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Kundenrezensionen

3,1 von 5 Sternen
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Die wunderbare Welt der Sekten: Von Paulus bis Scientology
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 5. November 2015
Als ehemaliges Mitglied einer christlich-fundamentalistischen Endzeitgemeinschaft gehört die Beschäftigung mit Religion(en), speziell der radikaleren Sorte, sicher zu meinem Lebensthema. Von daher war es nur eine Frage der Zeit, bis mir das Buch 
“Die wunderbare Welt der Sekten. Von Paulus bis Scientology” von Gerald Willms in die Hände fallen würde.
Der Autor, seines Zeichens Religionssoziologe und ehemaliger Lehrbeauftragter für Religionswissenschaften der Uni Göttingen, zeichnet sich durch das komplette Werk hindurch durch einen unaufgeregt-nüchternen, bisweilen plauderhaften Tonfall aus. Eine Tatsache, die so manchem typischem “Aussteiger”-Bericht ebenfalls zu wünschen wäre!
Dabei begibt sich Willms auf einen wahren Parforce-Ritt durch die schillernde Welt “abseitiger” Religiosität; ein Fakt, der zugleich Vor- und Nachteile mit sich bringt: Einerseits kann sich der Leser aufgrund der schier erschlagenden Fülle behandelter Religionsgemeinschaften einen recht guten Überblick über die wahre Vielgestaltigkeit dieser “Szene” (nicht nur im Hinblick auf christliche, sondern bspw. auch esoterische oder hinduistische Gruppierungen) bilden, was angereichert um fundierte historische Ausführungen z.B. zur Entwicklung des kirchlichen Mönchswesens oder des Umgangs mit Häresie seitens der alten sowie der mittelalterlichen (katholischen) Kirche sicherlich eine große Stärke des Buches darstellt.
Andererseits geht dieser auf 323 Buchseiten ausgebreitete Facettenreichtum fast zwangsläufig zu Lasten der Detailliertheit in der Analyse der jeweiligen Einzelgemeinschaft: Hier fällt dem neuapostolisch sozialisierten Leser natürlich sofort die fehlende Erwähnung der Bischoff-Botschaft im Zusammenhang mit der Darstellung der “katholischen Protestanten” (Willms über die NAK, vgl. S. 66 – 68) ins Auge.
Hervorzuheben ist jedoch noch etwas Anderes, was dem Werk eine zurecht exponierte Stellung innerhalb der Fülle an “Sekten”-Literatur verleiht: Und zwar besteht Willms konsequent auf einer nicht-apologetischen Position, d.h. auf dem Verzicht der Differenzierung nach “guter” und “schlechter” Religiosität (sprich: unproblematischer (“Groß-) Kirche” einerseits und konfliktärer “Sekte” andererseits). 
Hier macht der Autor mehr als nur einmal deutlich, dass es immer die gesellschaftlichen Mehrheits- und Normativitätsverhältnisse der “Normopathen” (vgl. S. 268) sind, die der durch dieses Werteraster fallenden einzelnen Gemeinschaft das “Sekten”-Label verpassen.
Ein großes Anliegen des Religionssoziologen ist es zudem, mit einer ganzen Reihe gängiger “Sekten”-Klischees aufzuräumen und wissenschaftliche Nüchternheit einziehen zu lassen.
So weist er darauf hin, dass die Theorie der “Gehirnwäsche” in den 1970er-Jahren aus ihrem ursprünglich militärischen Entstehungskontext entlehnt und auf die Debatte um die damals sog. “Jugendreligionen” übertragen wurde. Originär besagte jene These, dass während des Korea-Kriegs gefangen genommene US-Soldaten durch ihre kommunistischen Gegner mithilfe diverser Psychotechniken, Drogen etc. gewaltsam zum Seitenwechsel animiert worden seien.
Anhänger neuer Religionsgemeinschaften hätten sich – so Willms – jedoch einer sehr bewussten Entscheidung folgend zu ihrer jeweiligen Konversion entschlossen. 
Zudem nimmt der Autor möglicher aufkeimender Kritik an seinem Ansatz den Wind aus den Segeln, indem er betont: “Das Wichtigste aber ist, dass es ein Buch ist, in dem es um das ‘Verstehen’ geht. Dieses Verstehen darf freilich nicht verwechselt werden. Es geht dabei nicht darum, etwas gutzuheißen oder schönzureden, sondern um das Aufzeigen von Sichtweisen, die den ‘Normalen’ vielleicht helfen, das vorgeblich ‘Unnormale’ nachvollziehen zu können. Und zwar ohne dass damit der Zwang einhergeht, das Verstandene “richtig” oder “gut” finden zu müssen.” (S. 17)
Selbstverständlich gehe es nicht darum, “Aussteigern” aus diversen Gruppierungen die Realität ihrer zumeist negativen Erfahrungen in Abrede zu stellen, jedoch sei ihre Sichtweise eben nur eine mögliche und nicht repräsentativ für alle mit der speziellen Gemeinschaft in Zusammenhang Stehenden (aktiven wie ehemaligen Mitgliedern, Angehörigen etc.). 
Nicht gut wegkommen in diesem Werk die von Willms so getauften “Sektenmacher”, also diejenigen (zumeist kirchlichen) “Weltanschauungsexperten” sowie (Boulevard-) Journalisten, denen es selten um faire Darstellung, sondern um Schwarz-Weiß-Zeichnung von “gesunder” (evangelischer oder römisch-katholischer Mainstream) und “krankmachender” Religiosität bzw. um die möglichst reißerische “Aussteiger”-Story gehe.
Dieser Sichtweise ist sicherlich zuzustimmen, jedoch fällt auf, dass Willms in diesem eigens für diese “Sektenmacher” reservierten Kapitel 12 selten Ross und Reiter nennt und deren problematische Sichtweisen als O-Töne erst gar nicht zitiert.
Des Weiteren – und hiermit möchte ich meine kurzen Anmerkungen zu diesem insgesamt empfehlenswerten Buch beenden – wäre es wünschenswert gewesen, wäre Willms auch dem Phänomen der “Bewusstseinsmanipulation” nachgegangen (vgl. Detlef Streichs Ausarbeitungen “Konstitutive Merkmale der Neuapostolischen Kirche” und der darin verwendete Deutungsansatz nach Robert Jay Lifton sowie “Sprachliche Mittel zur mentalen Zwangsüberzeugung in der Neuapostolischen Kirche”). 
Der geneigten Leserin von Streichs Studie sollte demnach die Problematik des “betreuten Denkens” in diversen zumeist kleineren Religionsgemeinschaften sehr wohl als ethisch verwerflich einleuchten. Auch nach meiner eigenen Erfahrung als Hineingeborener in eine christliche Endzeitgruppierung lässt sie sich nicht so einfach argumentativ aushebeln wie Willms dies tut und was leider ein Manko seines ansonsten überaus lesenswerten Buches ausmacht.
In diesem Zusammenhang muss ganz klar auch zur Sprache kommen (was Willms auch versäumt), dass zumindest in einigen der traditionsreichsten (sprich ältesten) der behandelten Gemeinschaften (z.B. der Neuapostolischen Kirche) die Rekrutierung des Großteils der Mitglieder nur zu einem kleineren Teil über die Mission Erwachsener, i.d. Regel aber über die Sozialisation des eigenen Nachwuchses erfolgt, wodurch es den “Sektenkindern” (zumindest in den Fällen einer sehr rigiden Erziehung) an Außenkontakten und somit der Möglichkeit zu einer alternativen Sichtweise mangeln kann.
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am 28. Februar 2013
Gerald Willms: Die wunderbare Welt der Sekten.
von Paulus bis Scientology.
Mit einem Vorwort von Marco Frenschkowski.
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, 320 S.
--- ISBN 978-3-525-56013-6 ---

