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Kundenrezensionen

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am 19. April 2002
Menasse erzählt von den Nöten seines Protagonisten, als Philosoph durch’s Leben zu gehen. Zusammen mit seinen Eltern aus dem brasilianischen Exil nach Wien zurückgekehrt, ist der junge Philisophiestudent zunächst finanziell abhängig vom Elternhaus. Mit dem Traum, eine Fortsetzung von Hegels Phänomenologie des Geistes zu schreiben und dem Anspruch, durch die Beschreibung der Welt die Welt zu verändern, studiert er in Wien und lernt bald Judith kennen, mit der er sein Leben lang verbunden sein soll. Judiths Wesen bleibt in der Darstellung schleierhaft. Die Beziehung zwischen den beiden wird kompliziert. Viel Kopf, wenig Herz. Die Beschäftigung mit seinem Werk lassen Leo nur wenig Raum, z.B. für eine Reiseerfahrung (nach Venedig) und Eifersucht. Mit dem Tod des Vaters wird Leo von dem Zwang befreit, für seinen Lebensunterhalt selbst zu sorgen; was für eine Arbeit könnte er auch tun, um nicht für immer unzufrieden zu sein – außer als Lehrender seines eigenen Werkes.
Das Erbe des Vaters verschlägt ihn zurück nach Brasilien, wo er eine neue Existenz aufbaut - und doch nicht, denn er nimmt sich selbst mit. Durch die Militärdiktatur um seine Universitätskarriere gebracht, lebt er als Schützling eines alten Bekannten, Kunstsammler und ehemaliger Bankier seines Zeichens. Mit der Nachricht über Judiths Tod, die – wie sich später herausstellte – fingiert war, gelingt es Leo, zu arbeiten. Denn auch nach den vielen Jahren ist noch immer kein Werk entstanden, außer einem kurzen Aufsatz über Sittlichkeit und Bildung. Voraussetzung zum Arbeiten scheint für ihn der permanente Zustand der Sehnsucht zu sein.
Nach einem Wiedersehen mit Judith in Brasilien ziehen die beiden nach langem Zögern ihrerseits zusammen. Doch der Zustand der Zweisamkeit dauert nur sechs Wochen an, dann lebt Judith wieder allein.
Von nun an zergeht Leo in dem Bestreben, für perfekte Arbeitsbedingungen zu sorgen. Es gelingt ihm nicht. Am Ende „rettet“ er sein Werk, das Judith anhand mündlicher Vorträge Leos heimlich niedergeschrieben hat.
Immer wieder erheiternd zu lesen sind Menasses Betrachtungen wie „Wozu brauchte er ein Wohnzimmer? Er wollte arbeiten und nicht leben, wohnen, was ist das überhaupt, was macht man, wenn man wohnt?“ oder „Das grenzenlose Glück und der grenzenlose Schmerz entziehen sich jeder Beschreibung. Darum war die Literatur voll von Beschreibungen der Liebe. Weil Menschen, die die Liebe nicht kennen, sie herbeischreiben wollen. Jeder der liebte, ist augenblicklich verstummt.“ Oder „Der Alkohol tötet ab, was tötet. Nicht alles und nicht ganz. Aber ein bisschen fast alles.“
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am 13. September 2004
Das Buch fängt scheinbar etwas zäh an. Aber das liegt nicht am Buch sondern am Helden Leo Singer. Ein Philosophiestudent, abhängig von den Eltern und im Streit mit seiner Mutter, dem nichts gelingen will, der träge ist, lustlos und ohne Antrieb. Und in diese Stimmung kommt man zu Beginn des Buches. Selbst als er Judith trifft und sich verliebt ändert sich kaum etwas für ihn. Er scheitert in seiner Liebe und im Leben. Als sich die Ereignisse dramatisch zuspitzen wird auch Leo Singer kurzzeitig ein anderer aber nur um am Ende wieder in seinen Trott zu verfallen und zu scheitern.
Das Buch liest sich sehr gut. Menasse philosophiert sehr geistreich und man kann seinen Ausführungen hervorragend folgen. Die Geschichte ist spannend was auch an den Schauplätzen Wien und Sao Paulo liegt. Menasse versetzt den Leser immer wieder sehr gut in den augenblicklichen Gefühlszustand von Leo Singer. Das Ende des Buches ist dramatisch und überraschend. Nur für Leo Singer ändert es nichts.
