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Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen
24
4,5 von 5 Sternen
Kahlschlag: Kriminalroman (suhrkamp taschenbuch)
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:9,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 5. August 2017
Man nennt sie Sunset – ihrer roten Haare wegen. Ihr Mann, Constable einer bedeutungslosen texanischen Siedlung, ist ein Säufer und Vergewaltiger. Als er sich eines Tages wieder mal über Sunset hermacht, erschiesst sie ihn in Notwehr. Ihre Schwiegermutter, die im Ort das Sagen hat, macht sie sehr zum Missfallen der Bürger zur Nachfolgerin ihres Sohnes. Mit dem Sheriffstern kommt eine riesige Verantwortung auf Sunset zu, denn nun wird sie mit der knallharten Realität konfrontiert: Sie muss gegen den Widerstand der Ortsältesten kämpfen, einen Doppelmord enträtseln und gerät damit im Strudel von Korruption, Macht und Gewalt selbst in Verdacht, die Verbrechen begangen zu haben, die sie aufklären will. Doch sie wächst an ihrer Aufgabe und lehrt das Establishment rasch das fürchten.

Fazit: Lansdale ist ein begnadeter Erzähler. Er beherrscht spielend jedes Milieu. Wie kaum ein zweiter konfrontiert Lansdale seine Leser mit abrupten Stilwechseln: Grauen ist gespickt mit Komik, Trauer mit makaberem Witz, Tragik mit rabenschwarzem Humor. Wer in dieser Geschichte seinem sonst gepflegten Schreibstil zu begegnen hofft, wird allerdings eines anderen belehrt: Vor Drastik und Deutlichkeit scheut er sich nicht - ohne Rücksicht auf feinfühlige Leser. Es ist ene Sprache, die er bewusst als Stilmittel einsetzt, denn als Sprachkünstler findet er zu jeder Stimmung die richtigen Worte. Die menschliche Verwerflichkeit und Tragik, brutale Gewalt, knochentrockener, dreckiger Humor und schonungslose Derbheit herrschen hier in einer ungewohnten Sättigung vor. Auch hier begegnet man Lansdales Grundthemen: Rassismus, Korruption, Bigotterie und Frauenfeindlichkeit in einer brutalisierten, verkommenen, erbarmungslosen Gesellschaft. Auch Liebesgeschichten fehlen nicht, was auf den ersten Blick trivial erscheint. Doch dem Autor ist das Triviale wichtig, um dem Leser in einer vordergründig simplen Geschichte einen komplexen und kritischen Stoff verständlich und wahrhaftig vor Augen zu führen, denn seine Figuren stehen für Strukturdominanten menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster. Was die Spannung betrifft, dauert es nach einem brachial mitreissenden Auftakt allerdings einige Kapitel, um in die Geschichte einzutauchen. Doch Lansdale lässt nicht zu, dass sich der Leser langweilt. Ein Roman von erzählerischer Urkraft und Wucht.
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am 14. September 2011
Ein toller Roman und ein Dank an den Golkonda Verlag, das sie diese Kleinode aus der Lansdal'chen Feder veröffentlichen und somit an den deutschsprachigen Leser bringen. Der Preis für dieses Buch mag, im Gegensatz zu einigen Verlagsgiganten , etwas hoch angesetzt sein, aber die Broschur ist sehr hochwertig und der Inhalt toppt noch die Äusserlichkeit um ein Vielfaches.

Lansdale geht wieder zurück in die dreissiger Jahre der USA. In tiefstes Hinterwäldlerland, so scheint es, wo nur das Wort und die Sichtweise des weißen MANNES einen Wert hat. Verknöcherstes, vorväterliches Denken, Diskriminierung der Hautfarbe wie auch der Geschlechter beherrscht das Leben in der kleinen Holzfällerstadt Camp Rapture. Über dem Land liegt die allgegenwärtige Rezession und ein brütend heisser Sommer. Die Luft, wie auch das Denken der Menschen, scheinen stillzustehen.

Da platzt eine Bombe! Zum Einen in dem Ausbruch in Form einer Naturgewalt namens Wirbelsturm, zum Anderen in dem verzweifelten Versuch der Hauptakteurin Sunset am Leben zu bleiben. Darum erschiesst sie ihren Ehemann, Constable des Ortes.

