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am 5. März 2003
Hein brilliert erneut mit einem Protagonisten und seinen Schwierigkeiten in der DDR
Gerade 36 Jahre ist er alt, Hans-Peter Dallow, als er das Leipziger Gefängnis verlässt. Im „Namen des Volkes" zu 21 Monaten Haft verurteilt, weil er ein studentisches Kabarett auf einem Klavier begleitete. Den angeblich staatsfeindlichen Text zu seinem gespielten Tango kannte er nicht, er war erst kurz vor der Aufführung als Aushilfe engagiert worden.
Dallow, wie der Protagonist beinah den ganzen Roman über genannt wird, ist etwas passiert, was wohl für jeden schwer zu fassen, geschweige denn zu verarbeiten wäre. Die Grundvoraussetzungen hierfür schafft das sozialistische System der DDR, das dem Richter Berger zu der Willkürlichkeit verhilft, mit der er das Urteil Dallows aussprechen kann. Der Protagonist ist sich dessen von Anfang an bewusst, weiß um die Jämmerlichkeit seiner Strafe, weiß, dass sein „Verbrechen" nicht die zwei verlorenen Jahre rechtfertigt.
Dieses Wissen wird ihm zum Verhängnis. Er muss feststellen, dass er nicht in das Umfeld zurückkehrt, dass er vor 21 Monaten verlassen hatte.
Über zwei Wochen verbringt Dallow seine Zeit damit, in Bars zu gehen, anschließend mit Frauen die Nacht zu verbringen und sie vor dem Morgen zu verlassen. Dieses Verhalten lässt sich mit seinem Unwillen, über die vergangene Zeit zu sprechen, begründen. Er achtet peinlichst darauf, keinerlei Verpflichtungen einzugehen um sich nicht rechtfertigen zu müssen.
Eines Abends trifft er jedoch auf Elke. Auch mit ihr verbringt er die Nacht und nach einigen Tagen verspürt er das Bedürfnis, sie wieder zu sehen. So treffen sie sich erneut und sie wird im gesamten Buch die einzige Person, die seinen Lebensstil direkt kritisiert und der er auch bereitwillig von seiner Vergangenheit erzählt.
Als er das Angebot bekommt, seine alte Arbeit in der Universität wieder aufzunehmen, lehnt er ab, da dies mit einem erneuten Parteibeitritt verbunden wäre, der für ihn bedeuten würde, dass er sich „selber in das Gesicht spucken" müsste.
Er will weder vergessen, noch verzeihen, was ihm das System angetan hat, er will sich rächen und so baut er sich eine neue Zelle auf. Er kapselt sich von seiner Umwelt ab, hat weder Interesse für politische Geschehen, wie den Aufstand in Prag, der immer wieder erwähnt wird, noch für sein soziales Umfeld. Der Protagonist ist nicht bereit, sein altes Leben wieder aufzunehmen und so verstößt er bewusst gegen Werte und Moral der sozialistischen Gesellschaft, wird laut der Herren Müller und Schulze zum arbeitsunwilligen, „asozialen Bürger".
Als Elke ihn vor das Ultimatum stellt, sich zu ändern, endlich eine Arbeit aufzunehmen, wenn er sie weiter sehen wolle, macht er sich sogar auf die Suche nach einer solchen. Er bleibt jedoch erfolglos.
Hein gibt dem Leser durch seine Außensicht auf Dallow und seine klare, schnörkellos nüchterne Sprache, die Möglichkeit, das Buch trotz des unfassbaren Plots objektiv zu betrachten. Dem Leser wird durch die fast sachliche Erzählweise immer wieder deutlich, dass es sich bei dem Tangospieler nicht nur um eine Erzählung handelt, sondern um einen Text, der wiedergibt, was Menschen in der DDR wirklich erlebt haben. Der innere Konflikt Dallows, als er bemerkt, dass er, um sein Leben finanzieren zu können und um Elke nicht zu verlieren, doch arbeiten gehen und seine Protesthaltung aufgeben muss, ist durch wenige Gefühlsausbrüche glaubhaft dargestellt.
So baut sich neben der Kritik an der DDR ein zweites Thema im Roman auf. Es geht um die Neuorientierung im Leben eines Mannes. Diese Thematik macht es dem Leser leicht, mit Dallow zu fühlen und für einen Großteil seiner Handlungen und Entscheidungen Verständnis aufzubringen.
„Alles, was ich wollte, war eine Antwort", dieser Gedanke Dallows zieht sich durch das ganze Buch und der Leser sucht mit ihm, wird aktiv und will sich genau wie Dallow das Unglaubhafte Glaubhaft machen.
Nach einer letzten Flucht an die Ostsee geben Dallow und Leser jedoch gemeinsam auf und beiden ist klar geworden, dass stillschweigende Anpassung in der damaligen Zeit die einzige Antwort zu sein schien.
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am 27. Mai 2017
Hein, seinerzeit vom Spiegel als halbgeduldeter Dissident tituliert, legte für DDR-Verhältnisse einen erstaunlich systemkritischen Roman vor, der 1989 zeitgleich im Osten sowie im Westen erschien. Tragischer Held des Romans ist Dallow, ein Hochschuldozent an der historischen Fakultät der Universität Leipzig, der wegen einer absurden Bagatelle zu 21 Monaten Haft verurteilt wurde. Der Roman setzt mit Entlassung Dallows ein und schildert seinen Versuch wieder in einem Land wie der DDR Ende der 60-Jahre Fuß zu fassen, ohne sein Gesicht zu verlieren. Dabei Verschwimmen seine Motive, wurde er im Gefängnis gebrochen, ist es Trotz, Selbstmitleid oder politische Überzeugung, die sein Handeln bestimmen? Sicher einer der bedeutendsten Bücher Christoph Heins.
