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am 19. März 2017
Das Leben des Magister Ludi Josef Knecht wird wie eine Biografie recht nüchtern beschrieben. Knecht ist Schüler, dann Gesandter und schließlich Lehrmeister, der sich ganz der Wissenschaft und vor allem dem hochgeistigen Glasperlenspiel hingegeben hat. Obwohl er in Kastalien in klosterähnlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und dort bis nach seiner Studienzeit verblieb - später auch dahin zurückkehrte - ist Knecht relativ weltoffen. So wird er auch in ein katholisches Kloster entsandt, um dort für gute Stimmung zu sorgen und den Orden Kastalien gegenüber aufgeschlossener werden zu lassen. Doch Josef Knecht zweifelt immer wieder, diskutiert und versucht letztendlich vergebens, seine Ordensbrüder und den wichtigen Führungskreis davon zu überzeugen, dass man sich der Welt gegenüber öffnen muss, und nicht als kleine Enklave abgeschottet als Elite leben kann. Schließlich verlässt er Kastalien und widmet sich dem Sohn seines alten Widersachers, dem stets weltlichen Plinio Designori. Bei einem Bad in einem Bergsee kommt Knecht ums Leben.

Das Glasperlenspiel. Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften. Ein langer Titel für das letzte Werk Hermann Hesses. Der Autor, daraus kann man keinen Hehl machen, mag ein schwieriger Mensch gewesen sein, aber ein großer Literat, der seine eigenen Jünger hatte, die er vor allem in den 1970er Jahren, nach seinem Tod, begeistern konnte. Hesse ist nicht nur einer der deutschen Autoren, von dem man etwas gehört und bestenfalls gelesen haben muss - meist ist das Der Steppenwolf -, er spaltet seine Leser gerne in zwei Lager: Diejenigen, die ihn nicht verstehen, und diejenigen, die als Hessianer so etwas wie einen geistigen Führer in ihm und seinen Werken sehen.

Das Glasperlenspiel gilt als eines seiner schwersten Werke. So habe ich es auch kennengelernt und mich lange vor der Lektüre gedrückt. Ein Fehler, wie ich nun feststellen musste. In seinem letzten Roman steckt vieles: Wissenschaft, Philosophie, Mathematik, Religion, Gesellschaftskritik, Phantasie. Wer sich mit Hesse beschäftigt, kommt nicht um drei Dinge herum: Philosophie, Religion und Musik. So ist es auch hier. Viele Querverweise zu Weltreligionen und Anschauungen kann man wiederfinden, wer damit nichts anfangen kann, dem hilft heutzutage Google schnell weiter. Beispielsweise stößt man auf das I Ging, das Buch der Wandlungen, dessen grobe Kenntnis bereits weiterhilft.

Wie immer sind zahlreiche Parallelen zu Hesses Leben zu erkennen. Er selbst war Rebell, lehnte sich gegen das Diktat des Elternhauses auf, brach das Studium der Theologie ab und hatte zeitlebens ein eigenwilliges Verhältnis zur Theologie, die er jedoch nie ganz ablehnte. Wer Hesses Werk ein bisschen kennt, findet immer wieder zwischen den einzelnen Romanen Verknüpfungen und Ideologien, die sich durchziehen. Vor allem die Rebellion, die oben schon angesprochen wurde, findet sich immer wieder. Ein bisschen fühlt man sich an Narziß und Goldmund erinnert, wobei man Knecht in beide Rollen pressen kann, das rebellische, suchende Herz jedoch ist eindeutig Goldmund zuzuschreiben. Auch Emil Sinclair kann in die Erinnerung rücken, das Suchende bleibt halt doch immer in den Romanen übrig.

