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am 21. November 2001
Hier haben wir endlich das Standard-Werk über die frühe und also wahre Neue Deutsche Welle. Auf 370 Seiten reden die maßgeblichen Akteure der Jahre 1977 bis 1983, und keine anderen: Jäki Eldorado, Franz Bielmeier, Moritz R, Peter Hein, Tommi Stumpf, Harry Rag, Alfred Hilsberg, Blixa Bargeld, Gabi Delgado, Gudrun Gut, Carmen Knoebel, Chrislo Haas, der Zensor, die Humpe-Schwestern, die Diedrichsen-Brüder und all die anderen sagen, wie's war, wie alles begann und das im O-Ton: Als Punk 'rüberkam, waren die ganzen pubertären Unsicherheiten per Definition abgelegt. Die Macht der Straße, ein Wegwischen alles Gestrigen, Langweiligen, Spießigen. Punk bot Berechtigung und Nestwärme für Anderssein, für schräge Projekte, für Dilettantentum, für selbsterlebtes, anarchistisches Leben, wo selbst das Losertum noch Format und Relevanz besitzt. Zwischen dem Heute und der Lebensversicherung mußte es doch noch ein paar Kicks geben. Und die konnten Hippies und Rocker nicht geben.
Im Mittelpunkt des Buchs stehen die Projekte, die oftmals lange gegründet waren, noch bevor der erste Ton gespielt war: Charley's Girls, Male, Mittagspause, S.Y.P.H, Minus Delta T, Der Plan, Fehlfarben, KFC, Mania D., Einstürzende Neubauten, Abwärts, DAF usw.
Wir lesen: Über erstaunliche Ereignisse, Fakten und bis dato unausgesprochene Gedanken, über Schlägereien zwischen Avantgardebands und Punk-Publikum, zwischen Teds und Punx und überhaupt über die im Rückblick unglaubliche Gewalt in der Szene. Darüber, wie irgendwann Bands wie Der Plan und S.Y.P.H. nicht mehr als Punk galten und Punk nur über "Lederjacke und grüne Haare" definiert wurde - worüber sich die meisten der frühen Szene ärgerten. Über Einflüsse der RAF und Neo-Nazis. Über Mäzene und Unkommerzialität. Ratinger Hof und Marktstube. Fanzines und Tapes. Über die Ablehnung von Clash, Sid Vicious, Ideal und der industriellen NDW. Im Anhang: eine relevante Zeittafel und biographische Notizen (aus der beliebten Serie "Was wurde aus ...?").
Dieses Buch beendet viele Mutmaßungen über jene Zeit und beantwortet viele offen gebliebene Fragen. Z.B. über das Mysterium "Peter Hein". Spannend und gut zu lesen. Der Soundtrack dazu steht in Eurer Platten-Sammlung!
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am 2. Januar 2003
Ein wundervolles Buch - der Autor Jürgen Teipel hat in akribischer Arbeit einige hundert Zeitgenossen der deutschen Punk-, Industrial- und New Wave-Bewegung befragt und aus den zahlreichen Antworten eine chronologische Reise durch eine der intensivsten Phasen der deutschen Nachkriegsgeschichte zusammengefügt. Angesiedelt sind die Statements in der deutschen Punk-Geburtsstadt Düsseldorf (Ratinger Hof) und den späteren Epizentren Hamburg (Marktstube, Karoviertel und Markthalle) und Berlin (SO 36) zwischen 1976 und 1983, also zwischen der grauen Ära des Späthippietums und deutschen Terroristentums sowie von Helmut Kohls Machtergreifung und dem Ausbruch der kommerziellen Neuen Deutschen Welle. Die Liste der Interviewten ist lang und reicht von Musikern wie Peter Hein (Fehlfarben), Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten), DAF, Campino (Toten Hosen), Andreas Dorau und Nina Hagen zum Autor Peter Glaser, Indie-Labelchef Alfred Hilsberg oder den Schauspieler Ben Becker.
In umfangreichen, authentischen, lustigen und teil intimen und erschütternden Bekenntnissen zeigen sich darin nicht nur persönliche Aufstiegs- und Fallstudien einzelner Beteiligter, sondern auch ein detailliertes Bild einer umbrechenden deutschen Gesellschaft, die damals alles andere als rosig war. Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass man 1977 alleine beim Tragen von kurzen Haaren und bunten Stickern auf der Straße noch von Hippies als Faschist bezeichnet, von Proleten zusammengeschlagen, von Rentnern beschimpft und von Bauarbeitern mit Dachlatten durch die Stadt gejagt worden ist.
