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Kundenrezensionen

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am 8. Mai 2000
Es gäbe ja eine ungeheure Fülle an weiteren Argumenten, aber es scheint mir müßig noch mehr dazu zu sagen. Illig beharrt auf seinem Standpunkt und ist vernünftigen Argumenten nicht zugänglich. So hat er auch wenig Ahnung von Astronomie und tatsächlichen Himmelsbewegungen, wie sich aus seinem Artikel über Sonnenuhren erkennen läßt. Dort behauptet er nämlich, der Ort des Sonnenaufganges zur Tag und Nachtgleiche würde sich am Horizont durch die Präzession verschieben. Die Sonnenuhren würden daher nach einer gewissen Zeit nicht mehr stimmen, was ein völliger Blödsinn ist. Sonnenuhren und Gnome gehen über Jahrtausende richtig, wenn sie nicht zerstört werden.
Doch mit Karl dem Großen hat Illig sicher einen wunden Punkt der Geschichtschreiber getroffen. Dieser wurde ebenso wie Jesus 800 Jahre zuvor in den Himmel gehoben, um sich dadurch den eigenen Thron, als einer seiner Nachfolger darauf, ebenfalls zu erhöhen.
Geradezu als Mahnmal für die Gefahren und Möglichkeiten der Zeitfälschung erscheint aber die Idee des deutschen Historikers Heribert Illig, der behauptet 297 Jahre des Mittelalters seien erfunden und feststellt, die Jahre zwischen 614 und 911 seien eine Phantomzeit, die in Wirklichkeit nie stattgefunden hätte. Als Argument für seine These nennt Illig, dass durch die Differenz von Julianischem Kalender und natürlicher Erdbewegung sich in den 1500 Jahren seit Caesar dem Gründer des Julianischen Kalenders bis zur Gregorianischen Kalenderreform bereits 12 Tage ausgemacht hätten. Tatsächlich betrug die Korrektur im Jahr 1583 aber bekanntlich nur 10 Tage. Wie ein genauer Blick auf "inter gravissimas", das Dokument der Gregorianischen Reform ergibt, war dessen Absicht, die Frühlings Tag und Nachtgleiche wieder auf den Frühlingstag, wie er zur Zeit des Konzils von Nicea im Jahr 325 war, zu verlegen. Die entsprechende Textstelle bei "inter gravissimas" lautet: ...primum, certam verni aequinoctii sedem; deinde rectam positionem XIV lunae primi mensis, quae vel in ipsum aequinoctii diem incidit, vel ei proxime succedit; postremo primum quemque diem dominicum, qui eamdem XIV lunam sequitur; curavimus non solum aequinoctium vernum in pristinam sedem, a qua iam a concilio Nicaeno decem circiter diebus recessit, restituendum, et XIV paschalem suo in loco, a quo quatuor et eo amplius dies hoc tempore distat, reponendam, sed viam quoque tradendam et rationem, qua cavetur, ut in posterum aequinoctium et XIV luna a propriis sedibus nunquam dimoveantur. .." Die päpstliche Bulle stellt in der Folge noch zusätzlich klar, dass dieser Tag des Frühlingsäquinoktiums der 12. Kalaende Aprilis ist, dem der heutige 21. März entspricht: "...Deinde, ne in posterum a XII kalendas aprilis aequinoctium recedat, statuimus bissextum quarto quoque anno (uti mos est) continuari debere, praeterquam in centesimis annis..." Wie sich aus sicheren Quellen und auch aus modernen Berechnungen des Erdenlaufs ergibt, war der Frühlingsbeginn damals, zu Nicea, tatsächlich am 21. März. Illigs Hilfesuche bei der Gregorianischen Reform, mit der er seine These zu bekräftigen trachtet, ist also nicht stichhaltig, denn die entscheidenden 10 Tage Differenz entstanden in den 1258 Jahren zwischen 325 und 1583 und nicht seit Caesar. Illigs These lässt sich aber auch durch andere archäoastronomische Fakten leicht widerlegen, nämlich alte Finsternisberichte. Da das Auftreten und der Verlauf der Finsternisse von Sonne und auch Mond durch den Saroszyklus und den Umlauf der Mondknoten bewirkt wird, sind alte Finsternisberichte für