Sale Sale Hier klicken Jetzt informieren Book Spring Store 2017 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More Hier klicken HI_PROJECT Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicAlexa BundesligaLive wint17

Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
13
Supramanie. Vom Pflichtmenschen zum Score-Man
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:34,95 €+ 3,00 € Versandkosten


VINE-PRODUKTTESTERam 13. Mai 2010
Zum Verständnis dieses zweiten Buches der Dueckschen Trilogie empfiehlt es sich, bereits den ersten Band mit dem Titel "Omnisophie" gelesen zu haben. Die gesamte "Supramanie" genannte Fundamentalkritik unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems hängt nämlich ab vom Verständnis der sogenannten - psychophysischen - "Seismographen", die ausführlich im Vorgängerbuch erklärt werden. Dabei handelt es sich im Prinzip um erworbene aversive Konditionierungen und eine entsprechende Ausrichtung des psychophysischen Apparates auf Fehlervermeidung - statt auf persönliches Wachstum und den Ausbau von Fähigkeiten. Was der Mensch "Vernunft" nenne, so Dueck, seien eben in Wirklichkeit lediglich die Ausschläge der internalisierten - und "inkorporierten" - "Seismographen"; jedesmal, wenn der Mensch vermeintlich in Gefahr sei, einen Fehler zu begehen, schlügen diese in Angst, Scham oder Schuldgefühlen aus und führten uns zurück auf jenen Pfad des konventionell Richtigen und Rechten, das uns im Laufe unserer Erziehung eingepflanzt worden sei. Wahre Vernunft aber sei eben ein Kind der Freiheit und der besseren Einsicht, vor der aber der konditionierte Mensch verständlicherweise Angst habe.
Die meisten unserer Wirtschaftsunternehmen (und im Prinzip alle anderen großen Institutionen) ermutigten den Menschen aber nicht in Freiheit, Reife und Selbstverantwortung zum Erfolg der Institution beizutragen sondern steuerten den Einzelnen durch das ständige Spiel an den empfindlichen Seismographen des Durchschnittsmenschen, indem zum Beispiel durch das geschickte (aber letzten Endes dämlich-selbstschädigende) "Anklingenlassen" von Existenz- und Statusangst immer größere Leistungen aus dem Mitarbeiter herausgepresst würden.
Das bittere Ende seien ausgebrannte Mitarbeiter und Unternehmen, die das gesamte kreative Kapital ihres Personals durch diese brutale Unternehmens-un-kultur verpsielt hätten.
Das Großartige an der breiten Darstellung unseres Zeit-un-geistes durch Dueck ist gerade, dass er ein Einleuchtendes Modell des Menschen, eine eigene Anthropologie entwirft, die ihm erst die gründliche, entlarvende, bitterböse, bitterkomische Analyse des Bestehenden ermöglicht. Ohne die eigenständige und originelle Psychologie des Autors wären die Mißstände unseres Wirtschaftslebens kaum so deutlich, schamlos und entwaffnend auszuleuchten gewesen.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 14. Dezember 2003
"Supramanie" zu lesen macht keinen Spaß. Zumindest nicht wirklich. Wenn überhaupt die grimmige Art von Spaß, die man empfinden kann, wenn endlich ein übler Skandal an Licht gebracht wird, unter dem man zu leiden hatte.
Aber zumindest ist "Supramanie" sehr erhellend, sofern man das über ein so dunkles Thema sagen kann.
Gnadenlos unpolemisch nimmt Dueck das weithin herrschende System westlicher Leistungsgesellschaften auseinander, für das er den Begriff Supramanie prägt. Dies tut er sehr systematisch, logisch und mit skalpellscharfer Beobachtungsgabe. Sein einzigartiger Schreibstil, der sonst immer für ein spontanes Gelächter gut ist, muß hier stellenweise vor dem Gegenstand des Wortwitzes kapitulieren. Wie schon ein anderer Rezensent schrieb: Das Lachen bleibt einem öfter mal im Halse stecken.