Die sich daraus ergebende Konsequenz ist natürlich anders als es der Leser von heute erwarten würde. Lansdale ist, wie schon immer in seinen anderen Büchern zu lesen war und ist, ein Verfechter der Selbstjustiz. Der moralische Kompass seiner Held(inn)en hatte schon immer einen, für den Leser nachvollziehbar höheren Stellenwert, als das mehr oder minder von Korruption durchzogende Rechtssystem in seinen Romanhandlungen, sofern es denn überhaupt vorhanden ist.

Und so kommt Sunset, die Heldin dieses Romans nicht ins Gefängnis, sondern wird als Nachfolger ihres toten Mannes zum Constable berufen. Alsbald muss sie sich nicht nur den Anfeindungen der Gemeindemitglieder erwehren, sondern auch einen Doppelmord aufklären. Soweit steht es auch auf der Inhaltsangabe der Buchrückseite und mehr mag ich dazu nicht schreiben wollen.

Lansdale zeigt dem Leser wieder einmal eine vollkommen amoralische Gesellschaft, den Bodensatz sozusagen, in dem es die "Guten Menschen" schwer haben daraus emporzuklettern und überhaupt am Leben zu bleiben.

Aber das es geht und das in Camp Rapture am Ende (inkl. einem grandiosen Showdown) garantiert nichts mehr so ist, wie am Beginn der Handlung, zeigt Lansdale mit dieser äusserst unterhaltsamen, manchmal auch nachdenklich machenden Geschichte! Gerne mehr davon!
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am 30. April 2012
Auf Joe R. Lansdale wurde ich von einem befreundeten Buchhändler aufmerksam gemacht. Dies weil wir ein Gespräch über Daniel Woodrells Winters Knochen geführt haben das uns beiden sehr gut gefallen hat. Da dieses Buch inhaltlich ähnlich ist, bin ich bin ich seinem Ratschlag gefolgt und habe mich für diesen Roman von Lansdale entschieden.

Die Handlung spielt mitten in der Grossen Depression, der tiefgreifenden Wirtschaftskrise nach dem "Schwarzen Freitag" an der Börse. Amerika liegt wirtschaftlich brach am Boden und eine Heerschar von Arbeitslosen zieht durchs Land. In Camp Rapture in Texas gibts dank der örtlichen Grosssägerei und Mühle Arbeit für einen kargen Lohn. Sunset Jones, wegen ihrer rotwallenden Haarpracht so genannt, wird von ihrem meist betrunkenen Mann Pete gequält und als er sie eines Abends wieder vergewaltigen will erschiesst sie ihn im Affekt. Die Tat wird als Notwehr ausgelegt, was zu dieser Zeit höchst ungewöhnlich ist und zu etlichem Unmut unter den Männern führt, und sie wird von der Besitzerin der Sägerei und Petes Mutter sogar zum neuen Constable ernannt. Das erste Mal hat Camp Rapture so etwas wie eine pflichtbewusste Gesetzeshüterin. Sie kommt denn auch einem alten Doppelmord auf die Spur und löst damit eine folgenschwere Kettenreaktion aus...

Ein Buch mit der Wirkung ähnlich einem Zyklon der über Osttexas hinwegfegt, der Fenster zerbersten lässt, Balken bedrohlich knirschen und Dächer abhebt. Der Autor Joe R. Lansdale schont den Leser in keiner Art und Weise und erzählt von der tristen Existenz, von bitterer Armut und Gewalt geprägte Leben in Texas in den 1930 Jahren. Von desillusionierten Menschen die jeglichen Glauben an eine bessere Zukunft verloren haben und von Brutalität und körperliche Gewaltausübung die an der Tagesordnung sind. Von Menschen bei denen nur das Ego und generell das "Ich" zählt werden Frauen verprügelt und vergewaltigt und Schwarze fallen wegen geringster vergehen der Lynchjustiz zum Opfer und landen gehängt und mit Benzin übergossen als brennende Fackel ein einem Baum. So etwas wie Empathie scheint den Menschen gänzlich abhanden gekommen zu sein und jeder versucht so gut es geht über die Runden zu kommen oder ganz einfach gesagt zu überleben. Das Rechtssystem wird grundsätzlich akzeptiert ist aber schwach und wer etwas Geld hat und anderen Arbeit geben kann besitzt eine unheimlich grosse Macht.