einen Chronologen, besonders wenn sie eine Serie von Finsternissen beinhalten, wie unverwechselbare Fingerabdrücke für einen Kriminalisten. Neben vielen anderen liegen im Almagest des Claudius Ptolemäus drei genaue Mondfinsternisbeschreibungen vor, die in dieser Abfolge und an diesem Ort, zu keiner anderen Zeit hätten stattfinden können. Wie auch Professor Schlosser, Leiter des Archäoastronomieprojektes am astronomischen Institut der Universität Bochum sagt, passt diese Abfolge entweder genau oder gar nicht. Die Abschriften des Almagest, verfasst etwa im Jahr 140, zirkulierten im gesamten Abendland, im arabischen und persischen Raum, - eine Fälschung all dieser Daten im Hochmittelalter, wie sie laut Illig erfolgten, ist sehr unglaubwürdig, ja unmöglich. Die Abfolge dieser Mondfinsternisse hat folgende Daten im einstigen und heutigen Kalender: 20./21. Payni im 17. Jahr Hadrians: 6. Mai 133 um 21:03. 2./3. Choiak im 19. Jahr Hadrians: 20. Oktober 134 um 21:00. 1./20. Parmuthi im 20. Jahr Hadrians: 6. März 136 um 01:49. Ein weiteres und wohl am meisten stichhaltiges Argument gegen Illig ist der Stern von Bethlehem im Jahre 7 vor der Zeitenwende, für den sich in keinem der folgenden Jahrhunderte eine vergleichbare oder auswechselbare Planetenkonstellation findet. Diese große dreifach Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn im Frühlingssternbild Fische ist einmalig und unverwechselbar, ebenso wie seine Neuauflage im Mai 2000 auf die der Errichter der christlichen Jahreszählung der skytische Mönchgelehrte Dionysius Exiguus bei der Festlegung des Jahres A.D. abzielte und damit die Zeitrechnung tatsächlich um 7 Jahre fälschte. Der Stern von Bethlehem, der ja zur Geburt Christi stattfand war namlich 7 Jahre vor dem Jahr 1 anno domini, das er festsetzte und nach dem bis heute die Jahre gezählt werden und schließlich das ominöse Jahr 2000 brachten.
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am 9. Juni 2005
Da man als Mediävist immer wieder gefragt wird, was von diesem Buch zu halten sei, möchte ich an dieser Stelle einige grundsätzliche Anmerkungen zu seinem Inhalt zu machen.
Da wäre zunächst ein Einwand zur Methodik. In Heribert Illigs Werk findet sich immer wieder die Behauptung, daß die archäologischen Funde für den Zeitraum der von ihm diagnostizierten „Phantomzeit" ausgesprochen dürftig seien. Er postulierte sogar eine „Fundleere", die als solche schon fraglich ist, da Herr Illig gekonnt seine Augen vor karolingerzeitlichen archäologischen Funden zu verschließen weiß, was einfach ist, wenn man, wie er, alle gängigen Datierungsmethoden für unzuverlässig erklärt. Außerdem, selbst wenn es eine Fundleere gäbe, wäre es nicht ohne weiteres zulässig aus der Häufigkeit bestimmter Funde oder Überreste einen Rückschluß auf die Authentizität eines Gegenstandes, eines Ereignisses oder einer Person zu ziehen. Anders gesagt, nur weil eine Person oder gar eine ganze Epoche womöglich weniger Spuren hinterlassen hat, als andere, ist ihre Existenz dennoch nicht weniger wahrscheinlich. Die Vergangenheit ist schließlich nicht verpflichtet, Überreste zu hinterlassen, und somit ist jede Überlieferung rein zufällig und unterliegt keinen statistischen Vorgaben oder irgendwelchen Gesetzmäßigkeiten, weshalb die Häufigkeit von Funden kein Maßstab für Authentizität sein kann. Daß die Fundmenge durchaus schwanken kann, mag daher niemanden überraschen und kein seriöser Historiker würde aus einem solchen Befund schließen, daß ein bestimmtes Ereignis nicht stattgefunden oder Personen nicht existiert haben können, womit eines der von Heribert Illig bevorzugten und virtuos angewandten Argumentationsmuster entkräftet ist.
