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Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen
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4,5 von 5 Sternen
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am 12. November 2015
Der von mir hoch geschätzte Herr Menasse hat ein sehr anspruchsvolles Meisterwerk geschrieben, das durch die bereits in der Überschrift erwähnte Einleitung seine Besonderheit findet, indem das Buch eigentlich in 3 Bücher eingeteilt ist. 1. die am Klappentext erwähnte Story aus der heutigen Zeit. 2. Die Kindheit und Jugendjahre des in der Inhaltsangabe erwähnten Protagonisten und 3., jetzt kommt das eigentlich sensationelle an diesem Roman - der Sprung zurück ins Jahr 1603. Nur mit Absätzen gekennzeichnet, sprich ohne Kapitelnummern springt diese Geschichte vom 16.Jahrhundert in die Jetztzeit, und gleich wieder 30 Jahre zurück in die Kindheit. Dadurch kommt nie Langeweile auf, und man freut sich während des Lesens bereits auf den nächsten Sprung. Robert Menasse ist mit diesem Buch ein höchst anspruchsvolles Werk gelungen, das durch die erwähnten Handlungssprünge bestens unterhält. Man kann lachen durch teilweise genial entstandener Situationskomik bzw. ist es auch extrem brutal, speziell die im 16.Jahrhundert angesiedelte Story erschüttert zum Teil sehr. Auch spielt der Tod eine große Rolle, wo man sich im Verlauf des Buches von liebgewonnen Protagonisten verabschieden muss. Hier schafft es Robert Menasse nie kitschig zu wirken, aber trotzdem eine tiefe Ergriffenheit zu diesem Thema auszulösen. Ein Meisterwerk Österreicher Literatur eines der ganz großen seiner Zunft. CHAPEAU Herr Menasse.
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am 9. Januar 2015
Menasseh ben Israel (als Manasseh im Buch) hat als Rabbi in Amsterdam in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gewirkt. Er blieb vielen Leuten in Erinnerung, weil er der Lehrer von Baruch Spinoza war und weil er das Buch „Die Hoffnung Israels“ schrieb. Dieses war damals bei den Juden und den Christen eine Art Bestseller. Er ging dem Motiv der „Verlorenen Stämme“ nach. Erst wenn die Juden am „Ende der Erde“ angekommen seien, würde der Messias kommen. Er hatte diese Wiederauferstehung auf England bezogen und damit ein gewichtiges Argument zu einer Wiederzulassung der Juden auf der Insel geschaffen.
Zu dieser historischen Figur mischt Robert Menasse die fiktionale Figur Viktor. Dieser wird in der Schule von seinem Lehrer Hochbichler als „Christusmörder“ bezeichnet und bei einer Pilgerreise nach Rom führt er ihn in eine Kirche, wo ihm in einem vatikanischen Archiv die ganze Familiengeschichte der Abravanels (seinen Vorfahren) gezeigt wird. Isaak Abravanel war nicht nur einer der bedeutendsten Bibelausleger, sondern bis zu seiner Flucht 1492 aus Spanien auch Schatzmeister von König Ferdinand und Königin Isabella. „Die Geschichte war die Hölle. Ich sah Spitzelakten und Folterprotokolle. Da wurden Menschen zerbrochen und Seelen neu zusammengesetzt“, erzählt Viktor seiner Freundin Hildegung, dann kam „die Vertreibung aus der Hölle“. Nach der Romfahrt beschloss Viktor, Spanisch zu lernen und Geschichte zu studieren.
So stößt er auf Baruch Spinoza, hält über ihn und seine Lehrer Vorträge. Das Prinzip der Vereinigung der zwei Charaktere setzt ein, indem er somit Manasseh den anderen Hauptprotagonisten »kennenlernt«. Zwar trennen die zwei Charaktere drei Jahrhunderte, aber mit der Wiederkehr der jüdischen Geschichte, schwebt auch die Wiederkehr der Erinnerung im unmittelbaren Zusammenhang hinterher.

