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am 29. November 2001
"Keiner der anderen wird meine Geschichte hören, keiner von ihnen wird sehen, daß die Frau, die da sitzt und auf mich wartet, das Gesicht meiner allerliebsten Kriton hat, des Mädchens, das meine Schülerin war, so jung, daß man mit ihr über die Unsterblichkeit sprechen konnte. Und dann erzählte ich ihr, dann erzählte ich dir die folgende Geschichte"
So endet und so beginnt im Prinzip auch der gleichnamige Roman von Cees Nooteboom, der keinen geringeren Inhalt hat als die zwei großen Themen der Literatur: Liebe und Tod, und der nebenbei ein Exkurs in die griechische Mythologie, in die Philosophie und in das Innenleben eines Menschen ist, der alte Sprachen liebt und alte Bücher und, was er sich sein Leben lang nicht eingesteht, auch einmal einen einzigen Menschen.
Ein wundervolles Buch, komplex und vielschichtig: eine mythische Reise in den Tod und gleichzeitig eine nur in Andeutungen gezeichnete doch gerade dadurch um so berührendere Liebesgeschichte. Für mich nichts geringeres als einer der ganz großen Romane der Weltliteratur.
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am 3. September 1999
Als das Buch vor ein paar Jahren im Literarischen Quartett besprochen wurde, konnte ich nicht widerstehen und habe es mir zu Weihnachten gewünscht. Als dann endlich Bescherung war, habe ich das Buch ausgepackt und konnte einfach nicht mehr anders als immer weiterzulesen. Die ganze heilige Nacht lang. Aber nicht so viel zu mir, sondern zum Buch. Es geht um einen Lehrer, der eines Tages in den Niederlanden zu Bett geht und in Lissabon wieder aufwacht. "Wie ist das möglich?", denkt nicht nur er und ihm kommen viele Erinnerungen aus seinen Lebens ins Gedächtnis, besonders die Erinnerung an seine Schule und besonders an seine Lieblingsschülerin, die er liebevoll Kriton genannt hatte, und die er sich verliebt hatte. Im 2. Teil lichtet sich das Dunkel. Und die Geschichte hat eigentlich kein Ende, denn sie endet mit dem Satz: "Dann erzählte ich ihr folgende Geschichte." Den Rest muß man schon selber lesen. Ein fesselndes Leseerlebnis, das mich erst richtig zum Lesen gebracht hat. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 24. Juni 2000
"Die folgende Geschichte", das Buch des niederländischen Autors Cees Nooteboom, das 1991 unter dem Titel "Het volgende verhaal" erschien, ist ein Buch, das, soviel gleich vorweg, keinesfalls als leichte Bettlektüre geeignet ist; vielmehr handelt es sich, wie bereits die Überschrift zu dieser Rezension erkennen lässt, um ein philosophisches Buch. Doch zuerst kurz zum Inhalt: Hauptfigur dieses Werkes ist Herman Mussert, ein Altphilologe und Lehrer an einer holländischen Schule. Dieser Mann wird vom Autor gleichsam als Prototyp des "verstaubten Altphilologen" eingeführt. Mussert lebt für alte Sprachen, vor allem für das Griechische und liebt diese Sprachen auch. Demgegenüber ist seine Tätigkeit an der Schule eher frustrierend; er kann die Leidenschaft, die er für Griechen und Römer empfindet, kaum an seine Schüler weitergeben. Schon auf dieser Ebene führt der Autor ein Thema ein, das sich durch das gesamte Buch hindurch wie ein roter Faden zieht: Liebe und Leidenschaft und die Beziehung zueinander. Wer nun aber erwartet, dieses Buch würde sich in Darstellungen von körperlicher Liebe ergehen, geht fehl. Darin liegt aber gerade auch das reizvolle dieses kleinen Büchleins. Nooteboom der in anderen Büchern mit, wenngleich auch stets empfindsamer Darstellung von Sexualität nicht geizt, schlägt in diesem Buch in der Gestalt von Herman Mussert ganz andere Töne an. Hier zählt nur die platonische Liebe. Alles andere wird vom Protagonisten gleichsam mit Verachtung bewertet. Platonische Liebe vor allem auch zu seiner Schülerin Lisa d`India, wobei dies die Beziehung dieser beiden Menschen (für Mussert wäre Lisa wohl eher mit einem Engel als mit einem Menschen vergleichbar) nur unzureichend zu beschreiben vermag (Aber ich bin schließlich auch nicht Nooteboom !). Auf der anderen Seite spielt eine weitere Frau eine entscheidende Rolle in dem Leben des Herman Mussert, seine Kollegin Maria Zeinstra. Diese Frau, vom Autor als Gegenpart zu Mussert konzipiert,stellt das Andere dar. Sie: Biologin, Naturwissenschaftlerin Er: Philologe Sie: Gut aussehend Er: Nicht gut aussehend ("Ohne Brille siehst Du wirklich aus wie Sokrates") Sie: Körperlich Er: Geistig (Dabei bitte ich auch diese Aufzählung lediglich als vergröbernde Schwarz-Weiss-Malerei aufzufassen), da, und dies ist ja gerade das Schöne bei Cees Nooteboom und seinen Geschichten, die Ambivalenz der Menschen schön und eingängig dargestellt wird. Neben den bis hierher vorgestellten Personen spielt noch der Mann von Maria Zeinstra, ein Sportlehrer, eine entscheidende, wenngleich auch verheerende Rolle. Dieser Plot, den ich gerade kurz dargelegt habe, macht den größten Teil des Buches aus. Es geht um die Beziehungen dieser verschiedenen Menschen. Aber dies ist nicht das wirklich spannende an dem Buch. Dabei ist Spannung freilich in diesem Zusammenhang nicht mit einem Krimi allá Edgar Wallace oder anderen Kriminalbüchern zu vergleichen. Die Spannung ergibt sich aus dem Mystischen, Unbekannten. Der Leser wird, und das macht der Autor mit Absicht, verwirrt. Der Leser weiß nicht, was er glauben soll. Kann er das glauben, was er da liest? Eigentlich wohl kaum, denn die Vermutungen die sich gegen Ende hin zur Gewissheit manifestieren, klingen für unsere, mitteleuropäisch trainierten Ohren völlig abwegig. Und doch, gerade, wenn man den Autor ernst nimmt, und versucht, sich in Herman Mussert hineinzudenken, ist das Ende gleichsam die logische Konsequenz. Gerade die ständige Verwebung der Geschichte mit Ovids Metamorphosen oder Geschichten aus der griechischen Mythologie ergibt gegen Ende des Buches ein Gesamtbild, über das nachzudenken sich sicherlich lohnt. Losgelöst von der reinen Handlungsebene des Buches gibt es auch noch die ,wie ich meine, hoch philosophische Ebene, v.a. auch in Beziehung auf erkenntnistheoretische Fragen, die es neben den auch ansonsten interessanten Aspekten des Buches, lohnenswert macht, das Buch mit Sorgfalt, Staunen aber auch mit einer gehörigen Portion Abstand zu lesen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 9. Januar 2013
Cees Nooteboom (1933 in Den Haag geboren) ist ein niederländischer Schriftsteller, welcher in Deutschland mehr als in seiner Heimat rezipiert wird. Er schreibt Reiseliteratur, Erzählungen und Romane. In vielen seiner Bücher beschäftigt er sich mit Metaliteratur, dass heißt mit der Frage nach dem Literarischen in der Literatur selbst und nach der Bedeutung des Autors für die erzählte Geschichte. Themen, die in seinen Büchern immer wieder vorkommen sind: das Mythologische, der Glaube, Gott, die Zeit und die Vermischung von Realität und Fiktion. Als großer Beobachter von Lebens- und Weltdetails, stellt er diese in einen größeren Zusammenhang. Briefe an Poseidon ist sein neuestes Buch.