Der Schreibstil ist recht einfach, rustikal und zeitweise vulgär, ganz dem Inhalt entsprechend. Mir fehlt leider die poetische Wucht, die kraftvolle Sprache die den Eingangs erwähnte Roman von Woodrell zu etwas speziellem macht. Dafür ist die spezielle Aufmachung erwähnenswert, da hat der Verlag etwas Schönes geschaffen.

Zu Beginn hatte ich etwas Mühe mit dem Stil und dem Inhalt. Ich muss aber gestehen, dass es mich recht schnell gepackt hat und ich die Geschichte interessiert zu Ende gelesen habe. Joe R. Lansdale schreibt und schildert schonungslos die Realität und das ist selten und übt eine gewisse Faszination aus. Die Erzählung frisst sich gnadenlos in die Seele des Lesers und hinterlässt Wunden und blaue Flecken.
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am 9. Dezember 2011
Kahlschlag
Durch sehr gute Kritiken angeregt, griff ich zu 'Kahlschlag', meinen ersten Roman von Lansdale.
Meine primäre Reaktion war: wo bin ich denn da hineingeraten?
Ich meine damit nicht Ort (Osttexas) und Zeit (1930er Jahre), sondern vor allem die Erzählweise mit derbem Humor und derber, lakonischer Sprache. Im Klappentext wird die erzählerische Urwüchsigkeit gerühmt. Die deutsche Übersetzung kann dem wohl nicht gerecht werden, (ne Ente, ne weiße Frau, alles ist futsch, er trug einen wollenen Mütze etc.) Aber abgesehen von einigen Längen im Mittelteil, ist das Buch durchaus interessant.
Die schöne, rothaarige Sunset Jones erschießt ihren Mann, der sie schlug und vergewaltigte, und wird von ihrer Schwiegermutter, der einflussreichen Besitzerin des Sägewerks, aufgefordert, den Job ihres toten Mannes zu übernehmen. Er war der Constable, also das Gesetz. In der sich anschließenden Geschichte geht es um Morde, Öl, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Naturgewalten und etliches mehr. Sunset muss sich in einer Männergesellschaft und äußerst gewalttätigen Umgebung behaupten. Es geht aber auch um Themen wie Liebe und Selbstfindung.
Fazit: sehr amerikanisch, brutal, aber kraftvoll und natürlich Geschmackssache.
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am 2. November 2017
Mein erster Lansdale und für mich persönlich ein Volltreffer. In erster Linie ein Südstaatenroman, jedoch einer, der die gewohnten Zutaten genussvoll durcheinanderwirbelt - im wahrsten Sinne des Wortes. Dann natürlich die Geschichte gleich mehrerer Emanzipationen - im Setting einer osttexanischen Kleinstadt in den 30er Jahren natürlich nicht ohne. Und fast nebenher ist "Kahlschlag" auch eine Art Kriminalroman.
Ich finde diese, für einen Thriller eher ungewöhnliche, Gewichtung sehr erfrischend. Landsdale schreibt mit viel Humor und einem Hang zum Erschaffen skurriler Situationen... z.B. ist das titelgebende Thema des "Kahlschlags" sehr variantenreich in die Story verwoben - lassen Sie sich überraschen.

Ich lese gerne den späten King, James Lee Burke, Thomas Harris und John Katzenbach. Lansdale ist für mich eine gute Ergänzung.