Spannender Anfang - träge Fortsetzung

Am Anfang wird eine Katze mit Eisennägel gekreuzigt. Es wird ein Trauermarsch veranstaltet - für eine Katze! Die Katze wird in einem Sarg transportiert. Was keiner weiß ist, dass Manasseh sie gekreuzigt hat. Er wächst im 16. Jh. auf. Zu dieser Zeit waren in Portugal große Aufstände, Judenverfolgungen und Hexenjagden. Insbesondere in Lisboa, in der Großstadt, in der Manasseh lebt. Die Aufstände in Lisboa werden immer größer, sodass die Familie ihren Eisenwarenladen verkauft und in des Vaters Geburtsstadt zu dessen Mutter ziehen. Sie haben dort auf Anhieb wieder Erfolg (wieder mit einem Eisenwarenladen). Doch wo Erfolg ist, keimt auch der Neid auf. Auf Grund dessen setzt Manasseh alles daran, außerhalb der Familie akzeptiert zu werden - läuft mit der Masse mit, will unbedingt dazugehören. Als die Inquisition jedoch weite Teile Portugals einnimmt, flieht die Familie abermals und landet am Ende in Amsterdam. Einer der wenigen Städte, in der Juden willkommen waren und ein normales Leben führen konnten. Für Manasseh ist es der Beginn eines Lebens mit vielen Höhen und Tiefen.

Bei Victor setzt die Geschichte mit einem Klassentreffen an. Nach 25-Jährigen Bestehen der Matura, werden alle ehemaligen Schüler und Lehrer eingeladen, um dieses zu feiern. Der Direktor fordert vor dem Essen, dass jeder erzählt, was aus ihm geworden ist. Als Victor dran ist, sagt er, dass er Geschichte studiert hat und wie Geschichte auf einen Menschen einwirkt. Er folgert daraus, dass es doch interessant wäre, wenn die Lehrer aus ihren Leben erzählen würden. Ohne eine Antwort abzuwarten, fängt er jedoch selbst an die Lehrpersonen aufzuzählen und berichtet, welche Position sie in ihren früheren Leben eingenommen hatten, bekräftigt die Aussage mit dem Vorlesen ihrer NSDAP Nummern. Die Lehrer und die Schüler erheben sich daraufhin, beschimpfen ihn und stürmen aus dem Raum. Die Nazis, die vor dem Juden fliehen. Alle verlassen den Raum, bis auf eine ehemalige Geliebte von Viktor. Wenig später werden 30 Suppen geliefert und die Geschichte Viktors beginnt. Ein Beginn wie in einem spannenden Thrillerroman.
Doch wie auch bei der ersten Geschichte, flacht die Story ab und verliert sich in dem Irrgarten der konstruierten Anekdoten.
In gewissen Ansätzen blüht die Intelligenz des Autors auf. Beispielsweise als sein Protagonist Viktor über die Fügung der Menschen in der Welt spricht: „Früher fuhren wir Schwarz mit der Straßenbahn. Jetzt haben wir Jahresnetzkarten, plus Auto, plus Garagenplatz. Wir fuhren per Autostopp nach Italien, später mit der Bahn, dann sogar mit dem Schlafwagen, jetzt fliegst du zwei Tage nach Rom oder Florenz und kaufst Designerfetzen. Wachstum, verstehst du, das meine ich damit. Die Ansprüche wachsen, die Möglichkeiten, aus denen wir immer selbstverständlicher schöpfen, der Besitz wächst, alles nebbich, aber es wird immer mehr. Wir werden belohnt, nur weiß ich nicht wofür. Fürs bloße Älterwerden? Fürs müde Mitmachen! Wir dürfen mitnaschen am Wachstum. Es ist so lächerlich!“ Leider sind solche genialen Ansätze, eine Mangelware dieses Buches.