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am 20. November 2014
Die Geschichte spielt in der DDR, 1968, kurz bevor die Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR einmarschierten, um dort dem "Prager Frühling" den Garaus zu machen und den sozialistischen Spuk nochmal um 20 Jahre zu verlängern, bevor aus dem Prager auch ein Warschauer, Berliner oder gar Moskauer Frühling hätte werden können. In der DDR gab es keinerlei Frühling, dort bedurfte es lächerlicher Kleinigkeiten, um ein Staatsfeind zu sein und für 2 Jahre in Bautzen zu landen. So, wie es dem Protagonisten dieser Erzählung ging, der das Pech hatte, bei einem Studentenkabarett, dessen Texte der Partei nicht passten, aushilfsweise Klavier gespielt zu haben.

Der Protagonist findet sich nach der Entlassung nicht mehr zurecht, sein vormaliger Arbeitsplatz an der Uni ist längst neu besetzt, er gammelt, besucht seine hinfälligen Eltern und kann mit ihnen ebensowenig anfangen wie sie mit ihm, er vögelt in der Gegend herum und wirkt eine Weile wie ein Wiedergänger von Camus' Figur Meursault in dessen Roman "der Fremde". Er wird von der Stasi bedrängt, für sie zu spitzeln und flieht schließlich nach Hiddensee, um dort im "Klausner" zu kellnern. Schließlich kriegt er doch wieder seine Stelle an der Uni, nachdem sein Nachfolger, eigentlich ein Opportunist, wegen einer unbedachten Äußerung zum CSSR-Einmarsch gefeuert wurde.

Diese Steilvorlage hat wohl Lutz Seiler genutzt, um später seine uferlose, öde und unerträglich geschwätzige Hiddensee-Schmonzette "Kruso" zu schreiben und ebenfalls im "Klausner" zu verorten. Während Kruso aber ärgerlicherweise die DDR zu einer Art Märchen-Erlebnispark mit ein paar Vopo-Vogelscheuchen als Gruselbeigabe verkitscht, verbildlicht Christoph Hein in seiner Erzählung mit gebotener Lakonie die ganze Tristesse des real existierenden Sozialismus und seiner trüben Repräsentanten, und das ganze in einer dazu passenden, kargen und unprätentiösen Sprache. Keine Lektüre, die Behagen auslöst, aber dafür: gute Literatur.
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am 7. März 2001
Ein Buch über die DDR? Was soll ich damit? Was die Ossis damals gemacht haben, interessiert mich als Wessi doch nicht die Bohne, zumal wir mit denen sowieso nur Ärger haben! Obwohl es sicherlich nicht viele zugeben wollen, aber dies ist einer der ersten Gedanken, der einem aus unserer Gegend bei einem Buch mit diesem Thema in den Kopf schießt. „Der Tangospieler" von Christoph Hein verdient es aber nicht, so abgestempelt zu werden. „Ohne Rückgrat ist Schreiben nicht möglich." Dieser Satz charakterisiert das ganze Buch. Die Hauptperson Hans Peter Dallow wird, nachdem er den Pianisten eines Studentenkaberettes vertreten hat wegen Staatsgefährdung „Im Namen des Volkes" für zwei Jahre hinter Gitter gesteckt. Er selbst hatte aber keine Ahnung von den Text, der das politische System der DDR verspottete, und war in seinen Augen somit unschuldig. Nach seiner Entlassung will er wieder Fuß fassen und das stellt sich als ziemlich heikel heraus, zumal er wenig Erspartes hat, und auch weil die Stasi ihn für sich gewinnen will. Dallow zeigt insofern Rückgrat, dass er sich nicht auf die Angebote der Stasi einlässt. Der Autor verleiht der Hauptperson das nötige Rückgrat, um sich gegen das System zu wehren. Er zeigt, dass es durchaus möglich ist, sich zu widersetzen, aber auch, dass es dadurch viel schwerer wird, wieder zur Normalität zurückzukehren. Das Buch ist sehr ironisch geschrieben. Es sind nur Zufälle, die Dallow seinen Job verlieren lassen und hinter Gitter bringen, aber es ist auch ein Zufall, dass er seinen alten Job doch wieder bekommt. Trotz des Ernstes kann man auch über viel lachen. „Der Tangospieler" ist nicht ein Buch für jedermann, da man Sinn für Humor braucht, um die Komik zu verstehen. Wer also Sinn für Absurdes hat, kommt voll auf seine Kosten.
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am 23. Juli 2013
Dieses Buch spiel mitten in der DDR. Hier ist vieles anders als heute, aber anders anders als man vielleicht denkt. Lesen!
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am 3. April 2003
Dieses Werk lädt wirklich zum einschlafen ein. Der arme arme Hans-Peter Dallow der gerade aus dem Gefängnis kommt verbreitet eine ganz und gar deprimierte Stimmung. Er läuft mit leerem Geist durch die Gegend und weiß nicht recht was er außer trinken und Geschlechtsverkehr besseres zu tun hat. Wirklich Herz ergreifend doch kein Phänomen was typisch für die DDR wäre, wie wohl jeder bestätigen kann.
Auch die Rückseite des Buches lügt in dieser Hinsicht. Sehr geehrter Herr Mayer dieses Buch zeigt mir gar nichts von dem Leben in der DDR. Ungerechtigkeit und Depression ist allgegenwärtig in Gesamtdeutschland.
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