Gehören für den Soziologen Gerald Willms die „Sekten“ zur wunderbaren Welt dazu? Der Autor lässt daran kaum Zweifel. Die Vorzeichen vor dem, – wie dann auch immer gedeuteten Begriff: „Sekten“, -– waren im gewohnten Denken mit einer Minusklammer versehen. Gerald Willms bleibt in Beschreibung und Beurteilung unterschiedlicher religiöser Phänomene geschmeidig und leichtfüßig. Dabei liefert er einer Fülle von wissenschaftlichen Fakten, die seine Sichtweise bestätigen. Unspektakulär klärt der Autor in einer Sprache auf, die in den Überschriften, keine Panik aufkommen lässt.
Willms eigene Zugangsweise unterscheidet sich von den bekannten kirchlichen Kompendien. Die großkirchlich eingeleitete Frage: “Ist eine bestimmte Gruppe mit den Richtlinien der Großkirche in Übereinstimmung zu bringen, oder eben nicht?“, entfällt bei Willms. Die Frage: „Darf man – oder darf man nicht?“, wurde bis dato kirchlich erörtert. Willms hingegen sortiert nicht „gut und böse“ aus. Er lässt das Spektrum religiöser Erscheinungen einfach nebeneinander existieren. Für Willms trifft die gängige Anti-Sekten-Polemik nicht zu. Das gewohnte „Schwarz-Weiß-Denken“, fordert deshalb bei der Lektüre der wunderbaren Welt einige konzentrierte Veränderungen.

