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am 13. Mai 2010
Nicolai Lilin wurde 1980 in Bender in Transnistrien geboren.
Transnistrien steht für Gewalt, für die Existenz "Ehrbarer Kriminelle", die aus Sibirien stammen und von Rußland ins Exil geschickt wurden. Es sammeln sich da auch "Nicht-Ehrbare Kriminelle" aus Georgien, der Ukraine, Moldawien etc.. Und es ist ein Fluchtpunkt für viele Familien geworden, die mit ihren behinderten Kindern in Rußland nicht leben können und dürfen. Viele dieser Kinder sind behindert, weil sie durch die Russische Polizei missbraucht, zu Krüppeln geschlagen und auch als Kleinkind mitansehen mussten, wie die Eltern vor ihren Augen abgeschlachtet wurden.
Das Lesen ist nicht schwer, 2x musste ich das Buch allerdings aus der Hand legen, weil mir schlecht wurde, der Autor, inzwischen 30 Jahre alt und in Italien lebend, versucht uns unparteiisch und auch vielfach mit Humor seine Erfahrung und Kindheit zu erzählen, in der es um alte sibirische Regeln und Moral geht: Kinder, Frauen, Alte, Behinderte und Tiere werden verehrt, Geld ist dreckig, das lehnt man ab. Geld wird benötigt, um Waffen zu kaufen und Ikonen, das ist wichtiger als Nahrung und Kleidung. Wird eine Regel verstossen, gibt es festgelegte Strafen. Man wehrt sich der Unterwerfung der Russen und rächt Ungerechtigkeit.
Schnell wird man in den Bann gezogen, und oft war ich völlig entsetzt, denn es handelt sich nicht um Beschreibungen aus dem 1. oder 2. Weltkrieg, sondern es geht um eine Zeit, in der ich einige tausend Kilometer entfernt eine behütete und sorglose Kindheit verbrachte, während der Autor fast täglich blutige Strassenkämpfe überleben musste, selbst Menschen gefährlich verletzten musste, nur um selbst zu überleben.
Man sitzt wirklich völlig ratlos und ensetzt und versteht, warum Robert Saviano (Autor von "Gomorrha", enthusiastischer Empfehler dieses Romans) schreibt: "Wer dieses Buch lesen will, muss die Kategorien von Gut und Böse, wie wir sie kennen, vergessen...."
Vor allem, was bleibt Kindern denn übrig, wenn sie in einer solchen Gesellschaft aufwachsen, nichts anderes kennen, keine Möglichkeit haben sich anders zu entscheiden?
In Transnistrien hat jeder 12 jährige Junge wenigstens einen Mordversuch, wenn nicht mehrere Morde hinter sich. Als Kinder landen sie im Gefängnis, wo sie von den russischen Wärtern vergewaltigt und anschliessend in der blutigen Pfütze liegengelassen werden.
Ich mag nicht weiter nacherzählen: Ihr sollt es möglichst zahlreich selbst lesen!!! Denn nur so kann aufgeklärt werden.
Sehr informativ übrigens die Kapitel über Tätowierungen, woher sie kommen, was sie bedeuten, welchen Zweck sie erfüllten. Sollte jeden interessieren, der mit Tätowierungen seinen Körper bedeckt!
Der Autor erkennt nach einem schlimmen Vorfall, dass Gewalt nichts ändert, ist im jugendlichen Alter ausgebrannt und völlig orientierungslos, sein "Großvater" kommentiert dies mit den Worten, er sei zu menschlich, um unter den Menschen zu leben...
Aber mit Achtzehn pocht Russland auf sein Recht den volljährigen Lilin als Eigentum der russischen Regierung in Anspruch zu nehmen: Das Buch endet... und beginnt.

