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am 15. Mai 2017
„Flughunde“

Die Graphic Novel von Ulli Lust, „Flughunde“ ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Marcel Beyer der 1995 erstmals erschienen ist.
Ulli Lust schafft es durch ihre ausdruckstarken Bildern und den vielen Lautmalereinen eine erbarmungslose und verstörende Stimmung zu erschaffen.
Durch zwei Erzählstränge, die parallel zu einander verlaufen, wird jeweils aus dem Leben von Herrn Kranau und Helga Goebbels während des zweiten Weltkrieges berichtet. Hermann Kranau ist eigentlich ein sympathischer und ruhiger junger Mann, der besessen von Tönen und Geräuschen aller Art ist. Dieser arbeitet als Akustiker im Dienste der Nationalsozialisten gegen Ende des zweiten Weltkrieges. Doch hinter der freundlichen Fassade von Hermann Kranau erkennt man, dass er ein grausamer und skrupelloser Mann ist. Er ist besessen davon die menschliche Stimme zu erforschen und sie auf Tonträger zu verewigen. Dabei schreckt er auch nicht vor grausamen und tödlich endenden Experimenten mit KZ-Häftlingen zurück.
Helga ist die älteste Tochter des Reichspropagandaministers Josef Goebbels, zu Beginn der Erzählung erlebt sie mit ihren fünf jüngeren Geschwistern eine noch recht unbeschwerte Kindheit. Doch diese Kindheitsidylle zerfällt im Laufe der Zeit immer mehr und spätesten im April 1945 hat auch sie der Krieg erreicht. Das junge Mädchen blickt immer weiter hinter die Lügengeschichten der Eltern und Erwachsenen und am Ende kann sie ihr Schicksal bereits ahnen und sie akzeptiert es.
Beide Erzählungen überschneiden sich immer wieder im Laufe der Geschichte, da Hermann Kranau der Familie Goebbels nahe steht. So trifft Kranau die achtjährige Helga zu Beginn der Erzählung im Garten der Goebbels zum ersten Mal. Zum Schluss begegne sich die beiden im Bunker der Berliner Reichskanzlei, dort wo die Geschichte auch ihr unheilvolles Ende nimmt.
Eindrucksvoll schafft es Ulli Lust die Grausamkeiten des Krieges und des NS-Regimes darzustellen. Durch die Verwendung von abstrakten Lautmalereinen und unterschiedlich Linienmustern, setzt sie den Wahnsinn des Krieges ausdruckstark in Szene. Lust gelingt es die Laute und Geräusche des Krieges zu visualisieren und so „ROAAAAAROOOAARRRR“ ein Fliegerangriff über die Seiten, die Schreie der Soldaten „AHHHH“, „OHHH“ lassen einen erzitterten und Granaten zerfetzten die Szenenbilder. Mit Hilfe von Speedlines werden die Stimmen und Laute beschleunigt oder verstärkt und gezackte Linien symbolisieren extreme Lautstärke. Um die unterschiedlichsten Klänge zu verdeutlichen bedient sich Ulli Lust allen wohlbekannten comictypischen Lautdarstellungen.
Mit ihrer Adaptation von „Flughunde“ erzeugt Ulli Lust Bewunderung wie aber auch Unbehagen. Verstärkt wird die Beklommenheit durch die zurückgenommen Farben, es dominieren vor allem dunkle Farben, Erdtöne und Grauschattierungen. Damit wird die beklommene und deprimierende Stimmung dargestellt. Zu Beginn der Erzählung, zeichnet Lust das Leben ihrer Protagonistin noch in hellen gelb-organe-rot Tönen, dadurch wird die kindliche und naive Sicht von Helga auf die Welt verdeutlich. Doch im Lauf der Geschichte verdüstert sich das Leben von Helga und ihren Geschwistern immer mehr, bis zum Führerbunker wo die Farben vor allem aus Braun und Grau bestehen. Damit zeigt Ulli Lust auch, dass die Protagonistin nun in der Erwachsenenwelt angekommen ist und ihr Ende vorausahnt.
Die Darstellungsweise von Ulli Lust ist halbrealistisch, die Zeichnungen erscheinen immer wieder naive und kindlich. An einigen Stellen, verlässt die Zeichnerin ihren Stile und die Zeichnungen und Figuren werden abstrakter und karikierender. Dadurch verstärkt Lust den beklemmenden Eindruck der Geschichte, gleichzeitig verdeutlicht sie aber auch die Lächerlichkeit des Bösen. So zum Beispiel in einen der letzten Szenen im Führerbunker, wenn der geistig labile Adolf Hitler kein Nougat mehr zu sich nehmen möchte, wird das als Zeichen für den endgültigen Niedergang des „Dritten Reiches“ gesehen. Auffallend ist, obwohl die Geschichte währende NS-Regime spielt, verwendet Ulli Lust kein der üblichen nationalsozialistischen Zeichen und Symbole. Trotzdem stellt sie den schrecklichen Alltag während dieser Zeit ausdrucksstark da, wenn zum Beispiel die Kinder Goebbels die NS-Wirklichkeit, jung und naive wie sie sind, nach spielen.
Die Graphic Novel „Flughunde“ ist eine unglaublich faszinierende und erschütternde Leselektüre. Die Zeichnungen sind aufwendig und bildstark und gleichzeitig berührend und verstörend. Man kommt den beiden Protagonisten in ihrem Alltag und Gedankenwelt sehr nahe. Die Atmosphäre, welche Ulli Lust schafft, ist düster und beklemmend und man kommt am Ende nicht darum um Mitgefühl für Helga und Hermann zu empfinden. Obwohl sie auf der Seite des NS-Regimes standen.
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am 20. September 2017
Ich kann mich nur den anderen Rezensenten anschließen: Dieses Buch hat mich sehr berührt, lange Zeit beschäftigt, die Geschichte ist so eindringlich erzählt, und gibt einen erschreckend realistischen Einblick in die Familie der Kinder. Brrrrrrrrrr........ UNBEDINGT LESEN.
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am 26. Juli 2013
Diese Graphic Novel erzählt uns die Geschichte von Herrn Karnau, einem sympathischen, netten Mann, der sein Leben der Akustik gewidmet hat, er ist richtig besessen davon. Karnau wird gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zum Helfer der Nazis. Der zweite Erzählstrang lässt uns teilhaben an der zunächst beschaulichen und behüteten Kindheit der 6 Kinder von Reichspropagandaminister Goebbels. Erzählt wird dieser Erzählstrang aus der Sicht der ältesten Tochter Helga in der Ich-Perspektive.

