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am 20. Mai 2015
Erinnerungen an eine Kindheit Anfang der 70er Jahre. (Wohl die Erinnerungen von Andreas Maier selbst.) Erst schöne Erinnerungen an die Urgroßmutter und Großmutter und ihre Wohnungen, dann Einzug in einen seelenlosen Neubau und das ganze Elend, das mit der Spießbürgerwelt dieser Orte und dieser Zeit verbunden ist. Depressive Grundstimmung überall (was mich, und wohl auch so manchen anderen, an die eigene Biografie in einer ähnlichen Vorstadtwüstenei denken lässt; und auf diesen Effekt zielt das Buch wohl auch ab und sichert sich dadurch die Aufmerksamkeit einer gewissen Generation). Maier möchte, so liest man, eine erzählerische Staffel anlegen und dabei die Betrachtungskreise, ausgehend vom Zimmer, über das Haus, das Quartier, die Stadt etc., immer weiter ziehen. Ich halte diese schematische Herangehensweise für bedenklich und etwas unreif und glaube, dass das so nicht funktionieren kann, weil die Form letztlich den Inhalt erzwingen wird und nicht, wie es sein sollte, umgekehrt. Das Ganze ist gut geschrieben, schnörkellos, ohne Manierismen. Allerdings: Das Buch hat etwa 35'000 Wörter (auf 160 Seiten). Schon etwas gewagt, dies einen Roman zu nennen. (Ich bin da ein bisschen altmodisch mit meiner Romandefinition, die, wie E. M. Forster meint, mindestens 50'000 Wörter umfassen muss). Nichtsdestotrotz, irgendwo zwischen Lesenswert und Empfehlung.
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am 1. Januar 2014
Das erste Buch der Serie, das Zimmer, hat mir sehr gut gefallen. Der Roman transportierte den Leser in die siebziger Jahre und für Leser meines Alters (Bj 72) kamen am laufenden Band Kindheitserinnerungen hoch. Auch sprachlich sehr ansprechend. Stilistischer und unprätentiös. Leider fällt das Zimmer hier zurück. Teilweise ist die Sprache überfrachtet, inklusive lateinischen einsprengseln, gelehrten Anspielungen und Fremdwörtern, die mir jetzt auch noch nicht so häufig begegnet sind. Als müsste der Autor, der in diesem Buch als Kind im Mittelpunkt der Handlung steht, sich auch sprachlich und intellektuell in den Mittelpunkt stellen. Ich kann dem wenig abgewinnen und Maier stellt sich da in eine Reihe mit anderen Gegenwartsautoren wie Clemens Jott Setz oder Katharina Hacker. Diesen Eitelkeiten kann ich wenig abgewinnen.

Aber hier und da ist das Buch auch wieder so gut wie das Erste und ich hoffe, der Autor ist mit der Straße wieder über die reine Nabelschau hinausgewachsen.
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am 2. Februar 2012
Durch Zufall bin ich über "Das Haus" von Andreas Maier gestolpert. Irgendwo habe ich einen kurzen Auszug gelesen, in dem Maier über die Bad Nauheimer Stockenten schrieb und da Bad Nauheim meine Heimatstadt ist, bin ich natürlich hellhörig geworden.
Nach kurzer Recherche wanderte das Buch in meinen Einkaufskorb und dann zu mir nach Hause. Was für ein Glücksgriff!

Ich hab mich sofort in den Stil des Autors verliebt, in seine langen Sätze, seine Denkweise, seine Art, die Geschichte aus der Sicht eines Kindes zu erzählen, eines Kindes, das es nicht leicht hatte im Leben. "Das Haus" ist eine Fortsetzung seiner geplanten elfbändigen Romanserie und somit sicher nicht das letzte Buch, das ich von diesem Autor lesen werde.

Es ist ein autobiografisches Werk über seine Kindheit in der Wetterau. Maier erzählt von seinen ersten drei Lebensjahren, die er vor allem mit der Urgroßmutter verbringt und an die er sich später mit großer Sehnsucht erinnert.