Fiktion oder Geschichte

Im gesamten Text gibt es keine Kapiteleinteilung, mit der Absicht die ohnehin schon fast nahtlosen Übergänge zwischen den beiden parallel erzählten Lebensläufen noch etwas unübersichtlicher zu gestalten, sodass der Leser den Eindruck vermittelt bekommt, es handelt sich bei Manasseh und Viktor um ein und dieselbe Person. Am Ende des Buches befindet sich ein Inhaltsverzeichnis mit vier verschiedenen Kapiteln. Die Absicht dahinter ist wohl, dass jeder für sich entscheiden kann, wann die jeweiligen Kapitel einzusetzen sind. Es ist wie bei den geschichtlichen Epochen.
Gewisse Stellen des Buches lassen auf einen fiktiven Roman schließen, welcher gut recherchiert wurde. Bei genauerer Betrachtung kann man jedoch auch darauf schließen, dass Menasse ein historisch-geschichtliches Buch geschrieben hat. Denn der Nachname von Viktor, Abravanel, ist auch eine reale Person in der jüdischen Geschichte. Es wirkt teilweise so, als wollte Menasse ein Buch über die jüdische Geschichte schreiben und keinen Roman für das Belletristik Genre.

Was am Ende bleibt, erscheint in Form der Erinnerung

Manaseh kritisiert zunächst seinen Vater, weil dieser melodramatisch von der Flucht der Inquisition erzählt und dabei viele Sachen verdreht. Selbst aber schreibt er ein Buch, in dem es darum geht, dass der Messias in England erscheinen werde, weil dort keine Juden leben.
Er bemüht sich, während seines Aufenthalts in Amsterdam, ein perfekter Jude zu sein, was seine Schwester kritisiert: „Allmacht bedeutet er kann Frieden bringen, nicht er will!“
Als Uriel da Costa, ein Priester der spät zu seinem jüdischen Glauben findet, ausgepeitscht wird, merkt Manasseh, dass sie (die Juden), um nichts besser sind, als die Inquisition. Er geht aber mit seiner Geschichte, über den Messias in England, den Weg den seine größten Gegner gingen. In der damaligen Zeit, in der Religion vorherrschte und Kriege hierfür geführt wurden bzw. Inquisitionen gegen Juden durchgeführt wurden, war es ein sensibles Thema und führte zu massiven Folgen. Er sucht nicht den Frieden, mit leben und leben lassen, sondern sucht die Konfrontation.
Auch Viktor, der Geschichte studiert hat und immer tiefer in sie hineinbohrt, um seine Vergangenheit zu rekonstruieren, folgt dem Weg der Konfrontation. Er versucht die Thematik wieder aufleben zu lassen. Bei der 25-Jährigen Feier macht er dies auch noch auf eine sehr dreisten Art und Weise. Beide Protagonisten lassen Geschichte nicht ihre Kapitel in Büchern füllen, sondern wollen sie aufleben lassen.
Das Leben ist ein Becken gefüllt mit Erinnerungen. Es gibt nichts Schöneres, als hineinzuspringen und tief in sie hineinzutauchen. Die Erfahrung lernt den Menschen jedoch, dass man schlimme Erinnerungen lieber in das Grab des Vergessens buddeln sollte. Denn jede schlechte und schmerzhafte Erinnerung, lässt Wut und Hass auftauen und das hat weiter zur Folge, dass die Infernalität im Menschen wächst. Durch die Handlungen der zwei Protagonisten lässt sich das ganz leicht manifestieren.