Karnau betreibt Forschung an der menschlichen Stimme. Er macht grausame Experimente an armen, hilflosen Menschen. Seine Akustikkenntnisse werden für die Propaganda-Radiosendungen und -Veranstaltungen von den Nazis genutzt.

So nach und nach stellen sich Helga und ihre Geschwister Fragen, blicken hinter die Kulissen, was ihnen Vater und Mutter rosarot präsentieren. Sie hinterfragen die Radiosendungen des Vaters, die "Krankheit" der Mutter. Gegen Ende des Krieges bekommt die Idylle in der die Kinder leben, große Löcher. Die Kinder fragen sich beispielsweise, warum sie keine Zahnbürsten und kein Nachtzeug mitnehmen müssen, als sie in den Bunker gehen. Warum wird plötzlich ihre Hygiene so unwichtig? Die Ahnung, von den Eltern belogen zu werden,wird zur Gewissheit. In diesem Bunker treffen die Kinder auf Karnau und dessen Hund, der sie von ihren Sorgen etwas ablenkt. Helga vertraut diesem freundlichen Mann. Doch das Ende der 6 Kinder ist bereits von der Mutter geplant. Karnaus Geschichte dagegen endet in den 90er Jahren, als ein weiterer Bunker mit Tonmaterial entdeckt wird.

Ulli Lust schafft es mit ihren Comicbildern eine verstörende, grausame, Atmosphäre zu erschaffen. Sie spielt mit Farben, Lauten, Mimik der Personen und bringt so eine Spannung in die auf reellem Hintergrund basierende Geschichte. Diese Graphic Novel ist sehr aufwendig gezeichnet.