Die Handlung erinnert in diesem Roman sehr stark an Pascal Merciers Nachtzug nach Lissabon, so dass ich versucht bin, zu denken, dass Mercier sich von Nooteboom für sein Buch inspirieren ließ. Es geht hier nämlich auch um einen Professor von alten Sprachen, der eigentlich in den Niederlanden lebt und lehrt, sich jedoch plötzlich in Lissabon befindet und seine Gewohnheiten zur Gänze aufgibt um über sein Leben nachzudenken. Sehr ähnlich wie bei Pascal Mercier, beschäftigt sich der in der Ich-Form erzählende Protagonist mit Fragen nach dem Sinn und nach der Bedeutung seines Lebens. In diesen 145 Seiten sind sehr wertvolle philosophische Betrachtungen über die „Existenz“ und über „die Zeit“ enthalten. Der Leser weiß nicht, wo sich der Protagonist in Wirklichkeit befindet, in Lissabon oder in seiner Heimat und ob er die Handlung gerade erlebt oder bereits erlebt hat und sich lediglich an etwas Vergangenes erinnert. Die Zeit, als berechenbare, fassbare und einteilbare Größe verschwindet somit, obwohl ständig von „der Zeit“ die Rede ist.
Ein sehr interessantes und philosophisch wertvolles Buch.

Textstellen daraus:

Ergriffenheit sollte durch Kunst ausgelöst werden, und hier wurde ich mit der Wirklichkeit betrogen, irgendein technischer Hochstapler hatte es mit Hilfe optischer Tricks geschafft, dass der Mondstaub zu unseren Füßen lag, als stünden wir selbst auf dem Mond und könnten auf ihm herumspazieren.