Je mehr ich versuche, das Glasperlenspiel in eine Rezension zu quetschen, desto mehr fällt mir auf, dass es nicht geht. Das Buch ist lesenswert in meinen Augen, verlangt dem Lesenden einiges ab und regt ihn zu eigenen Nachforschungen an, wenn er nicht purer Konsument ist, sondern gerne in die Tiefe geht. Andererseits kann man Hermann Hesse nicht rezensieren, ohne einen Blick auf sein Leben und auf seine Werke zu lenken, ohne Verbindungen zu suchen und immer wieder zu finden. Man kommt nicht an philosophischen Lehren vorbei und springt gleichzeitig immer wieder zu anderen, jüngeren Autoren, bei denen Parallelen zu finden sind. Von daher muss auch ich lernen, mich kurz zu fassen und mich nicht in Details zu verlieren.

Das Glasperlenspiel. Ein wundervolles Buch, eine spannende Geschichte, die tiefer geht und weiterführt. Kratzt man an der Oberfläche, so kann man sich fragen, ob es wirklich realistisch und möglich ist, alle Wissenschaften miteinander zu verbinden, Musik als mathematische Formel darzustellen, Sprache oder Thesen im Glasperlenspiel (sei es der Einfachheit halber einmal als eine Art Abakus gedacht) zu veranschaulichen. Oder bleibt dies eine phantastische Welt, die erschaffen wurde, um den Leser zu fesseln - oder um ihn auf eine ganz andere Spur zu bringen, ihm selbst die Augen zu öffnen und ihn sehen zu lassen? Hesse schreibt: "Die Wahrheit wird gelebt, nicht doziert" - und wenn es nur dies ist, das man aus dem Buch mitnimmt, so kann man bereits hier hinterfragen, was der Nobelpreisträger damit gemeint hat oder ob er gar den biblischen Büchern gleich sein eigenes Evangelium verfasst hat, mit Wahrheiten, mit Lehrsätzen, mit Anfechtungen und der Hoffnung auf das Gute?
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am 12. Januar 2017
Der Roman Glasperlenspiel erschien 1943 - nach zehnjähriger Arbeit. 1946 erhielt Hermann Hesse den Literaturnobelpreis. Der Roman entstand vor dem Hintergrund der Ereignisse in Deutschland der 1930er Jahre und des Zweiten Weltkriegs, die Hesse von der Schweiz aus verfolgte.

Hesse spricht sich für ein von staatlicher Beeinflussung und Manipulation freies Bildungssystem aus. Wissenschaft und Kultur sollten nach Auffassung Hesses von politischen Zielsetzungen und von Profitorientierung freigehalten werden, um dem allzuoft beschrittenen Weg in gewalttätige Barbareien entgegenzuwirken..

Bemerkenswert sind die scharfsinnigen, ja seherisch wirkenden Analysen Hermann Hesses, die auch in jeder anderen Zeit eines aufkeimenden Populismus und der "postfaktischen Ersatzreligion" geschrieben sein könnten. Was 2016 und 2017 als "Erbe der Diktatur" beschrieben wird, das findet tatsächlich einige Wurzeln (spätestens) in den 1930er Jahren: Die damals niedergeschriebenen Erkenntnisse Hesses lassen sich fast unverändert auf die heutige Zeit übertragen.
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am 18. Januar 2016
Ein Klassiker, der es wert ist gelesen zu werden!
Das erste Kapitel (Eine Einführung ins Glasperlenspiel) ist wahrscheinlich am schwierigsten zu verstehen, aber es lohnt sich weiterzulesen. Enorm ist das Wissen Hesses, das sich offenbart, zum Teil erschreckend aktuell seine Kritik. Das Ende hinterlässt, wie von Hesse angestrebt (vgl. Brief von 1947), einen Stachel, der bleibt.

