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am 30. September 2013
„Es heißt, die Zeit heilt alle Wunden, aber das Gegenteil ist der Fall. Wir erfinden die Zeit, und dann läßt sie uns sterben.“
Es geht um Erinnerung und das, was wir dafür halten, um beschädigte Seelen, um Geschichte und darum, wie sie sich auf den Einzelnen auswirkt. Marion Poschmanns ambitioniertes Romandebüt stellt den westdeutschen Psychiater Altfried (was für ein Name!) ins Zentrum, in die Sonnenposition – so auch der Titel des Buchs.
Der eher unscheinbare Mann mit dem „Faible für Abweichung“ist von West nach Ost gezogen und arbeitet in einem verrottendem barocken „Schloss“, wo Menschen untergebracht sind, die an den unterschiedlichsten Psychosen leiden, teils auch infolge der Wende. Alfried, blond und dicklich, schon als Schüler überangepasst, mangelt es an Selbstbewusstwein. Schon deshalb bewundert er Odilo, der vor Selbstbewusstsein nur so zu strotzen scheint und hängt an dem Jugendfreund mit fast submissiver Ergebenheit.
Doch Odilo ist nicht die Sonne, wie Altfried lange glaubt. Auch er, der Luziferen-Forscher, leidet unter der Abwesenheit von Licht, was er mit seiner Forschung kompensiert – und mit einer Leidenschaft für Feuerwerke. Während er Altfried auf seiner unergiebigen Jagd auf die „Erlkönige“ – camouflierte Prototypen der Autoindustrie – begleitet, selbst während er mit der Schwester des Freundes, Mila, zusammen ist, wirkt Odilo seltsam leblos, unverortet .Ein Muttersöhnchen, ein Schlafwandler, der sich nie ganz öffnet und mit seinem Versteckspiel den von Altfried vergeblich gesuchten Erlkönigen gleicht. Odilos Tod und das Begräbnis sind für den Freund Anlass, sich über die Beziehung klar zu werden und dabei auch über die eigene Position zu reflektieren. Dass Mila in Odilos Leben eine Rolle gespielt hat, wird ihm erst jetzt klar: Der Freund hatte ihn auch da im Dunkeln gelassen.
Poschmann zeigt in einer makellosen, metaphernreichen Sprache versehrte Menschen auf der Suche nach Sinn, sie leuchtet in die Abgründe, die von einer unbewältigten Vergangenheit aufgerissen werden. Die Natur wird zum Spiegelbild der Seelenzustände, die deutsche Geschichte zum Anker der Erinnerung. Die Lyrikerin verrät sich nicht nur in Kapitelüberschriften wie „Gedächtnispaläste“, „Gewittertiere“ oder „Doppelsonnen“. Sie offenbart sich auch in bestechenden Bildern wie das von den Wasserspeiern, die „das Wetter von damals erbrachen“ oder das vom „Stürzen des Nachthimmels“ und im kunstvollen Arrangement des Romans. Soviel Virtuosität kann ganz schön anstrengend sein – aber die Anstrengung lohnt.
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Es ist schon komisch mit diesem Buch. Direkt nach dem Auslesen hätte ich es noch als gut, wertvoll und lesenswert bezeichnet. Heute, eine Woche danach, kann ich mich kaum noch an die Handlung erinnern. Und nicht, weil ich ein schlechtes Gedächtnis habe oder es nur überflogen habe. Nein, weil die Handlung bei diesem Roman wohl eher nebensächlich ist.

Was diesen Roman vielmehr auszeichnet ist die Sprache. Hier bewegt sich die Autorin auf einem beeindruckend hohen Niveau. Marion Poschmann kann mit Ihren Sätzen wunderbare Stimmungen erzeugen. Ich habe mir manche Passagen mehrmals hintereinander laut vorgelesen, weil sie einfach so wunderschön waren.

Inhaltlich allerdings wirkt alles irgendwie konstruiert, unausgegoren, an den Haaren herbeigezogen. Die Protagonisten bleiben für mich merkwürdig konturlos, die Liebesbeziehung zwischen der Schwester und dem Freund Odilo ist in meinen Augen unglaubwürdig. Das Hobby der Hauptfigur Altfried, die Jagd nach Erlkönigen, ist nicht nur albern, sondern passt auch nicht zur Figur. Ich ahne natürlich den tieferen Sinn, sehe auch was allegorisch hinter Odilos Profession und Altfrieds Hobby stehen könnte: das Gewöhnliche, das von Innen leuchtet und das Außergewöhnliche, was sich der Umgebung anpasst und tarnt. Toll! Und was soll ich damit jetzt anfangen?

Im Klappentext steht, dass Marion Poschmann eigentlich Lyrikerin ist. Das erklärt so einiges. Eine Lyrikerin hat einen Roman geschrieben. Das Ergebnis ist ein lyrischer Roman. Was sollte auch sonst dabei herauskommen?

Mein Fazit: Nicht geeignet für den schnellen Konsum. Eher etwas für Genießer, die Spaß an gefühlvollen Sätzen und am Auffinden versteckter Tiefgründigkeiten haben. Sicher auch ein Buch, das beim zweiten Lesen noch gewinnt.
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Es ist ein kaltes Land, in dem die Figuren der Marion Poschmann ihr Wesen treiben. Und ihre Menschen im Roman "Sonnenposition" sind seltsam leblos. Liegt das bröckelnde Schloss, in dem die psychiatrische Anstalt, Hauptbühne des Romans, untergebracht ist deshalb auf dem Gebiet der verblichenen DDR? Soll das Gewesene seinen düsteren Schatten auf das Heute werfen? Der Rheinländer Altfried Janich, ein Arzt der Anstalt, hätte die Kulisse nicht gebraucht. Schon sein Hobby weist ihn als Schattenwesen aus. Er jagt "Erlkönige", jene neuen Automodelle, die, mit Applikationen verfremdet, zum Testen über Nebenstraßen gefahren werden: Zwar wollen die Hersteller die Prototypen der rauen Wirklichkeit aussetzen, aber kein fremder Blick soll die künftige Gestalt der Modelle erahnen können. Janich wird nie ein Foto der von ihm begehrten Objekte gelingen, immer bleiben ihm leere Landschaften, verwehte Bäume, Regen auf einsamen Straßen.

Scheinbar ganz anders Odilo, Janichs einziger Freund. Der ist ein erfolgreicher Forscher und versucht das Luziferin, den Stoff der Glühwürmchen und Quallen leuchtend macht, auf andere lebende Organismen zu übertragen. Er luziferisiert Mäuse. Weil er von dieser Wissenschaft besessen ist, weil sie all seine Zeit frisst, schläft er nur noch wenige Stunden, wohnt immer noch bei seiner Mutter und ist so selbstbezogen wie nur einer sein kann. Wie solch ein Sonderling ein Liebesverhältnis zur durchaus lebensbejahenden Schwester Janichs entwickeln konnte, wird immer das Geheimnis der Autorin bleiben. Ohnehin sind die Figuren des Romans bar jeder Entwicklung: Sie tauchen als fertige Geschöpfe auf dem literarischen Schachbrett auf, werden ein wenig hin und her geschoben, um dann im Dunkel der Schöpfungsgeschichte wieder zur verschwinden.

Weil das bröckelnde Schloss mit seinen kafkaesken Räumen der Schriftstellerin anscheinenden nicht genug an Düsternis hergibt, wird ihm noch eine Geschichte als Vernichtungsort der Euthanasie beigegeben: Gaskammern soll es dort gegeben haben, sogar die Zahlen der Ermordeten werden im Roman akribisch aufgeschrieben. Ein anderer Ausflug in die deutsche Geschichte führt in die Heimat von Janichs Eltern, nach Schlesien. Bruder und Schwester begleiten eine Tante nach Polen, die auf dem ehemaligen Hof der Familie ein Grabkreuz errichten will. Es überrascht nicht, dass dieses Stück Polen eher grau als farbig ist, dass die Gefühle der Kreuzzügler eher verhalten als eindringlich sind und dass selbst die Schneekoppe, der Sehnsuchtsberg der Schlesier, nur als Zweitehand-Erlebnis auftaucht.

All diese Tristesse wird in einer makellosen Sprache erzählt, mal marmorn, mal ehern fühlt sich die Syntax an. Wortgebäude von kühler Pracht errichtet Marion Poschmann, aber man mag nicht darin wohnen. Nur einmal leistet sie sich einen Satz, der ihrer Kontrolle entglitten ist und überdeutlich erkennen lässt, dass die Form den Inhalt überwuchert hat: "Abgerissenes Seegras, dem Roß des Okeanos zum Fraß vorgeworfen, von der gleichmäßigen Peristaltik der Wellen zu Bällen gerollt, kleine Tischtennisbälle und größere Tennisbälle, perfekt gerundete Pferdeäpfel der See." Bei so viel Form wird dann die Funktion, der Gang der Haltung zweitrangig.
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am 26. August 2013
„Die Sonnenposition“ ist ein mitreißend geschriebener, sehr poetischer Roman über ein heruntergekommenes Barockschloß, das die Geschichte symbolisiert, und über Altfried, den Erzähler, seinen Bewohner, der als Psychiater schon von Berufs wegen versucht, zu heilen, was vielleicht nicht zu heilen ist: die Vergangenheit, die, wie sich zeigt, auch die seiner eigenen Familie ist.
Ausgelöst durch den Tod seines besten Freundes begibt er sich – freiwillig oder unfreiwillig – auf eine Reise nach innen, ins Erinnern, und so überlagert sich das Leben im Schloß mit Erinnerung an die gemeinsame Zeit mit dem Freund, die ihre eigenen Abgründe hat, zum Beispiel an die als „Erlkönigjagden“ inszenierten ziellosen Autofahrten durch Deutschland.
Ist Altfried selbst ein Versehrter, einer, der (wie es eine witzige Stelle andeutet) das Kreuz trägt? Der Roman greift auf den alten Sonnenmythos von Tod und Wiedergeburt zurück, und im immer wieder auftauchenden Bild der Rundheit auch auf die Idee eines letztlich zu sich zurückkehrenden, gelingenden Lebens. Der Roman ist lebensklug genug, offen zu lassen, ob sich Altfrieds Geschichte am Ende rundet, aber auf dem Weg dorthin ist er von einer berauschenden Fülle und Sprachkraft, und er erzählt von einer Liebe zum Leben, die das Dunkle, die Verluste nicht leugnet.
Zugleich wird kunstvoll die Frage nach der Greifbarkeit der Wirklichkeit gestellt: zwischen scheinbarer Realität und scheinbarer Imagination gibt es bis zum Schluß immer wieder Umschlagpunkte, doppelte Böden.
Mich hat der Roman gefesselt, gerade weil er nicht das übliche Tempo hat, sondern genauer hinsieht, weil er sich behutsam mit den „letzten Dingen“ beschäftigt, und das auch mit einem eigenwilligen, hintergründigen Humor.
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am 15. Mai 2015
Die ist ein wunderbarer Roman, er zeichnet sich durch dichte, fast poetische Sprache aus, durch ebenso eindrückliche Bilder, Szenen und Personen. Anhand des Gegensatzes Helligkeit / Dunkelheit inszeniert die Autorin den Zerfall einer Persönlichkeit, bzw. deren Selbstgewißheit wie auch den der Vergangenheit und damit der Gegenwart. Dieses Buch ist schön, es ist tieftraurig und es ist immens klug. Auch wenn man - wie ich - nicht jede geisteswissenschaftliche Fundierung durchdringt, bleibt es ein lesenswertes, zutiefst menschliches Buch.
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am 15. November 2015
Inhalt:

Altfried betreut in einer Anstalt auf einem Schloss seine Patienten psychologisch. Er ist die Sonnenposition seiner Patienten, die Konstante, der Trost. Doch eines Tages stirbt Altfrieds Freund Odilo, und seitdem ist alles anders, Odilo geistert in seinen Gedanken herum und plötzlich muss Altfried sein ganzes Leben noch einmal aufwühlen. Tagsüber ist er für die Patienten da, nachts muss er selbst Dinge verarbeiten.

Meinung:

Zunächst ist das Cover wunderschön mit den zwei Händen, die man primär nicht entdeckt und den vielen Blumen.
Ich habe mich für dieses Buch entschieden, weil ich einfach mal etwas anderes lesen wollte, etwas tiefsinniges, was mich nachdenklich stimmt. Und gleich am Anfang hatte ich das Gefühl, auch genau das zu bekommen, was ich erwartet habe. Der Anfang ist wortgewandt und stimmungsvoll. Sogleich hat mich das Buch um einige Zitate bereichert.
Der einmalig außergewöhnliche Sprachstil der Autorin hat mich in den Bann gezogen. Ich war fasziniert von dieser Eloquenz und Wortgewalt, die in mir eine tiefsinnige Nähe zu dem Protagonisten ausgelöst haben. In dem Buch geht es nicht darum eine Geschichte zu erzählen und diese ist möglichst spannend, nein, die Autorin erzählt die Geschichte so als würde sie ein barockes Kunstwerk malen. es sind nicht nur Worte, die eine Geschichte vorantreiben, sondern eine Kunst, die mich tief berührt hat. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie fasziniert ich von der Konstellation der Sätze war..von der Wortwahl...dem Tempo. Ich habe mich gefühlt, wie ein Passant, der fasziniert einen Künstler beobachtet. So ein Buch habe ich noch nie gelesen, in dem die Poesie nicht nur lesbar und bemerkbar war, sondern auch spürbar. Nicht nur hochpoetisch ist dieses Werk, sondern es regt dazu an sich Gedanken zu machen über die menschliche Psyche und über sich selbst. Teilweise waren Wahrheiten und Gedankengüter dabei, über die ich nicht nachgedacht habe. Man spricht hier von einer Bereicherung.
Der Protagonist ist zwar nicht der glänzende Held der Geschichte, er ist mir jedoch sehr sympathisch gewesen. besonders seine Studentenzeit hat mich an meine erinnert, zwar nicht alles, aber vieles.
Das Buch hat somit all meine Erwartungen übertroffen. Es hat mich tiefer berührt, als ich gedacht habe und mich sehr beeindruckt ob des wunderschönen Schreibstils.
Einen negativen Punkt habe ich anzumerken: die Handlung ist eher stockend und teilweise hat man das Gefühl, sie sei gar nicht vorhanden, aber das ist bei diesem Werk vollkommen egal, denn das Hauptaugenmerk lag bei mir eher bei dem Genuss der Worte.
In den verschiedenen Kapiteln werden Dinge in eine gewisse logische Reihenfolge gebracht, also Einteilung der Patienten oder die Phasen des Lebens anhand von Tapeten etc. Dies fand ich einerseits sehr klug gewählt, da man ohne groß eine Geschichte drum herum zu bauen, einfach die Dinge erzählen kann, die man möchte. Dafür geht natürlich eine flüssige Handlung verloren, da diese Dinge nun mal aufgezählt werden hat man als Leser einen informativen Input, dafür ist es schwierig eine Handlung zu zu ordnen.

Ein wunderschönes, poetisches Werk. Tiefsinnig und ein Kunstwerk. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
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am 15. Januar 2014
Der Literaturwissenschafter Edgar Allen Poe hat die These aufgestellt, der erste Satz eines Romans umreiße oft schon die ganze Geschichte. So mancher Leser von Monika Poschmanns Roman «Die Sonnenposition» mit seinem einleitenden Dreiwortsatz «Die Sonne bröckelt» wird ihm möglicherweise recht geben. Das Bröckeln jedenfalls zieht sich als verfallträchtiger Hintergrund durch den ganzen Roman, die vielfach mit Literaturpreisen bedachte Autorin lenkt den Fokus in ihren bisher drei Romanen immer wieder, scheinbar deterministisch, auf die Schattenseiten unseres Lebens. Scheitern, Pessimismus, Sprachlosigkeit, Lieblosigkeit, soziale Kälte allenthalben, was sich sowohl in einer düsteren Thematik, aber noch deutlicher in der metapherträchtigen, lyrikartigen sprachlichen Umsetzung und in den eigenartigen, eher ungewöhnlichen Figuren ihrer Geschichte widerspiegelt.

Ich-Erzähler ist ein farblos bleibender Psychiater mit dem bezeichnenden Namen Altfried, der in einem heruntergekommenen Barockschloss in der ehemaligen DDR lebt und arbeitet, welches notdürftig zur psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt umgebaut wurde. Sein Freud Odilo, verklemmtes Muttersöhnchen und auf Biolumineszenz spezialisierter, genialer Biologe, ist äußerst menschenscheu, geradezu unnahbar und kalt. Er stirbt als schlafwandelnder Autofahrer gleich zu Beginn der Geschichte, und bei der Beerdigung taucht überraschend auch Mila auf, Altfrieds Schwester. In Rückblenden erfahren wir, dass zwischen Odilo und Mila mehr war als nur Freundschaft, was auch Altfried nicht wusste. Die Beziehungen zwischen den drei Protagonisten sind merkwürdig distanziert, man weiß wenig voneinander, sieht sich eher selten, hat sich kaum etwas zu sagen, glaubhaft portraitiert erscheinen sie mir nicht. Altfried hat die Sonnenposition inne in seiner kafkaesken Anstalt, er beleuchtet die seelische Düsternis um ihn herum, gibt sein Bestes, um zu helfen. Orientierung und Trost aber könnte er selbst brauchen, sein eigens Leben ist beklemmend eintönig und inhaltsleer, nur in seinem grotesken Hobby, seiner stets erfolglos bleibenden Jagd nach automobilen Erlkönigen, zeigt er so etwas wie menschliches Empfinden, weit entfernt jedoch von echter Leidenschaft für sein fotografisches Steckenpferd.

Erzählt ist dieser handlungsarme Roman in einer auf reichlich Metaphern, Symbolik und gewagten Wortschöpfungen basierenden Sprache, die nicht jedem gefallen dürfte, weil sie viel Phantasie voraussetzt, oft auch wohlwollende Nachsichtigkeit bei den wahrlich nicht immer gelungenen Assoziationen, die sie bewirken soll. Sie kommt ohne direkte Rede aus, ist wohltuend klar, flüssig lesbar und unkompliziert, Leser mit Hang zur Symbolik werden jubeln dabei, das Feuilleton hat mit geradezu hymnischen Rezensionen ja die Richtung vorgegeben. Wer reine Prosa mag ohne lyrische Höhenflüge, der wird zumindest in den zahlreichen, anschaulich beschriebenen Fallgeschichten von Altfrieds Patienten auf seine Kosten kommen, aber auch die Reise in die ehemalige polnische Heimat ist eine erfreulich geerdet erscheinende Prosainsel inmitten einer metaphysischen Abgehobenheit, wie sie allein schon in kreativen Kapitelüberschriften wie Glühbirnengleichnis, Rückenfiguren, Gedächtnispaläste oder Schlafversager deutlich wird.

Tristesse und Depression scheint 2013 Schwerpunktthema gewesen zu sein beim Deutschen Buchpreis. Neben der Gewinnerin Terézia Mora haben mit Mirko Bonné und Marion Poschmann gleich drei Finalisten ihren literarischen Beitrag geleistet zu den dunklen Seiten der menschlichen Existenz, nur Monika Zeiner war da ein literarischer Lichtblick für mich. «Die Sonnenposition» ist jedenfalls einer der wenigen Romane nach langer Zeit, bei dem ich froh war, ihn endlich beiseite legen zu können nach der Lektüre, aber vielleicht lag es ja auch nur an mir!
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am 22. Oktober 2013
Der rundliche Rheinländer Altfried Janich findet nach der Wiedervereinigung eine Stelle im »Ostschloss«, einem heruntergekommenen Barockbau, der neuerdings eine psychiatrische Anstalt beherbergt. Hier hält er es für seine Aufgabe, seinen Patienten gegenüber die Sonnenposition einzunehmen, ihnen Orientierung und eine Quelle des Trostes zu sein. Als sein Freund Odilo durch einen rätselhaften Autounfall zu Tode kommt, gerät er selbst auf die Nachtseite der Dinge. Tagsüber rücken ihm die Patienten zu nahe, nachts geistert er durch die Säle, es bedrängen ihn Erinnerungen, und auch seine Familiengeschichte mit ihren Verlusten holt ihn ein. Altfrieds ganzes bisheriges Leben scheint auf die Situation im Schloss zuzulaufen: Alle Geschichten enden hier, und bald stellt sich die Gewissheit ein, dass er aus dem Schloss nicht mehr wegkommen wird. Marion Poschmanns lange erwartete neue Prosa ist ein Roman über Deutschland aus der Sicht der Kriegsenkel. Ein Roman über die Macht der Zeit, über Erinnerung und zeitlose Verbundenheit. Ein Roman über fragile Identitäten, über den schönen Schein und die Suche nach dem inneren Licht –funkelnd, glasklar und von subtiler Spannung.

Für mich war dieses Buch ein Wagnis, ja eine Herausforderung gar, lese ich doch sonst nur trivialstes, blutiges, kriminalistisch flachsinniges.
Aber dieses Wagnis hat sich gelohnt. " Die Sonnenposition " von Marion Poschmann schafft für mich den Spagat zwischen sprachlich anspruchsvoller Literatur und Verständlichkeit dem literarisch ungeübten Leser gegenüber.
Ich, als Leser(in) konnte in die Gefühlswelt des Protagonisten eintauchen und seine Stimmungen nachvollziehen.Auch waren mir Altfrieds Probleme und Gedankengänge nicht fern. Er verliert einen guten Freund und stellt sein Leben infrage, man könnte fast die düstere Prognose Depression in den Raum schweben lassen. Die Autorin versteht es geschickt,die Worte und Sätze so zu weben , dass viele Zusammenhänge nur erahnt werden können und der Leser muss beim Lesen viel mitdenken.
Obwohl das Thema sehr ruhig ist und durch den Sprachgebrauch keine Cliffhanger oder große Spannungsbögen möglich sind konnte ich das Buch dennoch in einem Zuge lesen, ohne dass mir langweilig wurde.

Fazit: Ein Buch, das jedermann lesen kann, das bildet ohne zu beschweren, und einen Querschnitt durch das alltägliche Leben beschreibt ohne zu langweilen.
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