Ebenfalls muss sich Robert Menasse fragen, ob so eine Art Werk noch einmal in die Liste seiner Publizierungen landen sollte. Denn, dass die Juden eine schlimme Vergangenheit hatten, weiß man mittlerweile. Wenn ein Jude das immer wieder hört, fängt er auch an in Erinnerungen oder in Geschichtsbüchern zu bohren und seine Weltanschauung sieht anschließend sicher nicht besser aus. Der Friede kehrt dann ein, wenn der Mensch akzeptiert, Vergangenheit und Gegenwart zu trennen.
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Das Buch ist unglaublich gut! Eine kurze Inhaltsangabe schadet diesem Buch, eine lange würde Leser abschrecken, die dieses Buch verdient. (Schon der Klappentext scheitert in seiner Beschreibung, wäre der Umschlag nicht so schön, müßte dazu aufgerufen werden, ihn wegzuwerfen: Lesen Sie nicht den Klappentext, beginnen Sie mit dem Buch selbst!) Das Buch ist auf eine wunderbare Weise lesbar, es ist von einer unglaublichen Detailgenauigkeit, die jedoch kein Nachschlagewerk erforderlich macht, sondern den Lesegenuß nur steigert. Es ist humorvoll ('Der Vater, wahrlich kein großes Organisationstalent, wenn man vom Zusammenstellen einer Kartenrunde absieht, war mit der Organisation von Großmutters Begräbnis völlig überfordert.'), wenngleich das Lachen oft im Halse stecken bleibt ('"Besser, man hat dann Gold in der Tasche, als sie brechen es dir aus dem Mund."'); es ist berührend im wahrsten Sinne des Wortes: ich habe das Gefühl, angefaßt worden zu sein. - und es hat mich noch nicht losgelassen. Es gibt so vieles in diesem Buch, über das weiter nachgedacht werden muß, Rätsel, die gelöst werden müssen: so zum Beispiel die Kapiteleinteilung. Ein Buch, das wieder und wieder gelesen werden kann und sollte, es hat stets etwas Neues zu bieten.
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am 20. August 2001
Reich-Ranicki hat nicht recht, der Autor hätte keine zwei Bücher schreiben sollen. Gerade die Verknüpfung von Inquisition in Portugal, Flucht der Verfolgten in die Niederlande und österreichischer Nachkriegsgeschichte (der ja eine Parallele zur Inquisition vorausgegangen ist) gerade diese Kontinuität ist das Aufregende an diesem Buch, was uns beim Lesen unaufhaltsam vorantreibt. Und bei aller Tragik, die den gescheiterten Anpassungsversuchen der beiden Hauptprotagonisten von damals und heute anhaftet, ist das Werk auch noch sehr komisch, besonders für Österreicherfahrene wie mich. Ich habe mich sowohl als Jüdin als auch als Österreicherin an mehreren Stellen wiedergefunden. Manchmal hätte ich in der U-Bahn laut auflachen können, an anderer Stelle in Tränen ausbrechen. Ganz zu schweigen von der detailgenauen, wunderbar leichten Sprache. Unbedingt lesen!
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am 27. Juli 2005
