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am 27. August 2014
Die Hauptfigur des Romans „Fliehkräfte“ ist der Bonner Philosophieprofessor Hartmut Heinbach. Er ist Ende Fünfzig und steckt in einer verspäteten Midlife-Crisis. Seine Frau Maria arbeitet für einen Theaterregisseur in Berlin, der sich als Enfant-Terrible seines Genres einen Namen gemacht hat. Harmut und seine Frau führen seit längerer Zeit eine Fernbeziehung. Die Ehepartner sehen sich maximal an den Wochenenden und im Urlaub. Beide haben eine gemeinsame Tochter, Philippa, die bereits erwachsen ist und studiert. Hartmut erhält ein Jobangebot in Berlin, für das er jedoch seine sichere Professur und einen Gutteil seiner Altersversorgung aufgeben müsste. Im Gegenzug könnte er wieder mit Maria zusammen leben. Vor dem Hintergrund der zu treffenden Entscheidung tritt Hartmut eine Reise an. Er besucht Menschen, die in seinem Leben eine Bedeutung hatten, taucht ein in seine Vergangenheit und reist schließlich über Spanien nach Portugal, wo er sich mit Maria treffen möchte…

Das Buch thematisiert Anpassung, Verstellung, Lebenslügen und deren Demaskierung

„Es war bereits etwas falsch an der Art, wie sie jetzt versuchten, alles richtig zu machen, nicht enttäuscht oder gekränkt zu sein, weder Scham noch Reue zu empfinden.“

Hartmut hat sein Leben strukturiert gelebt, an den Maßstäben der Anpassung und der Vernunft ausgerichtet und nach beruflichem Erfolg strebend. Er übersieht jedoch, dass er in Beziehungsgefügen lebt, andere Menschen eine Eigendynamik haben, die ihrer eigenen Logik oder Unlogik folgt und Emotionen und Handlungen in Bewegung setzt, die er nicht kontrollieren kann. So wie Fliehkräfte auf alle Objekte eines Bezugssystems wirken und nicht nur eine isolierte Bewegung erzeugen.

Die Frage wird aufgeworfen, warum wir wählen, was wir wählen, was wir dafür bekommen und was es uns kostet.

Hartmut muss(te) die Zeche zahlen, für das Leben, das er gewählt hat, mit seinen Vor- und Nachteilen.

Die Figuren im Roman sind authentisch gezeichnet. Die Sprache wirkt an einigen Stellen leider pathetisch und hochtrabend, Interpretationsvorlagen lauern hinter jedem schlauen Satz.

Ich mochte das Buch trotzdem. Es erzählt eine glaubhafte Geschichte von großen Verletzungen und von kleinen, von Wunsch und Wirklichkeit und dem Leben dazwischen.
13 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 6. Juni 2018
Kann es sein, dass sich Stefan Thome schlechthin zum Meister des subtilen Alltagsrealismus in der deutschsprachigen Literatur entwickelt hat? Ob die Mikro-Kommunikation zwischen Menschen in Beruf und Beziehung, das Leben auf der Straße, im Auto, im Restaurant oder im Büro: Die Realität, die uns (trügerisch) vertraut ist, verarbeitet er zu einem gehaltvollen Konzentrat, zu seinem literarischen Werkstoff. In den besten Passagen spiegelt oder kommentiert jedes Detail dieses Realismus die innere Dramaturgie der Beziehungsgeschichten, die Thome erzählt. Wo er abfällt, kippt er in eine flache "Fotografie" des Alltags, die stilistisch glänzt, literarisch aber blutarm ist.

Der "Thome-Effekt" kommt auch in den "Fliehkräften" ganz und gar zur Entfaltung: Ständig lugst Du nach der nächste freien Stunde, um weiterzulesen. Beim zwischenzeitlichen Zuschlagen des Buches brauchst Du ein, zwei Minuten, um dich wieder aus dem Sog der Erzählung herauszutasten.