Ein gutes Buch voller geistreicher Philosophie.
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am 11. April 2001
Leo Singer, der Hauptprotagonist - ein neuer Hegel? Nein, er scheitert an sich selbst. An seiner eigenen Unfähigkeit. Seinen Eltern, vor allem seiner Mutter, wird Schuld gegeben. Sie ist kalt und herzlos. Aber ist das wirklich Thema des Buches? Leo Singer will eine neue Philosophie entwickeln. Von einer Dissertation über Hegel, die nie fertig wird, was ihn nicht daran hindert, "der Professor" zu sein kommt er zu einer Fortsetzung der Hegelschen Phenomenologie. Leo kann Hegel parallel zu seinem Leben setzen. Er wäre fähig zu einer neuen Philosophie. Ich frage mich, woran er scheitert. An seinem Gewissen, das sich in Judith manifestiert? An seinen Eltern, Onkel Ze, der Diktatur? Leos ganzes Leben ist nur auf Schwindel ausgerichtet, er ist der Wirtshausdozent. Judith schreibt sein Werk nieder und muß dafür sterben. Ein spannendes Buch, gut zu lesen. Aber was zum Teufel will Menasse wirklich? Das Scheitern einer neuen Philosophie zeigen? Warum aber dann Geschichten wie der Selbstmord von Judiths großer Liebe? Zu vieles ist nicht stimmig, wird nicht klar. Große Ansätze, die sich in einem Wust von Nebenbedeutungen aufreiben.
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am 14. Februar 2004
Den schrulligen Leo muß man einfach lieben, denn trotz seiner philosophischen Abgehobenheit ist er absolut menschlich geblieben. Mit sensiblen Gespür zeigt R.M. an Leo das Repertoire sämtlicher menschlichen Schwächen, die sonst jeder gerne verbirgt. Man fühlt sich ertappt und zugleich verbunden. Verzweifelt versucht Leo seine Fortsetzung der Hegelschen Phänomenologie auf Papier zu bringen und findet immer eine passende Ausrede, warum es nicht gelingt. Sei es der unpassende Schreibtisch, Liebeskummer oder der Kater nach einer wieder einmal durchzechten Nacht in der „Bar jeder Hoffnung", wo er aufgrund seiner ausufernden philosophischen Reden nur noch „der Professor" genannt wird. Letztendlich kommt er doch noch durch ein glücklichen oder mehr unglücklichen Zufall zu seinem Werk. Seine unstillbare Sehnsucht ist damit aber leider nicht erfüllt. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende....
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am 16. Januar 2011
Der Jude Leo, geboren in Wien, mußte als Kind vor den Nazis nach Brasilien flüchten, kehrte mit seine Familie in den sechziger Jahren nach Österreich zurück, um einige Jahre danach wieder nach Brasilien zu gehen. Leo dissertiert über Hegel und langweilt seine Umgebung, auch die angebetete Judith, mit endlosen Monologen über das Objekt seiner Forschung und dessen Philosophie. Judiths Tod (?) öffnet ihm die Augen und er beginnt, auf Basis der Hegelschen Phänomenologie des Geistes seine Theorie über das Ende der Geschichte und die absolute, allgemein gültige Philosophie zu entwickeln, ohne aber in der Lage zu sein, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Ein lebensuntüchtiger, liebenwürdiger Spinner, der glaubt, das Welträtsel gelöst zu haben, der aber immer wieder in die Wirklichkeit zurückgeschleudert wird. Es ist ein Buch, von dessen ersten Seiten ich keineswegs begeistert war, das aber, je weiter ich gelesen habe, einen ungeheuren Sog entwickelt und mich dann bis zur letzten Zeile gefesselt hat - auch aufgrund der knappen, äußerst temporeichen Sprache.