"Kahlschlag" von J.R. Lansdale - empfehlenswert.
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am 1. März 2011
"Kahlschlag" hat mir sehr gefallen. Es kann als lose Fortsetzung zu "Sturmwarnung" angesehen werden, da in dem vorliegenden Roman der widerliche, rassistische Mr. McBride eine ganz wichtige Rolle einnimmt. Im Mittelpunkt steht allerdings Sunset, die Frau des örtentlichen Sheriffs Pete, der auch ein ziemlicher Widerling ist und seine Frau fortwährend misshandelt. Der Roman beginnt damit das Sunset Pete in Notwehr erschießt und dann selbst Sheriff des Ortes Camp Rapture wird. Damit beginnt dann die eigentliche Handlung, in der Lansdale wieder aus dem Vollem schöpft und eine teilweise absurd stimmende Parade der Gewalt abfährt. Zuviel soll hier nicht verraten werden, außer dass es in "Kahlschlag" wieder um Morde, Rassismus und das texanische Leben in den 30er Jahren geht. In Ansätzen erinnert "Kahlschlag" sehr stark an "Die Brücken am Fluss", meines Erachtens Lansdales bester Roman auf dem deutschsprachigen Markt. Warum erhält das Buch dennoch nur vier Punkte? Ich finde, dass Lansdale in "Kahlschlag" eindeutig zuviel Gewalt und Brutalität aufnimmt und darüber vergisst die Handlung besser auszubauen. So wird in langen Zeilen dargestellt, wie Sunset Schwiegervater Jones sich im Sägewerk selbst mit der Kreissäge den Kopf absägt oder wie der Landstreicher Hillbilly andere Obdachlose mordet, aber die finale Wendung, die dem Plot etwas mehr Würze hätte verleihen können, kommt gemächlich und vorhersehbar daher. Dennoch ist "Kahlschlag" dank der kruden Rednecks und Hinterwäldler ein großartiger Lesespass und hat allemal vier Punkte verdient.
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am 2. Juli 2013
Ein fantastisches Buch, wie die meisten Lansdale-Romane! Das Buch kommt daher wie ein Orkan und man wird erbarmungslos mitgerissen und direkt in die Handlung hinein katapultiert. Ich bin höchst beeindruckt von den Protagonisten und der einmaligen Sprache des Autors. Es gibt Momente, da stellen sich bei mir durch das im Buch geschehene die Haare zu Berge und im nächsten Moment kann ich mich kaum halten vor Lachen. Genau diese Mischung fasziniert mich an Lansdale. Er ist zur Zeit mit Abstand mein Lieblingsautor.
Angie
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VINE-PRODUKTTESTERam 29. Dezember 2012
Wenn man einen Roman sucht, dessen erster Satz den Leser fesselt und ihn erst am Ende des Buches wieder ausspuckt, dann dürfte man bei Joe R. Lansdales „Kahlschlag“ fündig werden. Sukzessive enthüllt Lansdale dem Leser seine Protagonistin Sunset, die aufgrund ihres feuerroten Haares von allen so gerufen wird, und zeigt das soziale Milieu, in dem sie in Ost-Texas lebt.
Wie bereits in seinem grandiosen Buch „Die Wälder am Fluss“ schafft es Lansdale eine einmalige Atmosphäre zu zaubern, bei der man glaubt, Mark Twain hätte ihm die Feder geführt.
Der Amerikaner erzählt vom Kampf der einfachen Leute im Süden der USA um ein gutes Leben, von der Rassentrennung und nicht zuletzt vom Kampf Sunsets gegen alle Widerstände der Dorfgemeinschaft.
Nachdem diese ihren prügelnden Mann erschossen hat übernimmt sie kurzerhand auch dessen Job als Constable, eine Art Hilfspolizist, im Dorf. Ihr schlägt die geballte Abneigung der wenig emanzipierten Gemeinschaft entgegen und doch geht sie ihren Weg. Die Krimihandlung entfaltet sich aber erst einige Dutzend Seiten nach Beginn, als Sunset in den Unterlagen ihres getöteten Manns auf Notizen einer verscharrten Leiche stößt.

Lansdale schafft es, die grandios bunten und prallen Schilderungen der Dorfgemeinschaft und der Lebensumstände in den USA mit einer Krimihandlung zu verbinden, die gerade zum Ende hin richtig blutig wird. Wer dies vertragen kann, wird mit faszinierenden und manchmal undurchschaubaren Charakteren inklusive der erinnerungswürdigen Sunset bedacht und erhält Einblicke in eine spannende vergangene Epoche der USA, die so lange noch nicht zurückliegt.