Ein Muss für alle, die sich mit Siegfried Unselds (1948) Bemerkung identifizieren können: "Dieses Streben zur Vervollkommnung und das Wissen, daß Wahrheit nicht doziert, sondern gelebt wird, ist Knechts und Hesses Ziel und sollte auch das unsere sein."
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TOP 100 REZENSENTam 29. April 2016
Bis heute kann niemand das Glasperlenspiel beschreiben und doch schlägt es jeden Leser in seinen Bann. Allein die Vorstellung ist toll: Da gibt es etwas total Kreatives, das alle Künste, Wissenschaft, Mathematik, Geschichte und Kultur in sich beinhaltet, weil das Spiel die Kunst ist, mit allen Leistungen menschlichen Wissens kunstvoll umzugehen. Allein die Aussicht, dass dieses Fantastische je Wirklichkeit werden könnten, wenn der menschliche Geist sich zu den Höhen seiner Ziele aufschwingt, dafür gebührte Hermann Hesse der Nobelpreis.
siehe auch: Amors vergiftete Pfeile: Nie wieder Pech in der Liebe - Schluss mit verfahrenen Beziehungsmustern
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am 17. März 2013
Ich hatte schon seit Langem vor wieder einmal einen Hesse zu lesen. Aus meiner Jugendzeit war mir das Glasperlenspiel noch ein Begriff und so griff ich zu.
Worum geht es: In einmal fiktiven Land gibt es eine Region, Kastalien, die sich ausschließlich der wissenschaftlichen und v.a. der aktiven Verbindung von geistiger, musischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnis verschrieben hat. Wirtschaftliche Zwänge, oder gar Not kennt man nicht, allerdings ist die Organisation als Orden aufgebaut, auch mit den Attributen Gehorsam und Keuschheit.

Aus dem ganzen Land werden die besten Schüler rekrutiert, um in Kastalien weiter erzogen und ausgebildet zu werden. So geschieht es auch mit Josef Knecht, der zentralen Figur dieses Romans, der als Waisenknabe aufwächst und durch seine hohe Intelligenz auffällt. Kastalien bietet ihm die Möglichkeit seinen wachen Geist mit den unterschiedlichsten Themen zu beschäftigen. Über verschiedene Stufen steigt er in der Hierarchie nach oben und wird letztlich Magister Ludi, der oberste Meister des sog. Glasperlenspiels. Obschon das Buch nach diesem Spiel benannt ist und das Spiel immer wieder umschrieben wird, ist die Information nie so konkret, als dass der Leser im Detail erfahren würde wie dieses Spiel nun tatsächlich gespielt wird. Zumindest so viel wird verraten, dass im Rahmen des Glasperlenspiels sämtliche musischen, geistigen, mathematischen und naturwissenschaftlich-technischen Aspekte einer Fragestellung miteinander verwoben werden und hierdurch ganz neue Erkenntnisse gewonnen werden können. Josef Knecht ist diesem Spiel ganz ergeben, aber zunehmend, über die Jahre seiner Tätigkeit als Magister Ludi, erkennt er, dass die kastalische Isolation mittelfristig nicht haltbar ist, sondern Kastalien sich dem weltlichen Leben öffnen muss um zu überleben. Mit dieser Meinung ist er aber im Führungskreis recht alleine. Und so reift in Knecht die Erkenntnis, dass er sein Amt und Kastalien verlassen und sich der Welt draußen stellen muss. Deshalb macht er das vormals nie Geschehene, er legt seine Ämter nieder und geht. Schön wäre es gewesen über Josef Knechts Weg in der realen Welt mehr zu erfahren, aber aufgrund einer sehr unglücklichen Verkettung von Umständen kommt er recht rasch zu Tode.

Fazit: Hesse wollte mit diesem Werk, so ist zumindest in einschlägigen Interpretationen zu lesen, in den Zeiten des Faschismus das Signal setzen, dass nicht alles einem singulären Ziel untergeordnet werden soll, sondern die Freiheit, auch nicht-materiell ausgerichtete Wissenschaften zu pflegen, eine ganz Entscheidende ist. Aus meiner Sicht sind freilich auch ganz andere Interpretationen möglich, wie beispielsweise eine kritische Hinterfragung der vatikanischen Isolation in der katholischen Kirche.
Begeistert hat mich der Erzählstil Hesses, dessen Stringenz umso höher zu bewerten ist, wenn man bedenkt, dass er gut 10 Jahre an dem Glasperlenspiel geschrieben hat.
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am 17. März 2013
Ich hatte schon seit Langem vor wieder einmal einen Hesse zu lesen. Aus meiner Jugendzeit war mir das Glasperlenspiel noch ein Begriff und so griff ich zu.
Worum geht es: In einmal fiktiven Land gibt es eine Region, Kastalien, die sich ausschließlich der wissenschaftlichen und v.a. der aktiven Verbindung von geistiger, musischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnis verschrieben hat. Wirtschaftliche Zwänge, oder gar Not kennt man nicht, allerdings ist die Organisation als Orden aufgebaut, auch mit den Attributen Gehorsam und Keuschheit.

