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Kundenrezensionen

3,5 von 5 Sternen
14
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Versuch über den Stillen Ort
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
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am 14. April 2013
Handkes jüngstes Buch mag nicht mehr so aufwühlen und erregen wie manches von dem, was er in den 90ern und frühen 2000ern geschrieben hat. Es fügt sich auch nicht bruchlos an seine sprachgewordene Unzufriedenheit, sein Suchen und Nicht-Finden in den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts an.

Vielmehr gewinnt man den Eindruck (und nicht erst seit diesem vierten und bislang letzten Versuch) das Handke an einem Punkt der Reflektion angelangt ist, die erfrischend ziellos erscheint.

Was mich an diesem Mann konkret so fasziniert ist seine ungeheure und noch immer wachsende Sprachgewalt. Handke ist von einem, mit Verlaub, kapitalen Ungustl, zu einem Inhaber unübertrefflicher Schreibmacht geworden. Dieser Mann bringt Sätze aufs Papier die viel anrichten und viel wieder gutmachen können. Dazu kommt ein (unbeabsichtigter?) Witz in seinem Schreiben, eine ständig miteinfliessende Ironie, die in diesem Fall seine eigene Person zum Ziel hat. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass dies der wichtigste und im Augenblick sprachmächtigste Schriftsteller im Deutschen ist, und genau genommen tut er ja schon seit Jahrzehnten kaum etwas anderes, als sich an ebendieser Sprache abzuarbeiten (oder wie er es in einem Radiointerview einmal nannte: er habe "durch sich durchgeschrieben").

Zum Inhalt gibt es, wie so häufig bei Handke, dann nicht so viel zu sagen, es ist ja eine Frage der Form bei ihm. Trotzdem ist er kein Dadaist, sein Versuch über den Stillen Ort verdient diese Bezeichnung durchaus, nicht zuletzt demonstriert er eindrucksvoll die nach wie vor existierende intellektuelle Kapazität dieses Mannes. Wenige schaffen es, so ein Büchlein von einem Abort ausgehend zu verfassen.

Der Versuch über den Stillen Ort liest sich übrigens an ebendiesem ganz vorzüglich. Leider ist der Preis im Angesicht der gut 100, grossbeschriebenen Seiten eher als Wucher zu bezeichnen. Ein Warten auf die Taschenbuchausgabe zahlt sich aus, Lesen sollte man ihn auf alle Fälle.
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am 14. Januar 2013
Sehr erfreulich, dass Handkes Verkrampftheit der Jugoslawien-Serbien-Phase zu Ende zu gehen scheint.
Jedenfalls tut es gut - nach langem - wieder einen von seinem Bleistift so leicht hingeschriebenen Text in Händen zu halten wie jene drei, etwa zwanzig Jahre zurückliegenden: Versuch über die Müdigkeit, - die Jukebox, - den geglückten Tag.

Sein neues Thema könnte auf den ersten Blick anrüchig scheinen; aber "keine Rede davon".
"Es war an der Schwelle der Kindheit und dem Heranwachsendenalter, daß der Stille Ort mir etwas zu bedeuten begann über das Übliche oder Gewohnte hinaus". Dieser Ort war während der Zeit der strengen Rituale "im geistlichen Internat ein möglicher Asylort" wie es auch der Beichtstuhl war, wohin es den Jungen wegzog aus der Gesellschaft an einen Ort im Abseits.

Es war die Bahnhofstoilette in Spittal, die ihm auf einer Alleinwanderung letzte Zuflucht wurde für eine Nacht "und als ich sie absperrte, spürte ich erst einmal eine gewisse Geborgenheit oder Aufgehobenheit". Während der Studienjahre verlor das Klosett als Asylort an Bedeutung; es konnte ein Werkzeugschuppen sein oder ein über Nacht leerstehender Bus konnte die Vorstellung von einem Rückzugsgebiet verheißen. "Manchmal kamen solche Augenblicke von Ver- und Geborgenheit allein schon vom Blick zu Boden, hinein in die Straßenbahnschienen angesichts des Sands und des Laubs dort. Das wurde dann ein stiller Ort." Heuschober auf den Wiesen, Milchstände am Rand der Landstraßen strahlten Stille aus.

Es war eine Toilette im japanischen Tempelort Nara "ein Ort wie nur je einer", "erfüllt von belebend unbestimmter Energie". Wände mit feiner Holzfaserung, Schiebetüren aus Holzgittern, mit hellem, luftdurchlässigem Papier überklebt. "Es war diese klare schimmernde Düsternis, die mich schon seit jeher im Innersten aufgerührt hatte". Gibt es einen "geeigneteren Ort, das Zirpen der Insekten, den Gesang der Vögel, eine Mondnacht, überhaupt die vergängliche Schönheit der Dinge...auf sich wirken zu lassen?". Waren nicht "die alten Haiku-Dichter an solcherart Stillem Ort auf zahllose Motive gestoßen?"

"War mein Aufsuchen der Stillen Orte (...) vielleicht ein Ausdruck, wenn nicht von Gesellschaftsflucht, so doch von Gesellschaftswiderwillen, von Geselligkeitsüberdruß?."

Die paar stillen Stunden mit Handke sind Stunden des Reflektierens über unsere Welt, unsere Gesellschaft, in der wir einsilbig geworden sind durch die Worte der anderen, die uns anöden, verstummen lassen in Sprachlosigkeit. Auf sehr feinsinnige, gelegentlich leicht selbstironische Weise lenkt der Autor hin zum Erleben der Ruhe, der Natur, zu Augen-Blicken auf das Detail im Alltäglichen. Metaphorisch gesehen sind die stillen Orte die dringend nötigen Rückzugsräume für unser Inneres in denen wir uns abschließen und uns und unsere Sprache suchen und wieder neu finden können.
Ein stiller Lesegenuss.
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TOP 1000 REZENSENTam 17. Januar 2013
Der Versuch über den stillen Ort hat natürlich auch mit dem stillen Örtchen zu tun, handelt aber vor allem von den Orten der Stille. Orte, um Abstand zu gewinnen, um sich zu sammeln, allein mit dem Ort zu sein, weg von den anderen.

Das kann das Krankenzimmer im Internat sein, um dort tagsüber zu liegen, *fern von Studiersaal und Lernpult, nicht ernstlich krank, und dort über die Geometrie des Ortes nachzudenken*.

Das kann die Entscheidung sein, nicht an der Maturareise nach Griechenland teilzunehmen, sondern stattdessen allein in Kärnten auf Wanderschaft zu gehen. *Bis heute weiß ich nicht, warum etwas in mir sich dergestalt sträubte, Teil der doch nicht unlieben Gesellschaft auf jener Reise zu sein.*

Da gibt es die (keinesfalls blasphemischen) Assoziationen des stillen Örtchens mit dem Beichtstuhl, oder die Warteschlange vor der öffentlichen Toilette im Park mit dem Anstellen zum Empfang des Leibes Christi in der Kirche.

Oder eine Nachricht schafft plötzlich einen Raum der Stille: als der Autor eines Abends in der Mensa saß und am vorher nicht beachteten Fernseher plötzlich das Gesicht von William Faulkner erschien, mit der sofort vermuteten Todesnachricht.

Und dann, mit den genauen Beobachtungen, die keiner wie Handke auch so beschreiben kann, wird auch eine ganze Landschaft zum stillen Ort, wie auf den letzten Seiten dieses Buches, wenn Handke seine Eindrücke in einer Landschaft beschreibt, *irgendwo gleich weit entfernt vom Meer und der Metropole*, in der er im Dezember 2011, *in der dunkelsten Periode des Jahres*, auch dieses Buch niederschieb:

*Die Lerchen über dem Brachland bildeten, während sie, Ruck um Ruck, himmelwärts flatterten, Stufenleitern im Luftraum, indes die Schwärme der Spatzen, aus den Ackerfurchen aufstiebend, quer durch die Lüfte Trapezakte vollführten… Die Eulen, die am helllichten Tag aus ihrem Schlupfloch in den ehemaligen Kalksteinbrüchen hier flogen, kalkweiß das Federkleid, genau wie der Kalkstein, an welchem sie vorbeischwebten*.

Wer Handke liebt, wird dieses Buch lieben. Wer ihn noch nicht versteht, kann ihn mit diesem Versuch besser verstehen lernen.
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am 17. Juli 2015
... Was heißt hier "immerhin", "immerhin verschont uns Handke mit Anrüchigem"? (Text einer anderen Rezension hier.) Das tut er eben nicht. Mein Gott, jetzt wird auch noch und ausgerechnet Peter Handke senil, war mein erster Gedanke beim Erfassen des Titels. Er verschont uns ja nicht. Ich habe noch zu wenige Seiten für ein abschließendes Urteil gelesen, aber man kann über die Toilette auch Feingeistiges NICHT schreiben, OHNE eben "die Toilette" zu evozieren. So sehr ich Handkes Prosa liebe, er vergaloppiert sich hier mit dem Thema. Stand nicht irgendwo mal über ihn, er würde sich sehr genau überlegen, was seine Leser interessieren könnte? Das Ganze ist nun nicht von vorneherein PEINLICH. Aber ausgerechnet den Stillen Ort als Fixpunkt der Weltbeschau des Handke-Impressionismus nehmen; das ist wie ein Stück Sacher-Torte auf dem Boden liegend. Das hebt man besser nicht auf. Möge mich die Bildkraft Handkes beim Weiterlesen Lügen strafen. Doch vom Gang zum Abort möchte man keine Bilder entwickeln. Auch wenn in esoterischem und holistischem Sinn sehr viel über den Darm und seine Entleerung bemerkenswert sein kann - in einem medizinischen Ratgeber. Bitte nicht in arrivierter Prosa, so mein Vorurteil.
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am 28. Dezember 2012
HANDKE, Peter: „Versuch über den Stillen Ort“, Berlin 2012
Bekannte Dichter wie Handke können es sich leisten auch über ein triviales Thema wie eine Toilette zu schreiben. Er erzählt, wie er in seinem Leben und in verschiedenen Lebensabschnitten Toiletten kennengelernt hatte. Zu Hause in Kärnten am Bauernhof, im Internat, beim Studium in Graz bis heute. 109 Seiten Toilettengeschichten.
(Hinterbrühl, 28.12.2012)
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am 2. November 2013
Lange Jahre hatte ich die Lektüre Peter Handkes Bücher ausgesetzt. Doch nun dieser Titel: "Versuch über den Stillen Ort". Stille Ort erfreuen sich in dieser turbulente Zeit zunehmender Beliebtheit. Mancher gestresste Manager bucht deshalb einen "Retreat" im Kloster oder Shrein. Hat Handke, der stets zu Fuß unterwegs ist, hier etwas Neues anzubieten?

Doch bei Peter Handkes "Stillem Ort" handelt es sich keineswegs um die stille Lichtung im Walde, einen Friedhof oder die Oase der Ruhe im hektischen Weltentrubel. Er beschreibt nichts weniger als das klassische "Häusl", "Häuserl" oder "Heiserl" - ob mit Herzen drin oder ohne - das Scheißhaus, das Abort, den Abtritt, also.

Man muss in der Tat wohl österreichischer Schriftsteller sein, um über solch einen trivialen Ort literarisch anspruchsvoll, einfühlsam und großbuchstabig auf knapp 100 Seiten hochpreisig für 17,90 Euro deliberieren zu können.

Vom bäuerlichen Plumpsklo des Großvaters bis zur japanischen Friedhofs- oder Tempeltoilette, der Autor beschreibt seine stillen Örtchen als Zuflucht, Asyl, Versteck - eben "Ab-Ort". Denn das lateinische "aboriri" will ver- oder entschwinden. Hier entschwindet der Mensch den Blicken der Anderen, zieht sich zurück und ist nur noch mit sich selber eingeschlossen. Zugegeben, an diesen Ort hat sich noch kein anderer Schriftsteller so dezidiert herangewagt, selbst ein Martin Walser nicht.

Begonnen hatte Handke seine "Versuche" 1989 mit dem "Versuch über die Müdigkeit", ein Jahr später mit dem "Versuch über die Jukebox", bevor er mit dem "Versuch über den geglückten Tag" 1992 die Trilogie vorläufig abschloss.

Dieser vierte Versuch hat vergleichsweise schon etwas Anrüchiges, wenngleich Handke dem Leser den Akt der Ausscheidung an sich gottlob komplett und dezidiert ausspart. Immerhin!
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VINE-PRODUKTTESTERam 22. April 2013
Handkes schwurbelige Formulierungen erreichen mich leider nicht.Er scheint ein sehr traurig-einsamer Mensch zu sein,er erzählt eigentlich nur über sich selbst.
Hier dringt aber seine Empfindsamkeit in den Vordergrund,was dem Buch guttut.
Seine mimosenhafte übermäßige Empfindlichkeit steht zurück,aber er kann es sich als Anhänger der serbischen Seite nicht verkneifen,als einzig schrecklichen Vorfall auf der Toilette zu erzählen,dass beim"Bombenkrieg"der Westeuropäer gegen Serbien ein kleines Mädchen am Stillen Ort bei Belgrad von einem Bombensplitter getötet worden ist.
Mir ist trotz mancher schöner Wortschöpfungen und empfindsamer Darstellung kein sonderliches Lesevergnügen beschert gewesen.
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am 27. Juli 2013
Meines Erachtens hat Peter Handke hier wieder zu einer von ihm meisterhaft beherrschten Form zurückgefunden - kein Wort zu viel, keines zu wenig, alles passt, Tiefgang und Sachlichkeit wunderbar vermählt. Dieses perfekte Werk hat mich mit der "Niemandsbucht" versöhnt, wo ich mich zumindest bis zur Seite 400 nur geärgert, empört und ob der von anderen gespendeten Lobhudeleien gewundert habe. Nun bin ich wieder neugierig auf Handkes nächsten Text.
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VINE-PRODUKTTESTERam 7. Februar 2013
Zu den bisherigen drei Versuchen, "über die Müdigkeit", "die Jukebox" und "den geglückten Tag" gesellt sich jetzt ein weiterer Versuch, der "über den stillen Ort". Peter Handke, der für sein umfangreiches Werk mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet wurde hat in diesem schmalen Buch die unterschiedlichsten Erinnerungen zusammengetragen, die er an unzähligen stillen Orten hatte, wobei es ihm vorzüglich gelingt dem Leser, in episch und impressionistisch garnierten Sequenzen, viel Bekanntes, Vergessenes oder auch Unbekanntes kaleidoskopartig aufzufächern. Gekonnt lässt er den Leser außerordentlich, in feierlicher Ernsthaftigkeit, versöhnlicher Ironie, zielstrebiger Eindringlichkeit und nicht selten poetischer Verzauberung über das Verhältnis zu sich selbst und das Verhältnis zur Welt reflektieren.
Er macht jetzt den Versuch, den er lebenslänglich schon machen wollte, nämlich ein Umkreisen und Einkreisen des "Stillen Ortes" oder der "stillen Orte", wo immer sie sich befinden mögen. Er nimmt den Titel wörtlich und zeichnet alle seine Erinnerungen an Erlebnisse, von den frühesten Jugendjahren bis in die Gegenwart, peinlich genau auf.

Er macht das, wie der Literaturkritiker Ijona Mangold meint, "mit einer Delikatesse, die durch Leichtigkeit entsteht". Viele Lebensäußerungen aus den unterschiedlichsten Facetten werden köstlich ironisch gebrochen, wobei das eine und andere Mal eine unfreiwillige Komik entsteht, weil Peter Handke viele Dinge zu Ernst nimmt.

Felicitas Lovenberg meint dazu kritisch, dass Handke bei aller bezaubernder Poesie mit "ein bisschen mehr Selbstironie in diesem Buch ganz gut beraten gewesen wäre".

Auf jeden Fall kann man von diesem schmalen, wunderbaren Buch mit Robert Gernhardt sagen: "Gut gefühlt, gut gefügt, gut gedacht und gut gemacht". Eine literarische Kostbarkeit.
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am 19. November 2012
Zum Stillen Ort. Ein typischer Handke - man mag ihn oder mag ihn nicht. Mir hat er gut gefallen, recht lustig was man alles über das Stille Örtchen schreiben kann. Gut geschrieben, schnell gelesen......
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