Ein sehr empfehlens- und lesenswertes Buch!
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am 21. Juli 2014
Das Osttexas in den dreißiger Jahren ist kein guter Ort für Frauen. Das Gleiche gilt für Schwarze oder für arme Leute. Nein, das Texas, in dem die Geschichte spielt, ist ein ungerechter, gesetzloser Ort. Jeder hat Dreck am Stecken, jeder ist sich selbst der Nächste und menschliche Tugenden sind Mangelware. So sind fast alle Einwohner Camp Raptures gebrochene Figuren, die am Leben gescheitert sind und nicht mehr auf die Zukunft hoffen können. Manche von ihnen geben einfach auf, und wenn sie doch leben, dann aus purem Trotz, so scheint. Das ist ein schwarzes, zynisches Bild, das Lansdale da malt und es erstaunt, dass Sunset und die anderen Bewohner von Camp Rapture manchmal doch das kleine bisschen Mut aufbringen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Die schöne, rothaarige Sunset zum Beispiel wollte nie eine Heldin sein, aber als sie die Chance bekommt, da will sie Gerechtigkeit, für ein getötetes Kind, für die Schwachen und diejenigen, die freundlich zu ihr waren. Dabei begegnet sie jedem mit Respekt, ungeachtet seiner Hautfarbe und findet tatsächlich Menschen, die sie unterstützen wollen. Dass sie dabei glaubhaft bleibt, liegt an dem gradlinigen, schnörkellosen Stil des Autors, mit dem er es schafft, so wunderbar lakonische, trockene Figuren zu erschaffen. Gefühlsausbrüche braucht niemand in der Geschichte zu erwarten, Selbstmitleid ist nicht Lansdales Sache und er lässt sie auch bei seinen Protagonisten nicht zu. Jedoch wird der Leser förmlich dazu aufgefordert, mit Sunset und ihrer Familie mitzufühlen und sich auf sie einzulassen. Das gelingt sehr gut und schnell, denn die Sympathien sind klar verteilt, aber der Autor macht es seinen Lesern nicht leicht. Die Handlung steckt voller Wendungen und einige unverhoffte Finten sorgen dafür, dass es spannend bleibt.
Wer Joe Lansdale liest, muss sich auf Kraftausdrücke, Schimpfwörter und blanken Zynismus einlassen. Dafür wird er mit wunderbar lebendigen Romanfiguren und gekonnten Dialogen belohnt. "Kahlschlag" ist nicht nur ein Buch für Krimileser, sondern auch für Freunde gut geschriebener Geschichten und ungewöhnlicher Helden, die allerdings bei harten Worten nicht empfindlich sein dürfen.
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am 15. April 2016
Texas in den 1920er Jahren: Die Dorfschönheit Sunset erschießt ihren gewalttätigen Ehemann und bringt einen Atem beraubenden Aufstieg zu Wege: Bald ist sie selbst die Gesetzeshüterin in Camp Rapture. Mit Strafzettel schreiben ist es dort nicht getan, denn der Osten von Texas wandelt sich und bietet geldgierigen Halunken neue Möglichkeiten. Der neue Sheriff kommt nicht ohne Schrotflinte aus und ebenso wenig ohne emotionale Irrungen und Wirrungen.

Anders als manch hymnisch schreibender Kollege hier bin ich beim Lesen nicht unbedingt vom Stuhl gefallen vor lauter Begeisterung. Lansdale schreibt leicht, flüssig (mal wertfrei formuliert) und mit Spannung. Er hat es dabei auch immer drauf, texanisches Lokalkolorit hinzumalen (Hitze, Öl, Wanderheuschrecken, Rassismus, Auge um Auge, Zahn um Zahn'), was die Geschichten intensiver macht. Bei '"Die Wälder am Fluss"' las ich wirklich mit offenem Mund, aber '"Kahlschlag"' blieb mir zu sehr an der Oberfläche, war doch zu oft möchtegern-cool und war zu schnell abgebürstet. Um eine starke Atmosphäre zu schaffen, hätte es mehr Detailarbeit gebraucht. Besonders auffällig wird das am Schluss, wenn Sympathieträger wie nebenbei umgelegt werden, ohne dass eine Spur von Tragik und Größe aufkommt. Um ein 'Meisterwerk' handelt es sich nicht, wie der Klappentext behauptet, aber um einen soliden Texas-Roman, den ich gern gelesen habe.
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