Das Buch ist im eigentlichen Sinne die endgültige Aufgabe der ehemaligen alleingültigen kirchlichen Deutungshoheit: Was als „richtig“ oder „falsch“, „wahr“ und „unwahr“ einzuschätzen ist, definierte im christlichen Abendland die Religion in Gestalt der Großkirchen. Was im Glauben „richtig oder falsch“ war, wurde von Gewalt und Inquisition durchgesetzt, und mit dem Aufkommen von Sektenbeauftragten Anfang der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts weitergesponnen. In der Gegenwart, wo Groß-Kirchen um gesellschaftliche Bedeutung ringen, wird diese Frage mittlerweile entspannter angegangen. Der notwendige Dialog hat auch in den Kirchen an Bedeutung gewonnen, abgesehen von einer geringer werdenden Zahl von Sektenbeauftragten, die immer noch lautstark rufen: „Es muss doch wenigstens einen Bösewicht geben!“ „Warum?“ fragt man nach der Lektüre des Buches – wenn auf einmal kein Bösewicht mehr auszumachen ist?
Was wäre wenn der deutsche Papst und der EKD- Ratsvorsitzende diese Leichtigkeit im Umgang mit religiösen Fragen an den Tag legen würden?
Das Entspannende an dem Buch ist: Der Autor muss nicht gegen jemanden oder gegen eine religiöse Richtung opponieren. Man ist bei der Einteilung in „recht“ und „unrecht“ schon auf sich selbst gestellt. Willms nimmt sich die Freiheit heraus, eigenständig zu entscheiden, was er selbst erarbeitet hat. Sogar das eigene Urteil zu Scientology hält der Autor einer angstverzerrten weltanschaulichen Opposition entgegen. Ich verstehe das als einen möglichen demokratischen Akt, der in der Religions- und Weltanschauungsfreiheit garantiert ist.
Ohne „Aus“- oder „Nicht-Ausgrenzen“ zu müssen, entspannt sich die religiöse Lage von selbst. Von selbst kann es zum heiteren Dialog werden. So lässt sich der Leser vom Autor zum eigenen entspannten Überblick von den Anfängen des Christentums bis in die Gegenwart mit einem Schuss Humor einladen. Jeder mag sich wie der Autor, eine eigene wunderbar- entspannte Welt erschaffen. Willms folgt seinem literarischen Vorbild: „IRRE, wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen.“ Der Kölner Psychiaters und Theologe Manfred Lütz stellte schon 2009 die Frage, wie gefährlich die Normalen sind.
Oder lassen die Normalen nur Humor vermissen? Oder wird es normaler, wenn bei der persönlichen religiös weltanschaulichen Einschätzung sogar mit einem Schuss Humor gedeutet wird? Der Drehbuchautor und Schriftsteller David Safir („Jesus liebt mich“, „Mieses Karma)“ nutzt die gegenwärtige weltanschauliche Verunsicherung ebenso wie der Kabarettist Dieter Nuhr (Nuhr wer's glaubt wird selig). Welche Befreiung wird erlebt, wenn sogenannte Glaubenswahrheiten im Lichte des Humors zusammengestellt und verstanden werden? Glaubenswahrheiten humoristisch neu verpackt, scheinen sich sogar zunehmend als Geschäftsideen zu entwickeln.
Mit Willms darf ich persönlich anmerken: Entspannt kann die Evangelische Kirche ihre Suche nach dem eigenen Profil aufgeben. Die Menschen selbst entwickeln bereits in jeder religiösen Richtung unterschiedlich vorhandene Profile. Wie gut ist, dass der Dialog, – vielleicht auch schon der Humor bei der Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) Einzug gehalten hat. Das Buch bietet weitere wunderbare Möglichkeiten, eigene Bilder zukünftiger Religiosität zu entwerfen.
Da Willms in der wunderbaren Welt der Sekten Martin Luther und sein Wirken eher negativ beurteilt, fühle ich mich als ev. Pfarrer herausgefordert, bei aller berechtigten Kritik an dem Reformator doch gegenzusteuern. Mich fasziniert auch heute noch der junge Luther. Jiddu Krishnamurti beschrieb ihn 1929 mit einem Satz: „...denn ich behaupte, dass die einzige Spiritualität, die Unbestechlichkeit des Selbst ist.“
Und man vergesse es nicht: Zur zeitlos gültigen Unbestechlichkeit gehört auch Humor. Gerald Willms verbindet Sachlichkeit mit dieser heiter gestimmten Gelassenheit. Sie macht das Buch so sympathisch.
Gerhard Kracht
ehemaliger Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen
der Evangelischen Kirche von Westfalen
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am 23. Januar 2013
Vorweg: Das Buch ist nicht geeignet für Leute, die nur eine Bestätigung ihrer vorgefertigten Meinung von der Gefährlichkeit aller oder auch nur bestimmter Sekten suchen. Der Autor hat vielmehr den Anspruch, jenseits von Ängsten, Schreckensberichten und Verunglimpfungen einen nüchternen Blick auf die Realität der vielen in Deutschland und in anderen westlichen Ländern anzutreffenden religiösen Gruppierungen zu werfen.