Dennoch, streckenweise empfand ich das dichte Gewebe des Romans als fadenscheinig: Die übergeordnete zyklische Zeit- und Lebensebene des "Grenzganges" fehlt dem Roman spürbar, lässt die Dramaturgie bei allen Zeitsprüngen etwas flach und linear erscheinen. Über längere Passagen, wie dem Besuch bei Bernhard Tauschner in Südfrankreich, konnte ich - wiewohl flott zu lesen - nicht erkennen, was sie für die Erzählung leisten sollen. Männerfreundschaften liegen dem Autor nicht wirklich, da riecht es schnell nach den Versatzstücken von "Alter Junge!" und "mal gemeinsam grillen". Die Hauptfigur an der Schwelle zum Lebensabend ist im Detail und in Passagen unerhört sensibel gezeichnet - und doch im Gesamtbild für mich wenig fassbar: Kann es wirklich sein, dass ein Lehrstuhl-Inhaber für Philosophie sich in seinem Innenleben so kein bisschen unterscheidet von den Denkmustern und Reflexionen eines durchschnittlichen Akademikers, der auch Zahnarzt sein könnte? Vielleicht liegt die mangelnde Fassbarkeit mancher Thome'schen Figuren ja auch daran, dass er sie so sehr aus der Nähe seziert. Womit wir am Ende doch wieder bei der einzigartigen Stärke von Stephan Thome wären ...
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am 24. Januar 2015
Grenzgang war ein brillianter Roman über das Lebensgefühl der 40jährigen (zumindest der rotgrün angehauchten Akademiker unter ihnen). Fliehkräfte springt knapp 20 Jahre weiter, Ende 50, ANfang 60, die Kinder sind aus dem Haus, die Karriere ist gemacht. Was bleibt, was fliegt auseinander? Unaufgeregt lernen wir die Hauptperson in Rückblicken kennen - ähnlich wie in Grenzgang - und man fragt sich, wie viel davon wird in uns stecken, in den 2030er Jahren. (zumindest bei den Lesern, die in etwas so alt sind wie der Autor). Die Zeitsprünge machen das Buch kurzweiliger als das Fehlen von wirklicher Handlung vermuten lassen würde. Nur gegen Ende, als sich Professor Hainbach auf einen Roadtrip Richtung Portugal aufmacht (und es also in der Tat so etwas wie eine Handlung im klassischen Sinne gibt), zieht es sich etwas.

Seinem Stil bleibt Thome treu, klassisch schön geschrieben mit einem leichten Hang zum Bürokratischen. Ich mochte das Buch, und finde einige der schlechten Bewertungen wenn auch teilweise gut begründet etwas zu harsch, was möglicherwese dem Abfall gegenüber Grenzgang geschuldet ist. Ob allerdings ein Buch aus der Sicht von Maria (Thomes Neues) wirklich nötig ist ... da bin ich eher skeptisch.
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am 8. Mai 2015
Ist man einmal Professor und im Bildungs-Olymp angekommen, ist man doch da, wo man sein sollte, hin wollte. Aber was kann man erreichen, bewirken, bedeuten? Auch hier stößt man schnell auf die alltägliche Realität, die Bürokratie, die Banalität, die Grenzen. Und das Vergleichen hört nicht auf, die Götter sind nicht alle gleich. Ist die eigene kritische Haltung eigentlich aufrichtig, oder findet sie ihren Ursprung darin, dass man zu den minderen Göttern gehört?

Schwierig ist es, herauszufinden, was man wirklich will, was einem wichtig ist, wohin man will. Der Mensch hat einen bestimmten Vorrat an Energie, wie will er sie einsetzen. Hat er eine Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit, oder ist das schon Selbstüberschätzung? Sind menschliche Beziehungen, der kleine Zirkel von Familie und Freunden, ist die Liebe das Wesentliche oder ist dieser Rückzug auf das Private egoistisch, kleingeistig?

Nicht nur der Protagonist, Hartmut Hainbach, hat mit seinen fast 60 Jahren noch nicht viele Antworten auf seine Lebensfragen gefunden. Auch die übrigen Personen in diesem Roman haben ihre liebe Mühe, Zufriedenheit und Ruhe in ihrem Leben zu finden. Sie sind auf der Suche. Was sie eint, ist, dass sie vor allem denken, die Antworten an einem anderen Ort zu finden. Wo man gerade ist, ist eher weniger gut, woanders ist es bestimmt besser.

Der Luxus, keine existentiellen Sorgen und viel Zeit zu haben, wird kaum als solcher empfunden. Könnte Maria, Hainbachs Frau, doch jetzt die Bücher lesen, die sie immer schon lesen wollte, kann sie sich vor lauter innerer Unzufriedenheit nicht darauf konzentrieren. Stattdessen schaut sie heimlich amerikanische Serien, schämt sich deswegen zu Tode und legt regelmäßig das Lesezeichen in den anspruchsvollen Büchern weiter. Und Hartmut ist völlig entgeistert, als er viele Jahre später entdeckt, dass seine Frau solchen Schund konsumiert hat. Er kann das Wort Schund vor lauter Widerwillen kaum zu Ende denken. Dieser Bildungs-Snobismus, der hier und auch an anderen Stellen des Romans durchschimmert, ließ mich etwas auf Abstand gehen. Geht es eigentlich wirklich ums Eingemachte, oder doch hauptsächlich um gesellschaftlichen Status? Geht es darum, wer man ist, wie man sein will, oder doch wieder darum, wie man sein sollte, verglichen mit anderen?

Das ist es, was mich am Ende etwas enttäuscht hat, die fehlende Dringlichkeit, das ausbleibende Abpellen der Schichten, bis zum Kern. Die Selbstkritik, die eigentlich eine verkappte Selbstzufriedenheit ist. Dass man damit kokettiert, nicht empathisch zu sein und die Frauen nicht zu verstehen, aber eigentlich das Gegenteil denkt.