Das Buch bekommt 5 Punkte, weil es heutzutage wichtig ist, dass Zeitzeugen berichten, den Mut haben den Mund zu öffnen und aufzuklären. Dieses Buch wird alle, die es lesen zum Nachdenken anregen, auch die Leute, die glauben, Religion verstanden zu haben, Moral beurteilen zu können. Ich möchte schliessen mit dem Zitat von Roberto Saviano: "Einfach nichts tun: nur lesen!"
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am 23. Juli 2015
Das "Buch" ist genauso autobiografisch und realistisch wie Harry Potter.
Das "Buch" ist in Russland nie erschienen, weil es selbst als fiktive Story total schwachsinnig ist.
Wer sich nur ein wenig für das Thema interessiert, wird erkennen, dass es eine Fiktion ist.
Der Autor bedient die Nachfrage des Westens nach Russenmafia, Stalin, Knackis und sonstiger Soviet/Russenthematik. Die Frage, warum das Buch als Autobiografie dargestellt wird, beantwortete der Autor, dass es "falsch formuliert wurde und es für Korrektur bereits zu spät wäre". Und das in mehreren Ländern nacheinander, alles rein zufällig! Lächerlich!
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am 9. Juli 2010
Interessant sind die beiden vorliegenden Rezensionen insofern, als sie die im Buch geschilderten Ungeheuerlichkeiten grundsätzlich überhaupt nicht infrage stellen und keinen Bezug auf die Widersprüchlichkeiten hinsichtlich der vom Autor und seiner 'erzieherischen Umgebung' immer wieder in den Vordergrund gestellten 'Christlichkeit' herstellen. Das soll nicht heißen, daß der Autor 'lügt'; wer den "Gulag" gelesen hat, darf sich über gar nichts mehr wundern. Es muß aber berücksichtigt werden, daß da 50 Jahre dazwischen liegen, damals eine andere ideologische Grundlage herrschte. Es fehlt an objektiven, ergänzenden einschlägigen Aussagen (die es geben mag, die mir aber nicht bekannt sind). Die Polizei grundsätzlich als 'Verbrechertruppe' darzustellen, ist nicht zu rechtfertigen. Ich will die Zustände nicht verniedlichen, aber irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, daß der Autor sich in einer 'Lichgtgestalt'-Rolle gefällt. Der 'Übergang' in die Armee am Schluss ist infantil und steht in krassem Gegensatz zu den sonst von ihm souverän beherrschten Situtionen. Im Vergleich: Savianos "Gomorrha" ist da ein ganz anderes Kaliber.
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am 30. Januar 2016
Ich will den Inhalt des Buches hier nicht wiederholen, er ist in anderen Rezensionen hinreichend dargestellt.

Zweifellos vermag der Autor viele Leser in seinen Bann zu ziehen und lässt sie über die erstaunlich Ethik der sibirischen Kriminellen staunen. Dabei gerät allzuleicht in Vergessenheit, dass es eine Gruppenethik ist, die zu Lasten anderer Gruppen geht. Und darin unterscheidet sich die sibirische Variante nicht allzusehr von der Ethik der sizilianischen Mafia, Camorra, Ndrangeta etc. Der Zusammenhalt der Gruppe ist der höchste Wert, und die recht kräftig aufgetragene religiöse Seite, die sich in Kruzifixen und anderen zur Beschwörung dieser Ethik herangezogenen christlichen Symbolen zeigt, zeugt zweifellos von einem falsch verstandenen Christentum. Denn im Christentum hat das Wohl der Gruppe nichts zu suchen. Es ist bei Licht besehen eine recht perverse Ethik, und das Buch ist deshalb wohl in erster Linie von soziologischen Interesse. Wenn ich die Reihe der positiven Rezensionen durchsehe, so erkenne ich, dass die meisten davon der durchweg positiven Darstellung dieser kruden Ethik auf den Leim gehen, in der Mord im Interesse der Gruppe gegebenenfalls "gerechtfertigt" ist.

Dass das ganze ein nur mäßig gut geschriebener Roman ist, der zwar autobiographisch zu sein beansprucht, dessen Wahrheitsgehalt aber nicht überprüfbar ist, macht die Sache nicht besser.
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am 10. Juli 2015
Dieses Buch hat mich erst überrascht und dann immer mehr gefesselt und begeistert. Es hat bleibende Quanten in meinem Leben hinterlassen.
Das Überraschende ist, welche Weisheit und Humanität diesem Buch inne wohnt. Pure Überraschung, weil der junge Schriftsteller mit spielerischer Leichtigkeit Weisheiten seiner nach sehr eigenen Gesetzen lebenden Lehrer mit der Brutalität der kriminellen Verhaltensregeln mischt, ohne jemals arrogant oder selbstgerecht zu werden.
Gefesselt, weil in kurzen Abrissen außer der eigenen Geschichte viele andere Charaktere sehr präzise und in höchstem Maße respektvoll vorgestellt werden.
Humanistisch, weil insbesondere die Lebenserfahrungen älterer Respektpersonen seiner Geschichte eine gewisse Nemesis und Würde verstrahlen, die unter dem Widerspruch von krimineller Weltanschauung und anderseits demütiger Fügung in logisch konsequente Schicksale fast mythisch erscheinen.
Bleibende Werte, weil einige Aussagen von so tiefer Sozialität und Erkenntnis künden, es könnten Inschriften auf Denkmälern sein.
Ich werde dieses Buch in der nächsten Zeit in der Bekanntschaft immer wieder verschenken. Spannende Lektüre; Selbstironie gemischt mit dem Einblick in eine völlig unbekannte Kultur und Realität der frühen GUS-Staaten.
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am 25. Juni 2012
Ich danke dem Autor. Auch wenn es für manche, die lieber Russland etwas in homöopathischen Dosen geniessen (Transsiberian, Gorki Park etc)knallhart ist, für seinen wahrhaftigen und mutigen Bericht. Gewisse Längen sind da. Aber , wer wie ich mit diesem Land verbunden ist: Danke!

Es ist nicht einfach darüber zu schreiben. Aber auch das zweite Buch vom selben Autor, zum Krieg in Tschetschenien..ist absolut lesenswert!

Ein Muss für alle, die sich mit der aktuellen russischen und den wahren Bräuchen der Urki auseinandersetzen: Man muss nicht nur den Film von Cronenberg ansehen...sondern..lesen..von denen, die dort gelebt, aufgewachsen sind. Sonst versteht man das Land nicht !
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am 2. Mai 2014
Zitat aus dem Deutschlandfunk:

"Verkauft wird das Buch "Sibirische Erziehung" als Autobiografie. Die Sprache unterstützt diesen Eindruck. Sie ist lakonisch, unbeholfen, voller Klischees und Verbrecherjargon, als habe Lilin die erlebten Geschichten auf Italienisch aufs Tonband gesprochen. Doch als autobiografischer Bericht geht das Ganze nicht auf. Alle zeitlichen Angaben sind so schief oder vage, dass man als Leser keinen Faden findet. Und dort wo Fakten geboten werden, kommen Zweifel auf. Wie kann Stalin, wie es im Klappentext heißt, den Urki-Clan 1938 von Sibirien nach Bender umgesiedelt haben, wenn diese Stadt damals noch zu Rumänien gehörte? Und wie kann es sein, dass die Polizei in Transnistrien jugendliche Kriminelle, die sie nach einer Straftat aufgriffen hat, freilässt, ohne deren Identität überprüft zu haben? Und warum wird ein Bewohner dieses (nicht anerkannten) Staates gegen seinen Willen Ende der 1990er-Jahre in den Tschetschenienkrieg eingezogen? Möglicherweise rühren einige Fehler und vor allem die Unschärfen des Textes daher, dass in Italien ein fremder Redakteur Lilins Geschichte verschriftet hat. Und möglicherweise verstärkt die deutsche Übersetzung diese Schwäche. In jedem Fall ist "Sibirische Erziehung" Fiktion. Auf lose, nicht immer überzeugende Weise hat Lilin darin wundersam skurrile Geschichten verwoben. Die Kraft des Romans ist sein Verbrecherlatein. Sogar Babels Benja Krik hat Lilin derart in seine Welt hineingesponnen, als habe dieser in den 1940er-Jahren tatsächlich gelebt und gekämpft. Man ahnt: Wie der Klatsch für den Gesellschaftsroman, ist Verbrecherlatein der Grundstoff des Bandenromans. "
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am 21. Februar 2014
Ich bin auf diese Buch gestoßen, weil mich die Thematik Kriminalität interessiert. Über das organisierte Verbrechen in den USA und Italien gab es schon viele Bücher, Einblicke in die russisch/sowjetische "Verbrecherkultur" sind deutlich seltener zu finden.

Im vorliegenden Buch erzählt der Autor über seine Jugend in diesem Milieu und seinen "Gesetzen". Die Schilderungen wirken sehr authentisch, ohne zu romantisieren, aber auch ohne reisserisch zu sein. Sie gewähren einen Einblick in eine Welt, die der deutsche Durchschnittsbürger (glücklicherweise und hoffentlich) so nie erleben wird. Es ist wirklich harter Stoff, die geschilderte Brutaltät ist abstoßend und schockierend. Besonders die Schilderung der Zustände in den Jugendgefängnissen sind schwer zu ertragen, die allgemeine Nichtachtung des menschlichen Lebens ist dort der Normalzustand. Aber gerade das macht das Buch interessant und faszinierend, man sollte jedoch eine gewisse Leidensfähigkeit beim Lesen haben.

Für mich ist es am ehesten mit den Krimis von Roger Smith über Südafrika zu vergleichen, die sich auch in die absoluten Niederungen einer uns fremden Gesellschaft begeben. Wer noch mehr lesen will, dem sei das Folgebuch des Autors, "Freier Fall", empfohlen. Hier schildert er genauso eindringlich seine Erlebnisse als Soldat im Tschetschenien-Krieg.

Jedenfalls ist man nach dem Lesen um einige (zum Glück nicht selbst gemachte) ungewöhnliche Erfahrungen reicher und wieder einmal froh über unsere "geordneten Verhältnisse"!
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am 20. Februar 2015
Es ist ein spannendes Buch, welches unglaubliche Einblicke in die "Philosophie" der Strukturen der russischen organisierten Kriminalität bietet. Sehr authentisch geschrieben, mit einigen Gedankensprüngen, die spüren lassen, dass das Buch wohl (eigenen Vermutung) als Art Verarbeitung der Erlebnisse und Erfahrungen geschrieben wurde.
Ich habe mir gleich den zweiten Teil der Lebensgeschichte des Autors im zweiten Tschetschenienkrieg im Anschluss gekauft (Freier Fall), da ja bereits eine Andeutung im ersten Buch beinhaltet war. Ebenfalls sehr spannend geschrieben. Ich war so manchesmal schon während des Lesens froh, dass ich wusste, dass der Autor das Martyrium überstanden hat, wäre er sonst nicht in der Lage gewesen das Buch zu schreiben.
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am 31. Oktober 2010
Der Ich-Erzähler und der Autor sind bei "Sibirische Erziehung" identisch: Es sind Nicolai Lilins frühe Jahre bis zum Antritt des Wehrdienstes, die hier den Stoff für einen direkt- schnörkellosen und dennoch nicht ohne Kunstfertigkeit und Selbstironie geschriebenen Roman abgeben.

Lilin entstammt den Reihen der Urki, einer sozialen resp. ethnischen Gruppe (so genau wissen sie es wahrscheinlich selber nicht: ihre Selbstbezeichnung lautet jedenfalls "Sibirer"), deren Handwerk das Gewaltverbrechen ist, und die jede staatliche Autorität ähnlich wie die traditionelle russische Mafia, die "Diebe im Gesetz", seit Sowjetzeiten aktiv bekämpfen. Sie setzen ihre eigene Moral und ihre eigenen Regeln anstelle des gesellschaftlichen Konsenses, und diese Regeln sind hart: Verräter, Vergewaltiger, Schwule, Staatsdiener und im Grunde jeder, dem die Urki kein Vertrauen entgegen bringen, hat mit baldigem Ableben zu rechnen. Für Gut und Böse haben die Urki ihre eigene sehr klare Definition. Kampf um Respekt und Würde (nach ihren Maßstäben), ein Leben in Gewalt, Jahre im Gefängnis, Machtkämpfe gegen rivalisierende Gruppen und ganze Viertel bestimmen das Leben der Siberer im transnistrischen Bender, wohin sie in der Stalinära deportiert wurden.

Lilin erzählt mit großer Leichtigkeit und mit großem Stolz von einer Welt, in die man wahrscheinlich hineingeboren werden muss, um sie zu mögen. Die Beurteilung seiner Taten muss vom Leser nicht geteilt werden, um zu verstehen, dass es offenbar alternative Ideen zu gesellschaftlicher Ordnung gibt. Darin lag für mich der Reiz dieses Buches. Darüber hinaus mochte ich seinen Stil, besonders die Eigenart, auf dem Weg zu einem Kernthema wie auch zu der Pointe eines Handlungsstranges noch etliche kleine Geschichten einzuschieben: die Codes der Tätowierungen zum Beispiel oder die Lebensgeschichte eines jüdischen Geschäftsmannes (keine legalen Geschäfte natürlich).
Ein durchweg spannend geschriebenes Buch.
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