Jedenfalls kann ich jedem, der sich für die Entwicklung der der deutschen Musik interessiert, dieses Buch wärmstens ans Herzen legen, und sicherlich wird der eine oder andere über 30jährige sich in manchen Momenten wiedererkennen. Zudem wird hierbei deutlich, dass Punk in erster Linie eine Einstellung und ein Sammelbecken für die unterschiedlichsten neuen Lebens- und Musikstile war, und nicht die Reduktion auf Prä-Beckham-Hahnenkampffrisur, Dosenbier und reinen Proletenrock.
Zu dem Buch gibt es neben einigen Schwarzweißbildern auch eine hilfreiche Zeittafel der Ereignisse sowie eine biografische Übersicht über den Verbleib der Punkheroen, von denen einige heute als Musikmanager, Lagerarbeiter, Heilpraktiker, Ingenieur, Banker oder Künstler arbeiten. Und die gleichnamige Doppel-CD dazu sei auch jedem ans Herz gelegt!
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am 16. November 2001
Das hier ist ein Buch über die Neue Deutsche Welle, Deutschpunk, und wie es überhaupt dazu kommen konnte. Nicht EIN Buch, sondern das beste: Jürgen Teipel hat Interviews mit über 100 (!) Prominenten der damaligen Musikszene geführt und zu einem Nonstop-Anekdotenreigen geformt, der einem die damalige Zeit so nahe bringt, daß man fast glaubt, dabei gewesen zu sein... Ich lasse nur einige Namen fallen: Alfred Hilsberg, Peter Hein, Harry Rag, Holger Hiller, Xao Seffcheque, Der Plan, Andreas Dorau, Franz Bielmeier, Jürgen Engler, Campino, Blixa Bargeld, die Diederichsens, Gudrun Gut, Wolfgang Müller, Tommi Stumpff, Thomas Meinecke, undundund... Irrsinn! Teipel hat sie alle gesprochen, und was diese Leute an Histörchen auf Lager haben, läßt jeden Interviewer vor Neid erblassen und jeden Fan erschaudern vor Wonne... Eine hautnahe Nachvollziehung der Entwicklung, die mit Punk begann und mit Nena, Markus + Konsorten endete. Die Homepage des Autors enthält einige tolle Fotos von den Leuten.
Für Interessierte ein Jubelfest - ein verdienstvolles, ein spannendes Buch!
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am 29. Februar 2004
Alles über die Zeit, als Punk noch neu und aufregend war. Als der Mief und die Erstarrungen der Hippie-Ära hinweggefegt wurden. Als Düsseldorf die spannendste Stadt überhaupt war.
Die Geschichte von Punk und New Wave in Deutschland bietet allein schon Stoff genug für ein packendes Buch. Jürgen Teipel macht noch mehr daraus: Das Buch besteht komplett aus Interviews mit damals Beteiligten. Teipels Eingreifen liegt „nur" darin, dass er arrangiert, indem er die Interviewpassagen so anordnet und zum Teil auch aufeinanderprallen lässt, dass sie mehr oder weniger vollständige Geschichten ergeben. Das macht es ungleich lebendiger und spannungsgeladener, als wenn er kommentierend oder nivellierend eingegriffen hätte. Es vermittelt sehr das Rohe und Ungeschliffene jener Phase, und besser als damit kann man diesem Stoff gar nicht gerecht werden.
Wenn Gabi Delgado über Punk sagt „Ich wollte nur die Attitüde, die Pose und die Energie" und der Leser anhand des Vorangegangenen sehr genau nachempfinden kann, was er meint, dann spricht alles dafür, dass es sich hier um ein großes Buch handelt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 18. Februar 2016
Wer wie ich in den 70ern in der BRD aufwuchs und in jenem Jahrzehnt sozialisiert wurde, darf wohl konstatieren, dass damals eigentlich eine nie zuvor gekannte Offenheit und Libertinage herrschte. Die Fesseln der restriktiven Nachkriegszeit der 50er- und 60er-Jahre schienen endlich und unwiderruflich gesprengt zu sein. Fast keiner von uns Jugendlichen konnte sich auch nur vorstellen, dass es jemals wieder eine konservativ geführte Bundesregierung geben könnte.