Neunzigtausend! Die Asche der Asche unserer Asche würde unsere Herkunft lange vor dieser Zeit verleugnet haben. Es hatte uns nie gegeben.

Zeit ist das System, das dafür sorgen soll, dass nicht alles gleichzeitig geschieht, diesen Satz hatte ich mal zufällig im Radio gehört.

„Ach, es ist auch eine Art, wie man die Zeit sehen kann“, sagte ich, „Einstein machte Sirup daraus, und Dalí ließ sie samt Uhr und allem schmelzen.

Nein, ich weiß, dass Zeit nicht beschleunigt werden kann. Oder doch?

Das Leben ist ein Eimer Schei.., der immer voller wird und den wir bis zum Ende mitschleppen müssen.

Slauerhoff.

„Glaubst du, dass wir weiterexistieren?“
„Nein“, antwortete ich ihr wahrheitsgetreu. Ich bin mir noch nicht einmal ganz sicher, dass wir überhaupt existieren, wollte ich sagen, und dann sagte ich es doch.

Aber sag doch mal genau – was glaubst du, sind wir?
„Ein Bündel zusammengesetzter, sich ständig verändernder Gegebenheiten und Funktionen, das wir Ich nennen. Ich weiß auch nichts Besseres. Wir tun so, als sei es unveränderlich, aber es verändert sich ständig, bis es ausgelöscht wird. Aber wir sagen weiter Ich dazu. Eigentlich ist es eine Art Beruf des Körpers.

Auch das hatte ich ihr sagen wollen, aber Konversation besteht nun einmal größtenteils aus den Dingen, die man nicht sagt.

Plato: Liebe ist in dem, der liebt, nicht in dem, der geliebt wird.

Meine Träume haben immer auf unangenehme Weise dem Leben geglichen, als könnte ich mir nicht einmal im Schlaf etwas ausdenken, doch jetzt war es umgekehrt, jetzt glich mein Leben endlich einem Traum. Träume sind geschlossene Systeme, in ihnen stimmt alles.

… die unerbittliche, endlose Veränderung im Immergleichen.

Die Sioux hatten kein Wort für Zeit.

… und wir lauschten, so wie wir allem lauschen sollten, es war eine Abschiedszeremonie, das Feiern der Zufälligkeit, die unsere Leben an eine Zeit und einen Ort und einen Namen geheftet hatte.
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VINE-PRODUKTTESTERam 5. Mai 2009
"Meine eigene Person hat mich nie sonderlich interessiert, doch das hieß nicht, dass ich auf Wunsch einfach hätte aufhören können, über mich nachzudenken -- leider nicht. Und an jenem Morgen hatte ich etwas zum Nachdenken, soviel ist sicher."

Mit diesen Sätzen beginnt Cees Nootebooms Novelle "Die folgende Geschichte'. Der Altphilologe Herman Mussert, der seit seiner Suspension als Studienrat unter dem Pseudonym Dr. Strabo Reiseführer schreibt, wacht in einem Hotelzimmer in Lissabon auf, obwohl er sich am vorherigen Abend in seiner Amsterdamer Wohnung schlafen gelegt hat. An diesen kafkaesken Einstieg schließen sich scheinbar unzusammenhängende Sequenzen aus Realität und Traum, Vergangenheit und Gegenwart des Protagonisten an. Das Zimmer kennt er aus seiner Vergangenheit, als er vor 20 Jahren eine Affäre mit seiner Lehrerkollegin Maria Zeinstra hatte. Im ersten Teil der Erzählung reflektiert der Ich-Erzähler, der ob seines Aussehens und seiner Profession von seinen Schülern auch Sokrates genannt wird, diese Episode seines Lebens um die Vierecks-Beziehung zwischen ihm selbst, seiner Geliebten, deren Ehemann, den Sportlehrer Arend Herfst, der wiederum eine Affäre mit der von Herman Mussert verehrten, hochbegabten Schülerin Lisa d'India hat.

In den Reflexionen des Protagonisten geht es immer wieder um die Themenkomplexe Tod, Reisen und natürlich um antike Mythologie und Philosophie. Der erste Teil der Erzählung zeichnet die verpasste Chance des Altphilologen aus seiner Welt antiker Sprachen, Philosophie und Mythologie zu entkommen und das Scheitern dieser Gelegenheit. Geschickt werden Passagen aus Ovids "Metamorphosen" mit der Lebensgeschichte des Protagonisten verwoben .