"Und ich mache mir meine mir nicht mehr gegenwärtige Urgroßmutter dadurch wieder lebendig, dass ich die alten Wege von damals gehe und an den Plätzen sitze, auf denen sie damals auch saß, mit mir als Säugling.
Und auch wenn der gegenwärtige Bürgermeister mit großer Energie an der Vernichtung dessen arbeitet, was meine Geburtsstadt einstmals war, so ist doch ein Teil meiner damaligen Jahre tatsächlich noch vorhanden und noch nicht ins Nichts zurückgewandelt worden: die Uhlandstrasse mit ihren Häusern, der Solgraben, der Park, die Gradierwerke, auch ein Großteil der Cafés, die meine Urgroßmutter mit mir aufsuchte, ist noch da. Wenn ich dort spazierengehe, rede ich mir immer ein, ich liefe eigentlich durch meine frühste Seelenlandschaft."

Oh wie gut kann ich ihn verstehen!

Doch dann bauen seine Eltern ein großes, kaltes Haus in Friedberg und ziehen um. Der "Problem-Andreas", der schon als Kleinkind kaum gesprochen hat, zieht sich hier vollkommen in seine eigene Welt zurück. Frühstücke in der grellen Küche sind ihm ein Graus, der erste Tag im Kindergarten ist auch gleichzeitig der letzte und die Schule ist ein einziger Leidensweg. Mit scharfer Beobachtungsgabe beschreibt Maier die Zwänge des Familienlebens, seinen Rückzug aus diesem Leben, nur in seinem Bett unter der Decke und unten im Bastelraum fühlt er sich geborgen.

"Im Grund habe ich von den Jahren vor der Schule vor allem in Erinnerung, wie ich dort unten im kleinen Bastelraum saß, allein mit mir und aufgegangen in einer Tätigkeit, die mich völlig aufhob. Ich war aus der Familie ausgeklinkt und lebte so lautlos und zufrieden vor mich hin"

Es ist ein ehrlicher Roman über das Leben drinnen im Haus und draußen in der Welt - ein großes Werk über die Sehnsucht nach Geborgenheit, nach dem Paradies ohne Zwänge, ja sogar ohne Menschen. Ein Roman, den man lesen sollte, wenn man die leisen Töne liebt, die doch so Großes beschreiben.

"Aber dann erschuf mein Gehirn aus den eingebildeten Lichtreflexen unter meinen Augenlidern seine eigenen Figuren, lebendige Muster, von meiner Phantasie mit Leben begabte Wesen, die aber nur so etwas wie eine organische Reaktion meiner Augen auf die Dunkelheit waren.
Sie waren grün, rot, gelb, blau, sie schillerten in allen Farben und hatten phantastische Formen, waren aber zugleich wie die Menschen in meiner nächsten Umgebung. Traumgebilde, aber für das Kind eine höhere Form von Realität. Schon lange hatte ich eine Art von Freundschaft mit diesen Nachtfiguren geschlossen. Sie erzählten mir Geschichten und ich ihnen, aber sie konnten auch jedes Mal durch meinen Wunsch in einen vorherigen, amorpheren Zustand zurückgleiten und wieder zu rein ornamentalen, seelenlosen aber doch lebendig bewegten Figuren werden.
Mit diesen Figuren in meinen Augen konnte ich mich beschäftigen wie mit Mustern, die man in einem Teich verursacht, indem man einen Stab hineintaucht und durch kreisende Bewegungen Höfe und andere Formen erzeugt. Bis heute kommt es mir so vor, als habe damals mein Kopf begonnen, mir eine Geschichte zu erzählen, die Geschichte meiner Welt oder der Welt schlechthin. Vielleicht erzählten mir diese Geschichten auch meine Augen, meine Retina, vielleicht waren es meine überstrapazierten Nerven oder der liebe Gott, keine Ahnung.
Vielleicht war es einfach die Welt, die mir die Welt erzählte. Seitdem ist mir immer dieser Gedanke geblieben, dass ich nach wie vor daliege und dass es noch immer damals ist, noch vor der Grundschulzeit und eigentlich noch zur Zeit meiner Urgroßmutter und dass dennoch alles bereits da und komplett vorhanden ist bis zum heutigen Tag, da ich im Zimmer meines Onkels sitze und dieses schreibe, das Zimmer, das Haus und alles weitere, die ganze Ortsumgehung, während sie draußen ihre Ortsumgehung bauen und meine Herkunft und alles, wovon ich schreibe, Zug um Zug ins Einstmal planieren."
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am 9. Januar 2013
... für mich, das gebe ich ehrlich gerne zu.