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am 18. Juli 2005
Leo Singer ist der ewige Philosophiestudent, wie er im Buche steht. Das eigentliche Leben im Wien der 60er - Jahre zieht an ihm vorbei, er ist voll und ganz der „Phänomenologie des Geistes" von Hegel ergeben. Mit seiner Familie steht er auf Kriegsfuß, bezeichnet sie als Spießer, glaubt von sich selbst, sich älter geben zu müssen als er ist und versucht in zahlreichen Anwandlungen ein „Werk" nach dem anderen der Menschheit zu hinterlassen. Als er Judith Katz kennen lernt kommt jedoch sein vergeistigtes Leben in Unruhe. Er verliebt sich in sie, ohne es sich einzugestehen, ihm wird bewusst wie weltfremd er ist und zwischen Liebespaar, alte Freundin, Muße und Fastehefrau nimmt Judith jeden nur erdenklichen Platz an seiner Seit ein.
Dann jedoch muss Leo nach dem Tod seines Vaters nach Brasilien um sich um die dortigen Liegenschaften zu kümmern. Dank verschiedener Protegés gelingt es ihm ein Leben nach seinen Anforderungen zu führen, er schreibt besessen an seinem Werk über Hegel, bis ihn der übermittelte Selbstmord von Judith ein weiteres mal aus der Bahn wirft. Doch als er glaubt auch diesen Schicksalsschlag verdaut zu haben, steht Jahre später plötzlich Judith vor der Tür.
Menasse schreibt einen bunten Roman über eine gescheiterte Existenz, der es eigentlich an nichts fehlt, die jedoch mit der Gesellschaft an sich nichts anfangen kann. Leo Singer ist ein ewiger Außenseiter, der in seiner Welt lebt und nicht akzeptieren will, dass es etwas anderes gibt. Er verzweifelt an der Gesellschaft seiner Zeit und ist völlig lebensunfähig, steigert sich in Nichtigkeiten und vernachlässigt das, was er eigentlich tun müsste. Nur dank seiner Herkunft und seiner Freunde ist seine Existenz gesichert. Judith Katz hingegen ist der Fremdkörper in seinem Leben, zeigt seine Fehler, seine Uneigenständigkeit auf. Menasse macht diese mit Hilfe von Hegel und „Tristram Shandy", die er zusammenstoßen lässt und durch Singer und Katz symbolisch in Personen verpackt hat. Allerdings ist der Roman auch gut lesbar, wenn man sich bei diesen Werken nicht auskennt, für Leute, die sich dafür interessieren, birgt er natürlich noch eine weitere Ebene. Menasse aber setzt das nicht voraus, was es zu einem sympathischen und gut lesbaren Buch macht.
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am 8. Januar 2002
Menasse gehört nach meiner Meinung zu den überzeugensten zeitgenössischen Literaten überhaupt. Wie nur wenige schaft er es ohne verkrampft zu wirken, eine Dramaturgie aufzubauen, die dem Leser kaum zulässt, längere Lesepausen einzulegen, ohne in die Verlegeheit zu kommen, hier und dort noch einmal zurückzublättern und das auf eine flüssige und im besten Sinne unterhaltsame Art.
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am 24. August 2012
Ich habe das Buch als Weihnachtsgeschenk erhalten.
Dreimal habe ich dieses Buch nach wenigen Seiten wieder weggelegt,
weil es nur in unangenehm geschwätziger Weise vom 100sten ins 1oooste kommt.
Jetzt habe ich beim 4. Versuch endlich 100 Seiten geschafft.
Jetzt gebe ich auf.
Ich weiss noch immer nicht, was der Autor mit diesem Buch will.
Am Cover steht: ein Liebesroman, ein Kriminalroman, ein philosphischer Roman,
eine jüdische Familiensaga.
Ich habe eigentlich nichts davon gefunden.
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am 9. März 2003
Ein mich sehr überzeugendes Buch.
Mit Bedauern verfolgte ich die Entwicklung des Protagonisten Leopold: vom verträumten, ehrgeizigen und sympathischen Studenten bis zum versoffenen, einfallslosen Greis.
Beim Lesen des Buches wurde ich den Gedanken nicht los, dass Leopold seine Berufung verfehlt hat.
Am Ende seiner Laufbahn kopiert Leopold die Aufzeichnungen seiner ebenfalls der Sucht unterlegenen Leidensgenossin und gibt sie als sein Werk aus.
Aber auch mit dieser Arbeit erlangt er keinen Weltruhm.
Leopold geht als reicher, dem Alkohol verfallenen Philosoph unter.
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