Dueck geht in Supramanie nicht gegen das Leistungsprinzip an sich vor, sondern gegen verschiedene, sich logisch auseinander ergebende Eigenschaften und Effekte der Supramanie:
Die immer ein wenig zu hoch gehängte "Möhre" (das Leistungsziel) - jeder springt ständig so hoch er nur kann, bis er dreivierteltot zusammenbricht.

Die rekursive Einteilung der Menschen in die Leistungsträger, die Abstiegsgefährdeten und die zu feuernden Versager.

Der Meßwahn - Leistung wird lediglich anhand von einfach zu ermittelnden Leistungsindikatoren (z.B. Umsatz, Verkaufsabschlüsse, Veröffentlichungen, Börsenkurs) gemessen anstatt durch Betrachten des "Eigentlichen".

Die von Dueck "Topimierung" genannte Strategie der dem Suprasystem ausgesetzten Menschen, die Ihnen entgegengebrachte Wertschätzung durch systematisches "Schönen", durch rücksichtslose Optimierung der Leistungsindikatoren und im Zweifel durch nackten Darstellungsbetrug zu erhöhen.

Der Verrat an den Bedürfnissen der Menschen und damit an ihrem Glück, an ihrer Loyalität und letztlich an der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit.

Während man sich bei der Beschreibung des Systems noch relativ leicht als Opfer oder zumindest unschuldigen Mitläufer betrachten kann, wird spätestens beim Kapitel über die Topimierung klar, dass die meisten von uns auch Täter sind. Ich jedenfalls mußte ein paarmal heftig schlucken, als ich mich bei einigen von Dueck dargestellten Topimierungsstrategien milde wiedererkannt habe. Aber wie heißt es so schön? "Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung." Und Anregungen zur Selbsterkenntnis für Menschen von "ganz unten" bis "ganz oben" in den Unternehmens- und Gesellschaftshierarchien bietet "Supramanie" en masse.
Dueck bleibt in dem Buch die Antwort auf die Frage, wie das System denn besser funktionieren könnte, erklärtermaßen schuldig, denn diese Antwort will er erst in seinem nächsten Werk geben. Darauf bin ich nun mörderisch gespannt, denn wenn die Skizze eines nachhaltig funktionierenden Systems schon schwierig ist, erscheint mir das Skizzieren des Übergangs vom heutigen, durch Konkurrenzdruck Selbstähnlichkeit geradezu erzwingenden System zu einem wie auch immer gearteten idealen System nahezu unmöglich.
Lassen wir uns überraschen.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 2. Januar 2004
Gleich auf der ersten Seite konfrontiert der Autor Gunter Dueck seine Leser mit dem Leitgedanken dieses Buches: Vernunft ist zu neunzig Prozent Trieb. Was dann folgt sind Fakten, Fakten, Fakten. Das ist auch nötig. Denn es ist zunächst schwer zu glauben, das in unserer hochtechnischen, keimfreien Welt so was natürliches wie Trieb eine Überlebenschance hat.
Recht anschaulich vergleicht der Autor unsere positiven und negativen Empfindungen mit einem Seismographensystem, das unablässig an uns ruckt und zuckt und uns antreibt. Ebenso beindruckend wird Maslows Bedürfnispyramide, ähnlich einem Baukastenset, auseinandergenommen und neu angeordnet. Das war längst fällig. Erstaunlich das sich vorher keiner an diese ikonengleiche Pyramide herangewagt hat. Dem Leser wird Schritt für Schritt haarklein der Unterschied zwischen Bedarf und Bedürfnis erläutert. Wichtig, denn unsere in Fleisch und Blut (Trieb!) übergegangene Vorstellung, bedarf einer gedanklichen Überprüfung und möglicherweise Korrektur.