Ohne alle Zusammenhänge aufzudecken beginnt unvermittelt der zweite Teil der Erzählung. Auf einer Schifffahrt vom portugiesischen Belém nach Belém in Brasilien trifft Herman Mussert auf sechs unterschiedliche Charaktere. Während der ' einer Todesfahrt gleichen - Reise erzählen sie Bruchstücke ihres Lebens einer gesichtslosen Frau. Alle Geschichten befassen sich mit dem Tod. Jeder Erzähler scheint auf eigene Art seine Erfüllung zu finden, wenn er der Frau ins Gesicht blickt, was den anderen verborgen bleibt. Die Erzähler verschwinden unmittelbar nach ihrer Geschichte. Herman Mussert ist als letzter dran. Wiederum erinnert er sich an die Ereignisse vor 20 Jahren, als er in einer Unterrichtsstunde die Todesszene des Sokrates rezitiert, wobei er sich in die Rolle des Sokrates und seine Lieblingsschülerin Lisa d'India in die Rolle von Sokrates' Schüler Kriton versetzt. Im Anschluss daran löst sich die tragische Geschichte in einem Kampf mit dem eifersüchtigen Ehemann von Herman Musserts Geliebter Maria Zeinstra und den sich daran anschließenden Unfalltod seiner Lieblingsschülerin auf.
Als Mussert der gesichtslosen Frau ins Gesicht blickt hat sie das Gesicht von Lisa d'India
und erzählt ihr "Die folgende Geschichte", die damit kreisförmig endet.

'Die folgende Geschichte' ist eine kunstvolle, poetische Erzählung, die mit vielen antiken Zitaten und Versatzstücken aufwartet und reichlich Raum zur Interpretation lässt. Die einzelnen Sequenzen sind so ineinander verschachtelt, dass es dem Leser ' vermutlich gewollt ' schwer fällt zwischen Traum und Wirklichkeit, Gegenwart und Retrospektive zu unterscheiden. Ein Hauptthema des Buches ist zweifelsohne der Widerstreit zwischen Antike und Moderne, der sich einerseits in dem Altphilologen Mussert und andererseits in seinem natürlichen Widersacher, dem moderne Gedichte schreibenden Niederländisch- und Sportlehrer Arend Herfst, der zudem der Ehemann von Musserts Affäre Maria Zeinstra ist, widerspiegelt. Aber auch den Naturwissenschaften seiner Geliebten ist der völlig in der Antike verhaftete, stetig Ovid zitierende und die Präzision des Latein verklärende Altphilologe nicht gerade zugetan.
Ein weiteres zentrales Motiv der Erzählung ist die Liebe, die sich in den beiden Antipoden Lisa d'India und Maria Zeinstra wiederspiegelt. Auf der einen Seite die platonische Liebe zu der begabten, an Musserts Leidenschaft zur Antike anteilnehmende, Schülerin, auf der anderen Seite die rationale Naturwissenschaftlerin, zu der er sich körperlich hingezogen fühlt.

Ferner zieht sich das Thema Reise wie ein roter Faden durch die gesamte Novelle. Nicht nur, dass der Protagonist sich selber als Reiseschriftsteller unter dem Pseudonym Dr. Strabo verdingt, auch die Erzählung an sich und vor allem deren zweiter Teil fassen das ganze Leben unter steter Bezugnahme auf die griechische Mythologie als Reise auf.

Der geneigte Leser wird in dieser poetischen Erzählung sicher noch diverse andere Themata finden, wie die immer wieder auftauchenden Motive des Zeitverlaufs, der Metamorphose oder des Todes, auf den letztlich alles und auch 'Die folgende Geschichte' hinausläuft. Das Buch ist ein kleines sprachliches und poetisches Meisterwerk, das sicher erst nach mehrmaliger Lektüre gänzlich erschlossen werden kann, wenn dies überhaupt möglich ist oder vielleicht auch gar nicht gewollt ist. So meinte Nooteboom in einem Interview selbst:

'Jedem sei seine eigene Interpretation gestattet, für mich aber ist es eine Geschichte über den Tod, ganz einfach. Ein Mann stirbt in Amsterdam und sieht sein ganzes Leben in wenigen Sekunden an sich vorüberziehen. Das ist der Grundgedanke.'
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am 2. März 2005
Cees Nooteboom in der Übersetzung vom Helga van Beuningen, das ist die Garantie für eine schöne Sprache, treffende Bilder und eine interessante Geschichte. Ein ehemaliger Latein-Lehrer, heute schreibt er Fremdenführer, wacht auf, wo er nicht ins Bett gegangen ist, wacht auf an dem Ort, an dem er mal geliebt hat. Es ist die Geschichte eines ganzen Lebens, der Liebe zu seiner verheirateten Kollegin, deren Mann ein Verhältnis mit einer Schülerin hat, die besondere Beziehung des alten Mannes zu eben dieser Schülerin auf einer anderen Ebene, das Ende der Liebe, der Beziehung, nichts profanes,in wunderschöne Bilder gegossen und mitzuerleben.
Ob das Bett in Amsterdam, in dem er am Abend vorher eingeschlafen ist, oder das Erwachen in Lissabon und die Reise von dort aus nun Wirklichkeit ist oder Traum, Gegenwart oder Vergangenheit, das muss der Leser für sich selbst herausfinden. Es ist, soviel zur Beruhigung, nicht das Thema dieses Buches, sondern die folgende Geschichte
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am 2. Oktober 2007
"Eines Tages aber erhebt sich das "Warum?" und mit diesem Überdruss, indem sich Erstaunen mischt, fängt alles an. [...] Der nächste Schritt ist die unbewusste Rückkehr in die Kette oder das endgültige Erwachen". (Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos)
"Und dann erzählte ich ihr, dann erzählte ich dir die folgende Geschichte".

"Meine eigene Person hat mich nie sonderlich interessiert, doch das hieß nicht, dass ich auf Wunsch einfach hätte aufhören können, über mich nachzudenken -- leider nicht. Und an jenem Morgen hatte ich etwas zum Nachdenken, soviel ist sicher." Mit diesem ersten Satz der Erzählung steht die zu erzählende Geschichte im Raum, unenthüllt, aber für den Leser schon präsent, das Kommende enthält er in sich, um es aus sich zu ent¬lassen.

Nootebooms (1933-) Herman Mussert, ein etwa 50 Jahre alter Junggeselle, Studienrat und verliebt in die Mythologie der Antike. Es ist Bücherwurm, er liebt tote Sprachen und lebende Menschen nicht. Er wacht in einem Hotelzimmer in Lissabon auf, obwohl er am Abend zuvor in seiner Wohnung in Amsterdam zu Bett gegangen ist. "Ich befand mich ... in einem Zimmer, in dem ich mich nach den Gesetzen der Logik, soweit ich sie kannte, nicht befinden konnte. Das Zimmer kannte ich, denn hier hatte ich vor gut zwanzig Jahren mit der Frau eines anderen geschlafen."

Hier beginnt seine Erinnerung, unterstützt von einem Foto der Voyager-Sonde, die Erde im freien großen Universum zu sehen und seine Angst, schutzlos im Raum zu sein. "... Das gesamte Universum war darauf aus, mich zu betäuben, und es schien, als versuchte ich, mit dieser Betäubung mitzusingen, dazuzugehören, so wie ein Fisch, der von der Brandung mitgesogen wird, gleichzeitig zu dieser Brandung gehört."

Er treibt reflektierend von einer Erinnerung zur anderen, sich erinnernd an die Schülerin Lisa d'India, hochbegabt und einzig in der Lage seine Vorlieben für Horaz, Platon und Ovid zu verstehen. Doch sein Kollege Herfst hatte ein Verhältnis mit ihr, seine Frau Maria mit ihm aus Rache, nicht aus Liebe. Dennoch war Maria in Lissabon in dieser erinnerten Nacht. Mussert und Frauen war wie Wasser und Öl, "Das bedeutet, dass ich in der intimen Nähe eines Frauenkörpers das Wehrloseste aller Geschöpfe bin, ..." Dennoch wurden beide Affären aufgedeckt, Mussert und Herfst der Schule verwiesen, Lisa in diesem Zusammenhang als Schülerin in einen Unfall mit tödlichem Ausgang verwickelt.

Lisa war sein Kriton, wenn er mit dem Spitznamen Sokrates den Phaidon vorspielte, Sokrates Tod und die Beweisführung der Unsterblichkeit der Seele. Seine Gedanken im Verhältnis der antiken Poesie rangen um Tod und Leben, aber alles in der Vorstellung, sein Leben waren die Bücher, die ihm erlaubten, mit ihnen zu wohnen.

Es folgt der zweite Teil.
Von Belem nach Belem geht seine Reise, von dort in den Amazonas. Sechs Reisende, zufällig zusammen, die ihre subjektive Welt kennen, ein Kind, ein Lehrer - ein Wissenschaftler, ein Journalist, - ein Priester, ein Pilot. Vom Wissenden zum Lernenden, vom Naturwissenschaftler zum Spirituellen, das Ganze. Der Okeanos der Unterwelt gab den Namen des Ozeans, auf dem sie reisen, die Mythologie gab den Sternen und den KonSTELLAtion die Namen, die Welt ein einziger Querverweis. Von Belem nach Belem, die ewige Wiederkehr Desselben, Nietzsches große Mittag, und dann der Amazonas der den Rio Negro trifft, die Fahrt auf der Lethe und auf der Styx, orphische Erinnerungen der sechs, einzeln jeweils der Gruppe erzählt und mit jeder Beendigung der Geschichte tritt der erzählende Mensch endgültig ab und Mussert seine, eben Die folgende Geschichte erzählt, ihr, die im Geiste sichtbar dabei war, seiner Kriton, die er nie vergessen hat, die für ihn unsterblich ist, obwohl er Sokrates nicht glaubte. "Und dann erzählte ich ihr, dann erzählte ich dir die folgende Geschichte". Für sie war seine Erzählung, seine Erinnerung war an sie geknüpft, vergebens im gemeinsamen Leben, wenn er feststellt: "Man existiert bereits geraume Zeit, bevor man selbst zum Zuge kommt" und auch unveränderbar in der Aussage: "Ich hatte wohl tausend Leben, doch ich nahm mir eines".