Andreas Maier ist ein Autor, der mich interessiert. Nicht zuletzt deshalb, weil ich in derselben Gegend lebe, die er beschreibt und sie ähnlich gerne mag. Im Vorfeld dieses Buch bekannte sich Maier offensiv dazu, "Heimatliteratur" zu schreiben, auch das finde ich sympathisch.
Ich habe einige seiner vorherigen Bücher gelesen. Am besten davon gefallen haben mir Sanssouci, ein gelungenes Spiel um Geheimnisse in Bad Nauheim und Potsdam, und "Onkel J. Heimatkunde", eine Sammlung kürzerer Geschichten und Essays, die seine Heimat Friedberg und ihre Umgebung behandeln; und in denen er auch ein wenig seinen Jugendjahren nachtrauert, in denen die Kleinstadtwelt zwar schäbiger, aber auch lebendiger gewesen ist.

Mit "Das Haus" schlägt er einen neuen Weg ein; eine großangelegte Schilderung seiner Jugend. Es ist eigentlich der zweite Band; den ersten, "Das Zimmer", habe ich nicht gelesen, aber hier scheint es noch mehr um den in seinem Werk häufig erwähnten "Onkel J." aus Bad Nauheim zu gehen.
In diesem Band beschreibt Maier die ersten Jahre seiner Kindheit; "Das Haus" liegt (auch heute noch) am Rande der Kleinstadt Friedberg, wo er in einem mittelständischen Haushalt aufwächst. Ein großes Thema dieses Buches ist dabei sein Mutismus, d.h., er spricht über viele Jahre als Kind kaum oder gar nicht, und wie er und seine Familie damit zurecht kommen bzw., es nicht tun.

Das Problem, das ich mit dem Buch habe, was es für mich sperrig macht, ist die Art des Erzählens. Maier versucht, seine Kindheit wirklich zu rekonstruieren; und auch wenn es eine Handlungsstruktur gibt, so geht es eigentlich mehr um den Lebensraum seiner Kindheit, und wie er sich darin bewegt. Das heißt zum Beispiel, dass er das Haus zunächst so beschreiben zu versucht, wie er es z.B. als Fünfjähriger erlebt hat. Die Räume des Hauses, die er nicht wahrnehmen konnte, die für ihn nicht zugänglich waren oder die er nicht benutzt hatte, kommen dann erst später dazu, als sich sein Blick öffnet. Das Buch teilt sich dementsprechend auch in zwei Hälften, "Drinnen" in der ganz frühen Kindheit, und "Draußen", was die Epoche umfasst, als er in die Schule muss und gleichzeitig die Welt außerhalb des Hauses zu entdecken beginnt.

Im Sinne einer Handlung passiert dementsprechend relativ wenig; wir betrachten die Welt, wie sie sich aus den Augen eines Kindes langsam ausbreitet. Das Buch bricht relativ abrupt ab - an einem Tag, an dem der Erzähler, der wieder "einen Kloß im Hals" hat - nicht in die Schule muss und sich alleine im Haus die Zeit vertreibt. Das heißt, wir erfahren auch nichts darüber, wie es mit den im Buch verhandelten Problemen weiterging. Vielleicht erfahren wir es im nächsten Buch. Dennoch wars mir hier irgendwie zu wenig, zwar wohlformulierte, aber sperrige Prosa, mit einer Handlung, die nur langsam vorantreibt.