Auf 300 Seiten liefert der Religionssoziologe Gerald Wilms einen Überblick, in welchem er sich äußerst nüchtern mit der Realität der Sekten auseinandersetzt. Bei allem Anspruch auf Vollständigkeit fokussiert er dabei auf die westliche Hemisphäre, weswegen er leider auch das jüngste Phänomen des Salafismus und überhaupt den Islam weitgehend außen vor lässt. Zum Ausgleich holt er geschichtlich sehr weit aus. Unter anderem macht er dabei klar, dass auch das Christentum mitsamt seinen beiden auch in Deutschland vertreten Großkirchen einmal aus einer kleinen jüdischen Sekte hervorgegangen ist.

Wilms pflegt einen wissenschaftlich korrekten Agnostizismus, den er vollkommen unaufgeregt über die Gesamtlänge des Buches hindurch aufrecht erhält: "Einerseits ist es offensichtlich, dass alle Religionen (...) von Menschen gemacht sind. Andererseits kann man daraus aber nicht folgern, dass auch der tiefere Grund dieser (der religiösen) Artefakte - also beispielsweise Gott - von Menschen erfunden ist. Mithin ist genau die wissenschaftlich korrekte, weil 'wahrheitsneutrale' Position ein gemeinsames Ärgernis sowohl für Gläubige als auch für chronisch Ungläubige" (S. 228). Der Autor will weder schönreden und gutheißen noch verdammen oder verunglimpfen. Jede religiöse Spielart gibt zunächst einmal nur die grundlegenden weltanschaulichen Ansichten ihrer Anhänger wieder. Und nur um diese geht es in der Vielzahl der Beiträge. Aus Wilms' neutraler Perspektive sind sie dabei weder realitätsfremd und schon gar nicht verblendet, sondern einfach nur ihrer jeweils ganz spezifischen Weltwahrnehmungsperspektive verpflichtet. "Sekte" ist dabei übrigens ein Label, das sich niemand freiwillig anheftet.

Die Vielfalt der geschilderten Bekenntnisse ist schwindelerregend, und das, obwohl im Buch ständig betont wird, dass es sich nur um eine kleine Auswahl handelt, deren jeweilige inhaltliche Position noch dazu nur auf das Allerwesentlichste beschränkt wiedergegeben wird. Noch dazu betont der Autor wiederholt, wie sehr er sich zurückhalten musste, um nur nicht zu ausführlich zu werden und damit womöglich den Rahmen des Buches zu sprechen. Angesichts der Tatsache, dass allein die Anzahl der Bekenntnisse, die sich innerhalb des christlichen Protestantismus gebildet haben, circa 40.000 beträgt, ist das allerdings auch kein Wunder. Wilms gebührt das Verdienst, eine begehbare Schneise durch diesen ungeheuren Dschungel geschlagen zu haben und dennoch ein vergnügliches Lesen zu ermöglichen. Dennoch hat man den Eindruck, dass - abgesehen vom schon erwähntem Islam - nichts wesentliches Fehlt: Protestantische Sekten, von Buddhismus und Hinduismus Inspiriertes, Scientologie und sogar die Religion des "Fliegenden Spaghettimonsters" - alle (und viele mehr) sind sie da und werden erwähnt.