25 Jahre nach der Matura kommt es bei einem Klassentreffen, bei dem auch viele ehemalige Lehrer anwesend sind, durch den Geschichtsprofessor Viktor zu einem Eklat. In geselliger Runde verliest er plötzlich die NSDAP - Mitgliedsnummern der anwesenden Lehrer, worauf diese empört das Restaurant verlassen. Nur Viktor und seine ehemalige Schulkollegin Hildegund bleiben. Zwischen ihnen entspinnt sich im Laufe des Abends ein Austausch an Erinnerungen, Geständnissen, Erklärungen, den sie als Schüler nie haben konnten.
Die Parallelhandlung erzählt von Máne, einem jüdischen Kind im Portugal des 17. Jahrhunderts. Seine Eltern werden von der Inquisition verfolgt, Máne soll als Jesuit aufwachsen, doch nach vielen Mühen gelingt ihnen die Flucht nach Amsterdam, wo Juden eine Bleibensberechtigung haben. Máne geht in die Rabbinerschule und soll schon bald der Lehrer Spinozas werden.
Was auf den ersten Blick nicht zusammen gehen kann, weil die Zeit zu weit auseinander ist und die Gesellschaften sich in nichts ähneln, wird bald zu einem Vexierspiegel indem man Viktor und Máne wiederfindet. Menasses erzählerischer Stil schafft es eine spannende Geschichte zu formen, die das Aufwachsen zweier Männer erzählt und deren Handlungen und Erlebnisse sich trotz der wenigen Gemeinsamkeiten, die sie haben, immer mehr verstricken und bald ist die Jugendgeschichte Mánes ein Vorläufer der von Viktor. Sachen, die im 17. Jahrhundert den sicheren Tod bedeutet hätte, werden im 20. zu Peinlichkeiten und genauso umgekehrt.
Immer deutlicher kommt aber der Machtwahn des Menschen heraus. Máne und Viktor sind Mitläufer, Ausgegrenzte, die nur zu gerne dazugehören wollten. Ihr gesellschaftliches Manko versuchen sie mit Fleiß wegzumachen, doch müssen sie immer wieder einsehen, dass der größte Fleiß und willenloseste Anpassung nichts nützen, wenn die Gesellschaft nicht will, dass sie dazugehören.
Ein sehr erschreckender Roman, der jedoch leicht und locker erzählt wird, das macht die großen Qualitäten Menasses aus.
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am 18. Oktober 2009
Wo Menschen sich in Gemeinschaften organisieren, geben sie sich Regeln, wie das Zusammenleben ausgestaltet werden soll. Hält sich eine Mehrheit an die Regeln, schafft das Vertrauen, welches das Existieren der Gemeinschaft erst ermöglicht. Individuen oder auch ganze Teile einer Gemeinschaft, welche sich nicht an diese Regeln halten, werden Sanktionen angedroht. Das bedeutet automatisch, dass es in jeder Gemeinschaft eine Instanz braucht, welche die Einhaltung der Regeln überwacht und nötigenfalls die entsprechenden Sanktionen veranlasst. In dem Moment, wo eine Gemeinschaft eine solche Institution schafft, kreiert sie Macht, welche immer auch missbraucht werden kann. Es entsteht eine massive Diskrepanz zwischen der Gemeinschaft, welche Macht ausübt und gewissen Individuen/Gruppen, welche mit ihrer Ohnmacht fertig werden müssen.