Und doch habe ich das Buch ausgesprochen gern gelesen und mich in vielem wiedergefunden, bin ich doch auch ein saturierter Bürger, nur nicht ganz so Bildungs-.
Ich mag einfach sehr gern Stephan Thomes Schreibstil, ich fühle mich wohl damit. Er kann so gut Stimmungen kreieren, Atmosphären schaffen, Erinnerungen aufrufen, er schafft es, Ortsbeschreibungen zu geben, die nicht langweilig sind und bei Liebes/Sex-szenen nicht platt und peinlich zu werden.
Und ich mag besonders die Wehmut, die unter allem liegt und die ich als authentisch empfinde. Besonders gesprochen zu mir hat eine Strandszene mit einer jungen Familie (S. 206), bei der ich in die Vergangenheit gereist bin und die Kehle etwas eng wurde: "Am liebsten würde er zu den Eltern hingehen und sagen: Besser wird's nicht mehr. Genießt jede Minute."
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am 22. Februar 2015
Die Story ist einerseits sehr realistisch geschrieben. Die Dialoge gefallen mir da sehr gut - aber in ihnen handeln durchgehend Menschen mit einer solchen geistigen Präsenz und Lebensreflektion, dass es schon wieder unwirklich wirkt, auch wenn es sich angenehm und anregend liest. Es gibt ein paar eingestreute Wendungen in der Story, die reizvoll und sehr unerwartet sind. Aber dann gibt es auch nicht schlecht geschriebene, nicht wirklich abgegriffene, aber dennoch für mich uninteressante Längen im Buch, Naturbeschreibungen, die wie eingefügte Notizen wirken, deren Detailreichtum überflüssig ist, Beiwerk, Schmuck. Besonders gefallen hat mir, wie unterschwellig die Sympathie der Frau zum Mann immer wieder durchscheint (erwidert durch sein eher kindliches, wenn auch verständliches "ich will nicht alleinsein", das allerdings weniger reflektiert wird als alles übrige, allgemeine im Leben des Protagonisten). Deshalb: Gute Lektüre mit Verbesserungspotenzial
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am 8. Mai 2016
Wirklich gute Reflexionen und dann immer wieder ein seitenlanges Auswalzen von Banalitäten . Seitenlang über das automechanische einer Reise. Außerdem ist der ganze Aufhänger der Geschichte nicht überzeugend: nämlich die Entscheidung Bonn oder Berlin ist trivial. In Deutschland gibt es so viele Spagatprofessoren die an einem Ort leeren und am anderen Ort leben und 5 Stunden Zugfahrt zwischen Berlin und Bonn brauchen wirklich keine existentialistischen-Ängste hervorrufen.

Andererseits sind Beziehungsstress Probleme gut beschrieben besonders die der sinnlosen Mikroaggression die jedes Gespräch zwischen dem Protagonisten und seinem Gegenüber immer wieder produzieren - auch wenn der Protagonist einfach genau so unsympathisch ist wie der im ersten Roman des Autors.
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am 10. März 2015
Im Gegensatz zu vielen anderen hat mich das Buch nur teilweise angesprochen. Ich fand die Personen eher schablonenhaft gezeichnet: Mann mit Ende fünfzig frustriert im Beruf, Frau Mitte vierzig will ein anderes Leben und zieht alleine um, Ex-Uni-Kollege betreibt Lokal in Frankreich, Tochter outet sich als lesbisch. Der Mann orientiert sich am Jakobsweg, allerdings mit dem Auto. Das Ende wirkt willkürlich, als müsse der Autor nach vielen Buchseiten jetzt endlich mal einen Schlusspunkt setzen. Einige interessante Passagen, aber auch an vielen Stellen blutleer und zäh.
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am 21. Juli 2017
Philosophen, die solche Bücher schreiben, über das Denken, Fühlen, über das normale Leben, sind rar. Intelligent sowieso,
voll Detailbetrachtungen, voll großer und kleiner Spiegelungen, voll Erzählkunst. Über sich selbst und doch gerne in Fiktion. Das Buch ist ein Juwel.
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am 30. April 2017
Ein lesenswertes Buch, nicht nur die Geschichte, auch die Erzählweise, das Verwenden der Sprache, ein Erlebnis (um Gewinn/ Bereicherung zu vermeiden) für mich und vielleicht jede(n) die/der gerne liest.
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am 23. Juni 2016
Dieses Buch hat mich von Anfang an gefesselt. Die beiden verschiedenen Charaktere der Protagonisten, ihr Lebensweg mit allen Schwierigkeiten und doch so vielen Gemeinsamkeiten. Ein wunderschönes Buch nicht nur für den Urlaub.
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