Gefangen in Fromm's Welt des Habens, streben zumindest die Leistungsträger auf Platz eins, die vorderen Plätze, mindestens zum ersten Drittel will man gehören. Ziele sind wichtig, Veränderungen auch, egal ob etwas gut und wohl getan ist, es muss noch besser werden. Diese Sucht/Trieb findet der Autor auf allen Betriebsetagen unserer heutigen Arbeitswelt, einschließlich im Schulsystem und auf dem Campus. Wenn es nicht durch eigene Kraft alleine reicht, wird getrickst, geschummelt und auch betrogen. Der Vergleich mit dem Darwinismus liegt nahe und wird auch vom Autor treffend angebracht.
Was ist geschehen? Wie ist es dazu gekommen? Sind die Systeme schuld? Dueck entwickelt viele neue teilweise kunstvoll gewählte Begriffe für etwas, das vorher nur als Rationalisierung bekannt war. Anfangs war Rationalisierung sicher sinnvoll. Doch inzwischen wurden die Techniken so perfektioniert, dass bei manchen Unternehmen, so Dueck, verglichen man sie mit einen Gyros, nur der Stab überblieb. Ist es unser Schicksal mit dem Spaceshuttle in den Abgrund zu fliegen?
Duecks Thesen und Argumente gehen unter die Haut, die Beispiele aus allen Lebensbereichen sind zum Greifen echt. Jeder kennt sie und erlebt sie tagtäglich. Gut ist das alles nicht, sagt uns unser Bauch. Doch was können wir dem entgegensetzen? Zwanzig Prozent Lohnverzicht (und Wiedereinführung des Hesselbach'schen Betriebsklima) denkt der Autor an. Es ist nicht wirklich ein Vorschlag, eher ein Ansatz. Dueck's (eigentlich unser aller) Suche nach der Arbeitswelt von morgen ist noch nicht zu Ende.
Das Buch enthält ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis und ein kurzes Literaturverzeichnis. Das Werk ist als Fortsetzung des vorangegangenen Bandes Omnisophie zu sehen. Bleibt zu hoffen, das der Autor seine Ankündigung wahr macht und auch den dritten Band Topothesie folgen lässt.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 31. Dezember 2003
Dueck hat es wieder getan - ein weiteres geniales Buch über das Leben, das Universum und den Rest. Ein Buch das einem zum Nachdenken, Nachfühlen, Überlegen anregt. Wieder stundenlanges prüfen und ausprobieren auch an Mitmenschen (sorry an alle die ich mit meinen Experimenten genervt habe! :) ).
In Omnisophie werden wahre, natürliche, richtige Menschen sehr ausführlich erklärt und die Basis für dieses Buch geschaffen; meiner Meinung lassen sich die Bücher auch in anderer Reihenfolge lesen, um dieses Buch zu verstehen, genügt die Zusammenfassung am Anfang.
Während der erste Teil dieses Buches kristallklar erklärt, was die wahren, richtigen und natürlichen Menschen brauchen und wollen und sogar erklärt wie das zu machen ist (der Sinn des Lebens mal so nebenbei entdeckt), zeigt der Autor im zweiten Teil wie die Welt zur Zeit funktioniert, wie das System, in dem wir leben uns schiebt und drückt und was in uns passiert, wenn wir dem nicht gewachsen sind (und/oder nie so wachsen wollten). Der Autor muss erst einmal passende Werkzeuge erfinden ("Supramanie", "Topimierung" (siehe auch "Wild Duck" - doch hier wesentlich erweitert)), um dann mit diesen schonungslos unsere Systeme mit scharfen Klingen zu sezieren. Er lässt den Leser (und sich selbst) betroffen zurück, denn was wir wollen und was wir haben passt heutzutage auf eine ganz tiefgreifende Art nicht zusammen.
Und um im Sinne der Supramanie zu sagen: Dieses Buch müsste 6 von 5 Sterne bekommen.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 3. November 2005
Dies ist Band 2 von Duecks Trilogie "Omnisophie-Supramanie-Topothesie". In Teil 1 stellt er primär drei menschliche Grundtypen vor, in diesem 2.Teil Pseudooptimierungen in (Supra-) Systemen und wie sich die drei Grundtypen dabei verhalten. Der letzte Band ist eine Art Utopie einer optimalen Welt, die jedem Typ maximale Entfaltungsmöglichkeiten bieten soll. Die Bände bauen aufeinander auf, man sollte sie in der richtigen Reihenfolge lesen (muss aber nicht).