5/5 Sterne für diese auf sprachlich und zeichnerisch hohem Niveau bewegende, außergewöhnliche Graphic Novel, die verstört, zum Nachdenken anregt und den Leser noch lange beschäftigt. Meine absolute Leseempfehlung für dieses ganz besondere Buch.
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am 15. Dezember 2014
Romane und andere schon bestehende, "bewehrte" Texte in Graphic Novels zu übertragen, da kannte ich bisher kein einziges gelungenes, empfehlenswertes Beispiel. Oft haben Zeichner den Text anders verstanden als ich, oft haben sie sich wenig Mühe bei ihrer Arbeit gemacht und oft haben sie einfach komplette Ebenen unterschlagen.
Eine angenehme, faszinierende Ausnahme sind die "Flughunde".
Die Auswahl der gezeichneten Szenen ist sehr gut getroffen. Die Zeichnerin hat sich offenbar sehr intensiv mit der Vorlage auseinandergesetzt, sich vertieft, ist in sie eingedrungen und war von ihr fasziniert. Sie hat die Arbeit eines hervorragenden Übersetzers geleistet. (Hier sei an einen [den] Spruch von José Saramago erinnert.)
Die Textsequenzen sind prägnant und stimmig, das Lettering angenehm zu lesen. Die Qualität der Zeichnungen rechtfertigen einmal mehr den Ruf von Ulli Lust.
Es ist bitter, langsam eine gewisse Nähe zu Helga, Hildegard, Helmut, Holdine, Hedwig und Heidrun aufzubauen, zu wissen, was um sie herum geschieht und es doch kaum gezeigt zu bekommen, zu wissen, auf was alles zusteuert bis hin zum Satz der Mutter: "Die Welt, die nach dem Führer ... kommt ist nicht mehr wert darin zu leben..."
Kein Buch für "Mal so eben nebenbei", ein ernstes, erschreckendes und gleichzeitig faszinierendes Buch. Gewiss kein Buch, das geeignet ist, sich einen Zugang zu Graphic Novels zu verschaffen, doch innerhalb des Genres ausgesprochen empfehlenswert.
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am 1. Juli 2013
Diese Graphic Novel der österreichischen Künstlerin Ulli Lust nach dem gleichnamigen Roman von Marcel Beyer erzählt die Geschichte von Herrn Karnau, ein fanatischer Akustiker im Dienste der Nazis gegen Ende des zweiten Weltkriegs. Es ist aber auch die Geschichte von Helga, der ältesten Tochter des damaligen Reichspropagandaministers Josef Goebbels. Während Karnau die Instrumentalisierung der Sprache durch die Propaganda und die Erforschung der menschlichen Stimme mit grausamen Experimenten vorantreibt, verlebt Helga Göbbels eine anfangs noch unbeschwerte Kindheit. Doch spätestens im April 1945 erreicht der Krieg auch ihre Kindheitsidylle.

Lügen, Falschheit, Heucheleien und Unwahrheiten: das waren die soften" Grundpfeiler der Nazidiktatur, hauptsächlich initiiert durch Josef Göbbels als Propagandaminister mit Hilfe seiner Frau Magda Göbbels. Und wer ein ganzes Volk verführen kann, der macht es auch im Kleinen, sprich innnerhalb der Familie. Wie reagieren also Kinder, die nach und nach entdecken, dass die Welt um sie herum ein großes Lügengebäude ist und sie auf einen tragischen Untergang zusteuern?

Parallel dazu wird die Geschichte aus der Sicht von Herrn Karnau erzählt, ein typischer Technokrat mit einem absoluten Gehör" in den Diensten der Nazis. Karnau ist eigentlich ein freundlicher und hilfsbereiter Mann, dem man sich blind anvertrauen könnte und der vor allem zu Helga Göbbels ein freundschaftliches Verhältnis aufbaut. Doch hinter dieser netten Fassade steht ein grausamer, emotionsloser Scherge, der an hilflosen Häftlingen bestialische Akustikexperimente durchführt.
Beide Handlungsfäden überschneiden sich im Laufe der Geschichte immer mehr und finden im Bunker der Berliner Reichskanzlei schließlich ihr fatales Ende.

Man sollte sich schon darauf einstellen, hier eine verdammt unverdauliche Comickost vorgesetzt zu bekommen: verzerrte Geräusche und Bilder, beängstigende Stimmungen und subjektive Texte prasseln auf den Leser ein und wirken noch ziemlich lange nach. Besonders bedrückend ist dabei der reale Hintergrund, vor dem die Doppelgeschichte gestellt wird: sechs unschuldige Kinder, die am Ende von ihrer Mutter ermordet werden, und deren heile Welt in einer beängstigende Endzeit-Atmosphäre im Bunker unter der Reichskanzlei endet. Karnaus Geschichte endet hingegen erst in den 90er Jahren, und erst dann, als zufällig bei Bauarbeiten im Berliner Untergrund noch weitere Kellergewölbe der Nazis entdeckt werden...

Ein vielschichtiger Comicroman, der mit einfachen Bildern und Texten echte Angst macht, geeignet für jeden, der im Absatz eins und zwei keine vermeintlichen Spoiler zu entdecken meint.
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am 16. Juli 2013
Dies ist eine geniale Umsetzung des verstörenden Romans.Es ist sehr kalt hier, mich fröstelt und ich habe grpßes Mitleid mit den Kindern. Großartig ist der eigene Rhythmus, die Analogie zwischen Sprache, Bild und Emotion.Eine große zeichnerische und kompositorische Leistung. Schön, dass das bei Suhrkamp erscheint.
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