Welche Folgen das Erlangen und vor allem das Ausüben von Macht haben kann, sah ich bei Menasse an verschiedenen bedrückenden Beispielen. Sei es das Schicksal der Sepharden im 16. Jahrhundert(zunächst in Portugal später in Amsterdam) oder der europäischen Juden während und nach der Schoah aber auch innerhalb einer poltischen Gruppierung im Nachkriegs-Österreich immer wird eine kollektive Macht einer individuellen Ohnmacht gegenüber gestellt.

Ein absolut faszinierendes und lesenswertes Buch.
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am 8. Januar 2015
Parallel werden in diesem Roman (man muss sich in den Stil des Autors erst ein wenig einlesen) zwei Leben erzählt:
das des portugiesischen Juden Samuel Manasseh im 17. Jahrhundert, der aus einer Familie von Marranen stammt, die über Generationen hinweg ihren Glauben nur im Geheimen praktizieren konnten. Das Kind Samuel lebt im Glauben Christ zu sein und spielt die Entlarvung von Marranen, weil die Inquisition in der Stadt ist und Juden Jagd. Dabei verrät er ohne es zu wollen seine Eltern, die gefangen genommen werden. Er selbst kommt in einen Jesuiten-Konvikt. Der Familie gelingt es nach Jahren nach Amsterdam zu fliehen und dort auch wieder ihren jüdischen Glauben zu praktizieren. Samuel will gerne Rabbiner werden, kommt dem auch durch Fleiß und Gelehrsamkeit sehr nahe, unterliegt durch Pech und Intrige aber immer wieder, teils auf absurde Weise einem Konkurrenten. Der Leser erfährt viel über die geistige und kommerzielle Atmosphäre des prosperierenden Amsterdam.
Ein später Nachfahre, Viktor Abravanel (unschwer als alter ego des Autors selbst zu erkennen), führt unter ganz anderen Bedingungen ein ähnliches Leben im Wien des 20. Jahrhunderts. Auch ihm wird verheimlicht, dass er Jude ist. Der Vater entkam in einem Kindertransport 1938 nach London. Das Motto seiner Erziehung ist Anpassung. Viktor leidet in seiner Schulzeit, die ausführlich erzählt wird, unter diesem Zwang, weil er eben deshalb von seinen Altersgenossen ausgegrenzt wird. Auf der Universität rebelliert er auf eine für die frühen 1970er Jahre typischen Weise indem er sich einer trotzkistischen Splitterguppe anschließt. Aber auch dabei hat er kein Glück, sondern steht am Ende menschlich isoliert alleine. Dass er dann doch noch Professor werden kann ist ähnlich unwichtig, wie dass sein Vorfahr Samuel am Ende seines Lebens zu bescheidenem literarischen und finanziellem Erfolg kommt.
Dieses moderne Leben wird durch Rückblenden in einem Gespräch zwischen Viktor und seiner Schülerliebe Hildegund entwickelt, die er bei dem Klassentreffen zum 25-jährigen Matura-Jubiläum, wieder trifft. Der Roman beginnt mit diesem Treffen, das Viktor auch sogleich platzen lässt, indem er seine alten Lehrer mit ihrer Nazi-Vergangenheit konfrontiert, ein Szenario von einer verblüffenden Absurdität, das in Bruchstücken über das gesamte Buch hinweg entwickelt wird.
Zusätzlich erfreut der Autor den Leser noch mit vielen wunderschön erzählte Nebenhandlungen über Mutter und Großmutter und andere Nebenfiguren, wenn dies auch manchmal den Faden der Haupthandlung fast verloren gehen lässt.
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am 9. Juni 2013
Sprachlich virtuous und auch mit Witz bringt Menasse das Thema der Heiligen Inquisition im 13. Jhdt. dem Leser in Erinnerung. Diese und ähnliche Formen der Verfolgung und Herabwürdigung finden sich bis heute, und das verdeutlicht Menasse sehr gut in der Darstellung der Parallelhandlung der Geschichte von Viktor im 20. Jdht. in Wien, einer typisch studentischen Welt eines Jugendlichen. Geniale Idee, geniale Ausführung.
Meine ursprüngliche Erwartung war die, dass es in diesem Roman konkret um die Nazi-Vergangenheit und Doppelmoral von heute wieder bestens etablierten Menschen geht (das suggeriert nämlich der Klappentext), aber es kommt anders und das war erfreulicherweise mindestens so spannend und gut. Ich kann das Buch nur empfehlen!
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am 6. Januar 2012
Das Buch ist perfekt, so wie es ist. Der verarbeitete Stoff würde - legte man "normale" Maßstäbe an ' für ein halbes Schriftstellerleben reichen. Das nur vorab.

Was ich spannend fand, ich dachte, dass ich die Gestalten schon kennen würde. Und einige kannte ich auch, denn ich hatte nur Monate zuvor von Eva Menasse Vienna und ihre Todsünden-Geschichten gelesen.

Autobiografische Bezüge interessieren mich nicht. Aber hier ist etwas Besonderes passiert: Man liest über die gleiche kleine Welt aus zwei Perspektiven. Einer männlichen und einer weiblichen. Und das war mehr als faszinierend. Etwas ähnliches habe ich das letzte Mal erlebt, als ich bei Ingeborg Bachmann der zweiten Generation von Hofmannsthals und Roths Gestalten begegnete.
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am 2. Januar 2016
Die Verschränkung zweier Epochen, zweier Familiengeschichten. Die Dialektik der jüdischen Heilsgeschichte eingewebt in die christliche Unheilsgeschichte. Das Dilemma zwischen Eroberung und Vernichtung, sowie Erfolg und Impotenz. Das Scheitern des Individuums an den Bedingungen der Zeit und der Fortschritt der Menschheit durch die ewige Wiederkehr des Gleichen. Das ist die Vertreibung aus der Hölle. Mit einem Wort: epochal.
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