Eine poetische Erzählung, die im Strome der Erinnerungen eine Komposition des Lebens in Verbindung mit dem Tod erzeugt, und diesen in seiner finalen Betrachtung verschleiert. Doch der Tod ist allzeit präsent. Nooteboom präsentiert eine faszinierende intellektuelle Welt, in der Sie die Todesreise eines bereits im Leben erstarrten Menschen hautnah verfolgen können, der im Moment des erwarteten Todes erinnernd jenes Leben gewinnt, dessen Ebene ihm im Leben verschlossen geblieben ist.

Ein sehr lesenwertes Buch.
Was den Vergleich angeht zu Camus, Frisch und Nootebbom, lesen Sie weiter unter ISBN : 3518403966
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am 2. Oktober 2007
"Eines Tages aber erhebt sich das "Warum?" und mit diesem Überdruss, indem sich Erstaunen mischt, fängt alles an. [...] Der nächste Schritt ist die unbewusste Rückkehr in die Kette oder das endgültige Erwachen". (Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos)
"Und dann erzählte ich ihr, dann erzählte ich dir die folgende Geschichte".

"Meine eigene Person hat mich nie sonderlich interessiert, doch das hieß nicht, dass ich auf Wunsch einfach hätte aufhören können, über mich nachzudenken -- leider nicht. Und an jenem Morgen hatte ich etwas zum Nachdenken, soviel ist sicher." Mit diesem ersten Satz der Erzählung steht die zu erzählende Geschichte im Raum, unenthüllt, aber für den Leser schon präsent, das Kommende enthält er in sich, um es aus sich zu ent¬lassen.

Nootebooms (1933-) Herman Mussert, ein etwa 50 Jahre alter Junggeselle, Studienrat und verliebt in die Mythologie der Antike. Es ist Bücherwurm, er liebt tote Sprachen und lebende Menschen nicht. Er wacht in einem Hotelzimmer in Lissabon auf, obwohl er am Abend zuvor in seiner Wohnung in Amsterdam zu Bett gegangen ist. "Ich befand mich ... in einem Zimmer, in dem ich mich nach den Gesetzen der Logik, soweit ich sie kannte, nicht befinden konnte. Das Zimmer kannte ich, denn hier hatte ich vor gut zwanzig Jahren mit der Frau eines anderen geschlafen."

Hier beginnt seine Erinnerung, unterstützt von einem Foto der Voyager-Sonde, die Erde im freien großen Universum zu sehen und seine Angst, schutzlos im Raum zu sein. "... Das gesamte Universum war darauf aus, mich zu betäuben, und es schien, als versuchte ich, mit dieser Betäubung mitzusingen, dazuzugehören, so wie ein Fisch, der von der Brandung mitgesogen wird, gleichzeitig zu dieser Brandung gehört."

Er treibt reflektierend von einer Erinnerung zur anderen, sich erinnernd an die Schülerin Lisa d'India, hochbegabt und einzig in der Lage seine Vorlieben für Horaz, Platon und Ovid zu verstehen. Doch sein Kollege Herfst hatte ein Verhältnis mit ihr, seine Frau Maria mit ihm aus Rache, nicht aus Liebe. Dennoch war Maria in Lissabon in dieser erinnerten Nacht. Mussert und Frauen war wie Wasser und Öl, "Das bedeutet, dass ich in der intimen Nähe eines Frauenkörpers das Wehrloseste aller Geschöpfe bin, ..." Dennoch wurden beide Affären aufgedeckt, Mussert und Herfst der Schule verwiesen, Lisa in diesem Zusammenhang als Schülerin in einen Unfall mit tödlichem Ausgang verwickelt.

Lisa war sein Kriton, wenn er mit dem Spitznamen Sokrates den Phaidon vorspielte, Sokrates Tod und die Beweisführung der Unsterblichkeit der Seele. Seine Gedanken im Verhältnis der antiken Poesie rangen um Tod und Leben, aber alles in der Vorstellung, sein Leben waren die Bücher, die ihm erlaubten, mit ihnen zu wohnen.