Der Mathematik-Professor und Neuzeit-Philosoph kreiert auch in diesem Band wieder ein solches Gedankenuniversum, dass es schwer ist, sich kurz zu fassen. In "Supramanie", von "Super = höherwertig" und "Manie = krankhafter Trieb" analysiert er kurz gesagt das geradezu krankhafte Streben der Wirtschaft und auch unseres Alltags nach immer Höherem. Dueck beschreibt den Trendwechsel vom klassischen System, wo bis etwa 1990 die Fehlervermeidung des loyalen 'Pflichtmenschen' genügte, zu den heutigen Suprasystemen, bei denen zusätzlich ein absolutes Maximum an Arbeitsleistung gefordert wird. Die Menschen werden geradezu abgerichtet zum Streben nach Punkten, Status und Incentives (und damit zum 'Score-Man'). Ein solches Verhalten gilt allgemein als vernünftig, Dueck sieht darin jedoch eher Triebdenken - insbesondere den ewigen Kampf gegen das eigene Minderwertigkeitsgefühl. Das wesentliche Problem dabei ist, dass sich "das Höhere" nicht ganzheitlich messen lässt, sondern nur indirekt anhand bestimmter Indikatoren, die jedoch nur Teilaspekte abdecken. In der Folge haben wir eine Gesellschaft, die einseitig Gewinne und Details maximiert, aber viele andere Dinge wie das Menschliche oder die Umwelt immer weiter verfallen lässt. Dieses Prinzip bestimmt auch den Alltag, z.B. bei der Kindererziehung. Es kommt letztlich überall zu Teil-Optimierungen in kleinen Bereichen, die stolz präsentiert werden, der Blick für das Ganze ist jedoch bei der ganzen Hektik längst verloren gegangen. Dueck verdeutlicht mit vielen Beispielen die Funktionsweise und die Absurdität dieses Prinzips.
Es geht auch um viele andere Dinge, die leider nicht in diese Rezension hineinpassen, da wird einfach mal die Maslowsche Bedürfnispyramide umgedreht oder von Stresskurven und Topimierungs- (=Schein-Optimierungs-) Strategien erzählt. Management, Psychologie und Philosophie werden hier auf geniale Weise miteinander verknüpft. Wenn Sie an einem höheren Verständnis unserer Welt interessiert sind, kommen Sie letztlich nicht darum herum, dieses Buch zu lesen - und zwar langsam und genüsslich.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 23. September 2003
In diesem faszinierenden Buch von Gunter Dueck wird das neue allgemein aufgekommene Wirtschaftssystem entlarvend beschreiben. Dueck nennt es Supramanie und erklärt das System tiefgreifend und mit dichterischer Kraft. Auf welchen menschlichen Eigenschaften und Trieben basiert Supramanie, wie wird sie durch Erziehung und Kontrolle aufgebaut? Was für verheerende Folgen hat Supramanie für die Menschen, die damit zurechtkommen müssen?
In unnachahmlicher facettenreicher Weise nähert sich Dueck dem Thema. Er faßt den Leser sachte bei der Hand, um ihn langsam und unerbittlich auf die Erkenntnis unserer schrecklichen neuen Arbeitswelt hinzuführen: Supramanie entsteht durch das ständige Bewerten und Antreiben der Menschen mittels Punkte-Belohnungssystem in Verbindung mit der Einteilung in 3 KLassen, wobei stets das schwächste letzte Drittel abgemahnt, bedroht und schließlich ausgesondert wird. Eine verhängnisvolle, zerstörerische Tretmühle kommt in Gang. Menschen werden zur Sisyphusarbeit angetrieben und scheitern schließlich.
