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Kundenrezensionen

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am 10. Oktober 2002
Muschelstrand
Marie Hermanson
Dieses Buch hat mich schon nach mehreren Seiten magisch in seinen Bann gezogen. Wahrlich kein einfaches Buch und doch eine schlichte, ungeschnörkelte Sprache mit suggestiven Naturbeschreibungen z.B. aus dem Leben der Vögel Schwedens. Hierbei entsteht eine vielschichtige Verflechtung mehrerer Erzählstränge in mehreren Handlungsebenen zu unterschiedlichen Zeiten.
Die Ethnologin Ulrike, die sich mit Bergverschleppungsmythen z.B. durch Trolle wissenschaftlich auseinandersetzt blickt nach einem merkwürdigem Skelettfund mit ihren beiden Söhnen am Muschelstrand ihrer Jugend zurück. Dabei erinnert sie sich an die ungleiche Freundschaft zwischen ihr und Anne Marie in den 60 igern. Beide treffen sich jährlich in den Ferien in dem schwedischen Sommeridyll der Familie Guttmann. Diese Journalistenfamilie erscheint Ulrike wie eine Bilderbuchfamilie die sie nie hatte, wohlhabend, intelligent und großzügig, die Kinder alle sehr autark und sehr begabt. Dieses Bild, das Ulrike sich von der Familie macht, bricht in sich zusammen, nachdem die Guttmans die kleine indische Maya adoptieren. Ein Kind, dem viel Liebe und Zuwendung zuteil wird, und dass doch in seiner eigenen Welt lebt, nie spricht und allen ein Rätsel bleibt. Ein Kind, aber auch, dass die Familie Guttmann an einen dunklen Punkt in ihrer Vergangenheit erinnert und mahnt. Mit vier Jahren beim Mittsommerfest verschwindet Maya und wird sechs Wochen später völlig unbeschadet hoch oben auf einem Felsen, weit weg von der Stelle an der sie verschwunden war, wieder gefunden.
Parallel dazu wird die Geschichte der jungen Kristina erzählt. Kristina, lebt auch in ihrer eigenen Welt, ist menschenscheu und hat sich für ein Leben als Einsiedlerin entschieden. Beide Maya und Kristina sind sich ähnlich in ihrer Art ihre eigene Wirklichkeit und Zusammenhänge zwischen den Dingen zu erleben.... Mehr soll hier aber nicht verraten werden, um das Lesevergnügen nicht zu schmälern.
Ein Buch, dass noch sicher lange in mir nachwirken wird und dem ich viele Leser wünsche.
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VINE-PRODUKTTESTERam 14. September 2001
Am Muschelstrand. Im Vogelparadies. Ulrika mit ihren beiden Söhnen. Die Kinder kriechen in die Grotten dort. Und machen eine Entdeckung. Sie finden ein Skelett. Ulrika, die Ethnologin, beschäftigt sich mit Bergverschleppungsmythen in den Weltkulturen. Davon gibt es unzählige Varianten. Oft sind es Trolle, die Menschen rauben. Ähnlich wie auch im Bilderbuch der Wechselbalggeschichte von Maurice Sendak „Als Papa fort war". Ulrika forscht und hält Vorträge. Darüber, wie Verschleppte zurückkehren. In welchem Zustand sie sich befinden. Der Fund von Ulrikas Söhnen katapultiert sie in ihre Vergangenheit. Diese Vergangenheit sind die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Ulrika erinnert sich an ihre Jugendtage während vieler Feriensommer an Schwedens Küste. Die Erzählstränge entwickeln sich. Was zuerst einfach erscheint, entpuppt sich als vielschichtiges Geflecht von Geschichten mehrerer Familien. Familien, die alle miteinander zu tun hatten in dem Leben, das hinter Ulrika liegt. In der Familie Gattmann hat Ulrika sich besonders wohl gefühlt. Sie haben ein kleines indisches Mädchen adoptiert. Mehr und mehr gerät die Kleine in den Mittelpunkt. Bis sie verschwindet. Was zuerst einfach erscheint, entpuppt sich als vielschichtiges Geflecht von Geschichten mehrerer Familien. Die emotionalen Schwingungen verbinden sich mit der Meereslandschaft, die tief an die Seele rührt. Sie ist spannend und ungewöhnlich. Traurig, ja tragisch und trotzdem schön. Es geht um Liebe und Krankheit, um die menschliche Vergeblichkeit, einem Schicksal zu entkommen. In der von ihr so bewunderten Familie Gattmann mit den intellektuellen Eltern und intelligenten Kindern verbergen sich menschliche Tragödien. Niemand kann dem Schicksal entkommen. So wie Ödipus keine Wahl blieb, als die Prophezeiung zu erfüllen, die ihn verfolgte. Obwohl alles darangesetzt wurde, diese Erfüllung zu verhindern. So geschieht es auch hier mit Familien, die sich dann doch dem, was kommen muss, nicht entziehen können. Marie Hermansons Sprache ist knapp und ungewöhnlich. Sie erinnert aber an die Sagas der nordischen Erzählkunst. Eine Geschichte die tief geht und unvergesslich bleibt.
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am 19. November 2009
Nach Jahren kehrt Ulrika mit ihren beiden kleinen Söhnen zurück an den Strand einer winzigen schwedischen Schäreninsel, die sie wohl nie vergessen wird: dort tauchte damals die kleine Maja, die Adoptivschwester ihrer besten Freundin, wieder auf, nachdem sie wochenlang unauffindbar gewesen war.