Andreas Maier hat mehrfach angekündigt, er wolle viele Bücher dieser Art schreiben, vielleicht sogar "dieses Buch beginnen und nie mehr damit aufhören, bis an mein Lebensende". Ich hoffe, er macht das nicht, und verlässt dann auch wieder die autobiografische Perspektive.
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am 15. Januar 2016
Ursprünglich gekauft, weil ich aus der Wetterau stamme und hier ein paar nette Kindheitserinnerungen zu finden hoffte. Bei den Beschreibungen der pädophilen Neigungen des Schriftstellers habe ich das Buch dann angewidert zugeklappt. Gewöhnliche, nahezu der Gosse entsprungene Sprache. Fehlkauf.
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am 2. Januar 2016
Ich bin ein Fan von Andreas Maier, jedoch hat mich "das Haus" nicht wirklich überzeugt. Selten habe ich Maier so verkrampft erlebt. Ihm fehlt, was er bei aller Nüchternheit und Selbstironie sonst hat: Leichtigkeit. Es sind Erwachsenenaugen, die auf die frühe Kindheit schauen. Es ist der zwanghafte Versuch, sich in sich selbst hineinzuversetzen, Erzähltes und Erinnertes verweben sich, Gefühle werden beschrieben statt (erneut) erlebt. Die Konzentration auf das Kindheits-Ich will nicht bewerten und bewertet doch ständig. Die Erwachsenen bleiben flach, nur die Räume werden detailliert beschrieben. Dabei erzählt die Geschichte ein Drama, das Drama eines hochsenbiblen und begabten Kindes, das für sich isoliert in großen Ängsten lebt. Der Phantasiebegabte kleine Andreas ist nicht nur Opfer der anderen (Kindergarten, Schule, Familie), sondern vor allem Opfer seiner Einbildungskraft. Meine These: Der Schriftsteller Andreas Maier rührt an dem Geheimnis seines Schriftsteller-Seins und gerät darüber ins Stocken oder anders gesagt: Er hat die Klippen noch einmal gerade eben umschifft, doch es war äußerst anstrengend für ihn (und für die Leserschaft).
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am 1. Februar 2012
Über den Inhalt ist schon genug gesagt worden.
Das Buch ist definitiv sehr gut geschrieben, der Leser kann sich minutiös in die Seelenabgründe des bemitleidenswerten Protagonisten versetzen und leidet so stark mit, dass der humorvolle Ton, der gelegentlich deutlicher, aber meistens zwischen den Zeilen anschlägt, zynisch wirkt.
Diese Kindheitserinnerung liest sich einfach, ist aber schwer verdaulich.
Ich bin mir daher nicht sicher, ob ich das Buch, das mich runtergezogen hat, herzlich weiterempfehlen kann.
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am 11. Januar 2012
In seinen Frankfurter Poetikvorlesungen 2006 , die bei Suhrkamp unter dem Titel "Ich" veröffentlicht wurden, hatte der hessische Schriftsteller Andreas Maier schon einem breiteren Publikum Rechenschaft gegeben über die Hintergründe seines Schreibens:

"Ich bin nur ein Mensch auf der Suche nach Worten, die längst schon gefunden sind, die im Matthäusevangelium schon alle dastehen, in perfekten logischen Sequenzen, schärfer, als Wittgenstein es je gekonnt hätte, eine erschöpfende Analyse dessen, warum wir falsch sind und warum wir dadurch schuldig werden vor allem und vor jedem, nämlich bloß kraft unseres wahrheitsfernen Tuns. Eine literarische Form dafür zu finden ist sehr schwer, ich glaube, man kann keine Form dafür finden, dass wir falsch sind, keine ernste, denn eine Form, die sich vom Einverständnis des Lesers verabschiedet, ist keine Form, sondern für den Leser eine Zumutung, wie ja auch das Matthäusevangelium. Das größte philosophische Werk des Abendlandes. Das uns nichts sagt als bloß: Seid nicht. Das uns sagt: Wenn ihr aufhört, zu sein, dann seid ihr. Meine Damen und Herren, wenn wir uns im Matthäusevangelium wieder finden, dann immer nur auf der Seite der Hohepriester, immer auf der Seite der Kleingläubigen, der Rechthaber, der Schriftgelehrten und Sophisten. Also auf Seiten derer, die sich verteidigen, die verteidigen, was sie haben, als sei das richtig, das ist unser tägliches Brot, die Selbstverteidigung, aber dieses Brot hat uns Gott nicht gegeben, und übrigens auch die Philosophie nicht, und die Literatur auch nicht. Und Sie begreifen vielleicht gar nicht, was das ist. Da Sie alles, was Sie haben und tun und wollen und erlangen, für natürlich und gut halten, und wenn Sie kurz nachdenken würden, aber im Ernst nachdenken, kehrten Sie um, aber das werden Sie nicht tun."

Die unter dem Titel "Onkel J. Heimatkunde" vorgelegten gesammelten Kolumnen von Andreas Maier waren ein treffendes Beispiel dafür. Mit Spannung habe ich deshalb den ersten Band einer von ihm angekündigten, noch nicht begrenzten Romanreihe (man spricht von 10 Bänden) über seine Heimat, die Wetterau erwartet. Im Roman "Das Zimmer", vom autobiographischen Ich-Erzähler geschrieben, begegnet uns jener Onkel J. wieder. Sein Zimmer, in das sehr viel später der zu Lebzeiten des Onkels noch kleine Andreas Maier einziehen wird, sein Leben und seine Philosophie werden erzählt. Dazu nimmt Maier einen Tag aus dem Leben des Onkel und schildert seinen Ablauf vom frühen Aufstehen noch in der halben Nacht, seiner Fahrt nach Frankfurt, wo er arbeitet, seinen Diensten für die Familie nach seiner Rückkehr am Nachmittag und vor allen Dinge den Aufenthalt in seinem geliebten Forsthaus Winterstein, wo er seinen Schoppen trinkt. Onkel J. besitzt einen nazibraunen VW Variant, den er von seinem Schwager bekommen hat. Dieses Auto ist sein Ein und Alles, ermöglicht ihm die Momente von Freiheit, für die die lebt.