Das Buch ist die Fortsetzung von Duecks letztem Werk "Omnisophie", das man aber zum Verständnis von Supramanie nicht unbedingt gelesen haben muß. Die Grundstimmung ist hier im Gegensatz zu "Omnisophie" erschreckend und düster; denn Supramanie führt zwangsläufig zur Ausbeutung von Ressourcen und zum Verschleiß von Menschen. Durch sich widersprechende Anforderungen und frühzeitiges Abstrafen wird der Mensch dressiert und im Arbeitsleben zur ständigen Selbstausbeutung angetrieben. Es zählt nur noch das Punktesystem. Wenn Leistung jedoch allein auf das Erzielen guter Punktzahlen abzielt, bleiben die weichen menschlichen Qualitäten wie Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Liebe und Freude an der Arbeit auf der Strecke. Die Arbeitswelt verkommt zum Kriegsschauplatz, und im Krieg ist jedes Mittel erlaubt. Es beginnt ein tödliches Rennen um Punkte und den ersten Platz. Jeder muß sich selbst unentwegt bis über seine Grenzen verausgaben. Wer das nicht schafft, wird zum Schummeln und Taktieren genötigt, wobei die einzelnen Menschentypen jeweils zu unterschiedlichen Mitteln greifen.
Das alles beleuchtet Dueck und belegt es mit zunächst amüsanten, später mehr und mehr ergreifenden Geschichten aus dem Alltag. Hier liegt für mein Gefühl die allergrößte Stärke dieses Buches. Trotz akribischer Beschreibung der erschreckenden Tatsachen im gnadenlosen supramanischen Geschäftsleben bewahrt sich Gunter Dueck Menschlichkeit und Mitgefühl; denn er nimmt Anteil und ist selbst ein Betroffener. In der Dunkelheit des Systems wird dadurch dem Leser die Fackel der Selbsterkenntnis aufgesteckt.
Das Buch ist ein Leckerbissen für alle Dueck-Fans und hat wieder das Zeug zum Kultbuch. Die geistig Hungrigen werden es trotz des bitteren Inhaltes freudig verschlingen (ich riß sogleich das Bücherpaket auf und las das Vorwort noch im Auto auf dem Parkplatz des Postamtes), und ich freue mich schon auf den angekündigten dritten Folgeband zum Thema: "Topothesie".
0Kommentar| 15 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 26. Oktober 2003
Wieder ein neuer Dueck. Nach "Omnisophie" jetzt der zweite Band der als Trilogie angelegten Reihe mit dem ebenso verwundenen Titel "Supramanie". Kann das gutgehen, kommt da Neues rüber, macht das Lesen Spass? Die kurze Antwort: Ja, es macht Spass, auch wenn das Lachen einem manchmal im Halse stecken bleibt.
Am Anfang stehen wieder die richtigen, natürlichen und wahren Menschen und ihre hypergeschärften Sensoren. "Vernunft ist 90% Trieb", so die provokante Kernaussage. Suprasysteme nutzen unsere Anfälligkeit für Kreuzzüge aus und schicken uns in den Kampf für höhere Ziele, jedes Jahr gegen einen neuen Feind: total quality, customer satisfaction, lean management und für die Uni-Leute Drittmitteleinwerbung, Interdisziplinarität, Modularisierung.
Wunderbar die Theorie der beiden versetzen Apter-Kurven, die Leistung als Folge der Anspannung wiedergeben. Nach Dueck ist die mit niedriger Anspannung für die richtigen Menschen, die Ordentlichen. Der höhere Stressfaktor ist gut für die natürlichen Menschen, die Krisenmanager. Was machen die Systeme, die zugleich prozessorientiert handeln und spontan reagieren wollen? Sie zielen auf die Mitte - zwischen die Kurven - und machen es dadurch niemandem recht.