Aus dem ganzen Land werden die besten Schüler rekrutiert, um in Kastalien weiter erzogen und ausgebildet zu werden. So geschieht es auch mit Josef Knecht, der zentralen Figur dieses Romans, der als Waisenknabe aufwächst und durch seine hohe Intelligenz auffällt. Kastalien bietet ihm die Möglichkeit seinen wachen Geist mit den unterschiedlichsten Themen zu beschäftigen. Über verschiedene Stufen steigt er in der Hierarchie nach oben und wird letztlich Magister Ludi, der oberste Meister des sog. Glasperlenspiels. Obschon das Buch nach diesem Spiel benannt ist und das Spiel immer wieder umschrieben wird, ist die Information nie so konkret, als dass der Leser im Detail erfahren würde wie dieses Spiel nun tatsächlich gespielt wird. Zumindest so viel wird verraten, dass im Rahmen des Glasperlenspiels sämtliche musischen, geistigen, mathematischen und naturwissenschaftlich-technischen Aspekte einer Fragestellung miteinander verwoben werden und hierdurch ganz neue Erkenntnisse gewonnen werden können. Josef Knecht ist diesem Spiel ganz ergeben, aber zunehmend, über die Jahre seiner Tätigkeit als Magister Ludi, erkennt er, dass die kastalische Isolation mittelfristig nicht haltbar ist, sondern Kastalien sich dem weltlichen Leben öffnen muss um zu überleben. Mit dieser Meinung ist er aber im Führungskreis recht alleine. Und so reift in Knecht die Erkenntnis, dass er sein Amt und Kastalien verlassen und sich der Welt draußen stellen muss. Deshalb macht er das vormals nie Geschehene, er legt seine Ämter nieder und geht. Schön wäre es gewesen über Josef Knechts Weg in der realen Welt mehr zu erfahren, aber aufgrund einer sehr unglücklichen Verkettung von Umständen kommt er recht rasch zu Tode.

Fazit: Hesse wollte mit diesem Werk, so ist zumindest in einschlägigen Interpretationen zu lesen, in den Zeiten des Faschismus das Signal setzen, dass nicht alles einem singulären Ziel untergeordnet werden soll, sondern die Freiheit, auch nicht-materiell ausgerichtete Wissenschaften zu pflegen, eine ganz Entscheidende ist. Aus meiner Sicht sind freilich auch ganz andere Interpretationen möglich, wie beispielsweise eine kritische Hinterfragung der vatikanischen Isolation in der katholischen Kirche.
Begeistert hat mich der Erzählstil Hesses, dessen Stringenz umso höher zu bewerten ist, wenn man bedenkt, dass er gut 10 Jahre an dem Glasperlenspiel geschrieben hat.
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am 17. März 2013
Ich hatte schon seit Langem vor wieder einmal einen Hesse zu lesen. Aus meiner Jugendzeit war mir das Glasperlenspiel noch ein Begriff und so griff ich zu.
Worum geht es: In einmal fiktiven Land gibt es eine Region, Kastalien, die sich ausschließlich der wissenschaftlichen und v.a. der aktiven Verbindung von geistiger, musischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnis verschrieben hat. Wirtschaftliche Zwänge, oder gar Not kennt man nicht, allerdings ist die Organisation als Orden aufgebaut, auch mit den Attributen Gehorsam und Keuschheit.