Am Ende wartet Wilms schließlich noch mit einer - wenn auch sehr groben - Typologie der Sekten auf, die immerhin eine erst Grundorientierung ermöglicht: Er unterscheidet zwischen "Adorno-Religionen" (Nach Adornos Zitat, wonach "kein wahres Leben im Falschen existiert"), "Feierabendreligionen" und "Ellbogenreligionen". Erstere warten auf die Apokalypse, um endlich das wahre Leben führen zu können, zweitere entsprechen den großen Konfessionen mitsamt ihren Sonntagsreden und letztere geben konkrete Anweisungen für den Erfolg im Diesseits (was auch immer sie jeweils darunter verstehen).

Wer mit der konsequenten Wertfreiheit umgehen kann, für den wird Wilms' Buch im Hinblick auf Fragen zu religiösen Sondergruppen sicherlich bald zum Standardwerk werden. Fehlt eigentlich nur noch ein Ergänzungsband zum Islam.
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am 13. Juli 2014
Als ich dieses Buch in die Hände bekam, war ich endlich froh, denn jahrelang hatte ich etwas gesucht, das einen Überblick über viele Religionen und Religionsgemeinschaften bietet. Nicht nur speziell eine gewisse Gruppe von Glauben, sondern einen Gesamtüberblick.
das Buch hat in einem Punkt total recht und darauf hatte auch ich lange gewartet, nämlich die Feststellung, dass es so etwas wie "Sekten" überhaupt nicht gibt; es gibt nur Religionsgemeinschaften, denn alle Religionen sind Sekten und alle Sekten sind Religionen, egal ob groß oder klein. Die Geschichte der Religionen ist die Geschichte von Glaubensgemeinschaften, die in ihren Ursprüngen, Lehren ,Zielsetzungen und Entwicklungen völlig unterschiedlich sind.

Es gibt auf dem deutschen Büchermarkt kaum ein Buch, in dem mehr geballte Infos über diesen Berich zu finden sind. Aber die Interpretation der selben hinterlässt bei mir doch einen komischen Nachgeschmack:
1. Dass Scientology an den Pranger gestellt wird, wird irgendwie bagatellisiert, nach dem Motto, andere Organisationen machen auch schlechte Sachen. Dass ist ja auch zum großen Teil ein in den Medien aufgebauschtes Thema gewesen, was aber nicht heißt, dass man die internen Repressalien dieser Gemeinschaft einfach als "eine Art Psychologie" abtuen kann. Intern bei Scientology gibt es Folter, Zwangsarbeit, und einen Geheimdienst. Das hat nicht jede Religionsgemeinschaft.
2. Die Mormonen werden als eine von vielen christlichen Lehren dargestellt. Stimmt ja auch irgendwie, denn die katholische Kirche als Beispiel hat ja auch 2000 Jahre lang Material erfunden, dass mit der Lehre Jesu und der Bibel nichts mehr zu tun hat. Doch die Mormonen-Kirche wird intern sehr straff geführt, was für viele Menschen nicht unbedingt erträglich ist.
3. In diesem Buch gibt es etwas Wichtiges, worauf nicht eingegangen wird: der zunehmende Einfluss des Islam in der westlichen Welt. (da bin ich wahrscheinlich nicht der einzige). Schade! Die Inhalte des Buches sind Infos aus dem 20. Jahrhundert. Vieles ist zwar als Information hoch interessant, aber doch halt irgendwie veraltet.
4. Die negativen Aspekte von Religionen werden nicht genauer beleuchtet, nach meiner Meinung. D.h. vor allem, wie sie intern geführt werden. (wie beschrieben)