Maier schreibt (und deutet auch weitere Folgen seiner "Ortsumgehung" an):

"Ich bin bislang nie auf den Gedanken gekommen, über meinen geburtsbehinderten Onkel J. zu schreiben. Über ihn und sein Zimmer. Über das Haus und die Straße. Und über meine Familie. Und unsere Grabsteine. Und die Wetterau, die die ganze Welt ist. Die Wetterau, die für die meisten Menschen nach einer Autobahnraststätte benannt ist, A 5, Raststätte Wetterau. Und die heute in eine Ortsumgehungsstraße verwandelt wird. Die Wetterau ist eigentlich eine Ortsumgehungsstraße mit angeschlossener Raststätte. Wenn ich das sage, lachen sie. Und es war doch einmal meine Heimat. Meine Heimat, eine Straße, Und nun schreibe ich eine Ortsumgehung, während sie draußen meine Heimat ins Einstmals planieren, und ich beginne mit meinem Onkel in seinem Zimmer. Das ist der Anfang, aus dem sich alles ableitet."

Das Buch hat den Rezensenten, der unweit der Wetterau seine ersten drei Jahrzehnte verbracht und sie gut kennt, nachhaltig beeindruckt und bewegt. Jener vielversprechende Beginn einer traurig- verrückten Familiensaga, die mehr ist als das, eine Buchprojekt, das eine Reflexion sei will über Zeit und Zivilisation und, vergleiche das Eingangszitat aus Maiers Poetikvorlesung, die Würde des Menschen und wie sie erhalten werden kann.

Damals schrieb ich zu dem Projekt: "Man wird abwarten müssen, ob Andreas Maier das hohe literarische Niveau über das ganze Romanprojekt über wird halten können. Das vorliegende Buch jedenfalls zeigt, dass er viel mehr ist als ein "Heimatdichter". Maier ist eine der wichtigsten Stimmen in der gegenwärtigen deutschen Literatur. Es nimmt deshalb nicht Wunder, dass "Das Zimmer" für den Deutschen Buchpreis 2010 nominiert worden ist."

Nun, ein Jahr später folgt der nächste Teil seiner "Ortsumgehung". In "Das Haus" beschreibt er seine Kindheit. Er ist in einer gut situierten Familie aufgewachsen, in der er aber als Spätentwickler sich dauernd einsam fühlt:
"Im Grund habe ich von den Jahren vor der Schule vor allem on Erinnerung, wie ich dort unten im kleinen Bastelraum saß, allein mit mir und aufgegangen in einer Tätigkeit, die mich völlig aufhob. Ich war aus der Familie ausgeklinkt und lebte so lautlos und zufrieden vor mich hin wie am Anfang bei meiner Urgroßmutter, als noch alles einfach und problemlos gewesen sein soll. Es war das wiedergefundene Paradies."

Und an anderer Stelle des faszinierenden Romans knüpft er an diese Stelle an, und verbindet es mit seiner heutigen Existenz als Schriftsteller und seinem großen und doch so einfachen und schlichten Projekt:
"Bis heute kommt es mir vor, als habe damals mein Kopf begonnen, mit eine Geschichte zu erzählen, die Geschichte meiner Welt oder der Welt schlechthin. Vielleicht erzählten mir diese Geschichten auch meine Augen, meine Retina, vielleicht waren es meine überstrapazierten Nerven oder der liebe Gott, keine Ahnung. Vielleicht war es einfach die Welt, die mir die Welt erzählte. Seitdem ist mir immer dieser Gedanke geblieben, dass ich nach wie vor daliege und dass es noch immer damals ist, noch vor der Grundschulzeit und eigentlich noch zur Zeit meiner Urgroßmutter, und dass dennoch alles bereits da und komplett vorhanden ist, da ich im Zimmer meines Onkels sitze und dieses schreibe, das Zimmer, das Haus und alles weitere, die ganze Ortsumgehung, während sie draußen ihre 'Ortsumgehung' bauen und meine Herkunft und alles, wovon ich schreibe, Zug um Zug ins Einstmals planieren. Und dass ich in die mir kaum mehr vorstellbare Einfachheit und Einheitlichkeit der damaligen Welt meiner allerersten Jahre zurückkommen muss, um von dort aus alles weitere aufzubauen, das Haus, meine Kindheit darin, die Schulzeit, meine Familie, meine Umgebung, die anderen Menschen, auch das Draußen, den Ort um mich herum, die Wetterau, meine ganze Herkunft und schließlich die ganze Welt bis zum lieben Gott. Eine Einfachheit, die mein geburtsbehinderter Onkel J. zeit seines Lebens vielleicht nie verloren hatte."