Viele Sommer hat Ulrika im Ferienhaus ihrer Familie verbracht und sich ständig mit Anne-Marie getroffen, deren Familie so ganz anders war als ihre eigene, weltoffener, fortschrittlicher, warmherziger. Bis die kleine Maja aus Indien adoptiert wurde, ein merkwürdiges Kind, die eines Tages verschwand und das Leben der Gattmanns völlig verändert hat.

In der Nähe lebte damals auch Kristina, eine junge Frau, schweigsam und zurückgezogen, die sich ihre eigene Welt aufgebaut hatte und ihr Leben auf ganz eigene Art lebte.

Dieser einfühlsame Roman springt zwischen Ulrikas Gegenwart, ihrer Vergangenheit und Kristinas Perspektive hin und her und enthüllt ganz allmählich den roten Faden, der alles auf überraschende Weise verbindet.

Mit leiser Melancholie erzählt Ulrika ihre Geschichte, von Freundschaft und Zusammengehörigkeit, von herrlichen Ferien am Meer, aber auch von den Problemen des Erwachsenwerdens und vom Schock, als Maja plötzlich verschwindet.

Kristina hingegen entführt uns in eine Welt des Schweigens und der Naturverbundenheit, die Welt einer Frau, die einfach anders ist als andere Menschen und von diesen nicht verstanden wird.

Eine wunderschöne Geschichte über Familie und Freundschaft, spannend und stimmungsvoll mit zarten Pinselstrichen hingetupft, leicht und gefühlvoll, ohne kitschig zu werden.
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am 28. Dezember 2000
Ich finde das Buch von Marie Hermanson sehr interessant und schön geschrieben. Die Mischung aus Landschafts-, Menschen und Alltagsbeschreibungen lässt den Leser selbst an der Geschichte teilhaben und regt dazu an, noch mehr von den beschriebenen Personen erfahren. Es ist genau das richtige für Schwedenliebhaber und die, die es noch werden wollen. Der Aufbau des Buches ist durch die Zeitreise und die Geschichten von zwei verschiedenen Menschen sehr intersessant dargestellt. Ich finde dabei nur sehr schade, daß man sich das Ende schon ziemlich früh ausmalen kann, es fehlt also ein bißchen die Spannung. Alles in allem ist es jedoch sehr zu empfehlen.
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am 5. August 2012
Dieses Buch wird aus der Sicht zweier Hauptdarsteller beschrieben.
Zum einen lernen wir das Leben und die Welt von Ulrika kennen, welche heute eine alleinerziehende Mutter ist. Sie beschreibt in ihrer Geschichte einen Teil ihrer Kindheit, die sie in den Ferien in einem wunderschönen Haus am Meer bei Familie Gattmann verbringt. Sie freundet sich mit der Tochter des Hauses an.
Zum anderen zeigt uns die Autorin das Leben von Kristina, einer sehr schüchternen Frau, die sich einen großen Teil ihres Lebens hinter Masken versteckt, um sich nicht zeigen zu müssen. Diese Masken sind nicht rhetorisch gemeint, sondern es handelt sich tatsächlich um Masken, die sie sich vor ihr Gesicht hängt. Sehr skurril und rätselhaft verfolgen wir so das Leben dieser eigenartigen Frau.

Anfangs fragt man sich noch, was genau nun diese beiden Frauen verbindet, aber immer mehr kommt man dem Rätsel im Nachhinein auf die Spur.

Das Ende ist dann plötzlich ganz anders, als man vielleicht denkt und hinterlässt, zumindest bei mir, einen sehr melancholischen Nachgeschmack.
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am 15. August 2001
Ein Roman, der in die wunderbar-lichten Sommer Skandinaviens und in die tiefen menschlichen Abgründe führt!
Lest das Buch einmal von der psychoanalytischen Perspektive aus - das gibt spannende, neue Eindrücke!
Maja kann so z.B. als das Unbewußte, als ein anderer Teil, der Ich-Erzählerin Ulrika fungieren. Sie ist deren alter ego. Ebenso wie sie als Projektionsfläche von verdrängtem Schmerz der Eltern fungiert. Maja, das "schwarze" Mädchen aus Indien, gibt somit die dunklen, die verborgenen und unterbewußten Seiten in Ulrika und letztlich in uns allen wider.
Ausgerechnet am skandinavischen Mittsommerabend - heidnischen Ursprungs und mythisch behaftet aufgrund der sehr speziellen Lichtverhältnisse des skandinavischen Sommers - verschwindet Maja spurlos - nachdem Ulrika nicht nur von Anne-Marie, sondern auch von den übrigen Leuten, die auf der Insel Mittsommer feiern, Ablehnung erfahren hat. Anne-Marie nimmt sie kaum noch wahr, umschwärmt von anderen. Also zieht Ulrika sich schließlich zurück. Auf der psychoanalytischen Seite wird dies wiedergegeben durch das Verschwinden von Maja, das eine Katastrophe auslöst und eine ganze - nur scheinbar intakte Familie - zerstört.
Anne-Marie wird von ihrem schlechten Gewissen geplagt, läßt aber in dieser psychischen Notsituation endlich die von Ulrika ersehnte Nähe zu. Bei den Eltern bricht ein Konflikt auf, der nie verarbeitet, nur verdrängt worden war: die Freigabe ihres ersten Kindes - Lena- zur Adoption, weil es missgebildet o.ä. war. Insofern war schon die Adoption Majas der Versuch einer Wiedergutmachung an Lena. Kinder aber können nie die Fehler der Eltern wiedergutmachen und so ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt.
Die Gattmans - Journalisten! - sind unfähig über ihre Gefühle zu sprechen. D.h. sie sind unfähig, diesen Konflikt nun endlich zu verbalisieren und somit zu verarbeiten. Die Ehe scheitert, der Vater wird Alkoholiker und endet als Obdachloser auf der Straße, bevor er schließlich stirbt. Bei ihm findet man Textfragmente, Versuche, das "Abschieben" Lenas doch noch in Worte zu fassen und den Schmerz, die Trauer zu verarbeiten.
Karen Gattman dagegen geht bis an ihre physische und psychische Belastbarkeit, um Maja aus ihrem isolierten Zustand - es wird schließlich Autismus diagnostiziert - zu holen und ruiniert sich schließlich auch finanziell nahezu. Auch dies ein vergeblicher Versuch der Wiedergutmachung, das Geschehene ungeschehen zu machen und stellt zudem eine Art Buße dar. Ruhe findet sie jedoch erst in der Abgeschiedenheit eines Klosters auf Öland. Erst hier ist für Karen Gattman der Prozess der Katharsis abgeschlossen, wenngleich sie sich mit dem Gedanken tröstet, dass Maja bei Lena war und ihr einen Gruß von dort - eine weiße Daunenfeder, Zeichen der Vergebung - mitgebracht hat.
Ulrika begibt sich im Erwachsenenalter wieder zum Muschelstrand, um die Geschichte erneut aufzunehmen, um Spurensuche in der Vergangenheit zu betreiben - instinktiv, impulsiv, unbewußt, denn dass sie mit ihren Kindern zum Angeln will, ist nur ein Vorwand. Dieses Kapitel in ihrem Leben ist offensichtlich noch nicht abgeschlossen. Um aber ihren Kindern und sich selbst eine Zukunft geben zu können, muss sie der Sache auf den Grund gehen. Erst das Foto von Anne-Marie, das ihr Anne-Maries Bruder Jens zeigt, befreit Ulrika vielleicht vollständig von ihrem "Idol" Anne-Marie, denn die goldene, honiggleiche Anne-Marie existiert nicht mehr, ist vielmehr zum fettleibigen Monster mutiert.
Auch die erneute Begegnung - Konfrontation - Ulrikas mit Maja, die nun in einer betreuten Wohngruppe lebt, ist in diesem Zusammenhang als Befreiung von alten Wünschen und Projektionen zu sehen, um diese endgültig zu überwinden.
Maja konfrontiert alle in der Familie mit ihren dunklen Seiten, mit dem, was verdrängt, aber nie verarbeitet worden ist. Lenas Abschiebung steht all die Jahre unausgesprochen zwischen den Eltern. Wer aber hat sich "schuldiger" gemacht? Der Mann, weil er seine Frau zur Adoptionsfreigabe überredet, fast gezwungen hat, oder die Frau, weil sie nicht stark genug war, dem zu widerstehen?
In einem psychoanaltyischen Sinn nach C.G. Jung ließen sich auch die Bergmythen interpretieren, die Ulrika erzählt und als "Geschichten in der Geschichte" fungieren.
Damit gewinnt der Roman viel an Tiefe und zeigt viele Facetten auf - für mich 5 Sterne!
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am 14. Juni 2012
Marie Hermanson springt mit sensiblen Worten zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und der Leser erfährt auf diesem Weg die Geschichte des Verschwindens eines kleines Mädchens - nicht dramatisch sondern leise. Das Verschwinden ist eigentlich nicht unbedingt die Hauptsache, sondern das Leben der Mitmenschen in der näheren Umgebung - vorher und nachher.

Es ist von Anfang an leicht, sich mit den Persönlichkeiten im Roman anzufreunden und Verständnis für die jeweilige Situation zu haben.

Ein kontinuierlich entstehender Spannungsbogen macht das Lesen so angenehm.

Wer ihn nicht auflösen möchte, liest nur bis Seite 260. Das wäre auch ok.

Interessanter Satz: "Auch Steine konnten einen Geist haben, auch sie konnten sprechen - das hatte sie erst kürzlich entdeckt. Deren Stimmen waren leise und murmelnd und legten sich so tief in ihre Seele, daß man ganz rein von Gedanken und Gefühlen sein mußte, um sie zu vernehmen."

Lieblingssatz: "Es gibt Menschen, die einen Schlüssel zu uns haben. Die Räume aufschließen können, die wir immer in uns haben, aber in denen wir noch nie waren."

Lesenswert!
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am 1. Juni 2001
Dieses so spannend, schlicht und einfach wunderschön geschriebene Buch mußte ich direkt zweimal lesen - eine Geschichte um darin zu versinken. Seinen besonderen Reiz bezieht der Roman aus dem Wechsel der Erzählperspektiven und der interessanten Beschreibung unterschiedlicher Charaktere, die durch die Jahre zurückliegenden rätselhaften Ereignisse um die kleine Maja geschickt miteinander verwoben werden. Sehr empfehlenswert!
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am 4. August 2005
Ein wunderbares Buch welches eine Stimmung im Leser aufbaut, die man fast nicht beschreiben kann. Muschelstrand ist eines dieser Bücher bei dem man am Schluss traurig ist, dass es zu Ende ist, denn man könnte ewig in dieser Lebensgeschichte verweilen....
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am 3. April 2012
---- ein für mich unvergessen bleibendes Buch! Sensibel geschrieben, geschickt konstruiert und mit immer wieder überraschenden Wendungen. Wunderbare Naturbeschreibungen, stimmige ruhige Atmosphäre. Und vor allem die Frage: ist UNSER "normaler" Blick auf die Welt und die Dinge der einzig richtige ...Und, wie fragile ist unsere scheinbar (intakte, bewundernswerte) Familie .... Ich fand das Buch unglaublich berührend, es hat mich regelrecht aufgewühlt, trotz seiner Stille. 5 Sterne und mehr für Leser, die keine laute Unterhaltung mögen und sich hin und wieder lieber über Schnalzlaute verständigen würden ....
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