Genau beobachtet, eigentlich ziemlich deprimierend. Wo bleibt das Heitere? Keine Sorge, Supramanie ist wieder ein echter Dueck. Es braucht eben etwas, bis die Dinge so zugespitzt sind, dass das Satirische durchbrechen kann. Etwa in einem der hinteren Kapitel, im "Martyrium des wahren Menschen", in dem der gefrustete, introvertierte Programmierer, der nicht mehr sozial sein will, sich wehrt. Die Kollegen werfen ihm vor, er bekäme sogar morgens im Hotel von der Kellnerin keinen Kaffee eingeschenkt, weil er niemanden anschaue. "Was interessiert mich die Kellnerin? Die sind doch alle unfähig bis zum letzten. Sie bringen von allein nie Kaffee her. Ich gehe nur noch in Hotels mit Tischthermoskannen."
Nur Dueck (und das wahre Leben) schreiben so. Beweis? Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 19. Okt. verrät uns, was das Erfolgsgeheimnis der wirklich Erfolgreichen ist, von Madonna bis Jil Sanders: Pilates Fitnesstraining. Erkennungsmerkmal: "ein elastischer Gang, eine garantiert fettfreie Körpermitte und die geradezu königliche Kopfhaltung." Weiter: "Im beinharten Konkurrenzkampf um Medienpräsenz und Top-Rollen kann es nicht schaden, nicht nur über einen unbegrenzt einsatzfähigen body, sondern auch über Haltung und Konstitution zu verfügen, die Nackenschläge aller Art leichter parieren lassen." Das, so möchte man fortfahren, sollten die zehn Millionen Looser in dieser Republik, deren Punktezahl im Suprasystem nur für einen Nackenschlag reicht, beherzigen. Oder?
Deshalb lesen wir anderen, die mit dem nicht unbegrenzt einsatzfähigen body, Duecks Bücher. Alle seine Bücher.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 18. Dezember 2003
Einmal mehr versteht es Dueck, den Nagel auf den Kopf der Zeit zu treffen! In Zeiten des Post-Internet-Booms scheint die Welt in der wir leben verrückt zu spielen. Sehenden Auges in die Katastrophe zu rennen läßt uns zunehmend gleichgültig, zumindest solange wir uns in der Sicherheit wiegen, daß es nur die anderen betrifft. Eindrucksvoll schildert Dueck jedoch die Konsequenzen für jeden einzelnen von uns, egal ob richtige, natürliche oder wahre Menschen: Im Strudel vielfältiger individueller Strategien verlieren wir uns selbst und tun alles, um uns das nicht eingestehen zu müssen. Lethargie und Resignation drohen Einzug zu halten, wenn wir uns der Situation doch gelegentlich bewußt werden.
Trotz dieser pessimistischen Einschätzung finden sich viele Verweise auf Ansatzpunkte, die Situation zu verbessern oder auch nur besser zu verstehen, wenn auch nicht unbedingt Hoffnung auf schnelle Besserung besteht. Aber Dueck wäre nicht Dueck, würde er uns nicht mit der Ankündigung eines dritten Bandes -Topothesie - zu trösten wissen.
Interessant macht das Buch außerdem, daß es immer wieder Abstecher zu verwandten Themenkomplexen macht, sei es das menschliche Miteinander (oder auch Gegeneinander: man beginnt zu begreifen, was die anderen eigentlich wollen und warum das etwas anderes ist als man selber will) , oder Verweise auf die Mem-Theorie sowie unser Verhältnis zu Wissen und der immer schneller steigenden Informationsflut.
Dieses Buch ist nicht kultverdächtig, es IST Kult!
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 21. November 2003
Dies soll nur ein Versuch einer Skizze sein, was „Supramanie" beim Lesen für Eindrücke hinterlies. Der „Sinns des Lebens made by Dueck" ist jedoch ein langsam wachsendes Pflänzchen, so dass ich nicht sagen kann, wie dieses morgen oder gar in 10 Jahren aussehen wird. Was ich nur schon ganz sicher weiß ist, es lohnt sich diese Pflanze in sich wachsen zu lassen!
Nun mehr vom Samenkorn:
Kennen Sie „das Pendel" von E.A. Poe? Ich habe es vor ungefähr 18 Jahren gelesen. Dennoch war mir beim Lesen von „Supramanie" dieses Bild im Kopf.