Ein weiterer Punkt in Heribert Illigs Argumentationsgrundlage kann hier nur kurz gestreift werden. Gemeint ist sein Postulat, das Mittelalter sei ein Zeitalter der Fälschungen. Es ist auch der Fachwissenschaft selbstverständlich seit langem bekannt, daß die Urkunden des Mittelalters nicht immer das sind, was sie zu sein vorgeben. Der heutige Betrachter mag in solch einem Fall gern das Wort FÄLSCHUNG rufen. Der Begriff der Fälschung muß für das Mittelalter aber differenzierter definiert und betrachtet werden. Ein Beispiel mag das verdeutlichen: Häufiger Inhalt von mittelalterlichen Urkunden - die in der Regel ja ein Rechtsgeschäft festhalten und verbriefen - sind Schenkungen von Grundbesitz. So könnte einem Kloster „X" von dem adligen Herrn „Y" ein Bauernhof geschenkt worden sein. Darüber wäre dann eine Urkunde ausgestellt worden, wobei das Exemplar des Klosters in dessen Archiv aufbewahrt worden wäre. Nun brannten die Klöster des Mittelalters des öfteren ab, wurde von den Normannen überfallen oder durch sonstige Katastrophen zerstört. Wenn dabei die genannte Urkunde verloren gegangen wäre, wäre es nicht unüblich gewesen oder gar für moralisch verwerflich gehalten worden, wenn sich die Mönche des Klosters eine neue Urkunde ausgestellt, diese in die Zeit des verlorenen Originals datiert, und selbige dann als Nachweis ihres Besitzanspruches an dem fraglichen Bauernhof ausgegeben hätten. Damit wäre die Urkunde als solche nicht authentisch, der in ihr wiedergegebene Rechtsinhalt wäre aber dennoch korrekt. Ist das eine Fälschung? Oder anders gefragt, muß der Inhalt eines Schriftstückes erfunden sein, nur weil es nicht unter den Umständen entstanden ist, unter denen es entstanden zu sein vorgibt? Diese feine Unterscheidung bei der Interpretation von Texten des Mittelalters macht Herr Illig nicht.
Ein weiteres Argumentationsmuster, dessen Heribert Illig sich immer wieder bedient, läßt sich auf ähnlich simple Weise entkräften. Dabei führt er an, daß eine auffallende Diskrepanz zwischen der Menge der schriftlichen Überlieferung aus der Regentschaftszeit Karls des Großen - die nämlich ausgesprochen reichhaltig sei - und der anderer „phantomzeitlicher" Herrscher bestehe, die eher dünn genannt werden müsse. Daraus schließt Herr Illig, daß die Fälscher in Bezug auf eben diesen Karl ganz besonders fleißig gewesen seien, schließlich sei er die Hauptfigur des Fälschungswerkes gewesen. Allerdings ist die unterschiedliche Dichte der schriftlichen Überlieferung mancher Herrscher ein der Forschung schon lange bekanntes Phänomen (man beachte nur die Unterschiede zwischen Otto I. und seinem Enkel Otto III., oder die zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich VI.), das seinen Ursprung in einer völlig simplen Tatsache hat. Karl dem Großen war nämlich eine ausgesprochen lange Herrschaft vergönnt, genau wie etwa Otto I. und Friedrich Barbarossa. Und während einer langen Herrschaft kann man nun einmal deutlich mehr erreichen, verändern und auch hinterlassen, als während einer kurzen, wie man an Karls Sohn Ludwig oder an Otto III. und Heinrich VI. sehen kann. Um diese Beobachtung zu erklären muß man also keine Phantomzeit erfinden.
Und damit kommen wir auch schon zu dem wohl schlagensten Argument. Es liegt genau in der großen Anzahl der schriftlichen Quellen aus der Zeit Karls des Großen und seiner Nachfolger. Der entsprechende Band der Regesta Imperii (in den Regesten sind alle bekannten Urkunden der römisch-deutschen Kaiser und Könige verzeichnet) ist mit mehr als 800 dicht beschriebenen Seiten ein beredtes Zeichen dafür. Es ist schlicht unvorstellbar - und jeder der sich schon einmal ausführlicher mit dieser Überlieferung befaßt hat, müßte das wissen -, daß ein solches Schriftvolumen, das aus mehreren Jahrhunderten stammt und nachweislich von vielen verschiedenen Händen geschrieben wurde und an ebenso vielen Orten entstanden ist und aufbewahrt wurde, das Werk eines Fälschers oder einer Gruppe von Fälschern ist. Wie hätte das Schriftgut etwa in die Archive des Papstes in Rom gelangen sollen, wie in die Archive der orientalischen Welt, wie in die Bibliotheken unzähliger Klöster, wie an die Höfe anderer europäischer Herrscher? (Die Idee, daß in anderen Kulturkreisen ebenfalls Phantomzeiten erfunden wurden, um die chronologische Differenz zum phantomzeitlichen Abendland auszugleichen, zu der sich Herr Illig schon verstiegen hat, ist so absurd, daß sie schon fast wieder gut ist!) Außerdem, wer hätte das Unternehmen koordinieren sollen, letztendlich, wer hätte garantieren können, daß die vielen für ein solch gigantisches Fälschungswerk nötigen Personen das Geheimnis bewahrt hätten? Allein diese Feststellung führt die Illig'schen Thesen ad absurdum.
Heribert Illigs Phantomzeittheorie basiert nicht auf den von der Geschichtswissenschaft vorgegebenen und allgemein anerkannten methodischen Vorgaben, da er diese schlicht ignoriert. So lange das so bleibt, kann sich die Mediävistik mit seinen Thesen nicht auseinandersetzen. Und so erkennt man die Phantomzeit als das was sie ist, nämlich eine typische Verschwörungstheorie, die alle dafür notwendigen Eigenschaften aufweist. Als solche ist sie eine von vielen. Wer sie ernst nimmt, der kann auch glauben, daß die Mondlandung nicht stattgefunden hat, oder die Marsmenschen die Pyramiden bauten!
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am 12. Januar 2000
Die These klingt so einfach wie unglaublich: ca. 300 Jahre der abendländischen Geschichte sollen also nur erfunden worden sein. Heribert Illig weiß, daß er sich mit dieser Aussage auf dünnes Eis begibt, zumal sie geeignet ist, den historischen Bereich ganzer Forschungsdomänen auf einen Schlag komplett auszulöschen. Die Einwände sind vielfältig, und Illig nimmt sie nahezu alle vorweg, um eine Gegenposition zu beziehen. Für Illigs abenteuerliche Mär von der Zeitfälschung (ähnliche Machenschaften glaubt er - übrigens mit deutlich weniger Widerspruch aus akademischen Kreisen - bereits für das Alte Ägypten nachgewiesen zu haben) ist der Zeitraum von ca. 600 bis 900 nach Christus natürlich besonders günstig: Aus keiner anderen Epoche liegen so wenige Dokumente vor, nahezu nichts in der abendländischen Geschichte ist so schlecht erforscht wie eben diese 300 Jahre. Auch wenn es Illig zu gelingen scheint, den nächstliegenden Einwänden (zum Beispiel: was ist mit der historischen Gestalt um 800, Karl dem Großen?) zu begegnen, bleibt er doch eine überzeugende Antwort auf eine der dringendsten Fragen schuldig, nämlich auf die nach Sinn und Zweck sowie Autorschaft der Zeitfälschung. Mindestens in diesem Punkt ist daher die Arbeit als unglaubwürdig zu bewerten. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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TOP 1000 REZENSENTam 14. April 2016
Provokante Thesen sind ein Weg, um viele Bücher zu verkaufen. Das klappt bei Van Helsing und klappte auch bei Illig. Ich habe sein Buch knapp nach Erscheinen gelesen, bzw. in der Mitte aufgehört, weil ich es schon damals für kompletten Blödsinn gehalten habe, was nach ausführlicher Prüfung durch die Gelehrtengemeinde nun wohl allgemeiner Konsens ist. Ich habe nichts gegen Querdenker und gegen ungewöhnliche Theorien, die nicht bewiesen aber doch denkbar sind, weil sie die Forschung anregen. Was aber Herrn Illig bewegt haben mag, 300 Jahre an Geschichtszeugnissen zu ignorieren, ist mir immer noch schleierhaft. Einzig logische Erklärung ist, dass er den Schmarrn eh nie geglaubt, sondern sich einen Riesenspaß mit uns allen erlaubt hat.
Dr Rüdiger Opelt, Psychologe, Autor von "die Kinder des Tantalus"
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am 8. September 1999
Eine der aberwitzigsten Geschichts-Theorien der letzten Zeit: Das Frühmittelalter hat gar nicht wirklich existiert sondern ist eine Erfindung, eine gezielte Geschichts-Fälschung. Mit den knapp drei Jahrhunderten (von 614 bis 911) verschwindet auch Karl der Grosse, die karolingische Kunst, die wilden Wikinger und vieles andere. Was wie ein schlechter Scherz klingt, oder wie das Krankheitsbild eines psychisch Gestörten, entpuppt sich als durchaus ernstgemeinte und gut argumentierte Theorie. Heribert Illig kann zur Stützung seiner These sehr viel Material präsentieren, und seine Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und logisch. Das heisst nicht automatisch, dass sie auch richtig sein müssen, wohl aber das sie ernst genommen werden müssen. Trotz des sehr flüssigen Stils ist das Buch keine ganz leichte Lektüre; Grundkenntnisse der mittelalterlichen Geschichte und Kunstgeschichte sollte der Leser schon mitbringen. Aber die Mühe lohnt sich, denn Illigs Theorie ist nicht nur verwirrend, sondern auch sehr faszinierend. (Mittlerweile ist auch ein Folgeband erschienen: Heribert Illig: "Wer hat an der Uhr gedreht".)
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am 8. Juli 2016
Ein. Lob dem Author eine dunkle Materie wie das Mittelalter und die verlorengegangene Vergh. analytisch und akribisch zu beleuchten und den Versuch alles schlüssig darzulegen und mit Beweisen zu untermauern. Und man sollte nicht glauben sondern sein Buch als Anlass nehmen sich selbst schlüssige Gedanken zu machen ,
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am 2. November 2009
Auf den ersten Blick verblüffende und in ihrer Neuartigkeit für den fachlichen Laien womöglich attraktive Thesen vertritt der Nichthistoriker Heribert lllig in diesem Buch. Illig ist promovierter Germanist und hat als Systemanalytiker in einer Bank gearbeitet, bevor er sich als "Privatgelehrter, freier Autor und Editor" selbstständig machte. Kritik am wissenschaftlichen Establishment (oder an dem, was der Nichtfachmann für das Establishment hält) ist in gewissen Kreisen modern und oft sehr publikumswirksam. Illig stößt hier in eine Marktlücke, die vor allem Leser mittlerer Bildungsniveaus anspricht, für die die Hirngespinste eines Däniken oder Buttlar denn doch zu abstrus sind, die aber kein spezielles Fachwissen in den Geschichtswissenschaften mitbringen und deshalb nur schwer erkennen können, worauf Illigs Thesen gründen: Das "gefälschte Mittelalter" beruht auf gefälschten, falsch dargestellten oder unterschlagenen Fakten.
Lehrreich ist dieses Buch nur in einer Weise: Es zeigt, wie man durch das selektive Leugnen, Ignorieren oder Verdrehen von Befunden und Tatsachen praktisch jede beliebige Theorie vertreten kann.
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am 5. August 2007
Auch ich habe Illigs Machwerk beim ersten Mal mit großem Interesse gelesen und hielt seine Thesen für wenn auch gewagt, so doch für schlüssig. Nach eingehender Beschäftigung muss ich jedoch feststellen, dass Illig in die lange Reihe der Parawissenschaftler gehört und vom Amazon-Rezensenten zu Recht in einem Atemzug mit Däniken genannt wird, den ja wohl niemand als ernstzunehmenden Historiker bezeichnen möchte (obwohl man beim Amazon-Rezensenten Roland Detsch den Eindruck bekommt, "der neue Däniken" sei ein besonderes Qualitätskriterium).

Zur Kritik an Illigs Argumenten:

1. Die historischen Widerlegungen wurden von mehreren Rezensenten weiter unten schon angeführt (z.B. "Das Phantom der Phantomzeit" von RM "RM") und brauchen nicht mehr wiederholt werden.

2. Dass sich Historiker nicht mit Illigs Thesen beschäftigen wollen, liegt nicht daran, dass sie ihnen unangenehm wären oder das Standesdünkel sie davon abhielten, sich mit "Außenseitertheorien" zu beschäftigen, sondern daran, dass Illig eben wissenschaftlich nicht exakt arbeitet und sich damit selbst außerhalb der wissenschaftlich fundierten Diskussion stellt. Das Pro-Illig-Argument "Wenn Illig so leicht zu widerlegen ist, dann soll man es doch machen" schlägt nicht, denn selbst eine wissenschaftlich "einfache", aber doch exakte und somit von Illig nicht sofort wieder angreifbare Argumentation erfordert viel Arbeit und Zeitaufwand, die sich verständlicherweise kaum ein Historiker antut, da damit ja für die Wissenschaft nichts zu gewinnen ist.

Diese Argumente zählen natürlich für Vertreter Illigscher Thesen nichts, da Widerlegungen aus der historischen Wissenschaftsgemeinschaft mit den üblichen Verschwörungstheorien der Parawissenschaftler abgetan werden. Daher nun die naturwissenschaftlichen Kritik an Illig (lt. Illig sind ja historische "Außenseiter" besonders geeignet, die Mediävistik zu erneuern, ein wissenschaftstheoretisch wahnwitziger Ansatz, der durch Detschs absurde Vergewaltigung des Gödelschen Unvollständigkeitssatzes auch nicht besser wird.)

3. Zur C14-Methode der Altersbestimmung schreibt Illig nur, dass er sie an anderer Stelle ausführlich widerlegt hätte. Abwohl dieses naturwissenschaftliche Argument für den Leser sicher von großem Interesse wäre, möchte Illig hier wohl lieber noch ein zweites Buch verkaufen, als all sein Pulver in einem Werk zu verschießen.

4. Die Dendrochronologie (Altersbestimmung durch Zählung der Jahresringe von Bäumen) belegt die klassische Geschichtsschreibung. (Zum Einwand von Oleg Grigorov: Man weiß, dass man bei Cäsar landet, wenn das überprüfte Holzfundstück durch parallele Fundstücke wie Münzen oder Dokumente eindeutig in Cäsars Zeit einordenbar ist - oder haben Illigs mittelalterliche Fälscher etwa auch die archäologischen Funde bis in die Antike zurückgefälscht?)

5. Astronomie: Eines von Illigs Hauptargumenten ist ja die scheinbar widersprüchliche Gregorianische Kalenderreform. Dieses bricht bei näherer astronomischer Betrachtung in sich zusammen. Überhaupt bilden die genaue Zuordnungen astronomischer Ereignisse (und zwar weltweit, nicht nur in Europa) zu historischen Fakten eine exakt eichbare "Astronomische Uhr", die eben keinen Platz lässt für Illigs fehlende 300 Jahre (ausführlich in F. Krojer: "Die Präzision der Präzession. Illigs mittelalterliche Phantomzeit aus astronomischer Sicht.". Leider ist dieses Buch bei Amazon nicht erhältlich - da es wissenschaftlich exakt und fundiert aufgebaut ist, ist es für den Laien schwieriger zu lesen als Illig und verkauft sich daher wohl auch nicht so gut...)

Was bleibt also von Illigs großangelegtem Rundumschlag gegen die Mediävistik: einige architekturhistorisch interessante Besonderheiten von Bauwerken aus der Zeit Karls des Großen...