Also die totale Freiheit? Nein, nur scheinbar. Denn nach wie vor waren 'alte Kameraden' überall in höchsten beruflichen Positionen zu finden, lebten gewisse Lehrer munter ihren alltäglichen Sadismus aus und erzogen viele Eltern ihren Nachwuchs mit körperlicher und/oder verbaler Gewalt.

Und musikalisch? Musikalisch war auf einmal wirklich alles möglich und ließ sich sogar in mehr oder weniger großen Stückzahlen an den Mann und an die Frau bringen: Schlager, Liedermacher, Humoristen, Klassik, Pop, Glam Rock, Hard Rock, Art Rock, Progressive Rock, Softrock, Jazzrock, Politrock, Electronic, Folk, West Coast, Country, Reggae, Funk, Soul, Disco, Jazz usw. usf.

Und dann dämmerte das Jahr 1977 herauf. In England (sprich: London) und den USA (sprich: New York) positionierte sich eine neue Form der Rockmusik, die sich Punk (laut Englischwörterbuch 'Mist' oder auch 'Blödmann') nannte, als zumeist rasend schnelle Mischform aus Glam und Hardrock daherkam und eine Weltanschauung propagierte, die eigentlich alles ablehnte, negierte, hasste, was kurz zuvor noch absoluter Konsens gewesen war, nämlich dass alles ging und irgendwie mehr oder weniger in Ordnung war.

Doch die Punkwelle war in England eigentlich recht schnell wieder vorbei und ging 1978 fließend in etwas über, das 'New Wave' genannt wurde und die populäre Musik der 80er bis in die Gegenwart entscheidend beeinflussen sollte.

In Deutschland reagierte man, wie fast immer, erst mit leichter Verzögerung, doch dann umso heftiger: Eine zumeist neue Generation von Musikjournalisten nahm vor allem in der Zeitschrift 'Sounds' das britische und amerikanische Phänomen begierig auf, erklärte Punk/New Wave quasi zur Religion, propagierte zugleich die Amateurisierung der zeitgenössischen Musik und betrachtete jede Form von Professionalität oder gar Virtuosität fortan als strafbares Vergehen. Es war eine Art mediales Bashing, bei der sich Hybris und Intoleranz zu einem zynischen Gebräu vermischten.

In West-Berlin, Hamburg und Düsseldorf wurde das neue Evangelium besonders begierig aufgenommen. Jugendliche und junge Erwachsene, darunter feinsinnige Denkernaturen ebenso wie Deppen, kleine Diebe und totale Chaoten, taten sich zu Bands zusammen, um eine Art Anti-Mainstream-Kultur zu etablieren, deren Sinnspruch hätte lauten können: 'Wir verachten eigentlich fast alles, inklusive uns selbst. Wir haben nix, wir können nix, wir wollen auch gar nix können - außer irgendwie kreativ zu sein'.

Hakenkreuz-Shirts und RAF-Sympathie, 'rotten look' und 20er-Jahre-Eleganz, Sadomaso und verklemmte Schüchternheit, alles war dabei.