Zu meiner eigenen Person: ich bin katholisch, gehe seit Papst Franziskus wieder jeden Sonntag in die Messe. Ich bin Anhänger des jüdischen-christlichen Weltbildes, habe aber nichts gegen andere Weltsichten, wenn man vernünftig reden kann, denn auch in anderen Teilen der Welt haben die Menschen jahrtausende lang gelebt ohne "unsere Sicht der Dinge". Religion ist eine Suppe, die man niemals so heiß essen sollte, wie sie gekocht wird.
Das 21. Jahrhundert wird ein religiöses Jahrhundert werden. Auch diese Einsicht fehlt in diesem Buch.
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VINE-PRODUKTTESTERam 29. Januar 2013
Gerald Willms will keinen Sektenführer zum Besten geben und auch keine Schneisen durch den Dschungel der manchmal verwirrenden Welt der Sekten schlagen. Aber er schlägt einen schönen Weg ein, sich mit dem Phänomen "Sekten" intensiv auseinanderzusetzen, sich in die Lage Betroffener zu versetzen und sich einzusetzen für einen ehrlichen Umgang mit dem Glauben.

Auf über dreihundert Seiten gelingt es dem Religionssoziologen, etliches zu klären und zu erklären oder klarzustellen. So stellen die vierzehn Kapitel eine Fundgrube für Einblicke in manch Sonderwege oder sonderbare Wege des Christentums (und darüber hinaus!). Es wird deutlich, dass eine Verteufelung von Sekten nicht weiterhilft, ebenso wenig eine Verharmlosung. Auch eine Aufklärung alleine ist wenig hilfreich. Stattdessen ordnet Gerald Willms die "wunderbare Welt der Sekten" in einen breiteren Kontext ein und verfährt dabei zumeist sehr ordentlich.

Hervorzuheben ist, dass seine Hintergrundinformationen und hilfreichen Hinweise in einem lockeren Ton daherkommen, der anregend ist und das Buch fast zu einer leichten Kost werden lässt. So ist das lesefreundliche Buch auch für Laien bestens geeignet!

Nach einem kirchenhistorischen Überblick blickt das Buch auf die Reformation und die protestantischen Sekten, um dann die radikalen Christen der Gegenwart in Blick zu nehmen. Dass er hierzu auch die Evangelikalen (die es in einer homogenen Gruppe ja gar nicht gibt) einordnet, kann mindestens befremden. Überhaupt werden sich so manche christliche Gruppen wundern, hier in diesem Buch sich wiederzufinden ...
Katholische Sondergemeinschaften werden in Kapitel 4 erläutert, um dann einen Blick auf moderne Esoterik zu werfen. In Kapitel 6 werden dann knapp die Templerorden, Rosenkreuzer, Freimaurer und okkulte Phänomene beleuchtet.

Klassische Sekten und Gurus werden klasse in Kapitel 7 vorgestellt, und unter dem Titel "Gurus im Westen" das Phänomen Guru nochmal besonders in Frage gestellt. Die Trendreligionen der Gegenwart werden auf zwanzig Seiten behandelt. Ein besonderes Bonbon stellt das Kapitel 10 dar, in dem es um Psychogruppen und Scientology geht. Elf Seiten umfasst das elfte Kapitel "Was zum Teufel ist Satanismus?".

Dass Sonderliches nicht nur eine Frage der Religion ist, sondern durchaus auch der Politik und Wirtschaft wird zwar nur knapp, aber kompetent in Kapitel 12 veranschaulicht, um dann in Kapitel 13 die "religiösen Tragödien der Gegenwart" aufzuzeigen.

Das 14. Kapitel "Versuche zur Vermessung von Religionen" veranschaulicht die Relativität mancher Einsichten und Ansichten und zeigt nochmal eine ganz persönliche Nuance des Buches.

Hervorragend ist das ausführliche Register, das das rundum empfehlenswerte Buch abrundet: neben Personen und Sachen werden auch die Relgionen und religiösen Bewegungen aufgeführt.

Ein anregendes Buch, das auch mit Widerspruch wertvolle Einsichten und Einblicke vor Augen führt.

Empfehlenswert!
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am 19. März 2016
finde es generell überheblich und auch nicht möglich , das ein mensch sich anmaßt , über das glaubensthema und seinen ausdrucksformen
ein buch zu schreiben und auch meint , das objektiv meistern zu können
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am 16. Mai 2016
Ich hatte mir das Buch bestellt in der Annahme, sachliche Analysen der verschiedenen Sekten zu erhalten, insbesondere in Bezug auf ihre Wirkungsweise beziehungsweise -methoden. Der (offensichtlich atheistische) Autor hatte aber scheinbar einfach nur die Intention, sich über alle Sekten lustig zu machen, sie lächerlich zu machen. Wenig sinnvolle Lektüre.
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