Ein Buch, das mich gefangen genommen hat von der ersten bis zur letzten Seite. Auch deshalb, weil es nahtlos anschließt an die beiden Romane "Onkel J. Heimatkunde" und "Das Zimmer". Es ist die Fortsetzung einer mit diesen beiden Büchern begonnenen und noch lange nicht abgeschlossenen traurig- verrückten Familiensaga, die mehr ist: eine Reflexion über Zeit und Zivilisation.

Eines steht für mich heute schon fest. Ich werde dieses Romanprojekt verfolgen bis zu seinem Ende, und hoffe, dass es von der Kritik in Zukunft mehr Anerkennung erfährt.
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am 3. Februar 2012
Ich möchte hier keine Literaturkritik veröffentlichen, sondern nur sagen, dass mich dieses Werk sehr beeindruckt hat. Andreas Maier beschreibt mit einer nüchternen und präzisen Sprache die Erschütterungen eines Kindes, das sich als radikal verschieden von den anderen erlebt und das befremdet einer bizarren und übermächtigen Welt gegenübersteht. Das Erleben des Kindes tritt uns so deutlich vor Augen, dass wir ergriffen sind und uns selbst wieder zu wundern beginnen. Wir stehen selbst wieder am Anfang und dürfen dem Autor danken, dass er uns an seiner Schöpfungsgeschichte teilhaben lässt.
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Maier beschreibt also seine verkorkste Kindheit. Dabei gibt er sich auf 165 Seiten einer Mischung aus Selbstmitleid und Phlegmatikus hin. Er erläutert aber nicht, wieso er denn nun eine derart verschlossene und unerfreuliche Kindheit hatte, sondern berichtet in einem nicht enden wollenden Schreibfluss mit lauter Wiederholungen nur, dass er nicht mit den anderen Kindern seiner Schule spielen wollte, dass er die Schultoilette widerlich fand und das er allgemein wenig sprach.

Wenn Maier wenigstens mal erwähnen würde, was ihn denn nun an alledem störte. Vermisste er das Haus der Urgroßmutter? Waren ihm die anderen Kinder zu einfältig? Empfand er seinen Vater als unnahbar? Über nichts wird Auskunft gegeben sondern ein unkommentierter Tatsachenbericht abgeliefert.

In dem egozentrischen Bericht, den dieser Roman darstellt, erschlägt einen die Wehleidigkeit des Protagonisten. Das Schwadronieren, wie schlimm der tägliche Schulbesuch schon morgens im Bett und am Frühstückstisch - natürlich mit viel zu grellem Licht! - erscheint, stellt den Leser auf eine harte Probe und weckt das Verlangen, das Buch wegzulegen und zu vergessen. In bester Hypochondermanier entwickelt der Protagonist bei dem Gedanken an das Grauen, dass ihn hinter dem Schultor erwartet natürlich einen Kloß im Hals, der immer größer wird und schon allein räumlich einen Besuch der Schule unmöglich macht. Kafka lässt grüßen.

Lichtblicke stellen die wenigen Passagen da, in denen keine depressiven Gedanken und Gefühle wiedergekaut werden. Hier kann die schriftstellerische Fertigkeit des Autors bewundert werden. Der angenehme Schreibstil und die perfekten Satzkonstruktionen werden dem Leser hier bewusst. Schade, dass der Autor sein Talent nicht ausschließlich nutzt, um derartige Passagen zu schaffen.

Denn die gesamte Lektüre hindurch stellt sich die Frage, wozu dieses Buch geschrieben wurde. Es vermittelt nichts, es sagt nichts aus, es klagt niemanden an. Es ist einfach nur da. Und jammert.

Jedem, der mit seiner Zeit was Besseres anzufangen weiß als in Selbstmitleid zu versinken und Trübsal zu blasen, sei von diesem Buch abgeraten.
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