipien der Sicherheit zu wahren und die alte kulturelle Verbundenheit des "Abendlandes" zu schützen. Er warnt vor der "Überdehnung". Dass ein größerer Staatenbund von sozialpsychologischer Seite her auch zu mehr Bindung und Verbindung zwischen den Bewohnern der zusammen gehörigen Staaten führt und damit Destruktivität und Feindseligkeit verhindert werden könnte, sieht Scholl-Latour nicht.
Aus seiner eigenen konservativ-autoritär strukturierten Persönlichkeit heraus erklärt er uns seine Perspektive. Von hier aus gibt er uns viele dezidierte Hinweise und aussagekräftige Antworten zu den Fragen um Terrorismusentstehung, die falschen Reaktionen der westlichen Politik und alternativen Ansätzen dazu. Komplexe Dinge werden einfach und logisch auf den Punkt gebracht. So etwas befriedigt den Leser und erweitert zugleich den Horizont. Gleichzeitig bleibt klar, dass es eben doch nur eine Perspektive auf diesen Horizont sein kann.
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am 25. April 2008
Ehrlich gesagt habe ich mich noch nie mit Büchern über Politik oder Religion beschäftigt und es ist wohl auch nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass ich dieses Buch in die Hände bekommen habe, aber ich muss sagen, es hat meinen Durst nach mehr Büchern von PSL geweckt!

Trotz vieler fremdsprachigen Satzteilen die nicht alle im Detail erklärt sind, bin ich begeistert von der Art und Weise wie er seine Erlebnisse im Weltgeschehen wiedergibt und schlussendlich noch zusammenfasst. Es ist leicht erkennbar, dass er ein sehr gebildeter Mann ist und gerade für einen jungen Studenten wie mich ist es nicht immer Leicht seine Texte auf anhieb zu verstehen. Allerdings tragen seine Charakterisierungen von Staatschefs, Staaten, Religionen und Religionsführern dazu bei sich ein Bild über die Welt zu verschaffen, welche aus einer Art 3. Person Perspektive gesehen werden kann.

Ich finde das Buch im Großen und Ganzen echt spitze! Gut geschrieben, informativ und ich werde mir auch noch andere Bücher vom Autor besorgen und diese mit Vergnügen in meine Seele lesen!
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am 27. Januar 2009
Wie in seinen anderen Büchern zeigt PSL auch hier, daß er wie kaum ein anderer die Welt versteht. Allerdings wird sein Hang zum Abschweifen mit zunehmendem Alter größer.
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am 9. Februar 2009
Wer gerne Bücher von PSL liest, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Er wendet sich in einem hochinformativen und aktuellen Rundblick dem arabisch-persischen Raum, China, Russland, den USA sowie der deutschen und französischen Außenpolitik zu und spart auch nicht mit Kritik an überkommenen Denk- und Verhaltensmuster westlicher politischer Entscheidungsträger. Trotz der Gestaltung des Buches als Rundblick geht PSL wie gewohnt in die Tiefe und schildert eindringlich auch historische und religiöse Hintergründe, die auf die Politik von heute wirken. Absolut empfehlenswert. In der Bewertung der aktuellen politischen Situation scharfsichtig wie immer, wird PSL mit zunehmenden Alter scheinbar auch ein immer besserer Chronist - liest sich wirklich hervorragend.
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am 15. November 2007
Es ist Herbst. Wie fast jedes Jahr im letzten Jahrzehnt legt Peter Scholl-Latour Zeugnis seiner Jahresreisen ab. Während 2005 die USA, 2006 Russland dran waren, so schien es, wäre dieses Jahr China an der Reihe. Weit gefehlt. Von allen Gegenden der Welt bringt der mittlerweile 83 - jährige Weltreisende und letzte Welterklärer" (Spiegel) seine Erfahrungen mit ein. Der Titel des Buches: Zwischen den Fronten. Erlebte Weltgeschichte."

Der Titel lässt vermuten, dass es sich um das neue Buch um eine Biographie handeln könnte. Auch liest sich das Inhaltsverzeichnis so, als wenn ein alternder Autor Zeugnis ablegt von den vielen Schlachten, Stürzen, Krisen und Kriegen, die er miterlebt hat. Doch mitnichten.
Schon auf der ersten Seite schreibt Scholl-Latour, dass er erst daran denke, sich an die Biographie zu machen, wenn ihn das Alter ans Bett fesselt.