Bis heute unfassbar bleibt die brutale, primitive körperliche Gewalt, mit der, vor allem in Düsseldorf (Ratinger Hof) und Hamburg (Markthalle, Karoviertel) sinnfreie Richtungskämpfe zwischen verfeindeten 'Interessengruppen' ausgetragen wurden. Es mutet wie ein Wunder an, dass dabei offenbar niemand bleibende körperliche Schäden erlitt oder gar zu Tode kam.

Viele der Protagonisten jener Jahre, übrigens zu etwa 85 % Männer, kommen in dieser unvergleichlichen Fleißarbeit des Journalisten und Schriftstellers Jürgen Teipel (Jahrgang 1961) ausführlich und ungehemmt zu Wort. Darunter finden sich diverse eigentlich längst vergessene, jedoch immerhin semilegendäre Figuren, aber auch prominente Köpfe wie Holger Czukay von Can (eines der wenigen deutschen Vorbilder der jungen Wilden), Ben Becker, Nina Hagen, die Humpe-Schwestern Annette und Inga, Campino, die Mitglieder der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft (= DAF), der Einstürzenden Neubauten, Journalisten wie Diedrich und Detlef Diederichsen und natürlich der schillernde Labelchef und 'Erfinder der Neuen Deutschen Welle' Alfred Hilsberg.

Wenn man sich die Mühe macht (und manchmal ist es wirklich Mühe!), dieses Werk tatsächlich von vorne bis hinten durchzulesen, entsteht aus einem oftmals spannenden, wegen diverser Redundanzen manchmal aber auch etwas anstrengenden Puzzle am Ende das Gesamtbild einer 'Bewegung', das in sich sehr widersprüchlich erscheint, am Ende jedoch ein faszinierendes Porträt ergibt - allerdings eines, das von Picasso gemalt sein könnte. Nach fast jedem Leseabschnitt (auf dem Klo, wo sonst!) drängte sich mir angesichts von Blut, Schweiß und Spucke unwillkürlich der Wunsch nach einer heißen, reinigenden Dusche auf.