Es folgt der zweite Teil.
Von Belem nach Belem geht seine Reise, von dort in den Amazonas. Sechs Reisende, zufällig zusammen, die ihre subjektive Welt kennen, ein Kind, ein Lehrer - ein Wissenschaftler, ein Journalist, - ein Priester, ein Pilot. Vom Wissenden zum Lernenden, vom Naturwissenschaftler zum Spirituellen, das Ganze. Der Okeanos der Unterwelt gab den Namen des Ozeans, auf dem sie reisen, die Mythologie gab den Sternen und den KonSTELLAtion die Namen, die Welt ein einziger Querverweis. Von Belem nach Belem, die ewige Wiederkehr Desselben, Nietzsches große Mittag, und dann der Amazonas der den Rio Negro trifft, die Fahrt auf der Lethe und auf der Styx, orphische Erinnerungen der sechs, einzeln jeweils der Gruppe erzählt und mit jeder Beendigung der Geschichte tritt der erzählende Mensch endgültig ab und Mussert seine, eben Die folgende Geschichte erzählt, ihr, die im Geiste sichtbar dabei war, seiner Kriton, die er nie vergessen hat, die für ihn unsterblich ist, obwohl er Sokrates nicht glaubte. "Und dann erzählte ich ihr, dann erzählte ich dir die folgende Geschichte". Für sie war seine Erzählung, seine Erinnerung war an sie geknüpft, vergebens im gemeinsamen Leben, wenn er feststellt: "Man existiert bereits geraume Zeit, bevor man selbst zum Zuge kommt" und auch unveränderbar in der Aussage: "Ich hatte wohl tausend Leben, doch ich nahm mir eines".

Eine poetische Erzählung, die im Strome der Erinnerungen eine Komposition des Lebens in Verbindung mit dem Tod erzeugt, und diesen in seiner finalen Betrachtung verschleiert. Doch der Tod ist allzeit präsent. Nooteboom präsentiert eine faszinierende intellektuelle Welt, in der Sie die Todesreise eines bereits im Leben erstarrten Menschen hautnah verfolgen können, der im Moment des erwarteten Todes erinnernd jenes Leben gewinnt, dessen Ebene ihm im Leben verschlossen geblieben ist.

Eine Ergänzung:

Die Idee, drei Werke zu rezensieren, die im Zusammenhang stehen sollen, war mein Ansatz als vergleichende Literaturkritik im Kleinen. Es geht um (1) Der Fremde, Camus; (2) Homo Faber, Max Frisch und nun (3) Die folgende Geschichte, Cees Nooteboom. Zu allen finden Sie Rezensionen.

Allen ist unverkennbar Eigenes und doch stimmen sie in den abstrakten Inhalten überein.

1. Camus 1942
Meursault war gelangweilt an der Gesellschaft, teilnahmslos und gleichgültig. Der Tod seiner Mutter interessierte ihn nicht, wie auch der Mord, der wegen der Sonne geschah. Reiner Zufall trieb ihn, nichts war geplant. Für ihn war klar, dass sein Leben "so gut wie jedes andere wäre". Erst in seinem nahen Tode verbindet er sich selbst zur Gesellschaft. Das Absurde verliert. Der Tod spielt von Beginn eine zentrale Rolle.

2. Frisch 1957
Faber als Techniker ignoriert die andere Welt, die Gesellschaft ohne Technik ist nicht seine, getrennt und im Sinne Camus ist sein Verhältnis zur Gesellschaft absurd. Zufällig trifft er den Bruder seines Freundes, den sie tot im Dschungel finden. Zufall? ja und alles Weitere sind aneinander gekettete Zufälle, die ihn zu Sabeth, zu ihrem Tod und letztendlich zu seinem führen. Erst dort erkennt er, dass das Leben mehr ist als Technik. Sein eingeschränktes Bild verganzheitlicht sich mit allen Erfahrungen und Erkenntnissen zur Gesamtsicht der Welt.

3. Nooteboom 1991
Mussert ist den toten Sprachen zugewandt, nah der Mythologie, fern allen Menschen, absurd präsentiert sich Mussert gegenüber der Gesellschaft. Seine Liebe zu Maria ist ein Fehlversuch, fern ab aller Ernsthaftigkeit. Ihm nahe im Geiste ist Lisa, sie stirbt in Zusammenhang zufällig aufgedeckter Affären. Tod beginnt, obwohl das Tote der antiken Welt bereits Hinweis genug ist. Doch Tod ist nichts, wie er bei Epikur lernen konnte. Zufällig tauchen Menschen auf, Erinnerungen. Götter wandeln sich, Menschen werden gewandelt, sagt er. Lisa erinnert an Sabeth, sie bleibt ihm für immer als Kriton, die ihn versteht, doch seine Liebe, seine Zuneigung erweist er ihr posthum, seine Erzählung auf dem Amazonas, die ganze folgende Geschichte ist eine Offenbarung, dass Leben existiert, dass es Manschen gibt, die man lieben kann, dass es Leben gibt jenseits von Platon und Ovid. Es ist seine Metamorphose, Menschen werden verändert, der Tod schafft es.