Aus dem ganzen Land werden die besten Schüler rekrutiert, um in Kastalien weiter erzogen und ausgebildet zu werden. So geschieht es auch mit Josef Knecht, der zentralen Figur dieses Romans, der als Waisenknabe aufwächst und durch seine hohe Intelligenz auffällt. Kastalien bietet ihm die Möglichkeit seinen wachen Geist mit den unterschiedlichsten Themen zu beschäftigen. Über verschiedene Stufen steigt er in der Hierarchie nach oben und wird letztlich Magister Ludi, der oberste Meister des sog. Glasperlenspiels. Obschon das Buch nach diesem Spiel benannt ist und das Spiel immer wieder umschrieben wird, ist die Information nie so konkret, als dass der Leser im Detail erfahren würde wie dieses Spiel nun tatsächlich gespielt wird. Zumindest so viel wird verraten, dass im Rahmen des Glasperlenspiels sämtliche musischen, geistigen, mathematischen und naturwissenschaftlich-technischen Aspekte einer Fragestellung miteinander verwoben werden und hierdurch ganz neue Erkenntnisse gewonnen werden können. Josef Knecht ist diesem Spiel ganz ergeben, aber zunehmend, über die Jahre seiner Tätigkeit als Magister Ludi, erkennt er, dass die kastalische Isolation mittelfristig nicht haltbar ist, sondern Kastalien sich dem weltlichen Leben öffnen muss um zu überleben. Mit dieser Meinung ist er aber im Führungskreis recht alleine. Und so reift in Knecht die Erkenntnis, dass er sein Amt und Kastalien verlassen und sich der Welt draußen stellen muss. Deshalb macht er das vormals nie Geschehene, er legt seine Ämter nieder und geht. Schön wäre es gewesen über Josef Knechts Weg in der realen Welt mehr zu erfahren, aber aufgrund einer sehr unglücklichen Verkettung von Umständen kommt er recht rasch zu Tode.

Fazit: Hesse wollte mit diesem Werk, so ist zumindest in einschlägigen Interpretationen zu lesen, in den Zeiten des Faschismus das Signal setzen, dass nicht alles einem singulären Ziel untergeordnet werden soll, sondern die Freiheit, auch nicht-materiell ausgerichtete Wissenschaften zu pflegen, eine ganz Entscheidende ist. Aus meiner Sicht sind freilich auch ganz andere Interpretationen möglich, wie beispielsweise eine kritische Hinterfragung der vatikanischen Isolation in der katholischen Kirche.
Begeistert hat mich der Erzählstil Hesses, dessen Stringenz umso höher zu bewerten ist, wenn man bedenkt, dass er gut 10 Jahre an dem Glasperlenspiel geschrieben hat.
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am 17. März 2013
hatte schon seit Langem vor wieder einmal einen Hesse zu lesen. Aus meiner Jugendzeit war mir das Glasperlenspiel noch ein Begriff und so griff ich zu.
Worum geht es: In einmal fiktiven Land gibt es eine Region, Kastalien, die sich ausschließlich der wissenschaftlichen und v.a. der aktiven Verbindung von geistiger, musischer und naturwissenschaftlicher Erkenntnis verschrieben hat. Wirtschaftliche Zwänge, oder gar Not kennt man nicht, allerdings ist die Organisation als Orden aufgebaut, auch mit den Attributen Gehorsam und Keuschheit.

Aus dem ganzen Land werden die besten Schüler rekrutiert, um in Kastalien weiter erzogen und ausgebildet zu werden. So geschieht es auch mit Josef Knecht, der zentralen Figur dieses Romans, der als Waisenknabe aufwächst und durch seine hohe Intelligenz auffällt. Kastalien bietet ihm die Möglichkeit seinen wachen Geist mit den unterschiedlichsten Themen zu beschäftigen. Über verschiedene Stufen steigt er in der Hierarchie nach oben und wird letztlich Magister Ludi, der oberste Meister des sog. Glasperlenspiels. Obschon das Buch nach diesem Spiel benannt ist und das Spiel immer wieder umschrieben wird, ist die Information nie so konkret, als dass der Leser im Detail erfahren würde wie dieses Spiel nun tatsächlich gespielt wird. Zumindest so viel wird verraten, dass im Rahmen des Glasperlenspiels sämtliche musischen, geistigen, mathematischen und naturwissenschaftlich-technischen Aspekte einer Fragestellung miteinander verwoben werden und hierdurch ganz neue Erkenntnisse gewonnen werden können. Josef Knecht ist diesem Spiel ganz ergeben, aber zunehmend, über die Jahre seiner Tätigkeit als Magister Ludi, erkennt er, dass die kastalische Isolation mittelfristig nicht haltbar ist, sondern Kastalien sich dem weltlichen Leben öffnen muss um zu überleben. Mit dieser Meinung ist er aber im Führungskreis recht alleine. Und so reift in Knecht die Erkenntnis, dass er sein Amt und Kastalien verlassen und sich der Welt draußen stellen muss. Deshalb macht er das vormals nie Geschehene, er legt seine Ämter nieder und geht. Schön wäre es gewesen über Josef Knechts Weg in der realen Welt mehr zu erfahren, aber aufgrund einer sehr unglücklichen Verkettung von Umständen kommt er recht rasch zu Tode.

Fazit: Hesse wollte mit diesem Werk, so ist zumindest in einschlägigen Interpretationen zu lesen, in den Zeiten des Faschismus das Signal setzen, dass nicht alles einem singulären Ziel untergeordnet werden soll, sondern die Freiheit, auch nicht-materiell ausgerichtete Wissenschaften zu pflegen, eine ganz Entscheidende ist. Aus meiner Sicht sind freilich auch ganz andere Interpretationen möglich, wie beispielsweise eine kritische Hinterfragung der vatikanischen Isolation in der katholischen Kirche.
Begeistert hat mich der Erzählstil Hesses, dessen Stringenz umso höher zu bewerten ist, wenn man bedenkt, dass er gut 10 Jahre an dem Glasperlenspiel geschrieben hat.
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am 2. Juli 2015
Das Hörspiel ist der Horror!
Man wird mit einem üblen Geklimper (für einige ist es kunstvolle 12-Ton-Musik), welches sehr oft die Leser übertönt, geradezu zwangsbeschallt.
Genuß oder Konzentration auf den Text ist absolut unmöglich.
Ich frage mal meinen Zahnarzt, ob seine Gehilfin mir bei der nächsten Wurzelbehandlung das Buch vorlesen könnte. Das wäre wesentlich erträglicher.
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am 28. März 2001
Diesen Roman, der zwischen 1932 und 1943 entstanden ist, halte ich für einen der nachdenklichsten Romane von Hermann Hesse. Obwohl das Buch den gesamten Lebenslauf des Hauptcharakters Joseph Knecht schildert, steht echte Handlung im nur Hintergrund. Hesse beschreibt vielmehr die Gedanken, Entscheidungen und inneren Wandlungen einer Person, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam hat mit den Charaktern aus "Siddharta" oder "Narziß und Goldmund". Das offensichtliche Streben nach neuen Umgebungen, Lebenswandel und die dramatisch erscheinende Liebe, wie man sie in vielen seiner Werke findet, scheint im Glasperlenspiel zunächst zu fehlen. So fand ich das Leben von Knecht, und natürlich dessen Umschreibung, verglichen mit dem des Narziß geradezu fade. Das ist der Grund, weswegen mir das Buch über weite Passagen recht zäh vorkam. Andererseits geht viel Spannung aus von den im Laufe der Geschichte immer umfassenderen Beschreibungen des Glasperlenspiels selbst und seiner Ausübung. Was ist dieses Spiel, und was soll es aus der damaligen oder auch der heutigen Zeit versinnbildlichen? Vielleicht hatte ich mich irgendwann an die für Hesse etwas untypische Art gewöhnt, jedenfalls war ich zum Schluß des Romans begeistert vom sich schließenden Inhalt sowie von der Weisheit, die in ihm steckt. Daher kann ich das Buch jedem empfehlen, dem Siddharta gefiel und der mit ein paar mehr Seiten auch zurechtkommt.
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