Bei Poe's Erzählung wird ein Mensch auf eine Art Tisch gefesselt, soweit ich mich richtig erinnere. Über ihm ein riesiges, rasiermesserscharfes Pendel, das quälend langsam sich herabsenkt mit jeder Pendelbewegung tiefer, bis es das gefesselte Opfer töten wird. Ganz langsam.
In den heutigen Systemen ist es ähnlich. Über uns das todbringende Pendel in Form des impliziten Vorwurfs: „Du bist unwert", das messerscharf über unseren Herzen hin und her schwingt. Gefesselt durch das, in der Kindheit implantierte Minderwertigkeitsgefühl.
Es geht in „Supramanie" wohl hauptsächlich darum, wie die Furcht vor diesem Pendel systematisch!! eingesetzt wird um Höchstleistung zu erzwingen.
Auf Kosten unserer Lebenswerte auf der Dueck-Pyramide! Unserer Lebensenergie.
Erreicht wird dadurch aber meist nur das Vorgeben von Leistung! Punktekrieg!
Oder hat ein Folterkeller der „heiligen Inquisition" jemals einen Christen hervorgebracht??
Gunter Dueck beginnt künstlerisch Ausdrucksstark mit der Beleuchtung der Mechanik der Suprasysteme. Wunderschön und scharfsinnig wird das Innerste dargestellt. Des Pudels Kern wird aber immer mehr zum eigenen, da wir ja die Suprawerte implantiert bekamen. Und im Laufe des Beschreibens der Topimierungsformen (wie schon in „Wild Duck" doch diesmal noch punktgenauer) wird der Finger so gnadenlos in unsere empfindlichsten Wunden gelegt, dass ich mich schutzlos und Selbstbild-zerzaust wiederfand.
Es geht ja dabei um nichts geringeres, als unsere Lebenslügen mit denen wir versuchen Punkte zu ergaunern von unseren Chefs, unseren Familien, von Gott?! Um von dem Pendel noch ein paar Minuten verschont zu bleiben. Da werden Sie vielleicht sogar ein wenig böse, weil es so weh tut.
Das liegt in der Sache.
Doch wenn Sie dennoch weiter lesen (was Sie unbedingt tun sollten), dann wird der reißende Fluss wieder ruhiger. Und Sie können sich gemeinsam mit dem Autor die Frage stellen, ob Sie dort bleiben wollen, so gefesselt unter dem Diktat des Höherwertigkeitswahns. Auch ein paar Gedanken über einen Ausweg werden angestellt. Eine Lösung ist noch nicht wirklich in Sicht. Aber wir könnten uns auf den Weg machen...
Und so klingt Supramanie aus.
Ein Buch, das mich geschmedig wie ein Monolog des Mephisto in „Faust" fesselte und mich hineinzog in das hoffnungslose Dunkel, das Erinnerungen an meinen Besuch des Kinofilms „Herr der Ringe2" wach rief. Mich schließlich entlassen hat, irgendwie angerührt, als hätte ich die Callas die Violetta in „La Traviata" singen gehört.
Nun genieße ich das Wachsen des Pflänzchens in mir, das meine Seele formt und bereichert.
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden
am 20. März 2004
Dieses Buch steht für mich in einer Reihe mit Erich Fromms "Die Kunst des Liebens", Douglas R. Hofstadters "Gödel, Escher, Bach" und Professor Hans Ruhs "Anders, aber besser". Es ist mehr als ein Dilbert ohne Bilder.
Auf den ersten Blick müsste dieses Buch depressiv machen, da es gnadenlos die Auswüchse in unserer Gesellschaft
anprangert, die uns kaputtmachen.
Doch für mich ist es im Gegenteil eine Ermutigung. Ich sehe, es gibt noch Andere, die ähnlich wie ich denken. Ich bin nicht allein !
Aber es werden nicht nur die Probleme dargestellt sondern auch die Ursachen analysiert. Dies gibt interessante Anregungen,
was man gegen die Supramanie tun könnte.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich? Missbrauch melden

Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken