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am 15. Oktober 2006
Ein Schriftsteller, der als Vierzehnjähriger mit seinen Eltern von Bombay in die USA gezogen ist, kehrt nach über zwanzig Jahren in seine Heimatstadt zurück, um ein Buch über Bombay zu schreiben. Wenn er sich auch zunächst an die marode Infrastruktur und die allgegenwärtige Korruption im Alltag gewöhnen muss, so gelingt es ihm doch rasch, Kontakte zu den unterschiedlichsten Menschen aus allen für Bombay relevanten Milieus zu knüpfen.

Bombay ist eine Stadt der Gegensätze. Jener zwischen Arm und Reich scheint mittlerweile wesentlich weniger relevant als die Kluft zwischen Hindus und Muslimen, die sich in den 90er Jahren in einem regelrechten Bürgerkrieg entlud. Seither gibt es Verbrecher- und Mörderbanden beider Seiten, die billig Entführungen und Auftragsmorde durchführen. Politiker stützen sich mit einer gewissen Zwangsläufigkeit auf diese Banden, deren Strippenzieher die eigentliche Macht in der Stadt haben, auch wenn sie in Dubai oder Pakistan leben. Opfer sind jeweils missliebige Politiker, Geschäftsleute, feindliche Bandenchefs, "Bollywood"-Bosse, Polizeiobere und so fort, und Suketu Mehta interviewt unerschrocken die Täter wie auch Angehörige der genannten Zielgruppen. Doch auch die Tänzerinnen in Bierbars, Familien, die in Slums leben – und sich teilweise aus diesen herausgelöst haben – und die Glitzerwelt Bollywoods werden dargestellt. Zu Mehtas Ansprechpartnern gehören zudem in der Stadt gestrandete Idealisten vom Lande und Angehörige der auf uns exotisch wirkenden Gemeinschaft der radikal-asketischen Jaina-Mönche.

Der abschließende Teil widmet sich den Unterschieden zwischen dem Bombay, das er als Kind verlassen hat, und dem heutigen Bombay, wie es sich Kindern präsentiert.

Suketu Mehta hat in seiner alten Heimat nicht mehr Fuß gefasst. Er kehrte mit seiner Familie in die USA zurück, doch sein packendes Buch vermittelt einen vielschichtigen Eindruck von Bombay. Bombay ist wohl die bedeutendste Metropole Indiens, eines wirtschaftlich aufstrebenden Landes mit der zweitgrößten Einwohnerzahl der Welt. In Bombay konzentrieren sich die Stärken und Schwächen des Subkontinents. Suketu Mehtas kraftvoll und dennoch einfühlsam verfasstes Buch stellt die Stadt in einmaliger Weise vor. Ein außergewöhnliches Leseerlebnis.
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am 5. Dezember 2007
Die Erinnerung an den eigenen Besuch in Bombay vor einem Dutzend Jahren ist längst zersplittert. Ganz anders als diejenige an Neu-Delhi, Kalkutta und Madras, wo beeindruckende Mogulbauten und britisch-koloniale Fassaden, krasses Elend und erstaunlich rege Kultur, bunte Hindu-Tempel und lärmendes Marktgewimmel als jeweils hilfreiche Koordinaten für ein Mindestmass an Übersichtlichkeit im Gedächtnis haften blieben. Doch im Tosen Bombays zwischen glitzerndem Ozean und riesigen Slums, protzigen Villen und ätzendem Industriesmog, überfüllten Kinosälen, endlosen Verkehrsstaus und stinkendem Unrat zerflossen die sich unentwegt überlagernden und gegenseitig auslöschenden Eindrücke schon während des Aufenthalts zu einem atemberaubenden Kaleidoskop ebenso gegensätzlicher wie unentwirrbarer Eindrücke. Dass Bombay der westlichen Zivilisation näher scheint als andere Städte auf dem indischen Subkontinent beruhigte nur auf den ersten Blick, und nirgendwo anders war Indiens Menschenfülle so heftig zu erfahren. Das dürfte sich mittlerweile noch gesteigert haben.

Der Reiseführer von 1993 schrieb Bombay, der Hauptstadt des Staats Maharashstra und Indiens grösstem Ballungsraum, noch zehn Millionen Einwohner zu. Auf 16 Millionen Einwohner schätzt man heute die Stadt, die inzwischen nur noch mit ihrem gujaratischen und marathischen Namen Mumbai genannt werden soll. „Es ist Unsinn, zu behaupten, Mumbai sei der ursprüngliche Name der Stadt,“ wettert Suketu Mehta in seinem ausserordentlichen Buch, mit dessen Titel er schon auf dem althergebrachten Namen der Stadt beharrt. „Bombay wurde von den Portugiesen und den Briten aus einer Ansammlung von Malaria-Inseln geschaffen, und ihnen stehen auch die Rechte des Namensgebers zu.“ Doch Namensänderungen sind in Indien heute gang und gäbe, und Bombay ist, so Mehta, „von einer wahren Umbenennungsmanie erfasst. Der Strassenausschuss der Stadtverwaltung verbringt mehr als 90 Prozent seiner Sitzungstätigkeit mit Umbenennungsaktionen“, wobei für die Berücksichtigung gewünschter Namen reichlich Spenden fliessen. „Es ist eine absurde Art, das Angedenken der Vorfahren durch Bestechungsgelder zu ehren,“ kritisiert Mehta.

An derart skurrilen Beispielen aus dem Labyritnth der indischen Bürokratie und Politik, die so manchen Hintergrund der absurden Wirklichkeit Bombays beleuchten, mangelt es in diesem Buch nicht. Da erfährt man vom Mietgesetz von 1947, das die Mieten auf dem Stand von 1940 einfror und die Rechte der Mieter zu Lasten der Eigentümer übermässig stärkte, um die alteingesessenen Bürger vor den zahlungskräftigen Zuzüglern der Kriegsjahre, vor Inflation und Grundstücksspekulation zu schützen. „Doch nachdem das Gesetz in Kraft getreten war, erwies es sich als politisch unmöglich, es wieder aufzuheben, denn es wird immer mehr Mieter als Eigentümer geben,“ berichtet Mehta und erklärt damit den ruinösen Verfall so vieler Gebäude und Stadtviertel der indischen Metropole. Oder man liest von der Begegnung mit dem einflussreichen Politiker Bal Keshav Thackeray, der mit seiner hinduistisch-nationalistischen Shiv Sena-Partei und den Banden ihm ergebener Jugendlicher die multikulturelle Balance Bombays unterminierte und als Drahtzieher der antiislamischen Ausschreitungen der 90er Jahre gilt. Mehta zeigt den einstigen Karikaturisten und bekennenden Hitler-Verehrer als weltfremden Sonderling, der nur gebrochen Englisch spricht, so gut wie keine geographischen Kenntnisse hat, den Valentinstag abzuschaffen droht und die grosse Politik mit Kinderversen kommentiert, und recherchiert sorgfältig, wie engstirnige Ideologie, täglicher Überlebenskampf, terroristische Gewalt und blosse Kriminalität sich in diesem Dunstkreis durchdringen. Als Mehta in New York die Rauchwolke über dem World Trade Center sieht, weiss er, dass auch dieses Ereignis nicht losgelöst von den Konflikten, denen er in Bombay nachspürte, zu verstehen ist.

Im Mittelpunkt seiner von kundigen Informationen und authentischen Eindrücken geradezu überquellenden Erkundung einer der fünf grössten Städte der Welt – bald werden in Bombay mehr Menschen leben als in ganz Australien – stehen die intensive Begegnung mit Menschen aus allen Schichten. Hier zeigt sich auch der entscheidende Unterschied zu den noch so klugen Reisebüchern eines Scholl-Latour oder Kapuscinski. Denn Suketu Mehta, der 1963 in Kalkutta geboren wurde und seine Jugend in Bombay verbrachte, zog nach Jahren in New York, Paris und London mit seiner Familie nach Bombay, um hier wieder Wurzeln zu schlagen. Zwar zog es ihn später wieder zurück nach New York, doch er schreibt nicht als fremder Besucher über Bombay, sondern als Eingeborener über die Reise ins Innere eines urbanen Molochs, in dem er selbst zuhause war und der ihm zugleich in seinen bizarren Auswüchsen fremd geworden ist. In seiner brillanten Verbindung von Reportage, Essay und persönlichster Erinnerung überlässt er sich nicht nur selbst mit klarem Verstand und präzisem Blick dem Sog dieser Stadt, die ähnlich wie Manila, Lagos oder Mexiko-City als Menetekel der alptraumhaften Grossstadt der Zukunft erscheint, sondern versteht auch, seine Leser an dieser Erfahrung ungewöhnlich intensiv teilhaben zu lassen.

Laut UN sollen bis 2030 sogar 60 Prozent der Weltbevölkerung in solchen ausufernden Megalopolen leben. Entsprechend beängstigend und zugleich doch auch faszinierend ist das Eintauchen in diese Welt, das dieses Buch ermöglicht. Hingerissen ist man vom wilden Reigen der so ganz verschiedenen Menschen, die Mehta seinen Lesern nahe bringt. Man lernt Slumbewohner ebenso kennen wie Milliardäre, Prostituierte wie Filmmogule, Berufskiller wie Strassenjungen. Man hört mit, wenn die Bartänzerin Mona Lisa ihre heimlichen Sehnsüchte beichtet, und man ist dabei, wenn der unbestechliche Kommissar Ajay Lal aus Verdächtigen Geständnisse prügeln lässt. Mehtas Verwirrung über Gut und Böse in dieser höllischen Wirklichkeit überträgt sich unmittelbar.

Bezeichnend ist auch die Geschichte des jungen Eishaan, der sich in der manischen Hoffnung, ein Filmstar zu werden, in Bombay durchhungert, während seine Familie, die er verlassen hat, im arabischen Dubai einen einträglichenTextilhandel betreibt. Der vage Traum vom Starruhm ist ihm wichtiger als der konkrete Reichtum, den er verlassen hat. Doch als man für den 8. Mai 1999 den Weltuntergang prophezeit und sein Vater ins heimatliche Jaipur zurückkehrt, flieht Eishaan wie so viele andere aus Bombay, um mit der Familie die Apokalypse zu erwarten, und verpasst so seine grosse Filmrolle. „Ich dachte wirklich, er macht Witze“, kommentiert der Filmjournalist Ali Peter John, der Mehta durchs Labyrinth von Bollywood schleust. „Eishaan weiss nicht, was er tun soll; er sitzt fest zwischen Orthodoxie und Modernität. Das ist sein Problem.“

Auch in ihrer Lächerlichkeit treffen solche Geschichten die Identitätsprobleme in jener Wirklichkeit, die nicht mehr mit den einst gängigen, allzu vereinfachenden Vorstellungen der sogenannten Dritten Welt zu fassen ist. Tröstliche Aspekte vermittelt Mehta in seinem furiosen Buch aber auch. Nicht nur in beeindruckend grossen Gesten, wie der Entscheidung einer reichen Diamantenhändler-Familie, alles Hab und Gut hinter sich zu lassen, die Familienbande zu kappen und fortan als Bettelmönche zu leben, sondern auch in so manchen Beispielen stillen Heldentums und alltäglicher Solidarität. Da leuchtet dann doch noch etwas von jenem menschlichen, gewaltlosen und friedfertigen Indien auf, das der Leser schon gänzlich versunken wähnte.
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Wer die Wucht, Vitalität und das Mörderische der asiatischen Metropolen darstellen will, kann nicht in der Urbanität der alten, westlichen Welt sozialisiert sein. Deren über Jahrhunderte gewachsenen städtischen Strukturen und Kulturen sind nicht das Format, von dem aus eine Beurteilung der Komplexität und Dynamik der asiatischen Megastädte zu entziffern wäre. Notgedrungen kommen Urteile zustande, denen es entweder grundsätzlich an Verständnis oder einer positiven Perspektive fehlt.

Der 1963 in Kalkutta geborene, in Bombay aufgewachsene und dann nach New York City ausgewanderte Inder Suketu Mehta kennt sowohl eine Megastadt der westlichen wie der östlichen Hemisphäre und hat das Objektiv vor Augen, welches es ermöglicht, die unterschiedlichen Bilder für den Sensor der jeweils anderen Seite zu übersetzen. Mit seinem zuerst im Jahre 2005 erschienen Buch Bombay. Lost and Found, zu Deutsch Bombay. Maximum City ist ihm dieses in exzellenter Weise gelungen. Es handelt sich dabei um eine nahezu 800 Seiten umfassende Reportage mit den drei treffend überschriebenen Hauptkapiteln Macht, Vergnügen und Passagen" und beschreibt seine journalistisch-investigative Arbeit in seiner ehemaligen Heimatstadt Bombay, wohin er für zweieinhalb Jahre mit Frau und Kindern zurückkehrte, um dieses Buch zu schreiben.
Was Mehta in einer sehr präzisen und verständlichen Sprache beschreibt, sind die Lebensumstände, den Kampf ums Überleben, die Motive, die Dynamik, die Machtstrukturen und die unauflöslichen Widersprüche eines Gemeinwesens, das unaufhaltsam wächst und sich bis zum Jahr 2015 von derzeit 16 auf dann 23 Millionen Menschen vergrößert haben wird. Im Wesentlichen fällt auf, dass alle aus dem gesetzten Westen heraus betrachteten unerträglichen Missstände nicht die Triebfeder des Wachsens zu beeinträchtigen in der Lage sind. Die Menschen, die es nach Bombay zieht, haben den Kampf angenommen, der ein vermeintlich besseres Leben fordert und sie gehen nicht davon aus, dass sie diesen verlieren. Der kollektive Überlebenswille der millionenfach ausgeprägten, nicht durch etablierte Bürokratien normierten Individuen hält eine Stadt wie Bombay am Leben und garantiert eine Zukunft. Nicht das Geregelte, Etablierte und Eingespielte, sondern das Unbekannte, alle Möglichkeiten Öffnende, Anarchische und Extreme bildet die Grundlage für die komplexe Energie, die sich in dieser Stadt neue Bahnen sucht.
Hindus und Muslime, Schamanen und Ganoven, Starlets und Prinzessinnen, Diamantenhändler und Huren, Philosophen und Glücksritter, barfüßige Informatiker und Bentley fahrende Snobs, artistische Klempner und naive Maler, alles was in der einzigartigen Reportage auftaucht, ist nicht das Skurrile, welches als Ansammlung inszenierter Farbtupfer arrangiert wurde, sondern das Normale, welches sich aus der nicht vermuteten Individualität generiert, die als Voraussetzung für das Überleben und Wachsen zu sehen ist. Aus der Perspektive von Städten wie Hamburg Münschen oder Berlin, die allesamt als idyllische Luftkurorte im Vergleich zu einem Mammut wie Bombay erscheinen, schafft sich die Erkenntnis Bahn, dass im Jahre Darwins auch in Betracht gezogen werden muss, dass Biologismen eine entscheidende Rolle spielen. Die Jungen nach Bombay gekommen, um dort ihr Spiel zu machen und etwas vom Kuchen abzubekommen. Das macht sie so stark, koste es, was es wolle. Und es hält sie zusammen, es ist ihr Gesellschaftsvertrag!
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am 12. September 2012
Vielleicht vorweg zu meinem Bücher-Geschmack, ich habe einige Bücher indischer Autoren gelesen, mein Lieblingsautor ist Rohinton Mistry mit "A fine Balance". An diesem Buch hat mir sehr gut gefallen, dass es von einem Menschen geschrieben wurde, der gut schreiben kann - er ist Journalist. Dann kommt hinzu, er ist persönlich betroffen, da er aus Bombay stammt, mit 12 in die USA ausgewandert ist und als Familienvater nach Bombay zurück zieht. Das Buch beschreibt seine Erlebnisse und Erfahrungen. Das macht es sehr lebendig. Man erfährt eben auch viel über den Autor, nämlich über das, was ihn persönlich interessiert. Er lässt sich ein bisschen in die Unterwelt reinziehen, die Prostituierten, die Randgruppen und die Banden faszinieren ihn. An der Stelle hat das Buch durchaus ein paar Längen, deshalb von meiner Seite nur 4 Sterne, aber abgesehen davon, beschreibt er einfach sehr spannend und faszinierend seine Welt in Bombay. Für alle Indienreisende und für Menschen, die sich für Land und Kultur interessieren, auf jeden Fall empfehlenswert.
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TOP 50 REZENSENTam 7. März 2010
Inhalt:
Suketu Mehta hat eine umfassende Reportage über die indische Metropole Bombay/Mumbai verfasst. Anhand verschiedenster Protagonisten, die stellvertretend für einen bedeutenden Aspekt der Stadt stehen, hat er die Probleme und die Besonderheiten Mumbais detailliert und realistisch geschildert. Erzählt wird beispielsweise die Geschichte von Monalisa - und mit ihr die Geschichte der Prostitution, der Tänzerinnen, der Bars. Mehta berichtet von dem Polizisten Ajay Lal - und mit ihm von Folter, von Korruption, von Kriminalität, von Gewalt. Und durch Sevantibhai lernt der Leser den Jainismus und dessen Maxime der Askese und Entsagung kennen.

Mein Eindruck:
Suketu Mehta lässt wenig aus und demonstriert dem Leser eine Metropole am Abgrund, eine Stadt der Extreme, des Drecks, der Krankheiten, der Luftverschmutzung, der Kriminalität, der Korruption, des Elends, der Prostitution, der Slums, der Auftragskiller. Nichts wird beschönigt, und dennoch wertet der Autor die Stadt nicht ab, reduziert sie nicht auf eine kaputte und chaotische Ansammlung von Millionen von Menschen. Als Leser steckt man mittendrin im Mief der Stadt und lernt unzählige Aspekte des indischen Alltags kennen, erfährt von der neueren Geschichte Indiens und den aktuellen Zuständen im Land. Dabei wird es bisweilen unappetitlich und sehr explizit, wenn es beispielsweise um die Schilderung von Folterungen oder Selbstverletzungen geht.
Einen Stern ziehe ich ab, da es trotz der spannenden Berichte und der tiefen Einblicke in die Metropole manchmal Passagen gab, in denen ich die Erklärungen zu detailliert und zu ausufernd fand.

Mein Resümee:
Ein beeindruckendes Zeugnis Indiens im Allgemeinen und Mumbais im Speziellen. Wer sich für Indien interessiert, sollte 'Bombay. Maximum City' unbedingt lesen!
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TOP 500 REZENSENTam 27. September 2013
Wer dieses Buch gelesen hat und Bombay von mehreren Reisen her zu kennen glaubte, der wird sich nachher so fühlen, als sei er über eine Glasplatte gelaufen und hätte von den gähnenden Abgründen unter sich nichts geahnt. Mir ging es jedenfalls so, und mir lief ein Schauder den Rücken herunter, als ich in dem vorliegenden Buch von einer Mordserie in Bombay las, die zu genau der gleichen Zeit geschah, als ich um die Ecke am Chowpattybeach im Sand lag und mir dachte: so schlecht ist es in Bombay nun auch wieder nicht. Wobei schlecht" oder gut" Begriffe sind, die für Bombay nicht passen, denn sie sind als Kategorien einfach eine Nummer zu klein - Bombay erscheint in dem vorliegenden Buch als eine vollkommen neuartige Gesellschaftsform, für die es noch keinen Namen gibt, als ein urbaner Naturzustand, in nicht nur der Mensch des Menschen Wolf geworden ist, sondern der von den Wölfen okkupierte Staat gleichsam als Obermonster mitagiert.
Suketu Metha, der Bombay im Alter von 14 Jahren verließ und in den Dreißigern zurück kehrt, hat es auf sich genommen, dieses alternative Zivilisation ohne Namen zu sezieren, und was er zutage fördert, ist ein Inferno: die durch und durch korrupte Kongressparrtei, die faschistische Shiv Sena, die kriminellen moslemischen Banden, die Berufskiller, die mordende und folternde Polizei, die sogenannte bessere Gesellschaft, die Ärmsten der Armen, die für ein paar Rupien jeden Mord begehen, und viele andere mehr tanzen einen unablässigen Totentanz, ohne jemals aufhören zu können, weil ihnen im Augenblick des Aufhörens sofort der Tod droht.
Die Geschichten, die der Autor dabei erzählt, sind schockierend genug, noch schockierender aber sind die Strukturen, die dahinter sichtbar werden - es sind die Strukturen einer Megastadt mit gleichsam doppelten Boden, einem urbanen Moloch, der für seine Bewohner mindestens zwei Wirklichkeiten bereithält, die ihm erschienen müssen wie Negative, die man übereinanderlegt und bei denen die Realität nicht mehr zu erkennen ist. Diese beiden Wirklichkeiten sind die offizielle Rechtsordnung, die Bombay ins Elend gestürzt hat und die kriminelle Ordnung, die sich die Mängel zunutze macht und von ihr lebt. Aus der Vielzahl von Beispielen, die Metha aufführt, erscheinen die Mietgesetze besonders verhängnisvoll: in Bombay existieren Millionen Obdachlose oder Slumbewohner, und gleichzeitig stehen Hunderttausende Wohnungen leer - nicht etwa, weil die Mieten zu hoch wären, sondern, weil die Mieter in Bombay aufgrund der herrschenden Mietgesetze praktisch unkündbar sind. Deswegen wird einfach nicht vermietet, und der Wohnraum, der vermietet ist und der von Mieter zu Mieter weiter vererbt werden kann, wird vom Eigentümer nicht instand gehalten. Kein Wunder, dass sich Mieter und Vermieter gegenseitig umbringen, was die unzähligen großen und kleinen Banden in Bombay erledigen. Die Verbrecherbanden sind hierarchisch organisiert, leben von Drogenhandel und Schutzgelderpressung, Entführungen und Auftragsmorden. Wer vor Gericht kommt, wird mit Bestechungsgeldern losgekauft oder freigesprochen, sodass die Polizei diesen Banden gegenüber vollkommen machtlos wäre, wenn sie ihrerseits das Richteramt nicht in eigene Hände nehmen würde und mit sogenannten "Encounters" Kriminelle gezielt ermorden würden. Unzählig sind dergleichen "Hinrichtungen", mit denen die Polizei Bombays die Banden dezimiert, wobei die Oberhäupter der Banden, die selbst mit einem Bein in der besseren Gesellschaft stehen, ihren Banden verbieten, wirklich zurückzuschlagen. Dergleichen Zustände, die der Autor in zum Teile extrem gefährlichen Interviews aufdeckt, werden durch die Religionsstreitigkeiten noch einmal kompliziert - zwischen Geldgier und Hass auf die jeweils anderen Religion pendelt der Muslim- oder der Hindukriminelle hin und her, und als Folge brennen und sterben Unschuldige zu Zehntausenden.
Niemand wird das vorliegende Buch mit seinen über 700 Seiten in einem Durchgang lesen können. Man wird sogar zugeben müssen, dass die Akkumulation unglaublicher Geschichten am Ende sogar ein wenig ermüdet - und dass, obgleich der Autor seinen Bericht gut lesbar und übersichtlich strukturiert anbietet. Und wem man es empfehlen sollte, weiß ich auch nicht so recht. Denn wer dieses Buch gelesen hat, fährt nicht mehr ohne Weiteres in die größte Stadt der Welt. So muss ein Urteil über dieses Buch in einem größeren Kontext gefällt werden: Maximum City" ist eine apokalyptisch anmutende Warnung vor der gesetzlosen Stadt, die möglicherweise am Ende der Geschichte stehen wird. Oder um es mit dem Autor zu sagen: "Gnade uns Gott!"
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am 20. Oktober 2009
Sicherlich kann man mit diesem Buch viel über Bombay lernen, auch auf sehr gut lesbare Weise: über Drahtzieher im Hintergrund, die Gewalt zwischen Hindus und Islamisten, wie sich manche Männer in Bombay vergnügen und - oft - mittelbar, wie die viele, viele Einwohner dieser Riesenstadt leben oder wie man mit der Korruption lebt.
Allerdings finde ich alle Kapitel zu lang. Irgendwann hat man's begriffen und man muss nicht über noch einen Mord und noch eine Vernehmung und noch mal einen Abend in einer "Bier-Bar" lesen. Da hab ich dann angefangen, Seiten quer zu lesen. Daher nur drei Sterne.
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am 18. Februar 2010
Der Journalist Suketu Mehta kehrt nach 21 Jahren nach Bombay (er weigert sich den Namen Mumbai zu verwenden) zurück und entdeckt die Stadt neu. Er führt uns in die Welt der religiösen Fanatiker, Auftragskiller, Gangster, Polizisten, Prostituierten, nach Bollywood und zu den Jains.
Eine Entdeckungsreise die dem Leser Einblicke in die vielen Facetten dieser Megacity gibt.
Nicht nur für Indienliebhaber eine unbedingte Empfehlung.
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am 4. Juni 2009
wäre wohl die richtige deutsche Übersetzung. Den Rezensionen ist wenig hinzuzufügen: Bemerkenswert ist vor allem, wie sich der Autor in ganz verschiedene Lebenswelten eintaucht, versucht, diesen gerecht zu werden, ohne dabei seine Gefühle oder die Problematik seiner Rolle zu verschweigen, auch wie er die Bezüge zwischen den Welten schafft. Es ist eine Reportage, aber zugleich auch ein Epos von großer Tiefe und Wahrhaftigkeit über die Welt des 21. Jahrhunderts. Vielleicht wird man es einmal als eines der epochalen Bücher aus der Zeit der Jahrhundertwende ansehen.
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am 8. April 2012
Mehta nimmt eine Wende in seiner Vita, die Rückkehr in das Herkunftsland seiner Familie, zum Anlaß das Leben in einer der größten, imposantesten und für viele sicher unverständlichsten und erschreckendsten Städte der Erde genauer zu beleuchten. Seine Methode ist das Interview - seinen Gesprächen entnimmt er das Material, um Lebensgeschichten im Detail nachzuerzählen. Mehtas eigene Erlebnisse in Mumbai-Bombay dienen als Rahmen bzw. Kulisse, der mit den Stories seiner Interviewpartner, seien es nationalistische Fanatiker, Berufskiller, Filmemacher, Möchtegern-Schriftsteller oder "Tanzmädchen", ausgefüllt wird. Ganz alltägliche Anlässe wie der Kampf um eine funktionierende Stromversorgung bilden den Einstieg in seine Reportagen.

Ergebnis ist eine Reihe von fesselnd erzählten Kurz-Biographien, von spannenden Blicken auf Individuen inmitten der Masse. Der Autor nimmt sich lobenswerterweise auch die Zeit, die fraglos sehr subjektiven Aussagen, manchmal bruchstückhaften Informationen und mitunter auch von Selbstbetrug bzw. Selbststilisierung gekennzeichneten Darstellungen in einen größeren Kontext zu rücken. Wenn z.B. ein fanatischer Hindu davon erzählt, warum er es für notwendig hielt, seine muslimischen Nachbarn bei lebendigem Leib zu verbrennen, liefert uns Mehta Hintergründe zu bestimmten politischen Entwicklungen in Indien gestern und heute. Die Perspektive des Einzelnen bleibt oft unkommentiert, nur zwischen den Zeilen scheinen Betroffenheit, Mitgefühl, Abscheu des Autors durch. Dass Mehta sich bis zum Hals auf einzelne Interviewpartner wie einen jungen Schriftsteller oder ein Barmädchen einließ und keineswegs ein "neutraler Beobachter" geblieben ist, wird sehr deutlich. Ich glaube, es war auch nie seine Absicht.

Was hat Mehta nun mit diesem Vorgehen gewonnen, um Mumbai zu verstehen? Letztlich bereichert es den Leser sicher ungemein, in diesen Einzelschicksalen die besondere Vielfalt und gewissermaßen Ungreifbarkeit dieser Stadt erahnen zu können. Interessant ist, dass sich eben in dieser Vielfalt eine Gemeinsamkeit zum Leben in vielen anderen Metropolen abzeichnet. Mumbais Bewohner sind in Sachen Moral, Religion, Wertvorstellungen und ethnischer Identität so unterschiedlich wie die Einwohner New Yorks oder Rios - gemeinsam sind ihnen nur der Wille zum Erfolg oder wenigstens der zum Überleben ("If you can make it there, you can make it anywhere" paßt auch für Mumbai hervorragend).
Mehta ist zweifelsohne von Bombay fasziniert - was mich anbetrifft, so erreichen diese Faszination und diese Neugier trotz einiger Längen auch den Leser. Worin nun diese Faszination besteht, kann in "Bombay: Maximum City" allerdings nicht erklärt werden.
Wir werden wohl selbst hinmüssen, um das herauszufinden.
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