Allen dreien wird erst im Angesicht des Todes klar, dass die Welt des Lebens eine für sie und durch sie selbst eingeschränkte war. Alle drei beziehen sich auf Griechenland, die Mythologie bei Frisch und bei Nooteboom, das mittelmeerische Sonnendenken ist immanent bei Camus. Jedes Werk beinhaltet zwei Teile, die den Wechsel von der einen privaten subjektiven Ebene (Sichtweise) zur anderen weltumspannenden ganzheitlichen unterstreichen.

Aber am wichtigsten scheint mir jene faszinierende intellektuelle Welt, in der Sie die Todesreise eines jeden bereits im Leben erstarrten Menschen (Meursault, Homo Faber, Herman Mussert) hautnah verfolgen können, der im Moment des erwarteten Todes erinnernd jenes Leben gewinnt, dessen Ebene ihm im Leben zuvor verschlossen geblieben ist.
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am 11. August 2006
man nehme eines der großen themen (tod/liebe/schicksal/zeit), menge intelligenz, scharfen humor, eine prise phantasterei, zwei spritzer arroganz sowie eine klare sprache hinzu ... und herauskommt ein typischer cees nooteboom-roman.

dies ist ein solcher. lesenswert, spannnend, amüsant.

"cees nooteboom hat auf wunderbare weise eine geschichte erzählt, deren eigentliche hauptfigur die poesie selbst ist. sie kann kein ende finden, weil sie mit jedem ende, und also auch mit dem tod, etwas anfangen kann." rüdiger safranski, die zeit

cees nooteboom gehört zu den großen niederländischen schriftstellern, ist autor von gedichten, romanen, novellen und reiseberichten, schrieb unter anderem aber auch texte für Herman van Veen.

-kleine niederlande - großer autor. lesen!
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VINE-PRODUKTTESTERam 24. Juli 2010
"Keiner der anderen wird meine Geschichte hören, keiner von ihnen wird sehen, dass die Frau, die da sitzt und auf mich wartet, das Gesicht meiner allerliebsten Kriton hat, des Mädchens, das meine Schülerin war, so jung, dass man mit ihr über die Unsterblichkeit sprechen konnte. Und dann erzählte ich ihr, dann erzählte ich dir die folgende Geschichte". So endet der Roman von Cees Nooteboom, aber so beginnt es auch.

Die eigentliche Geschichte, um die sich Nootebooms Betrachtungen ranken, ist recht einfach. Die Hauptperson Mussert ist/war ein eher den toten Sprachen, denn dem Leben zugewandte Philosophielehrer, der in der Vergangenheit (20 Jahre vor seinem Tod) eine Beziehung zu der Biologielehrerin (Maria) eingeht, die sich mit diesem Seitensprung für die anhaltende Beziehung ihres Mannes (Sportlehrer) mit einer hoch begabten, bildhübschen Schülerin (Lisa d'India = Mussert's Kriton) rächen will. Alles endet in einem einzigen Drama, bei dem alle Personen verlieren.

Das ist aber nur die ca. 20 Jahre zurück liegende Geschichte, die dem Buch seinen nach und nach Preis gegebenen Bezugsrahmen liefert. Die tatsächlichen Hauptthemen sind: Tod und Leben. Diesen nähert sich Cees Nooteboom in einer nicht einfach zu lesenden, komplexen und vielschichtigen Form, die sehr viele Bezüge zur griechischen Mythologie hat.

Der Anfang des Buches wirkt dabei zunächst ausgesprochen verwirrend, denn das Buch umfasst zeitlich nur Sekunden im Leben von Mussert. Der Sekunden, die es braucht, bis Mussert im Schlaf gestorben ist. Während Mussert seine nur sekundenlange Reise an das andere Ufer unternimmt, begibt sich sein - allen naturwissenschaftlichen Gesetzen enthobener - Geist noch einmal an all die wichtigen Stationen seines Lebens und er erkennt - im Sterben - das eigene (wahre) Leben und Lieben, dessen Ebene ihm im Leben verschlossen geblieben ist

Nicht einfach zu lesen erinnert das Buch von Cees Nooteboom thematisch an Max Frischs "Homo Faber", ist aber bei weitem nicht so leicht zu lesen.
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