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am 13. März 2000
Der Ansatz für Heribert Illigs Buch ist an sich schon faszinierend: Ausgehend von Ungereimtheiten im Zuge der Gregorianischen Kalenderreform entwickelt der Autor seine These vom erfundenen Mittelalter. Nachdem diese Schlußfolgerung bereits einleitend feststeht, versucht Illig im Folgenden mittels akribisch anmutender Detektivarbeit Beweise beizubringen. Allerdings überzeugen diese nur teilweise, oft wirken die Ausführungen zu spitzfindig und aus ihrem Kontext gerissen. Dazu trägt leider auch Illigs nicht immer sachlicher Stil bei, der oft einen polemischen Unterton annimmt. Als interessierter Laie hat man es außerdem schwer, den oft sehr detaillierten Einzelindizien zu folgen. Nichtsdestotrotz ist Illigs Buch stellenweise kurzweilig zu lesen, auch wenn es mehr verspricht, als es schließlich halten kann.
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am 10. Oktober 2002
Der Titel von Heribert Illigs Buch "Das erfundene Mittelalter; Die grösste Zeitfälschung der Geschichte" wirkte dermassen provokant auf mich, dass ich dieses Buch einfach kaufen und lesen musste. Eins ist sicher, das Buch kann den Blickwinkel erweitern. Es lässt kritischer werden. Was ist Wahrheit, was ist Fälschung? Und wenn es eine Fälschung ist, weshalb wurde gefälscht und wem hat es genutzt und das auf wessen Kosten? Wenn man am Ende eines über 400 Seiten starken Buches wirklich nicht weiss, ob alles was man zu einem wichtigen Zeitabschnitt der Geschichte zu wissen geglaubt hat, wahr ist oder ob es sich einfach eine um Jahrhunderte später und zudem Stück für Stück in Dokumenten und sogar Bauten in Jahrhunderten entstandene Fälschung handelt, ist dies heilsam, sehr heilsam sogar. - Das Buch von Illig hat Nachwirkungen bei Besuchen von Museen, beim Lesen von Geschichte oder vielleicht doch nur Geschichten? - Aber und das ist besonders wichtig, sogar beim lesen der aktuellen Tageszeitung oder eines Nachrichtenmagazins stellt man sich unweigerlich noch kritischere Fragen. Wenn es möglich gewesen sein soll, wie Illig äusserst glaubhaft darstellt, insbesondere durch seine Abhandlungen über Bauentwicklung von Sakralbauten, im Zentrum der Betrachtung den Dom von Aachen, 300 Jahre in die Geschichte hinein zu fälschen, wie leicht ist es dann erst möglich die kleine Geschichte um das Heute und Jetzt oder des Gestern und Vorgestern mit Zielen für das Morgen oder Übermorgen gezielt zu manipulieren, Tatsachen und Fakten immer ein wenig in eine bestimmte Richtung zu schieben, bis sie so weit entfremdet sind, dass sie mit dem, was beschrieben wird, nur noch am Rande etwas zu tun haben? - Etwas habe ich jedenfalls, seit ich das Buch gelesen habe immer vergeblich gesucht, einen Beweis, dass Illigs Aussagen falsch sind. Für mich als Laien fehlt ein solcher Beweis bis heute. Hat Illig also doch recht und es gab keine gelebte Zeit zwischen 614 und 911, so seine Arbeitsthese, sondern wurde diese Zeit nachträglich eingeführt, als die Zeitzählung willkürlich von den Ottonen eingesetzt wurde? Gab es Karl den Grossen wirklich nicht oder hat er nur keine bis heute erhaltenen Spuren in Form von Münzen und anderen Gegenständen hinterlassen, im Gegensatz zu den viel früher lebenden Römern? Der Menschheit wäre es zu gönnen, einen, zudem heilig gesprochenen, Massenmörder weniger. Eins bewirkt das Lesen des Buchs, das über weite Passagen leider eher schwer verdaulich geschrieben ist, auf jeden Fall: Es schärft das gesunde Misstrauen gegenüber unverdaut und unüberprüft oder für einen selbst nicht überprüfbar Übernommenen, das man selbst für Faktenwissen hält.
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