Auklärer und Kritiker
Vielmehr wird er auch weiterhin die Welt bereisen und hinterher mit erhobenen Zeigefinger warnen. Auch im vorliegenden Werk kritisiert der ehemalige Journalist und französische Fallschirmjäger die üblichen Verdächtigen: Nicht nur die Deutschen samt Bundeswehrführung, Politik und Öffentlichkeit, sondern die gesamte westliche Welt. So schreibt er über den Afghanistaneinsatz.Doch Scholl-Latour kritisiert, um aufzuklären. Er legt scheinbar der gesamten Welt einen Spiegel vor, er hinterfragt auch dort, wo es weh tut und bisweilen nicht die political correctness gebietet.

Persona non grata
Aber Scholl-Latour weiß um seine Person, der Persona non grata. Er sieht sich selbst als notorischen Störenfried", der zu Fernsehdiskussionen eingeladen wird.
Auffallend: Im Gegensatz zu seinen beiden letzten Büchern Russland im Zangengriff" und Weltmacht im Treibsand" poltert er weniger stark gegen die Etablierten der Welt. Fast entschuldigend schreibt er: In diesem Sinne mache ich mich an eine Veröffentlichung, an einen Essay", der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und bewusst auf die individuelle Beurteilung ausgerichtet ist."

Denn noch in Russland im Zangengriff" drohte er schelmisch, dass alte Herren nichts mehr zu verlieren hätten. Sein Buch gliedert sich in vier Kapitel: USA, Mittlerer Osten, Fernost und die Achse Deutschland/Frankreich. Natürlich gibt er den Irakkrieg verloren - wie in den Vorgängerbüchern auch: In Bagdad ist mehr zu Schaden gekommen als eine verfehlte militärische Planung oder eine politische Utopie. Die hehre Idee einer aus freien Wahlen hervorgegangenen Volksvertretung, das Kernprinzip unserer Demokratie, ist dort vor die Hunde gegangen."

Der brodelnde Orient
Im nächsten Schritt geht er auf den Orient und den internationalen Terrorismus ein. Er kritisiert, dass immer wieder von einer Bekämpfung des Terrorismus gesprochen wird, obwohl dieser eine Methode des Kampfes" sei und er als ...greifbarer Gegner gar nicht identifiziert werden" könne. Zudem erteilt er eine Absage an die Türkei hinsichtlich einer Aufnahme in die Europäische Union - Kultur und Größe des Landes am Bosporus würden dem zuwiderlaufen. Außerdem befinde sich der Staat in einer Re-Islamisierung.

Weltmacht China
Die aufstrebende Weltmacht China lobt er und relativiert die Geschehnisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Den USA gibt er in einer potentiellen Auseinsandersetzung mit dem Reich der Mitte keine Chance: Wer in Vietnam zum wenig rühmlichen Rückzug durch die Zwerge" von Hanoi gezwungen wurde, sollte jede Absicht aufgeben, gegen eine Milliarde Chinesen und die unermesslichen Weiten ihrer Volksrepublik militärisch vorzugehen."

Deutsch-Französische Achse
Den Schlussakkord setzt das Kapitel über die deutsch-französische Achse. Scholl-Latour, der Deutsch-Franzose, sieht Deutschlands Zukunft im engen Schulterschluss mit dem linksrheinischen Nachbarn. Dies betrifft besonders die Außen- und Sicherheitspolitik. Interessant: Atomwaffen für Deutschland und Einsatz präemptive Schläge im Notfall - allein oder im Zusammenwirken mit der grande nation.

Sprachliche Schoten und Kabinettstückchen bietet auch dieses Buch wieder. Er vergleicht japanische Offiziere mit gestiefelten Katern, Fidel Castro lässt er als Don Quichotte gegen Windmühlen anrennen und Selbstmordattentäter sind für ihn mörderische Todesengel".

Kurzum: Fans von Scholl-Latour werden das Buch verschlingen und Kritiker haben wieder etwas zu meckern.
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