Kurzum: Dieses Buch, das durch eine sehr empfehlenswerte, inzwischen fast nur noch zu Mondpreisen erhältliche Doppel-CD gleichen Namens flankiert wurde, ist wirklich die absolute Härte! ;-)
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am 20. Oktober 2006
Can war bereits Punk. Die Jungs haben es bei einem Auftritt fertig gebracht alle(!) Zuschauer aus dem Saal zu vertreiben. Der KFC und Nichts waren das krawalligste in der deutschen Punkbewegung. Die Toten Hosen werden als Deutsch Rock tituliert und nicht als Punk. Campino wird als Peter Hein Imitator entlarvt und Gabi Delgado nahm keiner in der Szene ernst. Ausgerechnet DAF waren dann aber das innovative Vorzeigeobjekt dieser Phase. Tja, dieses Buch ist unterhaltsam und kurzweilig. Nicht nur für diejenigen, die dabei waren sondern auch für unsere jüngeren Musikfreunde. Dieses Buch bietet einen fantastischen Einblick in eine der besten und innovativsten, letztlich auch schönsten Zeiten der deutschen Musikgeschichte. Das dieses Buch so gut geworden ist liegt auch an den Zeitzeugen, die chronologisch im weitesten Sinne über die deutsche Punk Szene berichten!
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am 11. August 2003
Mit Hunderten, nein mit Tausenden von Leuten hat Autor Jürgen Teipel gesprochen für dieses Buch. Er hat Interviews geführt mit den meisten Leuten, die Punk (in Deutschland) angefangen und geprägt haben. Die ihn erfunden und gelebt haben. Prominente wie Inga Humpe oder Nina Hagen kommen zwar vor, spielen aber eher Nebenrollen. Die Pioniere, die ersten, die keiner kannte, die sich die Haare mit Plakatfarben bunt malten, weil es noch keine geeigneten Haarfärbemittel gab, das sind hier die Helden. Die kein Instrument beherrschten, die nicht singen konnten und trotzdem Bands gründeten in Düsseldorf, Berlin und Hamburg. Die sich ihre Klamotten selbst bastelten, sprühten und zusammenklebten. Die eine Art von Vision hatten, den Mut, sich abzugrenzen, auszuleben, anzuecken, dagegen zu sein. Gegen alles. Ohne Rücksicht auf Verluste, gegen jede Konvention, gegen jede Regel. Kompromisslos. Klingt nostlagisch-verklärt - und ist es natürlich auch. Was sollen Leute auch erzählen, die vor 20 Jahren eine Bewegung erfunden haben, die heute genauso in Trümmern liegt wie die Illusionen der 68er. Die adaptiert ist von Kommerz, entstellt, verzerrt, nicht mehr schockierend.
Ich selber konnte mit Punk nie so richtig was anfangen. Als Musikstil war mir Punk immer zu laut, zu extrem, zu aggressiv, zu richtungslos - obwohl ich Anfang der 80er AC/DC und Black Sabbath hörte. Aber es hat mich immer interessiert, warum jemand so sein wollte. Freiwillig. Welche Geisteshaltung dahinter stecken konnte, auf Teufel komm raus gegen alles zu sein. Wie diese Leute tickten, über die jeder den Kopf schüttelte, die Medien voran.
Das Buch hat mir ein paar wertvolle Synapsen in der Rübe geknotet. Insofern war es für mich unverzichtbar und wertvoll. Unterhaltsam außerdem. Aber das muss jeder selber für sich rausfinden.
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am 25. Februar 2007
Deutschland 1976, gelangweilte Blagen oder Rabauken suchen ihren Weg. Dieses Buch bezieht sich auf die zuletzt getätigten Aussagen der deutschen Alt- Punk- Prominenz. Schwerpunktmäßig jener aus Düsseldorf und Berlin. Leider bleiben viele Bands (wie die aus Hannover) die den deutschen Punk- Rock prägten, unerwähnt.

In der heutigen Zeit wird es für viele schwierig zu verstehen sein, welche Probleme es einst mit dem Punksein gab. Ich selbst kam erst 1980 dazu (und merkte schnell wie viel Spaß die deutschen Bürger mit grünen Haaren hatten) und kann mich deshalb auch nur auf die Geschichten von 76er Punk Rockern beziehen.

Egal- das Buch bezieht sich auf die Aussagen der Male (erste deutsche Punk Band) Leute, Mittagspause, DAF u. s. w. Der größte Teil der zu Worte kommenden Alt Punx haben mittlerweile ihren Weg gemacht, bedeutet sie sind erfolgreich im Berufsleben. Sprich Jürgen Engler als Produzent oder Kopf der Krupps oder Marc Chung von den Neubauten der mittlerweile Vize- Präsident eines großen Labels ist. Ben Becker hat es zum Schauspieler geschafft, Blixa Bargeld macht... - das wird mir zu umfangreich... weiß doch eh jeder bescheid.

Einige werden die in diesem Buch getätigten Aussagen als Bravolastig bezeichnen- vielleicht haben diese auch recht. Allerdings sind dieses halt die Originalaussagen der Betroffenen und darauf hat der Autor keinerlei Einfluss. Wer sich für die Thematik interessiert wird einiges dazulernen, z. B. wie Peter Hein Jürgen Engler traf, warum DAF Arschlöcher sind, was Punk Rock damals für die Gesellschaft bedeutete u. s. w.

Das Buch lässt sich zum Zeitvertreib sehr gut lesen und wer nicht gerade auf intellektuelle Werte wert legt wird hier seine Freude haben. Die parallel erschienene CD ist übrigens sehr interessant.
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am 7. September 2004
Ich habe von diesem Buch schon einiges gehört und war am Zweifeln, ob ich es mir zulegen sollte, denn einige, die es gelesen hatten waren der Meinung es wäre nur interessant, wenn man diese Zeit selbst miterlebt hätte.
Ich habe es trotzdem mit 16 Jahren gelesen, weil ich mir ein Bild von dieser Zeit machen wollte und mich die Musik interessiert hat. Es war interessant auch mal die Vorbilder der heute erfolgreichen Ärzte oder Toten Hosen zu hören.
Nun zum Buch selbst. Ich habe nicht bereut es gelesen zu haben! Es bringt einem heutigen Jugendlichen diese damalige Zeit sehr gut näher und man kann sich auch richtig in die Personen hineinfühlen. Man sollte allerdings von den Personen mit denen Interview geführt wird, schon mal etwas gehört haben, dann ist es auch interessant etwas aus deren Jugend zu hören!
Auf jeden Fall auch empfehlenswert, wenn man nicht "dabei war"!
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am 21. Februar 2009
Ein Klasse-Buch, das mich sofort gefesselt hat. Allein die Struktur, die Erzählung über aneinandergereihte Interviewsequenzen der damals Beteiligten zu einem stimmigen Fluss zu bringen, macht das Ganze lesenswert und authentisch. Der Autor agiert als Monteur, nicht als Kommentator (obwohl das bei einigen Aussagen zum Umgang mit Nazisymbolen hin und wieder gut geweeen wäre).
Natürlich ist es richtig, das Buch einen Doku-Roman zu nennen, was nicht nur der Erzählstruktur Rechnung trägt, sondern auch den Interview-Aussagen. Nach 25 Jahren kann es sicherlich vorkommen, dass der eine oder andere Protagonist seine Erinnerungen im Rückblick anders einfärbt, aufbläht, über- oder untertreibt.
Nichtsdestotrotz wird hier ein klasse facettenreiches Gesamtbild der der aufkeimenden Punk- und New-Wave-Szene und der umgebenden politischen und gesellschaftlichen Stimmung in der BRD wiedergegeben. Erzählt von denen, die dabei waren, die die Ersten waren, die ihr Scherflein zur Entstehung, Entwicklung und Verzweigung beitrugen.
Die Erkenntnis daraus ist, dass Punk damals eine komplett neue Form von Jugendkultur war, die sich von allem abgrenzen und anders sein wollte und deren Haupttriebfeder die Provokation war - gegen alles und jeden, d.h. gegen den Staat, gegen Hippies, gegen Rechts und Links. Und das Alles abseits jeglicher Uniformität und Prollgehabes und in den Anfängen auch durchaus als straight edge-Bewegung.
Und dies ist etwas, was der Punk-Bewegung dann spätestens ab 1982 verloren ging. Seither ist Punk eine uniformierte und nicht selten geistlose Bewegung, die dem Exzess mit Alk und Drogen frönt und in den Städten als Bettlerei mit bunten Haaren auftritt.
Damals stand die Bewegung für Provokation, Innovation, Fantasie und künstlerischen Dilettantismus.
Und auch wenn einige der Gruppen dann zu Beginn der 80er plötzlich richtig erfolgreich wurden (z.B. DAF, Andreas Dorau, Die Krupps), so war das dennoch immer noch brachialer und verstörender als der ganze Weichspülkram, der 1982 durch die Hitparaden schwappte und heute fälschlichweise als NDW gefeiert wird.
"Es liegt ein Grauschleier über der Stadt, den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat." (Fehlfarben)
"Grüne Geher, Gelbe Renner, Rote Tote - Ampelstadt" (Male)
Für alle, die Male, Fehlfarben, DAF, Mittagspause, ZK, Die Krupps, Neonbabies, KFC, Der Plan, Pyrolator, Abwärts, Einstürzende Neubauten, Frieder Butzmann, S.Y.P.H., Östro 430, Die Tödliche Doris, Malaria, Andreas Dorau, Hans-A-Plast, The Wirtschaftswunder oder Palais Schaumburg mögen.
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