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Kundenrezensionen

4,1 von 5 Sternen
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4,1 von 5 Sternen
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am 18. März 2008
Guldenburg, eine Kleinstadt in Sachsen. Kurz nach dem Krieg kommt der Vertriebene Bernhard Haber als Zehnjähriger mit seiner Familie dort an und arbeitet sich langsam, zäh und unbeeindruckt von Anfeindung und Anschlägen nach oben. Der Roman endet in der Wendezeit. Haber ist einer der einflußreichsten und wohlhabensten Männer des Städtchens geworden,sein Sohn vertreibt zwei "Fidschis"aus dem Karnevalsumzug: "Karneval ist ein deutsches Fest. Was haben sie da zu suchen?" Der Kreis schließt sich,die Landnahme Habers ist abgeschlossen.

Was ein biederes, trockenes Lehrstück hätte werden können, gerät bei einem Schriftsteller von Heins Kaliber zu einem höchst unterhaltsamen
Panorama. Hein läßt Weggenossen Habers die Geschichte erzählen: seine
erste Freundin, Schulkameraden, seine spätere Schwägerin. Wie er diese
Charaktere schildert und vorführt, indem er sie einfach erzählen läßt, das hat etwas von Ring Lardner an sich und ist eigentlich nur an der Oberfläche lustig und eigentlich ziemlich traurig, ja fast schon tragisch. Sich über das niedrige sprachliche Niveau zu mokieren ist gänzlich verfehlt, denn Hein läßt nun einmal keine Schriftsteller oder Literaturstudenten erzählen, sondern Automechaniker (göttlich: Peter Koller, den eine "Pigmentverschiebung" völlig aus der Bahn wirft und der eine Karriere als Fluchthelfer beginnt), eine Floristin, eine Gärtnerin, die ihren Weg macht ("Ich gebe mein Bestes (...) und den Rest lasse ich mir schenken")und Geschäftsleute. Und das ist ganz wunderbar zu lesen, denn es macht eben einen Unterschied, und zwar einen entscheidenden, ob einen die Leute in der U-Bahn oder bei Reichelt etwas erzählen oder ob ein Christoph Hein ihnen eine Stimme verleiht und sie zu uns sprechen läßt.

Trotzdem verbleibt der Roman nicht im Anekdotenhaften, sondern erzählt wie nebenbei die Geschichte der DDR - weder als politisch überladenes Lehrstück noch als karikaturhaftes Lustspiel noch als pathetisches Historienspektakel, sondern leise, wie von ferne, als wenn einem jemand leicht über die Wange streicht, und eben darum umso wirkungsvoller, ein bißchen wie Fontane, über den Sebastian Haffner schreibt: "(...) die Figuren werden geradezu gestreichelt. Aber im Streicheln wird ihnen, unter der Hand und wie aus Versehen, ein ganz feiner Riß zugefügt, der nie mehr heilt - auch beim Leser nicht" (aus: Haffner/Venohr: Preußische Profile, Berlin 1992). So behandelt Hein seine Figuren - und die DDR.

Ein ganz feines Stück deutscher Gegenwartsliteratur, höchst lesenswert und noch lange nachwirkend.
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TOP 1000 REZENSENTam 18. März 2017
Buchkritik:: Dieser Roman von Christoph Hein, Landnahme, gibt das Geschehen in der DDR nach dem Krieg wieder. Es ist ein authentisches Werk. Er schreibt von der neuen Aufteilung des Landes eingebunden in die Bodenreform. Hier geht es nicht um Rache,sondern um den Wiederaufbau und das Gelingen von Integration. Es ist die erfolgreiche Schilderung über einen Mann der seinen Kopfe für sich hat.Und zwar, Bernhard Haber, Umsiedlerkind aus Breslau. Im Alter von zehn Jahren kommt er in die Kleinstadt namens Guldenberg (Sachsen). wie überall stoßen auch hier die Vertriebenen auf Ablehnung. Das trifft auch auf Bernhard und seine Eltern zu. Auch ihnen ergeht es nicht besser: Die Scheune samt der Tischlerei des Vaters wird durch Brandstiftung vernichtet.Der Vater hängt sich eines Tages auf. Aber es war kein Selbstmord. Es war das Ergebnis einer im Alkoholrausch geschlossenen Wette.davon erfährt Bernhard aber erst viel später. Und es lässt ihm keine Ruhe, wer derjenige war,der seinen Vater mit einer sinnlosen Wette in den Tod trieb. Aber ganz bekommt er das nicht raus.Aber Bernhard Haber ist mit der Zeit ein reicher, geachteter Mann geworden.Seine Tischlerei wirft genug ab. Er hat eine liebevolle Ehefrau, zwei Kindern und ein pompöses Haus. Aber es fällt
ihm schwer in dieser "Neuen Heimat" heimisch zu werden.

Das Buch wurde bei amazon gekauft.

Fünf Sterne für diesen Klassiker in der Nachkriegsliteratur.
Besondere Leseempfehlung.
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am 18. Januar 2012
In Christoph Heins Roman entwickelt sich das Umsiedlerkind Bernhard in der DDR- Provinz zum Kleinbürger und im wiedervereinigten Deutschland zum Großbürger. Geschildert wird das Leben in einer mitteldeutschen Kleinstadt. Die aus Schlesien vertriebene Familie Haber versucht nach Kriegsende in Guldenberg einen Neubeginn. Doch sie bleiben Umsiedler, nicht gewollt, nicht gemocht und nur geduldet. Einheimische brennen dem Vater die Tischlerwerkstatt nieder und bringen Bernhards Hund um. Als der zehnjährige Bernhard 1950 nach Guldenberg kommt, ist er ein etwas begriffsstutziger Junge. "Man kann ihm beim Denken zusehen." sagt die Klassenlehrerin. Im Mief der kleinen Stadt reift Bernhard Haber heran. Er ist aktiv dabei, als die Großbauern zur Kollektivierung gezwungen werden. Seine Geschichte wird aus der Perspektive von fünf Personen erzählt, die mit ihm zumindest jeweils einen Lebensabschnitt teilten: Thomas Nicolas sitzt mit Bernhard drei Jahre auf einer Schulbank, Marion Demutz ist die erste Liebe des Sechzehnjährigen, ohne seine Gefühle zu erwidern. Peter Koller organisiert zusammen mit dem jungen Haber den Transport von Republikflüchtlingen nach Berlin. Mit dem Geld wird er sich später eine eigene Tischlerwerkstatt aufbauen. Katharina Hollenbach teilt mit dem jungen Mann das Bett und der Besitzer der örtlichen Sägerei Sigurd Kitzerow teilt mit Bernhard den Gewinn im Holzgeschäft. Hein verrät dem Leser jedoch nichts über die Gefühlswelt Bernhards. Wie so oft bei den Helden Heins wird man zwischen Sympathie und Abneigung hin und her gerissen. So richtig kann man sich für keinen seiner Figuren erwärmen, sie bleiben alle kalt und fremd. Über die historischen Ereignisse wird erstaunlich wenig berichtet: Hauptteile der Handlung spielen in den 19fünziger Jahren, erwähnt werden der Aufstand des 17. Juni, der Bau und der Fall der Mauer. In der DDR werden auch die wenigen noch verbliebenen kleinen, privaten Betriebe teilverstaatlicht. Erst nach der Wende kann Bernhard wirklich reich werden. Er beschließt, mit den Bürgern dieser Stadt, die seinen Vater ermordet haben, in Frieden zu leben. Geld, Macht und Besitz sind der Maßstab seines Lebens geworden. Christoph Hein gibt den unterschiedlichsten Figuren ihre eigene Stimme. Aber es sind die, die in das untergegangene Land DDR keine Hoffnungen investiert haben. Für sie war es ein Ort, an dem man es sich einrichten musste. Christoph Hein vermeidet, wie immer, Wertungen: Seine Helden entlarven sich, wie in seinen anderen Romanen, selbst. Dabei ist es manchmal unerträglich, ihrem kleinlichen, beschränkten, von Vorurteilen geprägten Standpunkt und ihrem Geschwätz zu folgen. Und man ist (unberechtigter Weise?!) geneigt, dies dem Autor vorzuwerfen.
"Das ist auch Leben - Formation und Deformation." (Zitat: Christoph Hein)
Für mich waren "Frau Paula Trousseau" und "Weiskerns Nachlass" die wesentlich überzeugenderen Romane von Christoph Hein.
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am 26. Juni 2009
Für mich ist dieses Buch von Christoph Hein über die Karriere eines aus einem deutschen Ostgebiet Vertriebenen in der "DDR" der vielleicht beste Nachwende-Roman und stellt z.B. Ingo Schulzes viel gepriesene Simple Storys weit in den Schatten. Hier wird nicht im Banalen das Charakteristische gesucht, hier interessiert jede der Geschichten und Schicksale und alles fügt sich trotz der episodenhaften Anlage zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk, das zugleich einen erheblichen Teil deutscher Nachkriegsgeschichte spiegelt. Die Methode, Zeugen statt des Protagonisten selbst zu Wort kommen zu lassen, erinnert an Tod eines Schülers, die innovative Achtziger-Jahre-ZDF-Serie, die Fernsehgeschichte schrieb. Aber keine noch so originelle Erzählkonzeption nützt etwas, wenn der Stoff nichts taugt. Und hier zeigt "Landnahme" seine ganze Klasse: Hein gelingt es, zumindest in den meisten seiner Episoden, die Beschreibung des Zeittypischen stets mit aufregenden Geschichten zu verweben.

Zum Erfolg des Buches trägt zweifellos auch bei, dass Hein auf die üblichen Manierismen und nicht selten selbstgefälligen Verfremdungseffekte der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur verzichtet. Sogar die bei einigen ja völlig aus der Mode gekommenen Anführungszeichen findet man hier noch! Offenbar zählt für Hein so etwas wie Leserfreundlichkeit noch. Mich jedenfalls hat auch das für diesen Roman eingenommen.

Mir persönlich am meisten in Erinnerung bleiben werden wohl der Spannungshöhepunkt eines illegalen Grenzübertritts im Kofferraum eines Autos und der Begriff "Pigmentstörung", der ohne Zweifel das Zeug zum geflügelten Wort hat. Die Geschichte hinter der Pigmentstörung allein ist schon ein Grund dieses Buch zu kaufen und zu lesen.
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am 1. Januar 2013
Bernhard Haber flieht mit seinen Eltern in den letzten Kriegstagen aus seiner Geburtsstadt Breslau in die sächsische Kleinstadt Guldenberg. Doch dort ist die Familie nicht willkommen, in der Schule wird Bernhard, der nicht gerade durch schulische Glanztaten aufzufallen versteht, als Polack" beschimpft und wird zu einem Einzelgänger, der sich jedoch seiner Haut zu wehren weiß. Bernhards Vater ergeht es nicht besser, ihm der im Krieg einen Arm verlor, gibt im Berufsleben keiner ein Chance, so macht er sich in seinem erlernten Beruf als Tischer selbstständig, wird als einarmiger Handwerker zum Gespött und bekommt von den alteingesessenen Guldenbergern keine Aufträge. Doch aller Unwägbarkeiten und Ressentiments zum Trotz, versteht es Bernhard seinen Weg zu gehen, mal als Rebell, mal als angepasster Spießer. Hein schildert Bernhards Leben über eine Zeitspanne von 50 Jahren. Er lässt es fünf Weggefährten aus unterschiedlichen Lebensabschnitten, aber auch Perspektiven erzählen. Ihm gelingt etwas Seltenes: Er lässt in diesem Roman Geschichte auf vergnügliche Weise und hohem literarischem Niveau ohne erhobenen Zeigefinger lebendig und erfahrbar werden. Großartig!
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am 3. August 2009
Über fünf Jahrzehnte und gut 350 Seiten erstreckt sich der Roman "Landnahme" von Christoph Hein. Einst Starautor des maroden DDR-Regimes hat sich der Schriftsteller - ohne sich zu verbiegen - zum Kultautor der gesamtdeutschen Literaturszene gemausert. Nicht zuletzt, weil es ihm gelungen ist, den Finger auf die Wunden deutsch-deutscher Befindllichkeiten zu legen - seien sie in der ehemaligen DDR oder in jetzt gesamtdeutschen Bundesrepublik zu auszumachen. Das galt für den Roman "Horns Ende" (1985), für den Roman "Willenbrock". Und erst recht für "Landnahme".

1950 kommt der junge Bernhard Haber mit seinen Eltern als Flüchtling aus Schlesien in das provinzielle sächsisch Guldenberg. Die sind nichts, und sie haben nichts. Sie sind "ohne Land" und bereiten vermeintlich eine "Landnahme" vor. Deshalb: Man mag sie nicht, und man lässt es sie spüren. Der kriegsinvalide Vater versucht, sich wieder eine Existenz als Tischler aufzubauen. Die Werkstatt brennt ab. Und der "einzige, wirkliche Freund" von Bernhard, sein Hund Tinz, wird erdrosselt. Später kommt Bernhards Vater auf sehr fragwürdige Weise ums Leben..

Für den ohnehin etwas verstockten, zurückhaltenden Jungen ist klar: Das waren keine Zufälle, das war bewusste Provokation, das war Brandstiftung und Mord. Und so begegnet er Mitschülern und Erwachsenen zornig und agressiv und voller Misstrauen. Gleichzeitig kommt Trotz auf und der unbändige Willen, es denen zu zeigen. Christoph Hein, ebenfalls Schlesier, thematisiert ein in der früheren DDR ohnehin verdrängtes Problem (das auch den Westdeutschen nicht fremd war und den Gesamtdeutschen auch heute wieder sehr nah ist): den Umgang mit Flüchtlingen. Und so mag auch eigenes Erleben des Autors in die Geschichte um Bernhard Haber eingeflossen sein.

Der "Holzwurm" Bernhard beginnt nach der Schulzeit eine Tischlerlehre, zeitweise verdingt er sich als kommunistischer Agitator, später kommt er als Karussellbesitzer zu sehr viel Geld. Geld, das er als Fluchthelfer verdient. Als diese Quelle versiegt, begibt sich Haber auf den Weg der Respektabilität. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder, er ist ein anerkannter Bürger des verschlafenen Provinznestes. Der einstig Erniedrigte und Beleidigte ist nun angepasst, ist erfolgreicher Geschäftsmann, wird gar Karnevalspräsident und hat nur noch ein mildes Lächeln dafür übrig, dass sein hoffungsvoller Nachwuchs einige "Fidschis" verprügelt. Eine deutsche Karriere!

"Schreiben ist nach meinem Verständnis dem Berichterstatten verpflichtet. Natürlich ist es die Chronik eines Schriftstellers, sie ist nicht objektiv, sondern sehr viel mehr: Sie ist eingreifend und realistisch und phantastisch und magisch, Poesie eben." So einst Christoph Heins literarisches Credo. Es gilt auch für "Landnahme". Das Interessante an diesem Roman aber ist das Wie. Hier liegt ein sehr konsequent und überzeugend konstruiertes Werk vor. Nicht Haber erzählt oder der allwissende Autor. Fünfstimmig kommt die Geschichte daher. Erzählt von Zeit- und Tatzeugen. Sie schildern den Werdegang eines Außenseiters in der Provinz - und damit ein deutsches Schicksal. Gleichzeitig spiegelt sich in ihren Erzählungen exemplarisch deutsch-deutsche Geschichte, von den "Gründerjahren" der DDR bis zur Jahrtausendwende.

Christoph Hein ist eine großes, sein bestes Buch gelungen. Er beweist sich als ein Chronist, dessen Berichterstatten realistisch, phantastisch und magisch ist. Eben Poesie.
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am 8. Februar 2005
Erzählt wird die Lebensgeschichte des Bernhard Haber, der als Vertriebener aus Breslau in die sächsische Stadt Guldenberg kommt. Beginnend mit der Schulzeit 1950 schildert jeweils eine Person, die ihn ein Stück auf seinem Lebensweg begleitet hat aus ihrer Perspektive Bernhards Werdegang. Jede einzelne dieser Erzählungen ist eigentlich eine in sich abgeschlossene Geschichte und doch ist allen gemein, dass Bernhard Haber Teil jeder dieser Geschichten ist. Nach und nach entsteht so ein Bild von ihm und man erlebt, wie Bernhard sich vom armen, unerwünschten Vertriebenenkind zum angesehenen, wohlhabenden Geschäftsmann, der die Geschicke der Stadt mit bestimmt, entwickelt.
Im Rahmen der jeweiligen Erzählperspektive fließen politische Ereignisse der DDR-Geschichte mit ein, die reichen von der Enteignung der Bauern, über den Aufstand des 17. Juni und den Mauerbau bis zum Fall dieser.
Alles in allem ein unterhaltsames Werk, das einem vor allem die Nachkriegszeit im Osten in den fünfziger Jahren näher bringt.
Einziges Manko: von einem Autor dieser Größer könnte man sprachlich mehr verlangen.
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am 2. März 2009
Das Buch gibt dem Leser einen Eindruck über die Geschehnisse in einem kleinen Landstrich im heutigen Sachsen, zu Zeiten der DDR. Es ist ganz bestimmt kein Deutschlandroman, denn dafür ist der ausgewählte Rahmen der Handlung zu eng gebunden. Es gibt vielmehr einen guten Einblick in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, die ankommenden Vertriebenen aus den ehemaligen preußischen Ostgebieten, die seit dem Ende des Krieges wieder zu Polen gehören. Die Handlung ist durch fünf Erfahrungsberichte durch Menschen gekennzeichnet, die Bernhard mehr oder weniger kannten. Alle habe unterschiedliche Erfahrungen mit ihm gemacht, und für alle war Bernhard der Außenseiter, der Vertriebene. Denn in der Kleinstadt Guldenberg, in der die Handlung spielt, sind die Vertriebenen nicht gerne gesehen. Sie sind die Unerwünschten- die Ausländer, die sich alles schmarotzen und zu faul sind zu arbeiten. Gewisse Tendenzen zur heutigen Zeit, in der Sachsen als sehr ausländerfeindlich einzustufen ist, erkennt der Leser und es ist erstaunlich, inwieweit sich die Tendenz bis in die heutige Zeit verfestigt hat. Heute sind es eben nicht die vertriebenen Deutschen, sondern die Undeutschen Ausländer. Am Ende der Handlung kommt dies auch noch mal besser zum Ausdruck, als der Sohn des wohl bestens Freundes, über Vitschis (Vietamesen) redet, die ein deutsches Fest (Fasching) nicht zu besuchen hätten.
Ich empfehle das Buch aus besten Gewissen an jeden der sich für diesen Teil der deutschen Geschichte interessiert und wissen will, warum Sachsen so ist, wie es heute ist.
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TOP 500 REZENSENTam 7. April 2005
"Endlich ist er da, der große Deutschlandroman", schrieb die TAZ, als das vorliegende Buch erschien. Diesem enthusiastischen Urteil werden die meisten Leser wohl kaum folgen können, wenngleich das Buch keineswegs schlecht oder langweilig ist - es ist nur eben genauso spannend wie der DDR Alltag im Provinznest Guldenburg. Fünf Männer und Frauen, erzählen Geschichten aus Guldenberg, einem DDR-Provinznest, und im Mittelpunkt ihrer Erzählungen steht der Berhard Haber, ein mürrischer und verstockter Unsympath, bei dem man sich fast ein wenig wundert, wie er es schafft, vom verachteten "Holzwurm" zu einem der reichsten Männer Guldenburgs aufzusteigen. Die Erschütterungen von Zwangskollektivierung und 17. Juni, von Mauerbau und 89er Wende fungieren im Rahmen der Handlung jedoch nur als fernes Donnergrollen, gerade so, als hätte sich das Leben in der DDR Provinz gleichsam in einer Membrane weitab von der DDR-Wirklichkeit, von Schauprozessen und Stasi-Schikanen, Versorgungsengpässen und Massenflucht in den Westen, vollzogen. Schon aus diesem Grunde ist es schlichter Unsinn, von einem "exemplarischen Deutschlandroman" zu reden, es handelt sich vielmehr um einen DDR-Roman aus der Provinz mit Menschen, die es auch im Westen hätten geben können. Wen das interessiert und wer an den kleinen Alltgasgeschichten mit Brandanschlägen, Ehebrüchen, Schul- und Lehrlingsgeschichten geschichten Gefallen findet, der wird mit diesem Buch ein begagliches Wochenende verleben können. Das ist aber auch schon alles.
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TOP 500 REZENSENTam 7. April 2005
"Endlich ist er da, der große Deutschlandroman", schrieb die TAZ, als das vorliegende Buch erschien. Diesem enthusiastischen Urteil werden die meisten Leser wohl kaum folgen können, wenngleich das Buch keineswegs schlecht oder langweilig ist - es ist nur eben genauso spannend wie der DDR Alltag im Provinznest Guldenburg. Fünf Wegbegleitter, Männer und Frauen, erzählen Geschichten aus Guldenberg, einem DDR-Provinznest, und im Mittelpunkt ihrer Erzählungen steht der Berhard Haber, ein mürrischer und verstockter Unsympath, bei dem man sich fast ein wenig wundert, wie er es schafft, vom verachteten "Holzwurm" zu einem der reichsten Männer Guldenburgs aufzusteigen. Die Erschütterungen von Zwangskollektivierung und 17. Juni, von Mauerbau und 89er Wende fungieren im Rahmen der Haqndlung nur als fernes Donnergrollen, gerade so, als hätte sich das Leben in der DDR Provinz gleichsam in einer Membrane weitab von der DDR-Wirklichkeit, von Schauprozessen und Stasi-Schikanen, Versorgungsengpäsen und Massenfluchtr in den Westen, vollzogen. Schon aus diesem Grunde ist es schlichter Unsinn, von einem "exemplarischen Deutschlandroman" zu reden, es handelt sich vielmehr um einen DDR-Roman aus der Provinz mit Menschen, die es auch im Westen hätten geben können. Wen das interessiert und wer an den kleinen Alltgasgeschichten mit Brandanschlägen, Ehebrüchen, Schul- und Lehrlingsgeschichten geschichten Gefallen findet, der wird mit diesem Buch ein begagliches Wochenende verleben können. Das ist aber auch schon alles.
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